Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Montag, 22. August 2016

Abflug


Durch- und Ausblick: Edmundsklamm in Herrnskretschen, fast Deutschland :-)


Ein erlebnisreicher, mit Begegnungen und Erlebnissen vollgestopfter Sommer (wie jedes Mal ;-)  ) geht für mich und meine Familie in Deutschland zu Ende. Das neue Schuljahr in Abu Dhabi beginnt und damit der Alltag auch für mich.

Kleines Fazit: Trotz einiger hässlicher Vorkommnisse und Anschläge, die eine Zeit lang gar nicht mehr aufzuhören schienen... kann ich ganz persönlich resümieren, dass es ein rundum erfreulicher Deutschland-Aufenthalt war.

Vieles muss einfach erst einmal ein wenig im Kopf sortiert und verarbeitet werden. Ganz besonders die vielen, vielen Wiedersehen mit Freunden und Bekannten. Es gab wieder viele Anstöße, Anregungen und vor allem eins: Die Wärme, welche aus Konstanz, Beständigkeit, Interesse, Zuneigung, Verlässlichkeit entsteht. Einige wertvolle Bekanntschaften sind auf meinem bisherigen Lebensweg immer wieder hinzugekommen. Einige Freunde jedoch begleiten mich auch schon sehr, sehr lange.

Nicht oft kann ich für sie physisch da sein - dennoch halten sie mir die Stange. Deshalb an dieser Stelle einmal ein ganz großer Dank an euch alle, welche sich von meinem geografisch unsteten Leben nicht haben abschrecken lassen. Ich bin froh, euch zu haben! (Wer gemeint ist, weiß schon Bescheid.)


Freitag, 5. August 2016

Und heute mal ein Lob...


... an die nette Zugbegleiterin, welche am 30.07. in der Bahn ab Erfurt 21.39 Uhr nach Berlin so hilfsbereit und freundlich meinem kleinen Dilemma abhalf!

Habe ich im vorigen Posting ein bisschen über miesepetrige Landsleute gemault (!  :-)  ), welche ihre schlechte Laune an Wildfremden abreagieren?

http://bild8.qimage.de/zwei-deutsche-bahn-foto-bild-106180438.jpg


Natürlich gibt es in Deutschland auch jede Menge netter Menschen. Als ich mich unlängst mit einer lieben Freundin nach einem Jahr Trennung in Erfurt wiedertraf, war natürlich viel zu erzählen. Den Weg abends zurück zum Bahnhof hatten wir doch ein wenig unterschätzt, noch mehr jedoch, dass justament zu diesem Zeitpunkt  hunderte heiterer junger Menschen auf halb-virtueller "Pokemon Go!"-Jagd mit ihren Smartphones in einem langen Zug quer durch die Innenstadt unterwegs waren!

So geschah es, dass ich mit meiner Freundin im Schlepptau einen Satz auf die Abfahrtsplattform meines Zugs nach Dresden exakt da machte, als die Türen mit dem charakteristischen Krachen zuschlugen. Nur noch die Hand konnte ich an die kühle Außenhaut des Zuges mit den hermetisch verriegelten Türen legen, welcher sich ganz langsam unter ihr zu bewegen begann und dann immer schneller vom Gleis rollte...

Die nächste Bahn ging genau zwei Stunden später: Also gut, noch ein großes Glas Sauerkirschsaft im Café am Bahnhof, sowas ist ja nicht schlimm an einem lauen Sommerabend. Mich beunruhigte höchstens leicht die Feststellung, dass das für den verpassten Zug gebuchte Ticket ja nun auch hinfällig war...

Kurz vor Abfahrt bemerkten wir, dass der spätere Zug ausgerechnet samstags um diese Zeit aber nur noch bis Leipzig verkehrt; nix da Elbflorenz! Nach einigem Grübeln entschloss ich mich, eine Verbindung bereits zehn Minuten früher zu nehmen - Endziel Berlin, aber ebenfalls über Leipzig. Irgend einen Anschluss würde ich da schon finden.

