Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Montag, 22. Mai 2017

Ehe und Familie in den VAE

Wenn Ende dieser Woche der RAMADAN 2017 beginnt, ist das auch wieder für viele Emiraties eine ganz besonders hoch geschätzte Familienzeit.

Familie, Ehe, Frauenrechte. Ein häufig aufkommendes Thema nicht nur, wenn es um die Golfstaaten geht. Bedauerlicherweise - und das geht mir bei weitem nicht allein so! - sind ausgerechnet in den Vereinigten Arabischen Emiraten "Innenansichten" von einheimischen Familien für die Expats selten zu gewinnen.
Das liegt aber gewiss nicht daran, dass wir "Landesfremden" daran kein Interesse hätten oder aber die Einheimischen am liebsten nur unter sich bleiben. Nein, aufgrund der Bevölkerungszusammensetzung ist es groteskerweise gar nicht besonders leicht, in den Emiraten tatsächlich mit Emiraties persönlich enger in Kontakt zu kommen! Denn da sie ja nur ca. 15% der Gesamtbevölkerung ausmachen und somit eine Minderheit im eigenen Heimatland darstellen, ist das allein schon statistisch eher unwahrscheinlich. Vieles, was ich weiter unten beschreibe, ist also entweder recherchiert oder aber purer Augenschein.


Emiratischer Papa beim Kinderwagenschieben

Über unterschiedliche arabische (Familien-)Kulturen


Ich habe oft den Eindruck, vieles, was in westlichen Köpfen über das Thema "Ehe, Liebe, Frauen in der islamischen Welt" existiert, ist sehr stark geprägt von Vorlagen á la "Nicht ohne meine Tochter" und Medienberichten über kleine jemenitische Mädchen aus ärmstem Hause, welche an hässliche alte Männer zur Ehe "verkauft" werden, oder aber inhumane Exzesse von ISIS-"Kämpfern" etc.

Ich will keinesfalls in Abrede stellen, dass es Ungleichstellung der Frau und auch sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen leider auch in der islamischen Welt gibt - das Thema ist unbestritten ein ernstes. Wobei: Sind diese Probleme in der westlichen Welt eigentlich dermaßen komplett gelöst, dass man leicht auf andere missbilligend herabsehen kann? Wozu gibt es dann in Europa "Frauenhäuser", wohin misshandelte Frauen vor ihren Männern flüchten können?

Ich kann hier auch keine tiefschürfende Sozialstudie mit mehreren zehntausend Befragten zum Thema liefern, natürlich nicht, auch schaue ich nicht unter arabische Bettdecken und auch nur selten in ihr Familienleben hinein. Diese Erklärungen glaube ich, vorab geben zu müssen.


***
Ich will es einmal anhand von Beispielen aus dem wahhabitisch geprägten Nachbarland der VAE versuchen, aus Saudi-Arabien. Viele saudische Männer - denen wir früher begegnet sind, als wir vor ca. 20 Jahren noch in Saudi-Arabien lebten - halten es selbst für skandalös, dass ihre Frauen und Töchter im Lande z.B. nicht Autofahren dürfen. Darum tun sie es dann gern heimlich, wo keiner zuguckt, in der Wüste oder aber im Ausland. Doch die enggeflochtenen sozialen Strukuren machen es schwer, solche Gedanken in ihrem Alltag eben auch umzusetzen.
Die neuerlichen zarten Lockerungen mancher Beschwernisse im Alltag für saudische Frauen mögen den Weg ebnen. King Salmans hat im Mai 2017 erstmals ein Dekret erlassen, das es künftig saudischen Frauen ermöglichen soll, ohne Einverständnis eines männlichen Familienmitglieds beruflich arbeiten, Sozialleistungen nutzen und Krankenhäuser sowie Universitäten besuchen zu können. Selbst Auto zu fahren rückt damit in Sichtweite.

