Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Posts mit dem Label Expats werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Expats werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 20. März 2017

Warum Expats gerne länger in den VAE verweilen

Dubai bei Nacht - mehr als nur optisch anregend
 
"Dubai bubble", die "Blase Dubai" ist ein oft gebrauchter Begriff, der sich auch auf Abu Dhabi anwenden lässt: Gemeint ist dieses recht einmalige Konglomerat an Sprachen, Nationalitäten, Hautfarben, Herkunftskulturen in einem harmonisch wirkenden Miteinander, das bei hohem Lebensstandard den Firnis des "Schneller, Höher, Weiter" trägt, der insbesondere in Dubai mit regelmäßigen Rekorden aller Art gepflegt wird.

Eine neuerliche Studie von DIFC Wills & Probate Registry (WPR) zeigte, dass 64 % der befragten Expats, die für eine bestimmte Zeitspanne zum Leben und Arbeiten in die Vereinigten Arabischen Emirate kamen, signifikant länger als ursprünglich geplant bleiben. Natürlich zählen darunter auch tausende Syrer; Jemeniten oder Irakis, die einfach froh sind, wenn ihre Visa momentan hier einfach stillschweigend verlängert werden.
Der Großteil der "Bleiber" wird jedoch von Expats gebildet, die problemlos in ihre Heimat heimkehren könnten, sich jedoch einfach an den "bubble lifestyle" gewöhnt haben. So blieben i.d.R. die Befragten drei Jahre länger als vorgesehen. Doch immerhin jeder Zehnte von ihnen lebt bereits über 20 Jahre länger zwischen Wüstendünen, Wolkenkratzern, Wasserparks und ständig neuen Attrationen unter dem (fast) immerblauen emiratischen Himmel! Nicht zu vergessen überdies, dass die persönliche Sicherheit in diesem Land extrem hoch ist.

Emirate: hoher Freizeitwert

Lebensgefühl "Laufen und Springen"


Dass sich so viele angezogen und auch länger wohlfühlen in den VAE, hat sicher mit dieser speziellen Atmosphäre zu tun: Ständig entsteht ein neues Wohnviertel, eine neue Mall, ein neuer Park. Es ist dieses "Vorwärts"-Gefühl, das von einer leichten momentanen Stagnation in einigen wirtschaftlichen Bereichen nicht ausgebremst werden kann.
Mir sagte ein Emirati einmal: "Wir Emiraties sind es gar nicht mehr gewohnt zu gehen, um voranzukommen. Wir können inzwischen nur noch rennen und springen - immer weiter!"

Dem Holpern in der Ölbranche will das Land mit diversen Vorkehrungen begegnen, insbesondere dem Ausbau von Tourismus, Handel und erneuerbaren Energien. Unlängst hieß es aus Regierungskreisen (Kronprinz Hamdan von Dubai), dass "2016 der nicht an den Ölsektor gebunde Außenhandel der VAE 1.276 Billiarden AED erreichte. Die Fluktuationen am Weltmarkt beeinträchtigten nicht die performance in diesem Sektor (...) Handel ist nicht nur wichtig für die wirtschaftliche Diversifizierung, es ist auch ein bedeutender Teil unseres historischen Erbes."



Doch nicht nur in diesen Bereichen geht es voran. Wenn man bedenkt, das das Land noch vor 50 Jahren nicht als solches existierte und die Städte nur aus einigen Häuseransammlungen bestanden, doch heute zu den modernsten der Welt gehören, bewegt sich viel.
Die Regeln rund um den Straßenverkehr sind mittlerweile auf westlichem Niveau (mit drastischen Strafen fürs Übertreten). Und es wird für Verkehrssünder auch keinesfalls leichter. Neulich wurde vermeldet, dass die Dubaier Polizei von der Abteilung Verkehrssicherheit gerade eine neue technische Möglichkeit "ausheckt", um Fahrer mittels eines Radars dingfest zu machen, die ohne Sicherheitsgurt fahren oder aber in irgendeiner Form während des Fahrens mit ihrem Mobiltelefon "beschäftigt" sind. Ein Delikt, dass leider bei aller Gefährlichkeit nur allzu verbreitet in den VAE ist ...

Rechte von Haushaltshilfen werden gestärkt


Ministerien sorgen dafür, dass auch  Arbeitsmigranten aus sogenannten "Drittweltstaaten" hier einklagbare Rechte haben - das gilt nicht nur für Bauarbeiter etc. (ich berichtete); dieser Tage wird ein neues Gesetz verabschiedet, das die Arbeits- und Urlaubszeiten, Lohn und sonstige Grundrechte von Haushaltsangestellten eindeutiger als bisher regelt. Es liegt auf einer Linie mit der International Labour Organisations Convention 189 und der Empfehlung 201 über angemessene Arbeitsbedingungen für Haushaltshilfen.

Was möglicherweise noch weitreichender ist: 2015 wurde vom Präsidenten Sheikh Khalifa ein Anti-Diskriminierungsgesetz für die VAE verabschiedet. Darin ist festgeschrieben, dass jegliche Diskriminierung aufgrund von Religion, Herkunft, Rasse, Hautfarbe, ethnischer Zugehörigkeit oder Kaste verboten sind.

Anti-Diskriminierungsgesetz verabschiedet


Insbesondere die Herabwürdigung jeglichen religiösen Glaubens - egal, welches! - und religiös motiverter Hass oder Beleidigung und Herabwürdigung in Wort, Schrift (z.B. soziale Medien) oder Handlung werden gesetzlich verfolgt und bestraft (Geld- und Haftstrafen bis zu zehn Jahren).

