Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Dienstag, 24. Januar 2017

Unterhaltsame Episode über Ehrlichkeit und Anstand

Oder: "Hier in den Emiraten kommt nichts weg!" (Dafür sorgen viele ehrliche Menschen.)


Gestern war ich im Supermarkt, Wocheneinkauf machen. Eigentlich nichts Besonderes. Zuvor stoppte ich an einem der vielen Geldautomaten; doch die Summe, die ich eintippte, wollte meine Kreditkarte nicht herausrücken. Januar ist eben ein kostenintensiver Monat, auch hier - da kann das schon mal passieren. Enttäuscht manövrierte ich meinen Einkaufswagen rückwärts. 

Die Autorin, glücklich wegen zurückerhaltener Kreditkarte, neben Mariam vom Kundendienst des Carrefour-Supermarktes
 
Ein emiratischer Vater näherte sich in seinem edlen weißen Gewand. Er schob einen Kinderwagen samt Baby vor sich her. Mit freundlicher Geste machte ich Platz, er dankte lächend. Aus den Augenwinkeln sah ich seine Frau in Abahja mit einem kleinen Mädchen an der Hand sich hinzugesellen. 

Ich ging meiner Wege und begann, nach und nach die Posten meines Einkaufszettels abzuhaken. Als ich bereits auf dem Weg zur Kasse war und vor dem Kühlregal mit den französischen Käsesorten nur noch schnell entschied, ob es der übliche Camembert oder doch Ziegenrolle oder aber Roquefort sein solle - sprach mich einer der Wachmänner an, die in den Einkaufstempeln hierzulande überall Dienst tun. 
"Excuse me, Ma'm, did you lose your credit card?" Erschrocken warf ich einen Blick in mein Portemonnaie: Genau - die Kreditkarte war weg! Er erklärte, dass jemand eine gefunden habe. Und da er, der Wachmann, mich vorhin vom Geldautomaten weggehen sah, habe er einfach vermutet, dass das ja ich sein könnte ... So hatte er mich akribisch auf den zwei Etagen des Supermarktes gesucht und schließlich, gerade noch rechtzeitg, gefunden!

... "doch wem gehört das Geld?"


Halb benommen vom Schreck folgte ich ihm zum Verwaltungstrakt. Dort stellte die Sicherheitsmitarbeiterin, Mariam von den Philippinen, anhand meiner ID-Card (mein emiratischer Personalausweis, so lange wir hier leben) schnell fest, dass es sich tatsächlich  um meine Kreditkarte handelte. Ich musste nur unterschreiben, und schon händigte mir  Faysal Said Hassan meine Karte aus: gebürtiger Somalier und der Kundenservice-Manager des Carrefour. Nur ein Rätsel war noch offen: Der Finder der Karte hatte zusätzlich noch eine Geldsumme im Automatenschlitz entdeckt. Ich war jedoch überzeugt: Diese unrunde Zahl da hatte ich niemals angefordert! "Keine Ahnung, wie das dahin gekommen ist, aber es ist sicher nicht mein Geld", sagte ich.

Inzwischen hatte man auf meinen Wunsch hin Mohammed Abdallah per Handy hinzugerufen - den ehrlichen Finder. Und siehe da - es war der vorhin noch Kinderwagen schiebende Emirati, der nun mit seiner etwa dreijährigen Tochter herbeieilte. Die Kleine habe er zwischendurch zwar glatt einmal kurz verloren, als er sich um meine Kreditkarte kümmerte, erzählte er schmunzelnd. Aber zum Glück habe einer der Wachleute das schnell geklärt und sie zu Papa zurückgebracht.
Ich sprach dem Emirati meinen herzlichen Dank aus, er schüttelte mir die Hand und erklärte freundlich, das sei doch alles völlig selbstverständlich. Er versuchte, auch die kleine Hala dazu zu überreden, mir Guten Tag zu sagen. Doch die kicherte nur und betrachtete mich neugierig.

Ich suchte auch den Wachmann Djalal, der aus Sri Lanka stammt, noch einmal bei seinem Rundgang durch die Regalreihen auf und bedankte mich dafür, dass er so aufmerksam gewesen war. 
Kaum kam ich zufrieden daheim an und packte meine Einkaufstüten aus, als mein Telefon klingelte. Mariam war am anderen Ende der Leitung. "Ma'm, wir wissen es jetzt zweifelsfrei: Das Geld vorhin ist doch Ihres! Kommen Sie doch bitte und holen Sie es ab."

Die gewitzte kleine Tochter war "schuld"!


Neugierig machte ich mich nochmals auf den Weg zum Carrefour Supermarkt. Dort wurde ich freudig wiederbegrüßt. Ich erhielt die "unrunde Summe" ausgehändigt mit folgender Story dazu: Mohammed Abdallah hatte Hala, die Tochter, noch einmal befragt. Und da berichtete sie ihm folgendes: Während der Papa sich auf die Suche nach jemandem machte, der ihm mit meiner gefundenen Kreditkarte weiterhelfen könne, tat die Kleine gewitzt das, was sie bei den Erwachsenen abgeschaut hatte - ein paar Knöpfchen drücken ... und schwupps war da Geld 'rausgekommen! Offensichtlich hatte der Automat "gefragt", ob die Restsumme ausgegeben werden soll - und Hala "Yes" gedrückt.

Am Ende des Tages haben also Menschen aus vier Nationen mitgeholfen, dass diese einen Moment lang achtlose, verpeilte Frau Döhring aus Deutschland ihre Siebensachen wiederbekommt. Wohlgemerkt: Frau Döhring wäre auch ohne diese Hilfe nicht auf der Stelle verhungert. Während hingegen die anderen Beteiligten fast alle aus ärmeren Ländern stammten (- und selbst wenn es oft behauptet wird: auch nicht jeder Emirati ist per se "reich"!) 

