Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Dienstag, 5. Januar 2016

Ohne Moos nix los


Wir waren ja - wie jedes Jahr - über die Weihnachtstage daheim in Deutschland, haben Familie und Freunde gesehen. Es war schön wie immer.
Einer der ersten "Gänge" ist dann immer erst einmal in den Wald - darauf bestehen auch meine Mädels. Wenn man ihn nicht mehr jederzeit 'hat', merkt man, wie zauber- und märchenhaft so eine Ansammlung von Gehölz doch ist. Und wie geradezu berauschend dort die feuchte Erde, das Laub, die Nadeln, morsches Holz und natürlich auch das Moos duften!

Dass das Verhältnis zum in Europa vulgo als "schlechtem" (Regen) bezeichneten Wetter sich in anderen Gefilden geradezu gegensätzlich umdrehen kann, habe ich an dieser Stelle ja schon gelegentlich thematisiert. Dennoch finde ich es immer wieder witzig, wenn die Kinder in den Emiraten aus der Schule ins Freie stürmen, weil es auf einmal etwas REGNET!

Vorgestern war hier ein ungewöhnlich "schöner Tag!, bedeutet: Es goss regelrecht vom Himmel. Als ich, aufgrund der unüblichen Straßenverhältnisse etwas verspätet, mit den Kindern beim unserem syrischen Kieferorthopäden eintraf, stand dieser doch fröhlich vor dem Hochhaus, in welchem sich seine Praxis befindet: "Oh Hallo, gutes neues Jahr!", rief er uns strahlend zu, "Geht schon mal rein. Ich komme gleich, ich genieße nur noch schnell bisschen den Regen!"

Da ich den Duft des Waldes hier so vermisse, habe ich diesmal etwas "eingeschmuggelt" - nämlich in Deutschland abgezupftes Waldmoos. Das hat hier in der Küche eine Schale mit feuchter Erde bekommen, und ich hoffe sehr, es wird trotz der Entfernung zum Heimatwald doch gedeihen. Momentan riecht es leider gar nicht mehr so richtig "moosig". Na, vielleicht kommt das ja nach etwas Akklimatisierung wieder?!



Experiment: Wird deutsches Waldmoos unter Wüstenbedingungen gedeihen?

Sonntag, 29. November 2015

Nationalbaum Ghaf Tree

Wer "Wüste" denkt, assoziiert neben Sanddünen und Beduinen meist auch gleich Kamele und Dattelpalmen mit.
Dennoch wird als der "Nationalbaum" der Vereinigten Arabischen Emirate keine der exotischen Palmen betrachtet, sondern eine von der Form her eher unscheinbare Spezies: der Ghaf (Prosopis cineraria). Und da in dieser Woche, am 2.12,. der 44. Nationalfeiertag der VAE gefeiert wird - feiere ich hier aus diesem Grunde heute einmal diesen besonderen Baum.

Ghaf Baum, auch Tiere lieben ihn.... (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Khejari_%28Prosopis_cineraria%29.JPG)


Gerade im Hochsommer, wenn hierzulande Mensch, Tier und Pflanze unter der sengenden Hitze leiden (und es mir so vorkommt, als ächzten sogar die Hochhaustürme...), erscheint der Anblick eines Ghaf Trees oft wie ein Wunder: Ob ganz unvermittelt - sich allein zwischen endlosen Sanddünen sich behauptend - in Parks und Gärten oder auch auf Ödland; selbst wenn alle anderen Pflanzen nach endloser Trockenheit von Staub grau bepudert oder gleich ganz vertrocknet sind, prangt der Ghaf in unwirklich kräftigem Grün. So, als wasche er sich des Nachts heimlich den Sand von den zart gefiederten Blättchen...

Stolz, lebendig, unbesiegbar wirkt er. Trotzt Sandstürmen, Hitze und nährstoffarmen Böden ist dieser Baum immergrün! Seine an die 30 m langen Wurzeln saugen das Grundwasser hinauf, selbst aus stark salzhaltigen Böden, und nutzen den Morgentau.
Wehrhaft ist er ebenfalls - unter dem Grün verbergen sich lange Stacheln. Die halten Kamele und Ziegen halbwegs vom Abgrasen ab. Dennoch dient der Ghaf mit seinen hellgelben Blüten im Frühjahr Bienen und anderen Insekten als Nahrung und ganzjährig Vögeln in seinen Wipfeln sowie Kleintieren zwischen seinen Wurzeln als Heimstatt. Überdies verhinden die Wurzeln Bodenerosion. Der Schatten dieses Pflanze, auch "Schirmbaum" genannt, mag in der Vergangenheit schon so manchem erschöpften Wüstenwanderer das Leben gerettet haben.....

