Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Dienstag, 20. Juni 2017

Abschied von Abu Dhabi - Ma'a salama



Bei TRIPADVISOR wurde die Sheikh Zayed Moschee Abu Dhabi 2017 zur zweitbedeutendsten Sehenswürdigkeit der Welt gewählt, gleich nach Angkor Wat. 



Das hier ist mein Abschieds-Beitrag.

Abschied zumindest von den wahrlich zur Zweitheimat gewordenen Vereinigten Arabischen Emiraten und Abu Dhabi. Abschied auch von diesem Blog, das mit unserer Rückkehr nach Deutschland nun endet.
Ich werde die Texte jedoch stehenlassen - in der Vergangenheit scheinen sie manchem aus nah und fern zur Information oder auch Unterhaltung gedient zu haben. Das sollen sie gern auch weiterhin.

 
Leeres Haus, voller Terminplan.
                                                    Abschiede, Abschiede, Abschiede.
                                                                                                              Expat-Leben eben.


Abschied vom Haus, vom Compound, vom Auto. Von der Schule, vom Fitnessstudio, vom warmen Meer, von der endlosen Dünenlandschaft der Rub Al-Khali. Vom Blick aus dem Fenster vor meinem Schreibtisch auf die Bougainvillea gegenüber. Vom Lieblingssupermarkt, der Lieblings-Mall, dem Lieblingspark, der Lieblings-Bar, den Lieblingsgebäuden, dem Lieblingsstrand. 
Viele "Noch ein letztes Mal ..."-Wege wurden gegangen: "Fotos" machen - mit den Augen und allen anderen Sinnen.

Abschied von guten Freunden. Doch auch anderen liebgewordenen Menschen, von denen man manchmal kaum den Namen kennt, mit denen man aber regelmäßig im Vorbeigehen ein Lächeln tauscht. Da steht man dann - auf der eigenen Farewell-Party, in der Schule zwischen Tür und Angel oder im Supermarkt - man verabschiedet sich diesmal "für immer", und denkt: 'Wie gern hätte ich sie, hätte ich ihn näher kennengelernt; mehr Zeit verbracht." Aber ach ...
Allerdings, man weiß ja nie! Wie oft schon haben wir jemanden in dem einen Land zurückgelassen (oder die Person uns) - nur um sich dann in einem ganz anderen wiederzutreffen?! Dass moderne soziale Kommunikationstechniken es heute leichtmachen, die anderen nicht ganz aus den Augen zu verlieren, manchmal auch Kontakte wieder zu intensivieren, sich zu besuchen - das macht den sich ausbreitenden Abschiedsschmerz zumindest etwas leichter.

"Was ist es, was für dich einen Ort wohnlich macht, dass du dich heimisch fühlst?", könnte man  fragen. Die Antwort ist einfach. Es gibt viele Gründe, aber am Ende ist es immer nur einer, der wichtigste, der Hauptgrund: die Menschen! Ich bin oft beglückt, was für unterschiedliche, jeder auf seine Art mich bereichernde Menschen ich mit den Jahren kennenlernen durfte. Durch viele habe ich etwas Neues erfahren, manchmal auch, ja, sagen wir es ruhig: Vorurteile abgebaut. Die Menschen sind das wichtigste Gut an jedem Lebensort.


Abschiednehmen - wo ist "Zuhause"?


Abschied nehmen muss ich auch vom wohligen Gefühl, dass keiner hier verlorengeht: Abu Dhabi wurde vor Kurzem in einer Studie zur sichersten (Groß-)Stadt der Welt erklärt. Hier bekommt man, wenn man Kreditkarte und Bargeld verschusselt hat, diese noch hinterhergetragen; Autos kann man unverschlossen herumstehen lassen, vergessene Taschen, Smartphones oder andere Dinge erhält man normalerweise verlässlich zurück; auch Gewaltkriminalität kommt kaum vor.

Ich muss mich verabschieden vom Blick in meinen Garten mit den hohen Bäumen, von Straßen und Plätzen, von Oud-Beduftung in Geschäften und typischen Geräuschen. Vom ganzen Alltag hier. Lokaltypischen Gewohnheiten wie: Ramadan-Schulbuszeiten; der Freitag ist der Samstag; ein Brunch beginnt mittags um eins, Schulen geben kein hitzefrei  ;-)

Wieder einmal ist ein Lebensabschnitt deutlich sichtbar abgeschlossen. Die ältere Tochter hat nach dem Abitur hier nun ihr eigenes Leben in Deutschland begonnen. Für die restliche Familie wird es bald ebenfalls ein "Sich-neu-Erfinden" am neuen Ort geben, geben müssen.

Und, da man diesen Satz ja oft zu hören bekommt: "Na IHR seid das ja gewöhnt - umziehen, Abschied nehmen; das ist ja für euch nicht so schlimm" ...
Doch. Es wächst einem als Expat nicht etwa automatisch so eine Art "Seelen-Hornhaut"! Nein, man gewöhnt sich nie wirklich dran. An die ganzen Verabschiedungen - oft für immer - schon gar nicht. Man nimmt es eher als Teil des Ganzen mit in Kauf.

Tränen. Die gehören wohl mit dazu ...


So karg. Und vielleicht gerade daher: so spirituell! Der Anblick der Wüste streichelt die Seele.


Heimkehr: Man badet nie zweimal im selben Fluss


Das unsichtbare Problem mit der Heimkehr ist: In der alten Heimat glauben die meisten ja, dass wir nun endlich "nach Hause kommen". Diese Fraktion ist witzigerweise quasi identisch mit der, welche uns bei jedem Urlaub fragt, ob man "sich denn schon eingelebt" habe. (Nein, deshalb bin ich ja dort auf Urlaub: Weil ich eben NICHT da lebe!)
Der Widerspruch, sich bei jedem Urlaub für ein paar Tage einleben zu müssen, jedoch nach 20 Jahren Abwesenheit - mit kurzen Unterbrechungen -  quasi durch Zauberhand einfach so wieder "heimkommen" zu können, fällt dabei wohl nicht weiter auf.

Also bitte, liebe Daheimgebliebenen: Wenn ihr demnächst die Feststellung trefft, die wohl alle Expats nach einigen Auslandsjahren zu hören bekommen, nämlich: 'Du musst ja SO froh sein, endlich wieder zu Hause zu sein?!" - wird meine Antwort wohl eher ein "Muss ich erst einmal rausfinden. In Wirklichkeit habe ich nämlich mein gefühltes Zuhause soeben erst eingebüßt."

Ein weises Sprichwort besagt, man könne nicht zweimal im selben Fluss baden, denn der Fluss verändere sich ständig. Nicht nur meine alte Heimat hat sich optisch, vor allem aber auch politisch verändert, auch die alten Bekannten haben derweil ihr eigenes Leben weitergelebt.
Doch auch ich selbst werde mich wohl in zwanzig Jahren irgendwie ein wenig entwickelt haben (hoffe ich zumindest); und dies durch die internationalen Erfahrungen möglicherweise noch einschneidender als ohnehin mit wachsender Erfahrung und Lebenszeit.

