Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Samstag, 28. Juni 2014

Letzter Schultag - Aus den Augen, nicht aus dem Sinn


Letzter Schultag - Ferienbeginn. Für uns war es am Donnerstag wieder soweit. Normalerweise in Schulen rund um die Welt Anlass zu purer Freude: Auf geht's mit Gebrüll in ein paar unbeschwerte Sommerwochen; und, lässig zu den Schulfreunden hingeworfen noch ein "Man sieht sich....." (spätestens am ersten Schultag nach den Ferien!).


An Auslandsschulen sieht das ein wenig anders aus. Da werden am letzten Schultag oft auch bittere Tränen vergossen - und das nicht unbedingt wegen des miesen Zeugnisses, sondern, weil enge Freunde die Klasse verlassen. Und zwar für immer. Da heißt es dann "Man sieht sich..... irgendwann mal, in diesem Leben? Werden wir chatten oder skypen? Leb wohl!"
Abschiednehmen gehört zum Expat-Leben dazu, doch daran gewöhnen kann man sich irgendwie nie so richtig.

Aufregung vor der Schuljahresabschlussveranstaltung der Deutschen Schule AD
Auch diejenigen, welche dieses Jahr ihren Lebensmittelpunkt nicht komplett ändern, sind jeweils zum Beginn und zum Ende der langen Ferien mit Abschieden konfrontiert: Einmal von den Freunden  hier, dann wieder von denen und den Verwandten im Herkunftsland.
Wenn man die eigenen Eltern und Geschwister, die Omas und Opas, die Onkel und Tanten, auch die ehemaligen Mitschüler und Lehrer oder alte Freunde wiedersehen und Beziehungen aufrechterhalten will, sind die Ferien dennoch immer zu kurz. Es ist nicht immer leicht, lebendige Beziehungen aufrechtzuerhalten, wenn man sich nur ein, im besten Falle zwei Mal im Jahr mehr oder minder kurz sieht.

Die Zeit dazwischen wird mit moderner Kommunikationstechnik überbrückt (oft verteufelt, aber ein HOCH! auf sie von allen Expats in dieser Beziehung...) - E-Mail, Facebook, Twitter, Telefon, Skype, SMS, WhatsApp, Instagram,.... Wie viele Freundschaften auch bei mir wären längst an der Entfernung - räumlich wie geistig gesprochen - kaputt gegangen, wenn es das alles nicht gäbe?! Meine ältere Tochter ist bei WhatsApp in einer Gruppe, welche die "virtuelle" Klasse an der Deutschen Schule Tripolis / Libyen darstellt, welche im Februar 2011 aufgrund der politischen Verhältnisse über Nacht auseinandergerissen wurde, ohne dass Zeit für eine Verabschiedung gewesen wäre - Jahre danach sind alle Mitglieder jener Klasse also doch wieder in Kontakt!

Ich finde, ein erfreuliches Zeichen, denn etwas überrascht war ich, als ich erkannte, dass auch bei Kindern, selbst noch sehr jungen, das berühmte "Aus den Augen, aus dem Sinn" nicht stimmt. Selbst wenn sie manchmal monatelang kaum voneinander hören, ist doch die Verbindung dann schnell wieder da. Unsere Töchter haben es sich zu einer schönen Gewohnheit gemacht, bei jedem Heimaturlaub in Deutschland für ein, zwei Tage ihre jeweiligen "alten" Klassen da zu besuchen. Zwischendurch gibt es ab und an eben elektronischen Kontakt.
Bild: iStockPhoto


Und so lernen die Kinder - bei allem Kummer, der ihnen aufgrund dieser Lebensweise manchmal beim Abschiednehmen auferlegt wird - doch etwas sehr Wertvolles: manche Freunde begleiten einen ein Stück des Wegs und haben dort ihren Platz, den man gern erinnert. Und einige Freunde hat man sogar dann fürs Leben, wenn man sich mal ein paar Monate oder auch Jahre nicht sieht!
Nun sind bei uns die Schulranzen erst einmal für eine Weile erleichtert in die Ecke gestellt worden -  sowohl mit Trauer als auch Freude gleichermaßen.

Montag, 23. Juni 2014

Supermarkt: "gefährliches Verhalten"


Solche Schilder findet man hier oft am Eingang von Shopping Malls und Supermärkten:

Hinweisschild mit Verhaltensregeln für den Supermarkt

Natürlich habe ich mich gefragt, was denn "gefährliches Verhalten" sein könnte? Vermutlich ist damit gemeint, dass Kinder nicht auf dem Einkaufswagen hängend herumsurfen und harmlose Omas umfahren sollen.

Was Bekleidung angeht - mir ist es ein einziges Mal passiert, da sprach mich in einer Shopping Mall eine alte emiratische Dame an . Sie fiel sofort auf, denn wirklich alte Leute mit Runzeln und weißen Haaren sieht man hier so selten wie einen Geparden auf der Hintertutziger Landstraße. Ich trug ein bodenlanges, zugegebenermaßen aber ziemlich tief ausgeschnittenes Kleid. Sie fragte höflich in sehr gutem Englisch, ob ich Touristin sei oder hier wohne, ich bejahte das zweite. Die Dame meinte, vielleicht könne ich ein Jäckchen drüberziehen; mit einem eher abschätzigen Schulterzucken Richtung Umgebung und sowie verschwörerischem Augenrollen zu mir: "Sie wissen ja, die Männer hier -  nicht, dass die Sie dann anstarren...."
Ich habe mich für Ihren Hinweis freundlich bedankt, sie hatte ja Recht. Vor allem hatte sie ihr sicher persönliches Missfallen sehr geschickt verpackt. Starrende Emiratis haben ich bisher übrigens noch keine erlebt; genauso, wie mich in Saudi-Arabien nie ein Mann "offiziell" überhaupt zu sehen schien, sind sie hier doch sehr dezent. Was nicht heißen muss, dass sie nicht aus dem Augenwinkel einiges registrieren.....

Erst dieser Tage überraschte mich die Zuvorkommenheit eines emiratischen Herren. Man muss dazu wissen, dass hier eine unausgesprochene Drei-Klassen-Gesellschaft herrscht (zuerst die Emiratis, dann die westlichen Ausländer, dann die meist aus asiatischen Ländern stammenden Gastarbeiter). Mir war eine Münze aus dem Portemonnaie gerollt - direkt vor die weiße Sandale eines Emiratis. Der bückte sich und überreichte mir meinen Dirham. Ich hab mich freundlich mit "shukran" bedankt, denn auch wenn Emiratis die Frau durchaus ehren, so ist ein "Bückling" bei ihnen doch eher ungewöhnlich, zumal ich ja auch noch eine Fremde bin.

Emiratische Damen beim Einkauf


Natürlich gibt es in den Emiraten bestimmte Kleidungsvorschriften, oder soll ich besser sagen: Vorschläge. Keine Hot Pants, Schulter bedeckt, einfach nicht zu viel nackte Haut. Das ist völlig ein-, oft einfach auch optisch schöner anzusehen; niemand verlangt hier von nicht-emiratischen Frauen, eine Abahja zu tragen! Da sollte man schon den Anstand besitzen, sich den Gepflogenheiten des Gastlandes zumindest anzunähern.
Was allerdings "nicht zu viel nackte Haut" tatsächlich ist, wird in diesem sehr toleranten Land doch auch sehr frei ausgelegt von seinen Einwohnern. In Abu Dhabi, noch mehr allerdings in Dubai, sieht man gerade bei Damen die gesamte Palette westlicher Bekleidung: von Jeans, T-Shirt und Blazer über Kleider bis hin zu super-Minis; gerade mal, dass niemand im Bikini auf der Straße herumläuft. Gemischt mit den schwarzen (oder bei Männern: weißen) einheimischen Roben, indischen Salwar Khamis oder Saris und pakistanischen Pyjamas ergibt das ein farbenfrohes und vor allem einträchtig internationales Bild.
Festlicher Schmuck auch im Carrefour-Supermarkt: "Ramadan Kareem" (s.v.w. "schönen Ramadan!")
Jetzt, kurz vor Beginn des Ramadan  (dazu gibt's demnächst noch einmal eine separate Kolumne), schmücken sich die Shopping Malls und auch Supermärkte hier mit Spruchtafeln, Dekorationselementen und natürlich Ramadan-Sonderangeboten (Großfamilienpackungen aller möglicher Lebensmittel, verbilligte Süßigkeiten usw.)  - so, wie bei uns in Deutschland in der Adventszeit! Anstatt der sonst eher sterilen Geruchsfreiheit wurde ich heute beim Einkauf schon im Eingangsbereich von festlichen Weihrauchdüften begrüßt!




