Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Posts mit dem Label Ausländer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ausländer werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 20. März 2017

Warum Expats gerne länger in den VAE verweilen

Dubai bei Nacht - mehr als nur optisch anregend
 
"Dubai bubble", die "Blase Dubai" ist ein oft gebrauchter Begriff, der sich auch auf Abu Dhabi anwenden lässt: Gemeint ist dieses recht einmalige Konglomerat an Sprachen, Nationalitäten, Hautfarben, Herkunftskulturen in einem harmonisch wirkenden Miteinander, das bei hohem Lebensstandard den Firnis des "Schneller, Höher, Weiter" trägt, der insbesondere in Dubai mit regelmäßigen Rekorden aller Art gepflegt wird.

Eine neuerliche Studie von DIFC Wills & Probate Registry (WPR) zeigte, dass 64 % der befragten Expats, die für eine bestimmte Zeitspanne zum Leben und Arbeiten in die Vereinigten Arabischen Emirate kamen, signifikant länger als ursprünglich geplant bleiben. Natürlich zählen darunter auch tausende Syrer; Jemeniten oder Irakis, die einfach froh sind, wenn ihre Visa momentan hier einfach stillschweigend verlängert werden.
Der Großteil der "Bleiber" wird jedoch von Expats gebildet, die problemlos in ihre Heimat heimkehren könnten, sich jedoch einfach an den "bubble lifestyle" gewöhnt haben. So blieben i.d.R. die Befragten drei Jahre länger als vorgesehen. Doch immerhin jeder Zehnte von ihnen lebt bereits über 20 Jahre länger zwischen Wüstendünen, Wolkenkratzern, Wasserparks und ständig neuen Attrationen unter dem (fast) immerblauen emiratischen Himmel! Nicht zu vergessen überdies, dass die persönliche Sicherheit in diesem Land extrem hoch ist.

Emirate: hoher Freizeitwert

Lebensgefühl "Laufen und Springen"


Dass sich so viele angezogen und auch länger wohlfühlen in den VAE, hat sicher mit dieser speziellen Atmosphäre zu tun: Ständig entsteht ein neues Wohnviertel, eine neue Mall, ein neuer Park. Es ist dieses "Vorwärts"-Gefühl, das von einer leichten momentanen Stagnation in einigen wirtschaftlichen Bereichen nicht ausgebremst werden kann.
Mir sagte ein Emirati einmal: "Wir Emiraties sind es gar nicht mehr gewohnt zu gehen, um voranzukommen. Wir können inzwischen nur noch rennen und springen - immer weiter!"

Dem Holpern in der Ölbranche will das Land mit diversen Vorkehrungen begegnen, insbesondere dem Ausbau von Tourismus, Handel und erneuerbaren Energien. Unlängst hieß es aus Regierungskreisen (Kronprinz Hamdan von Dubai), dass "2016 der nicht an den Ölsektor gebunde Außenhandel der VAE 1.276 Billiarden AED erreichte. Die Fluktuationen am Weltmarkt beeinträchtigten nicht die performance in diesem Sektor (...) Handel ist nicht nur wichtig für die wirtschaftliche Diversifizierung, es ist auch ein bedeutender Teil unseres historischen Erbes."



Doch nicht nur in diesen Bereichen geht es voran. Wenn man bedenkt, das das Land noch vor 50 Jahren nicht als solches existierte und die Städte nur aus einigen Häuseransammlungen bestanden, doch heute zu den modernsten der Welt gehören, bewegt sich viel.
Die Regeln rund um den Straßenverkehr sind mittlerweile auf westlichem Niveau (mit drastischen Strafen fürs Übertreten). Und es wird für Verkehrssünder auch keinesfalls leichter. Neulich wurde vermeldet, dass die Dubaier Polizei von der Abteilung Verkehrssicherheit gerade eine neue technische Möglichkeit "ausheckt", um Fahrer mittels eines Radars dingfest zu machen, die ohne Sicherheitsgurt fahren oder aber in irgendeiner Form während des Fahrens mit ihrem Mobiltelefon "beschäftigt" sind. Ein Delikt, dass leider bei aller Gefährlichkeit nur allzu verbreitet in den VAE ist ...

Rechte von Haushaltshilfen werden gestärkt


Ministerien sorgen dafür, dass auch  Arbeitsmigranten aus sogenannten "Drittweltstaaten" hier einklagbare Rechte haben - das gilt nicht nur für Bauarbeiter etc. (ich berichtete); dieser Tage wird ein neues Gesetz verabschiedet, das die Arbeits- und Urlaubszeiten, Lohn und sonstige Grundrechte von Haushaltsangestellten eindeutiger als bisher regelt. Es liegt auf einer Linie mit der International Labour Organisations Convention 189 und der Empfehlung 201 über angemessene Arbeitsbedingungen für Haushaltshilfen.

Was möglicherweise noch weitreichender ist: 2015 wurde vom Präsidenten Sheikh Khalifa ein Anti-Diskriminierungsgesetz für die VAE verabschiedet. Darin ist festgeschrieben, dass jegliche Diskriminierung aufgrund von Religion, Herkunft, Rasse, Hautfarbe, ethnischer Zugehörigkeit oder Kaste verboten sind.