Libyen war vor 2011, als wir dort wohnten, ein gemäßigt-konservativer Staat. Gaddafis Rolle der Frau war in seinem "Grünen Buch" klar definiert und im Vergleich zu anderen islamischen Gesellschaften recht liberal. Frauen gingen mit Kopftuch aus dem Haus, spielten im täglichen Leben zwar keine herausragende Rolle, waren aber schon durch Schulpflicht usw. eingebunden und übten teils auch anspruchsvolle Berufe aus, wenn auch nicht mehrheitlich.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten laufen solche Dinge schon lange ganz anders ab; wir würden sagen: westlicher, freier, liberaler. Frauen "dürfen" sich durchaus bilden und auch einen Beruf ausüben; natürlich fahren emiratische Frauen selbst Auto und natürlich können sie auch allein reisen.


Emiratische Mütter sieht man zumeist in der Gruppe unterwegs

Heiratsalter, Familienleben, Stillgesetz


Das gesetzliche Mindestalter für Eheschließungen in den VAE beträgt 18 Jahre; das gegenwärtig durchschnittliche Heiratsalter liegt in den Emiraten für Frauen bei 25,9 Jahren und 26,5 bei Männern (im Jahre 2010). Zum Vergleich: In Deutschland liegt gegenwärtig (2012) das Heiratsalter bei Frauen bei 29,9 und bei Männern bei 32,2 Jahren. In Deutschland ist Heirat gesetzlich momentan noch ab 16 Jahren erlaubt, aber dies wird bald auf 18 angehoben.
Die meisten Emiratis halten 21 Jahre für die Schwelle zum "echten" Erwachsensein - aus Gründen der Ausbildung und Reife. Und selbst dann wird von den Eltern erwartet, dass die jungen Eheleute ihre Berufsausbildung oder das Studium beenden.

Viele islamische Familien "funktionieren" durchaus noch traditonell, d.h. Männer wirken mehr im "Draußen" und Frauen eher im "Innen", auch leben mehr Familienmitglieder gemeinsam. Obwohl Ehepaare daher vermutlich weniger Zeit gemeinsam (allein) miteinander verbringen, als in der westlichen Gesellschaft, versauert wohl keiner der Partner einsam in getrennten Zimmern vorm TV, denn die eigenen Eltern, Geschwister, Cousinen, Tanten und Kinder des eigenen Geschlechts sorgen für Geselligkeit.

Diesen Punkt darf man auch bei der Kindererziehung nicht vernachlässigen: In traditionellen Gesellschaften ist ein Baby oder Kind nicht einzig und allein "Muttersache", sondern zahlreiche Verwandte stehen ständig in Bereitschaft! Mit dem Trend zur "Verwestlichung" auch in arabischen Sozialmilieus und einhergehender Verkleinerung der regelmäßig zusammenlebenden Familie sinkt quasi parallel auch die Anzahl der Kinder pro (Klein-) Familie; eine Entwicklung, die weltweit beobachtet wird.


Auch im Alltag scheinen kleine Kinder hier nicht zwingend an der Mama zu kleben. Einerseits sind in emiratischen Familien Hausangestellte inklusive Kinderfrauen normaler Standard (mit allen positiven und auch negativen Auswirkungen).
Übrigens haben die VAE als einziges Land der Welt ein "Stillgebotsgesetz"! Seit vergangenem Jahr sind alle emiratischen Mütter dazu aufgefordert, ihr Kind zwei Jahre lang zu stillen, sofern ihnen das medizinisch möglich ist. Über die Durchsetzung des Gesetzes wurde allerdings nicht verlautbart. Ich könnte mir vorstellen, es ist vor allem ein geschickter Schachzug, um einheimische Mütter dazu zu bringen, überhaupt wieder Zeit mit ihren Kleinkindern zu verbringen, die man oft eher nur an der Hand der Nanny sieht ...






















Doch auch die Väter spielen eine aktive Rolle. 
Ich nenne sie immer die "Emirati-Papis". Oft kommt es mir in diversen Shopping Malls oder anderen öffentlichen Orten so vor, als sähe ich immer nur die emiratische Papas allein den Kinderwagen schiebend einkaufen oder stundenlang Kleinkinder auf dem Arm herumtragen. Die Mütter hingegen - leicht erkennbar an der schwarzen Abahya - erlebe ich niemals allein mit Säugling oder Kleinkind unterwegs; immer ist zumindest eine Kinderfrau dabei oder auch ganze Frauentrupps (Schwestern, Cousinen, Tanten, Freundinnen,....), welche abwechselnd das Kind betreuen.