Zart gefiederte Blätter, hellgelbe Blütenstände (http://www.plantsguru.com/prosopis-cineraria)


Sein größter Feind ist, wie so oft, der Mensch. Die gewaltigen Urbanisationsbewegungen der letzten Jahrzehnte in den VAE haben auch so manchen Ghaf-Baum das Leben gekostet. Doch werden die Bestrebungen des Staatsgründers Sheikh Zayed, welcher einst ein groß angelegtes Naturschutzprogramm anschob, seit Jahren zunehmend verstärkt wieder aufgenommen. So schenkt man auch der Bewahrung und vor allem Neuanpflanzung dieser Überlebenskünstler-Bäume vermehrte Aufmerksamkeit, denn dass Pflanzen unverzichtbar für die Atmosphäre auf der Erde sind - sprich: die Luft, die wir atmen!, ist natürlich auch hierzulande endlich Allgemeingut.
Der Ghaf Tree ist schlicht unverzichtbar bei der Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Ökologie in den Emiraten. Inzwischen darf kein Ghaf-Baum mehr ohne Erlaubnis der Behörden abgeholzt werden!

Die emiratische Firma Goumbook, welche sich den Themen Nachhaltigkeit und "grün leben" verschrieben hat, rief 2010 die Initiative "Give a Ghaf tree - planting programm" ('Schenke einen Ghaf-Baum'-Pflanzprogramm) ins Leben. Diese richtet sich an Kommunen, Teams, Schulen etc. ebenso wie an Einzelpersonen. Für 18 Dhs (ca. 4,50 EUR) kann man einen solchen jungen Baum, der zuvor in einer Baumschule aus Samen gezogen wurde, entweder spenden oder auch gleich selbst pflanzen. Dafür gibt es eine Urkunde mit genauer Angabe, wo der "eigene" Ghaf hingepflanzt wurde (sofern man das nicht selbst tat).

Wer neugierig auf diese Initiative ist oder sich sogar beteiligen möchte, kann sich hier oder auf der Seite "Give a Ghaf" bei Facebook informieren.



Montag, 28. September 2015

Ruhe und Natürlichkeit auf Dalma Island


Fischerhafen von Dalma Island

 
Den Abzweig zur Fähre vom Festland bei Ruwais kann man kaum verfehlen.

Ich hatte ja so meine Zweifel. Es war nämlich beschlossen, dass wir einmal Dalma Island erkunden (Link), manchmal auch "Delma Island" geschrieben. Denn die "Delma Mall" in Abu Dhabi kennt jeder; die namensgebende Insel vor der Küste des Emirats, nahe der saudischen Grenze, hingegen kaum jemand. Informationen, welche ich im Vorfeld über das Eiland aufzutreiben versuchte, nahmen sich jedoch bedenklich spärlich aus: Ca. 6000 Einwohner, 1 Museum, 1 Airport, 1 Tankstelle, 1 Motel, einige Schulen, 1 Hospital. Also, um es einmal euphemistisch auszudrücken: Nicht viel.
Entsprechend "begeistert" zeigten sich natürlich unsere Töchter: Auf einen Trip nach "Nirgendwo" waren sie nicht gerade begierig... Doch die Eid-Al-Adha-Feiertage boten sich geradezu dafür an. Und immerhin nährten die Neugier zumindest eine Reihe prähistorischer Ausgrabungsstätten auf Dalma Island, die über 6000 Jahre alt und damit die ältesten Siedlungsnachweise der VAE sind.

Um es vorweg zu nehmen: Im Großen und Ganzen stimmen die Angaben schon. "Viel" an Unterhaltung und Erlebnisangeboten gibt es auf Dalma Island in der Tat nicht. Dennoch möchte ich Ihnen diesen Ausflug gern ans Herz legen. Aus einem Grunde: Es ist dort ursprünlicher als das meiste, was man in den Emiraten sonst so zu sehen bekommt. Es gibt herrlich einsame Sandstrände. Stille, Fischerboote, Weite fürs Auge. Und außerdem kann doch jeder, der aufmerksam ist, selbst in Details Witziges oder Reizvolles entdecken!

