Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Montag, 22. Mai 2017

Ehe und Familie in den VAE

Wenn Ende dieser Woche der RAMADAN 2017 beginnt, ist das auch wieder für viele Emiraties eine ganz besonders hoch geschätzte Familienzeit.

Familie, Ehe, Frauenrechte. Ein häufig aufkommendes Thema nicht nur, wenn es um die Golfstaaten geht. Bedauerlicherweise - und das geht mir bei weitem nicht allein so! - sind ausgerechnet in den Vereinigten Arabischen Emiraten "Innenansichten" von einheimischen Familien für die Expats selten zu gewinnen.
Das liegt aber gewiss nicht daran, dass wir "Landesfremden" daran kein Interesse hätten oder aber die Einheimischen am liebsten nur unter sich bleiben. Nein, aufgrund der Bevölkerungszusammensetzung ist es groteskerweise gar nicht besonders leicht, in den Emiraten tatsächlich mit Emiraties persönlich enger in Kontakt zu kommen! Denn da sie ja nur ca. 15% der Gesamtbevölkerung ausmachen und somit eine Minderheit im eigenen Heimatland darstellen, ist das allein schon statistisch eher unwahrscheinlich. Vieles, was ich weiter unten beschreibe, ist also entweder recherchiert oder aber purer Augenschein.


Emiratischer Papa beim Kinderwagenschieben

Über unterschiedliche arabische (Familien-)Kulturen


Ich habe oft den Eindruck, vieles, was in westlichen Köpfen über das Thema "Ehe, Liebe, Frauen in der islamischen Welt" existiert, ist sehr stark geprägt von Vorlagen á la "Nicht ohne meine Tochter" und Medienberichten über kleine jemenitische Mädchen aus ärmstem Hause, welche an hässliche alte Männer zur Ehe "verkauft" werden, oder aber inhumane Exzesse von ISIS-"Kämpfern" etc.

Ich will keinesfalls in Abrede stellen, dass es Ungleichstellung der Frau und auch sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen leider auch in der islamischen Welt gibt - das Thema ist unbestritten ein ernstes. Wobei: Sind diese Probleme in der westlichen Welt eigentlich dermaßen komplett gelöst, dass man leicht auf andere missbilligend herabsehen kann? Wozu gibt es dann in Europa "Frauenhäuser", wohin misshandelte Frauen vor ihren Männern flüchten können?

Ich kann hier auch keine tiefschürfende Sozialstudie mit mehreren zehntausend Befragten zum Thema liefern, natürlich nicht, auch schaue ich nicht unter arabische Bettdecken und auch nur selten in ihr Familienleben hinein. Diese Erklärungen glaube ich, vorab geben zu müssen.


***
Ich will es einmal anhand von Beispielen aus dem wahhabitisch geprägten Nachbarland der VAE versuchen, aus Saudi-Arabien. Viele saudische Männer - denen wir früher begegnet sind, als wir vor ca. 20 Jahren noch in Saudi-Arabien lebten - halten es selbst für skandalös, dass ihre Frauen und Töchter im Lande z.B. nicht Autofahren dürfen. Darum tun sie es dann gern heimlich, wo keiner zuguckt, in der Wüste oder aber im Ausland. Doch die enggeflochtenen sozialen Strukuren machen es schwer, solche Gedanken in ihrem Alltag eben auch umzusetzen.
Die neuerlichen zarten Lockerungen mancher Beschwernisse im Alltag für saudische Frauen mögen den Weg ebnen. King Salmans hat im Mai 2017 erstmals ein Dekret erlassen, das es künftig saudischen Frauen ermöglichen soll, ohne Einverständnis eines männlichen Familienmitglieds beruflich arbeiten, Sozialleistungen nutzen und Krankenhäuser sowie Universitäten besuchen zu können. Selbst Auto zu fahren rückt damit in Sichtweite.

Libyen war vor 2011, als wir dort wohnten, ein gemäßigt-konservativer Staat. Gaddafis Rolle der Frau war in seinem "Grünen Buch" klar definiert und im Vergleich zu anderen islamischen Gesellschaften recht liberal. Frauen gingen mit Kopftuch aus dem Haus, spielten im täglichen Leben zwar keine herausragende Rolle, waren aber schon durch Schulpflicht usw. eingebunden und übten teils auch anspruchsvolle Berufe aus, wenn auch nicht mehrheitlich.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten laufen solche Dinge schon lange ganz anders ab; wir würden sagen: westlicher, freier, liberaler. Frauen "dürfen" sich durchaus bilden und auch einen Beruf ausüben; natürlich fahren emiratische Frauen selbst Auto und natürlich können sie auch allein reisen.


Emiratische Mütter sieht man zumeist in der Gruppe unterwegs

Heiratsalter, Familienleben, Stillgesetz


Das gesetzliche Mindestalter für Eheschließungen in den VAE beträgt 18 Jahre; das gegenwärtig durchschnittliche Heiratsalter liegt in den Emiraten für Frauen bei 25,9 Jahren und 26,5 bei Männern (im Jahre 2010). Zum Vergleich: In Deutschland liegt gegenwärtig (2012) das Heiratsalter bei Frauen bei 29,9 und bei Männern bei 32,2 Jahren. In Deutschland ist Heirat gesetzlich momentan noch ab 16 Jahren erlaubt, aber dies wird bald auf 18 angehoben.
Die meisten Emiratis halten 21 Jahre für die Schwelle zum "echten" Erwachsensein - aus Gründen der Ausbildung und Reife. Und selbst dann wird von den Eltern erwartet, dass die jungen Eheleute ihre Berufsausbildung oder das Studium beenden.

Viele islamische Familien "funktionieren" durchaus noch traditonell, d.h. Männer wirken mehr im "Draußen" und Frauen eher im "Innen", auch leben mehr Familienmitglieder gemeinsam. Obwohl Ehepaare daher vermutlich weniger Zeit gemeinsam (allein) miteinander verbringen, als in der westlichen Gesellschaft, versauert wohl keiner der Partner einsam in getrennten Zimmern vorm TV, denn die eigenen Eltern, Geschwister, Cousinen, Tanten und Kinder des eigenen Geschlechts sorgen für Geselligkeit.

Diesen Punkt darf man auch bei der Kindererziehung nicht vernachlässigen: In traditionellen Gesellschaften ist ein Baby oder Kind nicht einzig und allein "Muttersache", sondern zahlreiche Verwandte stehen ständig in Bereitschaft! Mit dem Trend zur "Verwestlichung" auch in arabischen Sozialmilieus und einhergehender Verkleinerung der regelmäßig zusammenlebenden Familie sinkt quasi parallel auch die Anzahl der Kinder pro (Klein-) Familie; eine Entwicklung, die weltweit beobachtet wird.


Auch im Alltag scheinen kleine Kinder hier nicht zwingend an der Mama zu kleben. Einerseits sind in emiratischen Familien Hausangestellte inklusive Kinderfrauen normaler Standard (mit allen positiven und auch negativen Auswirkungen).
Übrigens haben die VAE als einziges Land der Welt ein "Stillgebotsgesetz"! Seit vergangenem Jahr sind alle emiratischen Mütter dazu aufgefordert, ihr Kind zwei Jahre lang zu stillen, sofern ihnen das medizinisch möglich ist. Über die Durchsetzung des Gesetzes wurde allerdings nicht verlautbart. Ich könnte mir vorstellen, es ist vor allem ein geschickter Schachzug, um einheimische Mütter dazu zu bringen, überhaupt wieder Zeit mit ihren Kleinkindern zu verbringen, die man oft eher nur an der Hand der Nanny sieht ...






