Anti-Diskriminierungsgesetz verabschiedet


Insbesondere die Herabwürdigung jeglichen religiösen Glaubens - egal, welches! - und religiös motiverter Hass oder Beleidigung und Herabwürdigung in Wort, Schrift (z.B. soziale Medien) oder Handlung werden gesetzlich verfolgt und bestraft (Geld- und Haftstrafen bis zu zehn Jahren).

Ich frage ich mich manchmal - insbesondere, wenn ich einmal wieder in deutschen Kommentaren zu Medienberichten gelesen habe - warum ausgerechnet HIER so ein Gesetz bekräftigt und unterstrichen wird? Während mir in den sozialen Medien meines Heimatlandes, das diese Dinge längst im Grundgesetz verankert hatte, Beleidigung und Hass auf andere, Andersartige, Andersdenke, anders Betende,.... seit einiger Zeit wie Unrat nur so entgegenquillt, habe ich in fast 5 Jahren meines Lebens in den VAE noch nicht ein einziges Mal auch nur ansatzweise erlebt oder bemerkt, dass hier die Leute aus über 200 Nationen übereinander herziehen, sich vollpöbeln, böse Blicke zuwerfen oder gar tätlich werden - bei so viel geballter "Andersheit" auf den Straßen gäbe es da viele (vorgebliche) Gründe!

Zum besonderen "spirit", der zum Leben in den Vereinigten Arabischen Emiraten positiv beiträgt, müsste man sicherlich auch die oft originellen und realitätsorientierten Aktionen der Regierenden zählen, speziell Sheikh Mohammed bin Rashid al Maktum von Dubai trägt dazu kräftig bei.

So müssen auf seine Initiative hin neuerdings jugendliche Raser, welche auf öffentlichen Straßen gefährliche Motorrad-Stunts vollführen oder sich gar nächtliche Autorennen liefern und damit die Sicherheit aller attakieren, zur "Strafe" - ausgestattet mit orangener Weste - die Gehwege der Metropole reinigen. Die Bilder der Aktion wurden in den sozialen Medien zig-fach geteilt und zustimmend kommentiert

Strafdienst im Zoo für Grausamkeit. https://twitter.com/DXBMediaOffice/status/841985112623456257?ref_src=twsrc%5Etfw
 
Eine andere Zeitungsmeldung erreichte vorige Woche sogar deutsche Medien: Schnell hatte sich im Internet ein grauenvolles Handy-Filmchen verbreitet, das insgesamt drei Männer zeigte, welche eine lebendige, eingesperrte Katze - offensichtlich einem extra darauf scharf gemachten - Rottweilern zum Zerfleischen gaben. Diese Tierquäler wurden innerhalb kurzer Zeit polizeilich dingfest gemacht
Sheikh Mohammed erklärte, dass sie mit diesem "bestialischen Akt grundlegende menschliche Regeln missachtet sowie muslimische Werte verletzt" hätten. Er verfügte, dass sie nun drei Monate lange jeden Tag den Zoo Dubai putzen müssen.

Global Teacher Prize


Sicher tragen solche schnellen und eingängigen Aktionen der Regierung zur Verbundenheit der ständig oder zeitweise hier lebenden Bevölkerung bei. Natürlich gibt es aber auch erfreuliche Anteilnahme anderer Art. Als Beispiel sei genannt, dass gestern die kanadische Lehrerin Maggie Mac Donnell von Sheikh Mohammed bin Rashid al Maktum mit dem auf eine Million US-Dollar dotierten Global Teacher Prize in Dubai geehrt wurde. Die Jury zeichnete die Pädagogin für ihre vorbildliche Arbeit mit Schülern in der kanadischen Arktis aus. Marie-Christine Ghanbari aus dem Münsterland schaffte es als erste Deutsche unter die zehn Finalisten. (Wie, erzählt sie hier im Interview.) Beworben hatten sich mehr als 20.000 Lehrer aus 179 Ländern bei der Varkey Foundation, die jährlich den Preis vergibt.

Maggie MacDonnell mit Scheich Mohammed Bin Raschid Al Maktum bei derVerleihung des Global Teacher Prize in Dubai  (Foto: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/bild-1139485-1120102.html)

Dubais Herrscher: Spaziergänge in der "Masse"


Klar, solche internationalen Anlässe in die VAE zu holen und o.g. Auftritte diverser Art sind nicht zuletzt für die emiratischen Emire auch medienwirksam und PR-Arbeit im eigenen Interesse. Doch stets fällt einem insbesondere als Nicht-Emirati auf, wie volksnah die "Könige" hierzulande unterwegs sind.

Der 2004 verstobene Staatsgründer, Sheikh Zayed bin Sultan Al Nahyan, ist ein geradezu legendäres Beispiel dafür. Regelmäßig hört man hier Geschichten von Leuten, die ihm zu Lebzeiten persönlich begegnet sind, weil er eigentlich ständig in seinem Land, unter seinen "Schäfchen" unterwegs war und mit den Menschen ins Gespräch kam.