Ich bin mir sicher: Nicht überall auf der Welt hätte ich Kreditkarte UND Bargeld so schnell zurückbekommen! Anderswo würde sich möglicherweise jemand auf Kosten meiner Schusseligkeit einen 'schönen Tag' gemacht haben. Man kann jetzt fabulieren, wie das wohl an einem deutschen Geldautomaten abgelaufen wäre ... Ich hoffe doch, so ähnlich wie hier. 

Jedenfalls - in den VAE kann man nach wie vor geradezu davon ausgehen, dass die vielvölker-bunten Bewohner ehrlich sind und nichts "mitgehen lassen"! Davon zeugen auch beispielsweise Caféhaustische, auf welchen man oft mehrere teure Smartphones herumliegen sieht, während die Besitzer gemütlich an der Kuchentheke auswählen: Worum  sollten sie sich hier auch Gedanken machen?
 

Sonntag, 4. Dezember 2016

Window-Shopping auf Rädern


Es gibt in den Vereinigten Arabischen Emiraten so gut wie nichts, was man sich nicht bequem per Home Delivery in seine vier Wände bestellen kann. Unzählige Werbungen zu Bestellhomepages und Apps fürs Smartphone sorgen dafür, dass man sich sein Lieblingsmenü, Blumen, Möbel, eine Massage, organisches Gemüse, Kleidung, den Wochengroßeinkauf, Bücher oder was immer man sonst begehrt rund um die Uhr kaufen kann - ohne dafür von der Couch 'runter und aus den Badeschlappen heraus zu müssen. Bei mir ist es höchstens mal der Pizzabote, der läutet.

Dies kommt sowohl einem traditionellen Lebensstil einheimischer Familien entgegen - wobei andererseits gerade Schaufensterbummeln ein Lieblingshobby emiratischer Frauen zu sein scheint. Sondern auch einer, sagen wir ... nun ja, Faulheit. Ärzte sind nicht erfreut, sie verweisen immer wieder auf das hohe Herz-und Gelenkkrankheits- sowie Diabetisrisiko, das durch Leibesfülle via Bequemlichkeit steigt ...

Doch es gibt sicher auch Gründe, welche das Homeshopping sinnvoll erscheinen lassen, Krankheit etwa. Oder wenn - gleich einer Tupperparty - das Einkaufen in gemütlicher Runde zu einer Art "Event" stilisiert werden soll.

Shopping auf Rädern - ja, auch und gerade Abendkleider gibt's in dieser fahrbaren Boutique!

Eine reizende Idee habe ich unlängst hier auf der Straße entdeckt: Festliche Abendroben für die Dame, die nicht einfach zum Aussuchen und Anprobieren in irgendeinem dunklen Kastenwagen zur potentiellen Kundschaft gebracht werden.

Sondern der Transport selbst ist schon eine Werbeshow für sich - ein rollendes "Schaufenster" von "DiamondsGlow - Schneider und Designer" nämlich! Teils handbestickte Modelle kann man sich hier "anfahren" lassen, probieren und bei Gefallen natürlich auch kaufen. Selbst die traditionelle, schwarze Abaya, in dieser Version allerdings aufwendig verziert und sehr edel und elegant anmutend, gehört zum Angebot.


Zur öffentlichen Facebook-Seite von "DiamondsGlow" geht es HIER - mit Terminen und Plätzen, wo diese emiratische Innovation zu finden ist!


Montag, 6. Juni 2016

Schnäppchenjagd im Ramadan 2016


Ramadan karim - alles Gute zum Ramadan!

Ramadan - der heilige Monat der Moslems nach dem Mondkalender - hat heute begonnen. Hervorstechendste Kennzeichen vor allem für Außenstehende: Zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang darf der Gläubige weder essen noch trinken. Heute Aufgang: 5.32 Uhr , Untergang: 19.10 Uhr.  Dieses Jahr keine leichte Herausforderung, da der Ramadan in "unserem" Juni beginnt (kommendes Jahr dann wiederum 10 Tage früher....) und die Temperaturen nun tags konstant über 40°C bleiben. Aber darum geht es ja: Disziplin und Willensstärke trainieren und beweisen...

Im Ramadan laufen die "Uhren" in den muslimischen Ländern in mancherlei Hinsicht anders. Nicht nur, dass Unterrichts- und Arbeitszeiten verkürzt und manchmal auch verlegt sind. Dies gilt in besonderem Maße für Arbeiter, die im Freien arbeiten müssen; deren Zeiten sind vom Minstry of Labour sowohl um zwei Stunden pro Tag verkürzt als auch oft von den Firmen in die erträglicheren Nachtstunden verlegt. Inspektoren überwachen unangekündigt die Einhaltung dieser Schutzzeiten.

Das öffentliche Leben kommt auch in anderen Sphären unter der heißen Tagessonne weitgehend zum Erliegen und dafür nachts erst richtig in Gang. Geschäfte sind zwar oft tags und bis tief in die Nacht hinein geöffnet, doch die Restaurants (bis auf einige wenige für westliche Expats) geschlossen. Gefeiert wird in diesem Monat jede Menge (wenn auch nicht gerade mit Musik und Tanz, aber mit festlichen Essen, Verwandtenbesuchen etc.). Straßen und Geschäfte sind festlich dekoriert und allerorten gibt es "Ramadan discounts" (Preissenkungen). Ein bisschen erinnert mich die Stimmung immer an unsere westliche Adventszeit.

Eine Art Brennglas stellt für mich der gewöhnliche Supermarkt dar. Vielleicht, weil jeder und jede dort regelmäßig hinkommt, unabhängig von Alter, Nationalität, Religion,... Gestern war ja noch kein Ramadan und ich vermeinte, meine Wocheneinkäufe noch in relativer vormittäglicher "Ruhe" abwickeln zu können.
Welch ein Irrtum! Schon der Zufahrts-Verkehrskreisel war ungewöhnlich verstopft. Ich vermutete einen Unfall und umfuhr die Stelle - nur um dann ebenfalls im Stau zu landen! Denn alle Welt schien zur gleichen Zeit zum Einkaufen zu streben, das Parkhaus war schon 11 Uhr überfüllt. 

