Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Donnerstag, 8. Juni 2017

Auf Safari in Al Ain


Der Zoo von Al Ain ist schon länger nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel für die Emiraties und ihre Gäste, sondern auch eine renommierte Bildungs- und eine moderne Forschungs-und Zuchtinstitution.

Seit einigen Monaten nun hat sich das Angebot des Zoos für die Besucher noch einmal beträchtlich um eine weitere Attraktion vermehrt: Sieben Jahre lang wurde am neuen, direkt anschließenden Safari-Park gebaut. Entstanden ist ein großes Gelände mit afrikanischen Tieren, das man im Großraumgefährten für max. 26 Personen oder auch im klimatisierten SUV durchqueren kann.Täglich werden diverse Touren angeboten.




Safari-Park des Zoos Al Ain mit derzeit afrikanischen Wildtieren
Wir hatten, mitten im heißen Juni und dazu noch Ramadan, eine Sonnenuntergangstour im SUV gebucht. Zwar mit 1000 Dhs nicht gerade billig, doch wenn man mit bis zu 6 Personen kommt, ist es dann doch relativ moderat.
Der junge emiratische Fahrer brachte uns zu den einzeln und in Gruppen herumstreifenden Tieren: Gazellen aller Art, Vögel, Zebras. Auch die Giraffen sind meist unterwegs, erwarteten uns jedoch bei unserem Ausflug lieber - die Füße im Teich nahe der Besucherplattform kühlend - in Erwartung ihrer abendlichen Karottensticks. Diese hatte unser Guide praktisch in Streifen geschnitten in der Tupperdose extra für uns dabei.
Die Löwengruppe befindet sich zur Sicherheit auf einem mittels Graben abgetrennten Gelände.

Die kleine Giraffenherde erwartete ihre abendlichen Karotten aus unserer Hand an der Besucherterrasse


Sonnenuntergangsstimmung bei den Gazellen















Bemerkenswert fand ich, dass diese Wildtiere im Laufe ihres bisherigen Safaripark-Aufenthalts dermaßen an Mensch und Auto gewöhnt worden sind, dass sie nicht nur die Köpfe in den Wagen stecken, sondern der Fahrer oft regelrecht Mühe hatte, nach einem weiteren Fotostopp wieder anzufahren, weil sie mit ihrer Flanke gemütlich schon fast am Auto lehnten ...

In den kommenden Jahren, so erfuhren wir, soll das Safari-Gelände, dem architektonisch hübsch angepasste Versorgungs- Souvernir- und Gastronomie-Gebäude vorgelagert sind, noch einmal um etwa die gleiche Ausdehnung mit einem "Asien"-Park erweitert werden soll. Zudem sind ringsherum Hotels mit Blick auf die Anlagen vorgesehen.


Das Sheikh Zayed Desert Learning Center, ein Museum über das Leben in der Wüste - mitten im Zoo Al Ain -, ist nicht nur thematisch, sondern auch architektonisch interessant

Der neue Zoo-Teil beherbergt überdies neue, weitläufig-moderne Gehege, einen anregenden "Garten der Sinne" mit vielen Probier-und Mitmachmöglichkeiten für die ganze Familie. Und das hat ganz besonders abends etwas sehr Spannendes; ein nächtlicher Zoo-Besuch während des Ramadans ist also so eine Art Geheimtipp.

Als Juwel kann man wohl auch das Sheikh Zayed Desert Learning Center bezeichnen. Dieses Museum bietet einen Überblick über alles, was mit dem Thema "Wüste" verbunden ist - geografisch, Tierwelt, aber auch Mensch und Wüste. Abends wirkt dieses architektonisch außergewöhnliche Gebäude mit seiner Beleuchtung wie ein von einem fremden Stern mitten im Zoo gelandetes Riesenobjekt!

"Garten der Sinne" mit u.a. täuschend echt nachgebauten Termitenhügeln im neuen Teil des Al Ain Zoo


Neues Hotel in Al Ain: das Aloft


Übenachtet haben wir im noch ganz neuen ALoft Hotel Al Ain. Direkt neben dem ebenfalls neuen Hazza Bin Zayed Stadium und dem anschließenden Wohnviertel gelegen, hat man vom Pool auf dem Dach einen schönen Rundumblick über diese grüne Stadt, u.a. auf den höchsten Berg der VAE, den Jebel Hafeet, an der Grenze zum Oman. 
Das Restaurant und die Poolbar bieten übrigens sehr innovative, moderne Fusionsküche - unbedingt empfehlenswert. 