Diese schicken Autofähren verkehren wochentags drei Mal täglich zwischen Festand und Insel und zurück.

Die Autobahn von Abu Dhabi nach Jebel Dhanna, wo die Fähre übersetzt, dauert ca. 2 Stunden und verläuft normalerweise ereignisarm fürs Auge. Die Autofähre bietet unten Platz für ca. 40 Wagen, oberhalb kann man in einem klimatisierten, und noch darüber auf einem herrlich windigen Oberdeck komfortabel sitzen und die rd. zwei Stunden Fahrt nach Dalma Island genießen, verschlafen oder mit Tom&Jerry & Co. auf dem Flachbildschirm verleben....

.... im Hintergrund
Motel-Lobby
Das "Dalma Motel" ist die einzige Touristenunterkunft auf der Insel. Nach den wenigen Informationen, welche sich vorab finden ließen, erwarteten wir eigentlich schon das Schlimmste... (eingedenk z.B. eines Rucksacktrips durch Mittelamerika vor vielen Jahren - und der dort erlebten "Unterkünfte" inklusive Schimmel, fehlender Fenster und Türen etc.).





Doch die Herberge hier stellte sich als völlig akzeptabel heraus - selbst wenn der Zimmerpreis mangels Konkurrenz bisschen übertrieben erscheint.Auch wenn Emirats-Reisende gewöhnlich von 5-Sterne-Luxus verwöhnt sind, bietet das kleine Hotel doch recht große, saubere Zimmer (teils mit Meerblick), welche jeweils mit zwei Doppelbetten, AC, Bad, Kühlschrank, Wasserkocher, Flatscreen-TV (mit einigen hundert Sendern) sowie W-Lan ausgestattet sind. Im Haus befindet sich ein kleines Restaurant.
 
 Die Insel ist mit dem Auto in ca. 45 Minuten umrundet. In der kühleren Jahreszeit macht das sicherlich auch mit dem Fahrrad oder sogar als Langstreckenlauf Spaß, könnte ich mir vorstellen!


Auf der einen Seite hat man dabei lange, gelbe Strände, die zum Campen einladen, auf der anderen wild getürmtes, mondmäßig karg anmutendes Gestein vulkanischen Ursprungs. Die Hauptsiedlung, einst von Perlenfischern begründet, zieht sich um den südlich gelegenen Hafen herum, im Inselinneren gibt es eine weitere kleine.
Unwegsames Inselinneres aus vulkanischem Gestein

Siedlung im "Landesinneren" - das Meer kann man jedoch von überall her sehen
Das "Zentrum" des sozio-kulturellen Lebens, wenn man so will, stellt eine kleine, recht heruntergekommene Shoppingmall dar, in welcher eigentlich nur noch der große Supermarkt geöffnet ist. Zu gern hätte ich ja im "Delma Bucks Café" einen großen Milchkaffee getrunken - aber auch das schien dauerhaft geschlossen. Mit Abstand das größte Gebäude (neben der neuen Moschee) auf Dalma Island ist das Gericht! - was mich zu Mutmaßungen hinriss, wozu eine so kleine Gemeinde wohl ein so großes Justizgebäude benötigt?!


"Großer" Name, kleines Gebäude: "Ministry of Culture, Youth & Community Development Centre Delma"

Wie gern wäre ich in bei diesem "Bruder" mit dem originell einer recht großen, internationalen Kaffeegetränke-Kette nachempfundenen Namen eigekehrt! Leider scheint das Café schon wieder geschlossen worden zu sein....


Im Fischerhafen kann man den (zumeist indischen Gastarbeiter-)Fischern dabei zusehen, wie sie ihre Reusen flicken, mit Ködern für die nächste Fahrt bestücken oder das Boot reinigen; auch einige Dhaus waren darunter. Leider (für mich) oder zum Glück (für die Gesundheit der Taucher) ist die altehrwürdige Perlenfischerei wohl längst gänzlich eingestellt...

Die Fischerei wird überwiegend von Arbeitern aus Indien und Bangladesh betrieben. Hier: Netzeflicken und Schwatzen.