Doch auch die Väter spielen eine aktive Rolle. 
Ich nenne sie immer die "Emirati-Papis". Oft kommt es mir in diversen Shopping Malls oder anderen öffentlichen Orten so vor, als sähe ich immer nur die emiratische Papas allein den Kinderwagen schiebend einkaufen oder stundenlang Kleinkinder auf dem Arm herumtragen. Die Mütter hingegen - leicht erkennbar an der schwarzen Abahya - erlebe ich niemals allein mit Säugling oder Kleinkind unterwegs; immer ist zumindest eine Kinderfrau dabei oder auch ganze Frauentrupps (Schwestern, Cousinen, Tanten, Freundinnen,....), welche abwechselnd das Kind betreuen.































Besonders geduldige Spezies: Der "Emirati-Papa"


In unserem Compound befindet sich genau gegenüber des 'Ladies Gym', in welchem ausschließlich Frauen ihre Fitness trainieren, eine Kinderkrippe. (Es gibt auch noch ein 'Male Gym', das aber ebenso von Frauen besucht wird - eigentlich eine Benachteiligung der Männer, oder?) Wenn ich dort frühmorgens auf Ergometer oder Laufband zugange bin, kann ich die Ankömmlinge beobachten: Expat-Mütter oder auch deren Kinderfrauen aus dem Compound, welche die 0 - 3jährigen in der Einrichtung abgeben. Aber auch viele Emiraties, die zumeist mit dem Auto von außerhalb kommen. Unter letzteren dominieren eindeutig die Väter; einer kommt stets in der Uniform der Emiratischen Streitkräfte. Ob er dort flexible Arbeitszeiten hat? Jedenfalls dauert das Abgeben seines kleinen Sohns, der morgens oft keine Lust auf Krippe hat, doch ziemlich lange ...

Besonders gern sehe ich immer einem Emirati-Papi zu, der seine beiden Töchterchen mit dem Auto bringt. Erst geht die Fahrertür auf, der Vater im eleganten weißen Langhemd steigt aus, geht gemessenen Schritts um den Wagen herum und hebt hinten Tochter 1 (ca. 3 Jahre) heraus. Er stellt sie vorsichtig auf den Boden, zupft das hübsche Kleid zurecht und kauert sich dann hinunter, um mit ihr  irgendetwas Winziges auf dem Gehsteig zu betrachten. Doch da scheint es Protest aus dem Autofont zu geben - der Vater schreitet also zur anderen Tür und hebt Tochter 2 (ca. 1 1/2) heraus.
Während er sie ebenfalls auf den Gehweg stellt, ist Tochter 1 offensichtlich eingefallen, dass sie ihre Tasche vergessen hat. Während sie ungeduldig herumhüpft, holt ihr Vater den Marienkäferucksack und setzt ihn ihr auf.

Tochter 2 rennt mit breiten Wackelschritten weg und wird mehrfach nach einem spielerischen "Wettlauf" vom Papa eingefangen und durch die Luft geschwenkt - um kreischend gleich wieder loszurennen. Bis sie hinfällt und auf Papas Arm dringend getröstet werden muss. Dies wiederum scheint die ältere Schwester mit Eifersucht zu beobachten. Sie zieht also so lange dringlich an der weißen Dischdascha ihres Vaters herum, bis er ihr ein Trinkpäckchen aus dem Auto holt.  

Inzwischen sind locker 10 Minuten vergangen. Bis der Vater kinderlos aus der Krippentür erscheint, wieder in seinen Wagen steigt und vermutlich ins Büro fährt, dauert es dann noch eine ganze Weile. Seine liebevolle Geduld und Gelassenheit bestrickt mich jedes Mal erneut, wenn ich das Trio sehe. Wobei diese drei für unzählige einheimische Kleinkindväter stehen, die ich hier oft in ihrer offensichtlich unerschütterlichen Freundlichkeit und Geruhsamkeit im Umgang mit ihrem Nachwuchs erlebte. Dann erinnere ich mich immer reflexhaft auch an den hektischen "Nun hör aber auf!- Ich muss jetzt zur Arbeit!"-Tumult westlicher Eltern in der Früh in deutschen Kindergärten.

Kein Wunder, dass die Emiaties in der Welt für viele Rekorde bekannt sind, aber nicht für den in Sachen Pünktlichkeit am Morgen. Ist ja klar, wenn die Familie, insbesondere die lieben Kleinen, einen so beschäftigt halten ...




Familienfreundlichkeit made in VAE: kleine Kindertoilette neben der üblichen in einer Mall

Sonntag, 5. März 2017

Echt Emiratische Küche


Der weit herumgekommene Tourist von heute weiß das ja: Hummus, Tabbouleh, Fattoush, Baba Ghanoush, Kibbeh und dazu Fladenbrot sind typisch "arabische" = emiratische Gerichte. NICHT!

Es stimmt zwar, dass dies nahöstliche (Vor-)Speisen sind, welche auch auf emiratischen Restaurant-Buffets selten fehlen. Doch weniger, weil sie so genuin emiratisch wären, sondern eher, weil auch andere Beispiele internationaler Küche hierzulande nie weit sind und der Gast diese Gerichte eben ohnehin erwartet.

Seite im emiratischen Kochbuch "Sarareed"


Einige emiratische Küchen-Chefs haben es sich zur "Chefsache" gemacht, die hiesigen Kochtraditionen ihrer Großmütter nicht nur für die Emiratis selbst wieder zu pflegen, sondern auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen -  sowie davor zu bewahren, angesichts unzähliger Fastfoodläden wie auch Fünfsternerestaurants globalster Provenienz die einheimische Küche in Vergessenheit geraten zu lassen.

Die emiratische Küchentraditionen unterscheidet sich teilweise sehr von der benachbarter Regionen in Nahost; näher verwandt sind sie nur mit denen in Saudi-Arabien, Oman und Bahrein. Sie sind dominiert von den Zutaten Fleisch, Fisch, Getreide und Milchprodukten, was auf den unfruchbaren Wüstenboden in weiten Teilen der VAE zurückzuführen ist.
Alte Gerichte umfassen häufig Harees (einem aus gestampftem Getreide mit Fleischstückchen gekochten Brei), Maqluba (einem aus Fleisch, Reis und Gemüsen in einem Topf gekochten Gericht) oder Arseeya (ein Reispudding, der oft Geflügel serviert wird). Zudem gibt es regelmäßig gegrilltes Kamel, Ziege, Hühnchen oder anderes Geflügel. Entscheidend dafür, dass es "emiratisch" schmeckt, sind auch hier die speziellen Gewürzkombinationen.

Die einheimische Küche zu propagieren hat sich u.a. Chef Ali Al Ebdowa vom bekannten "Mezlai"-Restaurant im Hotel Emirates Palace Abu Dhabi verschrieben. Doch auch die gefeierte Chef Khulood Atiq, erste weibliche Küchenchefin der VAE, sowie die emiratische Jungunternehmerin Shaikha Al Kaabi von "Meylas Restaurant" werden stets genannt, wenn es um diese Kulturfacette des Landes geht. Die junge Amna Al Hashemi wiederum hat als erste emiratische Küchenchefin in Dubai ein eigenes Restaurant eröffnet; auf Instagram kann man ihr und ihren Kreationen unter dem gleichnamigen "Mitts and Trays" folgen.