Ich komme also nicht einfach so heim. Es ist möglich, dass es sich zuweilen wie ein weiteres fremdes "Gastland" anfühlen wird. Auch damit werde ich, werden wir uns zu arrangieren lernen müssen. Fachleute für internationale Umzüge wissen, dass heftiger als der erwartbare Kulturschock beim Umzug in eine völlig fremde Umgebung die vergleichsweise vermutete 'leichte' Rückkehr ins Heimatland ist. "Reverse culture shock" heißt das Phänomen, umgekehrter Kulturschock.


WAS ICH    N*I*C*H*T   VERMISSEN WERDE:


* Kakerlaken!!! Durch alle unsere Gastländer haben sie uns "begleitet", aber ich will fortan keine einzige mehr sehen müssen. Noch nicht einmal in künftigen Urlauben.

* bei 45 Grad im Schatten in ein Auto einsteigen zu müssen, das jedoch bereits längere Zeit nicht im Schatten gestanden hat (und damit gut und gern 70 Grad Innentemperatur hat)

* dass es hier im Wüstenland so gut wie nie nach "Natur" riecht

* Familienleben, das sich an einer hier branchenüblichen 6-Tage- à 12- Stunden-Arbeitswoche des Verdieners orientieren muss

* bei jedem Flug nach Deutschland (oft für ganze zwei Monate Sommer) und bei jedem Flug zurück hierher zu grübeln, wie man nur alles in 23 kg Fluggepäck unterbringen soll?...


Emirates Palace, Abu Dhabis großartigstes Hotel und Fotokulisse


 WAS ICH AN ABU DHABI VERMISSEN WERDE:



* Niemals Kälte, kein eisiger Wind bei nasskalten 3°C und Matsch an den Füßen. Niemals mehr anziehen zu müssen als ein T-Shirt oder Sommerkleidchen und Schlappen.

* Fast immer heiter und entspannt wirkende Menschen - egal wo, die einen anlächeln - einfach so!
Diese Freundlichkeit äußert sich auch in netten Gesten weniger Begüterten gegenüber, ich verweise als Beispiel auf die aktuelle "Sharing Fridge"-Kampagne, mit welcher Ehrenamtliche dafür sorgen, dass Arbeiter schnell und kostenlos erfrischende und hochwertige Lebensmittel "für zwischendurch" finden. Auch Weiterbildungsmaßnahmen für Arbeiter kommen gut bei diesen an.

* Die erstaunliche Vielfalt an Akzenten um einen herum, die das Englische annehmen kann

* Die freundlichen Security Guards an der Schranke zu unserem Wohncompound, die immer lächelnd winken, als freuten sie sich tatsächlich über meine Rückkehr

* Toleranz verschiedenster Art. Seien es die Nicht-Moslems, die hier z.B. recht selbstverständlich während des Ramadan nicht vor den Augen fastender Moslems essen und trinken. Seien es wiederum jene, welche in ihrem Land die Andersgläubigen in den Bars problemlos Alkohol trinken lassen. Seien es die Weihnachts- und Oster-, die Ramadan- und die Diwali-Dekorationen in den Läden.

Sei es in der Stadt Al Ain die St. George Jacobite Syrian Orthodox Simhasana Cathedral, welche unlängst moslemischen Arbeitern zum Fastenbrechen Iftar ihre Türen öffnete und Essen bereithielt.  
In Dubai hingegen öffnete eine Gurudwara (Tempel der indischen Sikhs) für ein Iftar allen ihre Pforte. Neben Sikhs und Moslems nahmen an dem religionsübergreifenden Essen auch zahlreiche Christen und Hindus teil. Anderes Beispiel: Die bisherige 'Mohammad Bin Zayed'-Moschee in Abu Dhabi wurde in einer großen Geste der Toleranz allgemein und gegenüber den Christen im Besonderen in 'Mary, Jesus' Mother'-Moschee am 14.6.2017 umbenannt, dem Welthumanitätstag.

* Ich schätzte es sehr, problemlos und zügig von A nach B zu kommen: Auf den mehrspurigen Stadtautobahnen gibt es (fast) nie Stau!

Radio 1 und Radio 2

* Chai Karak und Lemon Mint

* Weihnachtsmarkt an der Deutschen Schule: Jedes Jahr an einem Nachmittag im Dezember, sobald es dunkelt, duftet es auf dem Schulhof von Ständen nach frischen Waffeln, gebrannten Mandeln und Apfelpunsch. Zu weihnachtlichen Klängen von der Schulband gibt es passende Deko und kleine Geschenke zu kaufen, Bratwurst und Sauerkraut usw. gegen den Hunger sowie Spiele für die Jüngeren. Diese Tradition ist bei Abu Dhabi-anern jeglicher Herkunft ein sehr beliebtes Ereignis. Das Beste: es ist lau, keiner friert sich die Finger oder Zehen ab auf diesen Weihnachtsbasar!

* Selbst mit größerem Auto immer ausreichende und geräumige Parklücken zu finden

* Gecko "Günther", der auf fast schon magische Weise immer nur morgens zu dem Zeitpunkt hinter dem Elektrokasten vor der Haustür draußen sichtbar wurde, wenn unsere Töchter das Haus zum Bus verließen. Als wolle er "Guten Morgen" sagen! Ebenso mochten wir seine vielen kleinen Verwandten, die uns oft durchs Haus oder über die Wände und Decken huschend begegneten.
Außerdem die kleinen, rosa Tauben hier, die gewitzten Spatzen, die Weißwangenbülbüls (erinnern an Kohlmeisen mit Häubchen). Und natürlich die Mynas, eine Art auf Miniaturformat geschrumpfte Krähenpapageien in Graubraun mit gelben Beinen, die immer paarweise wichtig herumhüpfen und in der Lage sind, alle möglichen Laute und Geräusche zu imitieren

* Frischer Hummus und Tabbouleh zu jeder erdenklichen Tageszeit, für Minibeträge erhältlich!

* Schulbusse. Früh - Haustür auf, Kinder in den Bus. Nachmittags - Bus hält, Kinder wieder daheim

* Ich habe hier selbst tagtäglich erleben dürfen, dass das friedliche Zusammenleben keine schöne, aber ach leider-leider unerreichbare Utopie ist - sondern normaler Alltag in den VAE. Hat was von Garten Eden, wenn dieser erstaunliche Menschen-Mix auf die unspektakulärste, "normale" Art und Weise miteinander auskommt, die man sich nur denken kann. Eben, weil das "Fremde" hier das Normale ist. Selbst, wenn auch hier nicht alle gleich sind: Abfällige Blicke oder gar Worte (geschweige denn Tätlichkeiten) gegenüber "Anderen" wird man vergeblich suchen.

* "Ladies' Nights"! Mehr sage ich nicht   :-)

* Valet Parking: Autoschlüssel abgeben und gut.