Donnerstag, 19. Juni 2014

"Bye-bye": Sommer = Exodus aus der Zweitheimat, manchmal für immer

Die Sommerpause naht. Hektische Betriebsamkeit bricht in der bereits lähmenden Hitze ab Anfang, Mitte Juni immer aus. Unter den Schülern, die möglicherweise noch letzte Zensuren "retten" müssen genauso, wie unter den Erwachsenen. Mütter packen langsam Koffer.... für oft ein, gar zwei Monate im Herkunftsland.

Abschiedsfeiern...


Der traurigste Teil im Expat-Leben - jedoch unausweichlich - findet auch meist so um das Ende des jeweiligen Schuljahres statt: Familien verlassen nach soundsovielen Jahren wieder die Zweitheimat, gehen "heim" oder in ein ganz neues Einsatzland. Wenn man hier über gemeinsame Bekannte spricht, hängt da oft ein Satz á la "Die sind nun auch schon wieder ein Jahr weg", oder "XY wird ja dann nächstes Jahr gehen...." mit dran. Deshalb finden im Juni ziemlich viele bittersüße Parties statt: Farewell-Partys, auf denen die lieb gewordenen Freunde und Bekannten die nun Wegziehenden noch einmal richtig feiern.

Das also ist die Kehrseite eines Lebens, das von vielen "Daheimgebliebenen" heimlich oder offen beneidet wird: Abschiede, Abschiede, Abschiede. Immer wieder. Wenn man bedenkt, dass für Expats die Freunde am jeweiligen Ort auch immer ein stückweit "Familienersatz" darstellen, keine leichte Übung. Also mal wieder: Mails, Skype, Facebook, WhatsApp,....

Vielleicht ist es dieses Wissen darum, dass die jeweilige Gemeinschaft so instabil, so sehr auf Zeit ist, dass man sich schnell nahe kommt, die gemeinsamen Unternehmungen intensiv sind - sei es nun ein gemeinsames Wüsten-Picknick, eine "Mädels-"Runde, eine Bootstour oder eine ausgelassene Motto-Party... Sicher trägt dazu auch bei, wie sehr man aufeinander angewiesen ist gerade zu Beginn - ohne hilfreiche Tipps von anderen Expats würde man untergehen!

Freunde - für ein paar Monate oder auch für ein Leben


Schon lange hat der Begriff "Freunde" viele Schattierungen für mich, viel mehr, als das vielleicht der Fall wäre, wenn ich immer in Deutschland geblieben wäre. Ein "Freund" kann die Herzensfreundin sein, mit der man auch die letzten Ecken des geplagten Seelchens beleuchten kann. Aber eben auch jemand, mit dem man sich jeden Monat einmal zu einem bestimmten Anlass trifft, sich dann aber so traut miteinander unterhält, als gäbe es die Pausen dazwischen gar nicht. Ein Freund kann jemand sein, von dem ich weiß, dass ich ihn oder sie nach einem halben Jahr vermutlich niemals wiedersehen werde (oder vielleicht doch? Es ist erstaunlich, wie häufig das "you always meet twice" gerade auf im Ausland Lebende zutrifft!). Und mit dem mich doch enge Gespinste aus Gemeinsamkeiten und Sympathie verbinden.


Nach all den Jahren der Beziehungen zu Menschen, die man aufbaut schon in dem Wissen, dass es vermutlich eine "endliche" Verbindung sein wird, haben auch solche kurzen, Teil- oder vermutlich sogar ein bisschen oberflächlichen Freundschaften nicht weniger "Wert" für mich als die, welche quasi noch aus dem Buddelkasten stammen. Jede Begegnung mit einem anderen vis-a-vis, jeder Austausch ist mir wertvoll, erweitert meinen Horizont, macht mich reicher...

Und es immer bleibt auch die Hoffnung, dass sich aus recht unverbindlichen Zweckgemeinschaften (eine davon heißt: 'Wir beide sprechen Deutsch, oder Englisch, und wohnen gerade in den Emiraten") Freundschaften für länger, ja gar fürs Leben ergeben. Ich weiß aus Erfahrung: Manchmal klappt es!

Deshalb an dieser Stelle mal ein Danke an all die tollen Menschen, die mir in den vergangenen Auslandsjahren über den Weg liefen, sich die Mühe machten, sich mir zu öffnen - Menschen, ohne die meine eigene "Welt" sicherlich ärmer wäre.

Sonntag, 15. Juni 2014

Metro Dubai - ein Stück öffentlicher Nahverkehr

Auf der Sheik-Zayed-Road, DER Hauptader von Dubai, welche die Zentren der Stadt verbindet und gleichzeitig die Ausfahrt zur Autobahn nach Abu Dhabi bildet, meldet der Verkehrsfunk spätnachmittags eigentlich täglich lange Staus  -  eine Erscheinung, von welcher man zum Glück in der Hauptstadt bisher noch weitgehend verschont ist.
Um diesem Missstand Herr zu werden, haben sich die Stadtplaner ihre Gedanken gemacht - heraus gekommen ist dabei die 2011 mit dem ersten Teilstück eingeweihte Dubai Metro.

Momentan existieren zwei Linien, die rote und die grüne. Die Rote Linie ist 52,1 km lang und verläuft zwischen dem Hafen der Freihandelszone Djebel Ali ein paar Kilometer westlich von Dubai und dem Stadtteil Raschidiyya, etwas südöstlich vom Flughafen Dubai gelegen. Dabei ist "Metro" wirklich im Sinne von "Stadtbahn" und nicht etwa "Untergrundbahn" zu verstehen, denn gerade mal knapp 5 km der genannten Strecke verlaufen unterirdisch.
In Betrieb ist die Metro von 5.30 Uhr bis 24 Uhr, donnerstags und freitags bis 01.00 Uhr. Die gesamte Fahrtdauer von Endhaltestelle zu Endhaltestelle beträgt 66 Minuten.
Geplant sind noch weitere Linien inklusive einer "Expresslinie" für besonders Eilige; genaue Termine gibt es für diese aber noch nicht. Im Gespräch ist auch, Dubai mittels einer solchen Stadtbahn mit der Hauptstadt Abu Dhabi zu verbinden - ein Gedanke, der besonders mit der Vergabe der Expo 2020 an die Emirate Aufwind bekam.


Streckenplan der Roten Metro-Linie

Ein durchaus touristisches Vergnügen kann es sein, außerhalb der Stoßzeiten mit der Dubai Metro zu fahren.Während selbiger sollte man es eher vermeiden, da das Konzept "Dubai Metro" - wie man so schön sagt - "sehr gut von der Bevölkerung angenommen wird"....
Wenn man im vordersten Wagen einsteigt, kann man durch die komplett verglaste Vorderfront quasi eine (fast) kostenlose Stadtrundfahrt machen, da die Linie einige bekannte touristische Hotspots miteinander verbindet.
Ich mag besonders die Haltepunkte - die modernen Stahl-Glas-Bahnhöfe erinnern mich an gewaltige Wale, die mitten im geschäftigen Treiben der Metropole dösen..... Drinnen glänzt der Marmorboden vor Sauberkeit, Rolltreppen und Lifte sorgen für Bequemlichkeit.

So sehen die Bahnhöfe der Dubai Metro aus

Eingefahrene Metro hinter Glaswand
Vollverglast ist die Front der Züge deshalb, weil die Flotte komplett fahrerlos vekehrt; die vollautomatische Zugsteuerung SelTrac stammt von der Firma Thales Rail Signalling Solutions. Eingesetzt wird eine zentral programmgesteuerte  Kontrolltechnik.

Und da Sicherheit in den Emiraten großgeschrieben wird, kann man als risikofreudiger Passagier nicht etwa einfach auf den lebensgefährlichen Gleisen mit Hochspannung herumturnen (wie in älteren Metros in Europa möglich). Oder, schlimmer noch, in Suizidabsicht hinunterspringen....
Die Trasse ist von den Bahnsteigen per Vollverglasung getrennt; die Türen der Waggons öffenen sich deckungsgleich mit denen, welche in diese Glaswand eingelassen sind und erst beim Halt des Zuges vollautomatisch öffnen. Bei Abfahrt verschließen sie den Zugang zum Gleiskörper sogleich wieder.

Das in drei Entfernungszonen unterteilte Tarifsystem beginnt bei 2 Dirham (etwa 0,35 €) pro Einzelfahrt auf Papierticket bzw. 1,80 Dirham über die Mehrfachkarte, die weiteste Einzelfahrt (3 Zonen) kostet 6,50 Dirham bzw. 5,80 Dirham in der Economy Class, in der Gold Class jeweils das Doppelte.
Die auch für Touristen geeignete 24-Stunden-Verbundkarte kostet 14 Dirham (etwa 2,55 €). Für einheimische Dauerbenutzer gibt es ein vorausbezahltes elektronisch abbuchbares Ticket, das einen Rabatt beinhaltet und das kostenlose Parken an einigen P&R-Metrostationen einschließt.