All diese und noch einige andere Kochkünstler sehen sich natürlich nicht ausschließlich als Bewahrer, sondern entwickeln die alten Kochtraditionen auch weiter.

Chef Khulood beispielsweise wurde vor etwa fünf Jahren einmal gebeten, emiratisches "Fingerfood" für einen Anlass zu vorzubereiten. "Nun, emiratisches Essen wird eigentlich niemals auf diese Weise serviert, da es stets in Großportionen für die Großfamilie daherkommt. Doch ich habe mir sieben verschiedene Rezepte ausgedacht, wie man diese Gerichte in der gewünschten Weise präsentieren könnte. Heute habe ich mittlerweile über 300 solcher Rezepte!" (Zitat)

Sonntag, 26. Februar 2017

Frauen in der emiraitischen Politik


Oft werden in den westlichen Ländern - bzw. in den Köpfen dort - die arabischen Golfstaaten alle in den berühmten einen Topf geworfen. Was in der Realität schwierig ist, da sich diese Staaten nicht nur von der politischen Form und Ausrichtung, sondern auch von der regionalen Tradition und ihrer "Übersetzung" ins Heute oft stark unterscheiden.


Weltjüngste Ministerin: Shamma Al Mazrui, 22 Jahre, Jugendministerin der VAE                                  Quelle

So erlebe ich es immer wieder, dass Menschen, die im "Westen" leben, beispielsweise Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate quasi gleichsetzen. Auf den allerersten Blick mag es hingehen: Nachbarländer - Wüste, Islam, Kamele, Erdöl, Männer in Weiß und Frauen in Schwarz.
Damit hören viele Gemeinsamkeiten aber auch schon wieder auf. Das zeigt sich im täglichen Leben. Während ich z.B. in Saudi-Arabien stets Abahja trug und nicht Autofahren durfte, ziehe ich in den VAE selbstverständlich an, was ich mag (im Bikini ginge ich ja auch in Europa nicht zum Einkauf ...), und Autofahren ist das quasi täglich "Brot" aller Berufstätigen wie auch Eltern hierzulande.

Immerhin hat Saudi-Arabien neuerdings gleich zwei Frauen an der Spitze von Finanzunternehmen: Während Rania Mahmud Naschar nun der Bank Samba vorsteht, ist Investmentbankerin Sarah al-Suhaimi zur Präsidentin des Verwaltungsrats der saudischen Börse ernannt worden. Darüber hinaus ist das Land nach wie vor sehr konservativ geprägt.

In den VAE ziehen immer mehr Frauen in die Berufswelt nicht nur ein (ich berichtete darüber hier schon), sondern teils auch in sehr verantwortungsvollen Positionen. Natürlich geht so ein Wandel nicht von heute auf morgen vor sich. Man erinnere sich daran, dass auch in der Bundesrepublik Deutschland eine Ehefrau bis sage und schreibe 1976 nur mit Erlaubnis ihres Gatten einer Berufstätigkeit nachgehen durfte!

Unlängst trafen sich in Dubai Frauen, aber auch Männer (unter ihnen Sheikh Hamdan, der Kronprinz von Dubai) zu einer Panel-Diskussion der Vereinten Nationen zum "Ecomomic Empowerment of Women" (ökonomische Stärkung von Frauen). Die diskutierten Hauptthemen waren das Bekämpfen von für Frauen nachteiligen Strukturen, die Förderung positiver Beispiele erfolgreicher Frauen in der Gesellschaft, die juristische Absicherung, die Anerkennung von Familien- und Haushaltstätigkeit, eine Veränderung von für Frauen nachteiligen Traditionen in bestimmten Gesellschaftsmilieurs sowie eine erhöhte Aufmerksamkeit gegenüber Frauenrechten allgemein.


VAE: Jüngste Ministerin der Welt mit 22 Jahren


Vor einem Jahr machte in der internationalen Presse Shamma Al Mazrui als jüngster Ministerin der Welt Schlagzeilen. Die in Abu Dhabi geborene 22-jährige amtiert als Jungendministerin der VAE und eine von insgesamt acht Frauen im 29 Mitglieder umfassenden Kabinett.
Der eine oder die andere mag hier kritisieren, dass sie "ja aus einer vornehmen emiratischen Familie" stammt. Doch ist dies unbedingt ein Garant für Intelligenz, Schaffenskraft oder Erfolg? Ich glaube, in einer bislang sehr wertertraditionellen Gesellschaft wie der hiesigen ist es durchaus von Vorteil, wenn eine junge Frau relativ unabhängig erzogen und durchaus gezielt auf so ein Amt hin ausgebildet wurde.


Shamma Al Mazrui im Gespräch mit Dubais Sheikh Mohammed Bin Rashid Al Maktum           Quelle

Es ist ja nun nicht so, dass sie einfach als "Tochter von jemand" ahnungslos an wie auch immer geartete Macht gelangt ist. Shamma Al Mazrui war die erste Rhodes-Stipendiatin der VAE und schloß in Oxford mit dem Master of Public Policy ab. Sie machte eine Internship an der emiratischen Botschaft in Whashington D.C., arbeitete als Analytikerin für die UN und steht dem nationalen Jugendkongress vor.
Sicherlich ist es nicht von Nachteil, wenn ein/e Politiker/in auf "Augenhöhe" mit den von ihm oder ihr vertretenen Personenkreisen verkehrt, und sei es allein schon altersmäßig gesehen. Al Mazrui ist garantiert näher an den Bedürnissen und Wünschen ihrer emiratischen Altersgenossen dran und kann ihnen adäquater in der Landesregierung Gehör verschaffen, als es ein grauhaariger Senior-Politiker je könnte.

Ein CNN-Interview mit der eloquenten Jungministerin kann man hier sehen.

Montag, 25. April 2016

Emiratische Frauen im Kernenergie-Sektor


Die Vereinigten Arabischen Emirate sind das, was man "reich" nennt - zuallererst, aber nicht allein durch den Reichtum an Rohöl bzw. -gas im Emirat Abu Dhabi. Doch das Schwarze Gold ist nicht unerschöpflich, auch das weiß man längst. Immer noch steigt der Stromverbrauch in den VAE um rd. 9% jährlich an, welcher derzeit überwiegend aus (Erd-)Gaskraftwerken gespeist wird, deren Emission wiederum dem Klimaschutzgebot zuwider läuft.

Amani Al Hosani, vor drei Jahren die erste weibliche Nuklearingenieurin der VAE, an einem der Trainingsterminals des Kernkraftwerks Barakah im Emirat Abu Dhabi.

Abu Dhabi setzt daher in seinen Zukunftsplänen auf Recycling und erneuerbare Energien - die "Öko-Stadt" Masdar City, in welcher solche Konzepte erforscht und auch bereits gelebt werden, ist nur ein Beispiel. Auch die andernorts umstrittene Atomenergiegewinnung wird in den VAE ausgebaut.
In der westlichen Region des Emirats Abu Dhabi, nahe der Stadt Ruwais am Arabischen Golf gelegen, wird gegenwärtig das Kernkraftwerk "Barakah" erbaut. Zwischen 2017 und '20 werden die vier Blöcke nach und nach zugeschaltet. Voll funktionsfähig soll das Barakah Kernkraftwerk einmal bis zu einem Viertel des Strombedarfs der VAE bereitstellen sowie gleichzeitig bis zu 12 Mio. Tonnen Kohlendioxid-Emission jährlich vermeiden.

