Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Montag, 26. Februar 2018

* * * ZUGABE // ENCORE! * * *


Draußen sind gerade - 12°C. MINUS! Nicht ungewöhnlich für einen deutschen Winter. Doch ich habe solche Kälte einige Jahre lang ja nicht mehr erlebt.
Dabei wärmten mich noch vor wenigen Tagen Sonnenstrahlen bei kuscheligen 30°C (plus) ...


"Ich bin wieder da!!!"

Als  - bis dahin zeitweilige - Einwohner hatten meine Familie und ich Ende Juni 2017 Abu Dhabi und damit die Emirate wieder verlassen. Als Touristen kamen wir nun Mitte Februar für zehn Tage zurück. Und darum gibt es hier nun eine kleine Zugabe mit Eindrücken und Gedanken über: 'Wie es so ist, als Gast ins alte Zuhause wiederzukommen'.

Seltsame Parallelität der Empfindungen, vom ersten Moment an nach der Landung auf dem Flughafen: Jedes Haus, jede Straßenkurve, jede Palme, jede Blumenrabatte ist vertraut. Und doch: Dort, eine neue Baustelle, ein neues Geschäft, eine neue Grünanlage!
Dieses Mal ist doch auch alles genauso - wie mein Alltag die fünf Jahre zuvor. Und: Auf einmal wieder alles anders  - als die Umgebung des letzten halben Jahres in Deutschland. Dieses Überblenden des "Besucher-" und des "Zuhause-"Gefühls an beiden Orten wird all die Tage meiner Visite in Abu Dhabi und Dubai bestehen bleiben.
Eigenartig, nun selbst als Touristen viele Orte zu besichtigen, welche man sonst immer den Besuchern aus Europa gezeigt hatte; so auch die unvergleichliche Sheikh Zayed Moschee. 
 
die größten Kronleuchter der Welt ...
Selfie vor der Moscheebesichtigung



... wundervolle Edelstein-Intarsien überall
Blick über den gewaltigen Innenhof der Sheikh Zayed Grand Mosque Abu Dhabi


Die arabische Sonne bei 28 Grad war dennoch nicht das Wärmste bei unserer Visite. Das waren die alten Freunde, die uns so ein herzliches Wiedersehen bescherten. Wie schön, vertraute Gesichter in üblicher Runde an gewohntem Platz versammelt zu finden - und das einzig zum Zwecke, meine Töchter, meinen Mann und mich wiederzusehen!
Alle noch in Abu Dhabi lebenden Freunde, die an jenem Wochenende vor Ort waren, kamen extra zu einer kleinen Feier uns zu Ehren. Wunderbar, all die Menschen "wie immer" zu erleben, mit denen wir so viele fröhliche, aufregende, vertraute, lustige oder eindrucksvolle Momente gemeinsam verbracht hatten!  Auch unsere Töchter wurden sehr freudig von ihren alten Freunden begrüßt. Alles teils sehr emotionale Augenblicke. Und dennoch auch schön zu sehen, dass - mit wie ohne uns - das Leben in Abu Dhabi natürlich "weitergeht".


Gold, Gold und nochmals Blattgold: Hotel Emirates Palace Abu Dhabi

Doch nicht nur die engen Weggefährten der letzten fünf Jahre bescherten uns ein liebevolles Welcome back!  Wie schön ist es doch, wenn man mit einem (fremden, weil Miet-) Auto in unserem ehemaligen Wohncompound ankommt - und der Wachmann am Eingang eigens aus seinem Pförtnerhäuschen springt, um einen freudig zu begrüßen! Einige Verkäuferinnen im nahen Supermarkt rufen uns beim Kassieren ein erfreutes "Hello back!" zu. Als ich die philippinische Rezeptionistin im Sportzentrum umarme, stehen ihr über das unvermittelte Wiedersehen gar Freudentränen in den Augen ...


 Auch mal "nur" Tourist sein: Wüstensafari einmal anders


























Spaß macht ja auch, wenn man als "Nun-nur-Tourist" dann selbst einmal das "Touri-Programm" macht. Zumal wir sogar noch einen 'echten' aus Deutschland als Reisebegleitung mitgebracht hatten.
Wir unternahmen mit DesertRose eine halbtägige Wüstensafari gemeinsam mit ca. zweihundert anderen Touristen. Auf solch einer Tour bekommt man gewissermaßen im Taschenformat das 1001-Nacht-Feeling gereicht, inklusive Dune Bashing. Das bedeutet: Im Geländewagen mit Fahrer die Dünen rauf und runter wie in einer Achterbahn; "früher" haben wir das mit Freunden öfters an Wochenenden ja noch selbst gemacht.