* Der Gipfel der Genderisierung - aber so nennt das hier ja keiner: Nämlich, wenn einen die philippinischen Verkäufer und Verkäuferinnen im Laden mit "Hello, MamSir, how can I help you?" begrüßen

* Wie blöd vor die Tür rennen, dort wild herumhopsen vor Begeisterung und hoffen, dass NOCH ein paar mehr Regentropfen gleichzeitig fallen, damit das Instagram-Live-Video auch ansprechend wird

* Die eeeeeeeeendlos erscheinende runde Rechtskurve des Highways zwischen Großer Moschee und Officers Club

* Der weite Blick über die einzigartigen, riesigen Mangroven-Wälder mitten in der Stadt, wenn man die Salam-Street entlangfährt, mit etwas Glück sieht man diverse Wasservögel (u.a. Flamingos) am Ufer.

* Den sakralen Anblick der Großen Moschee selbst - der Sheikh Zayed Grand Mosque - und das ganz besonders zu Neumond, wenn sie (s.o.) in geheimnisvoll irisierendes Blau getaucht ist.

* Spontane Staatserlasse à la: "Morgen fällt für alle die Schule wegen Unwetter / zur Feier der gewonnenen Expo 2020 (o.ä.) aus".

* Unsere vielen, quasi legendären Kostüm- und anderen abgefahrenen Partys, die wir gefeiert haben ("Mangrovianer" und ihre Freunde wissen, wovon ich rede)

* Instrumental-, Sprach- und andere Lehrer, die ins Haus kommen

* "Raus-in-die-Natur-Gehen" auf Arabisch: Wüstenpicknick in den Dünen, und dann Off-road fahren  =  wie Achterbahn, nur kostenlos. Natürlich inklusive Steckenbleiben!

* Supermarkt an sieben Tagen die Woche, von früh um sieben bis Mitternacht

* Dass die Mondsichel hierzulande gemütlich im Nachthimmel zu liegen bzw. schweben scheint -  anstatt, wie in nördlicheren Gefilden, hochkant "Hab-acht" zu stehen.

* Dass alles um mich rum aufspringt (o.k.: aufspringen sollte ...), wenn ich "Yalla!" rufe. Und alles vorbei ist, wenn ich "Khallas!" sage. Ganz ohne Simultanübersetzer.

* richtig gute, frische Datteln und die vielen Fässer am Gewürzstand im Carrefour oder Lulu-Supermarket, wo man nicht nur alle Düfte, sondern auch Gewürze Arabiens genießen, sondern auch lose kaufen kann


* und selbstverständlich auch: Ideen für dieses Blog hier zu sammeln und aufzuschreiben



Blick auf das Ensemble der Etihad-Towers an der Corniche von Abu Dhabi. "Etihad" heißt so viel wie "Union" (der Emirate), so ist auch die einheimische Fluggesellschaft benannt.


Nach fünf Jahren: Gedanken über die Emirate


Ein Wort noch zu unserem ein großes Stück weit "Zuhause" gewordenen und so im Herzen bewahrten Gastland, den VAE.

Das Leben überrascht einen immer dort am meisten, wo man es am wenigsten erwartet, logischerweise. Nie hätte ich früher glauben wollen, dass dieses Wüstenland mit seinen vielen Extremen, ein "Königreich" gar, mir die Vorstellung eines "Modellstaats" in vielerlei (natürlich nicht jeglicher) Hinsicht werden könnte.
Ich möchte es so erklären: Das Idealbild menschlichen Zusammenlebens stellt oft die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel dar. Bis dahin hatten die Menschen, unbesehen ihrer Herkunft und Rasse, friedlich zusammengelebt; selbst eine gemeinsame Sprache hatte sie geeint. Doch der Hochmut, einen Turm bis hinauf in den Himmel bauen zu wollen, hatte Gott erzürnt. Als Strafe verwirrte er u.a. die eine Sprache der Menschen zu unzähligen verschieden, die sie fortan trennten.

In den Emiraten habe ich einen Lebensraum kennengelernt, der diesem Idealbild des Zusammenlebens vor dem Turmbau zu Babel zu ähneln scheint. Mit dem Unterschied, dass der Burj Khalifa mit 830 m momentan noch das höchste Bauwerk der Erde ist - momentan bauen die Emiratis allerdings schon am noch höheren Dubai Creek Tower, um die Saudis mit aktuell angepeilten 1007 m auszustechen ..., ohne dass Gott mit einem Blitzstrahl darauf niederzufahren scheint.

Denn obwohl - das muss man natürlich anmerken - hier zwar nicht alle Menschen "gleich" sind und es große Unterschiede in ihrem materiellen Reichtum gibt, so sieht man doch Menschen aller Farben, Kulturen, Sprachen, Religionen außerordentlich friedlich und tolerant tagtäglich miteinander leben. Selbst wenn sich nicht alle nahekommen, so wird doch jeder vom anderen mit einem Mindestmaß an Akzeptanz und Höflichkeit, zumeist auch Freundlichkeit behandelt.

Außerdem: Mit welcher Art von Skala misst man eigentlich Lebenszufriedenheit? Ist derjenige, der gemütlich auf seiner kleinen Yacht mit einem Champagnerkübel neben sich vor der Küste von Dubai auf den Wellen schaukelt (aus westlicher Sicht = reich) zwangsläufig glücklicher als der hier jätende Gärtner aus Bangladesch (aus westlicher Sicht = arm), welcher mit seinem kleinen Gehalt nicht nur sich, sondern auch noch seiner ganzen Großfamilie daheim, sprich ein halbes Dorf, ein relativ angenehmes Leben verschaffen kann? Das geht problemlos, da er für die Zeit seines Arbeitsvisums in den VAE Kost, Logis und medizinische Versorgung über seinen Sponsor gestellt bekommt.

Ich kann nicht in die Köpfe sehen. Aber was ich im Alltag auf den Gesichtern der Menschen und aus ihren Reaktionen entnehme: Sie wirken eigentlich queerbeet nicht etwa gestresst, genervt, voll passiver Aggression. Sondern freundlich, höflich, entspannt, ja: zufrieden.

Das ist etwas, was ich in anderen Weltgegenden momentan nicht überall erkennen kann. Selbst die "einende Sprache" (Englisch, für viele auch Arabisch) findet man hier wieder, wie in der biblischen Geschichte.

Natürlich gibt es noch mehr solche Schmelztiegel der Kulturen auf der Welt: Hongkong, London, New York, ... Die habe ich aber nicht kennengelernt, deshalb halte ich mich bei meinem Vergleich an die Emirate.

Vielleicht klingen meine Gedanken für manchen zu idealisiert. Ich weiß aber, dass zumindest fast alle meine in fünf Jahren des Expat-Lebens in den Emiraten gewonnenen Freunde und Bekannten verstehen und bejahen, was ich damit meine.
Überdies weiß ich von einer ganzen Reihe an Leuten, die teils schon seit Jahren nicht mehr in den VAE wohnen - und es dennoch weiter als ihr eigentliches Zuhause betrachten.