Geplant ist, dass das Werk in Zukunft bei etwa 2500 Arbeitern und Angestellten eine Emirati-Quote von 60 % beschäftigen will - in einem Land, dessen Bevölkerung zu ca. 85 % aus Nicht-Emiratis besteht, eine bemerkenswerte Zahl!

Noch ein weiterer Fakt ist interessant: Ende 2016 richtet Abu Dhabi die 24. jährliche Weltkonferenz der Frauen im Nuklearsektor (Women in Nuclear - WiN) aus. Schon jetzt machen emiratische Frauen über 21 % der in diesem Bereich Beschäftigten aus - Tendenz steigend. Der Anteil der weiblichen Studenten in den Ausbildungsprogrammen der "Emirates Nuclear Energy Corporation" (ENEC, gegründet 2009) liegt bei 27 %.

In Barakah ist Frau Salama Al Ketbi Senior Projektingenieurin. An fünf Trainings-Terminals simulieren Studenten hunderte Stunden lang alle erdenklichen Abläufe und auch Gefahrensituationen in einem Kernkraftwerk. In anderen Studieneinheiten werden sie in Südkorea in dortigen Kraftwerken geschult. 

Frau Amani Al Hosani ist eine der jungen VAE-Kräfte, welche das Kernkraftwerk später mit betreiben wollen. Die 29-jährige Emirati, inzwischen Vize-Leiterin der Simulation bei der ENEC, startete ihre beruflich Karriere auf einem anderen Gebiet: 2009 begann sie noch als Verfahrensingenieurin für die Abu Dhabi Company for Onshore Petroleum Operations (ADCO)  - eine Erdölfirma. Im gleichen Jahr allerdings erklärte der Kronprinz von Abu Dhabi das Erdöl für "Geschichte"; die ENEC wurde ins Leben gerufen. Also sah sich die junge Ingenieurin nach einer zukunftsträchtigeren Alternative um - und landete so bei der Kernkraftgewinnung.

Gegenwärtig sattelt Amani Al Hosani noch einmal drauf - sie macht ihren Master-Abschluss für Nuklearingenieurwesen an der Khalifa Universität - mit einer Sponsorship der ENEC.
Als eine der "Vorreiterinnen" wird sie nun oft über soziale Medien von anderen jungen Frauen kontaktiert und über ihren beruflichen Weg ausgefragt. Frau Al Hosani ermutigt diese dann gern und macht ihnen Mut, ebenfalls in dieser Branche Fuß zu fassen.

Leicht mag es für sie dennoch nicht sein. Das Werk Barakah mit seinen Simulatoren ist in einer recht abgelegenen Ecke des Emirats angesiedelt: 340 km von dort bis zu ihrem Zuhause in der Hauptstadt. "Meine Familie versteht, dass meine Arbeit ziemlich fordernd ist. Sie unterstützen mich bei allem", erklärt die Mutter dreier Kinder, welche sich gegenwärtig im Mutterschaftsurlaub befindet.
Sie fügt hinzu, dass "Frauen keine 'Super-Women' sein müssten, um eine Karriere in der Nuklearindustrie mit dem Familienleben verbinden zu können. "ENEC versteht die wichtige Rolle der Frau als Mutter, sie zeigen sich daher sehr flexibel. Gegenwärtig sind wir in einer hochwichtigen Phase in der Simulation des Projekts. Der zweiter Simulator ist eben eingesetzt worden. Daher freue ich mich sehr, bald zurück an die Arbeit dort zu gehen."


Die "Women in Nuclear"-Organisation wird ihre 24. Jahrestagung Ende dieses Jahres in Abu Dhabi abhalten


Quelle: http://www.thenational.ae/business/the-life/emirati-women-powering-ahead-in-uaes-nuclear-industry#page2

Foto1: http://www.thenational.ae/storyimage/AB/20150930/ARTICLE/150939962/AR/0/&NCS_modified=20151001070342&MaxW=640&imageVersion=default&AR-150939962.jpg
Foto 2: http://saudigazette.com.sa/wp-content/uploads/2016/03/win-640x411.jpg 


Sonntag, 21. Februar 2016

Gold in Hülle und Fülle


Die meisten Touristen, welche in die Emirate kommen, wollen den Gold-Souk (=Markt) besuchen. Und oft dort auch "zuschlagen", weil sie gehört haben, dass dieses Edelmetall hier besonders billig sei.

Mit diesem Irrglauben möchte ich gern aufräumen. Einen Reibach wird dabei hier niemand machen können. Gold wird überall auf der Welt zum aktuellen Goldpreis gehandelt; da macht auch der sagenhafte Orient keine Ausnahme! Der einzige Unterschied ist, dass die hiesigen Schmuckstücke - dem lokalen Geschmack und Zweck entsprechend - zwar häufig weit opulenter sind, als die vom europäischen Goldschmied. 
Jedoch ist der reine Bearbeitungspreis, der auf den Goldpreis aufgeschlagen wird, um aus dem Rohmaterial eine Pretiose zu machen, im Souk natürlich ein Stück weit verhandelbar. Falls man handeln mag und dafür auch ein gewisses Geschick mitbringt! Bis zu 20% sollen für gewiefte Verhandler "drin" sein.


Auslage in einem der vielen Schmuckgeschäfte in Abu Dhabi.

Auf alle Fälle ist der Besuch eines Gold-Souks (z.B. des berühmten in Dubai, im Stadteil Deira, aber auch jedes anderen, beispielsweise in einer Shopping-Mall) bei einer Reise in die VAE lohnenswert. Besonders dem weiblichen Part mögen da die Augen übergehen! Allein die schiere Massivität des pro Schmuckstück verarbeiteten Goldes, aber auch die Fülle und manchmal Größe der verarbeitetn Edelsteine lassen einen an Märchen aus 1001 Nacht denken!

Für den eher dem Understatement verpflichteten westlichen Geschmack (und... dem Touristen-Geldbeutel ebenfalls) ist in den Auslagen der Schaufenster dann doch eher wenig dabei. Keine "Klunker" findet man eher bei Fingerringen oder Armbändern. Beliebt bei Europäern und Amerikanern ist es, sich den eigenen Namen in arabischer Schrift als filigranen, goldenen oder silbernen Kettenanhänger anfertigen zu lassen.

So wundert es auch nicht, dass die besten Kunden der Goldboutiquen dann doch eher Einheimische sind. Während arabische Männer heutzutage Geld lieber in Form von Goldbarren anlegen, neigen die Damen in ihren eleganten schwarzen Abahjas nach wie vor eher der Investition in tragbare und vor allem schmückende Geldanlagen zu. Nicht nur auf Hochzeiten - wo der Schmuck der Frauen manchmal so schwer sein soll, dass man sie beim Aufstehen stützen muss! - sondern auch im Alltag tragen Emiratinnen gern durchaus massiveren Goldschmuck.