So kommt der Köder in die Fischreuse.
Den geistigen Höhepunkt eines Inselbesuchs stellt sicherlich das Museum dar. Um hineinzukommen, haben wir einfach am Hafen irgend jemanden angesprochen, der jemanden kannte, der wiederum die Telefonnummer von jemandem hat, welcher den ägyptischen Archäologen und Tourguide Mr. Abdullah kennt. Jener war zwar leider gerade selbst in die Eid-Ferien gefahren. Doch entsandte man einen freundlichen Inder acht Uhr abends mit dem Schlüssel zum Museum.
Als wir clock acht ankamen, erwartete er uns bereits. Das Museum, 1931 vom Perlenhändler Muhammad Bin Jasim Al-Muraykhi als sein Wohnhaus erbaut, ist für heutige Verhältnisse klein; allerdings die Ausstellung doch recht liebevoll und umfassend zusammengetragen: Alte Haushaltgeräte, geologische Proben, historische Münzen, Schmuck, Waffen, Fischereizubehör, hier beheimatete Tiere,... Ganz in der Nähe des Heimatmuseums befinden sich auch drei alte, kleine Moscheen in der Bautradition der Golfanrainer: Flach, rechteckig, ohne Kuppel und Minarett!

Museum von Delma Island von außen....

... und innen. Ein kurzer und kurzweiliger "Rundgang" über das Eiland und seine jahrtausendealte Geschichte.

Schade, dass die Exponate nicht etwas ausführlicher beschriftet sind. Anstatt des Schildchens "Töpferei-Bruchstücke" (was man auch selbst unschwer erkennen kann...) hätte ich mir Epochen- oder Altersangaben gewünscht. Etwa dazu, wie viele Jahrhunderte oder gar Jahrtausende solch eine ausgestellte Scherbe wohl auf dem "Buckel" hat, aus welcher Himmelsrichtung, welcher alten Kultur das gute Stück über Handelswege einst dann auf Dalma Island landete... Hier wurden nämlich  Feuersteinwerkzeuge sowie Töpferwaren aus der mesopotamischen Ubaid-Periode gefunden - und die ist über 6.000 Jahre her!

Romantik ist da, wo man sie selbst sucht und... findet! Da das "Lebanon Palace Restaurant" (in der Shoppingmall) nicht so wahnsinnig einladend aussah wie es vielleicht klingt, haben wir uns dort zum Abendessen solch "übliche Verdächtige" wie Hommos, Tabbouleh, Fattoush, Kebab, Burger und Fladenbrot nur abgeholt und sind zum Sonnenuntergang an den menschenleeren Strand gegangen.
So war denn schließlich die ganze Familie Döhring wieder friedlich vereint: Im orange-rosa-gelb-roten Schein der letzten Strahlen, an der Wasserlinie des spiegelglatten Arabischen Golfs.

Endlos lange, menschenleere Strände...

... hie und da findet sich sogar die fürs Foto obligatorische Südseeromantik-Palme!

Ein anschließendes Bad im flachen Wasser bewies: So Badewannen-warm im offenen Meer baden kann man wohl nur hierzulande! Ich gebe ja zu, dass viele Jahre in tropischen Gefilden mich dauerhaft für einen normalen mitteleuropäischen "Badespaß" (à la 20 Grad kaltes Ostseewasser.... brrrr!) verdorben haben. Ich dümpelte also vor Delma im ca. 38 Grad warmen Meereswasser unterm Sternenhimmel vor mich hin und fand es einfach nur: herrlich!

Zusammenfassend kann man sagen: Gerade wer als Emirate-Expat einmal genug hat vom Millionenstadt-Hype, und wer darüber hinaus auch für das eigene Empfinden auf der Suche nach Ruhe und Abgeschiedenheit vielleicht schon einmal zu oft in der Wüste war - dem sei die bescheidene Natürlichkeit der Dalma-Island-Strände ans Herz gelegt!

Das Straßenschild warf für mich einige Fragen auf: In der Richtung, wo "Exit" dransteht, ist nämlich nur offenes Meer!...

Montag, 9. Februar 2015

Seekuh-Rippchen vom Grill. Archäologie in den VAE


Alle Fotos in diesem Beitrag: Präsentation von Dr. Beech am 3.2.2015


Ur- und Frühgeschichte in den Arabischen Emiraten. Hmmm. Gab es da denn hier irgend etwas - außer Sand und Muscheln vielleicht?