Ich frage ich mich manchmal - insbesondere, wenn ich einmal wieder in deutschen Kommentaren zu Medienberichten gelesen habe - warum ausgerechnet HIER so ein Gesetz bekräftigt und unterstrichen wird? Während mir in den sozialen Medien meines Heimatlandes, das diese Dinge längst im Grundgesetz verankert hatte, Beleidigung und Hass auf andere, Andersartige, Andersdenke, anders Betende,.... seit einiger Zeit wie Unrat nur so entgegenquillt, habe ich in fast 5 Jahren meines Lebens in den VAE noch nicht ein einziges Mal auch nur ansatzweise erlebt oder bemerkt, dass hier die Leute aus über 200 Nationen übereinander herziehen, sich vollpöbeln, böse Blicke zuwerfen oder gar tätlich werden - bei so viel geballter "Andersheit" auf den Straßen gäbe es da viele (vorgebliche) Gründe!

Zum besonderen "spirit", der zum Leben in den Vereinigten Arabischen Emiraten positiv beiträgt, müsste man sicherlich auch die oft originellen und realitätsorientierten Aktionen der Regierenden zählen, speziell Sheikh Mohammed bin Rashid al Maktum von Dubai trägt dazu kräftig bei.

So müssen auf seine Initiative hin neuerdings jugendliche Raser, welche auf öffentlichen Straßen gefährliche Motorrad-Stunts vollführen oder sich gar nächtliche Autorennen liefern und damit die Sicherheit aller attakieren, zur "Strafe" - ausgestattet mit orangener Weste - die Gehwege der Metropole reinigen. Die Bilder der Aktion wurden in den sozialen Medien zig-fach geteilt und zustimmend kommentiert

Strafdienst im Zoo für Grausamkeit. https://twitter.com/DXBMediaOffice/status/841985112623456257?ref_src=twsrc%5Etfw
 
Eine andere Zeitungsmeldung erreichte vorige Woche sogar deutsche Medien: Schnell hatte sich im Internet ein grauenvolles Handy-Filmchen verbreitet, das insgesamt drei Männer zeigte, welche eine lebendige, eingesperrte Katze - offensichtlich einem extra darauf scharf gemachten - Rottweilern zum Zerfleischen gaben. Diese Tierquäler wurden innerhalb kurzer Zeit polizeilich dingfest gemacht
Sheikh Mohammed erklärte, dass sie mit diesem "bestialischen Akt grundlegende menschliche Regeln missachtet sowie muslimische Werte verletzt" hätten. Er verfügte, dass sie nun drei Monate lange jeden Tag den Zoo Dubai putzen müssen.

Global Teacher Prize


Sicher tragen solche schnellen und eingängigen Aktionen der Regierung zur Verbundenheit der ständig oder zeitweise hier lebenden Bevölkerung bei. Natürlich gibt es aber auch erfreuliche Anteilnahme anderer Art. Als Beispiel sei genannt, dass gestern die kanadische Lehrerin Maggie Mac Donnell von Sheikh Mohammed bin Rashid al Maktum mit dem auf eine Million US-Dollar dotierten Global Teacher Prize in Dubai geehrt wurde. Die Jury zeichnete die Pädagogin für ihre vorbildliche Arbeit mit Schülern in der kanadischen Arktis aus. Marie-Christine Ghanbari aus dem Münsterland schaffte es als erste Deutsche unter die zehn Finalisten. (Wie, erzählt sie hier im Interview.) Beworben hatten sich mehr als 20.000 Lehrer aus 179 Ländern bei der Varkey Foundation, die jährlich den Preis vergibt.

Maggie MacDonnell mit Scheich Mohammed Bin Raschid Al Maktum bei derVerleihung des Global Teacher Prize in Dubai  (Foto: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/bild-1139485-1120102.html)

Dubais Herrscher: Spaziergänge in der "Masse"


Klar, solche internationalen Anlässe in die VAE zu holen und o.g. Auftritte diverser Art sind nicht zuletzt für die emiratischen Emire auch medienwirksam und PR-Arbeit im eigenen Interesse. Doch stets fällt einem insbesondere als Nicht-Emirati auf, wie volksnah die "Könige" hierzulande unterwegs sind.

Der 2004 verstobene Staatsgründer, Sheikh Zayed bin Sultan Al Nahyan, ist ein geradezu legendäres Beispiel dafür. Regelmäßig hört man hier Geschichten von Leuten, die ihm zu Lebzeiten persönlich begegnet sind, weil er eigentlich ständig in seinem Land, unter seinen "Schäfchen" unterwegs war und mit den Menschen ins Gespräch kam.

Auch die heutigen Regierungschefs knüpfen an diese emiratische Tradition an. Wer "Scheich Mo", wie ihn seine Bevölkerung liebevoll nennt, noch nicht selbst in Dubai begegnet ist, kann regelmäßig in den sozialen Medien erleben, wie er "inkognito" (aber natürlich erkennt man ihn überall) in Shopping Malls, auf Festivals, zum Essen mit einigen Verwandten und Freunden in öffentlichen Cafés sich unters Volk mischt (hier ein Clip, wie er in einem vollbesetzes Café an der Dubai Mall Platz nimmt).

Auch der "König" wartet an der Ampel auf Grün


Vor wenigen Tagen machte ein Clip die Runde, wie der Herrscher von Dubai sowie Premieminister und Vizepräsident der VAE zu Fuß mit einigen Emiratis geduldig an einer belebten Ampelkreuzung auf Grün watete (Video hier). Ein Schelm, wer Arges dabei denkt - natürlich auch hier eine geschickt platzierte PR.

Dennoch - interessant fand ich den Kommentar eines Inders darunter, welcher zu bedenken gab: "Wie erfrischend natürlich! Wenn in Indien ein Politiker von A nach B will, sind stundenlang alle Straßen gesperrt!" Das kann ich in Erinnerung an viele, viele Warteminuten - damals, während unserer Jahre in New Delhi - auf polizeilich für "hochrangige Personen" abgesperrten Kreuzungen nur bestätigen ...
By the way ... wie leicht kommt man eigentlich ohne Voranmeldung an hochrangige bundesdeutsche Politiker im täglichen Leben "heran"?