Die Zimmer sind modern und angenehm günstig. Es gibt mehrere Restaurants bzw. Bars im Haus. Sehr angetan waren wir vom Iftar-Buffet im "Olive Tree" - Service und Speisenangebot waren auch hier sehr erfreulich.

Einfallsreiche Desserts beim Abendbuffet

Typische arabische Gewürze als Deko-Elemente im neuen Hotel der Oasenstadt Al Ain
  
Blick über den Infinity-Pool auf dem Dach des Aloft-Hotels Al Ain hinweg

Montag, 24. April 2017

CinemaSpace Abu Dhabi: Programmkino der Extraklasse


Eines der wenigen Dinge, die ich hier in Abu Dhabi vermisse, sind Programmkinos. Denn eine Vielzahl großer, großartiger Multiplexe findet sich in den hiesigen Malls zwar durchaus. Inklusive einer Menge Bollywood-Produktionen sowie natürlich den Krachern aus Hollywood - bevorzugt aus den Genres: laut, kriegerisch, explosiv, Weltuntergangs- und Alien-lastig sowie Horror. Oder aber ... sehr schmalzig.
Was mir persönlich jedoch fehlt, sind die kleineren Produktionen aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturen, welche oft etwas realistischere Themen aufgreifen und die in Europa in den kleineren, unabhängigen Kinosälen gezeigt werden.

                                                                                                                                                                         Bild: Pixabay


Diese "Lücke" zu schließen hat sich in Abu Dhabi ein junger Mann auf die Fahnen geschrieben. Ein wahrer Cineast, der so bescheiden ist, hinter sein "Produkt" (Abu Dhabis einziges Programmkino) zurücktreten und anonym bleiben zu wollen. Nennen wir ihn deshalb einfach Mohammed, denn so heißt hier gefühlt jeder zweite. Seine Eltern stammen aus Indien, er selbst jedoch ist bereits in Abu Dhabi geboren und aufgewachsen.

Diese Filmvorführungen im CinemaSpace Abu Dhabi "leben" nicht zuletzt auch dadurch, dass er jeweils zu Beginn eine kurze Einführung in Dreharbeiten, Handlung und Bedeutung des Streifens gibt - alles im geschliffensten Englisch und mit so viel persönlichem Enthusiasmus vorgetragen, dass man schon allein dadurch neugierig auf den anschließend gezeigten Film wird. Man hat wirklich das Gefühl, bei einem filmkundigen Freund daheim zum Pantoffelkino eingeladen zu sein, der einem gern seine Lieblingsstreifen zeigen möchte.

Gegenwärtig das "Gesicht" von CinemaSpace: Szene aus "Picknick am Valentinstag", 1975


Regelmäßig zwei-, dreimal die Woche lädt er in einen Hörsaal des Museumsdistrikts auf Saadiyat Island ein. Zuvor im Medienviertel der Hauptstadt, im twofour54 beheimatet, bietet der neue Ort nun noch mehr und auch bequemere Sitze.

Was hier über die Leinwand flimmert, sind echte Perlen der Kinogeschichte, denn neben aktuellen Independent-Streifen aus verschiedensten Ländern gibt es immer wieder auch sowohl einst sehr bekannte wie auch eher unentdeckt gebliebene Filme zu sehen.
Genauso weit wie der zeitliche Fächer ist auch die Genrevielfalt gehalten: Vom Monumentalfilm wie den "Zehn Geboten" (1956) über Familienfantasy ("Der Zauberer von Oz", 1939) und Zeichentrick, wie z.B. "Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH" (1982) über alte Western ("Shane") bis zu Zeitgenössischem, wie "Refugiado" (Argentinien 2014), der Suche eines Jungen und seiner Mutter nach einem gewaltfreien Leben. Ebenso gibt es immer wieder Gewinner von Filmfestivals zu sehen, wie "Mustang" um fünf türkische Schwestern, der 2015 in Cannes prämiert und für den Oscar nominiert wurde.

Nicht nur ist das Engagement von Mohammed und denjenigen, die ihn unterstützen  ehrenamtlich, um der Filmfreundesgemeinde von Abu Dhabi regelmäßig hochwertige Kinokost anbieten zu können.
Auch für die Besucher sind diese besonderen Filmabende völlig kostenlos! Nur um vorherige Anmeldung auf der CinemaSpace-Homepage wird gebeten, um die benötigten Plätze seitens des Veranstalters abschätzen zu können. Auf der Seite kann natürlich auch immer das aktuelle und geplante Kinoprogramm eingesehen bzw. der Newsletter abonniert werden. Auch auf Facebook kann man alles zur Information Nötige über CinemaSpace Abu Dhabi finden.


