Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Montag, 26. Februar 2018

* * * ZUGABE // ENCORE! * * *


Draußen sind gerade - 12°C. MINUS! Nicht ungewöhnlich für einen deutschen Winter. Doch ich habe solche Kälte einige Jahre lang ja nicht mehr erlebt.
Dabei wärmten mich noch vor wenigen Tagen Sonnenstrahlen bei kuscheligen 30°C (plus) ...


"Ich bin wieder da!!!"

Als  - bis dahin zeitweilige - Einwohner hatten meine Familie und ich Ende Juni 2017 Abu Dhabi und damit die Emirate wieder verlassen. Als Touristen kamen wir nun Mitte Februar für zehn Tage zurück. Und darum gibt es hier nun eine kleine Zugabe mit Eindrücken und Gedanken über: 'Wie es so ist, als Gast ins alte Zuhause wiederzukommen'.

Seltsame Parallelität der Empfindungen, vom ersten Moment an nach der Landung auf dem Flughafen: Jedes Haus, jede Straßenkurve, jede Palme, jede Blumenrabatte ist vertraut. Und doch: Dort, eine neue Baustelle, ein neues Geschäft, eine neue Grünanlage!
Dieses Mal ist doch auch alles genauso - wie mein Alltag die fünf Jahre zuvor. Und: Auf einmal wieder alles anders  - als die Umgebung des letzten halben Jahres in Deutschland. Dieses Überblenden des "Besucher-" und des "Zuhause-"Gefühls an beiden Orten wird all die Tage meiner Visite in Abu Dhabi und Dubai bestehen bleiben.
Eigenartig, nun selbst als Touristen viele Orte zu besichtigen, welche man sonst immer den Besuchern aus Europa gezeigt hatte; so auch die unvergleichliche Sheikh Zayed Moschee. 
 
die größten Kronleuchter der Welt ...
Selfie vor der Moscheebesichtigung



... wundervolle Edelstein-Intarsien überall
Blick über den gewaltigen Innenhof der Sheikh Zayed Grand Mosque Abu Dhabi


Die arabische Sonne bei 28 Grad war dennoch nicht das Wärmste bei unserer Visite. Das waren die alten Freunde, die uns so ein herzliches Wiedersehen bescherten. Wie schön, vertraute Gesichter in üblicher Runde an gewohntem Platz versammelt zu finden - und das einzig zum Zwecke, meine Töchter, meinen Mann und mich wiederzusehen!
Alle noch in Abu Dhabi lebenden Freunde, die an jenem Wochenende vor Ort waren, kamen extra zu einer kleinen Feier uns zu Ehren. Wunderbar, all die Menschen "wie immer" zu erleben, mit denen wir so viele fröhliche, aufregende, vertraute, lustige oder eindrucksvolle Momente gemeinsam verbracht hatten!  Auch unsere Töchter wurden sehr freudig von ihren alten Freunden begrüßt. Alles teils sehr emotionale Augenblicke. Und dennoch auch schön zu sehen, dass - mit wie ohne uns - das Leben in Abu Dhabi natürlich "weitergeht".


Gold, Gold und nochmals Blattgold: Hotel Emirates Palace Abu Dhabi

Doch nicht nur die engen Weggefährten der letzten fünf Jahre bescherten uns ein liebevolles Welcome back!  Wie schön ist es doch, wenn man mit einem (fremden, weil Miet-) Auto in unserem ehemaligen Wohncompound ankommt - und der Wachmann am Eingang eigens aus seinem Pförtnerhäuschen springt, um einen freudig zu begrüßen! Einige Verkäuferinnen im nahen Supermarkt rufen uns beim Kassieren ein erfreutes "Hello back!" zu. Als ich die philippinische Rezeptionistin im Sportzentrum umarme, stehen ihr über das unvermittelte Wiedersehen gar Freudentränen in den Augen ...


 Auch mal "nur" Tourist sein: Wüstensafari einmal anders


























Spaß macht ja auch, wenn man als "Nun-nur-Tourist" dann selbst einmal das "Touri-Programm" macht. Zumal wir sogar noch einen 'echten' aus Deutschland als Reisebegleitung mitgebracht hatten.
Wir unternahmen mit DesertRose eine halbtägige Wüstensafari gemeinsam mit ca. zweihundert anderen Touristen. Auf solch einer Tour bekommt man gewissermaßen im Taschenformat das 1001-Nacht-Feeling gereicht, inklusive Dune Bashing. Das bedeutet: Im Geländewagen mit Fahrer die Dünen rauf und runter wie in einer Achterbahn; "früher" haben wir das mit Freunden öfters an Wochenenden ja noch selbst gemacht.

Die obligatorische Kamelfarm mit Kamelbabys bestaunen, Wüstencamp mit arabischem Kaffee, Henna-Malerei für die Damen und Verkleidung mittels arabischem Herrengewands samt Falken auf der Hand für die Männer. Mit Sonnenuntergangsfotos auf dem Dünenkamm, mit Sand unter nackten Füßen und in den Haaren, mit orientalischem Bufett (keine emiratischen, dafür bekannte libanesische Speisen wie Hummus und Tabbouleh), mit einem illuminierten Derwischtanz und einer (natürlich nicht-emiratischen) Bauchtänzerin. Zuletzt 'Licht aus!' für den Blick in den betörenden Wüsten-Sternenhimmel! Alles in allem ein nicht ganz authentischer, aber sehr stimmungsvoller Kurzbesuch. Wir hatten Spaß daran.