Die VAE feiern jegliche internationalen "großen" Feste


Zum guten Schluss. Was ist es, was es den hiesigen vielen Expats so leicht macht, ihre Verträge verlängern zu wollen  - neben Sonne, Sand, Entertainment und persönlicher Sicherheit? Es gibt einfach ein gutes, ein "willkommenes" Gefühl, wenn im islamischen Land VAE vor Weihnachten überall die Weihnachtsdekorationen, weihnachtliche Märkte und Kulturveranstaltungen sowie Christmetten das entsprechende, von daheim gewohnte "Flair" verbreiten.
Vor Diwali kann sich die hinduistisch geprägte Gast-Bevölkerung über entsprechenden Zierrat in den Malls freuen; großartig und farbenprächtig wird für die fernöstlichen Expats das chinesische neue Jahr begangen!

Hotel Burj al Arab in "irischem" Grün am 17.3. anlässlich des St. Patricks Day

Vorigen Freitag, am 17. März, erstrahlten alle wichtigen Gebäude hierzulande in sattem Wiesengrün - vom Burj al Arab über den Burj Khalifa in Dubai bis hin zum Hotel Yas Viceroy oder dem "Schiefen Turm", dem Capital Gate, in Abu Dhabi.
Wer sich nun vielleicht fragt, warum an diesem Tag alles knallgrün aussah - da er oder sie vielleicht weder mit Irland noch mit den VAE vertraut ist: Ganz einfach. Der 17. März ist St. Patricks Day! Dieser Tag wird in der römisch-katholischen Kirche zu Ehren des Heiligen Patrick begangen, und insbesondere von den Iren, als deren Schutzpatron der Heilige gilt. Da Grün die irische Nationalfarbe ist, erstrahlt also für die irischen Landsleute in den VAE an "ihrem" Tag alles in dieser Farbe.
Man bedenke: Es ist der Tag eines katholischen Heiligen, welcher unter den Iren meist mit sehr viel Bier etc. gefeiert wird ... und das mit Einverständnis und Fürsorge des islamischen Gastlandes.

Nicht überall auf dieser Welt fühlt man sich als Ausländer in seiner "Anderartigkeit", mit seinen heimatlichen Bräuchen und Festen so akzeptiert und umsorgt, wie in den Vereinigten Arabischen Emiraten ... Das macht es logischerweise schwerer, diese zu verlassen.


Sonntag, 13. November 2016

40-Jahr-Feier der Deutschen Internationalen Schule Abu Dhabi


1976 ging es mit gerade einmal 16 Schülern und einem Lehrer los - als Schule der Baufirma Strabag in einer Villa hinterm damaligen Stadtrand. Heute liegt dieser Platz längst "mittendrin", doch ist die wachsende Einrichtung längst umgezogen.

Gegenwärtig gehen nun 459 Schüler mit 22 unterschiedlichen Nationalitäten - darunter mittlerweile auch  59 Emiratis - auf die Deutsche Internationale Schule Abu Dhabi / German International School Abu Dhabi.  Alle emiratischen und anderweitig nicht-deutsch muttersprachlichen Schüler lernen ab dem Kindergartenalter Deutsch, dafür gibt es unterschiedliche Programme zur sprachlichen Integration, um das an den Thüringer Lehrplan angelehnte Unterrichtsprogramm adäquat absolvieren zu können.

Mit der Regierung von Abu Dhabi wurde 2008 ein Abkommen geschlossen, sodass die Schule für den zu jener Zeit stark wachsenden Schülerstamm ein hochwertiges Schulgebäude in Citylage kostenfrei überlassen bekam. Im Gegenzug verpflichtete sich die Schule, jährlich zehn emiratische Kinder gebührenfrei neu aufnehmen. Dass Sheikh Mohammed bin Zayed Al Nahyan, Kronprinz von Abu Dhabi und Anwärter auf das Premierministeramt, bei der großen Auswahl an guten einheimischen wie internationalen Lehranstalten in Abu Dhabi zwei seiner Kinder auf die GISAD schickt, ist für die Schule durchaus eine gewisse Ehre.


Willkommen = Marhaba für alle Gäste der Festveranstaltung im Innenhof der GISAD mit einem Lied

Festakt und international vielfältige Programmangebote samt Leckereien


Unlängst war es soweit: Das 40-jährige Bestehen der Schule wurde mit einer Festveranstaltung begangen, zu welcher nicht nur die momentanen Schüler, Lehrer und Eltern, sondern auch Vertreter hier ansässiger deutschsprachiger Firmen und Einrichtungen sowie "Ehemalige" kamen. Dass auch die Botschafter Deutschlands, Österreichs und der Schweiz in den VAE sowie die Frau des Kronprinzen Mohammed - Mutter der beiden Schülerinnen aus dem hiesigen Herrscherhaus - am Festakt in der geschückten Turnhalle teilnahmen, unterstrich die Bedeutung, welche der GISAD für die Community in Abu Dhabi und darüber hinaus beigemessen wird.

Köstlichkeiten einmal rund um die Welt: die Klassen betreuten Stände mit nationalen Leckerein und Spielen oder Wissenswertem zum jeweiligen Land.


 

Schulinnenhof: Treffpunkt für Eltern, Lehrer, Gäste, Schüler ...
Munteres Treiben zwischen den Ständen
Anschließend konnten die Gäste sich über den Schulinnehof treiben lassen - jede Klasse betreute einen Stand mit landestypischen Leckereien aus unterschiedlichsten Ländern (Dank hiermit an alle Familien der Schule, welche großzügig für den Anlass kochten, buken und dann dort spendeten!) - mit u.a. Küchengrüßen aus Russland, den Emiraten, Ägypten, Spanien, Deutschland oder Frankreich war für jeden Geschmack etwas dabei. 

Überdies hatten sich die GISAD-Schüler und ihre Lehrer eine ganze Menge zur Unterhaltung für alle Altersklassen einfallen lassen. Es gab zahlreiche Bastelstände, Spiele, eine hochinteressante Ecke mit Fotos und Erinnerungen aus 40 Jahren Schulgeschichte, Vorführungen von Poetry Slam, Schach-Duelle für jedermann, heiter-musikalische Sketche, Quizrunden und natürlich Auftritte der Schülerband sowie der Streichergruppe der Schule.


