Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Dienstag, 24. Januar 2017

Unterhaltsame Episode über Ehrlichkeit und Anstand

Oder: "Hier in den Emiraten kommt nichts weg!" (Dafür sorgen viele ehrliche Menschen.)


Gestern war ich im Supermarkt, Wocheneinkauf machen. Eigentlich nichts Besonderes. Zuvor stoppte ich an einem der vielen Geldautomaten; doch die Summe, die ich eintippte, wollte meine Kreditkarte nicht herausrücken. Januar ist eben ein kostenintensiver Monat, auch hier - da kann das schon mal passieren. Enttäuscht manövrierte ich meinen Einkaufswagen rückwärts. 

Die Autorin, glücklich wegen zurückerhaltener Kreditkarte, neben Mariam vom Kundendienst des Carrefour-Supermarktes
 
Ein emiratischer Vater näherte sich in seinem edlen weißen Gewand. Er schob einen Kinderwagen samt Baby vor sich her. Mit freundlicher Geste machte ich Platz, er dankte lächend. Aus den Augenwinkeln sah ich seine Frau in Abahja mit einem kleinen Mädchen an der Hand sich hinzugesellen. 

Ich ging meiner Wege und begann, nach und nach die Posten meines Einkaufszettels abzuhaken. Als ich bereits auf dem Weg zur Kasse war und vor dem Kühlregal mit den französischen Käsesorten nur noch schnell entschied, ob es der übliche Camembert oder doch Ziegenrolle oder aber Roquefort sein solle - sprach mich einer der Wachmänner an, die in den Einkaufstempeln hierzulande überall Dienst tun. 
"Excuse me, Ma'm, did you lose your credit card?" Erschrocken warf ich einen Blick in mein Portemonnaie: Genau - die Kreditkarte war weg! Er erklärte, dass jemand eine gefunden habe. Und da er, der Wachmann, mich vorhin vom Geldautomaten weggehen sah, habe er einfach vermutet, dass das ja ich sein könnte ... So hatte er mich akribisch auf den zwei Etagen des Supermarktes gesucht und schließlich, gerade noch rechtzeitg, gefunden!

... "doch wem gehört das Geld?"


Halb benommen vom Schreck folgte ich ihm zum Verwaltungstrakt. Dort stellte die Sicherheitsmitarbeiterin, Mariam von den Philippinen, anhand meiner ID-Card (mein emiratischer Personalausweis, so lange wir hier leben) schnell fest, dass es sich tatsächlich  um meine Kreditkarte handelte. Ich musste nur unterschreiben, und schon händigte mir  Faysal Said Hassan meine Karte aus: gebürtiger Somalier und der Kundenservice-Manager des Carrefour. Nur ein Rätsel war noch offen: Der Finder der Karte hatte zusätzlich noch eine Geldsumme im Automatenschlitz entdeckt. Ich war jedoch überzeugt: Diese unrunde Zahl da hatte ich niemals angefordert! "Keine Ahnung, wie das dahin gekommen ist, aber es ist sicher nicht mein Geld", sagte ich.

Inzwischen hatte man auf meinen Wunsch hin Mohammed Abdallah per Handy hinzugerufen - den ehrlichen Finder. Und siehe da - es war der vorhin noch Kinderwagen schiebende Emirati, der nun mit seiner etwa dreijährigen Tochter herbeieilte. Die Kleine habe er zwischendurch zwar glatt einmal kurz verloren, als er sich um meine Kreditkarte kümmerte, erzählte er schmunzelnd. Aber zum Glück habe einer der Wachleute das schnell geklärt und sie zu Papa zurückgebracht.
Ich sprach dem Emirati meinen herzlichen Dank aus, er schüttelte mir die Hand und erklärte freundlich, das sei doch alles völlig selbstverständlich. Er versuchte, auch die kleine Hala dazu zu überreden, mir Guten Tag zu sagen. Doch die kicherte nur und betrachtete mich neugierig.

Ich suchte auch den Wachmann Djalal, der aus Sri Lanka stammt, noch einmal bei seinem Rundgang durch die Regalreihen auf und bedankte mich dafür, dass er so aufmerksam gewesen war. 
Kaum kam ich zufrieden daheim an und packte meine Einkaufstüten aus, als mein Telefon klingelte. Mariam war am anderen Ende der Leitung. "Ma'm, wir wissen es jetzt zweifelsfrei: Das Geld vorhin ist doch Ihres! Kommen Sie doch bitte und holen Sie es ab."

Die gewitzte kleine Tochter war "schuld"!


Neugierig machte ich mich nochmals auf den Weg zum Carrefour Supermarkt. Dort wurde ich freudig wiederbegrüßt. Ich erhielt die "unrunde Summe" ausgehändigt mit folgender Story dazu: Mohammed Abdallah hatte Hala, die Tochter, noch einmal befragt. Und da berichtete sie ihm folgendes: Während der Papa sich auf die Suche nach jemandem machte, der ihm mit meiner gefundenen Kreditkarte weiterhelfen könne, tat die Kleine gewitzt das, was sie bei den Erwachsenen abgeschaut hatte - ein paar Knöpfchen drücken ... und schwupps war da Geld 'rausgekommen! Offensichtlich hatte der Automat "gefragt", ob die Restsumme ausgegeben werden soll - und Hala "Yes" gedrückt.

Am Ende des Tages haben also Menschen aus vier Nationen mitgeholfen, dass diese einen Moment lang achtlose, verpeilte Frau Döhring aus Deutschland ihre Siebensachen wiederbekommt. Wohlgemerkt: Frau Döhring wäre auch ohne diese Hilfe nicht auf der Stelle verhungert. Während hingegen die anderen Beteiligten fast alle aus ärmeren Ländern stammten (- und selbst wenn es oft behauptet wird: auch nicht jeder Emirati ist per se "reich"!) 

Ich bin mir sicher: Nicht überall auf der Welt hätte ich Kreditkarte UND Bargeld so schnell zurückbekommen! Anderswo würde sich möglicherweise jemand auf Kosten meiner Schusseligkeit einen 'schönen Tag' gemacht haben. Man kann jetzt fabulieren, wie das wohl an einem deutschen Geldautomaten abgelaufen wäre ... Ich hoffe doch, so ähnlich wie hier. 