Auch die heutigen Regierungschefs knüpfen an diese emiratische Tradition an. Wer "Scheich Mo", wie ihn seine Bevölkerung liebevoll nennt, noch nicht selbst in Dubai begegnet ist, kann regelmäßig in den sozialen Medien erleben, wie er "inkognito" (aber natürlich erkennt man ihn überall) in Shopping Malls, auf Festivals, zum Essen mit einigen Verwandten und Freunden in öffentlichen Cafés sich unters Volk mischt (hier ein Clip, wie er in einem vollbesetzes Café an der Dubai Mall Platz nimmt).

Auch der "König" wartet an der Ampel auf Grün


Vor wenigen Tagen machte ein Clip die Runde, wie der Herrscher von Dubai sowie Premieminister und Vizepräsident der VAE zu Fuß mit einigen Emiratis geduldig an einer belebten Ampelkreuzung auf Grün watete (Video hier). Ein Schelm, wer Arges dabei denkt - natürlich auch hier eine geschickt platzierte PR.

Dennoch - interessant fand ich den Kommentar eines Inders darunter, welcher zu bedenken gab: "Wie erfrischend natürlich! Wenn in Indien ein Politiker von A nach B will, sind stundenlang alle Straßen gesperrt!" Das kann ich in Erinnerung an viele, viele Warteminuten - damals, während unserer Jahre in New Delhi - auf polizeilich für "hochrangige Personen" abgesperrten Kreuzungen nur bestätigen ...
By the way ... wie leicht kommt man eigentlich ohne Voranmeldung an hochrangige bundesdeutsche Politiker im täglichen Leben "heran"?

Die VAE feiern jegliche internationalen "großen" Feste


Zum guten Schluss. Was ist es, was es den hiesigen vielen Expats so leicht macht, ihre Verträge verlängern zu wollen  - neben Sonne, Sand, Entertainment und persönlicher Sicherheit? Es gibt einfach ein gutes, ein "willkommenes" Gefühl, wenn im islamischen Land VAE vor Weihnachten überall die Weihnachtsdekorationen, weihnachtliche Märkte und Kulturveranstaltungen sowie Christmetten das entsprechende, von daheim gewohnte "Flair" verbreiten.
Vor Diwali kann sich die hinduistisch geprägte Gast-Bevölkerung über entsprechenden Zierrat in den Malls freuen; großartig und farbenprächtig wird für die fernöstlichen Expats das chinesische neue Jahr begangen!

Hotel Burj al Arab in "irischem" Grün am 17.3. anlässlich des St. Patricks Day

Vorigen Freitag, am 17. März, erstrahlten alle wichtigen Gebäude hierzulande in sattem Wiesengrün - vom Burj al Arab über den Burj Khalifa in Dubai bis hin zum Hotel Yas Viceroy oder dem "Schiefen Turm", dem Capital Gate, in Abu Dhabi.
Wer sich nun vielleicht fragt, warum an diesem Tag alles knallgrün aussah - da er oder sie vielleicht weder mit Irland noch mit den VAE vertraut ist: Ganz einfach. Der 17. März ist St. Patricks Day! Dieser Tag wird in der römisch-katholischen Kirche zu Ehren des Heiligen Patrick begangen, und insbesondere von den Iren, als deren Schutzpatron der Heilige gilt. Da Grün die irische Nationalfarbe ist, erstrahlt also für die irischen Landsleute in den VAE an "ihrem" Tag alles in dieser Farbe.
Man bedenke: Es ist der Tag eines katholischen Heiligen, welcher unter den Iren meist mit sehr viel Bier etc. gefeiert wird ... und das mit Einverständnis und Fürsorge des islamischen Gastlandes.

Nicht überall auf dieser Welt fühlt man sich als Ausländer in seiner "Anderartigkeit", mit seinen heimatlichen Bräuchen und Festen so akzeptiert und umsorgt, wie in den Vereinigten Arabischen Emiraten ... Das macht es logischerweise schwerer, diese zu verlassen.


Montag, 2. März 2015

"Flüssig Brot" - wie man an Getränke kommt, wenn man mal kein Wasser will


Manchmal lebt der Mensch (vulgo der Deutsche Expat) auch nicht nur vom Brot allein.
In vielen muslimischen Ländern stellt einen das vor Probleme; Alkohol ist nun einmal nicht so recht Islam-konform. "Flüssig Brot" (Bier), Wein oder andere geistige Getränke gehören jedoch für Leute aus westlichen Herkunftsländern oft zur Geselligkeit oder Kulinarik schlichtweg dazu. Auch für mich gehört zu einem "runden" Essen ein gutes Glas Wein.

Einkauf im Alkohol-Geschäft namens "High Spirits"

Das Alkoholverbot wird in einzelnen Staaten ganz unterschiedlich gehandhabt. In Saudi-Arabien z.B. saßen wir wirklich auf dem "Trockenen" - merke: Es ist nicht immer von aridem Klima die Rede, wenn auswärts Lebende von einem "dry country" berichten, sondern möglicherweise auch von einem Land mit striktem Alkoholverbot! Das wurde dort weiland für uns nur unzulänglich verbessert durch diverse, vor sich hinblubbernde Kanister im Badezimmer. Eingeweihten muss ich jetzt nur den Begriff "Rauch-Säfte" zumurmeln....