Foyer der GISAD
Schülerband und einzelene Klassen sorgten für die musikalische Untermalung


 Ältere Schüler bastelten mit den kleineren sowie Mamas Hilfe.



Donnerstag, 13. Oktober 2016

VAE - im Ranking drittsicherstes Land der Welt


Wir hatten ja das Thema nachweisliche vs. gefühlte Lebensqualität - hier wie anderswo - unlängst erst an dieser Stelle.


Deshalb will ich kurz noch einmal darauf zurückkommen, eine Zeitungsmeldung heute brachte mich darauf. Neben solchen Aspekten wie Arbeitsklima und -belastung, Lebenshaltungskosten, Wohnort, Umwelt(-verschmutzung), Freizeitmöglichkeiten, Familienfreundlichkeit, Klima, medizinischer Versorgung uva. ist die tägliche Sicherheit im Umfeld ein sehr gewichtiger Faktor.
Es ist schon ein Unterschied, ob man sich nach Anbruch der Dunkelheit nicht mehr aus dem Haus traut und auf abendliche Aktivitäten außerhalb lieber verzichtet, ob man sich gar nur ohne Uhr und Schmuck und mit Waffe sicher fühlt, als Frau lieber nur "unsichtbar" ist, ob es Anschläge gibt, man Wertsachen lieber nur am Körper trägt und ständig ein Auge auf seine persönlichen Utensilien, das Fahrrad, das Auto und seine Kinder sowieso haben muss.

Zugegebenermaßen wird man in puncto Wachsamkeit nach einiger Zeit des Lebens in den Vereinigten Arabischen Emiraten nachlässig. Wie oft schon hat jemand seine Haustür oder das Auto vergessen abzuschließen? Wie oft seine Tasche, das Portemonnaie oder das teure Handy irgendwo liegen lassen? Man könnte hier - so man Lust hätte - zu jeder Tages- und Nachtzeit joggen, ausgehen, den Hund ausführen.
Wer nachts gern spazierengeht, kann das unbeschadet tun. Wer sein Smartphone im Café vergessen hat und dann aufgeregt zurück rennt, bekommt es oft schon von der Bedienung oder einem aufmerksamen Cafégast entgegengebracht. Läuft eher unter "gern, keine Ursache!".

Und so kommt es zu der gefühlt grotesken Situation, dass man sich selbst oder auch die Kinder vor einer Reise nach Europa, in deutsche oder andere Großstädte, dann mit Ermahnungen der Art instruiert: "Lass' das Handy daheim oder trage es wenigstens nahe am Körper. Häng' deinen Rucksack nicht so halboffen und nachlässig um und überall unbeaufsichtigt hin. Schließ die Tür ab." usw.

Nein, das mit der Kriminalität ist nicht nur Einbildung oder gar Voreingenommenheit. Eine Studie des World Economic Forum (WTF) hat in einem Ranking zu den sichersten Ländern der Welt die VAE auf Platz 3 nominiert, hinter Katar und Finnland und vor Island und Österreich.
Das Ranking basiert, neben anderen Aspekten, auf den durch gewöhnliche Kriminalität und Gewalttaten wie auch Terrorismus verursachten Kosten sowie das Maß an Polizeipräsenz und -arbeit, auf das man sich zur Vermeidung von Kriminalität stützen kann.

Natürlich gibt es auch in den VAE den einen oder anderen Diebstahl. Und natürlich wird dies und anderes von staatlicher Seite geahndet! Auch Gewalt und Mord werden immer einmal wieder in den Tagesmeldungen thematisiert. Selbstverständlich - auch in den Emiraten leben ja am Ende nur normale Menschen, und z.B. Beziehungstaten oder durch psychische Erkrankungen motivierte Gewaltakte können nirgends auf der Welt mit Sicherheit verhindert werden.

Für alle, welche mit dem Gedanken spielen, eine Zeitlang in den VAE zu arbeiten und zu leben - noch sicherer werdet ihr euch nur an wenigen Orten wieder fühlen. Hoffen wir alle, dass es lange so bleibt.



Sonntag, 18. September 2016

Wirtschaftentwicklung in den VAE - Persönliche und "durchschnittliche" Lebenszufriedenheit


Kleine kalte Dusche? Bislang erreichten die Vereinigten Arabischen Emirate in Rankings oft recht hohe Werte - betreffend die Lebenszufriedenheit der dort im Vergleich zu in anderen Ländern lebenden Expats. Doch gegenwärtig scheinen die Ausländer aus aller Herren Länder, welche vorübergehend in den VAE leben und arbeiten, nicht mehr so zufrieden wie zuvor. 

Dies legt zumindest eine neue internationale Studie nahe, die "Expat Insider 2016", für welche rund 14.000 Expats (aus 174 Nationalitäten) in über 67 Ländern der Erde zum Leben im jeweiligen Gastland befragt wurden.

Ganz "baden" geht die Wirtschaft der VAE trotz Ölkrise nun doch nicht gleich ... Blick auf das "Headquarter", ein Bürohaus mit Wiedererkennungseffekt in Abu Dhabi

Untersucht wurden unterschiedlichste Kategorien - so u.a. das Arbeits- und Familienleben, die Lebenshaltungskosten, die Einfachheit des Heimischwerdens in vielen Unterkategorien. Die Top 3 lesen sich so: Taiwan, Malta, Ecuador. Österreich liegt auf Platz 8 hinter Australien, Deutschland rangiert auf Platz 17 und die Schweiz auf dem 31. Rang. Die Schlusslichter bilden Kuweit, Griechenland und Nigeria.

Die VAE ist vom Platz 19 im Vorjahr (2015) abgerutscht auf den 40. im laufenden Jahr. Wer hier lebt, kennt die Hauptantwort: Ölkrise der vergangenen Monate, verbunden mit völlig abgehobenen Mieten. Da diese fast immer für volle 12 Monate im Voraus und am Stück zu zahlen sind, ist das mit stets weiter ansteigenden Quadratmeterpreisen kaum noch machbar - insbesondere natürlich für diejenigen unter den Expats, die nicht das Glück haben, diese immensen Kosten vom Arbeitgeber erstattet zu bekommen!