Dass z.B. solch eine Vorstellung komplett falsch ist, kann man u.a. auf Vorträgen, Ortsbegehungen und Treffen der Emirates Natural History Group (ENHG) erfahren, einer Non-Profit-Organisation, welche Interessenten auf den Feldern der Geschichte und Natur der Emirate vereint.

Unlängst besuchte ich einen Vortrag von Dr. Mark Jonathan Beech, dem "Head of Coastal Heritage and Palaeontology, in the Historic Environment Department at the Abu Dhabi Tourism and Culture Authority".
Fast auf den Tag genau 21 Jahre war es an diesem Abend her, erzählte er, dass er für archäologische Untersuchungen auf die Insel Sir Bani Yas gekommen war, die zu Abu Dhabi gehört. Für ganze zwei Monate!.... Man kann sicher behaupten, dass jemand, der einen ursprünglichen Arbeitsauftrag um fast 21 Jahre (bisher!) "überzogen" hat, von seiner Sache begeistert ist und hinlänglich Ahnung hat.
Diese teilte er denn auch lebhaft und informativ mit ca. 60 Interessenten, welche sich zu seinem Vortrag eingefunden hatten.

Dr. Beech beim Vortrag

Vor 8 Millionen Jahren, im Miozän, war die Küste von Ruwais kein öder Haufen Sand wie heute. Hatten Sie schon einmal die Gelegenheit, eine ostafrikanische Savanne zu besuchen - oder haben Sie Dokumentarfilme über diese Landschaften gesehen? Genau so sah es zu jener Zeit hier aus, in den VAE! Stellen Sie sich vor, wie im Schatten Akazien-artiger Bäume - entlang der damals vorhandenen Flüsse und Bäche - urzeitliche Elefanten, Nashörner und Flusspferde einherstampften und sich einen Weg bahnten zwischen Gazellenherden, Gruppen von Giraffen, Affen, Hyänen und Pferden, aber auch Säbelzahntigern und Krokodilen!

Bis vor ca. 12.000 war diese von zahlreichen Tierarten vielbewohnte Küste aber auch noch gar keine Küste! Der Persische Golf entstand erst aufgrund des Abschmelzens der Eismassen in Anschluss an die Eiszeit - bis dahin war er eine von Flüssen durchzogene, fruchtbare Tiefebene gewesen. Man konnte zu jener Zeit also trockenen Fußes vom heutigen Abu Dhabi nach dem Iran hinüberwandern...
Und solche Wanderungen sind nicht nur ein Gedankenspiel. Man kann man sich gut vorstellen, dass auch davor bereits steinzeitliche Jäger und Sammler durch diese grüne Ebene schweiften.

Allererste Spuren menschlicher Besiedelung fand man immerhin bei Jebel Barakah: 150.000 Jahre alte Steinwerkzeuge aus der mittleren Steinzeit, mit welcher unsere Vorfahren ihre Alltagsarbeiten verrichteten. Wie Funde bezeugen, aßen die damaligen Bewohner sehr gern gegrillte "Rippchen" von der Seekuh...

Allzweckwerkzeug aus der Steinzeit, gefunden am Jebel Barakah

Einen Aufschwung fand die Bevölkerung offenbar im 4. Jahrtausend v. Chr., während der Kupfer- bzw. Bronzezeit. In einer Periode, als es auf der Arabischen Halbinsel noch gar keine Kamele gab, sondern der Transport des Kupfers und der schon damals von Perlentauchern heraufgeholten, in den angrenzenden Gebieten sehr begehrten Perlen mittels Maultieren vonstatten ging! Kamele wurden nämlich hier erst etwa 2000 Jahre später heimisch...

In zahlreiche damalige Siedlungen auf dem Gebiet der heutigen Emirate fanden sich Keramikwaren der mesopotamischen Obeid-Periode -  die Krüge und Schalen mit den typischen schwarz-braunen Mustern müssen zu jener Zeit in etwa so beliebt und chic gewesen sein, wie heute das gute Meißner Porzellan! Und das zeigt wiederum, wie mobil diese Menschen bereits waren - ganz ohne Auto, ja noch nicht einmal Wagen hatten sie.
Doch auch die einheimische Bevölkerung aus jener Periode war Zierrat nicht abhold: Schmuck aus Steinen wurde sowohl als Grabbeigabe von Männern wie Frauen gefunden. Und auch Piercing ist mitnichten etwas Neues: Mr. Beech zeigte das Foto eines Mädchenschädels, an welchem die Perle als Nasenpiercing noch nach Jahrtausenden intakt ist!