 Schließlich: Visite im Louvre Abu Dhabi

 

Als wir 2012 nach Abu Dhabi zogen, gab es bereits allerhand Werbung für den "bald"  eröffnenden Louvre Abu Dhabi, der in enger Kooperation mit dem in Paris entstand und auch weiter zusammenarbeitet. Die folgenden Jahre beobachteten wir regelmäßig den Baufortschritt (bzw. von außen die Vollendung des Architektur-Highlights) auf der Fahrt nach Saadiayt Island, jener Teilinsel von Abu Dhabi, auf welcher das Museum seinen Standort fand.
Doch feierlich in Anwesenheit des Kronprinzen Sheikh Muhammad bin Zayed al Nahyan und des französischen Präsidenten Emmanuel Macron eingeweiht wurde der Prachtbau doch erst nach unserer Ausreise, im November 2017. Ganz klar, dass wir diesen Ort natürlich bei unserer kurzen Rückkehr nun erleben wollten!



Der Louvre Abu Dhabi lässt mit der halbtransparenten Deckenkonstruktion Lichtspiele in ständig neuen Variationen zu - je nach Sonnenstand und Färbung des Meeres, dessen Wellen "in" das Museum bzw. auf dessen Stufen hineinschwappen!
 
Das von Stararchitekt Jean Nouvel entworfene Gebäude ist spektakulär. Die 180 m weite Flachkuppel ruht tatsächlich nur auf vier Punkten! Während sich in 55 Kuben, einer arabischen Stadt nachempfunden, die Exhibitionen befinden, eröffnet sich eine Seite des Runds zur großzügigen Wandelhalle unter halb-freiem Himmel, denn die netzartig aufgebaute Kuppel ist durchlässig und spendet so auch an heißen Tagen dank dieses "Licht-Regens" (Nouvel) Schatten, wobei bereits jedes leise Lüftchen für angenehmes Mikroklima sorgt.

Das Museum vereinigt in seinen Expositionen Kunstwerke unter einem ganz eigenen Konzept: Teils ähnliche Sujets von der vor-antiken Zeit bis ins 21. Jh. hinein werden oftmals - ungeachtet der Entstehungsepoche oder des Entstehungsortes und dessen Religion im Hintergrund - nebeneinander präsentiert. (Hier ein Link zur Grundidee auf der Homepage.) In einem separaten Raum liegen z.B. Prachtausgabe von Koran, Thora und Bibel in der gleichen Vitrine.
Die generell übergreifende Anordnung lässt philosophische Gedanken zum menschlichen Wesen und künstlerischen Schaffen genauso zu wie kunstgeschichtliche Erkenntnisse für den Betrachter. Bildende Kunst als kulturübergreifende Humanitätsidee. Dieses Konzept passt hervorragend zum kulturellen Schmelztiegel Vereinigte Arabische Emirate, in dem heute Menschen aus fast jeglicher Nation und Kultur der Erde friedlich zusammenleben.






Leonardo da Vinci 





Natürlich darf Napoleon nicht fehlen!
 


















 



 li. Tanzender Shiva / re: zweiköpfige Jungsteinzeit-Statue, Jordanien, eine der ältesten überhaupt

 

Die "kleinen Freuden" der zeitweiligen Rückkehr


Neben Hochkultur und den Treffen mit lieben Freunden und Bekannten stand selbstredend auch die rein private Erinnerungstour auf unserem Programm, inklusive eines Tages in Dubai. Natürlich die Dubai-Mall mit dem gigantischen Aquarium, mit Zuckerschock im Candylicious und den abendlichen Wasserspielen mit Blick auf den illuminierten Burj Khalifa. Aber auch Wandeln durch die Ibn-Battuta-Mall - allerdings nicht auf Konsum-Pfanden, sondern auf den Spuren des großen arabischen Forschungsreisenden und Gelehrten Ibn Battuta im christl. 14. Jh.! Auch ein Wiedersehen mit den frei fliegenden tropischen Vögeln, mit Äffchen, Faultier und Waranen hatten wir eingeplant - im "Green Planet", einer künstlichen Regenwald-Biosphäre.


Brunch mit Pancakes, Vegan-Burger, Falafel Benedikte, Lemon Mint, Melonensaft und mehr ...

Nicht zu vergessen: Gaumen-"Wiedererlebnisse"! Wer kennt das nicht - ein Geschmack aus der Kindheit, ein Gericht aus einem früheren Urlaubsort ...
Noch nicht so lange her für uns, doch die Liste der Töchter war lang, woran unsere Geschmacksknospen unbedingt wiedererinnert werden sollten: Mittagessen in der Cheesecake-Factory (einschließlich Kerze auf der Torte sowie philippinischem Kellnerchor, welcher der Jüngeren ein Geburstagsständchen brachte!), Lemon Mint und die besten Falafel in einem Café, legendäre Burger bei ShakeShack, Schokoladenträume bei Godiva,...
Sogar ein Supermarkt-Besuch stand auf unserer To-do-Liste: Für das "heimelige Gefühl" sowie den Einkauf von guten Datteln, Gewürzen und bestimmten amerikanischen Keksen und Chips, die in Deutschland nicht erhältlich sind. Auch DAS kann eben umgekehrter "Heimat"-Urlaub sein.  :-)


Abendstimmung am Saadiyat Beach

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vom Gefühl paralleler Leben


Und dann haben wir wieder Abschied genommen vom "alten" Zuhause und sind geflogen in das "neue", das doch noch sehr neu ist. Denn innerhalb des letzten halben Jahres seit unserer Heimkehr nach Deutschland mussten wir dreimal umziehen und sind in der nunmehrigen, endgültigen Wohnung noch beim Auspacken des Umzugsguts und beim Einrichten. Dies trug, neben Winterskälte und der Reserviertheit und Belehrungssucht mancher Deutscher, mit zum Eindruck eines recht "rauen" Zurückkehrens bei.
Wenn demnächst unser Umzug endgültig erledigt ist, wenn ein paar alte Freund- und Bekanntschaften aufgefrischt und hoffentlich auch ein paar neue geknüpft sind, dann werden wir wohl auch schließlich hier (wieder) in Dresden, in Sachsen, in Deutschland heimisch werden!