Kleiner Ausschnitt aus dem Gold-Souk in der Shopping-Mall Madinat Zayed in Abu Dhabi

Die Gründe sind nicht nur optischer Natur. Historisch gesehen erhielt - und erhält - die Frau bei ihrer Hochzeit vom Bräutigam und dessen Familie das Brautgeld, den al-Mahr. Die Höhe wird zuvor zwischen den beiden Familien ausgehandelt und kann viele Tausende Euro betragen (hinein zählen neben Bargeld und Schmuck allerdings auch Kleidung und Einrichtung, früher auch Kamele etc.)

Bescheidenheit wird dabei oft als fehl am Platz gesehen, zeigt die Höhe dieses Betrags ja auch das Ansehen der Familie an. Um nicht übervorteilt zu werden, darf die Braut nach islamischem Recht den Vollzug der Ehe so lange verweigern, bis sie den kompletten Umfang des Brautgelds erhalten hat.
Was jedoch viel wichtiger ist: Der al-Mahr geht komplett in Besitz der Braut über, lebenslänglich. Er ist so eine Art "Lebensversicherung", denn selbst in dem Falle, dass ihr Mann sich später von ihr scheiden lassen sollte, behält die Frau diesen Besitz und ist somit nicht künftig der Armut ausgesetzt oder muss sich selbst mit Arbeit durchbringen.

Wer einmal durch die Gold-Souks spaziert und das klirrende Geschmeide an Fingern, Hals und Ohren der Emiratinnen sieht und hört, bedenke: Die Damen tragen also quasi ihre Rente spazieren!


In Schmuckläden, welche häufig von christlichen Ausländern frequentiert werden, sieht man in den Auslagen auch immer wieder christlich geprägte Schmuckwaren.

Sonntag, 14. Februar 2016

"Glücks-Ministerium"!


Von ferne (besonders dort, wo es kalt und regnerisch ist) könnte man etwas kurzschlüssig vermuten, in den Emiraten sei jedermann per se glücklich, denn die Sonne scheint ja (fast) jeden Tag. Allerdings dörrt Clärchen, das sich jenseits der 40 Grad zu einer recht fiesen Klara auswächst, in dem Falle auch schon einmal die Laune wie sonst die eher nur Datteln.

Natürlich sind solch fundamentale Probleme, unter denen Menschen tagtäglich in anderen Staaten leiden, wie Hunger, Krieg, Armut und Kriminalität so gut wie nicht präsent für die Bewohner des sonnigen Wüstenlandes. Wenn man etwas genauer hinsieht, bleiben natürlich dennoch jene persönlichen Alltagssorgen, á la Stress auf Arbeit, Krankheit oder laute Nachbarn. Doch vergleichsweise dürfte die Mehrheit der ständigen wie auch temporären Bewohner der Vereinigten Arabischen Emirate als relativ glückliche Bevölkerung angesehen werden können.

Nach Statistiken des Wold Happiness Reports des Earth Institute der Columbia Universität (im Auftrag der Vereinten Nationen) waren 2015 die Schweizer von untersuchten 158 Nationen das glücklichste Volk, nachdem die beiden vorigen Male ja Dänemark geführt hatte.
Neben Daten für Lebenserwartung und Bruttoinlandsprodukt pro Kopf oder fehlender Korruption wurden als wichtige Werte solche eingerechnet, welche die individuelle Entscheidungsfreiheit für das eigene Leben sowie die geistige Gesundheit der Bevölkerung betrafen. Deutschland landete auf Rang 26.

Die VAE kamen 2015 auf Platz 20. Für einen Landesvater, welcher seinen Landeskindern regelmäßig Rekorde zu bescheren versucht,  reicht das natürlich nicht. (Das höchste Gebäude der Welt - das bald von einem fast doppelt so hohen "entthront" werden soll -, eine riesige Moschee mit dem größten Swarowski-Kronleuchter und Teppich, dem "schiefsten" Gebäude der Welt, einem Lamborghini als Polizeifahrzeug, demnächst die größte Mall, das längste Gaffito, usw... )

38503668
Glücksministerin: Ohud Bint Khalfan al-Rumi.      Foto: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/dubai-ernennt-ministerin-fuer-glueck-14063525.html


Daher hat Scheich Mohamed Rashid Al Maktoum, Premier und Vizepräsident sowie Herrscher über das Emirat Dubai, nun ein "Glücksministerium" gegründet, welchem Ohud Bint Khalfan al-Rumi vorsteht. Halbtags nur, denn hauptberuflich ist die junge Emirati überdies die Generaldirektorin des Büros des Scheichs...
Übernommen hat der Wüstenstaat die Idee zum Glücksministerium vom kleinen Himalaya-Land Bhutan; in dem buddhistischen geprägten Staat gibt es das nämlich schon länger.



Zum Glück beitragen soll sicherlich auch der neu geschaffene Ministerposten für Toleranz - diesen erhielt die Emirati Lubna al-Kassimi. Das Ministeramt für Toleranz wurde eingerichtet, um diesen  „fundamentalen Wert in der Gesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate“ zu verankern, erklärte Scheich Mohammed.

Überdies stärkt die gerade erst 22 Jahre junge Schamma al-Masrui als Jugendministerin die neue "Frauen-Power" im emiratischen Ministerrat. Sie soll das "Ohr" an der Masse ihrer AltersgenossInnen haben - immerhin ist es ein "junges Land" mit einem Durchschnittsalter von 30 Jahren.

In Deutschland scheint sich die Sinnhaftigkeit eines staatlich getragenen Glücksministeriums bisher manifestiert zu haben; immerhin existiert ein selbsternanntes "Ministerium für Glück", das allerdings eher einem Kulturprojekt gleich gestellt ist. Auf Facebook finden das jedenfalls fast 14.500 Leute "gut". (https://www.facebook.com/MinisteriumFuerGlueck/) - das sind doch ein paar mehr "Daumen hoch" (7.556)  als für das Bundesamt für magische Wesen.

:-)

... und da die "Zeit" dem Thema zeitgleich mit diesem Post hier einen Beitrag gewidment hat, möchte ich den hier gleich auch noch verlinken.

Montag, 1. Februar 2016

Warehouse 421 - neues Kulturzentrum


Mit dem "Warehouse 421" hat vor kurzem ein neues geistig-kulturelles Zentrum in Sichtweite des neu entstehenden Museumskomplexes auf Saadiyat Island seine Pforten geöffnet. Zur dreitägigen Eröffnung im November waren über 10.000 Besucher gekommen.
(Auf Saadiyat Island gegenüber befinden sich - noch im Bau - der Louvre Abu Dhabi, der Ende diesen Jahres eingeweiht werden soll, sowie später Guggenheim Museum Abu Dhabi, voraussichtlich 2017, sowie drei weiteren Museen).

Exhibition "Process and Practising": Arbeiten junger Künstler, die durch die SHF-Foundation gefördert werden.

Das "Warehouse 421", das im Hafengelände des Mina Zayed Port liegt und auch tatsächlich in ehemaligen Lagerhallen seine Heimat fand, lädt zu gleichzeitig mehreren, wechselnden Ausstellungen ein - aber auch zu Vorträgen, Filmvorführungen und Kunst-Workshops.

Ich besuchte es anlässlich einer Führung gemeinsam mit den GLADIES, einem lockeren Verbund deutschsprachiger Frauen in Abu Dhabi ("G" steht für "German" und "Ladies" für die Damen), welcher für seine Mitglieder ehrenamtlich unterschiedlichste Aktivitäten organisiert.