Bauten aus der Bronzezeit (Abu Dhabi)

"Ichthyophagen" - Fisch(fr)esser - wurde die antike Bevölkerung der heute Emiratischen Küsten von zeitgenössischen (Herodot, Plinius u.a.) wie auch späteren Historikern etwas abschätzig genannt, weil sie sich kärglich von Fischfang, dem Sammeln von Meerestieren und der Perlentaucherei ernährte und in Hütten aus Wal-Skeletten, Seetang und Muschelschalen lebte. Um Jahr Null herum war das Klima auf der Arabischen Halbinsel eben schon wesentlich trockener und unwirtlicher geworden, als das während der frühgeschichtlichen Perioden der Fall war. Eben das Bild, welches sich in den Köpfen eingenistet hat (s.o.)... - aber eben nicht immer so stimmte und natürlich vor allem heute nicht mehr stimmt.

Eine hübsche Anekdote soll den Kreis zum Beginn des Vortrags schließen. Als Dr. Mark Beech 1992 erstmals emiratischen Boden betrat und mit einem Archäologen-Team bei Ausgrabungen auf Sir Bani Yas Island begann, gruben die Forscher einen ehemaligen Gebäudekomplex aus. Erst ganz zum Schluss jedoch hatten sie sich zu den zentralen Mauern vorgearbeitet.... die sich als Kirche entpuppten!
Man hatte den Platz gefunden, der in frühchristlichen Aufzeichnungen von einem nestorianischen Kloster irgendwo an den Gestaden dieser Golf-Küste berichtet worden war - seefahrenden Handelsleuten im 6. Jh. auf dem Wege von Europa nach Indien und China bot es einst eine Raststätte für Leib und Seele.

Wer sich noch mehr in das Thema Ur- und Frühgschichte in den VAE vertiefen möchte, findet auf der Seite des Geoportals Abu Dhabi Material dazu.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Alle Düfte Arabiens - das sinnlich duftende Harz des Oud-Baums


In der westlichen Welt kennen wir sie vor allem aus der Weihnachtsgeschichte: Weihrauch und Myrrhe. Meist auch unter dem Sammelbegriff "alle Düfte Arabiens" verwendet...

Es gibt jedoch noch eine weitere duftende Substanz, welche im Orient von alters wohlbekannt ist, im Abendland aber gerade erst beginnt, sich einen Namen zu machen. Die Rede ist von Oud - einer sagenhaften Parfümingridienz, die aus Asien stammt. Gewonnen wird das Harz vom Agar- oder auch Adlerholzbaum.

Besonders romantisch klingt die Gewinnung nicht gerade: Erst wenn diese Bäume verletzt sind - im "günstigsten" Falle durch den Befall mit einer bestimmten Schimmelpilzart! - verschließt dagegen   gebildete Harze jene Stellen. Und genau dieses Harz ist es, um welches es hier geht und das so kostbar ist!

http://www.fragrantica.de/Duftnoten/Agarholz-114.html


Da die "Ernte" naturgemäß nicht sehr ergiebig ist und im Hinblick auf das Basisgehölz zurückhaltend ausfallen muss, und da darüber hinaus die Destillation des Duftöls aus dem harzigen Holz wirklich aufwändig, zählt Oud zu einem der teuresten Duftsubstanzen der Welt. Man benötigt etwa 20 kg Agarholz um 12 ml Öl herzustellen! Und 1 kg des wertvollen Harzholzes wiederum kostet aktuell am Weltmarkt je nach Reinheitsgrad bis zu 50.000 EUR und ist damit teurer als Gold!

Im Orient wird schon seit hunderten von Jahren das harzige Holz des Agarbaums spanweise verbrannt, um den Raum, die Kleider, ja den Körper zu beduften. Westliche "Spürnasen" der Parfümindustrie haben die Substanz allerdings erst vor wenigen Jahren entdeckt. Bis zu seinem Auftauchen im Jahre 2002 in "M7", einem Männerduft von Yves Saint Laurent, war der Duft dort praktisch unbekannt.
oud_BYREDO_DW_Lifestyle_Frankfurt_main.jpg
Foto: Byredo
 
"Das Öl hat so etwas Animalisches, Holziges, aber gleichzeitig Modernes", sagt Parfümeur Morillas. "Es riecht warm und sexy und immer wieder anders. Ich träume davon, weitere Oud-Düfte zu kreieren." (von: "Oud ist der Inbegriff erotisierender Parfüms")

Inzwischen sind immer mehr Herren- und Damendüfte namhafter wie auch kleinerer Parfümhäuser erhältlich - aufgrund des erlesenen Basisstoffs ein so sinnliches wie auch kostenintensives Vergnügen für die Käufer.