Jedenfalls - in den VAE kann man nach wie vor geradezu davon ausgehen, dass die vielvölker-bunten Bewohner ehrlich sind und nichts "mitgehen lassen"! Davon zeugen auch beispielsweise Caféhaustische, auf welchen man oft mehrere teure Smartphones herumliegen sieht, während die Besitzer gemütlich an der Kuchentheke auswählen: Worum  sollten sie sich hier auch Gedanken machen?
 

Sonntag, 25. September 2016

Der deutsche "Dorfbäcker von Dubai", oder ...

 'Bäckermeister Sven sorgt für super Semmeln'


Was antwortet der deutsche Expat für gewöhnlich, wenn er befragt wird, was ihm denn im außereuropäischen Ausland auf Dauer am meisten fehlt? Fast immer kommt dann als Antwort: "Der Wald, Quark und Schwarzbrot".

Brotzeit! Auswahl an Brotsorten vom "German Baker", alle gebacken auf Natursauerteigbasis

Während man auf den Wald wohl wirklich am ehesten bis zum nächsten Europa-Besuch warten muss, kann man hierzulande Quark im Carrefour-Supermarkt kaufen (für mich persönlich mein erstes Aus-Land, wo ich den nicht selbst daheim herzustellen brauche!). 
Doch so richtig duftendes, außen krustiges und innen flaumig-weiches Schwarzbrot bekommt man seit Anfang des Jahres in Dubai und Abu Dhabi vom "Bäcker-Sven"! Kein Wunder, dass seine Telefonnummer unter den vor allem deutschsprachigen Ausländern hier herumgereicht wird, wie woanders die vom Chiropraktiker oder "In-Friseur". Seine Produkte verkaufen sich wie das sprichwörtliche "geschnitten' Brot" - auch darum, weil der Kunde sein Brot auf Wunsch sogar fertig geschnitten erhält!

Wer länger auf kräftiges Sauerteigbrot verzichten musste, dem läuft schon allein beim Lesen des Angebots das Wasser im Munde zusammen: Krustenbrot, Walnussbrot, Kosakenbrot, Schinkenbrot, Heide- oder Zwiebelbrot, Fitness-Brot (ohne Weizenmehl und Hefe!) und natürlich das klassische, weiße Frühstücksbrötchen. Dazu Laugenbrezeln, Weizen- und Roggenbrötchen oder Haferbrot. Überdies gibt's deutsche Kuchen von Streusel- und Pflaumenkuchen über Kirsch-Käsekuchen bis hin zur Nussecke oder der Puddingschnecke ... Auch "Leberkäs-Schmankerln" oder "Wrap me up"-Sandwiches werden immer häufiger bei ihm bestellt.

German Baker: der "Deutsche Dorfbäcker von Dubai", Sven Mostegl

Dabei ist "German Baker" Sven eher über Umwege zum Roggenbrot-'In-Bäcker' der Emirate avanciert. Sven Mostegl wurde im schwäbischen Sulz am Neckar geboren, zog aber schon früh mit seiner Bäckersfamilie in den Norden um, zwischen Hamburg und Hannover. Seit 14 Jahren bereits lebt er nun jedoch in den Emiraten - lange Zeit allerdings als promovierter Ingenieur, der an diversen Großprojekten beteiligt war. 

Doch gutes Essen liegt quasi "in der Familie": Während er selbst in Dubai später Leiter einer Catering-Firma wurde, ist seine Frau Heike gelernte Köchin und darüber hinaus auch europäische Sushi-Meisterin. Mit der "Bakers Kitchen" hat sie sich hierzulande einen Namen gemacht unter all jenen, die sowohl gesund und vollwertig als auch dennoch mit Liebe zubereitet und geschmacklich hochwertig essen möchten. Nachdem Freunde auch Sven schon länger gedrängt hatten, aus seiner privaten Leidenschaft für hochwertiges und gesundes Essen "mehr" zu machen - rief er nach und nach die vielen Brot- und Kuchensorten auf den Plan, die heute seine Kunden begeistern.





Tüte, nur echt mit Smilie :-)
Brot-Abholzeit im Novotel Abu Dhabi ist freitags: Zeit für einen Kaffee














Deutsches Backhandwerk und moderne Ernährungsphilosophie


In Kürze wird die Speisekarte der "Bakers Kitchen" Dubai in neuem Gewand zur Verfügung stehen: Sie soll dann wie eine Tageszeitung aussehen, in welcher es neben den Listen der Speisenangebote auch Wissenswertes rund um gesunde Ernährung gibt; überdies werden alle Speisen mit Vignetten gekennzeichet sein - je nachdem, bei welchen Beschwerden (Herzkreislauf, Gelenke, Augen, Blutzucker etc.) sie besonders empfehlenswert sind. Wer in den "naturig" eingerichteten Laden oder das Restaurant kommt, soll sich wohlfühlen. Selbstverständlich für das Ehepaar, das selbst eine Tochter hat, dass Kinder beim Einkauf ein Laugenbrötchen bekommen! So ein bisschen ist Sven Mostegl eben der "Dorfbäcker" der Metropole Dubai.

Natürlich sind, wie überall, die Rohstoffe Basis für alles weitere. Die Produkte seiner Firma - darauf legt der Bäckermeister wert - sind komplett frei von jeglichen Geschmacksverstärkern, Haltbarmachern u.ä.. "Gebacken wird bei uns wie vor hundert Jahren, das ist ehrliche Handwerksarbeit", erklärt er. Dafür werden z.B. auch drei selbst gezüchteten Natursauerteigkulturen (jeweils eine für Roggen-, Weizen- und Vollkornprodukte) gehegt. Diese machen nicht nur, dass Brot und Brötchen so "deutsch schmecken", sondern auch, dass sie selbst für Leute mit Unverträglichkeiten gut bekömmlich sind.

Alle Backzutaten inklusive Mehl der Firma Steinmetz kommen fast ausschließlich aus Europa. Das ist zwar teurer, doch dafür sind die Zutaten zertifiziert rein und so "bio", wie man sich das hier in den VAE nur wünschen kann.
 