Sonntag, 15. Januar 2017

Ausflug in den Regenwald - mitten in Dubai


In den Wipfeln des Dubaier Regenwaldes "The Green Planet"
 
Papageienart
Tukan
Wir vermissen ja nicht vieles (an Gewohntem) hier in den VAE. Nur eben immer mal den mitteleuropäischen  Wald. Wer in Dubai plötzliches Verlangen nach dem "Kosmos Wald" hat, nach saftigem Grün, das durcheinander wuchert und Lebensraum für diverse Tierarten bietet, kann seit August 2016 "The Green Planet" besuchen - das ist nicht nur einfach "irgendein Wald", sondern sogar ein tropischer REGENwald, welcher in einer riesigen Glaskuppel dem trockenen Wüstenklima ringsum trotzt.

Grüner Baumleguan

Regenwaldboden: voller Kanäle mit Tropenfischen

Man betritt das Ökosystem quasi durch den immerfeuchten "Boden" mit zahlreichen Wasserläufen hindurch, mehrere Aquarien mit tropischen Fischen öffen sich über einen Unterwassertunnel zu einem Lift, der die Besucher hinauf in die 4. Etage bringt: In die Baumwipfel des Regenwalds (30 - 45 m über dem Boden). Dort steht oder besser hockt das Begrüßungspersonal bereits: Äußerst muntere und kommunikative Papageien.

Baumblatt? Nein! Dieses hier ist eine täuschend echte Nachahmung!

Die mit 1,5 kg schwersten Papagien sind die Hyazinth-Aras aus Südamerika.

Langsam kann man dann an der Außenhaut der gläsernen Kuppel auf einem abfallenden Weg hinunter in die mittlere Etage wandeln - oder aber auch über eine schwankende Hängebrücke aus Seilen zum dicken Baumstamm gelangen. Spätestens dort, wenn man die Hand auf die Rinde legt, wird klar: Das ist kein Urwaldriese, sondern eine täuschend echte Beton-Nachbildung eines Urwaldbaumes! Selbst Blätter an den Zweigen dieses Baumpatrichars stellen sich beim Anfassen als künstlich heraus; mit bloßem Auge ist dieses handwerkliche Meisterwerk nicht identifizierbar.

Dennoch wuchert es auf, an und unter diesem künstlichen Baum über und über voller echter Tropenpflanzen, welche sich hängend an den Beton-Ästen herabschlingen, darauf thronen oder aber von den Seiten und besonders dem feuchten Boden her hinaufwachsen. Von überall her sprühen Düsen feinen Wasserdampf in die 25 - 28° C warme Luft im Inneren der Glaskapsel und schaffen damit genau das Klima, welches die hier inzwischen beheimateten ca. 3000 Tiere und Pflanzen mögen.

Überwucherte Aussichtskanzel mitten in der Kuppel

Stachelschwein
Papagei
Gut integriert in das Ensemble ist eine Aussichtsplattform, welche mitten in diesen "Regenwald" hineinragt und großartige Ansichten in alle Richtungen bietet. Hier muss man fast aufpassen, nicht von Exemplaren der hier lebenden Vögel "umgeflogen" zu werden, welche sich sehr selbstbewusst durch ihren zwar künstlichen, doch dennoch perfekt abgestimmten Lebensraum bewegen.

Klug eingebaut auf den einzelnen vier Etagen sind an der Rückwand des Konstrukts kleine Ausstellungen, welche sowohl über den Aufbau des Regenwalds sowie seine akute Bedrohung durch Abholzung aufklären, als auch in Terrarien verschiedenste Tierarten der jeweiligen "Etage" zeigen und erklären. Um das Erlebnis lebendiger zu gestalten und jederzeit auf Fragen der Besucher eingehen zu können, stehen überall sehr aussagekräftige Mitarbeiter des "Green Planet" bereit, um  vieles zu demonstrieren und zu erklären. So kann man beispielsweise in einer langen Reihe die unterschiedlichen Stadien der Schmetterlingsmetamorphose betrachten - als Höhepunkt ist es sehr klug so eingerichtet, dass der Besucher fast immer einem erst seit wenigen Minuten entpuppten Schmetterling beim Enfalten der anfangs noch arg zerknitterten Flügel zusehen kann!