Die obligatorische Kamelfarm mit Kamelbabys bestaunen, Wüstencamp mit arabischem Kaffee, Henna-Malerei für die Damen und Verkleidung mittels arabischem Herrengewands samt Falken auf der Hand für die Männer. Mit Sonnenuntergangsfotos auf dem Dünenkamm, mit Sand unter nackten Füßen und in den Haaren, mit orientalischem Bufett (keine emiratischen, dafür bekannte libanesische Speisen wie Hummus und Tabbouleh), mit einem illuminierten Derwischtanz und einer (natürlich nicht-emiratischen) Bauchtänzerin. Zuletzt 'Licht aus!' für den Blick in den betörenden Wüsten-Sternenhimmel! Alles in allem ein nicht ganz authentischer, aber sehr stimmungsvoller Kurzbesuch. Wir hatten Spaß daran.


 Schließlich: Visite im Louvre Abu Dhabi

 

Als wir 2012 nach Abu Dhabi zogen, gab es bereits allerhand Werbung für den "bald"  eröffnenden Louvre Abu Dhabi, der in enger Kooperation mit dem in Paris entstand und auch weiter zusammenarbeitet. Die folgenden Jahre beobachteten wir regelmäßig den Baufortschritt (bzw. von außen die Vollendung des Architektur-Highlights) auf der Fahrt nach Saadiayt Island, jener Teilinsel von Abu Dhabi, auf welcher das Museum seinen Standort fand.
Doch feierlich in Anwesenheit des Kronprinzen Sheikh Muhammad bin Zayed al Nahyan und des französischen Präsidenten Emmanuel Macron eingeweiht wurde der Prachtbau doch erst nach unserer Ausreise, im November 2017. Ganz klar, dass wir diesen Ort natürlich bei unserer kurzen Rückkehr nun erleben wollten!



Der Louvre Abu Dhabi lässt mit der halbtransparenten Deckenkonstruktion Lichtspiele in ständig neuen Variationen zu - je nach Sonnenstand und Färbung des Meeres, dessen Wellen "in" das Museum bzw. auf dessen Stufen hineinschwappen!
 
Das von Stararchitekt Jean Nouvel entworfene Gebäude ist spektakulär. Die 180 m weite Flachkuppel ruht tatsächlich nur auf vier Punkten! Während sich in 55 Kuben, einer arabischen Stadt nachempfunden, die Exhibitionen befinden, eröffnet sich eine Seite des Runds zur großzügigen Wandelhalle unter halb-freiem Himmel, denn die netzartig aufgebaute Kuppel ist durchlässig und spendet so auch an heißen Tagen dank dieses "Licht-Regens" (Nouvel) Schatten, wobei bereits jedes leise Lüftchen für angenehmes Mikroklima sorgt.

Das Museum vereinigt in seinen Expositionen Kunstwerke unter einem ganz eigenen Konzept: Teils ähnliche Sujets von der vor-antiken Zeit bis ins 21. Jh. hinein werden oftmals - ungeachtet der Entstehungsepoche oder des Entstehungsortes und dessen Religion im Hintergrund - nebeneinander präsentiert. (Hier ein Link zur Grundidee auf der Homepage.) In einem separaten Raum liegen z.B. Prachtausgabe von Koran, Thora und Bibel in der gleichen Vitrine.
Die generell übergreifende Anordnung lässt philosophische Gedanken zum menschlichen Wesen und künstlerischen Schaffen genauso zu wie kunstgeschichtliche Erkenntnisse für den Betrachter. Bildende Kunst als kulturübergreifende Humanitätsidee. Dieses Konzept passt hervorragend zum kulturellen Schmelztiegel Vereinigte Arabische Emirate, in dem heute Menschen aus fast jeglicher Nation und Kultur der Erde friedlich zusammenleben.






Leonardo da Vinci 





Natürlich darf Napoleon nicht fehlen!
 


