In Delhi in Indien arbeitete ich intelligenterweise (zufällig) gleich bei DER - damals fast einzigen - Importfirma für Käse und Wein. Dort habe ich gelernt: Man kann sich sein Gehalt ja auch teils in "Naturalien" auszahlen lassen! So mussten wir nicht extra für ein Bier in eines der 5-Stern-Hotels gehen - denn nur dort wird in Delhi ausgeschenkt. In Libyen - ebenfalls "dry" - wiederum wusste uns meine arbeitsmäßige und freundschaftliche Nähe zu Diplomatenkreisen entsprechende zu Ware verschaffen.

Wie so einiges andere, ist auch dieses Thema in den Emiraten einmal wieder vergleichsweise einfach geregelt. Die Landesherren der VAE fanden für die vielen Ausländer, welche immerhin rund 85% der Gesamtbevölkerung darstellen, eine pragmatische Lösung. Motto: Zufriedenheit für alle, egal welcher Konfession.
In einem älteren Beitrag bin ich z.B. schon auf die in den VAE besonders eindrucksvoll beheimatete Einrichtung der "Ladies' Nights" eingegangen. Wenn man so will, eine - gemessen am muslimischen Umfeld - herausragend paradoxe Erfindung, die gerade darum großen Anklang findet.

Doch auch für den ganz unprätentiösen, heimischen Genuss sind Alkoholika hier im Laden erhältlich. Jedoch - um der Sensibilität des Themas Rechnung zu tragen - nicht im gewöhnlichen Supermarktregal, sondern in speziellen Geschäften. Theoretisch kann man da "einfach" so einkaufen gehen, sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass es in Abu Dhabi durchaus klare gesetzliche Regelungen gibt: Wer Alkohol ohne Lizenz dazu erwirbt oder konsumiert, macht sich strafbar!

So sieht die Homepage aus, auf welcher man diese Lizenz beantragen muss. Angabe des Visums, des Arbeitgebers und ein Beleg, dass man kein Muslim ist, sind Pflicht.


Das ist die Homepage https://www.auhsl.ae/Consumers/Pages/Home.aspx für die Beantragung der Lizenz

Die "Liquor Shops" der in Abu Dhabi einzigen Kette mit dem großartig gewählten Namen "High Spirits" selbst sind bemerkenswert gut sortiert und umfangreich ausgestattet. Unter Weinen, Bieren und Hochprozentigem aus aller Welt kann man z.B. chilenische Rotweine erwerben, österreichische Veltliner, natürlich superteure französische Champagnermarken, und sogar Rebengebräu aus dem anhaltinischen Saale-Unstrutkreis ("Rotkäppchen")!
Der Einkauf wird in stabile, schwarze Tüten verpackt, so dass man nach Verlassen des Geschäfts auch streng gläubige Moslems nicht einmal mit dem schieren Anblick von Alkohol belästigt. Erinnert ein bisschen an die Packpapiertüten im Amerika der Prohibition - ist aber doch hier eine für alle Beteiligten respektvolle Lösung, finde ich.

Erhältlich: Weine aus aller Welt, so auch aus Mitteleuropa

Die Preise sind so gehalten, dass man nicht gleich in Ohnmacht fällt. Jedoch auch so, dass man sich jedes Glas doch genauer überlegt - dies trifft in besonderem Maße auf Alkoholika in den Lokalen / Hotels mit Schanklizenz zu. Was zur Folge hat, dass in Abu Dhabi oder Dubai niemand auf ein Feierabendbierchen oder das Glas Rotwein zum Abendessen verzichten muss. Man allerdings auch nirgends betrunkene Menschen erlebt (hierfür sorgen wohl auch die dezent agierenden Sicherheitskräfte in den Restaurants).

Aber Achtung: Die Emirate haben unabhängig voneinander bestehende Gesetzgebungen. So ist z.B. Sharjah generell "trocken", d.h. es gibt auch in Hotels keinerlei Alkohol. Auf der Seite des Auswärtigen Amtes steht hierzu:
"Die VAE sind ein islamisches Land. Alkohol wird zwar in einigen Hotels angeboten, jedoch ist der Konsum ohne Lizenz verboten. Bei Zuwiderhandlung und Anzeige muss mit der Abnahme des Reisepasses, einer längeren Gerichtsverhandlung und einer Geldstrafe gerechnet werden. Im Emirat Sharjah wird das Alkoholverbot besonders streng gehandhabt. Alkohol wird in keinem Hotel angeboten."

Bevor man also in die VAE einreist, sollte man sich die jeweiligen Bestimmungen genau zu Gemüte führen, um vor unliebsamen Überraschungen gefeit zu sein!

Im übrigen: Ein Prosit auf diese Toleranz, die auf gegenseitigem Respekt fußt und somit sowohl für als auch gegen die Trinkgewohnheiten diverser Kulturen (fast) alles ermöglicht!