Kleine Mutprobe? Madagassische Riesenkakerlake als Streicheltier.
Auch wenn ich im Laufe vieler Jahre meine "Angst" vor so ziemlich allem, insbesondere aber vor Spinnen abgelegt habe, kann ich mich einfach nicht an die (in warmen Ländern fast allgegenwärtigen) Kakerlaken "gewöhnen" - es schüttelt mich nach wie vor, wenn ich irgendwo im Haus einer begegne. Doch der freundliche Mitarbeiter im "Green Planet" hat es geschafft, mich dazu zu animieren, eine Madagassische Riesenschabe zu streicheln. Diese Exemplare sind zwar groß, doch hockten sie ausgesprochen ruhig und friedlich auf seinem Finger - ganz anders als die wildgewordenen, mit rasselnden Beinen herumrennenden, welche ich kenne. Aber immerhin ...


Die unterschiedlichen Lebensbereiche ...
Ebenso interessant war der Aufbau eines Lebensraums von Blattschneideameisen - ja, die, welche sich über lange Strecken bewegen, mit Blattstückchen auf dem Rücken, welche ihre eigene Größe um ein Vielfaches übersteigen. In diversen gläsernen Kästen kann man gut die einzelnen "Arbeitsbereiche" wie z.B. die Kinderstube dieser Tiere beobachten.
... der Blattschneideameise (Zweig Mitte).


Dem Bildungsauftrag, der solchen Stätten ja neben dem Freizeitaspekt auch mit obliegt, kommt "The Green Planet" u.a. mit Klassenführungen für Schüler nach; diese sind nach den Altersklassen 3-6 Jahre, 7-11 Jahre sowie 12-14 Jahre an den jeweiligen Vorkenntnisstand der Kinder angepasst. Sogar Geburtstagspartys können ambitionierte Eltern hier für ihre Kinder ausrichten lassen.
 

Mein absolutes Lieblingstier ist ja das Faultier. Auch von diesem wird der "Green Planet" in Dubai mit bewohnt. Eigentlich verbringen dieses entspannten Tiere ja den Großteil ihres Lebens hoch droben in den Wipfeln. Doch dieses Exemplar hier lag, zu einem Knäuel zusammengeringelt, auf dem Regenwald"boden" inmitten herumwuchernder Pflanzen aller Art. Hätte nicht eine nette Mitarbeiterin des Projekts sich direkt dort auf dem Weg postiert und die Spaziergänger darauf hingewiesen, wäre ich so wie alle anderen wohl einfach an dem im Kraut pennenden Faultier blicklos vorübergegangen!

"Nicht Ausrutschen"-Warnung, in Form einer... Bananenschale!


Da sich je nach Tageszeit die Aktivitäten der Tiere unterscheiden und die Mitarbeiter für Abwechslung bei den Exponaten sorgen, können wir einen Besuch im Ökosystem Regenwald - mitten in Dubai, Nähe Dubai Dity Walk - jederzeit empfehlen. Geöffent ist täglich von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends, donnerstags und freitags jeweils sogar bis Mitternacht!

"The Green Planet", der Regenwald von Dubai, von außen gesehen.

Fotos: Antje, Tina & Tanja Döhring

Dienstag, 1. November 2016

+ + + Breaking: Bücherlesen während der Arbeitszeit per Dekret erlaubt + + +


Ich glaube so langsam - wer hätte das je gedacht - ich würde eigentlich lieber ganz in den VAE wohnen bleiben, wenn ich könnte (was visa-technisch aber nicht so ist).

Was ist das aber auch für ein Schlaraffenland für einen so passionierten "Leser" wie mich (ja, auch Schreiber ...), in welchem man quasi per Gesetz erlaubt bekommt, während seiner offiziellen Arbeitsstunden Bücher lesen zu dürfen?!



Klar, sicher ist damit nicht unbedingt der Liebes- oder Fantasy-Schmöker gemeint; es geht hier mehr um fachrelevante Lektüre; dafür soll extra Zeit bereitgestellt werden. Dennoch klingt auch das in meinen Ohren verlockend.
Überhaupt sollen Gebühren und Steuern für das Publizieren, Drucken und Vertreiben von Lesematerial eingestampft werden - und hingegen diese Branchen zusätzlich unterstützt: Bücher aller Art werden von Steuern befreit!