Verabredungen zum Frühstück, morgens um vier im Café...


Und erst im Supermarkt selbst!... Überproportional viele emiratische Familien stürzten sich auf die zahllosen Sonderangebote. Während Mutter Schnäppchen bei den Haushaltreinigern jagte, stapelte Vater verbilligten Reis in 10-kg-Paketen in den Wagen; und die Kinder waren selbstredend in den Süßigkeitenregalen "eingetaucht", um den Großpack Snickers und Mars zum Ramadan-Preis zu ergattern. 

Oft nicht nur ein, sondern gleich zwei oder gar drei Einkaufswagen wurden bis über den Rad beladen. In den Gängen zwischen den hohen Regalwänden kaum ein Durchkommen: Menschenmengen, im Wege stehende Einkaufswagen, dazwischen immer wieder temporäre Regale mit Ramadan-Sonderrabattware. Die Regale selbst, sonst immer bestens gewartet, wo kaum mal eine Dose oder eine Tüte fehlt, waren teilweise leergeräumt. Supermarkt-Angestellte mit großen Palletten-Transportern versuchten sich in dem Trubel durchzukämpfen und die Lücken bei den extra verbilligten Keksen, Datteln, Waschmittel, Nudeln, Antifaltencreme oder Toastbrot zügig aufzufüllen.

Ich musste schmunzeln - was blieb mir in der ungewohnt langen Schlage an der Kasse auch anders übrigt: Während ich es ja auch aus Deutschland kenne, dass die Leute sich kurz vor den Weihnachtsfeiertagen mit Lebensmitteln eindecken, als bräche im ganzen kommenden Jahr eine Hungersnot aus.... - hält diese Phase hier in den VAE während es Monats Ramadan viel länger an. Selbst Mercedes & Co. gibt es momentan in den VAE viel billiger, wenn man z.B. der Radiowerbung glauben will.

Doch nicht nur zu Hause tafeln die Emiratis nun jeden Abend nach Sonnenuntergang kräftig. Auch unzählige Restaurants locken mit "Iftar"-Buffets zum abendlichen Fastenbrechen. Viel interessanter noch finde ich persönlich allerdings die fast genauso zahlreichen Restaurant-Offerten zum "Sahur": dem Morgenmahl, das bis zum Sonnenaufgang dauern darf! Wäre ich nicht so ein Morgenmuffel, würde ich am liebsten einmal selbst erleben, wie muslimische Familien sich putzmunter, füh um zwei (!), mit Freunden und Verwandten in die Gaststätte begeben. 
Ob es strafende Blicke gibt, wenn jemand beim ersten Ton des Rufs zum Morgengebet noch schnell mit vollen Backen gierig etwas hinterkaut? :-)


Bild: https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEh-q_oC20bIjN1_j5KiZ4jQ6UQ0GzS37U1pETRhjI5KQ8iTuNypyBbCdslXVQZX1-olLLD8er_CyR2a8rqEq94sV7zYNCCYHPctQkgq3qpik05CL9VG_hca0ypjerrM0mEcVvRhrs7qkRhJ/s1600/ramadan_kareem_wallpaper_by_gabriel_3x-d56amfu.jpg


Sonntag, 7. Februar 2016

Kleine Alltagsnervereien, die kein Mensch braucht

Meist versuche ich ja, hier die Information in den Vordergrund zu stellen in der Hoffnung, dass dies dem einen oder der anderen bei irgendeiner Frage zu Abu Dhabi oder den Emiraten weiterhelfen kann.


http://sc.mogicons.com/share/crazy-emoticon-236.jpg

Aber heute ist mal ein Tag, an welchem ich mich über die vielen kleinen, albernen Alltagsvorkommnisse "auslassen" möchte, die einem hierzulande das Leben nerviger -  ääähhh, unterhaltsamer gestalten (also im Vergleich zum Heimatland). Ich zähle jetzt mal querbeet so ein paar Sachen auf, die mich immer wieder Ganz tief durchatmen! Bis zehn zählen!!! lassen


° Wenn die Töchter mal den Pizzaboten bestellt haben sollten, kommt dieser so gut wie immer ohne Wechselgeld an. Wie blöd, wenn man aber gerade keine 5 oder 10 Dirham-Note oder Münzen zur Hand hat, weil der Geldautomat vorhin wieder so ungünstig gestückelt hat.
Doch dergleichen passiert einem auch laufend in Geschäften: Dass der Verkäufer erst einmal nach nebenan gehen muss, um eine Handvoll Wechselgeld für den Kunden zu besorgen. Man arbeitet im Kundenverkehr im Verkauf - wozu sollte man da um alles in der Welt denn Wechselgeld in der Kasse haben?!


° Ob Pizza oder Flachbildschirm, ob Wäscheservice oder Schrankwand: Wenn man in den Emiraten etwas nach Hause geliefert bekommt (an und für sich verführerisch praktisch, aaaaaaber!....), kann das eine komplizierte Angelegenheit werden. Oft kommt die Ware sowieso nicht am vereinbarten Termin. Und wenn dann doch, gehen mannigfaltige Telefonate voraus.
Lieferant ruft an: "Wo wohnen Sie?" "In XY, wie in der Bestellung angegeben." "Hm, ist das nahe Z?" Man ist eine Weile verwirrt, bis man bemerkt, dass der gute Mann von Dubai anstatt von Abu Dhabi redet. Na, nicht weiter schlimm, das ist ja nur eine gute Stunde Autobahnfahrt entfernt...