Regelmäßige Nutzer können sich auf der Webseite der DubaiMetro einloggen und dort aktuelle Informationen bekommen, den Streckenplan und die Park-&Ride-Stationen abfragen usw.

 
Klimatisierte Bushaltestelle für Sommertage mit um die 50°C Außentemperatur

Auch wenn in den Emiraten das Auto nahtlos das Kamel aus Transportmittel abgelöst hat und das Metrosystem vorerst noch nur in Dubai arbeitet - langsam entwickelt sich hier allgemein ein Interesse am öffentlichen Nahverkehr. So gibt es in Abu Dhabi und Dubai seit einiger Zeit (sehr gute) Nahverkehrsbusse, welche zwar nicht das gesamte Stadtnetz durchziehen, doch zumindest wichtige Knotenpunkte verbinden und aufgrund ihres sehr günstigen Tarifsystems auch von vielen der Gastarbeiter benutzt werden.

Da auch nur kurzes Warten draußen hier im Sommer zur Qual werden kann, gibt es an einigen Stellen sogar klimatisierte Bushaltestellen. Was erst einmal dekadent klingt, erweist sich bei Temperaturen um die 50°C im Schatten dann als durchaus menschenfreundlich.



Dienstag, 10. Juni 2014

Halligalli - Expat-Leben in Saus und Braus, Teil II

http://globalcoachcenter.files.wordpress.com/2012/02/what-people-think-accompanying-expat-women-do.png

Die Sache mit meinem (nicht vorhandenen) Chauffeur und Koch habe ich nun schon im letzten Posting geklärt. Dennoch ist die Vorstellung vom zahlreichen "Personal" des gemeinen Expats - ob nun mit oder ohne Neid - in Europa weit verbreitet. Als ob nicht eine Vielzahl (zumindest west-) deutscher Haushalte ebenfalls eine Zugehfrau beschäftigte...
Mit dem Unterschied, dass deutsche Wohnungen i.d.R. so gebaut sind, dass nicht der ganze Smog sich durch undichte Türen und Fenster täglich mindestens einmal schön schwärzlich überall in feinem Smog-Film festsetzt; oder in anderen Gegenden alternierend der Wüstensand... Die deutsche Familienmutter möchte ich sehen, die neben ihren anderen Tätigkeiten auch noch täglich (mehrfach) wischen mag!
Was den Gärtner angeht... nicht jeder im Ausland Lebende verfügt überhaupt über einen Garten, der versorgt sein müsste. Das Kindermädchen ist bei nicht-deutschen Expats durchaus üblich - Deutsche erziehen allerdings offenbar lieber selbst -, aber Ansichtssache. Für manche ist es eine große Erleichterung, für andere ein (künftiges) Erziehungsproblem... für sie selbst; Stichwort "kleiner Prinz". Jedoch für die meisten einfach überflüssig.

Damit hätten wir gleich noch ein anderes Stichwort beim Wickel. Sind alle Expat-Kinder verzogene Blagen? Ich denke, genauso viel oder wenig wie andere auch. Mit der Anzahl der Hausangestellten, die sich überwiegend ums Kind kümmern (anstatt der Eltern), mag dieses Risiko zwar steigen. Da wir ja aber inzwischen festgestellt haben, dass der Großteil der Expats ohne nennenswertes "Personal" auskommt, nivelliert sich dies. Ausnahmen bestätigen immer die Regel, aber die meisten Kinder an Auslandsschulen, die ich über die Jahre kennenlernte,  sind erstaunlich wenig materiell gierig (wenn auch oft gut ausgestattet), dafür aber mit einer beneidenswerten Offenheit und Toleranz ausgestattet. Und falls nicht von den Eltern anderes vorgelebt wird (Ausnahmen bestätigen usw....), erscheinen sie überdies oft auch mit einem gut ausgeprägten Sinn für soziale Ungerechtigkeit und mit tiefer Verwunderung gegenüber Leuten, welche andere Menschen nach Hautfarbe, Religion oder gar Sprache bewerten.

Pool, oder nicht Pool......


Ganz oben auf der Hitliste der Vorstellungen vom Expat-Leben (bei denen, die keines führen), ist....... tatatataaaaa! - darauf haben einige schon gewartet - der: Eigene Swimmingpool!
Hier in den Emiraten wohnen viele meiner Bekannten im wahlweise 27., 32. oder gar 64. Stockwerk. Pools sind in deren Wohnungen nicht vorgesehen. Und selbst die, welche in einem Haus leben, haben manchmal einen, jedoch längst nicht immer. Um es für Neugierige noch genauer zu benennen: Nein, ich habe hier KEINEN Pool im Garten. Wir haben im Ausland in überwiegend Wohnungen, einigen Häusern, aber nur ein einziges Mal in einem Haus mit Pool gewohnt. Wobei die Freude darüber nicht ungetrübt war, sondern dieses Wasserloch vor der Haustür eher ein Grund ständiger Albträume und Sorgen.
Wenn man ein Kleinkind hat, das zwar schon mal allein im Garten spielen dürfte, aber noch nicht schwimmen kann, peinigen einen permanent Schreckenszenarien... Da hilft nur großräumiges Absperren des Teils. Und selbst wenn dieses Problem entfällt - so ein Swimmingpool enfaltet schnell ein Eigenleben. Entweder vermeidet man die hemmungslose Vermehrung gesundheitsschädigender Einzeller, indem man rund um die Uhr das Wasser im Auge behält (nee, nicht wirklich....) Oder aber man wirft zur Abtötung derselben ordentlich Chlor in Mengen hinein, so dass man beim Baden z.B. die Schwimmbekleidung oder die Haare gleich mit desinfiziert und einer Bleiche unterzieht (die nicht erwünscht ist). Tja, also ich persönlich ziehe das Leben ohne eigenen Swimmingpool bei weitem vor.

Der Unterschied zwischen "Urlaub" und "Wohnen"

 

Witzig finde ich immer wieder, wenn Leute, die unser Gastland als Touristen bereist haben, sich höchstlich verwundern, was wir im Gegensatz zu ihnen dort alles NICHT besichtigt haben. Ja, es ist schon ein Unterschied, ob man ein paar Wochen nur zum Angucken hat. Oder bei sechs Tagen die Woche 12 Stunden auf Arbeit  - und dem Jahresurlaub fix bei der deutschen Ursprungsfamilie verbracht - nicht ständig zwischen 400 und 700 km einfache Strecke auf sich nehmen kann, um zur nächstgelegenen Sehenswürdigkeit zu gelangen! Womöglich noch mit kleinen Kindern... Denn nicht überall liegen die besichtigenswerten Orte so rasend dicht beisammen wie in Mitteleuropa, und nicht umsonst nennt man beispielsweise Indien einen Sub-KONTINENT...
Gegenprobe: Wie oft pro Jahr (!) besichtigt der in Deutschland lebende Deutsche denn den Berliner Reichstag, den Englischen Garten in München, den Hamburger Fischmarkt zuzüglich des Eiffelturms in Paris, Big Ben in London sowie einigen Kirchen in Italien, Almen in Österreich und dem Stockholmer Königspalast? Na bitte.

Der Expat als Umweltsünder?!


Als "böse" wird häufig der umweltunfreundliche Einsatz der Aircondition bei sommers Temperaturen über 40 Grad betrachtet, und im Sommer gekühlte Swimmingpools sind des Teufels. Nun frage ich Euch: Heizt in Europa denn winters niemand mehr seine Wohnung, oder gar die Schwimmhalle? Ich denke, da wären wir alle miteinander ziemlich quitt...

Was die Fliegerei angeht: Viele Expats - so auch wir - haben in den Herkunftsländern noch Familie und möchte diese Beziehungen gern pflegen. Auch und gerade wegen der eigenen Kinder, die Oma und Opa, Onkel und Tante, Cousin und Cousine, aber auch das normale deutsche Alltagsleben nicht nur von Fotos und Erzählungen kennen sollen. Ist es verwerflich, die Familie einmal im Jahr zusammenzubringen? Immerhin begeben wir uns per Flugzeug im Urlaub schon seit fast 15 Jahren dorthin, woher sich andere jedes Jahr (per Flugzeug...) wegbewegen: die ostdeutsche Provinz. Wir lieben unseren heimatlichen "Hafen" einfach zu sehr. Und per Kamel dauert es definitiv zu lange dort hin....Während ja Deutsche ihren Jahresurlaub öfters auch ganz gern per Flieger antreten - man besichtige einmal die Massen auf deutschen Flughäfen zur Urlaubszeit....