Sheikh Mohammed bin Rashid, Vize-Präsident der VAE, Prime Minister and Herrscher von Dubai, hat gestern in einem Tweet davon gesprochen, dass dieses neue Gesetz "das kulturelle Image von Büchern in der Gesellschaft konsolidieren soll und Schulen dazu verpflichtet, einen jährlichen Plan aufzustellen, um Lesen unter den Schülern zu fördern. Gebrauchte Bücher dürfen nicht zerstört werden, sondern sollen statt dessen gepflegt, wiederverwendet oder gespendet werden. Dieses Gesetz will den privaten Sektor der Wirtschaft ermutigen, in die Einrichtung von Bibliotheken und Kulturzentren zu investieren. Dies wird unterstützt werden, indem dem Privatsektor Einrichtungen, Anreize und Discounts zur Verfügung gestellt werden."

Das neue Gesetz, welches von Sheikh Khalifa erlassen wurde, kommt nicht von ungefähr.
Die Initiative findet sich in diesem Jahr im Zuge des "Emiratischen Lesejahrs" 2016. Studien hatten ergeben, dass das Bücherlesen in der Bevölkerung des Landes, speziell auch unter der Jugend, vergleichsweise stark unterrepräsentiert ist.
Die Regierung will dieser unguten Entwicklung mit vermehrtem Engagement entgegenwirken. Beispielsweise auch mit der "Arab Reading Challenge" soll das Lesen als Kulturtechnik unter Schulkindern angefeuert und tiefer etabliert werden.

Sheikh Maktoum hat zudem angekündigt, dass alle Neugeborenen-Familien eine ‘Knowledge Briefcase’geschenkt bekommen - eine Mappe mit kindgerechtem Lesematerial, um das häusliche Vorlesen zu fördern.

Montag, 15. Juni 2015

Ramadan kommt!


Der Kaffee, der Diwan, die Lupe und Brille, die Arithmetik, die Al-gebra, der Al-kohol, die Chirurgie, die Gitarre, die Zahnbürste, die (Al-)Chemie und auch unser Zahlensystem u.a. ... hat die europäische Kultur aus Arabien übernommen.
Im Gegenzug sind - wie das im Handel und Wandel der Völker und Kulturen über Jahrhunderte hinweg ganz normal ist - natürlich auch viele europäische Erfindungen in den arabisch-/islamischen Kulturkreis geflossen.

Ich habe unlängst eine reizende kleine Entdeckung gemacht, von der ich mal behaupte: Das haben sich die Muslime hier "bei uns" (Abendländern) abgeguckt! Als ich in einem der riesigen Supermärkte einkaufte, der - genau wie die Straßen und Shopping Malls inzwischen -  großartig dekoriert für den heiligen Monat Ramadan ist (ein Pendant zur westlich-/christlichen Advents-Deko), sah ich doch den hier:

"Ramadan-Kalender" 

Je nachdem, wann die Gelehrten am nun kommenden Mittwoch oder Donnerstag den allerersten winzigen Streif der neuen Mondsichel erkennen können, ist das gewissermaßen der "Startschuss" zum Beginn des im islamischen Kalender 9. Monat, dem Ramadan, in welchem u.a. von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gefastet wird.

Traditionell erfolgt das abendliche Fastenbrechen nach Sonnenuntergang mit einer Dattel, dieser sehr nahrhaften Frucht der Dattelpalme.

In diesem hübschen Kalender, welcher doch erstaunlich unseren Adventskalendern ähnlich sieht, findet das Kind (oder der Erwachsene?) denn auch nicht etwa vorweihnachtliche Lebkuchen oder Marzipan und Schokolade - sondern eben eine Dattel: Mal mit Pistazie, mal mit Mandeln oder Rosenwasser-Zuckerguss gefüllt und verziert! So soll die Wartezeit auf das dreitägige Fest zum Fastenbrechen; Id al-Fitr, versüßt werden.

Mir gefällt diese Adaption unseres Adventskalenders. Anstatt Christbaumbild mit Geschenken sieht man hier passenderweise eine Moschee und die tägliche, aktuelle Mondphase angezeigt.
Auch wenn ich nicht faste, so werden wir ab dieser Woche nun mit Einbruch der Dunkelheit jeden Tag eine Dattel aus dem Ramadan-Kalender holen.

Hier noch ein Blick in eine der vielen Shopping Malls - sogar die Ramadan-Dekoration mit den vielen Sternen und dem Glitzer haben für mich etwas vor-weihnachtliches. Was allerdings dann mit  Außentemperaturen von über 40°C doch gefühlsmäßig ziemlich kollidiert...