 



 li. Tanzender Shiva / re: zweiköpfige Jungsteinzeit-Statue, Jordanien, eine der ältesten überhaupt

 

Die "kleinen Freuden" der zeitweiligen Rückkehr


Neben Hochkultur und den Treffen mit lieben Freunden und Bekannten stand selbstredend auch die rein private Erinnerungstour auf unserem Programm, inklusive eines Tages in Dubai. Natürlich die Dubai-Mall mit dem gigantischen Aquarium, mit Zuckerschock im Candylicious und den abendlichen Wasserspielen mit Blick auf den illuminierten Burj Khalifa. Aber auch Wandeln durch die Ibn-Battuta-Mall - allerdings nicht auf Konsum-Pfanden, sondern auf den Spuren des großen arabischen Forschungsreisenden und Gelehrten Ibn Battuta im christl. 14. Jh.! Auch ein Wiedersehen mit den frei fliegenden tropischen Vögeln, mit Äffchen, Faultier und Waranen hatten wir eingeplant - im "Green Planet", einer künstlichen Regenwald-Biosphäre.


Brunch mit Pancakes, Vegan-Burger, Falafel Benedikte, Lemon Mint, Melonensaft und mehr ...

Nicht zu vergessen: Gaumen-"Wiedererlebnisse"! Wer kennt das nicht - ein Geschmack aus der Kindheit, ein Gericht aus einem früheren Urlaubsort ...
Noch nicht so lange her für uns, doch die Liste der Töchter war lang, woran unsere Geschmacksknospen unbedingt wiedererinnert werden sollten: Mittagessen in der Cheesecake-Factory (einschließlich Kerze auf der Torte sowie philippinischem Kellnerchor, welcher der Jüngeren ein Geburstagsständchen brachte!), Lemon Mint und die besten Falafel in einem Café, legendäre Burger bei ShakeShack, Schokoladenträume bei Godiva,...
Sogar ein Supermarkt-Besuch stand auf unserer To-do-Liste: Für das "heimelige Gefühl" sowie den Einkauf von guten Datteln, Gewürzen und bestimmten amerikanischen Keksen und Chips, die in Deutschland nicht erhältlich sind. Auch DAS kann eben umgekehrter "Heimat"-Urlaub sein.  :-)


Abendstimmung am Saadiyat Beach

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vom Gefühl paralleler Leben


Und dann haben wir wieder Abschied genommen vom "alten" Zuhause und sind geflogen in das "neue", das doch noch sehr neu ist. Denn innerhalb des letzten halben Jahres seit unserer Heimkehr nach Deutschland mussten wir dreimal umziehen und sind in der nunmehrigen, endgültigen Wohnung noch beim Auspacken des Umzugsguts und beim Einrichten. Dies trug, neben Winterskälte und der Reserviertheit und Belehrungssucht mancher Deutscher, mit zum Eindruck eines recht "rauen" Zurückkehrens bei.
Wenn demnächst unser Umzug endgültig erledigt ist, wenn ein paar alte Freund- und Bekanntschaften aufgefrischt und hoffentlich auch ein paar neue geknüpft sind, dann werden wir wohl auch schließlich hier (wieder) in Dresden, in Sachsen, in Deutschland heimisch werden!

Die Tage "Abu Dhabi rewind" waren für mich eine wilde Achterbahnfahrt der Gefühle zwischen "Ha, alles wie immer!" und Heimweh, zwischen Entdecken von Neuem und Wiedererkennen, zwischen Fremdheit, Distanz und immer noch Zugehörigkeit, zwischen Melancholie und großer Freude.


Um Neumond herum nachts in Blau: Die Große Moschee von Abu Dhabi


Was bleibt, ist das gute Wissen, dass das alles nach wie vor existiert, was ich früher als Expat oft als mein "paralleles Leben" bezeichnete - der Wechsel zwischen zwei verschiedenen "Zuhauses" über Kontinente hinweg. Die Plätze und Bauten, die Kulturhöhepunkte und Leckereien, vor allem aber die lieben Menschen, die wir an einem Ort zurückgelassen haben, sind weiter dort. 
Mein Lebensabschnitt in den Emiraten mag beendet sein, aber er ist nicht "weg". So, wie im Louvre Abu Dhabi die Kunst "Leben" in unterschiedlichsten Perspektiven aus Raum und Zeit doch oft neu vereint, so ähnlich ist es auch mit den zeitlichen und räumlichen Facetten meines Lebens. 