Falls der Lieferant sich dann nähert, stellt er telefonisch in der Regel klar, sich in Abu "gut auszukennen. Aber wo ist das bei Ihnen? An der Cornishe?" (die bekannteste Straße in wohl jeder irgendwie am Meer gelegenen Stadt im Mittleren Osten....) Einen Stadtplan darf man niemals erwarten, und auch GoogleMaps oder wie all die modernen elektronischen Helferlein heißen mögen, werden nicht eingesetzt (und ja!, natürlich haben hierzulande alle ein Smartphone, auch "kleine" Transportangestellte....) Wenn man dann die grobe Richtung beschrieben hat, kann es sein, dass nach vielen weiteren Telefonaten die Ware glücklich eintrifft.
Mir ist aber auch schon mal passiert, dass mein freudig mit tropfendem Zahn erwarteter "German Döner" nicht ausgeliefert wurde und die Bestellung statt dessen gecancelt, weil man sich außerstande sah, meinen Wohnort zu finden (was - da es ein recht bekanntes Compound ist - nicht allzu schwierig sein sollte).


° Taxifahren. Das "Problem" ist nicht etwa, wie man vielleicht erwarten mag, dass man um den Preis feilschen müsste - emiratische Taxis sind generell mit Taxameter ausgestattet und zeigen die Fahrpreis bis auf den Fil hinterm Komma genau an. 
Nein, etwas anderes. Taxifahrer kennen "ihre" Stadt? - das dachte ich zumindest, bis ich aus Deutschland fortzog (lang-lang ist's her....) Und doch, auch in den Emiraten kennen sich einige Fahrer gut aus. Was nicht bedeutet, dass es nicht dennoch ratsam ist, seinen Zielort und den Weg dahin vorab genau zu kennen! Denn gelegentlich gerät man auch mal an einen Neuzugang, der vielleicht vorige Woche gerade erst aus seinem fernen Land hier landete und mit Taxifahren angefangen hat. Natürlich ohne vorherige Schulung.
Falls er dann auch noch unbelehrbar ist (Ich: "Bitte fahren Sie da vorne die zweite links!" - und er umgehend die nächste Abbiegung rechts nimmt, z.B.....) oder aber man selbst Neuankömmling ist und daher keine Ahnung hat, wohin.... Tja, dann wird es arg abenteuerlich. Denn siehe oben: Stadtpläne oder Landkarten lesen können sie durch die Bank weg alle nicht, und ein Navigationsgerät ist entweder nicht vorhanden, wird nicht benutzt oder aber ist aufgrund der manchmal noch merkwürdigen Straßen"namen" bzw. -nummern ohnehin nicht brauchbar.
 

° Handwerker. Nach zumeist mehreren hoffnungsvoll-höflichen - über den Tag verteilten, von Wartepausen getrennten Anrufen - bei der Instandhaltsungsfirma, die sich um unsere Wohnanlage kümmert, erscheint dann oft doch ein Handwerker.
Meist jedoch nur, um einen Blick auf das Problem zu werfen und mit den Worten: "Da muss ich erst mal Material holen" wieder zu verschwinden. Je nachdem kann das fünf Minuten, fünf Stunden oder auch bis nach dem genervten Anruf am Folgetag dauern. Damit es spannend bleibt, kriegt man aber entweder eine im Nachhinein falsche oder aber lieber gar keine Zeitangabe genannt.

Falls dann endlich ein Handwerker eintrifft, ist nicht gesagt, dass es der für das vorliegende Problem richtige ist. In der Telefonzentrale bedienen den Kundenhörer manchmal Leute, die des Englischen nun auch nicht so gut mächtig sind. Da kann es schon passieren, dass ich erklärte, es müsse dringend jemand kommen, weil wir gehört hatten, dass sich in unserem Lüftungskanal der Klimaanlage ("AC") mindestens eine Ratte offenbar auf einen Marathon vorbereitet und wir das nicht so gern haben... Um dann nach zwei, drei weiteren, zunehmend verzweifelten Anrufen einen enthusiastisch lächelnden Trupp Elektriker vor der Tür zu haben, der die "kaputte AC" reparieren will. In der Telefonzentrale hatte man gerade eben so das Wort "AC" verstanden; nicht jedoch das Problem mit den Ratten!

° "Verkäufer und Verkäuferinnen" in Malls, Boutiquen etc. Ich schreibe bewusst in Anführungszeichen. Mag sein, dass ich eine verwöhnte, westliche Ziege mit völlig übertriebenen, antiquierten Vorstellungen bin. Aber ich habe immer noch dieses Bild vor mir: Jemand, der in einem Laden eine bestimmte Art von Waren fach-verkauft (Hosen, Pralinen oder Schuhe...), habe einen Überblick über besagte Ware und kann sogar Auskunft bei aufkommenden Kundenfragen geben (Herkunft? Material? andere Größe?,...)
Hierzulande winke ich generell gleich heftig ab, wenn ich einen Laden betrete und sich mir in der Regel umgehend ein Pulk von zwei bis vier philippinischen, zumeist gerade unterbeschäftigten Verkaufsangestellten auf Tuchfühlung an die Fersen heftet. Denn wehe, man stellt auf das allfällige "Ma'mSir, how can I help you?" tatsächlich eine Frage! Z.B. "Guten Tag - sagen Sie, haben Sie eine grüne Hose in Größe 38 da?" Sofort beginnt dann die Verkäuferin sich eifrig umzusehen, in welcher Ecke ihres Ladens denn die Hosen hängen könnten. 


Wenn sie diese schließlich lokalisiert hat, streift sie genauso hilflos mit dem Finger hindurch, wie ich es auch täte - und mit etwas Glück findet sie dann irgendwann die gewünschte Farbe. "Größe?" "Oh. Welche Größe haben Sie denn?" "Wie ich gerade sagte: Immer noch 38." "Aha, aha... - - - haben wir aber gar nicht dabei." Es kann allerdings auch sein, man bekommt statt dessen einfach einen grünen Rock in der 46 oder eine knallrote Hose in 38 in die Hand gedrückt. 