Im übrigen war und ist das Leben hierzulande natürlich nicht gerade billig - selbst beim wöchentlichen Supermarktgroßeinkauf tut mir immer kurz die Hand weh, wenn ich die Summe sehe und dennoch zum Portemonnaie greifen muss ...

Obwohl die Wirtschaft der Vereinigten Arabischen Emirate weiterhin wächst, muss man doch mit geringeren Zuwachsraten wie zuvor rechnen. Die niedrigen Ölpreise senken die Staatseinnahmen; das wiederum schlägt sich auf das Investitionsklima nieder. Deshalb wird das Wachstum dieses Jahr vermutlich vorwiegend aus dem Nichtölsektor kommen. Zugpferde sind sicherlich Dubais boomender Dienstleistungssektor sowie die Baubranche. Trotz vieler aufgeschobener Projekt kann  man annehmen, dass weiterhin hohe Investitionen in strategisch wichtige Vorhaben, wie Infrastruktur und Projekte im Rahmen der Expo 2020 fließen werden.

Auf die empfundene Lebensqualität unter den vielen Expats in den Emiraten mag sich negativ niedergeschlagen haben, dass im Zuge der wirtschaftlichen Bremsung auch die Jobsicherheit geringer geworden ist - dies gilt vor allem für die Erdölbranche und den öffentlichen Dienst. Dort ist in letzter Zeit in Sachen Personalbesetzungen einiges "in Bewegung" gekommen, wenn man es freundlich ausdrücken will.

Ali Al Mansoori, Leiter des Department of Economic Development von Abu Dhabi, erklärte vor fast genau einem Jahr, ein Ölpreis von 50 Dollar je Barrel sei ein "Geschenk für die Welt", da die Preise damit niedrig genug sein sollten, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Im laufenden Jahr würden die Preise wahrscheinlich bei 60 Dollar liegen, nachdem sie bei 45 Dollar ihren Boden erreicht hätten, schätzte Ali Al Mansoori damals. Momentan bewegt der Preis sich jedoch immer noch um die 45 Dollar pro Barrel herum ...

Beim Arbeitsindex liegen die VAE im o.g. Expat-Ranking derzeit auf Platz 36,  bei den Lebenshaltungskosten wenig überraschend auf dem 51. Rang, ähnliches gilt für den 54. bei Work-Life-Balance. Bei der Sicherheit rangiert das Land überraschend nur auf dem 13., die Freizeitmöglichkeiten hingegen wurden mit Platz 40 nicht so besonders gut eingeschätzt (jedoch immer noch vor Deutschland auf Rang 44 !?). In der Kategorie "persönliche Zufriedenheit" landeten die VAE unter den Expats sogar nur auf dem 59. Platz!

Aber da sieht man es einmal mehr: Statistiken sind nichts anderes als Momentaufnahmen eines segmentierten Durchschnitts in einer beliebigen Situation. Umso mehr gilt das für solch eine Statistik des "Gefühls". Was jeder aus seiner Situation macht, und wie er sich damit fühlt: Das hat jedermann selbst in der Hand. Statistik hin oder her.



Montag, 9. Mai 2016

'GLADies' - Deutsch sprechende Frauen in Abu Dhabi


Wenn man an einen fremden Ort umzieht, der dazu auch noch in einem anderen Land, gar auf einem anderen Kontinent und in fremdem Kulturkreis liegt - (das Ganze möglicherweise zum allerersten Mal!) - der fühlt sich sicher oft erst einmal ein wenig entwurzelt, ratlos, neugierig, verzweifelt, einsam, irritiert, dankbar für jegliche Unterstützung. Meist alles gleichzeitig.


So sieht sie aus: Die neu gestaltete Homepage der GLADies.

Während die Kinder, so vorhanden, schnell durch Schule oder Kindergarten einen neuen Alltag haben, Anschluss finden und auch der - zumeist entsendete - Partner voll an seinem neuen Arbeitsplatz beschäftigt ist, bleibt gerade in expatriierten Familien häufig ein Erwachsener daheim (oft die Frau/Mutter; aber es gibt natürlich auch "mitreisende" Ehegatten bzw. Väter, wenn die Frau beruflich entsendet wurde!). In manchen Arbeitsverträgen darf der mitreisende Partner im Neu-Land selbst arbeiten gehen, in manchen nicht.

Wobei: Daheim bleiben...?! Zuallererst ist das ja gar nicht vorhanden! Vom Hotel aus besichtigt der daheim-abernichtdaheim-Gebliebene zunächst potentielle Wohnungen. Die danach bewohnbar gemacht / eingerichtet werden müssen. Oft dauert es Wochen oder sogar Monate, bis der Container mit den vom Heimatland mitgebrachten Möbeln und persönlichen Dingen ankommt...

Doch auch noch nach Wochen des Schaffens eines neuen Zuhauses ist der "nicht arbeitende" Partner häufig damit beschäftigt, Alltag im Sinne von "Wo bekomme ich Brot her, das keine Fladenform hat", "Wo finde ich einen vertrauenswürdigen Zahnarzt" oder "Wo zum Geier ich treibe ich jemanden auf, der Internet im Haus installiert" etc. herbeizuzaubern. Manchmal hilft das Internet (sofern schon angeschlossen), manchmal auch nicht.
Der eine oder die andere verzagt dann gelegenlich: Wenn nichts funktionieren will und eventuell durch fremde Sprache und kulturelle Prägungen auch oft erst einmal nicht wirklich kann. Verzweifelte Momente, Expat-Blues...


GLADies - ein "Heimathafen" in der Fremde


In solchen Fällen Gold wert sind: andere Expats! Leute, die schon länger da sind und die gleichen Informationen einst selbst verzweifelt suchten, nun aber gern an Neuankömmlinge weiterzugeben bereit sind! Am besten sogar die eigene Sprache sprechen; durchaus auch übertragen gemeint.