Hier wie da geht es seinen Gang. Und da Jegliches gleichzeitig existiert, kann man (etwas Reisekasse vorausgesetzt) auch jederzeit hin- und herwechseln. Kein Abschied von Orten, von Wurzeln und Menschen muss einer für immer sein!

Mit diesem Wissen verabschiede ich mich hiermit freundlich von allen Lesern.



 
Fotos: Antje, Tina & Tanja Döhring

Donnerstag, 8. Juni 2017

Auf Safari in Al Ain


Der Zoo von Al Ain ist schon länger nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel für die Emiraties und ihre Gäste, sondern auch eine renommierte Bildungs- und eine moderne Forschungs-und Zuchtinstitution.

Seit einigen Monaten nun hat sich das Angebot des Zoos für die Besucher noch einmal beträchtlich um eine weitere Attraktion vermehrt: Sieben Jahre lang wurde am neuen, direkt anschließenden Safari-Park gebaut. Entstanden ist ein großes Gelände mit afrikanischen Tieren, das man im Großraumgefährten für max. 26 Personen oder auch im klimatisierten SUV durchqueren kann.Täglich werden diverse Touren angeboten.




Safari-Park des Zoos Al Ain mit derzeit afrikanischen Wildtieren
Wir hatten, mitten im heißen Juni und dazu noch Ramadan, eine Sonnenuntergangstour im SUV gebucht. Zwar mit 1000 Dhs nicht gerade billig, doch wenn man mit bis zu 6 Personen kommt, ist es dann doch relativ moderat.
Der junge emiratische Fahrer brachte uns zu den einzeln und in Gruppen herumstreifenden Tieren: Gazellen aller Art, Vögel, Zebras. Auch die Giraffen sind meist unterwegs, erwarteten uns jedoch bei unserem Ausflug lieber - die Füße im Teich nahe der Besucherplattform kühlend - in Erwartung ihrer abendlichen Karottensticks. Diese hatte unser Guide praktisch in Streifen geschnitten in der Tupperdose extra für uns dabei.
Die Löwengruppe befindet sich zur Sicherheit auf einem mittels Graben abgetrennten Gelände.

Die kleine Giraffenherde erwartete ihre abendlichen Karotten aus unserer Hand an der Besucherterrasse


Sonnenuntergangsstimmung bei den Gazellen















Bemerkenswert fand ich, dass diese Wildtiere im Laufe ihres bisherigen Safaripark-Aufenthalts dermaßen an Mensch und Auto gewöhnt worden sind, dass sie nicht nur die Köpfe in den Wagen stecken, sondern der Fahrer oft regelrecht Mühe hatte, nach einem weiteren Fotostopp wieder anzufahren, weil sie mit ihrer Flanke gemütlich schon fast am Auto lehnten ...

In den kommenden Jahren, so erfuhren wir, soll das Safari-Gelände, dem architektonisch hübsch angepasste Versorgungs- Souvernir- und Gastronomie-Gebäude vorgelagert sind, noch einmal um etwa die gleiche Ausdehnung mit einem "Asien"-Park erweitert werden soll. Zudem sind ringsherum Hotels mit Blick auf die Anlagen vorgesehen.


Das Sheikh Zayed Desert Learning Center, ein Museum über das Leben in der Wüste - mitten im Zoo Al Ain -, ist nicht nur thematisch, sondern auch architektonisch interessant

Der neue Zoo-Teil beherbergt überdies neue, weitläufig-moderne Gehege, einen anregenden "Garten der Sinne" mit vielen Probier-und Mitmachmöglichkeiten für die ganze Familie. Und das hat ganz besonders abends etwas sehr Spannendes; ein nächtlicher Zoo-Besuch während des Ramadans ist also so eine Art Geheimtipp.

Als Juwel kann man wohl auch das Sheikh Zayed Desert Learning Center bezeichnen. Dieses Museum bietet einen Überblick über alles, was mit dem Thema "Wüste" verbunden ist - geografisch, Tierwelt, aber auch Mensch und Wüste. Abends wirkt dieses architektonisch außergewöhnliche Gebäude mit seiner Beleuchtung wie ein von einem fremden Stern mitten im Zoo gelandetes Riesenobjekt!