Der Backnachwuchs wird immer einmal wieder in Kinderbackkursen in die Geheimnisse deutscher Brötchenbäckerei eingeweiht. Zur "Taste Abu Dhabi 2016" vom 10.-12. November wird Mostegl darüber hinaus mit zwei Backshows für die Erwachsenen dabei sein - um richtige Teigzubereitung soll es gehen.


Teil der Bestellliste des "German Bakers"

Lieferungen nach Abu Dhabi, Ras Al Khaima und Sharjah


Momentan ist der Bäckereiladen in Dubai / Barsha Heights täglich von 7 bis 21 Uhr und das angeschlossene Restaurant von 10 bis 20 Uhr geöffnet.Wer in Dubai lebt, kann sich die die Speisen und Backwaren sogar frei Haus liefern lassen.

Freitags ist für Bäckermeister Mostegel seit geraumer Zeit "Abu-Dhabi-Tag". Dann packt er morgens die Bestellungen seiner dortigen Kunden ins Auto und fährt in die emiratische Hauptstadt. Im Novotel/Ibis steht er zwischen 9 und 11 Uhr im Foyer-Café des Hotels bereit und verteilt die zuvor schon fertig gepackten Papiertüten an ihre Besteller. 
Damit sich der Weg für diese doppelt lohnt, macht manche/r von ihnen gleich noch einen kleinen Kaffee-Stopp (bevor es dann bei den meisten daheim ein "deutsches Frühstück" in Familie mit knackfrischen Brötchen gibt). Ein Blech mit Kuchen zum Kosten hat Sven nämlich immer dabei... 
 
Zusätzlich werden montags zuvor aufgegebene Bestellungen nach Abu Dhabi geliefert. Perspektivisch soll dort auch eine Filiale aufmachen. 
Nach Ras Al Khaima wird deutsches Brot und Kuchen 2. Samstag gebracht; Sharjah und Al Ain werden möglicherweise ebenfalls Abholstellen bekommen.


Kontakte

E-Mail:        orders@bakerskitchenuae.com
phone:        04 452 9529  oder 04 451 9816

mobile:       +971 56 824 0790 (auch What'sApp-Bestellgruppe für Abu Dhabi!)
Facebook:  https://www.facebook.com/profile.php?id=100008653110804
Homepage: http://www.tbs-uae.com/

Shop/Restaurant: Dubai, Barsha Hights (früher Tecom), im Gebäude der Auris Hotel Apartments, gleich bei der Metrostation 


Freitag, 5. August 2016

Und heute mal ein Lob...


... an die nette Zugbegleiterin, welche am 30.07. in der Bahn ab Erfurt 21.39 Uhr nach Berlin so hilfsbereit und freundlich meinem kleinen Dilemma abhalf!

Habe ich im vorigen Posting ein bisschen über miesepetrige Landsleute gemault (!  :-)  ), welche ihre schlechte Laune an Wildfremden abreagieren?

http://bild8.qimage.de/zwei-deutsche-bahn-foto-bild-106180438.jpg


Natürlich gibt es in Deutschland auch jede Menge netter Menschen. Als ich mich unlängst mit einer lieben Freundin nach einem Jahr Trennung in Erfurt wiedertraf, war natürlich viel zu erzählen. Den Weg abends zurück zum Bahnhof hatten wir doch ein wenig unterschätzt, noch mehr jedoch, dass justament zu diesem Zeitpunkt  hunderte heiterer junger Menschen auf halb-virtueller "Pokemon Go!"-Jagd mit ihren Smartphones in einem langen Zug quer durch die Innenstadt unterwegs waren!

So geschah es, dass ich mit meiner Freundin im Schlepptau einen Satz auf die Abfahrtsplattform meines Zugs nach Dresden exakt da machte, als die Türen mit dem charakteristischen Krachen zuschlugen. Nur noch die Hand konnte ich an die kühle Außenhaut des Zuges mit den hermetisch verriegelten Türen legen, welcher sich ganz langsam unter ihr zu bewegen begann und dann immer schneller vom Gleis rollte...

Die nächste Bahn ging genau zwei Stunden später: Also gut, noch ein großes Glas Sauerkirschsaft im Café am Bahnhof, sowas ist ja nicht schlimm an einem lauen Sommerabend. Mich beunruhigte höchstens leicht die Feststellung, dass das für den verpassten Zug gebuchte Ticket ja nun auch hinfällig war...

Kurz vor Abfahrt bemerkten wir, dass der spätere Zug ausgerechnet samstags um diese Zeit aber nur noch bis Leipzig verkehrt; nix da Elbflorenz! Nach einigem Grübeln entschloss ich mich, eine Verbindung bereits zehn Minuten früher zu nehmen - Endziel Berlin, aber ebenfalls über Leipzig. Irgend einen Anschluss würde ich da schon finden.

Als ich dann drin saß und sich die Zugbegleiterin nahte, zückte ich mein verfallenes Ticket und schilderte ihr kurz und etwas bang mein Problem. Fragte, ob und wann ich ab Leipzig weiterfahren könne. Die Schaffnerin zog ihr Smartphone hervor, schwenkte es auf der Suche nach Netz ein paarmal herum, fand dann schnell eine Weiterfahrt schon 15 min nach meiner Ankuft in Leipzig vom Gleis gegenüber.
Mein Ticket stempelte sie gelassen und kritzelte für den Zugbegleiter im Anschluss mit Kugelschreiber noch den Vermerk "Zugpreisbindung aufgehoben!" darunter. Mit einem Lächeln übergab sie mir meine nun wieder gültige Fahrkarte. Was war bzw. bin ich der Frau dankbar!

Als später noch ein junger Zugbegleiter durch die Gänge lief und den abendlichen Fahrgästen diverse Erfrischungen anbot, u.a. mit dem launigen Spruch "Warum nehmen Sie nicht einen Rotwein? Da können Sie mich gleich besser ertragen!", war ich restlos überzeugt: Die Deutsche Bahn beschäftigt ausgesprochen freundliche, hilfsbereite und entspannt wirkende Angestellte! Wer hätte das gedacht?
So sympathisch kann Deutschland eben auch sein - ich hoffe, es bleibt so.

Freitag, 29. Juli 2016

Wundervolles Deutschland. Und auch wieder nicht.



Der Duft des deutschen Waldes....