Die Tage "Abu Dhabi rewind" waren für mich eine wilde Achterbahnfahrt der Gefühle zwischen "Ha, alles wie immer!" und Heimweh, zwischen Entdecken von Neuem und Wiedererkennen, zwischen Fremdheit, Distanz und immer noch Zugehörigkeit, zwischen Melancholie und großer Freude.


Um Neumond herum nachts in Blau: Die Große Moschee von Abu Dhabi


Was bleibt, ist das gute Wissen, dass das alles nach wie vor existiert, was ich früher als Expat oft als mein "paralleles Leben" bezeichnete - der Wechsel zwischen zwei verschiedenen "Zuhauses" über Kontinente hinweg. Die Plätze und Bauten, die Kulturhöhepunkte und Leckereien, vor allem aber die lieben Menschen, die wir an einem Ort zurückgelassen haben, sind weiter dort. 
Mein Lebensabschnitt in den Emiraten mag beendet sein, aber er ist nicht "weg". So, wie im Louvre Abu Dhabi die Kunst "Leben" in unterschiedlichsten Perspektiven aus Raum und Zeit doch oft neu vereint, so ähnlich ist es auch mit den zeitlichen und räumlichen Facetten meines Lebens. 

Hier wie da geht es seinen Gang. Und da Jegliches gleichzeitig existiert, kann man (etwas Reisekasse vorausgesetzt) auch jederzeit hin- und herwechseln. Kein Abschied von Orten, von Wurzeln und Menschen muss einer für immer sein!

Mit diesem Wissen verabschiede ich mich hiermit freundlich von allen Lesern.



 
Fotos: Antje, Tina & Tanja Döhring

Donnerstag, 1. Juni 2017

Masgouf: Irakische Fischspezialität in den Emiraten


Den offenen Grillstellen am Ufer des Tigris nachempfunden: Masgouf Restaurant in den V.A.E.
Nicht echt emiratische, aber halbwegs echt arabische Küche: Masgouf-Fisch.

In Abu Dhabi, aber auch Dubai und Sharjah gibt es ein sehr hübsches irakisches Restaurant mitten in der Stadt, das für moderate Preise riesige Portionen arabischer Küche serviert. Benannt ist es praktischerweise gleich noch seiner Hauptspezialität, dem Masgouf.

Das ist der typische Karpfen, der vor allem in Bagdad berühmt ist, aber auch andernorts Verbreitung fand. Traditionell wird der Fisch in der Mitte längs halbiert und die beiden, ziemlich großen, fast runden Seiten um ein offenes Feuer herum aufgestellt und so gegrillt. Das Fischfleisch ist unvergleichlich zart und unbedingt einen Versuch wert.

Masgouf ist ein Karpfenfisch, für den Bagdad stets berühmt war
Unter der Vielzahl und Reichaltigkeit der (Vor-)Speisen biegt sich die Tafel fast!


Das Dekor ist schön orientalisch, die Bedienung schnell und freundlich. Natürlich sollte man unbedingt einen Blick auf das vollverglaste "Lagerfeuer" am Eingang werfen, wo der Fisch frisch gegrillt wird, als sei es am Ufer des Tigris im Herzen Bagdads.

Wer einen Besuch plant, kann sich hier vorab informieren und auch einen Blick in die Speisekarten werfen. Kleiner Tipp: Allein die Vorspeisenplatten sind schon riesig! Also lieber etwas weniger bestellen. Oder aber: Hinterher einpacken lassen :-)

Form- und farbenfrohe Inneneinrichtung

Das Restaurant "Masgouf", manchmal auch "Maskoof", an der Ecke einer Hauptkreuzung in Abu Dhabi ist leicht zu finden

Sonntag, 5. März 2017

Echt Emiratische Küche


Der weit herumgekommene Tourist von heute weiß das ja: Hummus, Tabbouleh, Fattoush, Baba Ghanoush, Kibbeh und dazu Fladenbrot sind typisch "arabische" = emiratische Gerichte. NICHT!

Es stimmt zwar, dass dies nahöstliche (Vor-)Speisen sind, welche auch auf emiratischen Restaurant-Buffets selten fehlen. Doch weniger, weil sie so genuin emiratisch wären, sondern eher, weil auch andere Beispiele internationaler Küche hierzulande nie weit sind und der Gast diese Gerichte eben ohnehin erwartet.

Seite im emiratischen Kochbuch "Sarareed"


Einige emiratische Küchen-Chefs haben es sich zur "Chefsache" gemacht, die hiesigen Kochtraditionen ihrer Großmütter nicht nur für die Emiratis selbst wieder zu pflegen, sondern auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen -  sowie davor zu bewahren, angesichts unzähliger Fastfoodläden wie auch Fünfsternerestaurants globalster Provenienz die einheimische Küche in Vergessenheit geraten zu lassen.