"Garten der Sinne" mit u.a. täuschend echt nachgebauten Termitenhügeln im neuen Teil des Al Ain Zoo


Neues Hotel in Al Ain: das Aloft


Übenachtet haben wir im noch ganz neuen ALoft Hotel Al Ain. Direkt neben dem ebenfalls neuen Hazza Bin Zayed Stadium und dem anschließenden Wohnviertel gelegen, hat man vom Pool auf dem Dach einen schönen Rundumblick über diese grüne Stadt, u.a. auf den höchsten Berg der VAE, den Jebel Hafeet, an der Grenze zum Oman. 
Das Restaurant und die Poolbar bieten übrigens sehr innovative, moderne Fusionsküche - unbedingt empfehlenswert. 

Die Zimmer sind modern und angenehm günstig. Es gibt mehrere Restaurants bzw. Bars im Haus. Sehr angetan waren wir vom Iftar-Buffet im "Olive Tree" - Service und Speisenangebot waren auch hier sehr erfreulich.

Einfallsreiche Desserts beim Abendbuffet

Typische arabische Gewürze als Deko-Elemente im neuen Hotel der Oasenstadt Al Ain
  
Blick über den Infinity-Pool auf dem Dach des Aloft-Hotels Al Ain hinweg

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Kunst-Oase im Sand - Liwa ArtHubHotel

Ist das nicht... "Ritter Rost"?!? (deutsche Kinderbuchreihe).  Wir trafen ihn in der Wüste nahe der Liwa-Oase!
 
Wieder etwas aus der Rubrik: Abseits ausgelatschter (Touristen-)Pfade. 
Hotels gibt es in den VAE wie Sand in der Wüste. Dabei ist es schwierig, etwas unter mindestens 4*-Kategorie zu finden. Das ist natürlich toll, man kann in (oft) hervorragendem Service und dem Luxus schöner Deko und Inneneinrichtung schwelgen. Wenn man eine Reihe solcher Übernachtungen später Revue passieren lässt, unterscheiden sich die Erinnerungen jedoch meist nur in Details.


Das Liwa ArtHub Hotel hingegen wird hinterher für den Besucher nicht in uniformer Hochklassigkeit untergehen - es hat eine ganz eigene "Klasse"! 
Um das zu verstehen, muss ich etwas weiter ausholen. Am Rande von Abu Dhabi, besser gesagt, sehr ungewöhnlich gelegen - nämlich mitten in dem gigantischen, wahrlich nicht künstlerisch-inspirierendem Gewerbegebiet versteckt - steht der ArtHub:  
Eine moderne Galerie, deren rühriger Gründer und Eigentümer, Ahmed Al Yafei, sich darum verdient macht, regelmäßig Künstlern aus aller Welt in den hauseigenen Ateliers ein zeitweiliges Refugium zu bieten. Ihre dort entstandenen Arbeiten stellen die Gastkünstler in zumeist monatlich wechselnden Expositionen anschließend aus.

Das LiwaArtHotel vom gegenüberliegenden Dünenkamm aus gesehen (man beachte den ringförmigen Swimmingpool!)

Immer wieder mag der Wunsch aufgekommen sein, die phantasieanregende Eigenartigkeit der Wüste zu erleben und für das eigene Schaffen zu nutzen. Deshalb hat Ahmed Al Yafei auf einer ehemaligen Dattelfarm bei Liwa eine weitere Künstlerherberge initiiert - allerdings kann dort auch jeder neugierige Tourist einchecken. 
 
'Ahlan-Wasahlan' mit Großen Buch, Fremder....
Lehm-Fort gleich um die Ecke.






















 
Kamel-Installation
Pool-Brücke mit Düne im Hintergrund























  


Die Zimmer ziehen sich in langgestreckter U-Form um den großen, mit Palmen bestandenen Innenhof. Die Rückseite wird schlicht und einfach durch eine große Sanddüne begrenzt! Höhepunkt für staubige Ausflügler mag der wohl einmalige Pool sein: Rings um den Palmengarten mit Sitzpavillon zieht sich windungsreich ein blau gekachelter Schwimmkanal, welcher abends, ebenfalls mit blauer Leuchteinfassung, regelrecht magisch wirkt. Der erste mir bekannte, private "Ring-Pool" - versteckt am Rande der Rub Al-Khali! ("Das leere Viertel" = die größte, zusammenhängende Sandwüste der Welt) Gespeist wird er übrigens aus dem farm-eigenen Brunnen, der bemerkenswert salziges Wasser liefert (kleine Erinnerung daran, dass die Wüste einst auch nur ein Meeresgrund war....)