Wie schön ist es, einen geschlungenen Waldpfad entlangzuspazieren - durch die Wipfel der Laub- und Nadelbäume fallen zwischen dunklen Baumschatten zitternde Sonnenflecken auf den Weg, rechts plätschert unterhalb dichter Springkrautbüsche ein klarer Bach, links steigt saft von den vielen vertrockneten Nadeln fluffiger brauner Boden an, bewachsen von gelegentlichen Farnen und Pilzen, wenn man Glück hat... Und vor allem duftet es so frisch und würzig, wie eben nur ein sommerlicher Wald duften kann!

Ja - momentan ist Sommerpause in Deutschland angesagt. Die Groß-Familie ist mal wieder komplett. Alte und neuere Freunde werden besucht, europäische Kultur bis zum Anschlag genossen... Reich an natürlicher und architektonischer wie kultureller Vielfalt ist unsere Heimat allemal. Schön, erfüllend, ja sogar glücklich machend.

Und dann ist da doch eine Sache, die verunsichert. Eine große Anzahl von Gesichtern, die einem auf der Straße, in Läden und bei Veranstaltungen entgegen kommen. Griesgrämig, verbiestert, aus engen Augen geradezu darauf lauernd, dass man irgendetwas tut, das "man aber nicht macht!!!" (z.B. an der Supermarktkasse zu langsam mit dem Einpacken der Tüten sein o.ä.).


"Deutschland hat sich im punkto Lebensqualität enorm verbessert. Dass es als bevölkerungsreichstes Land Europas so nah an die Top-3-Länder Norwegen, Niederlande und Finnland herangerückt ist, ist eine beachtliche Leistung", sagt Heinrich Rentmeister, Partner und Managing Director bei BCG. "Die Länder, mit denen wir uns aufgrund der Größe vergleichen würden, zum Beispiel Frankreich, USA oder Großbritannien, stehen ganz anders da." (Quelle)

Diese Meldung fand ich vor kurzem in der Presse. Die Studie der Boston Consulting Group ergibt, dass Deutschland gerade in den letzten Jahren in diesem Bereich stark aufgeholt hat - und das allen Klagen über soziale Ungerechtigkeiten, Niedriglöhne oder -renten zum Trotz! Doch offensichtlich ist dies ein Klagen auf hohem Niveau – auf einem sehr hohen sogar. Im internationalen Ranking für wirtschaftliches Wohlergehen erzielt Deutschland mit dem 4. Platz sein bisher bestes Ergebnis; lediglich die bevölkerungstechnisch kleinen Ländern Norwegen, Finnland und die Niederlande bieten ihren Bewohnern noch größeren Wohlstand.


Für mich passt das nicht gut zusammen. Woher kommt es, dass es den Deutschen mehrheitlich in Sachen Wohlstand besser geht, als fast allen anderen Bewohnern dieses Planeten - und doch erschrecke ich jedes Mal, wenn ich nach einem Jahr in einem anderen (wirtschaftlich, politisch,... ) weniger günstig gestellten Land hierher komme und mir das auffällt. Aus einem Umfeld, wo fremde Menschen mir oder uns im Alltag - ungeachtet dessen, was diese Menschen möglicherweise selbst an Sorgen und Nöten mit sich herumtragen! - höflich, freundlich, sehr oft mit einem Lächeln begegnen.

"How are you?" grüßte ich einst, wie fast täglich, eine der einen stets fröhlich anstrahlenden nepalesischen Kassiererinnen in "meinem" Supermarkt. "Fine, and you?", kam die standartisierte, darum nicht weniger freundliche Antwort von ihr. Da ich wusste, dass am Tag zuvor ein schlimmes Erdbeben mit vielen Toten im Nepal gewütet hatte, fragte ich noch einmal nach: "Wirklich? Auch zu Hause alles gut?" Da erstarb kurz das Lächeln, das sonst jedem Kunden gilt: "Na ja, nicht wirklich.  Mein Dorf war betroffen. Momentan weiß noch keiner, ob meine Schwester noch lebt..." Ich sprach ihr einige Momente billiges Mitgefühl aus, bis der nächste Kunde seine Waren aufs Band sortierte. Auch diesem wurde auf seine Frage nach dem Befinden von der Kassiererin ein freundliches "Gut. Und Sie?" entgegengebracht.
Denn: Was geht es den Kunden an, dass man Kummer hat - er kann schließlich nichts dafür?!

Und dann, in der alten Heimat, tragen so viele das Gesicht dauerhaft zur Faust geballt. Bisschen traurig, das. Und nein - das ist keine möglicherweise aktuelle Reaktion auf die hässlichen Mordanschläge zuletzt in diesem Land; diese Beobachtung mache ich schon seit Jahren.


Wahllos herausgegriffene Begebenheiten


1) Ich gehe mit der kleineren Tochter im Dorf spazieren. Sie liebt Natur, erspäht jeden Marienkäfer, jeden kleinen Pilz, freut sich auch über diese hübsche Pfanze mit den weichhaarigen Blättern (ich nenne sie "Eselsohr", offiziell heißt das wohl Silberblatt). Kauert sich vor einem Eigenheim in den Rinnstein, weil vor dem Zaun eben so eine Pflanze die Ausfahrt mit hunderten dieser wolligen Blätter bewuchert und streichelt entzückt darüber.
Es schleicht sich von hinten zügig die ältliche Hausbesitzerin an. Als ich mich ihr zuwende ("Guten Tag!"), zischt sie mit verkniffenen Lippen ein süßliches: "Na - du pfückst hier wohl Blüüümchen?!"  Als ich erkläre, dass meine Tochter die weichen Blätter streichelt, ich habe das als Kind auch getan - sie wohl nie?!, erwiderte die Dame pikiert: "Nun ja, streicheln geht ja noch..."
Hallo?!? Die hatte wohl Angst, dass meine Tochter ihr Unkraut im Schnittgerinne klauen will.

