Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Montag, 14. März 2016

Land unter - Dächer ab!

Vergangene Woche waren für die VAE Unwetter angekündigt - mit Gewittern, kräftigem Regen und Sturm. Alles Erscheinungen, welche man hierzulande nicht alle Tag erlebt. Als am Dienstag in Abu Dhabi ein Wolkenbruch niederging und Schüler - sicherlich nicht nur an der deutschen Schule - Ärger bekamen, weil sie ihre Pause unerlaubt etwas "verlängert" hatten, um den Guss zu feiern, war man noch amüsiert.

Straßen am 9.3.2016 in Abu Dhabi. Quelle: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10153468037831636&set=pcb.10153468039091636&type=3&theater

Dies wich leichter Irritation am Mittwochmorgen - das hiesige Bildungsministerium ADEC hatte nach Sichtung des neuen Wetterberichts kurzerhand für alle Schulen und Universitäten "aus Sicherheitsgründen" den Unterricht abgesagt. In einer hektischen Kette aus Anrufen, SMS, E-Mails, Facebookaufrufen und WhatsApp-Nachrichten wurden versucht, "auf allen Kanälen" rechtzeitig kurz nach 6 Uhr alle Eltern und Schüler zu erreichen, damit niemand umsonst zur Schule käme!

Die plötzlichen "Ferien"-Kiner freute es natürlich, doch manch Erwachsener lästerte ein wenig: "Da gibt es in den Emiraten mal richtigen Regen - und gleich wird der ganze Unterricht abgesagt?!" Man  stellte anschließend fest: "Nun gut - dafür gibt es in Deutschland schon ab 25 Grad hitzefrei. Wenn es danach ginge, wäre hier wohl an 340 Tagen im Jahr kein Unterricht! Aber hier wird der selbst bei fast 50°C nicht abgesagt..."
So sah es am 9.3.2016 mittags gegen halb zwölf aus - Blick aus meinem Fenster.

Mittags, gegen halb zwölf, wurde es draußen fast nachtschwarz. Überall in den Häusern ging die Beleuchtung an. Dann begannen Blitz, Donner, Wolkenbruch und Sturm unioso... Die Palmen bogen sich, von den Böen gepeitscht hin und her, man hörte lose Gegenstände in den Gärten gegen Häuserwände knallen. Vor allem war ich erst einmal mit dem Aufwischen Wassermassen beschäftigt, welche an einer unsichtbaren Stelle im Fußboden hereindrangen. Eine Quelle sprudelte - und das mitten in meinem Haus, in der 1. Etage!

Bei anderen war das Ungemach viel heftiger; ich habe von Wohnzimmern gehört, die wie Swimming Pools aussahen! In der City, wo die Hochhäuser dem Wind eine ganz andere Angriffsfläche bieten, ist das Ausmaß der Verwüstung weit größer gewesen, als ich es in unserem Compound anfangs mitbekam. An einigen Stellen wurden die vollverglasten Fassaden an hohen Gebäuden von herumschleudernden Fensterputzerkanzeln eingeschlagen oder rauschten ganz in die Tiefe - wie durch ein Wunder wurde niemand erschlagen! Bauzäune flogen in Autos, Kräne kippten, Straßenschilder wurden geknickt. Man sieht: Für Hitze sind die hiesigen Bauten sicher ganz gut geeignet; auf Regen und Sturm hingegen nicht eingerichtet....
Eine (nicht meine!) Wohnung in Abu Dhabi nach dem Unwetter. Quelle: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10153468037641636&set=pcb.10153468039091636&type=3&theater

Hier ein Video mit Zusammenschnitten, wie es am Mittag des 9.3.2016 in Abu Dhabi vielerorts gewütet hatte, hier ein anderes auf einem Flugplatatz.


Familien saßen stundenlang auf überfluteten Straßenabschnitten in ihren Wagen fest. Parkende Autos wurden eingedellt, Bäume umgeworfen. Noch jetzt kann man die Verwüstung sehen, wenn man durch die Straußen fährt - in manchen Parks oder auf Grünstreifen liegt jeder zweite (flachwurzelnde...) Baum am Boden! Zum Glück ist eine Armada an Aufräumarbeitern mit der Beseitigung der Schäden beschäftigt.

Auch Schulen wurden beschädigt bei diesem Unwetter! Im Nachhinein muss man sagen: Das Bildungsministerium wusste wohl besser, was da heraufzieht und traf eine weise Entscheidung! Ein Glück, dass solche Unwetter in den VAE nur aller Jubeljahre einmal passieren.

Dienstag, 5. Januar 2016

Ohne Moos nix los


Wir waren ja - wie jedes Jahr - über die Weihnachtstage daheim in Deutschland, haben Familie und Freunde gesehen. Es war schön wie immer.
Einer der ersten "Gänge" ist dann immer erst einmal in den Wald - darauf bestehen auch meine Mädels. Wenn man ihn nicht mehr jederzeit 'hat', merkt man, wie zauber- und märchenhaft so eine Ansammlung von Gehölz doch ist. Und wie geradezu berauschend dort die feuchte Erde, das Laub, die Nadeln, morsches Holz und natürlich auch das Moos duften!

