Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Dienstag, 24. Januar 2017

Unterhaltsame Episode über Ehrlichkeit und Anstand

Oder: "Hier in den Emiraten kommt nichts weg!" (Dafür sorgen viele ehrliche Menschen.)


Gestern war ich im Supermarkt, Wocheneinkauf machen. Eigentlich nichts Besonderes. Zuvor stoppte ich an einem der vielen Geldautomaten; doch die Summe, die ich eintippte, wollte meine Kreditkarte nicht herausrücken. Januar ist eben ein kostenintensiver Monat, auch hier - da kann das schon mal passieren. Enttäuscht manövrierte ich meinen Einkaufswagen rückwärts. 

Die Autorin, glücklich wegen zurückerhaltener Kreditkarte, neben Mariam vom Kundendienst des Carrefour-Supermarktes
 
Ein emiratischer Vater näherte sich in seinem edlen weißen Gewand. Er schob einen Kinderwagen samt Baby vor sich her. Mit freundlicher Geste machte ich Platz, er dankte lächend. Aus den Augenwinkeln sah ich seine Frau in Abahja mit einem kleinen Mädchen an der Hand sich hinzugesellen. 

Ich ging meiner Wege und begann, nach und nach die Posten meines Einkaufszettels abzuhaken. Als ich bereits auf dem Weg zur Kasse war und vor dem Kühlregal mit den französischen Käsesorten nur noch schnell entschied, ob es der übliche Camembert oder doch Ziegenrolle oder aber Roquefort sein solle - sprach mich einer der Wachmänner an, die in den Einkaufstempeln hierzulande überall Dienst tun. 
"Excuse me, Ma'm, did you lose your credit card?" Erschrocken warf ich einen Blick in mein Portemonnaie: Genau - die Kreditkarte war weg! Er erklärte, dass jemand eine gefunden habe. Und da er, der Wachmann, mich vorhin vom Geldautomaten weggehen sah, habe er einfach vermutet, dass das ja ich sein könnte ... So hatte er mich akribisch auf den zwei Etagen des Supermarktes gesucht und schließlich, gerade noch rechtzeitg, gefunden!

... "doch wem gehört das Geld?"


Halb benommen vom Schreck folgte ich ihm zum Verwaltungstrakt. Dort stellte die Sicherheitsmitarbeiterin, Mariam von den Philippinen, anhand meiner ID-Card (mein emiratischer Personalausweis, so lange wir hier leben) schnell fest, dass es sich tatsächlich  um meine Kreditkarte handelte. Ich musste nur unterschreiben, und schon händigte mir  Faysal Said Hassan meine Karte aus: gebürtiger Somalier und der Kundenservice-Manager des Carrefour. Nur ein Rätsel war noch offen: Der Finder der Karte hatte zusätzlich noch eine Geldsumme im Automatenschlitz entdeckt. Ich war jedoch überzeugt: Diese unrunde Zahl da hatte ich niemals angefordert! "Keine Ahnung, wie das dahin gekommen ist, aber es ist sicher nicht mein Geld", sagte ich.

Inzwischen hatte man auf meinen Wunsch hin Mohammed Abdallah per Handy hinzugerufen - den ehrlichen Finder. Und siehe da - es war der vorhin noch Kinderwagen schiebende Emirati, der nun mit seiner etwa dreijährigen Tochter herbeieilte. Die Kleine habe er zwischendurch zwar glatt einmal kurz verloren, als er sich um meine Kreditkarte kümmerte, erzählte er schmunzelnd. Aber zum Glück habe einer der Wachleute das schnell geklärt und sie zu Papa zurückgebracht.
Ich sprach dem Emirati meinen herzlichen Dank aus, er schüttelte mir die Hand und erklärte freundlich, das sei doch alles völlig selbstverständlich. Er versuchte, auch die kleine Hala dazu zu überreden, mir Guten Tag zu sagen. Doch die kicherte nur und betrachtete mich neugierig.

Ich suchte auch den Wachmann Djalal, der aus Sri Lanka stammt, noch einmal bei seinem Rundgang durch die Regalreihen auf und bedankte mich dafür, dass er so aufmerksam gewesen war. 
Kaum kam ich zufrieden daheim an und packte meine Einkaufstüten aus, als mein Telefon klingelte. Mariam war am anderen Ende der Leitung. "Ma'm, wir wissen es jetzt zweifelsfrei: Das Geld vorhin ist doch Ihres! Kommen Sie doch bitte und holen Sie es ab."