Montag, 5. Januar 2015

Mini-Monument-Valley



Dicker Mönch von schräg hinten?
Barocke Gräfin mit Hut?
Oh, schleppt da etwa eine barock gekleidete Dame mit Riesenhut ihr ausladendes Kleid hinter sich her? Oder dort hinten - schaut da nicht ein alter Beduine mit eindrucksvoller Hakennase hinter dem Felsen um die Ecke? Aber das da - das ist eindeutig das sinkende Schiff "Black Pearl" des Film-Piraten Jack Sparrow, und gleich wird sicherlich Johnny Depp lässig zu uns heruntergeschlendert kommen!.....

Nein, da ist wohl die Phantasie etwas mit uns durchgegangen. Wir machen einfach einen Ausflug samt Wüstenpicknick und Besuch einer Sandsteinformation, südöstlich beim Flecken Wathba gelegen.

Sandsteinformation in der Wüste südöstlich von Abu Dhabi

Könnte man doch glatt für Jack Sparrows sinkendes Schiff halten.... und den Hochspannungsmast dahinter halten wir der Einfachheit halber eben für den Segelmast!

Auch wenn die Dimensionen schon doch etwas andere (bescheidenere) sind: Spontan fallen mir Fotosujet Nr. 1 - Monument Valley in den USA ein, das Kletterer-Paradies Elbsandsteingebirge Sächsische Schweiz bei Dresden, Wadi Rum mit der geheimnisvoll-unterirdischen Felsenstadt Petra, die heiligen Felsennadeln als Klosterstandorte von Meteora in Griechenland oder aber die wenig bekannten Formationen des Akakus-Gebirges in der Libyschen Wüste. Natürlich gibt es rund um den Globus noch viele weitere Sandsteingebirge, welche Naturliebhaber, Klettersportler und Fotofreunde mit ihren phantasieanregenden, oft bizarren Formen anlocken.

Was ist das? - ein Motorrad für Riesen vielleicht?

An Informationen findet man nicht gerade viel über diese geologische Formation bei Wathba; zumindest ist wohl sicher, dass sie aus dem relativ jungen Erdzeitalter des Miozän stammt. Die vielen dünnen Schichtungen, welche bei der Ablagerung des Sediments einst entstanden, sind hervorragend zu sehen.
Wobei "jung" in der Geologie auch eher relativ zu betrachten ist - ca. 8 Mio. Jahre lang stehen die auffällig geformten Felsen wohl immerhin doch schon im Abu Dhabischen Wüstensand! Gut, anfangs war da ja auch eher Meer anstatt des schließlich übrig gebliebenen Sands, wie jeder weiß, der sich einmal mit der Entstehung von Sandsteinfelsen beschäftigt hat; aber lassen wir das hier einfach so stehen. Man stelle sich einmal vor, wie seitdem tausende heftiger Winde oder Stürme -  schmirgelnde Sandmassen mit sich wehend - diese phantasieanregenden Formen aus der ehemals massiv gewesenen Sandsteinmasse herausgemeißelt haben!

Sieht bisschen so aus, wie ein Hindu-Tempel, mit Figuren verziert....


Obwohl oder gerade weil diese Felsen meist nur so ca. 10 m hoch sind, ziehen natürlich auch hier die vielen Vorsprünge und Löcher im Sediment kleine und große Klettermaxe geradezu magisch an. Wer nun auch einen Abstecher dahin plant, dem sei jedoch gesagt: Das Hochklettern sollte man lieber sein lassen, denn das Gestein ist sehr porös und daher nicht unbedingt vertrauenerweckend.
Es reicht ja, wenn man sich ein Weilchen niederlässt und einfach die Phantasie ein bisschen zwischen den statuen-artigen Gebilden spazieren führt....