Dass das Verhältnis zum in Europa vulgo als "schlechtem" (Regen) bezeichneten Wetter sich in anderen Gefilden geradezu gegensätzlich umdrehen kann, habe ich an dieser Stelle ja schon gelegentlich thematisiert. Dennoch finde ich es immer wieder witzig, wenn die Kinder in den Emiraten aus der Schule ins Freie stürmen, weil es auf einmal etwas REGNET!

Vorgestern war hier ein ungewöhnlich "schöner Tag!, bedeutet: Es goss regelrecht vom Himmel. Als ich, aufgrund der unüblichen Straßenverhältnisse etwas verspätet, mit den Kindern beim unserem syrischen Kieferorthopäden eintraf, stand dieser doch fröhlich vor dem Hochhaus, in welchem sich seine Praxis befindet: "Oh Hallo, gutes neues Jahr!", rief er uns strahlend zu, "Geht schon mal rein. Ich komme gleich, ich genieße nur noch schnell bisschen den Regen!"

Da ich den Duft des Waldes hier so vermisse, habe ich diesmal etwas "eingeschmuggelt" - nämlich in Deutschland abgezupftes Waldmoos. Das hat hier in der Küche eine Schale mit feuchter Erde bekommen, und ich hoffe sehr, es wird trotz der Entfernung zum Heimatwald doch gedeihen. Momentan riecht es leider gar nicht mehr so richtig "moosig". Na, vielleicht kommt das ja nach etwas Akklimatisierung wieder?!



Experiment: Wird deutsches Waldmoos unter Wüstenbedingungen gedeihen?

Sonntag, 25. Mai 2014

Es wird Sommer! oder ... Sehnsucht nach dem Klang des Regens

Es ist mal wieder so weit: Kein Tag unter 40°C, keine Nacht unter 32°C..... Man möchte aus der Haut fahren (nur wohin.... da ist es ja auch heiß!). 

Außentemperatur Ende Mai (im Schatten)
Am Wochenende waren wir mal wieder auf Fossilien-Jagd. Nun ja, es ging durchaus Wind - nur war das wenig hilfreich. Man stelle sich vor, man heizt seinen Backoften auf ca. 50 Grad Umluft, und setze sich dann da rein.... so ungefähr fühlte sich das an.

Ein Glück, dass es drinnen Air Condition gibt, welche man auf angenehme 26, 27 Grad regeln kann. Und komme mir jetzt keiner mit Klima-Katastrophe und Energieverschwendung! Oder wird in Europa winters neuerdings nicht mehr geheizt (=Energieverbrauch), um es erträglich zu machen?!

Und wie das so ist, wenn man vor sich hinschwitzt: Man sucht nach Erleichterung. Kann ja auch mentaler Art sein.....
Meine große Tochter hat sich eine App für ihr Telefon heruntergeladen - kostenlos, wie sie versicherte. Sie kann das, denn mit fast 15 hat sie es endlich, wie gefühlte 99% ihrer Freunde, zu einem iPhone gebracht. Mit viel "Einsatz" ihrerseits, der sich strategisch klug in klaglosem Abwarten äußerte...... das Kind kennt seine Eltern eben lange genug.
Die Mutter, nicht technik-blond, aber auch nicht wahnsinnig technik-affin, erlebte eine Novität. Jaja, das soll auch jenseits der 40 manchem noch gelingen! Sie hat sich fast die gleiche App wie ihre Tochter auf ihr Smartphone (eines anderen Herstellers) geladen.

Und worum geht es da eigentlich? Schade, dass so ein Blog keinen Mund und keine Ohren hat, denn zur Veranschaulichung wäre es gut, wenn man jetzt HÖREN könnte. Es handelt sich nämlich um eine "Regen"-App; per Antippen kann man unter diversen Regengeräuschen auswählen - von sanftem Tröpfeln über klassischen Dauerregen bis hin zu Ans-Fenster-Gepladder und sogar einen Gewitterguss.
Regen-App auf meinem Telefon

Falls sich der genervte und möglicherweise von aktueller Wetterlage daheim frustrierte Leser fragt, wozu in drei Teufels Namen man denn eine "Regen-App" braucht: Unter emiratischem Himmel, der  an ungefähr 350 Tagen im Jahr blau und wolkenlos und oft grell von erbarmungsloser Sonne ist, verschafft einem das trauliche Tröpfeln und Plätschern und Gurgeln eine geradezu labende Erleichterung. Gleich ziehen einem (nicht vorhandene) Düfte nach feuchter Erde, nassen Blättern und nasser Wolle durch die Nase. Naturdüfte, welche wir in der quasi geruchsfreien Wüstenluft oft vermissen...

Wenn's mir mal wieder zu heiß wird bei derzeit (s.o.) Grad..... lege ich also mein Telefon neben mich, werfe diese App an..... und lass es regnen!

Woanders hasst man Regen - hier rennen unsere Kinder extra begeistert raus!