Montag, 3. November 2014

Oktoberfest: Vom Deutsch-Sein im Ausland


Unlängst fanden hier einige OKTOBERFEST-Veranstaltungen statt. Wie ja rund um den Globus, das verbreitet sich offenbar epidemisch! Oktoberfest in Honkong, Mexico-City oder eben Abu Dhabi. Klingt reichlich schräg, stimmt's?
Hm. In Deutschland käme ich wohl im Traum nicht auf die Idee, auf ein Oktoberfest mit Schunkel-Schlagern, Bier, Haxn und lauten Massengesängen zu gehen. Ich bin ja keine Bayerin! Selbst an den Ursprungsort, nach München selbst, zieht es mich inzwischen nicht mehr. Dafür aber hole ich hier, in der Wüste, jeden Herbst mein eigens dazu angeschafftes Dirndl aus dem Schrank, hebe meine Maß Bier, tanze auf dem Tisch und singe mit 1500 anderen Leuten gemeinsam lauthals sowas wie "In München steht ein Hofbräuhaus / Aans, zwoa, g'suffa!"), "Das ist Wahnsinn! (Hölle-Hölle-Hölle)" von Wolfgang Petry oder neuerdings "Atemlos" von Helene Fischer mit. Und wundere mich dabei, woher ich denn bloß die Texte kann? (Wer mich kennt, weiß auch, warum.)

Was mich zu der Frage veranlasste: Wie "deutsch" ist, bleibt - oder wird? - der Deutsche im Ausland mit der Zeit? Oder auch nicht!

Die Dirndl-Dichte war auch auf emiratischen Oktoberfesten bermerkenswert hoch,
Und wird sogar von Nicht-Bayern oder gar Nicht-Deutschen fleißig auf der Höhe gehalten!
 

Verschiebungen


Seit ca. 15 Jahren nun lebe ich im Ausland, von einigen Unterbrechungen an der Heimatfront abgesehen. Natürlich verändert man sich während so einer langen Zeit als Mensch, so oder so. Mit wechselnd fremdem Umfeld vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als üblich.
Deutsch zu sein hatte für mich früher keine besondere Bedeutung. Als ich dann im Ausland zu leben begann, veränderte sich natürlich auch das. Ich bin nicht "stolz", aber es gibt auch keinen Grund zur falschen Scham, denn überall schlägt einem heutzutage eigentlich große Sympathie entgegen, wenn man auf die Frage, wo man denn herstamme, "from Germany" sagt. 
In solchen Momenten wird mir aber auch bewusst, dass ich für das jeweilige Gegenüber, der oder die möglicherweise noch nicht oft Deutsche in persona kennengelernt hat, so eine Art "Botschafter" meines Landes bin: Je nachdem, wie ich bei demjenigen "ankomme", wird genau dies dessen Bild von "den Deutschen als solche" prägen; so unsinnig das auch sein mag. Also gebe ich mir Mühe, mein Heimatland möglichst positiv zu vertreten (heißt oft einfach: Freundlich zu sein und sich nicht danebenzubenehmen).

"Deutscher" als je zuvor bin ich im Ausland, wenn ich - siehe oben - mich auf Oktoberfesten verlustiere ... mich dabei allerdings auch frage, welches Deutschland-"Bild" da eigentlich zu den Menschen aus anderen Ländern transportiert wird? 
Deutscher als in Deutschland bin ich gewiss, wenn ich vor Weihnachten beginne, Dresdner Christstollen zu backen. In der Heimat ginge ich einfach zum Bäcker... Super deutsch habe ich jahrelang meinen Quark und das Schwarzbrot selbst gemacht. Und Ostereier wurden immer versteckt; je nach Klimazone vorzugsweise aber nicht aus Schokolade.... Deutsch bin ich auch in punkto Pünktlichkeit geblieben: Egal, wie vorhersehbar spät der Gesprächspartner nach mir kommen mag, egal wie spät die Veranstaltung vorhersehbar nach dem offiziellen Beginn startet.... nicht "punkt" da zu sein verursacht mir immer noch Unwohlsein und Herzrasen.

Aber in anderer Hinsicht hat man sich im Laufe der Jahre auch etwas angepasst. Da wurden "deutsche" Kanten wohl abgeschmirgelt. Wartezeiten, auf was auch immer (s.o. ausgemachte Zeiten, aber auch an Ladenkassen, auf Handwerker,.....) nehme ich nach langem, hartem "Training" mittlerweile mit der nötigen orientalischen Gelassenheit hin. Anders würde ich wohl ständig kurz vor dem Herzanfall stehen! 
Ich bemühe mich um einen freundlichen Gesichtsausdruck oder auch mal ein Lächeln "außer der Reihe" im täglichen Miteinander mit der Umwelt - einfach, weil man außerhalb Deutschlands eben auch oft wesentlich freundlicher mit mir umgeht. Mein Deutsch hat sich wahrscheinlich auch verändert - oft geht es Richtung "Denglisch" mit je nach Aufenthaltsland eingestreuten Brocken der dortigen Alltagssprache. Hat in unserem Falle nichts mit Angeberei zu tun, sondern ergibt sich manchmal einfach so, weil man immer das Wort benutzt, was einem gerade zuerst einfällt!
Bei vielen Aufregern und "Skandalen", welche durch die deutsche Presse gehen (z.B. Pestizide in Lebensmitteln, Weichmacher in was-weiß-ich, Streiks in einem Stadtteil) und überhaupt bei Regularien für alles und jeden zucke ich inzwischen oft nur noch mit der Schulter. Zu oft gesehen, dass nun mal vieles "geht" und man dennoch weiterlebt. 