Die gewitzte kleine Tochter war "schuld"!


Neugierig machte ich mich nochmals auf den Weg zum Carrefour Supermarkt. Dort wurde ich freudig wiederbegrüßt. Ich erhielt die "unrunde Summe" ausgehändigt mit folgender Story dazu: Mohammed Abdallah hatte Hala, die Tochter, noch einmal befragt. Und da berichtete sie ihm folgendes: Während der Papa sich auf die Suche nach jemandem machte, der ihm mit meiner gefundenen Kreditkarte weiterhelfen könne, tat die Kleine gewitzt das, was sie bei den Erwachsenen abgeschaut hatte - ein paar Knöpfchen drücken ... und schwupps war da Geld 'rausgekommen! Offensichtlich hatte der Automat "gefragt", ob die Restsumme ausgegeben werden soll - und Hala "Yes" gedrückt.

Am Ende des Tages haben also Menschen aus vier Nationen mitgeholfen, dass diese einen Moment lang achtlose, verpeilte Frau Döhring aus Deutschland ihre Siebensachen wiederbekommt. Wohlgemerkt: Frau Döhring wäre auch ohne diese Hilfe nicht auf der Stelle verhungert. Während hingegen die anderen Beteiligten fast alle aus ärmeren Ländern stammten (- und selbst wenn es oft behauptet wird: auch nicht jeder Emirati ist per se "reich"!) 

Ich bin mir sicher: Nicht überall auf der Welt hätte ich Kreditkarte UND Bargeld so schnell zurückbekommen! Anderswo würde sich möglicherweise jemand auf Kosten meiner Schusseligkeit einen 'schönen Tag' gemacht haben. Man kann jetzt fabulieren, wie das wohl an einem deutschen Geldautomaten abgelaufen wäre ... Ich hoffe doch, so ähnlich wie hier. 

Jedenfalls - in den VAE kann man nach wie vor geradezu davon ausgehen, dass die vielvölker-bunten Bewohner ehrlich sind und nichts "mitgehen lassen"! Davon zeugen auch beispielsweise Caféhaustische, auf welchen man oft mehrere teure Smartphones herumliegen sieht, während die Besitzer gemütlich an der Kuchentheke auswählen: Worum  sollten sie sich hier auch Gedanken machen?
 

Mittwoch, 6. Juli 2016

Von Bauchtanz über Tango bis Rumba! Tanzen lernen in den VAE.


Tanz und Musik sind "Sprachen", die auf der ganzen Welt ganz ohne Vorkenntnisse verstanden und geliebt werden.

Nehmen wir einfach einmal die Begriffe "Arabische Emirate" und "Tanz" her.  Assoziationskette! Na?
Vermutlich in etwa so: 1001 Nacht, Sharazade, wehende Schleier, orientalische Trommelmusik, verführerische Hüftkreise - kurz gesagt "Bauchtanz".
 
Bauchtanzvorführung für Touristen auf einer Safari


Nun ist es aber so, dass diese Tanzform gerade in Dubai und Co. so gar keine Tradition hat; diese orientalische Variante, die gerade im Westen so populär ist, basieren zumeist auf der Ägyptischen Ausdrucksform. Die teils sehr erotische Anmutung des "al raqs", wie er auf Arabisch meist genannt wird, sieht man in den eher strengeren Alltagstraditonen der Golfstaaten nicht gern - zumal, wenn außerhalb des ehelichen Gemachs und sogar vor Publikum aufgeführt..

Und so verwundert es dann auch nicht, dass auf Touristen-Bauchtanzshows (z.B. auf Wüsten-Safaris geboten, eigentlich der einzige Ort, wo in den VAE Bellydance vor Publikum gezeigt wird) auf gar keinen Fall junge Emiratinnen die Hüften schwingen. Es sind sehr oft junge Frauen aus Ost-Europa und auch Brasilien, wo es eine überraschend vitale Bauchtanz-Szene gibt.

Übrigens: Bauchtanz wird ja in Europa oft (nicht immer zu Unrecht) belächelt als Selbstverwirklichung mittelalter Damen... Wenn man aber tatsächlich einmal ein paar Monate oder Jahre an Bauchtanztraining teilgenommen hat (wie auch ich in Abu Dhabi; diverse Sportstudios bieten Kurse an), der erfährt: Es wirklich gut zu erlernen verlangt Jahre intensiven Übens! Eine Stunde Belly Dance ist überdies genauso schweißtreibend wie ein hartes Workout im Fitnesstudio.