Besonders geduldige Spezies: Der "Emirati-Papa"


In unserem Compound befindet sich genau gegenüber des 'Ladies Gym', in welchem ausschließlich Frauen ihre Fitness trainieren, eine Kinderkrippe. (Es gibt auch noch ein 'Male Gym', das aber ebenso von Frauen besucht wird - eigentlich eine Benachteiligung der Männer, oder?) Wenn ich dort frühmorgens auf Ergometer oder Laufband zugange bin, kann ich die Ankömmlinge beobachten: Expat-Mütter oder auch deren Kinderfrauen aus dem Compound, welche die 0 - 3jährigen in der Einrichtung abgeben. Aber auch viele Emiraties, die zumeist mit dem Auto von außerhalb kommen. Unter letzteren dominieren eindeutig die Väter; einer kommt stets in der Uniform der Emiratischen Streitkräfte. Ob er dort flexible Arbeitszeiten hat? Jedenfalls dauert das Abgeben seines kleinen Sohns, der morgens oft keine Lust auf Krippe hat, doch ziemlich lange ...

Besonders gern sehe ich immer einem Emirati-Papi zu, der seine beiden Töchterchen mit dem Auto bringt. Erst geht die Fahrertür auf, der Vater im eleganten weißen Langhemd steigt aus, geht gemessenen Schritts um den Wagen herum und hebt hinten Tochter 1 (ca. 3 Jahre) heraus. Er stellt sie vorsichtig auf den Boden, zupft das hübsche Kleid zurecht und kauert sich dann hinunter, um mit ihr  irgendetwas Winziges auf dem Gehsteig zu betrachten. Doch da scheint es Protest aus dem Autofont zu geben - der Vater schreitet also zur anderen Tür und hebt Tochter 2 (ca. 1 1/2) heraus.
Während er sie ebenfalls auf den Gehweg stellt, ist Tochter 1 offensichtlich eingefallen, dass sie ihre Tasche vergessen hat. Während sie ungeduldig herumhüpft, holt ihr Vater den Marienkäferucksack und setzt ihn ihr auf.

Tochter 2 rennt mit breiten Wackelschritten weg und wird mehrfach nach einem spielerischen "Wettlauf" vom Papa eingefangen und durch die Luft geschwenkt - um kreischend gleich wieder loszurennen. Bis sie hinfällt und auf Papas Arm dringend getröstet werden muss. Dies wiederum scheint die ältere Schwester mit Eifersucht zu beobachten. Sie zieht also so lange dringlich an der weißen Dischdascha ihres Vaters herum, bis er ihr ein Trinkpäckchen aus dem Auto holt.  

Inzwischen sind locker 10 Minuten vergangen. Bis der Vater kinderlos aus der Krippentür erscheint, wieder in seinen Wagen steigt und vermutlich ins Büro fährt, dauert es dann noch eine ganze Weile. Seine liebevolle Geduld und Gelassenheit bestrickt mich jedes Mal erneut, wenn ich das Trio sehe. Wobei diese drei für unzählige einheimische Kleinkindväter stehen, die ich hier oft in ihrer offensichtlich unerschütterlichen Freundlichkeit und Geruhsamkeit im Umgang mit ihrem Nachwuchs erlebte. Dann erinnere ich mich immer reflexhaft auch an den hektischen "Nun hör aber auf!- Ich muss jetzt zur Arbeit!"-Tumult westlicher Eltern in der Früh in deutschen Kindergärten.

Kein Wunder, dass die Emiaties in der Welt für viele Rekorde bekannt sind, aber nicht für den in Sachen Pünktlichkeit am Morgen. Ist ja klar, wenn die Familie, insbesondere die lieben Kleinen, einen so beschäftigt halten ...




Familienfreundlichkeit made in VAE: kleine Kindertoilette neben der üblichen in einer Mall

Montag, 24. April 2017

CinemaSpace Abu Dhabi: Programmkino der Extraklasse


Eines der wenigen Dinge, die ich hier in Abu Dhabi vermisse, sind Programmkinos. Denn eine Vielzahl großer, großartiger Multiplexe findet sich in den hiesigen Malls zwar durchaus. Inklusive einer Menge Bollywood-Produktionen sowie natürlich den Krachern aus Hollywood - bevorzugt aus den Genres: laut, kriegerisch, explosiv, Weltuntergangs- und Alien-lastig sowie Horror. Oder aber ... sehr schmalzig.
Was mir persönlich jedoch fehlt, sind die kleineren Produktionen aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturen, welche oft etwas realistischere Themen aufgreifen und die in Europa in den kleineren, unabhängigen Kinosälen gezeigt werden.