Vergleiche


Permanent beginnt man auch automatisch Gegebenheiten zu vergleichen zwischen verschiedenen Ländern oder Kulturen: An einem Ort ist alles chaotischer, am anderen besonders hilfsbereit, wieder woanders brauchen Kinder nirgends Eintritt zu zahlen. Sie werden entweder extrem verwöhnt oder aber sollten am besten gar nicht durch zur Schau gestellte "Individualität" auffallen. Da scheint Bildung ein hohes Gut, woanders Gegenständliches Priorität zu haben. In manchen Weltgegenden rasten die Leute total wegen König Fußball aus und zentrieren geradezu ihr Leben darum - woanders aber wegen Cricket oder Baseball! Hie dreht sich alles um Berufsleben und Arbeit, da eher um die Familie. In einem Land sollte man keinen nackten Bauch zeigen, woanders hingegen ist das kein Problem, dafür aber nackte Schultern. Usw....
Dieses ständige Vergleichen bringt ielleicht diese relative Gelassenheit oder auch Abgebrühtheit (?) in vielen Dingen mit sich, nehme ich an. Ich sehe ja: Man kann es so oder so machen, oder ganz anders. Möglicherweise ist das auch das, was man gemeinhin Toleranz nennt.

Naja, und sicher ist es keinesfalls mehr "deutsch", dass ich - und auch unsere Kinder - sich nach Regen sehnen und 'wolkenverhangen' inzwischen eindeutig knalliger Sonne vorziehen!

Festzelt mit Festbier - aber nicht in München, sondern in Abu Dhabi!


Dienstag, 10. Juni 2014

Halligalli - Expat-Leben in Saus und Braus, Teil II

http://globalcoachcenter.files.wordpress.com/2012/02/what-people-think-accompanying-expat-women-do.png

Die Sache mit meinem (nicht vorhandenen) Chauffeur und Koch habe ich nun schon im letzten Posting geklärt. Dennoch ist die Vorstellung vom zahlreichen "Personal" des gemeinen Expats - ob nun mit oder ohne Neid - in Europa weit verbreitet. Als ob nicht eine Vielzahl (zumindest west-) deutscher Haushalte ebenfalls eine Zugehfrau beschäftigte...
Mit dem Unterschied, dass deutsche Wohnungen i.d.R. so gebaut sind, dass nicht der ganze Smog sich durch undichte Türen und Fenster täglich mindestens einmal schön schwärzlich überall in feinem Smog-Film festsetzt; oder in anderen Gegenden alternierend der Wüstensand... Die deutsche Familienmutter möchte ich sehen, die neben ihren anderen Tätigkeiten auch noch täglich (mehrfach) wischen mag!
Was den Gärtner angeht... nicht jeder im Ausland Lebende verfügt überhaupt über einen Garten, der versorgt sein müsste. Das Kindermädchen ist bei nicht-deutschen Expats durchaus üblich - Deutsche erziehen allerdings offenbar lieber selbst -, aber Ansichtssache. Für manche ist es eine große Erleichterung, für andere ein (künftiges) Erziehungsproblem... für sie selbst; Stichwort "kleiner Prinz". Jedoch für die meisten einfach überflüssig.

Damit hätten wir gleich noch ein anderes Stichwort beim Wickel. Sind alle Expat-Kinder verzogene Blagen? Ich denke, genauso viel oder wenig wie andere auch. Mit der Anzahl der Hausangestellten, die sich überwiegend ums Kind kümmern (anstatt der Eltern), mag dieses Risiko zwar steigen. Da wir ja aber inzwischen festgestellt haben, dass der Großteil der Expats ohne nennenswertes "Personal" auskommt, nivelliert sich dies. Ausnahmen bestätigen immer die Regel, aber die meisten Kinder an Auslandsschulen, die ich über die Jahre kennenlernte,  sind erstaunlich wenig materiell gierig (wenn auch oft gut ausgestattet), dafür aber mit einer beneidenswerten Offenheit und Toleranz ausgestattet. Und falls nicht von den Eltern anderes vorgelebt wird (Ausnahmen bestätigen usw....), erscheinen sie überdies oft auch mit einem gut ausgeprägten Sinn für soziale Ungerechtigkeit und mit tiefer Verwunderung gegenüber Leuten, welche andere Menschen nach Hautfarbe, Religion oder gar Sprache bewerten.

Pool, oder nicht Pool......