Cha-Cha und Walzer im Wüstenstaat


Wesentlich überraschender mag den meisten wohl erscheinen, dass man mitten in Dubai oder Abu Dhabi Tango, Walzer, Rumba, Foxtrott, Rock 'n' Roll, Bachata oder Samba erlernen kann! Die amerikanische Tanzschul-Franchise-Kette "Arthur Murray" macht's möglich...
Es hat etwas durchaus Bizarres, wenn von der Moschee unten gerade der Muezzin in diesem typisch klagenden Sang über's Minarett zum Gebet ruft, während im Tanzstudio in einem Hochhaus die Schüler oben zur gleichen Zeit ihre Beine zu mitreißenden Cha-Cha-Rhythmen möglichst stimming und elegant zu sortieren versuchen...


Standardtanz-Show von Schülern und Trainern auf dem halbjährlichen Ball in Dubai

Wer mag, kann hier vom Anfängerkurs über alle Zwischenstufen aufsteigen bis hin zum Goldenen Tanzabzeichen. Zum Üben gibt es regelmäßige Gruppenstunden, doch das wahrhaft Effektive (wenn auch nicht ganz Billige) am Unterricht bei Arthur Murray Abu Dhabi sind die Einzelstunden mit dem Lehrer oder der Lehrerin, welche man als Paar oder auch ganz allein absolviert. 1:1 entgeht dem Trainer-Adlerauge dann natürlich kein falsch gesetzter Fuß, kein krummes Knie, keine verkrampft gehaltene Hand... und umso schneller kann man korrigieren.

Was auch hier wieder das Ungewöhnliche, Reizvolle neben der Sache an sich ist: Die bunt gemischte Internationalität! Ein Wiener Walzer wird - mitten im Mittleren Osten - dann beispielsweise von einer polnischen Lehrerin an ein libanesisches Ehepaar oder eine junge Dame aus Südafrika vermittelt...


Bunt wie die Welt sind die Crew und ihre Schülerschaft in der Tat: Der syrische Tanzstudio-Chef Anas beschäftigt ein hochprofessionelles Team aus der Ukraine und Polen; die Schüler verschiedenster Alters- und Fähigkeitsstufen stammen u.a. aus Kanada,  Thailand, Deutschland, dem Libanon, Südafrika und Sri Lanka und den USA... Wie in jeder Expat-Gemeinschaft herrscht natürlich auch da keine Konstanz: Manche ziehen wieder weg, neue Tanzeleven kommen hinzu...


Riesigen Spaß machen die geselligen Motto-Tanzabende; hier einer unter dem Thema "Gangster"

Zwei Mal im Jahr veranstalten die emiratischen Arthur-Murray-Studios in Dubai einen großen Ball, wo sowohl Schüler als auch Lehrer die gesamte Bandbreite ihres Könnens zeigen. Ebenfalls im Frühjahr und Herbst gibt es rund um die Welt in allen Franchise-Schulen sechswöchige Sonderveranstaltungen, bei denen alle beteiligten Studios um regionale Rankings wetteifern und mit "Motto"-Abenden noch mehr gute Laune und Stimmung als sonst schon üblich unter den Tanzschülern und ihren Trainern einzieht.

Um zu sehen, welchen Show-Wert die kleinen Showauftritte bei den regelmäßigen Tanzabenden haben, sollte man keinesfalls verpassen, darunter stehenden Link zu diesem Video in den Browser zu kopieren und anzuklicken! Hier seht Ihr zwei der Instruktoren bei einem sehr Gangster-mäßigen Tango, den sie zu einem Mottoabend präsentierten:


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https://drive.google.com/file/d/0Bzou07yK2bCsNEFralpTMXRCdXc/view?usp=drivesdk


Auch Hochzeits-Tanzkurse werden gern und häufig in Abu Dhabi vor ihrem"großen Tag" von jungen Paaren belegt. Diese wie auch andere Neugierige sind bei Arthur Murray immer gern willkommen.

Telefon: +971-2-645-7372  oder E-Mail   info@arthurmurrayabudhabi.com


Arthur Murray Abu Dhabi: Das Team bildet einen syrisch-polnisch-ukrainischen Nationalitätenmix, der Schülern aus u.a. Sri Lanka oder dem Libanon z.B. lateinamerikanische Tänze wie Cha-Cha oder Samba beibringt