2) Mit Tochter sowie meiner Freundin und deren Sohn sind wir Minigolf spielen. Schönes Wetter, überall Ferienkinder, lustiges Spiel. Man hat dort ungefähr fünfzehn verschiedene Golf"anlagen", dazu einen Laufzettel, wo man das jeweilige Ergebnis der Mitspieler vermerken kann.
Wir sind gerade an einem Loch angekommen - da stellt sich hinter uns ein Ehepaar und beobachtet mit Argusaugen jede unserer Bewegungen. Als unsere Kinder den Abschlag auch einmal mehr als vielleicht "reglementgemäß" üben, tuscheln sie sich mit finsterem Blick zu - absichtlich hörbar auch für uns - dass das aber "mehr als fünf Mal" waren! Meine Freundin wendete sich an die Leute und wies sie freundlich darauf hin, dass sie nicht zwingend warten müssten, bis wir alle vier an Loch 6 fertig sind. Sie könnten jederzeit auch erst einmal Loch neun, elf oder fünfzehn absolvieren, wo gerade niemand zugangen war... Am Ende sieht man ja auf den Laufzettel, was noch zu absolvieren ist.
Die Leute waren von diesem sinnvollen Vorschlag überhaupt nicht überzeugt. Sie "mussten" alles der Reihenfolge nach machen - und haben dabei bestimmt ewig gebraucht; die Zeit konnten sie dann bestimmt weiter zum grimmig Gucken und fiese Bemerkungen machen nutzen...

3) Der ergraute Autofahrer, der an einer Baustelle hinter mir am Hang in seinem schicken neuen BMW (sorry, kein Klischee, es war wirklich einer) zu warten genötigt ist. In der Reihe an mir vorbeiflutender Fahrzeuge entsteht eine kleine Lücke - ich kann jedoch (anders als der Herr hinter mir) bereits deren Fortsetzung an der nächsten Hügelkuppe sehen. Also warte ich - der schnittige Vorrentner hinter mir allerdings gibt mir ('vertranter Frau in ihrer alten Klapperkiste'....?!) mit wildem Gehupe zu verstehen, dass ich losfahren solle (und somit in den Gegenverkehr rauschen)!
Der Herr hat mich dann auch noch mit grimmigem Ausdruck an einer 70-km-Einschränkung mit bestimmt 100 Sachen überholen "müssen"; allerdings zuckelte er dann direkt vor mir die nächsten 20 km in der Autoschlange von Ampel zu Ampel...

Bleibt locker


Dreijährige brauchen feste, man kann schon fast sagen: rigide Regeln, um das Klein-klein des Alltags mitten in den turbulenten Ausbrüchen ihrer Trotzphase bewältigen lernen zu können und dadurch später selbstständige, erwachsene Menschen zu werden.
Wenn allerdings 60-jährige immer noch starr in kleinkarierten Regeln festhängen, frage ich mich besorgt, ob sie die Kleinkindphase geistig je verlassen haben?! Auf jeden Fall würde das auch vielleicht ein paar politische Tendenzen erkären...

Häufig hört man ja in Deutschland, "die Jugend" sei achtlos, unhöflich und rücksichtslos. Nun ja, ich kenne darüber keine statistischen Erhebungen. Was mir auf meinen kursorischen Stippvisiten jedoch auffällt, ist, dass - bis auf bestimmte Ausnahmen - fast alle Menschen unter ca. 40 mir in Deutschland nett und hilfbereit erscheinen, die haben auch mal ein freundliches Gesicht aufgesetzt
Grußlos, verbiestert und Beschimpfungen über "Vergehen", die nur sie selbst erkennen, vor sich hinmurmelnd - das sind fast immer eher Verteter der "älteren Generation"! Grauköpfe. Menschen, von denen man ja eigentlich eher lernen können sollte... üblicherweise  so etwas wie Liebe, Gelassenheit und Nachsicht beispielsweise.

Ich möchte sagen: Junge Leute - Bloß nicht! Bleibt heiter und offen, werdet bitte nie so kleinkariert, miesepetrig und verbittert wie diese Alten. (Und nein: nicht alle Alten hatten ein so viel schlimmeres Schicksal, als es manche Junge möglicherweise ja auch haben oder hatten....)

So, ich gehe jetzt eine Runde in den Wald! :-)


Sonntag, 7. Februar 2016

Kleine Alltagsnervereien, die kein Mensch braucht

Meist versuche ich ja, hier die Information in den Vordergrund zu stellen in der Hoffnung, dass dies dem einen oder der anderen bei irgendeiner Frage zu Abu Dhabi oder den Emiraten weiterhelfen kann.


http://sc.mogicons.com/share/crazy-emoticon-236.jpg

Aber heute ist mal ein Tag, an welchem ich mich über die vielen kleinen, albernen Alltagsvorkommnisse "auslassen" möchte, die einem hierzulande das Leben nerviger -  ääähhh, unterhaltsamer gestalten (also im Vergleich zum Heimatland). Ich zähle jetzt mal querbeet so ein paar Sachen auf, die mich immer wieder Ganz tief durchatmen! Bis zehn zählen!!! lassen


° Wenn die Töchter mal den Pizzaboten bestellt haben sollten, kommt dieser so gut wie immer ohne Wechselgeld an. Wie blöd, wenn man aber gerade keine 5 oder 10 Dirham-Note oder Münzen zur Hand hat, weil der Geldautomat vorhin wieder so ungünstig gestückelt hat.
Doch dergleichen passiert einem auch laufend in Geschäften: Dass der Verkäufer erst einmal nach nebenan gehen muss, um eine Handvoll Wechselgeld für den Kunden zu besorgen. Man arbeitet im Kundenverkehr im Verkauf - wozu sollte man da um alles in der Welt denn Wechselgeld in der Kasse haben?!


° Ob Pizza oder Flachbildschirm, ob Wäscheservice oder Schrankwand: Wenn man in den Emiraten etwas nach Hause geliefert bekommt (an und für sich verführerisch praktisch, aaaaaaber!....), kann das eine komplizierte Angelegenheit werden. Oft kommt die Ware sowieso nicht am vereinbarten Termin. Und wenn dann doch, gehen mannigfaltige Telefonate voraus.
Lieferant ruft an: "Wo wohnen Sie?" "In XY, wie in der Bestellung angegeben." "Hm, ist das nahe Z?" Man ist eine Weile verwirrt, bis man bemerkt, dass der gute Mann von Dubai anstatt von Abu Dhabi redet. Na, nicht weiter schlimm, das ist ja nur eine gute Stunde Autobahnfahrt entfernt...