Paaaaaarty!?!

 

 "Ihr macht wohl auch ständig Party?" heißt es schnell, wenn man daheim Fotos vom Leben in der Fremde zeigt. Ja, der Eindruck kann sich einstellen. Denn wie andere auch, fotografieren wir vor allem das Besondere; nicht den täglichen Abwasch, die Mülltüten oder den Kühlschrank. "Besonders" sind kulturelle Erlebnisse, Ausflüge, und ja - auch Feiern mit Freunden. Während es in Deutschland gar nicht so wenige Leute gibt, welche jedes zweite Wochenende neben dem Grill auf dem Geburtstag von Tante Heidi, Patenonkel Richard, der Silbernen Hochzeit von Rudi und Gerlinde oder dem Jahrestag des Volleyballvereins verbringen, fallen für den Expat familiäre Feiern in der Regel naturgemäß weg (bis auf die Kindergeburtstage natürlich!).  Dafür kommt man dann eben gelegentlich mit der "Ersatz-Familie" zusammen, welche sich aus aktuell am gleichen Ort lebenden Freunden und Bekannten zusammensetzt. Dass sich bei der Gestaltung von gemeinsamen Essen, Mottopartys oder Ausflügen durchaus einiges an Kreativpotential vereinigt, ist selbstverständlich ein erfreulicher Nebeneffekt.

Der Preis des Luxus...... 

 

Der Preis, den man für den - oft vermeintlichen - "Luxus" des Expatlebens bezahlt: Alle und alles zu verlassen, was man liebt, kennt, ja - auch nur gewöhnt ist! Einmal, zweimal.... immer wieder: Abschiede. Ich bin bisher rd. 15 Mal im In- und Ausland umgezogen; gezählt wird nicht mehr. Mancher Neider des "Expat-Luxus" findet es hingegen schon unerhört, wenn er wegen des Jobs EIN Mal in die Nachbarstadt umziehen sollte!
Man darf dabei nie vergessen: Es geht hier meistens nicht um den Wunsch nach einem besonders aufregenden oder tollen Leben, sondern i.d.R. oft einfach darum, einen bestimmten Beruf und die eigene Familie in Einklang zu bringen - und wenn das daheim nicht geht, dann eben im Ausland.

Die Begeisterung dafür, in die Fremde zu ziehen, scheint beim deutschen Arbeitnehmer eher rückläufig zu sein, siehe diesen Beitrag: Deutschen wollen ungern Expats werden

Eins steht fest: Man "bewegt" sich in einem solchen Leben konstant drei Schritte zurück.... und dann maximal fünf vorwärts. So kommt man ebenfalls voran im Leben, klar! Aber es ist anstrengend... Dennoch muss ich für mich ganz klar sagen, dass ich die Horizonterweiterung, welche mir unser Leben "woanders" beschert hat, nicht mehr missen möchte!


Wer unter mitlesenden Expats an dieser Stelle selbst Anekdoten, Erinnerungen, Sprüche auf Lager hat, welche zu diesem Thema passen: Nur her damit! Ob als Kommentar hier darunter oder als Nachricht an mich - ich sammle sie!



Montag, 2. Juni 2014

"Halligalli" - Expats in Saus und Braus! *Vorsicht, Ironie!*


Meme Generator
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Ja, wir Expats in "südlichen Ländern" haben oft viel Sonne. Ja, der (meist entsendete) Mann - oder die Frau - verdient ganz anständig. Ja, die Kinder müssen in der Schule nicht täglich Angst vorm "Abziehen" der guten Jacke haben. Ja, die Ehefrauen der entsendeten Männer treffen sich regelmäßig auf "Coffee Mornings". Ja, wir steigen jedes Jahr in einen Flieger, um in den Urlaub zu reisen.

Es gibt so diverse Klischees über das Leben "eines Expats" (also eines Menschen, der längere Zeit außerhalb seines Herkunfslandes lebt und arbeitet). Mit einigen gehört mal aufgeräumt, an anderen ist das sprichwörtliche Körnchen Wahrheit, bei den meisten erhellt sich der "(Un-)Sinn" der Sache erst mit etwas mehr Hintergrundwissen über die Umstände.

Interessant finde ich folgendes: Wann immer Bekannte sich in Deutschland Vorstellungen über unser Leben im Ausland machen: Der Neid auf meinen Chauffeur fehlt selten. Kann man verstehen.
Der Witz ist nur: Isch 'abe gar keine' Chauffeur!
Was nützt es da, wenn man regelmäßig daheim von den teils bizarren, eigenen Autofahrer-Erlebnissen im Gastland berichtet? Dass es mir z.B. nach einer Weile sogar Spaß gemacht hat, in Libyen auf  - dreispurigen -  Schnellstraßen fünf- bis sechsspurig bei Tempo 100 zu fahren (manchmal auch mit Gegenverkehr!....... ) Oder in jedem Kreisverkehr Millimeterarbeit leisten zu müssen, wie alle anderen um mich herum auch. Ein Verkehr, in dem westliche Besucher dann allein schon vom Mitfahren fast Herzattacken bekamen! ("Hier könnte ich ja NIE fahren!!!!")
Das Chauffeur-Klischee kriegt man damit jedoch nicht tot. Die Vorstellung vom Leben in Saus und Braus unter südlicher Sonne gipfelt in 'ihm', offenbar dem Missgunstobjekt Number One.

Die Mär vom Chauffeur...

 

Am ulkigsten fand ich den Neid auf meinen "Chauffeur" allerdings, als ich in Saudi-Arabien lebte. Einmal die Woche kam ein (wohl sonst eher Lastwagen-) Fahrer von der Baustelle meines Gatten, damit ich einfach mal in den Supermarkt einkaufen gehen konnte! Denn wie jeder weiß, ist Frauen in diesem Land bis heute das Autofahren untersagt. Ob es da "Luxus" ist, sich zwangsläufig fahren lassen zu müssen.... na ich weiß ja nicht.
Es sei noch einmal gesagt  - wird aber nicht viel helfen ;-) : Wenn meine Kinder oder ich selbst hier von A nach B wollen, muss sich Mama schon selbst hinters Lenkrad schwingen. Wie in Deutschland auch (dort gibt's allerdings zur Not auch noch einen öffentlichen Nahverkehr!)


Neid entsteht oft aus Unwissenheit - und das ist verzeihlich, denn wie soll der in seiner Heimat Verbliebene denn wissen, wie sich so ein Familienleben in einem anderen Kulturkreis für den Expat abspielt? Manchmal ist es auch nicht zugegebener Groll auf sich selbst und das langweilig gewordene Leben  -  wie schön kann man seine eigenen Träume (und Luftschloss-Wünsche....) auf jemanden projizieren, der "ja alles hat"...
Und dabei vergessen, dass man das alles - eigentlich - auch haben könnten: Wenn man sich nämlich ebenfalls entschlossen hätte, woanders ein Leben von Null an aufzubauen.

Amüsant auch: Kaum kam man einmal auf Heimaturlaub nach Deutschland, fanden sich mindestens drei voneinander unabhängige Personen, welche verblüfft feststellten: "Ja, aber.... du bist ja gar nicht braun geworden?!" Ja wie auch - oder haben die in Deutschland Wohnenden sommers ständig Zeit, sich mitten in der Arbeitswoche an den Baggersee zu legen? In "warmen" Ländern, z.B. in solchen, wo ich bisher lebte, ist es überdies den Großteil des Jahres so heiß, dass man zusieht, NICHT in die Sonne zu gelangen.... Und in Delhi z.B. war die Luftverschmutzung so hoch, dass "frische Luft" eher nicht angeraten war.

Warum sich Expat-Frauen tatsächlich zum Kaffeetrinken treffen

 


Natürlich ist so ein Expat-Gehalt oft nicht schlecht. Was vor allem daran liegt, dass vorwiegend Führungskräfte ins Ausland geholt werden -  und die verdienen auch daheim bereits ganz gut. Allerdings um den Preis, dass sie sich auf einmal mit strukturellen Problemen rumschlagen "dürfen", die sie im Heimatland garantiert nicht hätten! Auch die volle Sechstage-Woche (natürlich OHNE Lohnausgleich!) ist nicht so ungewöhnlich, wenn man ins Ausland arbeiten geht. Allein diese Vorstellung schreckt manchen Neider dann doch ab, es mal selbst zu versuchen. Zumal er dann für gewöhnlich keinen mitverdienenden Partner hat ( - der praktischerweise auch gleich noch für seine eigene Rente arbeitet!)