Eine aktuelle Ausstellung zeigt künstlerisch-architektonisch inspirierte Modelle des "Warehouse 421", die in der Aufbauphase von der Öffentlichkeit eingereicht wurden; eine weitere Schau Fotos des französischen Fotografen Jack Burlot, der das Alltagsleben rund um den Hafen Abu Dhabi einfing. Eine eigene Halle bekam die "Process and Practising" benannte Exhibition, die sich mit dem Entstehen von moderner Kunst beschäftigt.

Programmdirektor Faisal Al Hassan erläutert Mitgliedern der "Gladies" die Fotoausstellung zum Hafengebiet


Ideen für die Gestaltung des Warehouses....
.... aus einer öffentlichen Ausschreibung  









Programm-Manager Faisal Al Hassan führte die GLADIES durch die Hallen und erklärte den Anspruch des neuen kulturellen Zentrums.Das "Warehouse 421" ist ein Projekt der "Salama Bint Hamdan Al Nahyan Foundation" (SHF), welche sowohl junge einheimische Künstler unterstützt und international vernetzt, sich aber auch der Bewahrung der emiratischen Kultur einerseits wie auch deren Entwicklung in der Zukunft andererseits verschrieben hat. 

Die Gründerin der Stiftung, Sheikha Salama Bint Hamdan Al Nahyan, ist die Frau des Kronprinzen von Abu Dhabi, Sheikh Mohamed bin Zayed Al Nahyan. Darüber hinaus jedoch forscht die Foundation und ist tätig auch auf dem Gebiet der Bildung speziell für Kinder und Frauen und auch im Gesundheitssektor, so z.B. in der Alzheimer-Prävention.

Mit dem Programm "Muntada"  sollen in Form von öffentlichen Foren diverse Aspekte aus den Bereichen Kunst, Kultur und kulturellem Erbe diskutiert und entwickelt werden können; die Reihe "Wednesdays at the Warehouse" mit Vorträgen, Filmvorführungen und Diskussionsrunden will dazu beitragen. Die Kunstszene in den Emiraten ist noch jung und benötigt solche Angebote, um wachsen und sich etablieren zu können. "Muntada", das "Forum für neue Ideen", soll dabei helfen.


Kuratorin Dr. Bambling erläutert das Fotoprojekt zur neueren emiratischen Geschichte
Sicherlich das Herzstück der gegenwärtigen Ausstellungen ist "Lest We Forget: Emirati Family Photographs 1950-1999". Kuratorin Dr. Michele Bambling erläuterte den anwesenden GLADIES sehr lebendig, wie das Projekt entstand. Seit 2010 sammelten Studentinnen aus ihrem Kurs an der Zayed University die Ausstellungsstücke in Form von v.a. Fotos unter Verwandten und Bekannten, vereinten sie zusammen mit ihren persönlichen Erinnerungen zu dieser Exhibition, aus der auch ein Buch entstand. Neben den Fotos sind auch Alltagsgegenstände aus 50 Jahren emiratischer Geschichte vereint.

Frau Bambling berichtete darüber, wie zögerlich ausgerechnet Fotos mit Frauen anfangs eingereicht wurden. Bis den Ausführenden des Projekts klar wurde: "Man kann die Geschichte unseres Landes doch nicht ohne Frauen dokumentieren - ganz ausgeschlossen!" Dennoch sind Frauen oft doch dann nur in Form ihrer Kinderfotos präsent, da die Tradition nach wie vor gebietet, dass emiratische Frauen in der Öffentlichkeit nicht ihr Gesicht zeigen.


Moderne Museumstechnik macht Geschichte lebendiger


An mehreren Stellen lädt die Ausstellung auch die Besucher zum selbst Beitragen (per Polaroids) oder Agieren ein. Viel Anklang fand z.B. ein Exponat, das die Vielfältigkeit der Sortierungs- und Katalogisierungsmöglichkeien eindrucksvoll demonstriert. 
Kreisförmig, gleich einem drehbaren Roulette, sind Kärtchen aufgestellt: Die Vorderseite zeigt farbig Ordnungsprinzipien (nach Ort, nach Zeit, nach Thema,...), auf der die Rückseite ist ein Code gedruckt. Legt man einen dieser Codes auf Leuchtfläche daneben, werden dort blitzschnell alle in der Sammlung verfügbaren Fotos unter diesem Kriterium auf einen Stapel "geworfen". Die einzelnen Fotos kann man dann per Fingerbewegung herausziehen, drehen, vergrößern,...

Besucherinnen probieren die moderne Museumstechnik zum Veranschaulichen von Katalogisierungen aus.


Nach dem Rundgang durch alle Ausstellungsbereiche hatten einige der GLADIES Kaffeedurst. Programmdirektor Faisal versprach, dass beim nächsten Besuch das Warehouse 421 mit einem eigenen Café zum Verweilen einladen wird.

Wer etwas über die aktuellen Ausstellungen erfahren möchte, kann hier nachsehen:  http://www.warehouse421.ae/en/exhibitions/

Wer neugierig auf das Filmprogramm der Mittwochsabende ist, gewinnt hier einen Überblick: 
http://www.warehouse421.ae/en/wednesdays-at-the-warehouse/film-screenings/ 


Exponat aus "Process and Practising"
 
Lichtdurchflutet präsentieren sich die Ausstellungsräume in der einstigen Hafen-Lagerhalle heute.

Sonntag, 10. Januar 2016

Zahra Lari - junge Emiratin eifert Kati Witt nach


Emiratische Eiskunstläuferin Zahra Lari trainiert für Olympia 2018. Foto: http://abudhabiweek.ae/breaking-the-ice/

Mit elf Jahren sah Zahra Lari den Film "Die Eisprinzessin". Sie war fasziniert von dieser so  engen Verbindung zwischen Sport und Kunst. Und überdies wie verzaubert von der Vorstellung, Teil so einer "Märchenwelt" zu sein. Fortan ging sie drei, vier Jahre lang jeden Donnerstag - während der für die Öffentlichkeit zugänglichen Stunden - auf den Eisring in der Eissporthalle in der Sheikh Zayed Sports City Abu Dhabi. Dort kann man einheimischen Jugendlichen bei ihrer durchaus bemerkenswerter Geschicklichkeit auf Kufen zusehen. Anfangs musste sie feststellen, dass es im Film tausendmal leichter aussieht als es ist, wenn man sich selbst auf die schmalen Kufen stellt. Doch das Mädchen gab nicht auf: Zahra - eine Eisprinzessin der Wüste...

Wenn man bedenkt, dass europäische und amerikanische Eltern künftigen Eiskunstlaufstars oft schon mit gerade einmal zwei, drei Jahren Schlittschuhe anziehen und sie ins Training schicken, klingt es allein schon wie ein Märchen, dass Zahra als Teenager erstmals überhaupt begann, Eiskunstlauftraining zu nehmen und professionell ausgebildet zu werden! Das ist wirklich bemerkenswert und spricht für Talent und Disziplin der emiratischen Eisprinzessin.

Noch märchenhafter allerdings ist, dass die mittlerweile 19-jährige - als allererste Emirati in dieser Sportart - an den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea teilnehmen will! Nachdem sie mittlerweile sechs Mal die Woche jeweils sechs Stunden bei internationalen Trainern arbeitet, hat die Spütstarterin aus dem Wüstenland mit einem 12. Platz auf einem Wettkampf der International Skating Union (ISU) in der Slowakei Ende vergangenen Jahres auch Skeptikern bewiesen, dass sie inzwischen internationales Niveau erreicht hat. Wer Videos (siehe unten) mit Beiträgen von ihr gesehen hat, bezweifelt das angesichts der Pirouetten und vierfachen Sprünge auch nicht. 