Da gedenke ich dann tränenden Auges der guten alten deutschen Berufs-Fachausbildung. Versteht irgend jemand, wieso ich aufs beliebte Shopping gar nicht besonders erpicht bin?

° Werbe-SMS von irgendwelchen Boutiquen und Läden, in denen ich noch nie war! Auf die an jeder verdammten Kasse beim Bezahlen gestellten Frage nach meiner Mobiltelefonnummer wehre ich stets zwischen höflich und vehement ab, je nachdem. Ich will ja nicht, dass ich dann ständig mit "SALE! 50% on everything!"-SMS bombardiert werde. Wie kommen dann jedoch diese ganzen blöden Werbe-SMS dennoch andauernd auf mein Telefon?
Immer guckt man nach dem "Bling" aufs Display in der Hoffnung, es sei die Meldung eines lieben Freundes. Oder auch besorgt - könnte ja die Schulkrankenschwester mit einer "Kommen Sie sofort ihr Kind mit Loch im Kopf abholen"-Nachricht sein....
Aber nein, schon wieder will mir jemand etwas andrehen, das ich gar nicht kaufen mag?! Ich bestelle diese SMS-Dinger laufend ab. Aber sie wachsen auf wundersame Weise aus anderen "Ecken" dann doch immer nach, wie die abgeschlagenen Köpfe beim Märchendrachen... 


° Lieblingseissorte, Lieblingsknäckebrot, bevorzugte Tiefkühlerbsenmarke? Man sollte dergleichen immer in Mengen "hamstern", wenn einem (bzw. den Kindern daheim) das wirklich wichtig ist. Wirkt zwar grotesk angesichts der endlosen Warenberge schieren Überflusses in den Supermarktregalen - das ist ja hier kein limitiertes Entwicklungsland! Aber die Chance, dass genau diese geliebte Speiseeis-Sorte einmal und nie wieder nach Abverkauf im Supermarkt deines Vertrauens auftaucht, liegt ziemlich hoch. Regelmäßige Order-Listen vom Großhändler scheint es eher nicht zu geben. 
Dafür entdeckt man aber immer mal wieder was Neues! Mit dieser optimistischen Note endige ich hier erst mal. Aber...


Wer hat Ergänzungen zu bieten?




Mittwoch, 23. Dezember 2015

Weihnachtsgrüße


Diese kommen von mir diesmal aus dem - allerdings nicht gerade winterlich-weißen, wie von unseren Kindern natürlich erhofften - Deutschland.
Bevor die Geschenkeschlacht und vor allem aber hoffentlich auch das naht, worauf der Deutsche gern Wert legt - nämlich die weihnachtliche Besinnlichkeit und Ruhe... möchte ich noch ein paar heitere, interkulturelle Bilder zum Thema aneinandereihen.

Während in den winterlich-kühlen Emiraten (kaum noch über 20°Grad!...) Geschäfte, Plätze und viele Wohnungen so weihnachtlich geschmückt sind wie anderswo auch, wirkt das vor der ursprünglichen, wüstennomadischen Kulisse durchaus etwas schräg...


Schön, nicht? Vor allem "schön seltsam", der Weihnachtsbaum vor Dattelplamen! - in einer Wohnanlage in Abu Dhabi.

Plastik-Krippe im emiratischen Supermarkt
Wenn sich manche im - meist ja doch eher un-christlichen - Deutschland vor der vermuteten, baldigen "Übernahme" durch islamische Riten und Lebensweise graulen, quellen in den moslemischen Emiraten die Schaufenster und das Warenangebot über vor christlichen Symbolen. Scheinbar hat hier keiner wirklich Angst, Geschenkanhänger mit Weihnachtsengeln und kleine Plastik-Jesuskinder in Krippen (immerhin aus Holz und sogar echts Moos auf dem Dach! :-)  ) oder aber deren Käufer aus der Herkunftskultur bläsen zum Angriff! Sogar Plüschtiere mit der Stickerei "Jesus loves you - snow much" habe ich gesehen.... Solange nur immer schön die Kasse klingelt?!

Einträchtig liegen in den Supermarktregalen britisches Gingerbread und Plumpudding neben italienischem Panettone und deutschem Weihnachtsstolle; vollziehen so auch kulinarisch die internationale Weihnachts-Einheit  (Dominosteine vermisse ich allerdings schmerzlich....)
Die Werbung lockt überall zu "Christmas-Brunches" und -Dinners samt Truthahn in Hotels und Restaurants; selbstredend liegt in den Bekleidungsgeschäften die gesamte Winterkollektion inklusive Stiefeln, Daunenjacken und Mützen zum Kauf aus.

Gigantische "Schnee"-Kugel in einer Shoppingmall - der Schnee, in welchem die Mädchen herumtollen, ist Watte...























































Zum Schluss noch ein "echt" weihnachtlicher Gruß mit einer original Erzgebirgischen Pyramide

Ob es nun - je nach Herkunft und Geschmack - eine besinnlich-deutsche Weihnacht in Familie mit Kirchgang wird, eine Gourmet-Orgie wie bei den Franzosen, eine fröhliche "Christmas-Party" mit Tanz rings um den Tannenbaum wie in großen Teilen der anglophilen Welt, oder aber ganz anders -  egal, Geschenke wird es so oder so geben! Und Freude hoffentlich auch überall.


                   Schöne Weihnachten wünsche ich allen!



Sonntag, 8. November 2015

"Global" fühlen beim Supermarkteinkauf


Gerade um irgendwelche Feiertage herum fällt mir hier immer wieder so richtig auf, wie bunt gemischt die Bevölkerung der VAE mit seinem 85%-Ausländer-Anteil wirklich ist. Eigentlich feiert immer gerade eine Religionsgruppe, ein Land, eine Ethnie hier irgend etwas.