 

  
Hauptattraktion der Anlage sind selbstredend natürlich die vielen Kunstwerke, welche über das gesamte Gelände verstreut zu finden sind und auch noch nach der fünften oder sechsten Passage oft - je nach Tageszeit und Lichteinfall - immer wieder neue Blickwinkel und interessanten Details enthüllen.

Den Pool nutzten wir unlängst mit Freunden an einem heißen Herbstnachmittag. Wir hatten unsere schlichten, aber komfortablen Zimmer bereits bezogen; Mr. Ahmed war mit einer Gruppe gegenwärtig im Liwa ArtHub arbeitender Künstler sowie weiteren Touristen aus dem In- und Ausland noch unterwegs.

Das Abendessen (wie auch am kommenden Tag der Mittagstisch) wird reichhaltig für alle von den hauseigenen Köchen bereitgestellt. Alle - Künstler, Touristen und der quecksilbrige Mr. Ahmed - sitzen dann gemeinsam auf der Terrasse an einer langen Tafel.

Sonnenaufgang über der Rub Al-Khali...

Frühstück mit Drohne


Der nächste Morgen begann verdammt zeitig. Was sich aber in jedem Falle lohnte, denn es ging zum Sonnenaufgang in die Wüste! Nach ca. einer Viertelstunde Fußmarschs von den abgestellten Autos hinauf ins "Leere Viertel" befand man sich bereits "mitten drin" in den unermesslichen Weiten der Rub al-Kahli! 

Auf einem langgestreckten Dünenrücken platzierte Mr. Ahmed alle fürs erste Gruppenfoto, welchem noch viele folgen sollten. Dort kam nämlich sein neu erworbenes "Männerspielzeug" zum Einsatz: Eine Drohne, die uns fortan wie eine überdimensionierte Hummel umschwirrte, um von nah und fern Aufnahmen von unserem Ausflug zu machen!

Eine der Wochenendbesucherinnen ist Yoga-Lehrerin und hatte sich erboten, mit der ganzen Gruppe die aufgehende Sonne inklusive "Sonnengruß" und allem Drum und Dran zu erleben. Nun mag Yoga nicht jedermanns Sache sein, doch die meisten beteiligten sich artig an den Übungen und JA! - Wenn man unter sich die Füße fest im kühlen Puderzuckersand verankert hat, über die Haut zart ein warmes Lüftchen streicht, Sandkörner in diesem Hauch über den Boden "singen", und vor den Augen taucht dann die aufgehende Sonne die Weiten der Dünen in alle erdenklichen Orange-Rot-Rosa-Gelb-Braun-Schattierungen: Das hat was!

Innere Einkehr beim Sonnenaufgangs-Yoga - und erhöhter Schwierigkeitsgrad beim Drohnen-Gebrumm!

Ein bisschen irritierend war für manchen - inmitten dieser spirituellen Einkehr - möglicherweise Mr. Ahmeds fleißig über den Köpfen herumbrummende und -surrende Drohne. Aber wer lässt sich auch von dergleichen Neuzeitkram ablenken, wenn er die Magie des ewigen Sandes erspüren kann?!  :-)

Anschließend gab es auf einem großen "fliegenden Teppich", der wundersamerweise auf der Düne nebenan gelandet war (d.h. per Quad von einem Angestellten geliefert), ein reichhaltiges Frühstück für alle. Natürlich mit Drohne über allem! Auf dem Rückweg zu den Autos begann die Sonne bereits wieder zu brennen...

Frühstück auf "gelandetem" Teppich: Künstler und Touristen vereint.
Wer moderne Kunst mag, Lust hat, mit deren "Müttern und Vätern" ins Gespräch zu kommen oder einfach im Ring-Pool zu plantschen, vor allem wer jedoch den Zauber der Rub Al-Khali erleben möchte, dem sei ein Ausflug ins Liwa ArtHub Hotel empfohlen! Ahemd Al Yafei organisiert gern das Drumherum. Ebenso lohnend ist ein Abstecher in die Oasen-"Stadt der Dattel" Liwa nahebei oder einer zur Moreeb-Düne, die mit 120 m höchste Düne der Rub al-Khali und zugleich eine der höchsten der Welt.