Zahra "taut" traditionelle Normen für eine bislang eher fremde Sportart


Dass die ersten internationalen Schlagzeilen ihretwegen jedoch weniger ihren sportlichen Leistungen galten als dem Umstand, dass sie die erste Eiskunstläuferin weltweit ist, welche mit Kopftuch an den Start geht, beschwert sie nicht weiter. Viel wichtiger ist ihr, jeden Tag ihr Maximum zu geben - sei es im Training, in der Schule oder in ihrer Familie.

Ihr Vater war anfangs von ihren Ambitionen nicht so sehr erbaut - kein Wunder, denn dieser Sport war in den Emiraten nun einmal eher fremd, und die Leute hatten, so Zahra, "seltsame Vorstellungen darüber". Doch als ihre Familie sah, dass Eiskunstlaufen nicht gegen die lokalen Traditionen verstößt und das Mädchen es sehr ernst damit meinte, erhielt sie deren Unterstützung - auch darin, an internationalen Wettbewerben teilzunehmen.

Zahra Lari sagt, es sei ein "kulturelles Ding", dass Mädchen in den Golfstaaten traditionell nicht viel mit Sport am Hut haben. "Daher macht es mich stolz, hierbei den Weg  für die kommende Generation zu ebnen. Ich habe bisher dafür gekämpft, dass es passiert, und das ist es wert! Es ist wirklich für mich wichtig zu zeigen, dass der Hijab (das Kopftuch) mich keinesfalls einschränkt in dem, was ich machen will!"

Auf Ausschlafen, Partys oder Schokolade muss die emiratische Eisprinzessin verzichten. Doch das tut sie ihrer Passion, dem Sport, zuliebe gern, versichert sie. "Nur ein Kilo mehr auf der Waage - und schon gehen das ganze Timing und die Landung meiner Sprünge  nicht mehr auf!"

Momentan konzentriert sie sich auf die Vorbereitung der nächsten internationalen Herausforderung. In ihrem ISU-Wettkampfkalender ist die "Sportland Trophy Competition" vom 4. bis 9. März 2016 in Budapest rot angestrichen.

Dennoch reichen die Pläne der emiratischen Sportlerin über diesen Wettkampf und auch das hohe Ziel Olympia bereits hinaus. Unlängst wurde sie zur UNICEF-Jugendbotschafterin berufen. Künftig möchte Zahra junge einheimische Eissportler an ihren Sport heranführen und junge, neue Kufenstars trainieren.


Hier kann man Zahra bei Eislaufen zusehen:

https://youtu.be/2AWbmQX-qRs
 


Montag, 16. Februar 2015

"Emirati Kitchen" - Besuch auf dem Gastro-Festival






Auch ohne Signatur der Autorin (der Emiratie Chef(in) Khulood Atiq) ist das Kochbuch "Sarareed" über die emiratische Küche für mich eine Bereicherung meiner eigenen Kochkünste wie auch meines Wissens über hiesige Gastlichkeit.



Im Rahmen der Veranstaltungen zum jährlichen "Abu Dhabi Food Festival", auf denen Spitzenköche aus aller Welt ihr Können inklusive Masterklassen und Chef-Seminaren für Hobbyköche bei der "Gourmet Abu Dhabi" vorführen, sowie einem Straßen-Fest, auf welchem an zahlreichen Ständen internationale Gerichte präsentiert und verkauft werden, fand auch die "Emirati Kitchen" ("Emiratische Küche") statt. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung, wie immer, von der Tourismus- und Kulturbehörde Abu Dhabi.


Emiratisches Menü an einem der Stände
Traditionelle Musik lud zum Verweilen





















"Meylas Kitchen" ist ein neues Konzept. Shaikha Al Kaabi aus Abu Dhabi stellt ihren mobilen Truck an verschiedenen Stellen der Stadt auf, um die Bewohner mit den originalen emiratischen Gerichten zur Snack-Pause zu verführen.

Hört man den Begriff "Arabische Küche", fallen einem die großartigen Kreationen der Libanesen ein, der Syrer, auch der Marokkaner. Aber "emiratische Küche"?! Ja, natürlich gibt es auch die. Und bevor sie noch ganz von McDonalds, KFC, Starbucks oder auch den ganzen Restaurants internationaler Provinienz hier überlagert oder ganz erstickt wird und in Vergessenheit gerät, soll u.a. auch "Emirati Kitchen" davor bewahren.

Auf einem Freiluft-Gelände an der Corniche waren Stände versammelt, an welchen man einige der klassisch-emiratischen Gerichte probieren konnte. Überall gemütlich Tische oder Sitzsack-Lümmelgruppen zum Genießen, arabische Musikanten spielten im Hintergrund. Höhepunkte dieser Präsentation waren Kochklassen mit bekannten Chefs, welche in Gerichte der emiratischen Küche einführten.



Außerdem gab es eine begehrte Signierstunde mit dem einzigen weiblichen (Küchen-) Chef der Emirate, Khulood Atiq - an ihr kommt momentan kein Bericht über erfolgreiche Frauen hierzulande vorbei; auch ich hatte schon einmal von ihr berichtet.
Dummerweise hatte ich nicht damit gerechnet, dass es in den VAE u.U. noch wesentlich bürokratischer als selbst in Deutschland abgehen kann! Von wegen, sich zur Signierstunde einfach mal in die Schlange stellen und warten, bis man dran ist!.... Am Eingang wurde ich höflich gefragt, ob ich "auf der Liste" sei: der Liste jener, welche zur Kochbuchsignierstunde bei Frau Atiq vorgelassen würden. Nein, war ich nicht, aber ich durfte mich in die "Ersatzleute" einreihen - falls jemand von der Liste nicht erschiene. Doch alle kamen, und ich werde nun auch ohne die Unterschrift von Chefin Khulood mal etwas aus ihrem zweisprachigen Kochbuch "Sarareed" der Emiratischen Küche probieren!

Diese verschleierte Dame teilte an Neugierige kostenlos "Hareez" aus, ein traditionelles Gericht auf emiratischen Festen.








Hier schon einmal ein kleiner Vorgeschmack:


KHANFAROUSH - Süße Teigbällchen


Khanfaroush ist beliebt bei jung und alt - auf jedem Volksfest gibt es Stände, welche diese Leckerei verkaufen. Sie ist auch daheim leicht nachzumachen (und erinnert ein klein wenig an "Berliner"!)
  • 6 EL Reismehl
  • 2 EL Weizenmehl
  • 3 EL Zucker
  • 8 Eier
  • 3-4 TL Rosenwasser
  • 1 TL Kardamom-Pulver
  • 1/2 TL Safran (kann man auch weglassen)
  • 1 TL Backpulver (Modernisierung des traditionellen Rezepts für besseres Gelingen)

Alle Zutaten zusammenmixen und mindestens 30 min stehen lassen.
In einer tiefen Pfanne genug Öl erhitzen. Mit einem Teelöffel den Teig in Form kleiner Bällchen ins heiße Öl geben; so lange wenden, bis diese von beiden Seiten braun sind. Dann auf Küchenkrepp das überschüssige Fett abtropfen lassen.
Kann nach Geschmack mit Honig, Dattelsirup, Schokosauce oder Sesam gereicht werden, besonders gut schmeckt dazu der landestypische, leicht bittere Arabischer 'Khawa' (Kaffee mit Kardamom).