Ramadan-Schmuck in der Delma Mall

Sonntag, 5. April 2015

Besuch im Zoo von Al Ain


Afrika-Anlage im Zoo von Al Ain.
https://www.flickr.com/photos/dougbelshaw/4468731175/

Wohin gehen fast alle Kinder gern? Richtig, in den Zoo!
Das ist hier nicht anders als in Europa, und bei meinen Kindern nicht anders als bei anderen.
Die Schulferien rufen also geradezu danach, einmal wieder einen Abstecher in die Oasen-Stadt Al Ain im Osten des Emirats Abu Dhabi zu machen, in welcher sich ein schöner Zoologischer Garten befindet.


Die Anlage ist modern und großzügig gestaltet, überall gibt es Schattenspender.
Der Zoo in Al Ain hat sich vor allem Tieren der ariden und warmen Klimate verschrieben. So finden sich neben vielen anderen Arten auch einige Herden von auf der arabischen Halbinsel typischen Arten, wie der Arabischen Oryx-Antilope, welche 1972 in der Wildnis ausgerottet war, doch dank spezieller Zuchtprogramme später wieder zurück-ausgewildert werden konnte. 
Der Staatsgründer der VAE, Sheikh Zayed Al Nahyan, hatte rechtzeitig voll Weitsicht die Gefahren für den Naturschutz erkannt, welche durch die dramatisch vorangetriebene Modernisierung seines Landes den inidigenen Arten beii Flora und Fauna drohten. Er gründete 1968 den Zoo Al Ain im Bestreben, sowohl eine Zuchtstätte für bedrohte Arten als auch eine Bildungsstätte für seine Landeskinder zu schaffen.

Etwa 170 Arabische Oryx bilden heute die Zuchtherde des Al Ain Zoos in Abu Dhabi. In Abu Dhabi sollen bis 2012 rund 500 Tiere in einer neu geschaffenen Schutzzone ausgewildert werden. So konnte erfreulicherweise die Weltnaturschutzunion (IUCN) die Arabische Oryx von stark gefährdet auf gefährdet zurückstufen. Heute leben in einigen arabischen Ländern wieder größeren Oryx-Herden frei (allerdings unter besonderem Schutz).


Giraffe auf Spaziergang
Tropenpflanzen fühlen sich hier wohl






Die Einrichtung mit seinen artgerechten Anlagen gefällt offensichtlich nicht nur ihren Bewohnern, welche dies mit erfreulichen Geburten- und Schlupfraten danken. Auch bei der Bevölkerung des Landes ist er ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Die Mauern der Gehege sind mit Sichtscheiben in Kniehöhe auch für die kleinen Besucher des Tierparks besucherfreundlich gestaltet, es gibt ein Spielgelände, schattig-grüne Parkanlagen zum Verweilen und diverse Kioske sowie eine Selbstbedienungsgaststätte fürs leibliche Wohl. 
Das Gequengel vor den niedlichen Plüschtieren aller Art im Zoo-Shop schließlich erklingt ziemlich international... - ob die Kinder dort nun dann "erfolgreich" sind oder nicht: In den Zoo Al Ain gehen sie immer wieder gern.

Durch die Vogelanlage kann man auf einer
Hochbrücke hindurch spazieren.
Nicht extrem unterbelichtet, sondern extrem
gemütlich: Für die Flughunde, welche nacht-
aktiv sind, bleibt im Dunkelhaus das Licht aus.




















Überdies existiert in Zusammenbarbeit mit der ADEC (Abu Dhabi Education Council) ein Schülerprogramm ähnlich dem, was wir in Deutschland als "Zooschule" in vielen großen Tiergärten kennen. Abgestimmt auf die Klassenstufe der Schüler werden besondere Führungen mit Lerneffekt angeboten.
Da der Bildungsauftrag an die Institution "Zoo" ernst genommen wird, erweitert man demnächst das Gelände des Streichelzoos sogar noch, welcher den hiesigen Kindern engeren Kontakt mit der Tierwelt ihres Landes und mit Tieren generell ermöglichen soll; überdies können sie sich dort dann auch mit einheimischen Pflanzen vertraut machen  - Äpfel und Tomaten wachsen nämlich auch hierzulande nicht im Supermarktregal, und Kartoffeln leben nicht schon immer als Puree-Pulver in einer Tüte!....


Montag, 9. Februar 2015

Seekuh-Rippchen vom Grill. Archäologie in den VAE


Alle Fotos in diesem Beitrag: Präsentation von Dr. Beech am 3.2.2015


Ur- und Frühgeschichte in den Arabischen Emiraten. Hmmm. Gab es da denn hier irgend etwas - außer Sand und Muscheln vielleicht?