Irgendwas muss also "dran" sein :-)



Der Wüstenwind wird uns sicher irgendwann einmal 
für einige Tage wieder hierher wirbeln.
Bis dahin sage ich:





Foto Große Moschee: https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/736x/d7/30/0b/d7300b8845dd91c4b996834ccab109bf.jpg




Montag, 20. März 2017

Warum Expats gerne länger in den VAE verweilen

Dubai bei Nacht - mehr als nur optisch anregend
 
"Dubai bubble", die "Blase Dubai" ist ein oft gebrauchter Begriff, der sich auch auf Abu Dhabi anwenden lässt: Gemeint ist dieses recht einmalige Konglomerat an Sprachen, Nationalitäten, Hautfarben, Herkunftskulturen in einem harmonisch wirkenden Miteinander, das bei hohem Lebensstandard den Firnis des "Schneller, Höher, Weiter" trägt, der insbesondere in Dubai mit regelmäßigen Rekorden aller Art gepflegt wird.

Eine neuerliche Studie von DIFC Wills & Probate Registry (WPR) zeigte, dass 64 % der befragten Expats, die für eine bestimmte Zeitspanne zum Leben und Arbeiten in die Vereinigten Arabischen Emirate kamen, signifikant länger als ursprünglich geplant bleiben. Natürlich zählen darunter auch tausende Syrer; Jemeniten oder Irakis, die einfach froh sind, wenn ihre Visa momentan hier einfach stillschweigend verlängert werden.
Der Großteil der "Bleiber" wird jedoch von Expats gebildet, die problemlos in ihre Heimat heimkehren könnten, sich jedoch einfach an den "bubble lifestyle" gewöhnt haben. So blieben i.d.R. die Befragten drei Jahre länger als vorgesehen. Doch immerhin jeder Zehnte von ihnen lebt bereits über 20 Jahre länger zwischen Wüstendünen, Wolkenkratzern, Wasserparks und ständig neuen Attrationen unter dem (fast) immerblauen emiratischen Himmel! Nicht zu vergessen überdies, dass die persönliche Sicherheit in diesem Land extrem hoch ist.

Emirate: hoher Freizeitwert

Lebensgefühl "Laufen und Springen"


Dass sich so viele angezogen und auch länger wohlfühlen in den VAE, hat sicher mit dieser speziellen Atmosphäre zu tun: Ständig entsteht ein neues Wohnviertel, eine neue Mall, ein neuer Park. Es ist dieses "Vorwärts"-Gefühl, das von einer leichten momentanen Stagnation in einigen wirtschaftlichen Bereichen nicht ausgebremst werden kann.
Mir sagte ein Emirati einmal: "Wir Emiraties sind es gar nicht mehr gewohnt zu gehen, um voranzukommen. Wir können inzwischen nur noch rennen und springen - immer weiter!"

Dem Holpern in der Ölbranche will das Land mit diversen Vorkehrungen begegnen, insbesondere dem Ausbau von Tourismus, Handel und erneuerbaren Energien. Unlängst hieß es aus Regierungskreisen (Kronprinz Hamdan von Dubai), dass "2016 der nicht an den Ölsektor gebunde Außenhandel der VAE 1.276 Billiarden AED erreichte. Die Fluktuationen am Weltmarkt beeinträchtigten nicht die performance in diesem Sektor (...) Handel ist nicht nur wichtig für die wirtschaftliche Diversifizierung, es ist auch ein bedeutender Teil unseres historischen Erbes."



Doch nicht nur in diesen Bereichen geht es voran. Wenn man bedenkt, das das Land noch vor 50 Jahren nicht als solches existierte und die Städte nur aus einigen Häuseransammlungen bestanden, doch heute zu den modernsten der Welt gehören, bewegt sich viel.
Die Regeln rund um den Straßenverkehr sind mittlerweile auf westlichem Niveau (mit drastischen Strafen fürs Übertreten). Und es wird für Verkehrssünder auch keinesfalls leichter. Neulich wurde vermeldet, dass die Dubaier Polizei von der Abteilung Verkehrssicherheit gerade eine neue technische Möglichkeit "ausheckt", um Fahrer mittels eines Radars dingfest zu machen, die ohne Sicherheitsgurt fahren oder aber in irgendeiner Form während des Fahrens mit ihrem Mobiltelefon "beschäftigt" sind. Ein Delikt, dass leider bei aller Gefährlichkeit nur allzu verbreitet in den VAE ist ...

Rechte von Haushaltshilfen werden gestärkt


Ministerien sorgen dafür, dass auch  Arbeitsmigranten aus sogenannten "Drittweltstaaten" hier einklagbare Rechte haben - das gilt nicht nur für Bauarbeiter etc. (ich berichtete); dieser Tage wird ein neues Gesetz verabschiedet, das die Arbeits- und Urlaubszeiten, Lohn und sonstige Grundrechte von Haushaltsangestellten eindeutiger als bisher regelt. Es liegt auf einer Linie mit der International Labour Organisations Convention 189 und der Empfehlung 201 über angemessene Arbeitsbedingungen für Haushaltshilfen.

Was möglicherweise noch weitreichender ist: 2015 wurde vom Präsidenten Sheikh Khalifa ein Anti-Diskriminierungsgesetz für die VAE verabschiedet. Darin ist festgeschrieben, dass jegliche Diskriminierung aufgrund von Religion, Herkunft, Rasse, Hautfarbe, ethnischer Zugehörigkeit oder Kaste verboten sind.

Anti-Diskriminierungsgesetz verabschiedet


Insbesondere die Herabwürdigung jeglichen religiösen Glaubens - egal, welches! - und religiös motiverter Hass oder Beleidigung und Herabwürdigung in Wort, Schrift (z.B. soziale Medien) oder Handlung werden gesetzlich verfolgt und bestraft (Geld- und Haftstrafen bis zu zehn Jahren).

Ich frage ich mich manchmal - insbesondere, wenn ich einmal wieder in deutschen Kommentaren zu Medienberichten gelesen habe - warum ausgerechnet HIER so ein Gesetz bekräftigt und unterstrichen wird? Während mir in den sozialen Medien meines Heimatlandes, das diese Dinge längst im Grundgesetz verankert hatte, Beleidigung und Hass auf andere, Andersartige, Andersdenke, anders Betende,.... seit einiger Zeit wie Unrat nur so entgegenquillt, habe ich in fast 5 Jahren meines Lebens in den VAE noch nicht ein einziges Mal auch nur ansatzweise erlebt oder bemerkt, dass hier die Leute aus über 200 Nationen übereinander herziehen, sich vollpöbeln, böse Blicke zuwerfen oder gar tätlich werden - bei so viel geballter "Andersheit" auf den Straßen gäbe es da viele (vorgebliche) Gründe!

Zum besonderen "spirit", der zum Leben in den Vereinigten Arabischen Emiraten positiv beiträgt, müsste man sicherlich auch die oft originellen und realitätsorientierten Aktionen der Regierenden zählen, speziell Sheikh Mohammed bin Rashid al Maktum von Dubai trägt dazu kräftig bei.