Neulich beim Carrefour. Das ist Europas zweitgrößtes Einzelhandelsunternehmen und in Abu Dhabi mit drei großen Supermarkt-Filialen vertreten. Ich suche den Carrefour regelmäßig vor allem wegen seines umfangreichen Angebots an Käse auf.
Auf der oberen Etage mit den Haushalt- und Elektronikwaren zeigt sich gegenwärtig eine Abteilung komplett in Schwarz-Weiß-Rot-Grün, den emiratischen Nationalfarben, denn am 2. Dezember jährt sich der Nationalfeiertag zum 43. Mal. Da man das hierzulande kräftig feiert, sind nun u.a. T-Shirts und Kinderkleider, Haarspangen und Kissenbezüge, Mützen, Teddybären und sogar vierfarbige Perücken in den Nationalfarben der Verkaufs-Hit.

Emiratische Nationalfarben, wohin man auch schaut... Am 2.12. wird gefeiert!

Eine Etage darunter werde ich mittels Aufstellern vor Süßigkeiten darauf aufmerksam gemacht, dass bald Diwali stattfindet. Mancher - daheim in Deutschland, der Schweiz oder Österreich - wird jetzt fragen: "Di - WAS?" In Abu Dhabi hingegen lernt man schnell, dass die hier zahlreich vertretenen Hindus aus vielen Herkunftsländern ihr alljährliches großes "Lichterfest" Diwali zu Beginn der "kühleren" Jahreszeit mit einer Menge traditioneller Bräuche feiern.

Das Schild verkündet: Diese Waren wurden extra anlässlich "Diwali" heruntergesetzt! Dahinter kann man die künstlichen Weihnachtsbäume der momentan "christlich" geschmückten Ecke nebenan im Supermarkt erkennen.

Genau nebenan ist auch für die Christen "gesorgt", Seit' an Seit' mit den Diwali-Angeboten! Der ganze Halloween-Ramsch ist kaum verpackt - schon stehen an gleicher Stelle nun künstliche Tannenbäume in Reih und Glied, finden sich Kugel- und sonstiger Baumschmuck, Lametta und Lichterketten.
Mir persönlich fehlen lediglich noch die Lebkuchenstände und der echte Tannenduft! Da ich es zuletzt jedoch auch Anfang September in Deutschland erlebt habe, dass ich - noch kurzärmelig - bereits die ersten Supermarkt-Weihnachtsartikel vorfand, kommt mir das momentan auch in Abu Dhabi nicht besonders paradox vor...

Die Abteilungen mit dem Christbaumschmuck scheinen mir hier in den Läden von Jahr zu Jahr größer zu werden...
Und damit auch noch diejenigen Käufer, welche sich weder beim National Day noch bei Diwali oder Weihnachten derzeit im Carrefour "wiederfinden", dennoch angesprochen und zum Kauf verführt fühlen, hängen überall Luftballontrauben und große Schilder, auf denen Carrefour UAE
sein hiesiges 20-jähriges Jubiläum mit diversen Discount- oder "Buy 1, get 1 free"-Aktionen feiert. Das momentan selbst zu ungewöhnlichen Einkaufszeiten erstaunliche Einkäuferaufkommen lässt darauf schließen, dass die ganzen Werbeaktionen ihre Zielgruppe nicht verfehlen....

Seit 20 Jahren verkauft Carrefour in den VAE - und lockt derzeit mir "Jubiläums"-Angeboten....

"Komisches Gemüse"


Dass das Verkaufs- und insbesondere Lebensmittelangebot unter solchen internationalen Vorzeichen unglaublich umfassend ist und - für den Neugierigen - quasi zu einer kleinen Reise durch die Küchen unserer Welt einlädt, ergibt sich somit wie von selbst.

Geben Sie es zu: Von Potol, Tindly oder Kokarol haben Sie zuvor vermutlich nie gehört. Ich auch nicht. Nein, das sind keine elektronischen Männerspielzeuge oder etwa ein Südsee-Hotelressort, was solche Namen trägt! Ganz unschuldig liegen diese grünen Gesellen in der Schütte in der Gemüseabteilung und harren ihres Schicksals in Töpfen und Pfannen... Ich glaube, ich muss das auch mal ausprobieren.


Auslage mit - für die Westeuropäerin! - "exotischen" Gemüsen. (Finden andere eher Kohlrabi und Blumenkohl "exotisch"?!)
 
Wer einmal "Amritsari" oder "Mughlai Kheema Samosas" ausprobieren möchte, muss keinen indischen Kochkurs machen, sondern kann hier auch erst einmal ein Experiment direkt aus der Kühltheke starten.....


Montag, 13. April 2015

Fleisch vom Schwein - darf sein! (Oder: dezenter Konsum)


Ich brauche es nicht ständig. Andere dafür um so öfter.
Die Rede ist.....nein, nicht vom Alkohol, das Thema hatten wir schon. :-)
Sondern von Fleisch - und zwar dem vom Schwein.


Vielen Moslems mag ganz natürlich die Begründung für das Schweinefleischverbot genügen, dass Allah so einst für die Gläubigen bestimmt hat:

„Verboten hat Er euch nur (den Genuss von) natürlich Verendetem, Blut, Schweinefleisch und dem, worüber etwas anderes als Allah angerufen worden ist. Wenn aber jemand (dazu) gezwungen ist, ohne (es) zu begehren und ohne das Maß zu überschreiten, so trifft ihn keine Schuld; wahrlich, Allah ist allverzeihend, barmherzig.“
Koran 2, 173

Hinter dieser verspiegelten Schiebetür eröffnet sich das Reich des Schweinefleischs... für Nicht-Moslems only.


Nicht-Moslems jedoch fragen an dieser Stelle doch gern noch einmal: "Ja, aber warum denn nun wirklich?"