Ganz oben auf der Hitliste der Vorstellungen vom Expat-Leben (bei denen, die keines führen), ist....... tatatataaaaa! - darauf haben einige schon gewartet - der: Eigene Swimmingpool!
Hier in den Emiraten wohnen viele meiner Bekannten im wahlweise 27., 32. oder gar 64. Stockwerk. Pools sind in deren Wohnungen nicht vorgesehen. Und selbst die, welche in einem Haus leben, haben manchmal einen, jedoch längst nicht immer. Um es für Neugierige noch genauer zu benennen: Nein, ich habe hier KEINEN Pool im Garten. Wir haben im Ausland in überwiegend Wohnungen, einigen Häusern, aber nur ein einziges Mal in einem Haus mit Pool gewohnt. Wobei die Freude darüber nicht ungetrübt war, sondern dieses Wasserloch vor der Haustür eher ein Grund ständiger Albträume und Sorgen.
Wenn man ein Kleinkind hat, das zwar schon mal allein im Garten spielen dürfte, aber noch nicht schwimmen kann, peinigen einen permanent Schreckenszenarien... Da hilft nur großräumiges Absperren des Teils. Und selbst wenn dieses Problem entfällt - so ein Swimmingpool enfaltet schnell ein Eigenleben. Entweder vermeidet man die hemmungslose Vermehrung gesundheitsschädigender Einzeller, indem man rund um die Uhr das Wasser im Auge behält (nee, nicht wirklich....) Oder aber man wirft zur Abtötung derselben ordentlich Chlor in Mengen hinein, so dass man beim Baden z.B. die Schwimmbekleidung oder die Haare gleich mit desinfiziert und einer Bleiche unterzieht (die nicht erwünscht ist). Tja, also ich persönlich ziehe das Leben ohne eigenen Swimmingpool bei weitem vor.

Der Unterschied zwischen "Urlaub" und "Wohnen"

 

Witzig finde ich immer wieder, wenn Leute, die unser Gastland als Touristen bereist haben, sich höchstlich verwundern, was wir im Gegensatz zu ihnen dort alles NICHT besichtigt haben. Ja, es ist schon ein Unterschied, ob man ein paar Wochen nur zum Angucken hat. Oder bei sechs Tagen die Woche 12 Stunden auf Arbeit  - und dem Jahresurlaub fix bei der deutschen Ursprungsfamilie verbracht - nicht ständig zwischen 400 und 700 km einfache Strecke auf sich nehmen kann, um zur nächstgelegenen Sehenswürdigkeit zu gelangen! Womöglich noch mit kleinen Kindern... Denn nicht überall liegen die besichtigenswerten Orte so rasend dicht beisammen wie in Mitteleuropa, und nicht umsonst nennt man beispielsweise Indien einen Sub-KONTINENT...
Gegenprobe: Wie oft pro Jahr (!) besichtigt der in Deutschland lebende Deutsche denn den Berliner Reichstag, den Englischen Garten in München, den Hamburger Fischmarkt zuzüglich des Eiffelturms in Paris, Big Ben in London sowie einigen Kirchen in Italien, Almen in Österreich und dem Stockholmer Königspalast? Na bitte.

Der Expat als Umweltsünder?!


Als "böse" wird häufig der umweltunfreundliche Einsatz der Aircondition bei sommers Temperaturen über 40 Grad betrachtet, und im Sommer gekühlte Swimmingpools sind des Teufels. Nun frage ich Euch: Heizt in Europa denn winters niemand mehr seine Wohnung, oder gar die Schwimmhalle? Ich denke, da wären wir alle miteinander ziemlich quitt...

Was die Fliegerei angeht: Viele Expats - so auch wir - haben in den Herkunftsländern noch Familie und möchte diese Beziehungen gern pflegen. Auch und gerade wegen der eigenen Kinder, die Oma und Opa, Onkel und Tante, Cousin und Cousine, aber auch das normale deutsche Alltagsleben nicht nur von Fotos und Erzählungen kennen sollen. Ist es verwerflich, die Familie einmal im Jahr zusammenzubringen? Immerhin begeben wir uns per Flugzeug im Urlaub schon seit fast 15 Jahren dorthin, woher sich andere jedes Jahr (per Flugzeug...) wegbewegen: die ostdeutsche Provinz. Wir lieben unseren heimatlichen "Hafen" einfach zu sehr. Und per Kamel dauert es definitiv zu lange dort hin....Während ja Deutsche ihren Jahresurlaub öfters auch ganz gern per Flieger antreten - man besichtige einmal die Massen auf deutschen Flughäfen zur Urlaubszeit....

Paaaaaarty!?!

 

 "Ihr macht wohl auch ständig Party?" heißt es schnell, wenn man daheim Fotos vom Leben in der Fremde zeigt. Ja, der Eindruck kann sich einstellen. Denn wie andere auch, fotografieren wir vor allem das Besondere; nicht den täglichen Abwasch, die Mülltüten oder den Kühlschrank. "Besonders" sind kulturelle Erlebnisse, Ausflüge, und ja - auch Feiern mit Freunden. Während es in Deutschland gar nicht so wenige Leute gibt, welche jedes zweite Wochenende neben dem Grill auf dem Geburtstag von Tante Heidi, Patenonkel Richard, der Silbernen Hochzeit von Rudi und Gerlinde oder dem Jahrestag des Volleyballvereins verbringen, fallen für den Expat familiäre Feiern in der Regel naturgemäß weg (bis auf die Kindergeburtstage natürlich!).  Dafür kommt man dann eben gelegentlich mit der "Ersatz-Familie" zusammen, welche sich aus aktuell am gleichen Ort lebenden Freunden und Bekannten zusammensetzt. Dass sich bei der Gestaltung von gemeinsamen Essen, Mottopartys oder Ausflügen durchaus einiges an Kreativpotential vereinigt, ist selbstverständlich ein erfreulicher Nebeneffekt.