So müssen auf seine Initiative hin neuerdings jugendliche Raser, welche auf öffentlichen Straßen gefährliche Motorrad-Stunts vollführen oder sich gar nächtliche Autorennen liefern und damit die Sicherheit aller attakieren, zur "Strafe" - ausgestattet mit orangener Weste - die Gehwege der Metropole reinigen. Die Bilder der Aktion wurden in den sozialen Medien zig-fach geteilt und zustimmend kommentiert

Strafdienst im Zoo für Grausamkeit. https://twitter.com/DXBMediaOffice/status/841985112623456257?ref_src=twsrc%5Etfw
 
Eine andere Zeitungsmeldung erreichte vorige Woche sogar deutsche Medien: Schnell hatte sich im Internet ein grauenvolles Handy-Filmchen verbreitet, das insgesamt drei Männer zeigte, welche eine lebendige, eingesperrte Katze - offensichtlich einem extra darauf scharf gemachten - Rottweilern zum Zerfleischen gaben. Diese Tierquäler wurden innerhalb kurzer Zeit polizeilich dingfest gemacht
Sheikh Mohammed erklärte, dass sie mit diesem "bestialischen Akt grundlegende menschliche Regeln missachtet sowie muslimische Werte verletzt" hätten. Er verfügte, dass sie nun drei Monate lange jeden Tag den Zoo Dubai putzen müssen.

Global Teacher Prize


Sicher tragen solche schnellen und eingängigen Aktionen der Regierung zur Verbundenheit der ständig oder zeitweise hier lebenden Bevölkerung bei. Natürlich gibt es aber auch erfreuliche Anteilnahme anderer Art. Als Beispiel sei genannt, dass gestern die kanadische Lehrerin Maggie Mac Donnell von Sheikh Mohammed bin Rashid al Maktum mit dem auf eine Million US-Dollar dotierten Global Teacher Prize in Dubai geehrt wurde. Die Jury zeichnete die Pädagogin für ihre vorbildliche Arbeit mit Schülern in der kanadischen Arktis aus. Marie-Christine Ghanbari aus dem Münsterland schaffte es als erste Deutsche unter die zehn Finalisten. (Wie, erzählt sie hier im Interview.) Beworben hatten sich mehr als 20.000 Lehrer aus 179 Ländern bei der Varkey Foundation, die jährlich den Preis vergibt.

Maggie MacDonnell mit Scheich Mohammed Bin Raschid Al Maktum bei derVerleihung des Global Teacher Prize in Dubai  (Foto: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/bild-1139485-1120102.html)

Dubais Herrscher: Spaziergänge in der "Masse"


Klar, solche internationalen Anlässe in die VAE zu holen und o.g. Auftritte diverser Art sind nicht zuletzt für die emiratischen Emire auch medienwirksam und PR-Arbeit im eigenen Interesse. Doch stets fällt einem insbesondere als Nicht-Emirati auf, wie volksnah die "Könige" hierzulande unterwegs sind.

Der 2004 verstobene Staatsgründer, Sheikh Zayed bin Sultan Al Nahyan, ist ein geradezu legendäres Beispiel dafür. Regelmäßig hört man hier Geschichten von Leuten, die ihm zu Lebzeiten persönlich begegnet sind, weil er eigentlich ständig in seinem Land, unter seinen "Schäfchen" unterwegs war und mit den Menschen ins Gespräch kam.

Auch die heutigen Regierungschefs knüpfen an diese emiratische Tradition an. Wer "Scheich Mo", wie ihn seine Bevölkerung liebevoll nennt, noch nicht selbst in Dubai begegnet ist, kann regelmäßig in den sozialen Medien erleben, wie er "inkognito" (aber natürlich erkennt man ihn überall) in Shopping Malls, auf Festivals, zum Essen mit einigen Verwandten und Freunden in öffentlichen Cafés sich unters Volk mischt (hier ein Clip, wie er in einem vollbesetzes Café an der Dubai Mall Platz nimmt).

Auch der "König" wartet an der Ampel auf Grün


Vor wenigen Tagen machte ein Clip die Runde, wie der Herrscher von Dubai sowie Premieminister und Vizepräsident der VAE zu Fuß mit einigen Emiratis geduldig an einer belebten Ampelkreuzung auf Grün watete (Video hier). Ein Schelm, wer Arges dabei denkt - natürlich auch hier eine geschickt platzierte PR.

Dennoch - interessant fand ich den Kommentar eines Inders darunter, welcher zu bedenken gab: "Wie erfrischend natürlich! Wenn in Indien ein Politiker von A nach B will, sind stundenlang alle Straßen gesperrt!" Das kann ich in Erinnerung an viele, viele Warteminuten - damals, während unserer Jahre in New Delhi - auf polizeilich für "hochrangige Personen" abgesperrten Kreuzungen nur bestätigen ...
By the way ... wie leicht kommt man eigentlich ohne Voranmeldung an hochrangige bundesdeutsche Politiker im täglichen Leben "heran"?

Die VAE feiern jegliche internationalen "großen" Feste


Zum guten Schluss. Was ist es, was es den hiesigen vielen Expats so leicht macht, ihre Verträge verlängern zu wollen  - neben Sonne, Sand, Entertainment und persönlicher Sicherheit? Es gibt einfach ein gutes, ein "willkommenes" Gefühl, wenn im islamischen Land VAE vor Weihnachten überall die Weihnachtsdekorationen, weihnachtliche Märkte und Kulturveranstaltungen sowie Christmetten das entsprechende, von daheim gewohnte "Flair" verbreiten.
Vor Diwali kann sich die hinduistisch geprägte Gast-Bevölkerung über entsprechenden Zierrat in den Malls freuen; großartig und farbenprächtig wird für die fernöstlichen Expats das chinesische neue Jahr begangen!

Hotel Burj al Arab in "irischem" Grün am 17.3. anlässlich des St. Patricks Day

Vorigen Freitag, am 17. März, erstrahlten alle wichtigen Gebäude hierzulande in sattem Wiesengrün - vom Burj al Arab über den Burj Khalifa in Dubai bis hin zum Hotel Yas Viceroy oder dem "Schiefen Turm", dem Capital Gate, in Abu Dhabi.
Wer sich nun vielleicht fragt, warum an diesem Tag alles knallgrün aussah - da er oder sie vielleicht weder mit Irland noch mit den VAE vertraut ist: Ganz einfach. Der 17. März ist St. Patricks Day! Dieser Tag wird in der römisch-katholischen Kirche zu Ehren des Heiligen Patrick begangen, und insbesondere von den Iren, als deren Schutzpatron der Heilige gilt. Da Grün die irische Nationalfarbe ist, erstrahlt also für die irischen Landsleute in den VAE an "ihrem" Tag alles in dieser Farbe.
Man bedenke: Es ist der Tag eines katholischen Heiligen, welcher unter den Iren meist mit sehr viel Bier etc. gefeiert wird ... und das mit Einverständnis und Fürsorge des islamischen Gastlandes.