In Abu Dhabi sind für alle Deutschsprachigen die GLADies ein erster "Hafen" und Quell von Wissenswertem, Tipps, aber auch einem "heimatlichen" Gefühl. Die "German speaking LADIES of Abu Dhabi" nehmen seit  20 Jahren neu hinzukommende Frauen mit offenen Armen auf. Eine andere Lesart ist "Glad Ladies" (Glückliche Frauen). Antje Al-Sayed Ali war zusammen mit Gisella Salem eine Frau "der ersten Stunde", leitete die Vereinigung viele Jahre lang und ist nach wie vor aktives Mitglied.


Beliebt: Die monatliche Frühstücksrunde der GLADies im Beach Rotana Hotel.

Nein, das ist beiliebe kein heimattümelnder Verein engstirniger Hausfrauen, die ständig beisammen glucken, weil sie sich womöglich nicht "hinaus ins Leben" trauten. Jenes ist eine beliebte Phantasie oft jugendlicher, rucksackreisender Leute, welche eher locker im Ausland zu reisen denn längerfristig dort zu leben (vor)haben - und die es "schrecklich" finden, wenn man in der Fremde auch nur einmal mit Landsleuten spricht, anstatt sich voll der Gastfreundschaft der freundlichen Inländer hinzugeben. 
Der Expat hingegen kapiert schnell: Zwischen ein paar Monate des ungebunden Herumreisens und irgendwo (zumal vielleicht mit Kindern) dauerhaft einen Alltag zu meistern besteht ein nicht gerade kleiner Unterschied... Der Appetit auf Schwarzbrot wird nach einigen Monaten ab und an genauso groß wie der Wunsch nach Menschen mit ähnlicher kultureller "Stamm"-Identität. 

Guter Rat muss eben nicht teuer sein, wenn eine Organisation wie die GLADies zur Hand ist! Die GLADies bieten auf ihrer gerade komplett neu gestalteten Homepage viele Tipps und Links gerade für Neuankömmlinge, aber auch vielfältige Angebote kultureller, geselliger und sportlicher Art. Eine wichtige Starthilfe in den Abu-Dhabi-Alltag stellt die Link-Sammlung dar (Institutionen, Ärzte, kulturelle Angebote, Landeskunde VAE,...) 

Ausflüge ins Umland und Besichtigungen oder gemeinsame Frühstücksrunden laden regelmäßig ein. Manche Mitglieder dieser losen Vereinigung beteiligen sich sehr rege und sind bei vielen GLADies-Veranstaltungen dabei. Andere sieht man ein-, zwei Mal im Jahr dort (vielleicht, weil sie selbst eine Berufsarbeit aufgenommen haben) - und auch das ist völlig in Ordnung. Freundschaften sind auf solchen Zusammentreffen wohl allein in Abu Dhabi bereits unzählige entstanden!

Zu den Aktivitäten können natürlich gern auch Gäste mitgebracht werden; Abu Dhabi erfreut sich ja unter Verwandten und Bekannten in Übersee steigender Beliebtheit für Besuche. Auch für die Ehemänner gibt es mit der "GLADiesNight" ein (dann nicht rein deutschsprachiges!) Angebot. Dort können sich abends berufstätige wie nicht berufstätige GLADies und ihre Partner treffen und in lockerer Atmosphäre austauschen.


Liebevoll dekoriertes Buffet anlässlich des Muttertags

Viele Talente werden unter den Mitgliedern offenbar: Manche der GLADies bieten Kurse an (momentan Bowling, Literaturkreis, Mamas, Aquafitness und Wassersport, Quilten u.a.). Oder aber sie kümmern sich darum, dass diese Vereinigung überhaupt existieren kann! 
210 Frauen stehen im E-Mail-Verteiler, 90 davon sind (wenig!-) zahlende Mitglieder. Derzeit neun Damen lenken und leiten mit unterschiedlichen Aufgaben die Gruppe Denn  selbstverständlich gibt es bei der Organisation und Verwaltung aller Aktivitäten auch vieles im Hintergrund zu regeln. Alle regelmäßigen wie zeitweiligen Mitarbeiterinnen kümmern sich natürlich rein ehrenamtlich.

Toll, dass immer wieder Frauen bereit sind, sich zum Wohle der Gemeinschaft den berühmten "Hut" aufzusetzen. Bei einer so starken Fluktuation der Mitglieder, wie es für Expat-Gemeinschaften nun einmal normal ist, müssen sich nach dem Weggang der einen ja immer wieder neue finden! Gerade wurde die bisherige "Chefin" verabschiedet, da sie in ein anderes Land umzieht. Doch glücklicherweise hat sich bereits eine Nachfolgerin bereit erklärt. Auch nach der Sommerpause wird es also hoffentlich wieder zahlreiche interessante und verbindende Stunden von und mit den GLADies geben.


* GLADies-Homepage Neugestaltung: Philipp Los

Montag, 2. Juni 2014

"Halligalli" - Expats in Saus und Braus! *Vorsicht, Ironie!*


Meme Generator
Meme Generator

Ja, wir Expats in "südlichen Ländern" haben oft viel Sonne. Ja, der (meist entsendete) Mann - oder die Frau - verdient ganz anständig. Ja, die Kinder müssen in der Schule nicht täglich Angst vorm "Abziehen" der guten Jacke haben. Ja, die Ehefrauen der entsendeten Männer treffen sich regelmäßig auf "Coffee Mornings". Ja, wir steigen jedes Jahr in einen Flieger, um in den Urlaub zu reisen.

Es gibt so diverse Klischees über das Leben "eines Expats" (also eines Menschen, der längere Zeit außerhalb seines Herkunfslandes lebt und arbeitet). Mit einigen gehört mal aufgeräumt, an anderen ist das sprichwörtliche Körnchen Wahrheit, bei den meisten erhellt sich der "(Un-)Sinn" der Sache erst mit etwas mehr Hintergrundwissen über die Umstände.