Denn wegen des Verdienstes ihres Mannes "braucht die Expat-Ehefrau ja nicht arbeiten zu gehen". Was vor allem jedoch daran liegt, dass sie in den allermeisten Fällen gar kein Arbeitsvisum erhält, sondern als "travelling spouse" höchstens einem Ehrenamte im Gastland frönen darf! Nicht immer leicht für die EhegattenInnen, denn in der Regeln haben sie selbst meist Hochschulabschluss und berufliche Ambitionen (gehabt), welche sie aufgrund dieser Umstände hintanstellen müssen.

Und auch sonst langweilen sich die meisten der Frauen selten auf Coffee Mornings, nicht nur, weil sie zumeist auch noch Mütter sind und daher eh zu tun haben, sondern auch, weil diese Zusammenkünfte unter anderen Expat-Frauen - gerade in der Anfangszeit - unverzichtbare "Informationsquellen" sind!

Wo finde ich einen Kinderarzt, der Englisch spricht?, Wo kann ich Brot finden, das keine Fladenform hat?, Wie kriegt man hier Internet ran?, Wo bekomme ich Nähnadeln her, Autokindersitze, Heftpflaster (bei dem die Haut nicht gleich mit kleben bleibt), Fahrradöl? oder Hat dieses Land hier auch kenntnisreiche Elektriker/Schneider/Klempner/.... aufzuweisen? Oder gibt es wirklich nur solche, wie den, der hier gestern die Regenabwasserleitung mit der Küchensteckdose verbunden hat!

Abgesehen davon, dass jeder Mensch zuweilen ein paar Mitmenschen um sich braucht. Mit dem Unterschied, dass diese im Herkunftsland normalerweise dank Familie, Kollegen, Buddelkastenfreunden etc. unhinterfragt einfach "da" sind - am 'Ende der Welt' jedoch erst einmal nicht!
Wer als "mitreisender Ehepartner" die permanente Fremdorganisation seines Lebens durch seinen Beruf und ähnliche Rahmenbedingungen benötigt, hat es schwer. Anpassungsfähigkeit, Kreativität und die Fähigkeit, mit sich selbst etwas anfangen zu können und immer wieder Neues für sich zu entdecken, sind eher Grundvoraussetzung für solch ein Leben. Nein, fürwahr nicht jedermanns oder -fraus Sache.

Die "Langeweile-Legende"

 

Zumal gerade das Leben in "Entwicklungsländern" der mitreisenden Ehefrau viel Abwechslung und Kurzweil verspricht: Stromausfälle gehören in manchen Ländern quasi mindestens aller zwei Tage einfach dazu. Dumm nur, dass die Wasserpumpe für den Tank, der den Haushalt mit Wasser aus der Leitung versorgen soll, ohne Strom nicht pumpt! Dann hat man alternierend zu "kein Strom" eben auch "kein Wasser".... von ausgefallener AirConditon bei Außentemperaturen von über 40°C ganz zu schweigen.

Wer überdies der Familie gelegentlich die Freude "deutscher" Esskultur machen will, bäckt halt sein Brot selbst, macht Quark und Marmelade oder Wurstartiges in Eigenproduktion....
Also auch in diesem Punkt muss ich enttäuschen - wir haben KEINEN Koch! Will die Familie was zu essen, stehe ich am Herd (das heißt täglich). Dabei kann ich ja zumindest vom Privat-Koch träumen :-)

Und da haben wir noch gar nichts über die vielen Expat-Frauen gesagt, die sich - ganz "nebenbei" ;-)  - auf die eine oder andere Art auch im Gastland beruflich weiterhin engagieren oder ganz umsatteln, die sich dort selbständig machen oder Ehrenämter ausfüllen.

Wer unter hier mitlesenden Expats an dieser Stelle selbst Anekdoten, Erinnerungen, Sprüche auf Lager hat, welche zu diesem Thema passen: Nur her damit! Ob als Kommentar gleich hier darunter oder als Nachricht an mich - ich sammle sie!

- - - WIRD FORTGESETZT DEMNÄCHST IN TEIL 2 ! - - - 

Sonntag, 25. Mai 2014

Es wird Sommer! oder ... Sehnsucht nach dem Klang des Regens

Es ist mal wieder so weit: Kein Tag unter 40°C, keine Nacht unter 32°C..... Man möchte aus der Haut fahren (nur wohin.... da ist es ja auch heiß!). 

Außentemperatur Ende Mai (im Schatten)
Am Wochenende waren wir mal wieder auf Fossilien-Jagd. Nun ja, es ging durchaus Wind - nur war das wenig hilfreich. Man stelle sich vor, man heizt seinen Backoften auf ca. 50 Grad Umluft, und setze sich dann da rein.... so ungefähr fühlte sich das an.

Ein Glück, dass es drinnen Air Condition gibt, welche man auf angenehme 26, 27 Grad regeln kann. Und komme mir jetzt keiner mit Klima-Katastrophe und Energieverschwendung! Oder wird in Europa winters neuerdings nicht mehr geheizt (=Energieverbrauch), um es erträglich zu machen?!

Und wie das so ist, wenn man vor sich hinschwitzt: Man sucht nach Erleichterung. Kann ja auch mentaler Art sein.....
Meine große Tochter hat sich eine App für ihr Telefon heruntergeladen - kostenlos, wie sie versicherte. Sie kann das, denn mit fast 15 hat sie es endlich, wie gefühlte 99% ihrer Freunde, zu einem iPhone gebracht. Mit viel "Einsatz" ihrerseits, der sich strategisch klug in klaglosem Abwarten äußerte...... das Kind kennt seine Eltern eben lange genug.
Die Mutter, nicht technik-blond, aber auch nicht wahnsinnig technik-affin, erlebte eine Novität. Jaja, das soll auch jenseits der 40 manchem noch gelingen! Sie hat sich fast die gleiche App wie ihre Tochter auf ihr Smartphone (eines anderen Herstellers) geladen.

Und worum geht es da eigentlich? Schade, dass so ein Blog keinen Mund und keine Ohren hat, denn zur Veranschaulichung wäre es gut, wenn man jetzt HÖREN könnte. Es handelt sich nämlich um eine "Regen"-App; per Antippen kann man unter diversen Regengeräuschen auswählen - von sanftem Tröpfeln über klassischen Dauerregen bis hin zu Ans-Fenster-Gepladder und sogar einen Gewitterguss.
Regen-App auf meinem Telefon

Falls sich der genervte und möglicherweise von aktueller Wetterlage daheim frustrierte Leser fragt, wozu in drei Teufels Namen man denn eine "Regen-App" braucht: Unter emiratischem Himmel, der  an ungefähr 350 Tagen im Jahr blau und wolkenlos und oft grell von erbarmungsloser Sonne ist, verschafft einem das trauliche Tröpfeln und Plätschern und Gurgeln eine geradezu labende Erleichterung. Gleich ziehen einem (nicht vorhandene) Düfte nach feuchter Erde, nassen Blättern und nasser Wolle durch die Nase. Naturdüfte, welche wir in der quasi geruchsfreien Wüstenluft oft vermissen...

Wenn's mir mal wieder zu heiß wird bei derzeit (s.o.) Grad..... lege ich also mein Telefon neben mich, werfe diese App an..... und lass es regnen!

Woanders hasst man Regen - hier rennen unsere Kinder extra begeistert raus!

Mittwoch, 21. Mai 2014

Deutsches Lesefutter im Ausland


Leseratten, die längerfristig im Ausland leben, haben häufig ein Problem: Wie kommt Nachschub ins Gastland? Natürlich.... wer des Englischen oder der jeweiligen Landessprache des Gastlands so gut mächtig ist, dass Lesen nicht nur schnöder Information, sondern auch echtem Schmökergenuss genügt, ist fein 'raus. Auf Englisch trifft es bei mir zu - mit jeglichen anderen Sprachen leider nicht...

Bei allen vorherigen Auslandseinsätzen zuvor stand ich in jedem Heimaturlaub vor folgender Frage: Wenn jedes Familienmitglied 20 kg Fluggepäck mitnehmen darf, das naturgemäß aus den Schuhen und der Kleidung fürs nächste halbe oder ganze Jahr, Medikamenten, Präsenten der Großfamilie, Mitbringseln fürs Gastland, deutschem Brot, Sauerkraut in Dosen, Kloßmehl, Salamis sowie Roggenmehl (zum Brotbacken) besteht.... WIE in drei Teufels Namen soll man da noch die ca. 20 kg Bücher und DVDs unterbringen (mit jedem Kind mehr....), ohne sich am Check-In-Schalter auf dem Flughafen arm wegen Übergepäcks zu machen?!
Ehrlich, dieses Problem ließ mich manchmal bereits Ende Juli nachts aus dem Schlaf hochschrecken, wenn wir erst Ende August flogen... Die "Lösung" bestand in maximal überfrachtetem Handgepäck.