Als ich dann drin saß und sich die Zugbegleiterin nahte, zückte ich mein verfallenes Ticket und schilderte ihr kurz und etwas bang mein Problem. Fragte, ob und wann ich ab Leipzig weiterfahren könne. Die Schaffnerin zog ihr Smartphone hervor, schwenkte es auf der Suche nach Netz ein paarmal herum, fand dann schnell eine Weiterfahrt schon 15 min nach meiner Ankuft in Leipzig vom Gleis gegenüber.
Mein Ticket stempelte sie gelassen und kritzelte für den Zugbegleiter im Anschluss mit Kugelschreiber noch den Vermerk "Zugpreisbindung aufgehoben!" darunter. Mit einem Lächeln übergab sie mir meine nun wieder gültige Fahrkarte. Was war bzw. bin ich der Frau dankbar!

Als später noch ein junger Zugbegleiter durch die Gänge lief und den abendlichen Fahrgästen diverse Erfrischungen anbot, u.a. mit dem launigen Spruch "Warum nehmen Sie nicht einen Rotwein? Da können Sie mich gleich besser ertragen!", war ich restlos überzeugt: Die Deutsche Bahn beschäftigt ausgesprochen freundliche, hilfsbereite und entspannt wirkende Angestellte! Wer hätte das gedacht?
So sympathisch kann Deutschland eben auch sein - ich hoffe, es bleibt so.

Freitag, 29. Juli 2016

Wundervolles Deutschland. Und auch wieder nicht.



Der Duft des deutschen Waldes....

Wie schön ist es, einen geschlungenen Waldpfad entlangzuspazieren - durch die Wipfel der Laub- und Nadelbäume fallen zwischen dunklen Baumschatten zitternde Sonnenflecken auf den Weg, rechts plätschert unterhalb dichter Springkrautbüsche ein klarer Bach, links steigt saft von den vielen vertrockneten Nadeln fluffiger brauner Boden an, bewachsen von gelegentlichen Farnen und Pilzen, wenn man Glück hat... Und vor allem duftet es so frisch und würzig, wie eben nur ein sommerlicher Wald duften kann!

Ja - momentan ist Sommerpause in Deutschland angesagt. Die Groß-Familie ist mal wieder komplett. Alte und neuere Freunde werden besucht, europäische Kultur bis zum Anschlag genossen... Reich an natürlicher und architektonischer wie kultureller Vielfalt ist unsere Heimat allemal. Schön, erfüllend, ja sogar glücklich machend.

Und dann ist da doch eine Sache, die verunsichert. Eine große Anzahl von Gesichtern, die einem auf der Straße, in Läden und bei Veranstaltungen entgegen kommen. Griesgrämig, verbiestert, aus engen Augen geradezu darauf lauernd, dass man irgendetwas tut, das "man aber nicht macht!!!" (z.B. an der Supermarktkasse zu langsam mit dem Einpacken der Tüten sein o.ä.).


"Deutschland hat sich im punkto Lebensqualität enorm verbessert. Dass es als bevölkerungsreichstes Land Europas so nah an die Top-3-Länder Norwegen, Niederlande und Finnland herangerückt ist, ist eine beachtliche Leistung", sagt Heinrich Rentmeister, Partner und Managing Director bei BCG. "Die Länder, mit denen wir uns aufgrund der Größe vergleichen würden, zum Beispiel Frankreich, USA oder Großbritannien, stehen ganz anders da." (Quelle)

Diese Meldung fand ich vor kurzem in der Presse. Die Studie der Boston Consulting Group ergibt, dass Deutschland gerade in den letzten Jahren in diesem Bereich stark aufgeholt hat - und das allen Klagen über soziale Ungerechtigkeiten, Niedriglöhne oder -renten zum Trotz! Doch offensichtlich ist dies ein Klagen auf hohem Niveau – auf einem sehr hohen sogar. Im internationalen Ranking für wirtschaftliches Wohlergehen erzielt Deutschland mit dem 4. Platz sein bisher bestes Ergebnis; lediglich die bevölkerungstechnisch kleinen Ländern Norwegen, Finnland und die Niederlande bieten ihren Bewohnern noch größeren Wohlstand.