Falls der Lieferant sich dann nähert, stellt er telefonisch in der Regel klar, sich in Abu "gut auszukennen. Aber wo ist das bei Ihnen? An der Cornishe?" (die bekannteste Straße in wohl jeder irgendwie am Meer gelegenen Stadt im Mittleren Osten....) Einen Stadtplan darf man niemals erwarten, und auch GoogleMaps oder wie all die modernen elektronischen Helferlein heißen mögen, werden nicht eingesetzt (und ja!, natürlich haben hierzulande alle ein Smartphone, auch "kleine" Transportangestellte....) Wenn man dann die grobe Richtung beschrieben hat, kann es sein, dass nach vielen weiteren Telefonaten die Ware glücklich eintrifft.
Mir ist aber auch schon mal passiert, dass mein freudig mit tropfendem Zahn erwarteter "German Döner" nicht ausgeliefert wurde und die Bestellung statt dessen gecancelt, weil man sich außerstande sah, meinen Wohnort zu finden (was - da es ein recht bekanntes Compound ist - nicht allzu schwierig sein sollte).


° Taxifahren. Das "Problem" ist nicht etwa, wie man vielleicht erwarten mag, dass man um den Preis feilschen müsste - emiratische Taxis sind generell mit Taxameter ausgestattet und zeigen die Fahrpreis bis auf den Fil hinterm Komma genau an. 
Nein, etwas anderes. Taxifahrer kennen "ihre" Stadt? - das dachte ich zumindest, bis ich aus Deutschland fortzog (lang-lang ist's her....) Und doch, auch in den Emiraten kennen sich einige Fahrer gut aus. Was nicht bedeutet, dass es nicht dennoch ratsam ist, seinen Zielort und den Weg dahin vorab genau zu kennen! Denn gelegentlich gerät man auch mal an einen Neuzugang, der vielleicht vorige Woche gerade erst aus seinem fernen Land hier landete und mit Taxifahren angefangen hat. Natürlich ohne vorherige Schulung.
Falls er dann auch noch unbelehrbar ist (Ich: "Bitte fahren Sie da vorne die zweite links!" - und er umgehend die nächste Abbiegung rechts nimmt, z.B.....) oder aber man selbst Neuankömmling ist und daher keine Ahnung hat, wohin.... Tja, dann wird es arg abenteuerlich. Denn siehe oben: Stadtpläne oder Landkarten lesen können sie durch die Bank weg alle nicht, und ein Navigationsgerät ist entweder nicht vorhanden, wird nicht benutzt oder aber ist aufgrund der manchmal noch merkwürdigen Straßen"namen" bzw. -nummern ohnehin nicht brauchbar.
 

° Handwerker. Nach zumeist mehreren hoffnungsvoll-höflichen - über den Tag verteilten, von Wartepausen getrennten Anrufen - bei der Instandhaltsungsfirma, die sich um unsere Wohnanlage kümmert, erscheint dann oft doch ein Handwerker.
Meist jedoch nur, um einen Blick auf das Problem zu werfen und mit den Worten: "Da muss ich erst mal Material holen" wieder zu verschwinden. Je nachdem kann das fünf Minuten, fünf Stunden oder auch bis nach dem genervten Anruf am Folgetag dauern. Damit es spannend bleibt, kriegt man aber entweder eine im Nachhinein falsche oder aber lieber gar keine Zeitangabe genannt.

Falls dann endlich ein Handwerker eintrifft, ist nicht gesagt, dass es der für das vorliegende Problem richtige ist. In der Telefonzentrale bedienen den Kundenhörer manchmal Leute, die des Englischen nun auch nicht so gut mächtig sind. Da kann es schon passieren, dass ich erklärte, es müsse dringend jemand kommen, weil wir gehört hatten, dass sich in unserem Lüftungskanal der Klimaanlage ("AC") mindestens eine Ratte offenbar auf einen Marathon vorbereitet und wir das nicht so gern haben... Um dann nach zwei, drei weiteren, zunehmend verzweifelten Anrufen einen enthusiastisch lächelnden Trupp Elektriker vor der Tür zu haben, der die "kaputte AC" reparieren will. In der Telefonzentrale hatte man gerade eben so das Wort "AC" verstanden; nicht jedoch das Problem mit den Ratten!

° "Verkäufer und Verkäuferinnen" in Malls, Boutiquen etc. Ich schreibe bewusst in Anführungszeichen. Mag sein, dass ich eine verwöhnte, westliche Ziege mit völlig übertriebenen, antiquierten Vorstellungen bin. Aber ich habe immer noch dieses Bild vor mir: Jemand, der in einem Laden eine bestimmte Art von Waren fach-verkauft (Hosen, Pralinen oder Schuhe...), habe einen Überblick über besagte Ware und kann sogar Auskunft bei aufkommenden Kundenfragen geben (Herkunft? Material? andere Größe?,...)
Hierzulande winke ich generell gleich heftig ab, wenn ich einen Laden betrete und sich mir in der Regel umgehend ein Pulk von zwei bis vier philippinischen, zumeist gerade unterbeschäftigten Verkaufsangestellten auf Tuchfühlung an die Fersen heftet. Denn wehe, man stellt auf das allfällige "Ma'mSir, how can I help you?" tatsächlich eine Frage! Z.B. "Guten Tag - sagen Sie, haben Sie eine grüne Hose in Größe 38 da?" Sofort beginnt dann die Verkäuferin sich eifrig umzusehen, in welcher Ecke ihres Ladens denn die Hosen hängen könnten. 


Wenn sie diese schließlich lokalisiert hat, streift sie genauso hilflos mit dem Finger hindurch, wie ich es auch täte - und mit etwas Glück findet sie dann irgendwann die gewünschte Farbe. "Größe?" "Oh. Welche Größe haben Sie denn?" "Wie ich gerade sagte: Immer noch 38." "Aha, aha... - - - haben wir aber gar nicht dabei." Es kann allerdings auch sein, man bekommt statt dessen einfach einen grünen Rock in der 46 oder eine knallrote Hose in 38 in die Hand gedrückt. 