Kleine Filme /Luftaufnahmen über den Liwa ArtHub kann man hier sehen: http://www.adah.ae/#!liwa-art-hub/c1cwb 

Die Facebookseite gibt's hier: https://www.facebook.com/Abu-Dhabi-Art-Hub-1375196236120485/

Und noch die vom Liwa-ArtHub: https://www.facebook.com/ArtHubLiwa/?ref=all_category_pyml

Kann auch dekorativ sein: Unreife Datteln am Zweig



Montag, 5. Januar 2015

Mini-Monument-Valley



Dicker Mönch von schräg hinten?
Barocke Gräfin mit Hut?
Oh, schleppt da etwa eine barock gekleidete Dame mit Riesenhut ihr ausladendes Kleid hinter sich her? Oder dort hinten - schaut da nicht ein alter Beduine mit eindrucksvoller Hakennase hinter dem Felsen um die Ecke? Aber das da - das ist eindeutig das sinkende Schiff "Black Pearl" des Film-Piraten Jack Sparrow, und gleich wird sicherlich Johnny Depp lässig zu uns heruntergeschlendert kommen!.....

Nein, da ist wohl die Phantasie etwas mit uns durchgegangen. Wir machen einfach einen Ausflug samt Wüstenpicknick und Besuch einer Sandsteinformation, südöstlich beim Flecken Wathba gelegen.

Sandsteinformation in der Wüste südöstlich von Abu Dhabi

Könnte man doch glatt für Jack Sparrows sinkendes Schiff halten.... und den Hochspannungsmast dahinter halten wir der Einfachheit halber eben für den Segelmast!

Auch wenn die Dimensionen schon doch etwas andere (bescheidenere) sind: Spontan fallen mir Fotosujet Nr. 1 - Monument Valley in den USA ein, das Kletterer-Paradies Elbsandsteingebirge Sächsische Schweiz bei Dresden, Wadi Rum mit der geheimnisvoll-unterirdischen Felsenstadt Petra, die heiligen Felsennadeln als Klosterstandorte von Meteora in Griechenland oder aber die wenig bekannten Formationen des Akakus-Gebirges in der Libyschen Wüste. Natürlich gibt es rund um den Globus noch viele weitere Sandsteingebirge, welche Naturliebhaber, Klettersportler und Fotofreunde mit ihren phantasieanregenden, oft bizarren Formen anlocken.

Was ist das? - ein Motorrad für Riesen vielleicht?

An Informationen findet man nicht gerade viel über diese geologische Formation bei Wathba; zumindest ist wohl sicher, dass sie aus dem relativ jungen Erdzeitalter des Miozän stammt. Die vielen dünnen Schichtungen, welche bei der Ablagerung des Sediments einst entstanden, sind hervorragend zu sehen.
Wobei "jung" in der Geologie auch eher relativ zu betrachten ist - ca. 8 Mio. Jahre lang stehen die auffällig geformten Felsen wohl immerhin doch schon im Abu Dhabischen Wüstensand! Gut, anfangs war da ja auch eher Meer anstatt des schließlich übrig gebliebenen Sands, wie jeder weiß, der sich einmal mit der Entstehung von Sandsteinfelsen beschäftigt hat; aber lassen wir das hier einfach so stehen. Man stelle sich einmal vor, wie seitdem tausende heftiger Winde oder Stürme -  schmirgelnde Sandmassen mit sich wehend - diese phantasieanregenden Formen aus der ehemals massiv gewesenen Sandsteinmasse herausgemeißelt haben!

Sieht bisschen so aus, wie ein Hindu-Tempel, mit Figuren verziert....


Obwohl oder gerade weil diese Felsen meist nur so ca. 10 m hoch sind, ziehen natürlich auch hier die vielen Vorsprünge und Löcher im Sediment kleine und große Klettermaxe geradezu magisch an. Wer nun auch einen Abstecher dahin plant, dem sei jedoch gesagt: Das Hochklettern sollte man lieber sein lassen, denn das Gestein ist sehr porös und daher nicht unbedingt vertrauenerweckend.
Es reicht ja, wenn man sich ein Weilchen niederlässt und einfach die Phantasie ein bisschen zwischen den statuen-artigen Gebilden spazieren führt....