Endlose Regalreihen im Buchladen der Dubai Mall lassen das Leser-Herz höher schlagen
Die deutsche Kinderbuchecke ist gut gefüllt
Doch in den Emiraten hat sich zumindest diese Sorge für mich erledigt. Nicht nur, dass es gutes Brot und auch manche Wurstwaren zu kaufen gibt. Nein, sogar deutsche Bücher können wir erstehen! Zwar ist das Land nicht gerade mit Buchläden übersät, und wir müssen extra nach Dubai fahren, aber in der 'Dubai Mall' gibt es einen gigantischen Buchladen - des Lesers Himmelreich! (Bookstore Dubai Mall)

Sogar eine nicht unerhebliche Ecke deutscher Literatur und Kinderbücher wird hier angeboten. Und wer glaubt, in einem islamischen Land gäbe es dergleichen nicht, wird hier eines besseren belehrt: Den Hausfrauenporno "Shades of Grey" gibt es nicht nur auf Deutsch, sondern auch in anderen Übersetzungen zu kaufen; die Stapel liegen gut sichtbar mitten im Laden.....
.... genauso, wie sogar "Schmuddelkram"!   ;-)

Deutsche Sachbücher finden sich hier......



















Da ich aber nicht so oft nach Dubai komme und dort natürlich auch nicht immer exakt das vorfinde, was ich gern lesen möchte, tut sich noch eine andere, ausgesprochen nützliche Alternative auf: Auf der Homepage von "Lesekidz" kann man so gut wie alle deutschen Bücher bestellen! Frau Kammerer mit Sitz in Dubai leitet diese Unternehmung mit viel Freundlichkeit.
Selbst wenn die Lieferzeiten mit ca. 3-4 Wochen nicht ganz an deutsche Internetwarenhäuser heranreicht: Wen stört's, wenn man so seine Koffer erleichtern kann und nicht immer bis zum nächsten Heimflug auf neues Lesefutter warten muss?!

Wenn es mal ganz schnell gehen soll, gibt es ja heute in unserem Haushalt auch noch den E-Reader, mit dem ich mit in Windeseile ganze Bücher aus dem Internet herunterladen kann!
Schöne neue Welt!.... (mal ganz ohne Ironie!)





Sonntag, 18. Mai 2014

"Essen wie bei Mama" - diesmal auf äthiopisch!

Es ist interessant, in einer fremden Kultur zu leben - aber mit der Zeit natürlich nicht mehr so sehr wie zu Anfang. Abu Dhabi mit seinem Hunderte-Nationen-Mix macht es einem leicht, auch mal in völlig andere einzutauchen. Und wie ginge das schneller und freudvoller, als über die Landesküche?

Gleich geht's los... mit der rechten Hand!
Äthiopien.... "Wiege der Menschheit" (Urmensch "Lucy"), Königreich von Axum während der Antike, Kaiserreich Abessinien (Spätantike bis 1974, Abessinien), phantastische Natur, Kaffeeanbau.... und leider auch: Hungersnot. Das ist das, was mir zu dem Land spontan einfällt. Weil - ehrlich gesagt, aber letzteres der erste Denkreflex war, als ich im Abu Dhabi-Stadtmagazin TimeOut vom äthiopischen Restaurant "Bonna Annee" las, war ich erst einmal irritiert! Bis mir einfiel, dass diese traurige Entwicklung der Neuzeit ja nicht allein die gesamte, jahrtausendealte Hochkultur der Äthiopier ausmacht. Also machten wir uns neugierig auf, um den Geschmack der äthiopischen Küche zu erfahren.


Im Vergleich zu den unzähligen, hochgestylten Fünfsterne-Restaurants von Abu Dhabi wirkt "Bonna Annee", in einer Seitenstraße verborgen, eher wie ein erweitertes Wohnzimmer: überschaubar, nett, sauber, mit einigen afrikanischen Deko-Elementen verschönt, aber angenehm unperfekt. Am Freitagabend sind alle Tische besetzt.

Fast alles offenbar äthiopische Landsleute oder "Nachbarn" aus dem Sudan: Beste Freundinnen, eine beständig lachende Mädchenrunde, ein paar junge Männer, die sich offenbar vor dem Ausgehen noch einmal mit "Futtern wie bei Muttern" stärken wollen, ein junges Paar mit Kleinkind. Wir sind fast die einzigen "Fremden".

Die Speisekarte ist laminiert und abgegriffen, die Gerichte darauf sagen uns so oder so vom Namen her nichts. Also bestellen wir "von allem etwas", eine durchaus gebräuchliche Praxis offensichtlich.


Recht flott erscheint dann auch unser Mahl: ein riesiger Fladen Injera (äthiopische Küche) wird zwischen uns auf den Tisch gestellt; er ist gräulich und sieht ein wenig nach Styropor aus, fühlt sich aber eher lappig-schaumstoffartig an und schmeckt angenehm säuerlich. Darauf verteilt die Kellnerin aus einer Vielzahl von Schälchen geschickt die Inhalte: Soßen, aber auch Gemüsemus und gebratenes Fleisch.


Es geht ans Genießen. Doch weder Messer oder Gabel, noch nicht einmal ein Löffel wurde uns dagelassen - äthiopisch speisen heißt nämlich, mit der Rechten vom Fladenbrot etwas abzuzupfen, damit Fleisch und Soße aufzunehmen... rollen, essen. Eine Matscherei, die wir aber mit Anstand und ohne großes Kleckern meistern und welche dem Genuss in keiner Weise Abbruch tut. Und Genuss kann man es mit Fug und Recht nennen: Die Beigaben zum Injera sind oft leicht scharf durch die Berbere genannte Würzmischung (die gehackten Jalapenos im Salat sammeln wir vorsichtshalber gleich erst einmal heraus!), aber absolut köstlich!

Äthiopien - Ursprungsland des Kaffees! Natürlich beschließen wir das Mahl mit einem Kaffee, der tatsächlich wunderbar mild und aromatisch ist. Dabei beobachten wir das heitere Kommen und Gehen der Äthiopier ums uns herum. Die Rechnung hernach weist einen Betrag aus, für den man sonst in Abu Dhabi zumeist eher nur ein einziges Gericht bekommt. "Bonna Annee" - wir kommen wieder!

Dienstag, 13. Mai 2014

"Frag Ali"....!


Ali ist in den Emiraten eine "Institution". Der "selbsternannte kulturelle Botschafter" der VAE - Medienstar, Buchautor, Vortragsredner für interkulturelle Verständigung - ist international aufgewachsen und fühlt sich doch tief der arabischen Halbinsel verbunden. Daraus hat er seine Passion gemacht.
Wer immer Fragen zu emiratischer Geschichte, Sehenswürdigkeiten, Tourismus, Traditionen, Festen, islamischen Besonderheiten oder einfach dem Alltagsleben in den VAE hat, kann Ali Abdulkarim Al Saloom fragen -  daher heißt seine Webseite auch gleich so ('Frag Ali'):

"Ask Ali"

Ali Abdulkarim Al Saloom will kulturelle Brücken bauen zwischen östlicher und westlicher Welt


Ich habe es einmal ausprobiert - und siehe da, es dauerte keine 2 Tage, und Ali hatte mir persönlich per E-Mail geantwortet! Freundlich, ausführlich, informativ.

In meiner Frage ging es um "tanzende Mädchen". Vor einiger Zeit waren wir in Familie auf einem Kamel-Festival inklusive "Schönheitswettbewerb" für Kamele (!) gewesen. Als kulturelle Umrahmung waren junge arabische Mädchen aufgetreten, welche ihre über-taillenlangen, offenen Haare im Takt der Musik schwenkten (so eine Art elegantes Head-Banging :-)  )
Nun sahen diese jungen Frauen aber alle eher wie über als unter 17, 18 Jahren aus. Und dies hatte mich verwundert, gehören doch die Emirate mit zu den islamischen Ländern, in welchen alle "erwachsenen" Frauen nicht nur das Haar, sondern zumeist auch ihr Gesicht (teil-)verschleiern! Wie passt das denn zusammen, wollte ich wissen?

Damit auch alle deutschen Leser Alis Antwort leicht lesen können, übersetze ich seine E-Mail an mich hier einmal:

Hallo liebe Antje,

Danke für deine Frage.  "Na'ashaat" werden diese Mädchen genannt, die auf diese Art tanzen; eine sehr emiratische Tradition, die nichts mit dem Islam zu tun hat - das sind also zwei verschiedene Dinge, meine Liebe.

Der Islam ist eine Religion, Traditionen allerdings gehören zu jedem einzelnen arabischen Stamm bzw. jeder Personengruppe, die alle entsprechend ihren Regionen, in den sie wohnen, auch unterschiedlich leben.