Dass z.B. solch eine Vorstellung komplett falsch ist, kann man u.a. auf Vorträgen, Ortsbegehungen und Treffen der Emirates Natural History Group (ENHG) erfahren, einer Non-Profit-Organisation, welche Interessenten auf den Feldern der Geschichte und Natur der Emirate vereint.

Unlängst besuchte ich einen Vortrag von Dr. Mark Jonathan Beech, dem "Head of Coastal Heritage and Palaeontology, in the Historic Environment Department at the Abu Dhabi Tourism and Culture Authority".
Fast auf den Tag genau 21 Jahre war es an diesem Abend her, erzählte er, dass er für archäologische Untersuchungen auf die Insel Sir Bani Yas gekommen war, die zu Abu Dhabi gehört. Für ganze zwei Monate!.... Man kann sicher behaupten, dass jemand, der einen ursprünglichen Arbeitsauftrag um fast 21 Jahre (bisher!) "überzogen" hat, von seiner Sache begeistert ist und hinlänglich Ahnung hat.
Diese teilte er denn auch lebhaft und informativ mit ca. 60 Interessenten, welche sich zu seinem Vortrag eingefunden hatten.

Dr. Beech beim Vortrag

Vor 8 Millionen Jahren, im Miozän, war die Küste von Ruwais kein öder Haufen Sand wie heute. Hatten Sie schon einmal die Gelegenheit, eine ostafrikanische Savanne zu besuchen - oder haben Sie Dokumentarfilme über diese Landschaften gesehen? Genau so sah es zu jener Zeit hier aus, in den VAE! Stellen Sie sich vor, wie im Schatten Akazien-artiger Bäume - entlang der damals vorhandenen Flüsse und Bäche - urzeitliche Elefanten, Nashörner und Flusspferde einherstampften und sich einen Weg bahnten zwischen Gazellenherden, Gruppen von Giraffen, Affen, Hyänen und Pferden, aber auch Säbelzahntigern und Krokodilen!

Bis vor ca. 12.000 war diese von zahlreichen Tierarten vielbewohnte Küste aber auch noch gar keine Küste! Der Persische Golf entstand erst aufgrund des Abschmelzens der Eismassen in Anschluss an die Eiszeit - bis dahin war er eine von Flüssen durchzogene, fruchtbare Tiefebene gewesen. Man konnte zu jener Zeit also trockenen Fußes vom heutigen Abu Dhabi nach dem Iran hinüberwandern...
Und solche Wanderungen sind nicht nur ein Gedankenspiel. Man kann man sich gut vorstellen, dass auch davor bereits steinzeitliche Jäger und Sammler durch diese grüne Ebene schweiften.

Allererste Spuren menschlicher Besiedelung fand man immerhin bei Jebel Barakah: 150.000 Jahre alte Steinwerkzeuge aus der mittleren Steinzeit, mit welcher unsere Vorfahren ihre Alltagsarbeiten verrichteten. Wie Funde bezeugen, aßen die damaligen Bewohner sehr gern gegrillte "Rippchen" von der Seekuh...

Allzweckwerkzeug aus der Steinzeit, gefunden am Jebel Barakah

Einen Aufschwung fand die Bevölkerung offenbar im 4. Jahrtausend v. Chr., während der Kupfer- bzw. Bronzezeit. In einer Periode, als es auf der Arabischen Halbinsel noch gar keine Kamele gab, sondern der Transport des Kupfers und der schon damals von Perlentauchern heraufgeholten, in den angrenzenden Gebieten sehr begehrten Perlen mittels Maultieren vonstatten ging! Kamele wurden nämlich hier erst etwa 2000 Jahre später heimisch...

In zahlreiche damalige Siedlungen auf dem Gebiet der heutigen Emirate fanden sich Keramikwaren der mesopotamischen Obeid-Periode -  die Krüge und Schalen mit den typischen schwarz-braunen Mustern müssen zu jener Zeit in etwa so beliebt und chic gewesen sein, wie heute das gute Meißner Porzellan! Und das zeigt wiederum, wie mobil diese Menschen bereits waren - ganz ohne Auto, ja noch nicht einmal Wagen hatten sie.
Doch auch die einheimische Bevölkerung aus jener Periode war Zierrat nicht abhold: Schmuck aus Steinen wurde sowohl als Grabbeigabe von Männern wie Frauen gefunden. Und auch Piercing ist mitnichten etwas Neues: Mr. Beech zeigte das Foto eines Mädchenschädels, an welchem die Perle als Nasenpiercing noch nach Jahrtausenden intakt ist!