Interessant finde ich folgendes: Wann immer Bekannte sich in Deutschland Vorstellungen über unser Leben im Ausland machen: Der Neid auf meinen Chauffeur fehlt selten. Kann man verstehen.
Der Witz ist nur: Isch 'abe gar keine' Chauffeur!
Was nützt es da, wenn man regelmäßig daheim von den teils bizarren, eigenen Autofahrer-Erlebnissen im Gastland berichtet? Dass es mir z.B. nach einer Weile sogar Spaß gemacht hat, in Libyen auf  - dreispurigen -  Schnellstraßen fünf- bis sechsspurig bei Tempo 100 zu fahren (manchmal auch mit Gegenverkehr!....... ) Oder in jedem Kreisverkehr Millimeterarbeit leisten zu müssen, wie alle anderen um mich herum auch. Ein Verkehr, in dem westliche Besucher dann allein schon vom Mitfahren fast Herzattacken bekamen! ("Hier könnte ich ja NIE fahren!!!!")
Das Chauffeur-Klischee kriegt man damit jedoch nicht tot. Die Vorstellung vom Leben in Saus und Braus unter südlicher Sonne gipfelt in 'ihm', offenbar dem Missgunstobjekt Number One.

Die Mär vom Chauffeur...

 

Am ulkigsten fand ich den Neid auf meinen "Chauffeur" allerdings, als ich in Saudi-Arabien lebte. Einmal die Woche kam ein (wohl sonst eher Lastwagen-) Fahrer von der Baustelle meines Gatten, damit ich einfach mal in den Supermarkt einkaufen gehen konnte! Denn wie jeder weiß, ist Frauen in diesem Land bis heute das Autofahren untersagt. Ob es da "Luxus" ist, sich zwangsläufig fahren lassen zu müssen.... na ich weiß ja nicht.
Es sei noch einmal gesagt  - wird aber nicht viel helfen ;-) : Wenn meine Kinder oder ich selbst hier von A nach B wollen, muss sich Mama schon selbst hinters Lenkrad schwingen. Wie in Deutschland auch (dort gibt's allerdings zur Not auch noch einen öffentlichen Nahverkehr!)


Neid entsteht oft aus Unwissenheit - und das ist verzeihlich, denn wie soll der in seiner Heimat Verbliebene denn wissen, wie sich so ein Familienleben in einem anderen Kulturkreis für den Expat abspielt? Manchmal ist es auch nicht zugegebener Groll auf sich selbst und das langweilig gewordene Leben  -  wie schön kann man seine eigenen Träume (und Luftschloss-Wünsche....) auf jemanden projizieren, der "ja alles hat"...
Und dabei vergessen, dass man das alles - eigentlich - auch haben könnten: Wenn man sich nämlich ebenfalls entschlossen hätte, woanders ein Leben von Null an aufzubauen.

Amüsant auch: Kaum kam man einmal auf Heimaturlaub nach Deutschland, fanden sich mindestens drei voneinander unabhängige Personen, welche verblüfft feststellten: "Ja, aber.... du bist ja gar nicht braun geworden?!" Ja wie auch - oder haben die in Deutschland Wohnenden sommers ständig Zeit, sich mitten in der Arbeitswoche an den Baggersee zu legen? In "warmen" Ländern, z.B. in solchen, wo ich bisher lebte, ist es überdies den Großteil des Jahres so heiß, dass man zusieht, NICHT in die Sonne zu gelangen.... Und in Delhi z.B. war die Luftverschmutzung so hoch, dass "frische Luft" eher nicht angeraten war.

Warum sich Expat-Frauen tatsächlich zum Kaffeetrinken treffen

 


Natürlich ist so ein Expat-Gehalt oft nicht schlecht. Was vor allem daran liegt, dass vorwiegend Führungskräfte ins Ausland geholt werden -  und die verdienen auch daheim bereits ganz gut. Allerdings um den Preis, dass sie sich auf einmal mit strukturellen Problemen rumschlagen "dürfen", die sie im Heimatland garantiert nicht hätten! Auch die volle Sechstage-Woche (natürlich OHNE Lohnausgleich!) ist nicht so ungewöhnlich, wenn man ins Ausland arbeiten geht. Allein diese Vorstellung schreckt manchen Neider dann doch ab, es mal selbst zu versuchen. Zumal er dann für gewöhnlich keinen mitverdienenden Partner hat ( - der praktischerweise auch gleich noch für seine eigene Rente arbeitet!)

Denn wegen des Verdienstes ihres Mannes "braucht die Expat-Ehefrau ja nicht arbeiten zu gehen". Was vor allem jedoch daran liegt, dass sie in den allermeisten Fällen gar kein Arbeitsvisum erhält, sondern als "travelling spouse" höchstens einem Ehrenamte im Gastland frönen darf! Nicht immer leicht für die EhegattenInnen, denn in der Regeln haben sie selbst meist Hochschulabschluss und berufliche Ambitionen (gehabt), welche sie aufgrund dieser Umstände hintanstellen müssen.

Und auch sonst langweilen sich die meisten der Frauen selten auf Coffee Mornings, nicht nur, weil sie zumeist auch noch Mütter sind und daher eh zu tun haben, sondern auch, weil diese Zusammenkünfte unter anderen Expat-Frauen - gerade in der Anfangszeit - unverzichtbare "Informationsquellen" sind!

Wo finde ich einen Kinderarzt, der Englisch spricht?, Wo kann ich Brot finden, das keine Fladenform hat?, Wie kriegt man hier Internet ran?, Wo bekomme ich Nähnadeln her, Autokindersitze, Heftpflaster (bei dem die Haut nicht gleich mit kleben bleibt), Fahrradöl? oder Hat dieses Land hier auch kenntnisreiche Elektriker/Schneider/Klempner/.... aufzuweisen? Oder gibt es wirklich nur solche, wie den, der hier gestern die Regenabwasserleitung mit der Küchensteckdose verbunden hat!