Da gedenke ich dann tränenden Auges der guten alten deutschen Berufs-Fachausbildung. Versteht irgend jemand, wieso ich aufs beliebte Shopping gar nicht besonders erpicht bin?

° Werbe-SMS von irgendwelchen Boutiquen und Läden, in denen ich noch nie war! Auf die an jeder verdammten Kasse beim Bezahlen gestellten Frage nach meiner Mobiltelefonnummer wehre ich stets zwischen höflich und vehement ab, je nachdem. Ich will ja nicht, dass ich dann ständig mit "SALE! 50% on everything!"-SMS bombardiert werde. Wie kommen dann jedoch diese ganzen blöden Werbe-SMS dennoch andauernd auf mein Telefon?
Immer guckt man nach dem "Bling" aufs Display in der Hoffnung, es sei die Meldung eines lieben Freundes. Oder auch besorgt - könnte ja die Schulkrankenschwester mit einer "Kommen Sie sofort ihr Kind mit Loch im Kopf abholen"-Nachricht sein....
Aber nein, schon wieder will mir jemand etwas andrehen, das ich gar nicht kaufen mag?! Ich bestelle diese SMS-Dinger laufend ab. Aber sie wachsen auf wundersame Weise aus anderen "Ecken" dann doch immer nach, wie die abgeschlagenen Köpfe beim Märchendrachen... 


° Lieblingseissorte, Lieblingsknäckebrot, bevorzugte Tiefkühlerbsenmarke? Man sollte dergleichen immer in Mengen "hamstern", wenn einem (bzw. den Kindern daheim) das wirklich wichtig ist. Wirkt zwar grotesk angesichts der endlosen Warenberge schieren Überflusses in den Supermarktregalen - das ist ja hier kein limitiertes Entwicklungsland! Aber die Chance, dass genau diese geliebte Speiseeis-Sorte einmal und nie wieder nach Abverkauf im Supermarkt deines Vertrauens auftaucht, liegt ziemlich hoch. Regelmäßige Order-Listen vom Großhändler scheint es eher nicht zu geben. 
Dafür entdeckt man aber immer mal wieder was Neues! Mit dieser optimistischen Note endige ich hier erst mal. Aber...


Wer hat Ergänzungen zu bieten?




Mittwoch, 23. Dezember 2015

Weihnachtsgrüße


Diese kommen von mir diesmal aus dem - allerdings nicht gerade winterlich-weißen, wie von unseren Kindern natürlich erhofften - Deutschland.
Bevor die Geschenkeschlacht und vor allem aber hoffentlich auch das naht, worauf der Deutsche gern Wert legt - nämlich die weihnachtliche Besinnlichkeit und Ruhe... möchte ich noch ein paar heitere, interkulturelle Bilder zum Thema aneinandereihen.

Während in den winterlich-kühlen Emiraten (kaum noch über 20°Grad!...) Geschäfte, Plätze und viele Wohnungen so weihnachtlich geschmückt sind wie anderswo auch, wirkt das vor der ursprünglichen, wüstennomadischen Kulisse durchaus etwas schräg...


Schön, nicht? Vor allem "schön seltsam", der Weihnachtsbaum vor Dattelplamen! - in einer Wohnanlage in Abu Dhabi.

Plastik-Krippe im emiratischen Supermarkt
Wenn sich manche im - meist ja doch eher un-christlichen - Deutschland vor der vermuteten, baldigen "Übernahme" durch islamische Riten und Lebensweise graulen, quellen in den moslemischen Emiraten die Schaufenster und das Warenangebot über vor christlichen Symbolen. Scheinbar hat hier keiner wirklich Angst, Geschenkanhänger mit Weihnachtsengeln und kleine Plastik-Jesuskinder in Krippen (immerhin aus Holz und sogar echts Moos auf dem Dach! :-)  ) oder aber deren Käufer aus der Herkunftskultur bläsen zum Angriff! Sogar Plüschtiere mit der Stickerei "Jesus loves you - snow much" habe ich gesehen.... Solange nur immer schön die Kasse klingelt?!

Einträchtig liegen in den Supermarktregalen britisches Gingerbread und Plumpudding neben italienischem Panettone und deutschem Weihnachtsstolle; vollziehen so auch kulinarisch die internationale Weihnachts-Einheit  (Dominosteine vermisse ich allerdings schmerzlich....)
Die Werbung lockt überall zu "Christmas-Brunches" und -Dinners samt Truthahn in Hotels und Restaurants; selbstredend liegt in den Bekleidungsgeschäften die gesamte Winterkollektion inklusive Stiefeln, Daunenjacken und Mützen zum Kauf aus.

Gigantische "Schnee"-Kugel in einer Shoppingmall - der Schnee, in welchem die Mädchen herumtollen, ist Watte...























































Zum Schluss noch ein "echt" weihnachtlicher Gruß mit einer original Erzgebirgischen Pyramide

Ob es nun - je nach Herkunft und Geschmack - eine besinnlich-deutsche Weihnacht in Familie mit Kirchgang wird, eine Gourmet-Orgie wie bei den Franzosen, eine fröhliche "Christmas-Party" mit Tanz rings um den Tannenbaum wie in großen Teilen der anglophilen Welt, oder aber ganz anders -  egal, Geschenke wird es so oder so geben! Und Freude hoffentlich auch überall.


                   Schöne Weihnachten wünsche ich allen!



Montag, 3. November 2014

Oktoberfest: Vom Deutsch-Sein im Ausland


Unlängst fanden hier einige OKTOBERFEST-Veranstaltungen statt. Wie ja rund um den Globus, das verbreitet sich offenbar epidemisch! Oktoberfest in Honkong, Mexico-City oder eben Abu Dhabi. Klingt reichlich schräg, stimmt's?
Hm. In Deutschland käme ich wohl im Traum nicht auf die Idee, auf ein Oktoberfest mit Schunkel-Schlagern, Bier, Haxn und lauten Massengesängen zu gehen. Ich bin ja keine Bayerin! Selbst an den Ursprungsort, nach München selbst, zieht es mich inzwischen nicht mehr. Dafür aber hole ich hier, in der Wüste, jeden Herbst mein eigens dazu angeschafftes Dirndl aus dem Schrank, hebe meine Maß Bier, tanze auf dem Tisch und singe mit 1500 anderen Leuten gemeinsam lauthals sowas wie "In München steht ein Hofbräuhaus / Aans, zwoa, g'suffa!"), "Das ist Wahnsinn! (Hölle-Hölle-Hölle)" von Wolfgang Petry oder neuerdings "Atemlos" von Helene Fischer mit. Und wundere mich dabei, woher ich denn bloß die Texte kann? (Wer mich kennt, weiß auch, warum.)