Die emiratische Küchentraditionen unterscheidet sich teilweise sehr von der benachbarter Regionen in Nahost; näher verwandt sind sie nur mit denen in Saudi-Arabien, Oman und Bahrein. Sie sind dominiert von den Zutaten Fleisch, Fisch, Getreide und Milchprodukten, was auf den unfruchbaren Wüstenboden in weiten Teilen der VAE zurückzuführen ist.
Alte Gerichte umfassen häufig Harees (einem aus gestampftem Getreide mit Fleischstückchen gekochten Brei), Maqluba (einem aus Fleisch, Reis und Gemüsen in einem Topf gekochten Gericht) oder Arseeya (ein Reispudding, der oft Geflügel serviert wird). Zudem gibt es regelmäßig gegrilltes Kamel, Ziege, Hühnchen oder anderes Geflügel. Entscheidend dafür, dass es "emiratisch" schmeckt, sind auch hier die speziellen Gewürzkombinationen.

Die einheimische Küche zu propagieren hat sich u.a. Chef Ali Al Ebdowa vom bekannten "Mezlai"-Restaurant im Hotel Emirates Palace Abu Dhabi verschrieben. Doch auch die gefeierte Chef Khulood Atiq, erste weibliche Küchenchefin der VAE, sowie die emiratische Jungunternehmerin Shaikha Al Kaabi von "Meylas Restaurant" werden stets genannt, wenn es um diese Kulturfacette des Landes geht. Die junge Amna Al Hashemi wiederum hat als erste emiratische Küchenchefin in Dubai ein eigenes Restaurant eröffnet; auf Instagram kann man ihr und ihren Kreationen unter dem gleichnamigen "Mitts and Trays" folgen.

All diese und noch einige andere Kochkünstler sehen sich natürlich nicht ausschließlich als Bewahrer, sondern entwickeln die alten Kochtraditionen auch weiter.

Chef Khulood beispielsweise wurde vor etwa fünf Jahren einmal gebeten, emiratisches "Fingerfood" für einen Anlass zu vorzubereiten. "Nun, emiratisches Essen wird eigentlich niemals auf diese Weise serviert, da es stets in Großportionen für die Großfamilie daherkommt. Doch ich habe mir sieben verschiedene Rezepte ausgedacht, wie man diese Gerichte in der gewünschten Weise präsentieren könnte. Heute habe ich mittlerweile über 300 solcher Rezepte!" (Zitat)

Sonntag, 29. Januar 2017

Wenn der rosa Drache tanzt und Hähne ihn umkreisen

Show-Bühne vor der Galleria Mall
Buntes Vielvölkergedränge zum Chinesischen Neujahr in Abu Dhabi

HALT - bleiben Sie da, Sie sind hier schon richtig!

Wer das Bild darüber sieht, wähnt sich jetzt vielleicht gerade im falschen Blog. Ist das nicht der aus der Wüste? Doch, ist er. Aber da die Vereinigten Arabischen Emirate ein Vielvölkerstaat per excellence ist, geht es eben auch im täglichen Leben seiner Städte eben "bunt" zu. Hier leben über 9 Mio Menschen aus mehr als 200 Nationen zusammen. Immerhin über 80 % der Bewohner des Landes sind dabei Ausländer!

Der Chinesische Neujahrstag fiel dieses Jahr 2017 auf den Neumond am 28. Januar. Nun befinden wir uns also - im zwölfjährigen Zyklus des chinesischen Tierkreiszeichens - im Jahr des Hahnes, genauer gesagt: des Feuer-Hahns, den es nur aller 60 Jahre gibt.

Gefeiert wird das Neujahrsfest vor allem in Ostasien (chinesischer Kulturkreis, Korea, Mongolei, Okinawa, Vietnam, bis 1873 in Japan) zusätzlich jedoch auch weltweit in Gebieten mit großen Anteilen an Auslandschinesen (Thailand, Singapur, Malaysia, Indonesien, Philippinen oder Übersee).
Auch andere ethnische Gruppen wie Mongolen, Koreaner, Miao, Vietnamesen, Bhutaner und einige Volksgruppen in Nepal, welche durch China in kultureller, religiöser oder sprachlicher Hinsicht beeinflusst wurden, haben bestimmte Elemente bzw. den Termin des chinesischen Neujahrsfestes übernommen.

Ein Baum voller elektrische "Blüten" zauberte Frühlingsstimmung 
Und hier schließt sich der Kreis, warum das Chinesische Neujahr auch in den VAE allerorten, vor allem in den Shopping Malls und Restaurants, mit besonderen Dekorationen und Preisaktionen, aber auch kulturellen und kulinarischen Veranstaltungen gefeiert wird: Da so viele Menschen fremder Herkunft in Abu Dhabi, Dubai, Sharjah und den anderen Emiraten der VAE zusammenleben, kommen auch Hundertausende ursprünglich aus fernöstlichen Ländern - über die Hälfte aller Expats hier stammt aus Asien.
Und genauso, wie für die Christen hierzulande im Dezember alles weihnachtlich geschmückt ist und entsprechende öffentliche Veranstaltungen stattfinden, werden den Menschen aus Fernost im Januar Feiern zu "ihren" Neujahr gewidmet.
 
Handy stets griffbereit...
Kärtchen am "Wunschbaum"























Wir haben dieses Mal die Promenade vor der "Galleria Mall" besucht, auf Marya Island mit den vielen Hochhäusern. Dort erhellten abends tausende orangeroter Neujahrs-Lampions das emsige Treiben unter ihnen. Menschen aller Herren Ländern schoben sich an den Ständen mit fernöstlichen Spezialitäten vorbei und kosten natürlich auch alles.