Nicht alle Emiratis würden diesen Tanz ausführen oder gutheißen, doch btetrachten auch nicht alle Leute diesen Tanz als unislamisch, weil diese tanzenden Mädchen gewöhnlich jünger als 9 Jahre alt sind; ein Alter, in welchem die Kinder tanzen, spielen und Spaß haben mögen auf die Art und Weise, wie es ihnen bzw. auch ihren Familien gefällt. Deshalb ist das an dieser Stelle kein Problem.

Wenn du ältere Mädchen erlebt hast, welche diesen Tanz aufführten, dann waren diese zu 100 Prozent nicht aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, sondern eher Models, welche diesen  traditionellen Tanz repräsentativ für Besucher vorführten; so, wie wir das auch von unseren Musik-TV-Kanälen kennen. Diese Mädchen, welche da tanzen, stammen aus Osteuropa oder anderen arabischen Ländern, aber so gut wie keine von ihnen wird eine Emirati sein.

Doch generell - wenn dieser Tanz von kleinen emiratischen Mädchen aufgeführt wird, ist das immer ein freudiger Moment und eine niedliche Szene, und wir feiern dann alle gemeinsam - Männer UND Frauen, wie es all die Jahre war, als wir noch nur einige tausend Emiratis zählten und alle in irgend einer Form miteinander verwandt waren. Während wir heute eine Million sind - und zusammen mit den Ausländern aus 200 Nationen kommen wir sogar auf über 9 Millionen Menschen, welche mit uns hier leben! 
Allerdings ist es nicht mehr das gleiche wie damals, deshalb wirst du jetzt mehr Segregation sehen als damals in den alten Tagen.... (Segregation ist die Geschlechtertrennung außerhalb der Familie - Anmerkung A. Döhring)


Danke für deine tolle Frage,
Gott schütze dich,
@li


Wer noch mehr über Ali Al Saloom wissen oder ihn kontaktieren möchte, hier noch seine andere Webseite:  Webseite Ali Al Saloom  oder folge ihm auf Facebook, wo er sogar einen winzigen, dafür fast täglichen "Arabischkurs" (oft nur 1 Wort) für Anfänger eingebaut hat:  Ali-Facebook.

Falls mir mal wieder etwas hier im Alltagsleben begegenen sollte, das ich mir nicht erklären kann, gibt es von nun ab eine prima Geheimwaffe: Ask Ali!

Mittwoch, 7. Mai 2014

Schülerleben an Deutschen Auslandsschulen - hier die in Abu Dhabi

Kinder gehen in die Schule. Natürlich. Unsere auch: natürlich.
Da das aber doch regelmäßig für Verwirrung in Deutschland zu sorgen scheint, will ich hier mal ein wenig den Schulalltag von Expat-Kindern im Ausland vorstellen.

Eine meiner Lieblingsanekdoten geht so: Erfährt ein Paar in Deutschland eines Tages über Freunde von mir, dass wir nach Libyen ziehen werden. Ernst gemeinte Frage an mich bei einem späteren Treffen: "Oh, gehen eure Kinder denn da auch in die Schule?"
Ha! Unsere Töchter hätten es "ohne" ganz sicher erst mal klasse gefunden :-). Dummerweise haben sie Eltern, die das a) anders sehen und b) als allererstes - und wichtigstes - bei einem potentiellen Einsatzort jeweils recherchierten: Wie sieht denn dort die Schulsituation aus, können wir da mit Kindern hin?
Und so antworte ich auf die immer wieder gestellte Frage: "Und auf was für eine Schule gehen eure Kinder da jetzt?" stets mit "Auf die deutsche." Und füge meist noch an: "Mit Thüringer Lehrplan", was meist verblüffte Reaktionen nach sich zieht... Denn die meisten Deutschen Auslandsschulen in der Nahost-Region haben sich vor Jahren darauf verständigt, ihrem Unterricht den Thüringer Lehrplan zugrunde zu legen. 

Die Deutsche Schule Abu Dhabi führt zum 'Deutschen Internationalen Abitur' (DIAP.) Da ab Kl. 9 diverse Fächer auf Englisch bzw. bilingual unterrichtet werden (Geografie und Biologie, in der Sekundarstufe II auch Chemie; darüber hinaus Kunst und Arabisch, das verpflichtend für alle Expat-Kinder erteilt wird), berechtigt der Abschluss auch gleichzeitig zum Studium an Universitäten weltweit. Wer nicht bis zum Abitur lernen kann oder will, macht nach der Kl. 10 ganz normal den Realschulabschluss.

Da es in Deutschland ja seit Jahren, eigentlich Jahrzehnten, die permanente Diskussion um die - nie wirklich durchgeführte - Schulreform gibt, und was denn da die "beste" Form sei: Man sehe sich ruhig das Vorbild der Deutschen Auslandsschulen an. Hier sind die Klassen binnen-differenziert, das bedeutet, Gymnasiasten, Realschüler (und so es gibt: Hauptschüler) besuchen alle gemeinsam den gleichen Unterricht ihrer Altersstufe; nur die Anforderungen in den Klassenarbeiten und für die Endnoten sind abgestuft nach "Schulform". Ich kann versichern: Die Kinder untereinander vertragen sich bestens, unabhänging von der "Einstufung".
Und so sitzen denn auch morgens und nachmittags in den Schulbussen, welche zur Deutschen Schule gehören, vom 3-jährigen Kindergartenanfänger bis zum 18-jährigen Abiturienten alle friedlich miteinander vereint. Sogar Freundschaften entstehen hier alters- und klassenübergreifend.

Natürlich besteht generell auch für deutsche Expat-Kinder die Möglichkeit, statt dessen eine der vielen anderen internationalen Schulen zu besuchen: britische, amerikanische, französische,.... Für uns, die wir nicht geplant haben oder hatten, permanent im Ausland zu leben, und die wir immer wieder "Zwischenstopp" in Deutschland zwischen zwei Gastländern machen mussten, kam jedoch nur die deutsche infrage. Ich kenne jedenfalls auch einige deutsche Kinder hier, die auf andere Schulen gehen und so gleichzeitig in den Genuss einer "Zweitsprache" kommen - natürlich ein riesen Vorteil für nicht-bilinguale Kinder!
Unsere Töchter finden es daher auch überhaupt nicht "komisch", wenn Eltern ihrer Schulfreunde diese in 'fremden Zungen' ansprechen, sondern eher tragisch, dass sie selbst nicht zwei- oder mehrsprachig aufwachsen können! Sorry, Mädels, das hat nicht geklappt :-)
Denn selbstverständlich gibt es diese auch an der Deutschen Schule: Kinder, deren einer Elternteil nicht Deutsch spricht. Oder Kinder, deren Heimatland z.B. Ägypten oder Syrien ist, die aber schon lange hier leben und bei denen es meist einen familiären Bezug zu Deutschland gibt. Und natürlich auch rein emiratische Kinder, deren Eltern eine deutsche Ausbildung wünschen!

Ein bisschen ulkig finde ich es z.B. aber schon, wenn die Grundschüler in Sachkunde die Gräser und Kräutlein einer mitteleuropäischen Wiesenlandschaft benennen müssen - obwohl einige von ihnen eine solche noch nie gesehen haben! Aber das sind Petitessen, die durch die Horizonterweiterung mittels der vielen anderen Einflüsse sicher nicht überbewertet werden müssen.....

Schüler singen Adventslieder auf dem Weihnachtsmarkt der Deutschen Schule Abu Dhabi
 
Zur großen Pause wuseln dann all diese Kinder verschiedenster Muttersprachen, Hautfarben und Religionen laut und fröhlich durcheinander, wie an jeder anderen Schule auch. Solche "Details" spielen hier in den allerseltensten Fällen untereinander überhaupt eine Rolle.... Raufereien, die es auch hier wie überall gibt, haben keine rasse- oder religionsbedingten, sondern ganz banale Gründe ("Der hat mich geschubst, die hat hat mir den Ball weggenommen,...!")

Schöne Beispiele gelebter und unverkrampfter Toleranz und angenehmen "Miteinanders" sind die Schulfeste. Zum Emiratischen Nationalfeiertag gibt es arabische Lieder und Tänze, und auch deutsch-stämmige Kinder und Jugendliche sieht man teils - ganz freiwillig - mit weiß-grün-rot-schwarzen Shirts, Perücken, Ansteckern, Mützen.
Zur St.-Martins-Feier jedes Jahr finde ich es wunderschön, wenn vor dem Martins-Schauspiel jeweils für die nicht-deutschen Eltern eine kurze Erklärung des Inhalts in Arabisch sowie Englisch gegeben wird. Und anschließend neben bayrischen, niedersächsischen oder brandenburgischen Eltern auch schwarz verschleierte Emiratinnen, ägyptische Mütter mit bunten Kopftuch oder einheimische Väter in langer weißer Robe ganz selbstveständlich ihren Kindern ein "Bethmännchen" zu essen holen oder die selbstgebastelte bunte Martins-Laterne tragen helfen, während die Sprösslinge lauthals das Lied vom hilfsbereiten römischen Militärtribun und späteren Bischof von Tours im 4. Jh. singen....
Ein gutes Herz und Hilfsbereitschaft ist schließlich ganz und gar "international"!