Was mich zu der Frage veranlasste: Wie "deutsch" ist, bleibt - oder wird? - der Deutsche im Ausland mit der Zeit? Oder auch nicht!

Die Dirndl-Dichte war auch auf emiratischen Oktoberfesten bermerkenswert hoch,
Und wird sogar von Nicht-Bayern oder gar Nicht-Deutschen fleißig auf der Höhe gehalten!
 

Verschiebungen


Seit ca. 15 Jahren nun lebe ich im Ausland, von einigen Unterbrechungen an der Heimatfront abgesehen. Natürlich verändert man sich während so einer langen Zeit als Mensch, so oder so. Mit wechselnd fremdem Umfeld vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als üblich.
Deutsch zu sein hatte für mich früher keine besondere Bedeutung. Als ich dann im Ausland zu leben begann, veränderte sich natürlich auch das. Ich bin nicht "stolz", aber es gibt auch keinen Grund zur falschen Scham, denn überall schlägt einem heutzutage eigentlich große Sympathie entgegen, wenn man auf die Frage, wo man denn herstamme, "from Germany" sagt. 
In solchen Momenten wird mir aber auch bewusst, dass ich für das jeweilige Gegenüber, der oder die möglicherweise noch nicht oft Deutsche in persona kennengelernt hat, so eine Art "Botschafter" meines Landes bin: Je nachdem, wie ich bei demjenigen "ankomme", wird genau dies dessen Bild von "den Deutschen als solche" prägen; so unsinnig das auch sein mag. Also gebe ich mir Mühe, mein Heimatland möglichst positiv zu vertreten (heißt oft einfach: Freundlich zu sein und sich nicht danebenzubenehmen).

"Deutscher" als je zuvor bin ich im Ausland, wenn ich - siehe oben - mich auf Oktoberfesten verlustiere ... mich dabei allerdings auch frage, welches Deutschland-"Bild" da eigentlich zu den Menschen aus anderen Ländern transportiert wird? 
Deutscher als in Deutschland bin ich gewiss, wenn ich vor Weihnachten beginne, Dresdner Christstollen zu backen. In der Heimat ginge ich einfach zum Bäcker... Super deutsch habe ich jahrelang meinen Quark und das Schwarzbrot selbst gemacht. Und Ostereier wurden immer versteckt; je nach Klimazone vorzugsweise aber nicht aus Schokolade.... Deutsch bin ich auch in punkto Pünktlichkeit geblieben: Egal, wie vorhersehbar spät der Gesprächspartner nach mir kommen mag, egal wie spät die Veranstaltung vorhersehbar nach dem offiziellen Beginn startet.... nicht "punkt" da zu sein verursacht mir immer noch Unwohlsein und Herzrasen.

Aber in anderer Hinsicht hat man sich im Laufe der Jahre auch etwas angepasst. Da wurden "deutsche" Kanten wohl abgeschmirgelt. Wartezeiten, auf was auch immer (s.o. ausgemachte Zeiten, aber auch an Ladenkassen, auf Handwerker,.....) nehme ich nach langem, hartem "Training" mittlerweile mit der nötigen orientalischen Gelassenheit hin. Anders würde ich wohl ständig kurz vor dem Herzanfall stehen! 
Ich bemühe mich um einen freundlichen Gesichtsausdruck oder auch mal ein Lächeln "außer der Reihe" im täglichen Miteinander mit der Umwelt - einfach, weil man außerhalb Deutschlands eben auch oft wesentlich freundlicher mit mir umgeht. Mein Deutsch hat sich wahrscheinlich auch verändert - oft geht es Richtung "Denglisch" mit je nach Aufenthaltsland eingestreuten Brocken der dortigen Alltagssprache. Hat in unserem Falle nichts mit Angeberei zu tun, sondern ergibt sich manchmal einfach so, weil man immer das Wort benutzt, was einem gerade zuerst einfällt!
Bei vielen Aufregern und "Skandalen", welche durch die deutsche Presse gehen (z.B. Pestizide in Lebensmitteln, Weichmacher in was-weiß-ich, Streiks in einem Stadtteil) und überhaupt bei Regularien für alles und jeden zucke ich inzwischen oft nur noch mit der Schulter. Zu oft gesehen, dass nun mal vieles "geht" und man dennoch weiterlebt. 

Vergleiche


Permanent beginnt man auch automatisch Gegebenheiten zu vergleichen zwischen verschiedenen Ländern oder Kulturen: An einem Ort ist alles chaotischer, am anderen besonders hilfsbereit, wieder woanders brauchen Kinder nirgends Eintritt zu zahlen. Sie werden entweder extrem verwöhnt oder aber sollten am besten gar nicht durch zur Schau gestellte "Individualität" auffallen. Da scheint Bildung ein hohes Gut, woanders Gegenständliches Priorität zu haben. In manchen Weltgegenden rasten die Leute total wegen König Fußball aus und zentrieren geradezu ihr Leben darum - woanders aber wegen Cricket oder Baseball! Hie dreht sich alles um Berufsleben und Arbeit, da eher um die Familie. In einem Land sollte man keinen nackten Bauch zeigen, woanders hingegen ist das kein Problem, dafür aber nackte Schultern. Usw....
Dieses ständige Vergleichen bringt ielleicht diese relative Gelassenheit oder auch Abgebrühtheit (?) in vielen Dingen mit sich, nehme ich an. Ich sehe ja: Man kann es so oder so machen, oder ganz anders. Möglicherweise ist das auch das, was man gemeinhin Toleranz nennt.

Naja, und sicher ist es keinesfalls mehr "deutsch", dass ich - und auch unsere Kinder - sich nach Regen sehnen und 'wolkenverhangen' inzwischen eindeutig knalliger Sonne vorziehen!

Festzelt mit Festbier - aber nicht in München, sondern in Abu Dhabi!