Nicht überall auf dieser Welt fühlt man sich als Ausländer in seiner "Anderartigkeit", mit seinen heimatlichen Bräuchen und Festen so akzeptiert und umsorgt, wie in den Vereinigten Arabischen Emiraten ... Das macht es logischerweise schwerer, diese zu verlassen.


Mittwoch, 23. Dezember 2015

Weihnachtsgrüße


Diese kommen von mir diesmal aus dem - allerdings nicht gerade winterlich-weißen, wie von unseren Kindern natürlich erhofften - Deutschland.
Bevor die Geschenkeschlacht und vor allem aber hoffentlich auch das naht, worauf der Deutsche gern Wert legt - nämlich die weihnachtliche Besinnlichkeit und Ruhe... möchte ich noch ein paar heitere, interkulturelle Bilder zum Thema aneinandereihen.

Während in den winterlich-kühlen Emiraten (kaum noch über 20°Grad!...) Geschäfte, Plätze und viele Wohnungen so weihnachtlich geschmückt sind wie anderswo auch, wirkt das vor der ursprünglichen, wüstennomadischen Kulisse durchaus etwas schräg...


Schön, nicht? Vor allem "schön seltsam", der Weihnachtsbaum vor Dattelplamen! - in einer Wohnanlage in Abu Dhabi.

Plastik-Krippe im emiratischen Supermarkt
Wenn sich manche im - meist ja doch eher un-christlichen - Deutschland vor der vermuteten, baldigen "Übernahme" durch islamische Riten und Lebensweise graulen, quellen in den moslemischen Emiraten die Schaufenster und das Warenangebot über vor christlichen Symbolen. Scheinbar hat hier keiner wirklich Angst, Geschenkanhänger mit Weihnachtsengeln und kleine Plastik-Jesuskinder in Krippen (immerhin aus Holz und sogar echts Moos auf dem Dach! :-)  ) oder aber deren Käufer aus der Herkunftskultur bläsen zum Angriff! Sogar Plüschtiere mit der Stickerei "Jesus loves you - snow much" habe ich gesehen.... Solange nur immer schön die Kasse klingelt?!

Einträchtig liegen in den Supermarktregalen britisches Gingerbread und Plumpudding neben italienischem Panettone und deutschem Weihnachtsstolle; vollziehen so auch kulinarisch die internationale Weihnachts-Einheit  (Dominosteine vermisse ich allerdings schmerzlich....)
Die Werbung lockt überall zu "Christmas-Brunches" und -Dinners samt Truthahn in Hotels und Restaurants; selbstredend liegt in den Bekleidungsgeschäften die gesamte Winterkollektion inklusive Stiefeln, Daunenjacken und Mützen zum Kauf aus.

Gigantische "Schnee"-Kugel in einer Shoppingmall - der Schnee, in welchem die Mädchen herumtollen, ist Watte...























































Zum Schluss noch ein "echt" weihnachtlicher Gruß mit einer original Erzgebirgischen Pyramide

Ob es nun - je nach Herkunft und Geschmack - eine besinnlich-deutsche Weihnacht in Familie mit Kirchgang wird, eine Gourmet-Orgie wie bei den Franzosen, eine fröhliche "Christmas-Party" mit Tanz rings um den Tannenbaum wie in großen Teilen der anglophilen Welt, oder aber ganz anders -  egal, Geschenke wird es so oder so geben! Und Freude hoffentlich auch überall.


                   Schöne Weihnachten wünsche ich allen!



Montag, 11. Mai 2015

Christliche Kirchen in den VAE: Lebhaftes Gemeindeleben


Wer einen eindrucksvollen katholischen Gottesdienst erleben will, bei welchem sogar viele Gläubige stehen müssen, da die Kirchenbänke bis zum letztem Platz besetzt sind.... mache sich auf den Weg in die Vereinigten Arabischen Emirate und besuche das Hochamt an einem Freitag! 
Wunderschön leuchten nicht nur die Farben der mit viel Gold gemalten religiösen Darstellungen an den Wänden, sondern natürlich auch der Ornat von Priester und Ministranten - sowie die kräftigen Farben der Saris, welche die Frauen in den Bänken tragen. Der Gesang der Gemeinde in Malayalam tönt kräftig.

Freitäglicher Gottesdienst in der Kirche Mar Thoma Church in Abu Dhabi


Das klingt für Sie alles etwas seltsam? Gar paradox?
Dabei ist die Erklärung ganz einfach. In den VAE leben derzeit über 4 Mio. Arbeitsmigranten aus aller Welt; unter ihnen sind ca. 1,5 Mio Christen, und unter denen wiederum eine halbe Mio. Katholiken. Da sehr viele Christen aus Indien stammen, werden ganze Gottesdienste hier in den Emiraten für sie oft in einer der Hauptsprachen gehalten, z.B. in Malayalam, das vor allem in indischen Bundesstaat Kerala gesprochen wird, bzw. Tamil oder Urdu.
Doch auch Gottedienste u.a. auf Englisch, Spanisch, Deutsch, Koreanisch, Tagalog, Arabisch oder Französisch stehen wöchentlich auf dem Plan, welcher in den Kirchen die Zeiten für die einzelnen Messen anzeigt. Der Hauptgottesdienst der Woche liegt meist freitags - das wurde pragmatisch dem "freien" Tag im islamischen Gastland angepasst, an welchem die Gläubigen Zeit haben, die Kirche zu besuchen.

Abu Dhabi: St. Anthony Cathedral for the Coptic Orthodox

Zu hohen christlichen Feiertagen, wie Ostern oder Weihnachten, sieht allein die St. Joseph's Cathedrale in Abu Dhabi bis zu 30.000 Gläubige zu den dann wie am Fließband hintereinander stattfindenden Messen! Stellen Sie sich einmal eine solche Masse an Menschen in Hamburg, Düsseldorf oder Leipzig in EINER einzigen Kirche vor!
Ja, und das ist auch ein gewisser Kontrast z.B. zum Nachbarland Saudi-Arabien, in welchem nicht-islamische Glaubensgemeinschaften tatsächlich untersagt sind... Auch in den Emiraten ist die Staatsreligion der Islam; dennoch wird Angehörigen der unterschiedlichsten christlichen Richtungen der Rahmen für ihre Glaubensausübung gegeben. 

Verfassungsmäßig festgeschriebene Freiheit der Religionsausübung


Im Artikel 32 der Verfassung der VAE heißt es, dass "die Freiheit der Religionsausübung garantiert ist in Übereinstimmung mit den geltenden Gebräuchen, vorausgesetzt, dass sie nicht in Widerspruch mit der öffentlichen Ordnung steht oder die öffentliche Moral verletzt."

Die Gleichung "Araber = Moslem" ist ohnehin falsch! - wenn auch in vielen Köpfen der westlichen Welt so verankert. In den arabischen Ländern gibt es seit 2.000 Jahren Kirchen. Auch leben seit Beginn des Islam vor fast 1500 Jahren Christen, Juden und Muslime oft gemeinsam in islamischen Staaten. Die ältesten Kirchen der Welt überhaupt befindet sich auch nicht etwa in Europa, sondern - neben Israel - in Syrien und Jordanien!