Uns hatten es besonders die unglaublich fluffigen, in vielen Farben und Geschmacksrichtungen erhältlichen Moon cakes, die Mond-Kuchen, angetan. Außerdem hat sich mein persönlicher kulinarischer Horizont noch um "Shave Ice" erweitert: Ein bisschen skeptisch war ich schon, ob "gefrorenes Wasser vom Block" mit etwas Kompott darüber mich umwerfen würde. Aber ich probiere ja gern Unbekanntes. Fazit: Unglaublich! Die Leckerei, die vom alten japanischen Adel stammen soll (allerdings ist das Dessert so ähnlich auch vom römischne Kaiser Nero überliefert) besteht aus Eiskristallen, welche mit einer speziellen Maschine von einem runden Eisblock "rasiert" werden. Sie sind so fein, dass sie wie Schneeflocken auf der Zunge zergehen und längst nicht den Kälteschock dort produzieren, den ich erwartet hatte. Als Topping gibt es mehrere Lagen Früchte der Wahl sowie Sirup. Schmeckt herrlich frisch! 

Eisblock für "Shave Ice" - bald schon sind es süße "Schneeflocken"!

Wer wollte, konnte seinen persönlichen Wunsch für das neue Jahr auf ein rotes Kärtchen schreiben und an den aus rotem Papier bestehenden "Wunschbaum" heften; leider waren die Kärtchen bereits alle, als wir kamen.
Höhepunkt der Veranstaltung an der "Galleria" waren jedoch die aller halben Stunden auf der großen Bühne stattfindenden Shows - natürlich ohne Eintritt. Tanzende Drachen, putzig plüschig und mit riesigen Kulleraugen. Aber auch Karate-Kämpfer (bei dieser eleganten asiatischen Kampfkunst verschwimmen die Grenzen zwischen Kampfsport und Tanz ohnehin fast), eine Ballettreihe stolzer Hühner - äh, Hähne, Reispflückerinnen in traditionellen Gewändern. Oder die eindrucksvollen chinesischen Trommler, deren Show nicht nur akustisch, sondern auch optisch bemerkenswert war.

Tanzende "Hähne"
Tänzerin in chinesischem Gewand























Dem Jahr des "Feuer-Hahns" wird prophezeit, dass es international sehr "hitzig" und kämpferisch wird. Wenn man sich die aktuelle Politiklage ansieht, könnten die 2000 Jahre alten Weissagungen da durchaus zutreffen.
Und auch im Jahr des Hahns Geborene sollten sich lieber "wappnen", habe ich gelesen. Nun denn, ich selbst wie auch eine unserer Töchter ist "Hahn" (oder: Henne?). Wenn man uns fortan dieses Jahr immer mit etwas Rotem im Outfit antriffen sollte, dann ist klar - das ist lediglich unser persönlicher "Abwehrzauber" gegen Anfeindungen des Lebens aller Art. So zumindest behaupten es die Chinesen. Ich hoffe doch, es bleibt alles im Rahmen.  ;-)

Chinesische Tierkreiszeichen, hier in "niedlich"

Sonntag, 25. September 2016

Der deutsche "Dorfbäcker von Dubai", oder ...

 'Bäckermeister Sven sorgt für super Semmeln'


Was antwortet der deutsche Expat für gewöhnlich, wenn er befragt wird, was ihm denn im außereuropäischen Ausland auf Dauer am meisten fehlt? Fast immer kommt dann als Antwort: "Der Wald, Quark und Schwarzbrot".

Brotzeit! Auswahl an Brotsorten vom "German Baker", alle gebacken auf Natursauerteigbasis

Während man auf den Wald wohl wirklich am ehesten bis zum nächsten Europa-Besuch warten muss, kann man hierzulande Quark im Carrefour-Supermarkt kaufen (für mich persönlich mein erstes Aus-Land, wo ich den nicht selbst daheim herzustellen brauche!). 
Doch so richtig duftendes, außen krustiges und innen flaumig-weiches Schwarzbrot bekommt man seit Anfang des Jahres in Dubai und Abu Dhabi vom "Bäcker-Sven"! Kein Wunder, dass seine Telefonnummer unter den vor allem deutschsprachigen Ausländern hier herumgereicht wird, wie woanders die vom Chiropraktiker oder "In-Friseur". Seine Produkte verkaufen sich wie das sprichwörtliche "geschnitten' Brot" - auch darum, weil der Kunde sein Brot auf Wunsch sogar fertig geschnitten erhält!

Wer länger auf kräftiges Sauerteigbrot verzichten musste, dem läuft schon allein beim Lesen des Angebots das Wasser im Munde zusammen: Krustenbrot, Walnussbrot, Kosakenbrot, Schinkenbrot, Heide- oder Zwiebelbrot, Fitness-Brot (ohne Weizenmehl und Hefe!) und natürlich das klassische, weiße Frühstücksbrötchen. Dazu Laugenbrezeln, Weizen- und Roggenbrötchen oder Haferbrot. Überdies gibt's deutsche Kuchen von Streusel- und Pflaumenkuchen über Kirsch-Käsekuchen bis hin zur Nussecke oder der Puddingschnecke ... Auch "Leberkäs-Schmankerln" oder "Wrap me up"-Sandwiches werden immer häufiger bei ihm bestellt.