Emiratische Väter zum St.Martinstag an der Deutschen Schule
(die Laterne ist leider nicht im Bild)



Samstag, 3. Mai 2014

Andrang auf der Buchmesse Abu Dhabi 2014

Freitagabend, Buchmesse Abu Dhabi 2014: Autoschlangen vor dem riesigen Parkhaus der ADNEC - dem Messegelände. In einer überwiegend staufreien Stadt eher ungewöhnlich!
An einem der unzähligen Stände, deren Auslagen ich betrachte, wird mir der emiratische Eigner mitten im Gespräch mit einem Kunden ein Zettelchen reichen: "Hier, für Sie, den müssen Sie beim Rausfahren nachher nur einlösen!" - ein Freiticket für das Parkhaus, wie nett!

Aussteller war auch die Große Moschee mit ihren Publikationen

Mit 1025 Ausstellern aus 50 Ländern ist diese Messe damit immerhin knapp halb so groß wie die "große Schwester" in Leipzig!  (AbuDhabiBookfair) Auffällig viele Einheimische - leicht erkennbar an ihrer traditionellen Gewandung - sind unterwegs zwischen den Buchständen, meist in Familien oder Grüppchen. Zahllose Aussteller aus arabischen Staaten, aber auch große Stände internationaler Verleger oder ganze Landes-Stände (besonders groß der französische, der deutsche, der schwedische diesmal).
Für mich auch interessant: Bei der nebenan zeitgleich stattfindenden "Beauty-Messe" schien deutlich weniger los zu sein. Stimmt eben auch nicht, dass Frauen aus den GCC-Staaten mit nichts anderem beschäftigt sind, als sich den lieben langen Tag zu schminken und zu stylen...  Immerhin sind an vielen Hochschulen des Landes inzwischen ohnehin mehr junge Frauen als Männer immatrikuliert!

Am Stand der Poets' Academy wird rezitiert














Der deutsche Stand auf der Buchmesse....
...einer der arabischen Stände, teils mit ähnlichen Themen...




Bei dieser Jungleserin ist die Tasche fast größer als sie selbst!
Fahrbare Papptaschen (öko!!) für die Messebesucher, in welche viel neuer Lesestoff passt....




















 
Viele Kinder wuseln zwischen den Ständen herum, denn gerade für diese Leserschaft hat sich auf dem einheimischen Buchmarkt in den letzten Jahren viel entwickelt: Weg von Walt Disney, hin zu arabischen Bilderbüchern mit den Legenden der eigenen Heimat und von der Hand emiratischer Illustratoren bebildert. Da es zugleich eine Verkaufsmesse ist, sieht man überall gefüllte Papp-Trolleys mit "eingesackten" Büchern.
 
Kinderveranstaltung auf der AbuDhabi Bookfair










Auch Äsops Fabeln wurden für die Jüngsten ins Arabische übersetzt und neu illustriert

Dienstag, 29. April 2014

Der Falke - große Liebe der Emiratis

Der Falke ist des Wüstensohns liebstes Tier. Und das edelste. Fast rund um die Welt bekannt, hat es doch die Beizjagd im nahen und mittleren Osten schon früh zu besonderer Blüte und Berühmtheit gebracht. Diese Tradition wird liebevoll bis heute gepflegt.
In Europa führte z.B. im 13. Jh. der deutsche Kaiser Friedrich II. die Falkenhaube ein - die er vom Morgenland her kennengelernt hatte. Übrigens keine "Tierquälerei", wie von Laien oft vermutet wird, sondern ein Mittel des Falkners, dem Tier (das sich in der Natur "verziehen" würde), möglichen Stress durch das aktuelle Umfeld zu ersparen. (Wozu Falkenhaube? )


 
In den Emiraten finden regelmäßig Falken-Wettbewerbe in verschiedenen Disziplinen statt (welcher Falke am schnellsten fliegt, am besten jagt,....) Und auch in ihrer Freizeit beschäftigen sich Emitatis oft und gern mit ihren Tieren. Ich habe auf solch einem Wettbewerb einmal beobachten können, mit welcher Geduld so ein Tier liebevoll zu Fressen animiert und auch sonst umhegt wird.... Abgesehen von Tierliebe und Falknerehre tun die Besitzer auch so gut daran, ihr Tier gut zu behandeln, denn rund 30 000 EUR ist solch ein Jagdfalke wert!  (DIE WELT-Artikel)

Eine absolute Einmaligkeit stellt das Falkenhospital in Abu Dhabi dar. Geleitet von einer deutschen Tierärztin, werden hier verletzte oder anderweitig kranke Lieblinge aus nah und fern zur Behandlung hingebracht. Für Touristen gibt es auch tägliche Führungen, auf denen die Institution besichtigt und manch Wissenswertes über die Tiere erfahren werden kann.
Nicht nur geheilt werden Falken dort - auch um die Aufklärung und Ausbildung der einheimischen Falkner macht sich das Falkenhospital verdient. (Kurse)



Man kann den Ärzten beim Anästhesieren und anschließenden Krallenschneiden assistieren oder erklärt bekommen, dass eine gebrochene Schwungfeder - ein großes Handicap für diese Sturzkampfflieger! - mittels Nähnadel bzw. Würstchenspieß sowie Alleskleber aufwändig innerhalb des Federkiels wieder aufgebaut wird. Und dies ausschließlich mit der GLEICHEN Federfarbe! - denn der Falke soll ja nach der Operation schließlich wieder genauso gut wie zuvor aussehen!

Selbstverständlich darf der Besucher im Falkenhospital dann auch einmal versuchsweise selbst den Falknerhandschuh überstreifen und so ein Tier auf die Faust nehmen.

Freitag, 25. April 2014

Emirat Sharjah: "Islamic Culture Capital" 2014

Sharjah  (auch: Schardscha) ist eines der sieben Emirate, aus denen die VEREINIGTEN Arabischen Emirate bestehen. Fährt man von Dubai Richtung Norden, gelangt man direkt hinein nach Sharjah City. Die Bauten der einne Metropole gehen so fließend in die andere über, dass man die geografische und verwaltungspolitische Grenzlinie gar nicht wahrnimmt.

Die Islamischen Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (ISESCO), eine Unterorganisation der Islamischen Weltliga, hat beschlossen, dass Sharja „Hauptstadt der islamischen Kultur 2014“ sein soll. Entsprechend wurde ein großartiges Programm an Events auf die Beine gestellt.
Unlängst hatte "Cluster of Lights" (könnte man mit "Muster des Lichts" übersetzen) dort im neu gebauten Amphitheater Premiere. Obwohl komplett auf Arabisch vorgetragen, nahm es auch uns der Sprache Unkundige gefangen: Ein Oratorium agierendem Chor, Solisten, opulentem Bühnenbild, Filmeinblendungen, Videoclips sowie einer mehr als nur "opulent" zu nennenden Lichtshow, welche wie durch Zauberhand vielfarbige, changierende Muster über die Rückwände "wachsen", sich bewegen, verändern ließen. Das Universum mit seinen Galaxien, Wüstenstürme, Palmen im Wind einer Oase, ganze Städte und Burgen sowie märchenhafte Blumenmuster nahmen vor den Augen der staunenden Besucher so Gestalt an und vergingen wieder. Die kraftvolle und sinnliche arabische Musik nahm auch ohne Sprachkenntnisse gefangen. Eingespielt wurde der Soundtrack übrigens vom Filmorchester Babelsberg!

Arabisches Oratorium: "Cluster of Lights"



Dargestellt wurde eine Geschichte, die fast 1500 Jahre zurückliegt: Die Szenen rankten sich alle um das Leben von  Prophet Mohammed ab seiner Geburt in Mekka bis zum Tod in Medina - des Religionsbegründers des Islam.
Das Publikum bestand bei einer rein arabischsprachigen Vorstellung natürlich vor allem aus Einheimischen. Der Anblick so vieler Emiratis auf engem Raum war ein ganz eigener, denn an fast allen anderen Plätzen des Landes gehen sie ja in der Vielzahl der Nationalitäten, der Hautfarben und verschiendensten Kleidungsstile der buntgemischten Kulturen, die sich hier tummeln, ja beinahe etwas unter.