Für mich passt das nicht gut zusammen. Woher kommt es, dass es den Deutschen mehrheitlich in Sachen Wohlstand besser geht, als fast allen anderen Bewohnern dieses Planeten - und doch erschrecke ich jedes Mal, wenn ich nach einem Jahr in einem anderen (wirtschaftlich, politisch,... ) weniger günstig gestellten Land hierher komme und mir das auffällt. Aus einem Umfeld, wo fremde Menschen mir oder uns im Alltag - ungeachtet dessen, was diese Menschen möglicherweise selbst an Sorgen und Nöten mit sich herumtragen! - höflich, freundlich, sehr oft mit einem Lächeln begegnen.

"How are you?" grüßte ich einst, wie fast täglich, eine der einen stets fröhlich anstrahlenden nepalesischen Kassiererinnen in "meinem" Supermarkt. "Fine, and you?", kam die standartisierte, darum nicht weniger freundliche Antwort von ihr. Da ich wusste, dass am Tag zuvor ein schlimmes Erdbeben mit vielen Toten im Nepal gewütet hatte, fragte ich noch einmal nach: "Wirklich? Auch zu Hause alles gut?" Da erstarb kurz das Lächeln, das sonst jedem Kunden gilt: "Na ja, nicht wirklich.  Mein Dorf war betroffen. Momentan weiß noch keiner, ob meine Schwester noch lebt..." Ich sprach ihr einige Momente billiges Mitgefühl aus, bis der nächste Kunde seine Waren aufs Band sortierte. Auch diesem wurde auf seine Frage nach dem Befinden von der Kassiererin ein freundliches "Gut. Und Sie?" entgegengebracht.
Denn: Was geht es den Kunden an, dass man Kummer hat - er kann schließlich nichts dafür?!

Und dann, in der alten Heimat, tragen so viele das Gesicht dauerhaft zur Faust geballt. Bisschen traurig, das. Und nein - das ist keine möglicherweise aktuelle Reaktion auf die hässlichen Mordanschläge zuletzt in diesem Land; diese Beobachtung mache ich schon seit Jahren.


Wahllos herausgegriffene Begebenheiten


1) Ich gehe mit der kleineren Tochter im Dorf spazieren. Sie liebt Natur, erspäht jeden Marienkäfer, jeden kleinen Pilz, freut sich auch über diese hübsche Pfanze mit den weichhaarigen Blättern (ich nenne sie "Eselsohr", offiziell heißt das wohl Silberblatt). Kauert sich vor einem Eigenheim in den Rinnstein, weil vor dem Zaun eben so eine Pflanze die Ausfahrt mit hunderten dieser wolligen Blätter bewuchert und streichelt entzückt darüber.
Es schleicht sich von hinten zügig die ältliche Hausbesitzerin an. Als ich mich ihr zuwende ("Guten Tag!"), zischt sie mit verkniffenen Lippen ein süßliches: "Na - du pfückst hier wohl Blüüümchen?!"  Als ich erkläre, dass meine Tochter die weichen Blätter streichelt, ich habe das als Kind auch getan - sie wohl nie?!, erwiderte die Dame pikiert: "Nun ja, streicheln geht ja noch..."
Hallo?!? Die hatte wohl Angst, dass meine Tochter ihr Unkraut im Schnittgerinne klauen will.

2) Mit Tochter sowie meiner Freundin und deren Sohn sind wir Minigolf spielen. Schönes Wetter, überall Ferienkinder, lustiges Spiel. Man hat dort ungefähr fünfzehn verschiedene Golf"anlagen", dazu einen Laufzettel, wo man das jeweilige Ergebnis der Mitspieler vermerken kann.
Wir sind gerade an einem Loch angekommen - da stellt sich hinter uns ein Ehepaar und beobachtet mit Argusaugen jede unserer Bewegungen. Als unsere Kinder den Abschlag auch einmal mehr als vielleicht "reglementgemäß" üben, tuscheln sie sich mit finsterem Blick zu - absichtlich hörbar auch für uns - dass das aber "mehr als fünf Mal" waren! Meine Freundin wendete sich an die Leute und wies sie freundlich darauf hin, dass sie nicht zwingend warten müssten, bis wir alle vier an Loch 6 fertig sind. Sie könnten jederzeit auch erst einmal Loch neun, elf oder fünfzehn absolvieren, wo gerade niemand zugangen war... Am Ende sieht man ja auf den Laufzettel, was noch zu absolvieren ist.
Die Leute waren von diesem sinnvollen Vorschlag überhaupt nicht überzeugt. Sie "mussten" alles der Reihenfolge nach machen - und haben dabei bestimmt ewig gebraucht; die Zeit konnten sie dann bestimmt weiter zum grimmig Gucken und fiese Bemerkungen machen nutzen...