German Baker: der "Deutsche Dorfbäcker von Dubai", Sven Mostegl

Dabei ist "German Baker" Sven eher über Umwege zum Roggenbrot-'In-Bäcker' der Emirate avanciert. Sven Mostegl wurde im schwäbischen Sulz am Neckar geboren, zog aber schon früh mit seiner Bäckersfamilie in den Norden um, zwischen Hamburg und Hannover. Seit 14 Jahren bereits lebt er nun jedoch in den Emiraten - lange Zeit allerdings als promovierter Ingenieur, der an diversen Großprojekten beteiligt war. 

Doch gutes Essen liegt quasi "in der Familie": Während er selbst in Dubai später Leiter einer Catering-Firma wurde, ist seine Frau Heike gelernte Köchin und darüber hinaus auch europäische Sushi-Meisterin. Mit der "Bakers Kitchen" hat sie sich hierzulande einen Namen gemacht unter all jenen, die sowohl gesund und vollwertig als auch dennoch mit Liebe zubereitet und geschmacklich hochwertig essen möchten. Nachdem Freunde auch Sven schon länger gedrängt hatten, aus seiner privaten Leidenschaft für hochwertiges und gesundes Essen "mehr" zu machen - rief er nach und nach die vielen Brot- und Kuchensorten auf den Plan, die heute seine Kunden begeistern.





Tüte, nur echt mit Smilie :-)
Brot-Abholzeit im Novotel Abu Dhabi ist freitags: Zeit für einen Kaffee














Deutsches Backhandwerk und moderne Ernährungsphilosophie


In Kürze wird die Speisekarte der "Bakers Kitchen" Dubai in neuem Gewand zur Verfügung stehen: Sie soll dann wie eine Tageszeitung aussehen, in welcher es neben den Listen der Speisenangebote auch Wissenswertes rund um gesunde Ernährung gibt; überdies werden alle Speisen mit Vignetten gekennzeichet sein - je nachdem, bei welchen Beschwerden (Herzkreislauf, Gelenke, Augen, Blutzucker etc.) sie besonders empfehlenswert sind. Wer in den "naturig" eingerichteten Laden oder das Restaurant kommt, soll sich wohlfühlen. Selbstverständlich für das Ehepaar, das selbst eine Tochter hat, dass Kinder beim Einkauf ein Laugenbrötchen bekommen! So ein bisschen ist Sven Mostegl eben der "Dorfbäcker" der Metropole Dubai.

Natürlich sind, wie überall, die Rohstoffe Basis für alles weitere. Die Produkte seiner Firma - darauf legt der Bäckermeister wert - sind komplett frei von jeglichen Geschmacksverstärkern, Haltbarmachern u.ä.. "Gebacken wird bei uns wie vor hundert Jahren, das ist ehrliche Handwerksarbeit", erklärt er. Dafür werden z.B. auch drei selbst gezüchteten Natursauerteigkulturen (jeweils eine für Roggen-, Weizen- und Vollkornprodukte) gehegt. Diese machen nicht nur, dass Brot und Brötchen so "deutsch schmecken", sondern auch, dass sie selbst für Leute mit Unverträglichkeiten gut bekömmlich sind.

Alle Backzutaten inklusive Mehl der Firma Steinmetz kommen fast ausschließlich aus Europa. Das ist zwar teurer, doch dafür sind die Zutaten zertifiziert rein und so "bio", wie man sich das hier in den VAE nur wünschen kann.
 
Der Backnachwuchs wird immer einmal wieder in Kinderbackkursen in die Geheimnisse deutscher Brötchenbäckerei eingeweiht. Zur "Taste Abu Dhabi 2016" vom 10.-12. November wird Mostegl darüber hinaus mit zwei Backshows für die Erwachsenen dabei sein - um richtige Teigzubereitung soll es gehen.


Teil der Bestellliste des "German Bakers"

Lieferungen nach Abu Dhabi, Ras Al Khaima und Sharjah


Momentan ist der Bäckereiladen in Dubai / Barsha Heights täglich von 7 bis 21 Uhr und das angeschlossene Restaurant von 10 bis 20 Uhr geöffnet.Wer in Dubai lebt, kann sich die die Speisen und Backwaren sogar frei Haus liefern lassen.

Freitags ist für Bäckermeister Mostegel seit geraumer Zeit "Abu-Dhabi-Tag". Dann packt er morgens die Bestellungen seiner dortigen Kunden ins Auto und fährt in die emiratische Hauptstadt. Im Novotel/Ibis steht er zwischen 9 und 11 Uhr im Foyer-Café des Hotels bereit und verteilt die zuvor schon fertig gepackten Papiertüten an ihre Besteller. 
Damit sich der Weg für diese doppelt lohnt, macht manche/r von ihnen gleich noch einen kleinen Kaffee-Stopp (bevor es dann bei den meisten daheim ein "deutsches Frühstück" in Familie mit knackfrischen Brötchen gibt). Ein Blech mit Kuchen zum Kosten hat Sven nämlich immer dabei... 
 
Zusätzlich werden montags zuvor aufgegebene Bestellungen nach Abu Dhabi geliefert. Perspektivisch soll dort auch eine Filiale aufmachen. 
Nach Ras Al Khaima wird deutsches Brot und Kuchen 2. Samstag gebracht; Sharjah und Al Ain werden möglicherweise ebenfalls Abholstellen bekommen.