Die Kopten, Angehörige einer der ältesten Kirchen der Welt, sind Ägypter. Die Maroniten gehören der 'Syrisch-Maronitischen Kirche von Antiochien' an; eine zahlreiche christliche Bevölkerung gibt es überdies z.B. im Libanon (vor dem Bürgerkrieg war das fast die Hälfte!)

Bis voriges Jahr noch im Bau befindlich.....
Für die deutschsprachigen Christen in den VAE fühlen sich vor allem die katholische sowie die evangelische Gemeinde verantwortlich; hier werden regelmäßige religiöse, aber auch geistig-kulturelle Angebote sowie Ausflüge gemacht, die auch Andersgläubigen prinzipiell offenstehen.


Immer wieder werden in den VAE ganz neu erbaute, christliche Kirchen geweiht! Architektonisch ist von traditionell-prachtvoll bis modern-avantgardistisch so ziemlich alles dabei. Gestiftet wird das dazugehörige Bauland für die Sakralbauten vom Landesfürsten, dem Scheich. Der Bau hingegen finanziert sich hauptsächlich über Spendengelder der Gemeinde. Für gewöhnlich erscheint der Scheich des jeweiligen Emirats dann auch immer persönlich zur feierlichen Weihe des Gotteshauses.

... wurde die 'Dionysius Orthodox Church' in Al Ain in 2014 feierlich geweiht.


Auch wenn das Kreuz als Symbol einer nicht-islamischen Religion offiziell nicht zu zeigen gestattet ist, so wird das im Einzelfall doch nicht so strikt gehandhab: Auf der 2011 geweihten russisch-orthodoxen Kirche des Emirats Sharjah beispielsweise verkünden fünf vergoldete Kreuze auf den Kuppeln des Bauwerks ihre Botschaft.

St. Philip Russisch-Orthodoxe Kirche in Sharjah

Beim Juwelier entdeckt: Neben Anhängern mit arabischen Schriftzeichen auch - christliche Kreuze!

Wohl 54 Kirchgebäude christlicher Gemeinden befinden sich derzeit auf dem Boden der Vereinigten Arabischen Emirate. Christliche Gruppierungen jedoch gibt es jedoch weitaus mehr; unzählige, kleinere  Gemeinden sind vereint unter dem Dach der christlichen Freikirchen und treffen sich oft in den Räumlichkeiten anderer, größerer Glaubensgemeinschaften.

Bemerkenwert ist vor allem die Offenheit und Gastlichkeit der vielen Kirchgemeinden. Zum Gottesdienst - egal welcher Ausrichtung und Sprache - wird man in der Regel aufs freundlichste dazugebeten. Der Geist einer einenden Glaubensgemeinschaft, die sich nicht in kleinlicher Abspalterei vom "Bruder" schwächt, wird hier spürbar.

Einen Bildband zu allen aktuellen christlichen Kirchen in den VAE finden Sie unter diesem Link.




Sonntag, 3. Mai 2015

Konferenz über die religiöse Erneuerung des Islam




Outdated religious laws must be changed, UAE forum hears
Sheikh Abdullah Bin Bayyah, President des Forums                                                                                     http://www.thenational.ae/storyimage/AB/20150428/ARTICLE/150428895/AR/0/&MaxW=640&imageVersion=default&AR-150428895.jpg: 


Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein modernes Land, keine Frage. Ein hochmodernes sogar, was Technik und Urbanisierung angeht. Für viele Probleme, welche ein Staat mit so zusammengewürfelter Einwohnerschaft aus der ganzen Welt mit sich bringt, werden pragmatische Lösungen gefunden.

Dennoch sind die VAE eben auch ein Land, das als Basis den Islam gewählt hat und damit grundsätzlich auch Sharia-Rechtsgebung. Natürlich kollidieren viele Anweisungen bzw. Rechtsauskünfte an die Glaubensangehörigen im Alltag auf der Grundlage des Korantextes (die sogenanntne Fatwas) mit vielen Anforderungen des modernen Lebens.

Das Problem vieler solcher Fatwas ist, dass die Islamgelehrten, welche sie postulieren, sich auf Texte beziehen, welche die Lebenswirklichkeit hiesiger, nomadischer Völker im 7. Jahrhundert abbilden...

Sicher kein Zufall, dass eine Konferenz mit rund 60 Teilnehmern unter dem Titel "Global Forum for Promoting Peace in Muslim Societies" ("Weltforum zu Wahrung des Friedens in muslimischen Gesellschaften") ausgerechnet in Abu Dhabi stattfand. Die aktuellen Staatslenker der VAE sind eindeutig bestrebt, nicht den inneren Frieden in ihrem Einflussbereich durch religiöse Auseinandersetzungen gefährden zu lassen - die Probleme durch Extremismus und religiös gewandeten Terrorismus allgemein werden hierzulande sehr ernst genommen.

Auf dieser Tagung sagte Grand Sheikh Ahmed Al Tayyeb von der berühmten Al Azhar University (Kairo), dass  "die Fiqh Prinzipien überarbeitet werden müssen, um extremistische Gruppen zu stoppen, welche diese nur als Ausrede benutzen, um jeden zu töten, welcher mit ihrer Gruppierung nicht einverstanden ist. Sie benutzen dafür eine Fatwa, welche vor vielen Jahrhunderten einst von Gelehrten Ibn Taymiya ausgestellt wurde, welcher jedoch damals konkret die Grausamkeit und das gewalttätige Blutvergießen zwischen Muslims und den Tartarengruppen vor Augen hatte."

Erneuerung, so Sheikh Abdullah bin Bayyah, der Präsident des Forums, ist in der Islamischen Religion ganz fundamental wichtig - basierend auf "ständigem Vergleich der religiösen Texte, des ursprünglichen Zwecks dieser Texte und der modernen Lebensrealität. "

Koranauslegung muss mit der heutigen Lebensrealität abgeglichen werden


Weiter erklärte er, dass Befehle, welche aus religiösen Offenbarungen stammen, immer in ihrem Kontext gesehen werden müssten sowie unter dem Gesichtspunkt des universellen Grunds und Zwecks ihrer Auswirkungen. Der Sheikh rief dazu auf, die Grundlagen der Islam-Wissenschaft neu zu überprüfen, da viele der Auslegungen in der heutigen, modernen Gesellschaft nicht länger anwendbar seien.