Der Preis des Luxus...... 

 

Der Preis, den man für den - oft vermeintlichen - "Luxus" des Expatlebens bezahlt: Alle und alles zu verlassen, was man liebt, kennt, ja - auch nur gewöhnt ist! Einmal, zweimal.... immer wieder: Abschiede. Ich bin bisher rd. 15 Mal im In- und Ausland umgezogen; gezählt wird nicht mehr. Mancher Neider des "Expat-Luxus" findet es hingegen schon unerhört, wenn er wegen des Jobs EIN Mal in die Nachbarstadt umziehen sollte!
Man darf dabei nie vergessen: Es geht hier meistens nicht um den Wunsch nach einem besonders aufregenden oder tollen Leben, sondern i.d.R. oft einfach darum, einen bestimmten Beruf und die eigene Familie in Einklang zu bringen - und wenn das daheim nicht geht, dann eben im Ausland.

Die Begeisterung dafür, in die Fremde zu ziehen, scheint beim deutschen Arbeitnehmer eher rückläufig zu sein, siehe diesen Beitrag: Deutschen wollen ungern Expats werden

Eins steht fest: Man "bewegt" sich in einem solchen Leben konstant drei Schritte zurück.... und dann maximal fünf vorwärts. So kommt man ebenfalls voran im Leben, klar! Aber es ist anstrengend... Dennoch muss ich für mich ganz klar sagen, dass ich die Horizonterweiterung, welche mir unser Leben "woanders" beschert hat, nicht mehr missen möchte!


Wer unter mitlesenden Expats an dieser Stelle selbst Anekdoten, Erinnerungen, Sprüche auf Lager hat, welche zu diesem Thema passen: Nur her damit! Ob als Kommentar hier darunter oder als Nachricht an mich - ich sammle sie!



Freitag, 4. April 2014

Im Lande der AUS-LÄNDER...

Das, was uns so an den Emiraten gefällt, ist zugleich auch eine Eigenartigkeit besonderer Güte. Die Vielfalt an Nationen, Sprachen, Küchen, Hautfarben, Religionen, Kulturen, Kleidungsstilen und Lebensweisen macht das Land zu einem Paradebeispiel an friedlichem Miteinander. Leben und leben lassen.... Auch wenn die Emirate natürlich grundsätzlich der Sharia verpflichtet sind und man sich an die wichtigsten Grundregeln auch als Ausländer halten sollte, fällt das Leben hier doch durch eine unvergleichliche Toleranz auf. Uns bereichert das.
Aber wie mag es sich für die "Hausherren" anfühlen?! Oft mache ich mir darüber so meine Gedanken, wenn ich unterwegs bin und Einheimische treffe. In der Regel leicht an ihrer traditionellen Kleidung zu erkennen: Die Herren in bodenlangen blütenweißen Hemden und dem (meist ebenfalls weißen) Kopftuch mit der schwarzen Kordel. Plus Smartphone(s) - ohne geht hier gar nichts mehr. Die Damen in schwarz von Kopf bis Fuß, wobei "Kopf" bedeuten kann: Kopftuch, Kopftuch mit Gesichtsschleier, Kopftuch mit Gesichtsschleier und darüber noch einem dünnen Schleier vor den Augen.... - dazu meist ultrahohe High Heels und Designer-Handtasche.
Fakt ist: Gebürtige Emiratis machen im eigenen Land nur noch ca. 15 % der Bevölkerung aus! Der "Rest", in dem Falle also die absolute Majorität, sind Ausländer rund um die Welt. Von mehr als 120 Nationen wird gesprochen, die derzeit in den VAE leben und arbeiten. Wobei natürlich ein einzelner Bürger Vanuatus, der herkommt, diese Statistik sofort noch anheben würde....
Die allergrößten Anteile haben dabei Filippinos, Inder, Bangladeshis, Menschen anderer arabischer Staaten; danach müssten prozentual dann die Westeuropäer und Amerikaner kommen.

Wenn ich also so durch die Straßen gehe oder irgendwo in einer Mall auf Einkaufsrunde bin, erinnere ich mich oft, wie das für mich früher als die "Exotin" war. In Saudi-Arabien wurde man als Expat (=Expatriat. Jemand, der für längere Zeit in einem anderen als seinem Heimatland lebt und arbeitet) meist sehr höflich ignoriert. In Indien wurde man als (weißer.... noch dazu) Expat hemmungslos angestarrt wie eine Albinoschlange im Zoo; unsere  Kinder wurden da auch gern begrabscht wie Melonen auf dem Gemüsemarkt. In Libyen hingegen nickten uns die Leute auf der Straße meist freundlich als einem Gast ihres Landes zu.
Hier ist das anders: Hier sind es die Emiratis selbst, die "Hausherren", die mit Blicken verfolgt werden! Wohin gehen sie, haben sie "Personal" mit und wie behandeln sie diese Leute, wie gehen sie mit ihren eigenen Kindern um, oha, aha, sehr nett..... Meist strahlen sie Würde und eine gewisse Immunität aus. Ob ihnen auffällt, dass sie von ihren vielen Gästen aus allen Zeitzonen dieser Welt taxiert werden?