                                                                                                                                                                         Bild: Pixabay


Diese "Lücke" zu schließen hat sich in Abu Dhabi ein junger Mann auf die Fahnen geschrieben. Ein wahrer Cineast, der so bescheiden ist, hinter sein "Produkt" (Abu Dhabis einziges Programmkino) zurücktreten und anonym bleiben zu wollen. Nennen wir ihn deshalb einfach Mohammed, denn so heißt hier gefühlt jeder zweite. Seine Eltern stammen aus Indien, er selbst jedoch ist bereits in Abu Dhabi geboren und aufgewachsen.

Diese Filmvorführungen im CinemaSpace Abu Dhabi "leben" nicht zuletzt auch dadurch, dass er jeweils zu Beginn eine kurze Einführung in Dreharbeiten, Handlung und Bedeutung des Streifens gibt - alles im geschliffensten Englisch und mit so viel persönlichem Enthusiasmus vorgetragen, dass man schon allein dadurch neugierig auf den anschließend gezeigten Film wird. Man hat wirklich das Gefühl, bei einem filmkundigen Freund daheim zum Pantoffelkino eingeladen zu sein, der einem gern seine Lieblingsstreifen zeigen möchte.

Gegenwärtig das "Gesicht" von CinemaSpace: Szene aus "Picknick am Valentinstag", 1975


Regelmäßig zwei-, dreimal die Woche lädt er in einen Hörsaal des Museumsdistrikts auf Saadiyat Island ein. Zuvor im Medienviertel der Hauptstadt, im twofour54 beheimatet, bietet der neue Ort nun noch mehr und auch bequemere Sitze.

Was hier über die Leinwand flimmert, sind echte Perlen der Kinogeschichte, denn neben aktuellen Independent-Streifen aus verschiedensten Ländern gibt es immer wieder auch sowohl einst sehr bekannte wie auch eher unentdeckt gebliebene Filme zu sehen.
Genauso weit wie der zeitliche Fächer ist auch die Genrevielfalt gehalten: Vom Monumentalfilm wie den "Zehn Geboten" (1956) über Familienfantasy ("Der Zauberer von Oz", 1939) und Zeichentrick, wie z.B. "Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH" (1982) über alte Western ("Shane") bis zu Zeitgenössischem, wie "Refugiado" (Argentinien 2014), der Suche eines Jungen und seiner Mutter nach einem gewaltfreien Leben. Ebenso gibt es immer wieder Gewinner von Filmfestivals zu sehen, wie "Mustang" um fünf türkische Schwestern, der 2015 in Cannes prämiert und für den Oscar nominiert wurde.

Nicht nur ist das Engagement von Mohammed und denjenigen, die ihn unterstützen  ehrenamtlich, um der Filmfreundesgemeinde von Abu Dhabi regelmäßig hochwertige Kinokost anbieten zu können.
Auch für die Besucher sind diese besonderen Filmabende völlig kostenlos! Nur um vorherige Anmeldung auf der CinemaSpace-Homepage wird gebeten, um die benötigten Plätze seitens des Veranstalters abschätzen zu können. Auf der Seite kann natürlich auch immer das aktuelle und geplante Kinoprogramm eingesehen bzw. der Newsletter abonniert werden. Auch auf Facebook kann man alles zur Information Nötige über CinemaSpace Abu Dhabi finden.


Mittwoch, 19. April 2017

Radiohören in VAE - Einmal um die Welt bitte!


Radiohören ist für die meisten Alltag: Im Radiowecker, beim Duschen, im Auto, beim Kochen oder ... Spannend natürlich immer, sich in die Wellenlängen fremder Orte einzuklinken!