Abgesehen davon, dass es dieses Verbot ja auch im Judentum und Teilen des Christentums gibt (Siebenten-Tag-Adventisten), kann man dazu zwei Erklärungen anbieten. Die eine lautet, dass Schweine oft als Abfallfresser als "unrein" angesehen wurden und daher eher Abscheu erregten. Auch die im heißen Klima leichte Übertragung von Trichinose auf den Menschen durch den Verzehr von nicht komplett durchgegartem Schweinefleisch wird oft zitiert.
Darüber hinaus führt eine weitere Theorie ins Feld, dass das Schwein, welches bis vor ca. 4000 Jahren in den später moslemischen Regionen lebte, durch den damaligen Klimawandel ein Nahrungskonkurrent für den Menschen wurde. Bei - durch steigende Hitze und Dürre - zurückgehender Vegetation setzten sich in der Haltung Wiederkäuer durch, welche sich in diesem Klima besser hielten und ohnehin für den Menschen unverwertbare Pflanzen fraßen.

Wie dem auch sei - ein gläubiger Moslem isst keinerlei Schweinefleischerzeugnisse. In Ländern wie Saudi-Arabien oder Libyen haben wir auch tatsächlich strikt niemals welches zu kaufen gefunden.
Doch in den Vereinigten Arabischen Emirate mit ihrer kosmopolitischen Bevölkerung, von der rund ein gutes Drittel gar nicht muslimisch ist (die Angaben hierzu schwanken etwas), kann man so etwas schwierig durchsetzen.

Wie so oft, wurde also für die vielen Schweinefleisch-Esser im Land eine Regelung installiert, welche allen gerecht wird. In der hiesigen Supermarkt-Kette Spinneys (und ein paar weiteren) gibt es diese undurchsichtige Tür. Spinneys Supermarkt - der mit "Extras".
Auf der Tür befindet sich der Hinweis, dass diese Abteilung nur für Nicht-Moslems gedacht ist, weil dahinter Schwein in allen denklichen Variationen die Auslagen füllt.


Die "Fleisch- und Wurstprodukte mit Schweinefleischbestandteilen"-Abteilung von innen.

Im Eldorado des Schweinfleisch-Connaisseurs dann kann man alles kaufen, was das Herz begehrt: Von frischem Filet und Steak über Schinken, Salami bis zu Erzeugnissen anderer Fleischarten, welche jedoch mit Schweinebestandteilen angereichert sind (Entenleberpastete durch Schweineschmalz, Wiener Würstchen aus Rind mit Schwein gemischt etc.) sowie Fertiggerichte, wie z.B. Englische Pasteten á la "Lamb and Kidney Pie" oder auch Pizza mit Salamibelag.

.... und auch Deutsche Salami in der Packung.
Pizza mit Schweinesalami gibt's nur hier.....






Würstchen der deutschen Firma Hochwald.

Und so ist es mal wieder allen recht gemacht: Die nicht-moslemischen Bewohner der VAE können  ihr Schweinesteak genießen. Und Moslems, welche sich vielleicht schon allein durch den Anblick von Schweinefleisch unangenehm berührt fühlen mögen, wird dieser erspart.


Sonntag, 31. August 2014

Tschüss Heimat! Hallo "andere" Heimat!

Es ist soweit: Die langen Sommerferien in Deutschland sind zu Ende gegangen, wir haben einen Tag in Fliegern verbracht und hier in Abu Dhabi unsere Koffer wieder ausgepackt. Adé kühle, waldduftende Regenluft. Hello, backofenheißer, vibrierender Wüstenwind.

Der Alltag hat uns wieder, aber das ist ganz okay. Alle Schulmaterialien sind vorbereitet  - heute ist ja der erste Schultag. Die freudige Aufregung, die alten Freunde nun wiederzusehen und die Neugier, neue Klassenkameraden im Kreis aufnehmen zu können, war bei unseren Töchtern stetig angewachsen.
Bei den Teenagern sind "die Neuen" (vier) aber zur Auftaktveranstaltung in der Schulaula dann schon gar keine wirklich neuen Gesichter mehr, denn dank moderner sozialer Netzwerke im Internet ist meine ältere Tochter sowie fast ihre ganze Klasse mit den Neuankömmlingen bereits bekanntgemacht und teils fast schon befreundet! Welch ein schönes Willkommen in einer neuen Klasse, wenn man sich schon beim ersten Treffen lässig abklatschen und in ein - irgendwie - bekanntes Gesicht schauen kann. Wenn ich da so an unsere Schulzeit denke und wie blöd es war, am ersten Tag der oder die "Neue" zu sein.....

Leben im Ausland, verbunden mit langen Sommerpausen in der alten Heimat, ist für mich ein bisschen, als lebte ich zwei parallele Leben. Zwar zeitlich natürlich nicht ganz kongruent, aber insgesamt fühlt es sich so an. Was ich durchaus als Bereicherung empfinde.
Als ich gestern mit meiner Jüngeren im Carrefour einkaufen war (einer der vielen hiesigen Filialen des großen französischen Supermarktanbieters), waren es weniger die vielen verschleierten Frauen und überhaupt Menschen aus aller Welt um mich herum, welche mir bewusst machten, dass wir nun wieder HIER sind. Sondern andere Kleinigkeiten; speziell die Gelassenheit und die vielen lächelnden Gesichter.
Als ich am Eingang keine Münze für den Einkaufswagen fand und hilflos mit einem Dirham-Schein herumfummelte, den ich hätte irgendwie hätte wechseln müssen, beobachtete dies ein indischer Angestellter des Supermarkts. Im gelben Overall kenntlich als einer, der für das Rangieren der Einkaufskorbschlangen und für die schnelle Verpackung am Ende des Kassenlaufbands zuständig ist. Er hakte mir flugs und mit freundlichem Lächeln mittels seines Spezialschlüssels einen Korb ab, deren Schlange er vor sich herschob. Problem gelöst.
Später dann, selbst in der Kassenschlange, krabbelte vorn bei der Kassiererin ein schwarzlockiges Kleinkind auf dem Kassenband herum. Die arabischen Eltern schienen das normal zu finden, die philippinische Kassiererin offenbar auch -  alle ringsum lächelten dem Kind zwischen Salat, Joghurt, Nudelpackungen und Breigläschen zu. Ich stellte mir vor, das hätte ich vor Jahren mit meinen Kindern in einem deutschen Supermarkt zugelassen.... - HA!