3) Der ergraute Autofahrer, der an einer Baustelle hinter mir am Hang in seinem schicken neuen BMW (sorry, kein Klischee, es war wirklich einer) zu warten genötigt ist. In der Reihe an mir vorbeiflutender Fahrzeuge entsteht eine kleine Lücke - ich kann jedoch (anders als der Herr hinter mir) bereits deren Fortsetzung an der nächsten Hügelkuppe sehen. Also warte ich - der schnittige Vorrentner hinter mir allerdings gibt mir ('vertranter Frau in ihrer alten Klapperkiste'....?!) mit wildem Gehupe zu verstehen, dass ich losfahren solle (und somit in den Gegenverkehr rauschen)!
Der Herr hat mich dann auch noch mit grimmigem Ausdruck an einer 70-km-Einschränkung mit bestimmt 100 Sachen überholen "müssen"; allerdings zuckelte er dann direkt vor mir die nächsten 20 km in der Autoschlange von Ampel zu Ampel...

Bleibt locker


Dreijährige brauchen feste, man kann schon fast sagen: rigide Regeln, um das Klein-klein des Alltags mitten in den turbulenten Ausbrüchen ihrer Trotzphase bewältigen lernen zu können und dadurch später selbstständige, erwachsene Menschen zu werden.
Wenn allerdings 60-jährige immer noch starr in kleinkarierten Regeln festhängen, frage ich mich besorgt, ob sie die Kleinkindphase geistig je verlassen haben?! Auf jeden Fall würde das auch vielleicht ein paar politische Tendenzen erkären...

Häufig hört man ja in Deutschland, "die Jugend" sei achtlos, unhöflich und rücksichtslos. Nun ja, ich kenne darüber keine statistischen Erhebungen. Was mir auf meinen kursorischen Stippvisiten jedoch auffällt, ist, dass - bis auf bestimmte Ausnahmen - fast alle Menschen unter ca. 40 mir in Deutschland nett und hilfbereit erscheinen, die haben auch mal ein freundliches Gesicht aufgesetzt
Grußlos, verbiestert und Beschimpfungen über "Vergehen", die nur sie selbst erkennen, vor sich hinmurmelnd - das sind fast immer eher Verteter der "älteren Generation"! Grauköpfe. Menschen, von denen man ja eigentlich eher lernen können sollte... üblicherweise  so etwas wie Liebe, Gelassenheit und Nachsicht beispielsweise.

Ich möchte sagen: Junge Leute - Bloß nicht! Bleibt heiter und offen, werdet bitte nie so kleinkariert, miesepetrig und verbittert wie diese Alten. (Und nein: nicht alle Alten hatten ein so viel schlimmeres Schicksal, als es manche Junge möglicherweise ja auch haben oder hatten....)

So, ich gehe jetzt eine Runde in den Wald! :-)


Dienstag, 5. Januar 2016

Ohne Moos nix los


Wir waren ja - wie jedes Jahr - über die Weihnachtstage daheim in Deutschland, haben Familie und Freunde gesehen. Es war schön wie immer.
Einer der ersten "Gänge" ist dann immer erst einmal in den Wald - darauf bestehen auch meine Mädels. Wenn man ihn nicht mehr jederzeit 'hat', merkt man, wie zauber- und märchenhaft so eine Ansammlung von Gehölz doch ist. Und wie geradezu berauschend dort die feuchte Erde, das Laub, die Nadeln, morsches Holz und natürlich auch das Moos duften!