Die arabische Haushaltswaren bei "Emirati Kitchen" fanden besonders bei den einheimischen Damen regen Anklang.

Sonntag, 26. Oktober 2014

Hinter den Kulissen des Internationalen Abu Dhabi Film Festivals 2014

Gerade findet es wieder statt, ein einwöchiges Internationales Abu Dhabi Film Festival.
Fast 200 Filme unterschiedlichster Genre werden an verschiedenen Spielorten vorgeführt, die Auswahl für Cineasten ist also riesig! Höhepunkte, wie die Preisverleihungen in diversen Kategorien, machen die Veranstaltung zu einem Ereignis mit Ausstrahlung, denn auch der junge emiratische Film wird u.a. gewürdigt.

mein oranges "Freiwilligen"-Shirt und ich im Saal des Emirates Palaces...


Da ich selbst großer Kino-Fan bin und mich gern mal ein wenig hinter den Kulissen herumtreiben wollte, meldete ich mich als "Volunteer" (Freiwillige) für die Betreuung von Vorstellungen.
Schon zur Einführungsveranstaltung wurde klar: Ich hebe den Altersschnitt der Interessenten beträchtlich: Etwa achzig Prozent dieser Freiwilligen waren nämlich eindeutig College- oder Hochschulstudenten, darunter ein sehr hoher Anteil wiederum emiratische junge Mädchen in schwarzer Abahja und schwarzem Kopftuch, dafür aber hervorragend geschminkt. Und auch so fast alle unglaublich hübsch, das muss man den emiratischen Frauen einfach lassen.

Klassischer "Stundentenjob", könnte man also sagen. Aber andererseits: Man stelle sich vor, jemand fordere in Deutschland Studenten zu solch einem Job auf - zusammen mit der fröhlichen Mitteilung, dass das natürlich völlig freiwillig sei und allein der Kunst zuliebe sei und es keinen einzigen Cent dabei zu verdienen gibt! Den "Andrang" daraufhin möchte man daraufhin mal sehen.... Anders hier; ich hatte den Eindruck, es gab weit mehr Freiwillige als tatsächlich zu besetzende Jobs! Vermutlich ist das Filmfestival eine der hier recht überschaubaren Möglichkeiten, als Student "Arbeitspraxis" in irgend einer Form erwerben oder auch später vorweisen zu können.....

"Auf Schicht": Üben in orientalischer Gelassenheit


Als Deutsche ist "man" ja pünktlich, sogar noch nach vielen Auslandsjahren. Wobei ich es langsam wirklich besser wissen müsste: Schichtbeginn war für mich 16 Uhr. Man sollte eine halbe Stunde zuvor da sein. Sich einschreiben, das Namensschild sowie das orangene Festival-Mitarbeiter-T-Shirt in Empfang nehmen (nicht für Emiraties, diese durften im "National Dress" erscheinen, also Frauen in ihrer schwarzen Robe, Männer in der weißen Dischdascha). Natürlich war ich also pünktlich um 15.30 Uhr am Treffpunkt im "Emirates Palace Hotel", mit seinem großen Veranstaltungssaal einer der Spieorte.
Die letzten Ankömmlinge, die sich für diese Schicht einzutragen hatten, erschienen 16.30 Uhr. Dann hieß es warten - an unterschiedlichen Plätzen quer durch das Hotel, durch das wir geführt wurden. Das ging so bis ca. 18 Uhr..... - zwar habe ich mir mit der Zeit doch ein bisschen orientalische Gelassenheit beim Warten angewöhnt. Aber ehrlich: Ohne mein Smartphone wäre ich vor Langeweile bestimmt gestorben, denn mit jemandem ins Gespräch zu kommen scheiterte daran, dass alle jungen Leute.... auf ihren Smartphones herumtippten.

Dann ging es doch noch los. Wir wurden per Fingerzeig in Vierergruppen eingeteilt und erfuhren endlich, was wir denn zu tun hatten.... Jeder bekam die Hotelzimmernummer eines Jury-Mitglieds mitgeteilt. Dort sollten wir zu einer bestimmten Zeit anklopfen und zu einem Treffpunkt eskortieren, von wo sie den Roten Teppich des Eröffnungsabends betreten würden (und wir Freiwilligen durften paar Mal dahinter herumwieseln auf dem Weg zu unseren Jobs).

Ich hatte Glück, und so "lohnte" sich für mich denn doch noch. Ich holte die australische Regisseurin Cate Shortland ab, welche mit dem in Deutschland gedrehten Film "Lore" um ein Mädchen in den Endwirren des 2. Weltkriegs eine Nominierung für den Oscar 2013 erhielt.
Kaum hatte ich geklopft, wurde mir von Ms. Shortland die Tür geöffnet und ich zu meinem großen Erstaunen sofort hereingebeten. In dem Hotelzimmer sah es sympathisch chaotisch aus, wie es bei allen Familien zu sein pflegt, wenn man noch nicht lange angekommen ist. Denn Ruby, ihre sechsjährige Tochter, sollte mit zur Auftaktveranstaltung, aber erst einmal musste noch die Schleife an ihrem pinken Tüllkleidchen gebunden werden, und auch die Regisseurin selbst bat mich, ihr beim Anlegen ihres Halscolliers zu helfen. Auf bemerkenswerte Weise fühlte ich mich jedoch in der Gegenwart dieser natürlichen Frau nicht wie eine untergeordnete Hilfskraft, sondern eher wie eine Freundin, die man um einen kleinen Handgriff bittet.
Sie hatte natürlich meinen deutschen Akzent bemerkt und so entspann sich schnell ein Gespräch, während sie sich durch Koffer und Schubladen wühlte, um noch dies und das zu finden. Schließlich waren dann aber alle soweit, und ich konnte Cate Shortland und ihre Tochter am vereinbarten Platz abliefern.
Ich muss zugeben - ich bin nun wirklich niemand, der gleich in die Knie geht, weil jemand bekannt oder auch "berühmt" ist. Doch dieses kurze Zusammentreffen mit dieser so völlig normal, warm und ungekünstelt erscheinenden Regisseurin hat mir gefallen.

"Mit dem Clicker in der Hand..."


Patreshia aus Minnesota, Mit-Freiwillige beim "klickern" (Besucher zählen)
Die andere Schicht bestand für mich in direktem "Saaldienst". Patreshia aus Minnesota, in Abu Dhabi mit einem Lehrauftrag, und ich bekamen "Clicker" in die Hand. Postiert auf den gegenüberliegenden Seiten des Kinoeingangs hatten wir die "komplizierte" Aufgabe, jeden Eintretenden mit einem "klick" auf den Drücker des Geräts zu zählen. Zumindest bot dieser Abend die Gelegenheit, im Kinosaal stehend einen Großteil von "Bären" und "The Homesman" zu sehen.

Und so war ich um einige Erfahrungen, Kulissenblicke und auch Filmschnipsel (sowie veritable Fuß- und Rückenschmerzen....) reicher nach meiner Arbeit als Filmfestivals-Volunteer! Na, und die Gutscheine für Festivalsvorstellungen, die ich als "Lohn" erhielt, müssen auch noch umgesetzt werden...