Kontakte

E-Mail:        orders@bakerskitchenuae.com
phone:        04 452 9529  oder 04 451 9816

mobile:       +971 56 824 0790 (auch What'sApp-Bestellgruppe für Abu Dhabi!)
Facebook:  https://www.facebook.com/profile.php?id=100008653110804
Homepage: http://www.tbs-uae.com/

Shop/Restaurant: Dubai, Barsha Hights (früher Tecom), im Gebäude der Auris Hotel Apartments, gleich bei der Metrostation 


Sonntag, 19. Juni 2016

Arabische Küche IV: Umm Ali. Ein arabischer Dessert-Traum


Hier mal wieder ein Gruß aus der hiesigen Küche.
Wie kann man ein Land, eine Kultur sehr sinnlich erfahren? Genau, durch die Küche!
Deshalb dürfen in solch einem Blog natürlich auch einige kulinarische Verweise und Tipps nicht fehlen, die ich in loser Folge immer mal wieder einstreuen werde. 



 
Auf keinem hiesigen Fest, auf keinem Dessertbuffet - zumal gerade jetzt im Ramadan - darf diese Köstlichkeit fehlen: "Umm Ali".

Ich gebe es zu - anfangs ließ ich bei Buffets hier die großen Kasserole mit dem in meinen Augen nicht besonders ansprechend wirkenden Inhalt stets links liegen. Wieder einmal ein Fall von "Vorurteil. Erst ausprobieren, dann urteilen!" Mittlerweile ignoriere ich erst einmal alle anderen Törtchen, Kuchen und Mousses auch westlicher Machart, um zu einem Schälchen Umm Ali zu greifen, wenn sich die Möglichkeit bietet.

Wahrscheinlich stammt diese Nachspeise namens Umm Ali ursprünglich aus Ägypten. Heutzutage ist sie besonders in der Golfregion außerordentlich beliebt. 
Was der Name bedeutet? Alle arabischen Länder kennen die Sitte, Erwachsene, sobald die Eltern geworden sind, liebevoll nach ihren Erstgeborenen zu nennen. Der Vater von Omar zum Beispiel heißt dann also Abu Omar: Vater (von) Omar.  Und Umm Ali: Das ist die Mutter (von) Ali.

Aber warum heißt nun ausgerechnet diese Süßspeise wie die Mutter eines gewissen Ali? In jedem arabischen Land bekommt man darauf wohl eine andere Antwort. Märchenstunde! Hier zwei Sagen zur Auswahl:


Geschichte 1) Das "kärgliche Mahl"


In der Mamluken-Zeit gab es im Palast von Kairo eine sparsame Köchin, die nach ihrem erstgeborenen Sohn eben Umm Ali hieß. Verschwendung war dort an der Tagesordnung, doch diese Frau warf nicht einfach die Essensreste der herrschaftlichen Tafel weg, sondern  hob sie für ihre eigene Familie auf. 


Während einer Belagerung ging sogar im Palast das Essen aus; selbst der Sultan hatte großen Hunger. Also nahm die Köchin, was sie an Resten finden konnte - hart gewordenes Brot, Milch, ein paar Mandeln und Rosinen - und mixte daraus ein Gericht, das sie dem Sultan vorsetzte. Natürlich entschuldigte sie sich vielmals untertänigst für dieses "kärgliche Mahl"...

Der Sultan griff zum Löffel - und war entzückt! Das Restegericht mundete ihm so hervorragend, dass er fortan nichts anderes mehr essen wollte. "Umm Ali, bringt mir das von Umm Ali!" rief er jeden Morgen und jeden Abend. Und so wurde also diese Mutter von Ali weltberühmt - zumindest in der islamischen Welt und dem Namen nach.

Geschichte 2) Der zurück-erkochte Ehemann


Umm Ali, die Mutter von Ali, hatte jahrelang glücklich mit ihrem Ehemann zusammengelebt und diesem einen großartigen Sohn geschenkt - eben Ali. Doch irgendwann später verdrehte dem Ehemann eine junge Tänzerin den Kopf. Er erklärte darauf seiner Ehefrau, er werde sie für diese sofort verlassen. Umm Ali weinte und wusste weder ein noch aus. Doch dann kam sie auf eine geniale Idee.
Sie sprach zu ihrem untreuen Ehemann: "Gut, dann geh. Doch vorher gewähre mir noch ein letztes Mahl mit dir. Ich werde etwas noch nie Dagewesenes für dich auf den Tisch bringen." Der Mann willigte ein - und Umm Ali tischte ihm eine Speise auf, die er tatsächlich noch nie gekostet hatte. Er verschlang sie binnen Minuten, so köstlich war sie - eine Mischung aus milchgetränktem Weißbrot, Mandeln und Rosinen. "Köstlich! Das kannst nur Du, Umm Ali!" rief er. Er vergaß umgehend die Tänzerin und blieb seiner Ehefrau fortan treu, um jeden Tag das Gericht der Umm Ali genießen zu können.



Reizend, oder? Ob es sich nun so, oder so, oder ganz anders zugetragen hat... das Rezept möchte ich jedenfalls nicht vorenthalten!


REZEPT FÜR  "UMM ALI"

Nach einem Rezept von John Wood, Chefkoch des Hotels Burj al-Arab in Dubai, für 4 Pers.

  • 400 g Blätterteig  /  alternativ kann man auch ca. 6 Buttercroissants nehmen
  • 500 ml Milch (manchmal wird diese auch durch ausreichend gesüßte Kondensmilch sowie Rosenwasser ersetzt)
  • 4 EL Zucker
  • 4 EL Pistazien, klein gehackt
  • 4 EL Mandeln, klein gehackt
  • 4 EL Rosinen; man kann überdies auch Pinienkerne hinzugeben
  • 4 EL geraspelte Kokosnuss
  • 4 EL Zimt
  • 125 ml geschlagene Sahne

Den leicht ausgewalkten Blätterteig auf einem Backblech bei 180 °C goldgelb backen bzw. die Croissants zerrupfen. Eine Lage Blätterteig in eine ofenfeste Servierschale geben, mit Pistazien, Mandeln, Rosinen sowie Kokosnussraspeln belegen und mit Zimt bestreuen. Statt einer großen Servierschale können Sie vier Schalen in der Größe von Suppentellern verwenden.