Um noch einmal zurückzukommen auf den Fakt, dass sich Gruppierungen, wie die IS-Milizen und ähnliche Terrororganisationen, auf den Koran und seine Auslegungen berufen: Als wichtiges Beispiel wurde das Apostasie-Gesetz genannt (Abfall vom islamischen Glauben wird u.U. mit dem Tode bestraft).  
Sheikh Hamza Youssef führt dazu aus: "Das galt einst als universelles Gesetz, es entsprach damals der generellen Mentalität der Menschen zu dieser Zeit, dass das Abkehren von seiner Religion ein Generalvergehen war, das mit dem Tode bestraft werden sollte - es existierte damals übrigens ebenso im Christentum. So wurde zu jener Zeit verfahren, um die Religion zu schützen....
Doch das ist eben nicht mehr die Mentalität unseres Zeitalters! Und wenn wir uns das Grundprinzip des Islam genauer ansehen, so gilt es doch, Menschen von dieser Religion zu überzeugen." Wer heutzutage die alte Apostasie-Gesetz im 21. Jahrhundert anwende, würde allerdings Leute von dieser Religion eher wegtreiben, anstatt sie anzuziehen - was also den gegenteiligen als den gewünschten Effekt bringe!

Auseinandersetzung mit Publikationen der Terrorgruppen geplant



Auf der Konferenz wurde unter den Mitgliedern dazu aufgerufen, schriftliche sowie andere Medienpublikationen zu sammeln, welche von terroristischen Gruppen unter dem Deckmantel des Islam herausgegeben werden, um sich ganz gezielt mit deren Argumenten auseinandersetzen zu können und ihnen künftig besser etwas entgegehalten zu können.

In einer der Arbeitgruppen mit dem Namen "Beitrag muslimischer Frauen zum Festigen von Friedenwerten" ging es überdies erstmals um Frauenfragen im Zusammenhang mit muslimischen Gesellschaften.



Wer den ganzen Artikel in "The National" im Original lesen möchte: Hier entlang! 



Freitag, 9. Januar 2015

Vom Islam und vom Islamismus


de.fotolia.com

Heute mal nichts aus Abu Dhabi, aber man kann ja die Augen nicht verschließen vor dem, was in der islamischen und sonstigen Welt gerade passiert.

Von islamischen Extremisten gemeuchelte Karikateure in Frankreich, von denen der Boko Haram entführte Mädchen und eine niedergebrannte Stadt in Afrika, ISIS-Terror im Irak, Geiseln in einem Café in Australien, Muslimbruderschaften... und al-Qaida immer im Hintergrund. Eine Bilanz des Schreckens, die Angst machen kann (genau das wird ja auch bezweckt!) Wie leicht ist es, dafür "den Islam" verantwortlich zu machen.

Angst selbst erzeugt aber auch widerum Blindheit - darum möchte ich hier daran erinnern, dass dies nicht "der Islam" ist, dass eine solche Gräueltat eine Fratze davon und ist und nichts, was der "normale" Moslem gutheißen würde. Jener fühlt sich den "5 Säulen des Islam" verpflichtet, welche Barmherzigkeit anstatt Gewalt vorsehen:
  1. Schahada (Glaubensbekenntnis)
  2. Salat  (tägliche Gebete)
  3. Zakat (Armengabe)
  4. Saum (Fasten im Ramadan)
  5. Haddsch (Pilgerfahrt nach Mekka, so möglich) 
Im Koran selbst heißt es: 
"Wer einen Menschen tötet, für den soll es sein, als habe er die ganze Menschheit getötet. Und wer einen Menschen rettet, für den soll es sein, als habe er die ganze Welt gerettet." (Koran 5:32)

Dass derzeit die Wellen wegen dieser Religion so hoch schlagen, haben wieder einmal einige wenige Vertreter verursacht, die behaupten, "Gläubige" zu sein. (Über die Mohammed-Karikaturen kann man geteilter Meinung sein, dennoch ist das keine Rechtfertigung für Mord.)
Heute geschieht Unrecht im Namen Allahs; als das Christentum einst etwa so alt war, wie es der Islam heute ist, zogen die Kreuzritter - sie behaupteten: "Im Namen Gottes"! - eine blutige Spur im Nahen Osten durch die Reihen der Mohammed-Anhänger, welche damals gerade erst erstarkt waren...

Fanatismus - egal ob religiöser oder anderes gearteter - ist immer ein Auswuchs und zu jeder Zeit und in jeder Form verurteilenswert; Intoleranz ein Zeichen von Dummheit oder zumindest Unwissen. Um Fanatismus gegenübertreten und bekämpfen zu können, braucht es Klarheit und auch Informiertheit: Um zu wissen, wer der "Feind" tatsächlich ist (und wer nicht!).

Deshalb erlaube ich mir, hier den Artikel eines Imams zu kopieren, welcher sich anlässlich des Anschlags in Paris in der vergangenen Woche äußerte und dessen Worte sicher Moslems rund um den Globus unterschreiben würden:

Terror ist die schwerste Form der Gotteslästerung!


Kein Muslim kann es begrüßen, wenn Religionen – sei es der Islam oder seien es andere Religionen – verspottet werden, weil dies immer mit einem Angriff auf die Würde der Menschen einhergeht, denen Religion als wertvoll gilt. Aber freie Religionsausübung ist nur möglich in einer freien Gesellschaft, in der die Prinzipien eines Rechtsstaates für alle gleich gelten. Deshalb gilt es, die Meinungsfreiheit ebenso zu schützen, wie die Religionsfreiheit.

Gott, der die Welt geschaffen hat und alles, was darin ist, kann doch gar nicht beleidigt werden durch irgendetwas, was Menschen sagen oder schreiben. Die Religion lehrt, dass Gott größer ist – arabisch: Allahu akbar –, als alle menschlichen Unzulänglichkeiten. Und sein Prophet hat niemals nötig, dass aufgeregte Menschen meinen, ihn für irgendetwas „rächen“ zu müssen – denen es in Wirklichkeit um ihr eigenes verletztes Ego geht, anstatt um Religion. Viel mehr als durch mehr oder weniger durchdachte, manchmal provokativ gemeinte und manchmal einfach nur dumme Worte oder Zeichnungen, wird der Islam durch die beleidigt, die sich selbst auf Gott und seinen Propheten beziehen, wenn sie Blut vergießen, Zwang ausüben, Frauen an ihren Rechten behindern, wenn sie andere geringer schätzen als sich selbst, und wenn sie mangelnde Bildung durch vermehrte Gewalttätigkeit ersetzen.

Der Prophet Muhammad, der ausgegrenzt und beleidigt worden war, als er seine Heimat Mekka verlassen musste, kam nach zehn Jahren gestärkt dorthin zurück. Statt Rache zu üben, sagte er zu seinen Peinigern von damals folgende richtungsweisende Worte: "Gott möge es euch verzeihen! Geht, wohin ihr wollt, macht, was ihr wollt, denn ihr seid frei." Kein Zweifel, unser Prophet selbst würde sich - allen voran - von solchen barbarischen Akten wie heute in Paris geschehen, distanzieren und sie schärftens verurteilen.

Unsere Anteilnahme gebührt den Angehörigen der Opfer, unser Mitfühlen den Verletzten. Mit der französischen Nation sind wir fassungslos über diesen Anschlag. Die Täter gehören nicht zu Frankreich, sie gehören nicht zu Europa und sie gehören nicht zum Islam!

Imam Benjamin Idriz

 (Quelle: http://islamische-zeitung.de/?cat=iz  //
 https://www.facebook.com/islamischezeitungde?fref=nf )