Abgesehen davon, dass jeder Mensch zuweilen ein paar Mitmenschen um sich braucht. Mit dem Unterschied, dass diese im Herkunftsland normalerweise dank Familie, Kollegen, Buddelkastenfreunden etc. unhinterfragt einfach "da" sind - am 'Ende der Welt' jedoch erst einmal nicht!
Wer als "mitreisender Ehepartner" die permanente Fremdorganisation seines Lebens durch seinen Beruf und ähnliche Rahmenbedingungen benötigt, hat es schwer. Anpassungsfähigkeit, Kreativität und die Fähigkeit, mit sich selbst etwas anfangen zu können und immer wieder Neues für sich zu entdecken, sind eher Grundvoraussetzung für solch ein Leben. Nein, fürwahr nicht jedermanns oder -fraus Sache.

Die "Langeweile-Legende"

 

Zumal gerade das Leben in "Entwicklungsländern" der mitreisenden Ehefrau viel Abwechslung und Kurzweil verspricht: Stromausfälle gehören in manchen Ländern quasi mindestens aller zwei Tage einfach dazu. Dumm nur, dass die Wasserpumpe für den Tank, der den Haushalt mit Wasser aus der Leitung versorgen soll, ohne Strom nicht pumpt! Dann hat man alternierend zu "kein Strom" eben auch "kein Wasser".... von ausgefallener AirConditon bei Außentemperaturen von über 40°C ganz zu schweigen.

Wer überdies der Familie gelegentlich die Freude "deutscher" Esskultur machen will, bäckt halt sein Brot selbst, macht Quark und Marmelade oder Wurstartiges in Eigenproduktion....
Also auch in diesem Punkt muss ich enttäuschen - wir haben KEINEN Koch! Will die Familie was zu essen, stehe ich am Herd (das heißt täglich). Dabei kann ich ja zumindest vom Privat-Koch träumen :-)

Und da haben wir noch gar nichts über die vielen Expat-Frauen gesagt, die sich - ganz "nebenbei" ;-)  - auf die eine oder andere Art auch im Gastland beruflich weiterhin engagieren oder ganz umsatteln, die sich dort selbständig machen oder Ehrenämter ausfüllen.

Wer unter hier mitlesenden Expats an dieser Stelle selbst Anekdoten, Erinnerungen, Sprüche auf Lager hat, welche zu diesem Thema passen: Nur her damit! Ob als Kommentar gleich hier darunter oder als Nachricht an mich - ich sammle sie!

- - - WIRD FORTGESETZT DEMNÄCHST IN TEIL 2 ! - - - 

Freitag, 4. April 2014

Im Lande der AUS-LÄNDER...

Das, was uns so an den Emiraten gefällt, ist zugleich auch eine Eigenartigkeit besonderer Güte. Die Vielfalt an Nationen, Sprachen, Küchen, Hautfarben, Religionen, Kulturen, Kleidungsstilen und Lebensweisen macht das Land zu einem Paradebeispiel an friedlichem Miteinander. Leben und leben lassen.... Auch wenn die Emirate natürlich grundsätzlich der Sharia verpflichtet sind und man sich an die wichtigsten Grundregeln auch als Ausländer halten sollte, fällt das Leben hier doch durch eine unvergleichliche Toleranz auf. Uns bereichert das.
Aber wie mag es sich für die "Hausherren" anfühlen?! Oft mache ich mir darüber so meine Gedanken, wenn ich unterwegs bin und Einheimische treffe. In der Regel leicht an ihrer traditionellen Kleidung zu erkennen: Die Herren in bodenlangen blütenweißen Hemden und dem (meist ebenfalls weißen) Kopftuch mit der schwarzen Kordel. Plus Smartphone(s) - ohne geht hier gar nichts mehr. Die Damen in schwarz von Kopf bis Fuß, wobei "Kopf" bedeuten kann: Kopftuch, Kopftuch mit Gesichtsschleier, Kopftuch mit Gesichtsschleier und darüber noch einem dünnen Schleier vor den Augen.... - dazu meist ultrahohe High Heels und Designer-Handtasche.
Fakt ist: Gebürtige Emiratis machen im eigenen Land nur noch ca. 15 % der Bevölkerung aus! Der "Rest", in dem Falle also die absolute Majorität, sind Ausländer rund um die Welt. Von mehr als 120 Nationen wird gesprochen, die derzeit in den VAE leben und arbeiten. Wobei natürlich ein einzelner Bürger Vanuatus, der herkommt, diese Statistik sofort noch anheben würde....
Die allergrößten Anteile haben dabei Filippinos, Inder, Bangladeshis, Menschen anderer arabischer Staaten; danach müssten prozentual dann die Westeuropäer und Amerikaner kommen.

Wenn ich also so durch die Straßen gehe oder irgendwo in einer Mall auf Einkaufsrunde bin, erinnere ich mich oft, wie das für mich früher als die "Exotin" war. In Saudi-Arabien wurde man als Expat (=Expatriat. Jemand, der für längere Zeit in einem anderen als seinem Heimatland lebt und arbeitet) meist sehr höflich ignoriert. In Indien wurde man als (weißer.... noch dazu) Expat hemmungslos angestarrt wie eine Albinoschlange im Zoo; unsere  Kinder wurden da auch gern begrabscht wie Melonen auf dem Gemüsemarkt. In Libyen hingegen nickten uns die Leute auf der Straße meist freundlich als einem Gast ihres Landes zu.
Hier ist das anders: Hier sind es die Emiratis selbst, die "Hausherren", die mit Blicken verfolgt werden! Wohin gehen sie, haben sie "Personal" mit und wie behandeln sie diese Leute, wie gehen sie mit ihren eigenen Kindern um, oha, aha, sehr nett..... Meist strahlen sie Würde und eine gewisse Immunität aus. Ob ihnen auffällt, dass sie von ihren vielen Gästen aus allen Zeitzonen dieser Welt taxiert werden?