Dass das Verhältnis zum in Europa vulgo als "schlechtem" (Regen) bezeichneten Wetter sich in anderen Gefilden geradezu gegensätzlich umdrehen kann, habe ich an dieser Stelle ja schon gelegentlich thematisiert. Dennoch finde ich es immer wieder witzig, wenn die Kinder in den Emiraten aus der Schule ins Freie stürmen, weil es auf einmal etwas REGNET!

Vorgestern war hier ein ungewöhnlich "schöner Tag!, bedeutet: Es goss regelrecht vom Himmel. Als ich, aufgrund der unüblichen Straßenverhältnisse etwas verspätet, mit den Kindern beim unserem syrischen Kieferorthopäden eintraf, stand dieser doch fröhlich vor dem Hochhaus, in welchem sich seine Praxis befindet: "Oh Hallo, gutes neues Jahr!", rief er uns strahlend zu, "Geht schon mal rein. Ich komme gleich, ich genieße nur noch schnell bisschen den Regen!"

Da ich den Duft des Waldes hier so vermisse, habe ich diesmal etwas "eingeschmuggelt" - nämlich in Deutschland abgezupftes Waldmoos. Das hat hier in der Küche eine Schale mit feuchter Erde bekommen, und ich hoffe sehr, es wird trotz der Entfernung zum Heimatwald doch gedeihen. Momentan riecht es leider gar nicht mehr so richtig "moosig". Na, vielleicht kommt das ja nach etwas Akklimatisierung wieder?!



Experiment: Wird deutsches Waldmoos unter Wüstenbedingungen gedeihen?

Donnerstag, 6. August 2015

Kurzer Zwischenruf

Liebe Leser,

doch, ich lebe noch - sogar gut. Deutschland ist immer noch grün, und heimatlich, und alles. Der Kuchen schmeckt, der Wein auch, der Wald rauscht, und manchmal regnet es zu unserer Freude sogar...

Allerdings ist es hier in technischer Hinsicht oft nicht so fortgeschritten, wie in den Emiraten ;-)  
Öffentlich zugängliche W-LAN- bzw. WiFi-Netze gibt es kaum. So auch nicht in der gegewärtigen Pension, welche wir bewohnen. Selbst die Inbetriebnahme von Geräten, welche dem Abhilfe schaffen sollten, scheitern daran, dass Prepaid hierzulande nicht sehr verbreitet und wenig differenziert ist. So bin ich also derzeit wieder die meiste Zeit sehr schön 90-er Jahre-mäßig off-line. Was nicht schlimm ist - immerhin soll man sich ja zumindest in den Ferien auch mal bewusst "ausstöpseln"!

Nur geht es mit dem Blog dann auch nicht so regelmäßig wie immer voran. Aber versprochen: Ab spätestens September poste ich hier wieder in gewohnten Abständen über das Leben in den Emiraten und alles, was dazu gehört!

Kommen Sie gut über den Sommer!

Dienstag, 14. Juli 2015

Deutschland durch halb-fremde Augen



Meine Kinder und ich halten uns nun schon wieder - wie jedes Jahr um diese Zeit in den Sommerschulferien - seit ein paar Tagen in Deutschland auf, genauer: im reizvollen Sachsen. Es ist jedes Mal schön, die Heimat, die Landschaft, Familie und Freunde wiederzusehen.

Heute haben wir drei einmal querbeet ein paar Dinge zusammengetragen, welche uns im Vergleich zwischen unseren beiden "Heimatländern" - dem Ursprung und dem momentanen Gastland - spontan aufgefallen sind. Ich halte die Aufzählung bewusst naiv:



Alles ist so herrlich grün: Während hier in Deutschland überall, wo man nichts dagegen unternimmt, etwas Grünes vor sich hinwächst, sprießt in den Emiraten dort, wo man nichts dagegen unternimmt, so gut wie gar nichts von selbst...

Erdbeeren und Kirschen kann man selbst pflücken: Im Garten, nicht aus dem Supermarktregal!

Dort, in den Emiraten, sind die Autos in der Regel groß und weiß. Hier, in Deutschland, sind sie klein und bunt.