Mit einer zweiten Lage Blätterteig bedecken und Vorgang wiederholen. Es sollten mindestens drei Lagen übereinander geschichtet werden. Bei der letzten Lage auf Rosinen verzichten, da diese sonst beim Überbacken verbrennen.

Zucker in der heißen Milch auflösen, den Blätterteig damit übergießen und ein paar Minuten lang einweichen. Mit geschlagener Sahne überziehen und im Ofen unter dem Grill bei 180°C leicht überbräunen. Mit einigen Pistazien und Rosinen belegen, mit etwas Zimt bestreuen und heiß servieren.


Gutes Gelingen! Ich garantiere: Es schmeckt besser, als es anfangs aussehen mag!



Montag, 13. Juni 2016

Schule während des Ramadan



Während des Fastenmonats Ramadan ist ja alles etwas anders. Natürlich kann man von den muslimischen Schülern kaum verlangen, von Sonnenauf- bis -untergang weder zu essen noch zu trinken (ca. ab Pubertät). Vor allem Letzteres ist hart, wenn der Ramadan so wie jetzt auf die heißen Sommermonate fällt! Und dann trotz des Fastens doch ganz normal zumeist volle acht Stunden dem Unterricht zu folgen, Tests zu schreiben, im Sport Höchstleistung zu bringen, später daheim Präsentationen vorzubereiten usw.

Das Bild deutet es ja schon an: Viel Arbeits- oder Lernkraft kann man von Fastenden sicher nicht erwarten.....

Also gibt es in diesem Monat Veränderungen: Der Unterricht beginnt früh eine halbe Stunde später, die einzelnen "Stunden" sind dann auf jeweils gut 30 Minuten verkürzt. Auch besser so, denn in vielen muslimischen Familien ist man ja derzeit eher nachts auf - da gibt es dann am nächsten Tag schon mal müde Augen. Folglich endet der Unterricht auch entsprechend eher. Ein schönes Beispiel von "Wer später kommt, kann eher gehen".

Alle Tests sind geschrieben, am Sportunterricht nimmt nur teil, wer dafür fit ist. Und hier kommen sie ins Spiel - die nicht-muslimischen Schüler -, wie z.B. die an der Deutschen Schule Abu Dhabi, aber natürlich auch alle ähnlichen internationalen Einrichtungen in den VAE.
Es wäre selbstredend schwierig, alle oben genannten Einschränkungen nur für die fastenden Schüler einzuhalten, aber für den "Rest" der anders- oder nichtkonfessionellen Kinder und Jugendlichen "business as usual" durchzuziehen.

Deshalb kommen auch diese während es Ramadan morgens später... und gehen nachmittags eher! Da der Unterrichtsstoff für dieses Schuljahr weitgehend "durch" ist, versuchen die Schüler natürlich, die Lehrer zum Ansehen von (mehr oder minder) "unterrichtsrelevanten" Spielfilmen zu überreden; Hausaufgaben gibt es momentan auch keine. Also nicht nur unseren Töchtern gefällt in dieser Hinsicht der Ramadan sehr gut!

Dafür nehmen die Schüler auch gern inkauf, dass nun im Klassenzimmer oder auf dem Pausenhof nicht gegessen oder getrunken wird, um es den fastenden Mitschüler nicht allzu schwer zu machen. Natürlich beteuern die weitaus meisten Moslems, dass es für sie "no problem" sei, wenn Nicht-Moslems in ihrer Anwesenheit genüsslich ihr Pausenbrot kauen oder eine halbe Flasche Limonade in sich hineingluckern lassen, denn: "Fasten ist privat".

Blick durch halbgeschlossene Türen: An der GISAD dient momentan auch ein Vorbereitungsraum als Frühstücks-Oase für Nicht-Moslems. Wen der Hunger oder Durst packt, stört sich dann sicherlich nicht am eher etwas drögen Ambiente...

Es dann aufgrund dieser Erklärung jedoch tatsächlich zu machen, wäre wohl trotzdem nicht sehr rücksichtsvoll, finden die meisten der anderen - und lassen es daher aus Respekt bleiben. Damit nicht mit-fasten muss, wer gar nicht will, gibt es derzeit an der Schule - neben der üblichen, weiterhin geöffneten Cafeteria - extra ausgewiesene Räume, wo man ebenfalls in Ruhe sein Frühstück oder Mittagsbrot verzehren kann.

Und so "haben" alle Schüler etwas vom Ramadan: Die einen, weil ohnehin der heilige Monat ein Höhepunkt im Jahreslauf für sie ist. Die anderen, weil sie von den damit verbundenen Annehmlichkeiten partizipieren. Auch abends lassen sich viele nicht-moslemische Familien derzeit in den Hotels und Restaurants bei vielfältigen Iftar-Buffets nach Sonnenuntergang die einheimischen wie auch internationalen Köstlichkeiten munden. Feiern und essen sind wohl in allen Kulturen dieser Welt eng miteinander verzahnt!

... nachts wird im heiligen Monat dann die Nacht zum Tag gemacht. Allerdings sollte auch noch karitativer als sonst gelebt werden!


Grafiken: http://fumano.com/blog/1218/ramadan-alles-%C3%BCber-das-fromme-fasten/