Sonntag, 20. April 2014

Immer mal wieder: Ausflug in die Wüste


Wenn man in Deutschland bisschen "raus" will am Wochenende, in Gottes freie Natur, weg von der fast allgegenwärtigen Zivilisation, geht man.......: In den Wald. An einen Teich oder See. In die Berge, ans Meer, oder manchmal einfach in den großen Stadtpark.

Wenn man in den Emiraten "in die Natur" fährt..... geht es... - in die Wüste!
Besuch, der aus der alten Heimat anreist, will unbedingt sehen....... - die Wüste!
Selbst Klassenausflüge der Schule inklusive Grillen und Picknick landen oft.......-  in der Wüste!



"Am Busen der Natur": Der Begriff ist  -  zumindest optisch gesehen  -  in der Wüste durchaus passend: Ein gewaltiger, weicher, vor allem bei Wind die Form amöbengleich wechselnder, ja oft sogar wandernder "Busen" ist das!

Freizeitvergnügen auf der Düne

Und was man nicht alles in diesen Sandmassen anstellen kann: Dünen erkraxeln (.... das ist echt anstrengend, weil man bei jedem Schritt eineinhalb zurückrutscht), dann zu Fuß, auf einer Tüte, besser einem Sandboard (ähnlich einem Schlitten), sogar auf Skiern (!) oder aber per Buggy oder Quad wieder herunterbrausen.....
Beliebt ist auch das Dune-Bashing, welches bevorzugt ein wüstenerfahrener Fahrer als Lenker des 4-Radantrieb-Geländewagens angehen sollte: Mit dem Auto Vollgas die Dünen hoch und - nach Sekunden des Herzstillstandes, wenn es auf dem Scheitelpunkt vornüber kippt -  auf der anderen Seite volle Kanne wieder hinunter, yippppppie!
Natürlich kann man auch ganz gemütlich zwischen den Sandbergen sitzen und im Lagerfeuer Kartoffeln, Würstchen, Stockbrot oder Marshmallows grillen... (und am Ende nie vergessen: auch noch das kleinste Fitzelchen Müll wieder aufklauben und mit zurück nehmen!)

Somit ist diese erhaben leere Landschaft hierzulande beliebter Freizeitort. Ein Glück, dass die Rub Al-Khali (auf Deutsch "Das leere Viertel"), die sich über einen Großteil der Arabischen Halbinsel erstreckt, groß genug ist, auf dass die Ruhe suchenden Menschen diese auch immer noch da finden. So groß nämlich, dass die Bundesrepublik Deutschland komplett zwei Mal in sie hineinpassen würde!

Rub al-Khali



Wie erhaben doch ein großer "Haufen Sand" stimmen kann!

Wie alle "großen" Landschaften - das Meer, die Hochgebirge, das ewige Eis, die Savannen  -  hat auch die Wüste etwas an sich, das den Menschen andächtig verstummen lässt.
Der unbeschreibliche Zauber der Wüste wird natürlich so richtig sichtbar erst, wenn man sie nicht in einem großen, fröhlichen Freizeitpulk überrennt, sondern ganz still für sich oben auf einer Düne sitzen kann. Der Sand noch warm, die Sonne rötlich, im Untergehen begriffen.

Wie herrlich sich doch dieser Untergrund jedem Körper anpasst, ihm gleichzeitig nachgibt und doch auch Halt. Wohl jeder wird inmitten der Myriaden von Sandkörner wieder ein wenig zum Kind: Durch die Finger rieseln lassen, mit den Füßen drin herumwühlen, mit den Händen hineingraben...
Und dann dieser feine, fast unhörbare Ton, welcher vom die Sandkörnchen über die Oberfläche schleifenden Winde erzeugt wird: ein wisperndes Flüstern und Sirren ist das. Endgültig erhaben wird das Ganze, wenn sich der einfach unglaubliche Sternenhimmel über dieser weiten Leere entfaltet...
Das erste Mal in meinem Leben habe ich die Milchstraße nicht nur im Lehrbuch, sondern mit eigenen Augen gesehen im saudi-arabischen Teil der Rub al-Khali, später in der libyschen Sahara. Nun wieder hier. Ein grandioser Anblick, der sich dem Menschen einprägt. Je nach Gemütslage fühlt man sich dann sehr atomisch-winzig und verloren. Oder aber eins mit dieser Unendlichkeit.