Deutsche Straßen sind vergleichsweise oft erstaunlich schmal, gewunden, manchmal baulich bedürftig und: Es gibt Gegenverkehr!

Geht man an einem gewöhnlichen Wochentag über den Marktplatz einer Kleinstadt, fällt dem "neu" Hinzugekommenen auf: Es laufen ungleich mehr Alte als Junge an einem vorbei. Vor allem ist der Kontrast mit den Emiraten groß, wo schätzungsweise die Mehrheit der Bevölkerung unter 35 ist!

Der Bestand an historischen oder auch nur "alten" (ca. 100 Jahre) Häusern in Deutschland im ist frappierend Vergleich zu dem fast komplett aus Neubauten aller Couleur bestehenden Emiraten - dort werden ca. 30 Jahre alte Bauten bereits wieder abgerissen! "Werterhaltung" ist wohl noch eher ein deutscher Begriff.

In Deutschland ist der Himmel....manchmal HIMMELblau :-)  und voller Wolken. Ab und an ist er auch grau und regenschwer. In den Emiraten fehlen Wolken und auch Farbe meist ganz, man fragt sich: Ist da oben überhaupt Himmel?

Mülltrennung. Draußen auf der Dorfstraße liegen gerade stapelweise Gelbe Säcke; ich muss schnell meinen noch dazustellen! Das wird ernst genommen. In den Emiraten gibt es zwar bereits getrennte Tonnen - doch bis die Menschen sich dort ans Mülltrennen gewöhnt haben werden - und bis die Müllarbeiter die Tonnen am Ende nicht gleich wieder in dasselbe Müllauto kippen.... wird wohl noch einiges an Zeit vergehen.
Andererseits: Dem Thema "Erneuerbare Energien" wird gerade in Abu Dhabi in letzter Zeit sehr starke Aufmerksamkeit gewidmet; ein Trend, der dort gerade so richtig "abhebt" und staatlich stark gefördert wird.

Der Duft von Natur in Deutschland - gerade nach Regen - ist unvergleichlich schön. Einer meiner Lieblingsdüfte! (gibt's den auch als Parfüm??)

Alte Biergärten unter riesigen Kastanien oder Linden hier - vs. Hochglanzbars mit allem Chic dort. Hat beides 'was für sich...

An der Supermarktkasse ist die Kassierin so flott, dass man kaum hinterherkommt mit Schauen. Was ohnehin ungünstig ist, denn inzwischen sollte man ebenso flott seine Einkäufe in Tüten werfen - kein Angestellter des Supermarkts, der das für einen erledigt...

Traditionelle Kleidung im Alltag (lange weiße Khandura und weißes Kopftuch mit Kordel für die Männer, schwarze Abahja und Kopftuch und -  je nach Modernität der Familie - ein oder kein Gesichtsschleier)  ist in den Emiraten normal und die Regel. Dirndl und Lederhosen werden in Bayern zu Anlässen durchaus getragen - der Rest der Bevölkerung geht in H&M, Esprit oder Boss (je nach Geldbeutel)


Sobald die Temperaturen in Deutschland über 25 Grad steigen, sieht man in der Öffentlichkeit überall auf einmal Männer mit mehr oder minder attraktiven, freien Oberkörpern; bar jeglichen Shirts. In den Emiraten würde das unter "Erregung öffentlichen Ärgernisses" zählen!

Was Deutschland an schöner und vor allem abwechslungsreicher Natur zu bieten hat, machen die Emirate auf ihre Art mit Vergnügungsparks aller Art wett (Ferrari-World Abu Dhabi, Ski Dubai, 4-D-Kino, gigantische Wasserparks, Trampolinhallen, Schmetterlingspark Dubai uvam.)

In den Emiraten bekommt man ein Lächeln geschenkt - kostenlos, immer und überall; ob an der Tankstelle, an der Ladenkasse, im Restaurant, einfach so im Vorübergehen... In Deutschland lächeln die Menschen meist erst, wenn sie einen (er)kennen. Auch in Sachen Höflichkeit schlägt das Zünglein an der Waage wohl etwas mehr Richtung Emirate aus!