Bauten aus der Bronzezeit (Abu Dhabi)

"Ichthyophagen" - Fisch(fr)esser - wurde die antike Bevölkerung der heute Emiratischen Küsten von zeitgenössischen (Herodot, Plinius u.a.) wie auch späteren Historikern etwas abschätzig genannt, weil sie sich kärglich von Fischfang, dem Sammeln von Meerestieren und der Perlentaucherei ernährte und in Hütten aus Wal-Skeletten, Seetang und Muschelschalen lebte. Um Jahr Null herum war das Klima auf der Arabischen Halbinsel eben schon wesentlich trockener und unwirtlicher geworden, als das während der frühgeschichtlichen Perioden der Fall war. Eben das Bild, welches sich in den Köpfen eingenistet hat (s.o.)... - aber eben nicht immer so stimmte und natürlich vor allem heute nicht mehr stimmt.

Eine hübsche Anekdote soll den Kreis zum Beginn des Vortrags schließen. Als Dr. Mark Beech 1992 erstmals emiratischen Boden betrat und mit einem Archäologen-Team bei Ausgrabungen auf Sir Bani Yas Island begann, gruben die Forscher einen ehemaligen Gebäudekomplex aus. Erst ganz zum Schluss jedoch hatten sie sich zu den zentralen Mauern vorgearbeitet.... die sich als Kirche entpuppten!
Man hatte den Platz gefunden, der in frühchristlichen Aufzeichnungen von einem nestorianischen Kloster irgendwo an den Gestaden dieser Golf-Küste berichtet worden war - seefahrenden Handelsleuten im 6. Jh. auf dem Wege von Europa nach Indien und China bot es einst eine Raststätte für Leib und Seele.

Wer sich noch mehr in das Thema Ur- und Frühgschichte in den VAE vertiefen möchte, findet auf der Seite des Geoportals Abu Dhabi Material dazu.

Montag, 17. November 2014

Kunstausstellung "Abu Dhabi Art 2014"



Unlängst ging die 6. "Abu Dhabi Art Fair" zu Ende - eine Exposition, auf welcher sich moderne Kunst verschiedener Länder, Ausdrucksarten und Stilrichtungen vereint findet. (Link zur Webseite: Ausstellung) Zahlreiche internationale Galerien stellen jährlich hier ihre Kollektionen aus. Umrahmt wird die Veranstaltung von zahlreichen Expertengesprächen, Führungen, Selbstmach-Ateliers für  Kinder sowie Podiumsdiskussionen

Die Schau findet immer auf Saadiyat Island statt, einer der vielen Inseln, aus denen Abu Dhabi besteht, und auf welcher in zwei, drei Jahren exorbitante Museen ihre Tore öffnen und Kunstliebhaber aus der ganzen Welt anziehen werden. Einen "Vorgeschmack" der Expositionen findet man bereits heute auf besagter "Abu Dhabi Art".
Für alle, die sich schon einmal über die künftigen Ausstellungen auf dieses neu entstehenden Kunst-Distrikts  bzw. dieser "Museumsinsel" informieren möchte, hier einige Links:  "Zayed National Museum", "Louvre Abu Dhabi" und dem "Guggenheim Abu Dhabi".
Komplettiert wird die opulente Ausstellungs-Szene auf der Saadiyat-Insel künftig durch das "Performing Arts Centre" (Entwurf: Zaha Hadid), das Aufführungen aus Oper, Ballett, Schauspiel u.ä. Heimstatt werden soll, sowie das "Maritime Museum" (will an die Seefahrer-Tradition und Perlenfischerei Abu Dhabis anknüpfen).

Einige Impressionen von der gerade zu Ende gegangenen Ausstellung finden sich hier:


Die Welt.... voller Glühlampen

Wer möchte nicht gern sein Buch von einem sich verneigenden Eiffelturm beleuchten lassen?
Arabische Schrift, die den magischen Effekt einer optischen Täuschung bietet

Nur klein abgebildet wegen aller, die sowas triggert: (künstliche) Kakerlaken-Kunstwerk......

Eingang zur Ausstellung: Mona Lisa-Skulptur mit Bart
 (eine andere "Conchita Wurst" vielleicht?)

Verzaubert: Spiegelkabinett voller Lämpchen, welche die Farben wechseln.... märchenhaft!


Bildinstallation, bei der sich dank computererzeugter Effekte die Obefläche permanent verändert, immer neue Aussagen erzeugt....