Als ich meine Kleine fragte, wo denn nun eigentlich "zu Hause" sei - in Deutschland, wo wir vorgestern noch waren, oder hier, wo wir jetzt wieder gelandet sind, kam ihre Antwort sofort: "Na hier. Und in Deutschland. Eben da, wo wir gerade sind."

Ein lieber Gruß noch einmal an alle Verwandten und Freunde in der "anderen" Heimat in Europa! Danke, dass ihr euch immer wieder Zeit für uns nehmt und uns dazugehören lasst. Eine kleine Entschuldigung an alle, welche wir beim jährlichen "Besuchsmarathon" nicht mehr oder nicht noch einmal sehen konnten. Aber wir kommen ja wieder!

Montag, 23. Juni 2014

Supermarkt: "gefährliches Verhalten"


Solche Schilder findet man hier oft am Eingang von Shopping Malls und Supermärkten:

Hinweisschild mit Verhaltensregeln für den Supermarkt

Natürlich habe ich mich gefragt, was denn "gefährliches Verhalten" sein könnte? Vermutlich ist damit gemeint, dass Kinder nicht auf dem Einkaufswagen hängend herumsurfen und harmlose Omas umfahren sollen.

Was Bekleidung angeht - mir ist es ein einziges Mal passiert, da sprach mich in einer Shopping Mall eine alte emiratische Dame an . Sie fiel sofort auf, denn wirklich alte Leute mit Runzeln und weißen Haaren sieht man hier so selten wie einen Geparden auf der Hintertutziger Landstraße. Ich trug ein bodenlanges, zugegebenermaßen aber ziemlich tief ausgeschnittenes Kleid. Sie fragte höflich in sehr gutem Englisch, ob ich Touristin sei oder hier wohne, ich bejahte das zweite. Die Dame meinte, vielleicht könne ich ein Jäckchen drüberziehen; mit einem eher abschätzigen Schulterzucken Richtung Umgebung und sowie verschwörerischem Augenrollen zu mir: "Sie wissen ja, die Männer hier -  nicht, dass die Sie dann anstarren...."
Ich habe mich für Ihren Hinweis freundlich bedankt, sie hatte ja Recht. Vor allem hatte sie ihr sicher persönliches Missfallen sehr geschickt verpackt. Starrende Emiratis haben ich bisher übrigens noch keine erlebt; genauso, wie mich in Saudi-Arabien nie ein Mann "offiziell" überhaupt zu sehen schien, sind sie hier doch sehr dezent. Was nicht heißen muss, dass sie nicht aus dem Augenwinkel einiges registrieren.....

Erst dieser Tage überraschte mich die Zuvorkommenheit eines emiratischen Herren. Man muss dazu wissen, dass hier eine unausgesprochene Drei-Klassen-Gesellschaft herrscht (zuerst die Emiratis, dann die westlichen Ausländer, dann die meist aus asiatischen Ländern stammenden Gastarbeiter). Mir war eine Münze aus dem Portemonnaie gerollt - direkt vor die weiße Sandale eines Emiratis. Der bückte sich und überreichte mir meinen Dirham. Ich hab mich freundlich mit "shukran" bedankt, denn auch wenn Emiratis die Frau durchaus ehren, so ist ein "Bückling" bei ihnen doch eher ungewöhnlich, zumal ich ja auch noch eine Fremde bin.

Emiratische Damen beim Einkauf


Natürlich gibt es in den Emiraten bestimmte Kleidungsvorschriften, oder soll ich besser sagen: Vorschläge. Keine Hot Pants, Schulter bedeckt, einfach nicht zu viel nackte Haut. Das ist völlig ein-, oft einfach auch optisch schöner anzusehen; niemand verlangt hier von nicht-emiratischen Frauen, eine Abahja zu tragen! Da sollte man schon den Anstand besitzen, sich den Gepflogenheiten des Gastlandes zumindest anzunähern.
Was allerdings "nicht zu viel nackte Haut" tatsächlich ist, wird in diesem sehr toleranten Land doch auch sehr frei ausgelegt von seinen Einwohnern. In Abu Dhabi, noch mehr allerdings in Dubai, sieht man gerade bei Damen die gesamte Palette westlicher Bekleidung: von Jeans, T-Shirt und Blazer über Kleider bis hin zu super-Minis; gerade mal, dass niemand im Bikini auf der Straße herumläuft. Gemischt mit den schwarzen (oder bei Männern: weißen) einheimischen Roben, indischen Salwar Khamis oder Saris und pakistanischen Pyjamas ergibt das ein farbenfrohes und vor allem einträchtig internationales Bild.
Festlicher Schmuck auch im Carrefour-Supermarkt: "Ramadan Kareem" (s.v.w. "schönen Ramadan!")
Jetzt, kurz vor Beginn des Ramadan  (dazu gibt's demnächst noch einmal eine separate Kolumne), schmücken sich die Shopping Malls und auch Supermärkte hier mit Spruchtafeln, Dekorationselementen und natürlich Ramadan-Sonderangeboten (Großfamilienpackungen aller möglicher Lebensmittel, verbilligte Süßigkeiten usw.)  - so, wie bei uns in Deutschland in der Adventszeit! Anstatt der sonst eher sterilen Geruchsfreiheit wurde ich heute beim Einkauf schon im Eingangsbereich von festlichen Weihrauchdüften begrüßt!