Wobei - jahrelang hatte ich dieser Gewohnheit fast abgeschworen. So interessant es für den Ausländer sein mag, mal in fremde Sendestationen hineinzuhören ... so ermüdend kann es sein, wenn man die fortwährenden Koranrezitationen im saudischen Sender sowieso nicht versteht, in Indien nicht (permanent zumindest) auf Bollywoood-Hits steht und auch die libysche Popmusik mir bei aller Liebe auf Dauer doch zu schmalzig war. (Ich sage nur; *weibliche Kopfstimme*: "HABIIIBIIIII" !!!)

                                                                                                                                                       Bild: Pixabay


In den Vereinigten Arabischen Emiraten hingegen kommt beim Radiohören keine Langeweile auf! Es gibt eine ganze Anzahl englischsprachige Kanäle mit muttersprachlichen Moderatoren, bei denen man sich anfangs auf der Senderskala "verwählt" zu haben glaubt - klingt es doch wie lupenreines amerikanisches Frühstücksradio oder aber eine britische Feierabend-Sendung.

Besonders beliebt sind hier Radio 1: Die neuesten internationalen Chart-Hits sowie House Music-Club-"Feger" - und damit meine ich wirklich die NEUSTEN; wir wussten lange Zeit immer schon Wochen im voraus, was beim nächsten Deutschlandurlaub dann dort als "brandneu" auf den Sendern laufen würde. Außerdem Radio 2: Das ist mehr für die "Oldies" unter uns, spielt man doch dort die ganzen Erfolge der 80-er, 90-er und frühen 2000-er Jahre.

Doch auch Virgin FM ist ein bei den Jüngeren beliebter Sender. Wem Pop und Rock auf die Nerven fallen, kann sie bei Classic FM wieder beruhigen. Dort wird leichte Klassik sowie Jazz gespielt.

Sender in den "Zungen" dieser Welt


Doch die Arabischen Emirate wären nicht die Emirate, wenn sie nicht den Bedürfnissen unterschiedlichster Bevölkerungsgruppen und Herkunftskulturen Rechnung trügen! Selbstredend gibt es im Land diverse arabischsprachige Sender, deren Programm von rein religiösen Inhalten über lokale Themen und internationaler Berichterstattung auf Arabisch bis hin zu einheimischer Popmusik reichen.

Da die VAE ein Vielvölkerstaat sind, ist die Radio-Landschaft jedoch noch viel, viel bunter! Da finden sich Sender auf Tamil, Hindi, Russich, Urdu, Tagalog, Malayalam und sogar Farsi (obwohl die VAE politisch gesehen kein großer "Freund" des Iran sind, wird doch der hier - zwecks Arbeit oder auch halb im Exil - lebenden Iraner "ihr" Radioprogramm vergönnt).
Die Musikfarben reichen von religiöser über regional-traditionellen bis hin zur jeweils im Lande aktuellen Pop- und Rockmusik.

Meist höre ich die englischsprachige, vertraut klingende Moderation der internationalen Hit-Maschinerie von gestern und heute. Ich will ja beim Autofahren lauthals mitsingen können! (ja, das Fenster bleibt dabei geschlossen ;-) ). 
Doch öfters gelüstet es mich auch nach exotischeren Klängen. Es macht einfach Spaß zu raten, worüber die Sprecher wohl gerade scherzend mögen, beim abendlichen Kochen während des Gemüseschnippelns ein paar Bauchtanz-Bewegungen zu praktizieren oder beim Nudeln Abschrecken in schmachtende Bollywood-Tanzerei auszubrechen. Sieht ja niemand - und falls meine jüngere Tochter hereinkommt, macht sie einfach mit.

Wer jetzt neugierig ist und einmal in diese Vielfalt hineinhören möchte, hat auf dieser Übersicht der Sender wie auch dieser ganz ähnlichen Liste die Qual der Wahl! Fröhliche Horizonterweiterung und viel Spaß!

Sonntag, 29. Januar 2017

Wenn der rosa Drache tanzt und Hähne ihn umkreisen

Show-Bühne vor der Galleria Mall
Buntes Vielvölkergedränge zum Chinesischen Neujahr in Abu Dhabi

HALT - bleiben Sie da, Sie sind hier schon richtig!

Wer das Bild darüber sieht, wähnt sich jetzt vielleicht gerade im falschen Blog. Ist das nicht der aus der Wüste? Doch, ist er. Aber da die Vereinigten Arabischen Emirate ein Vielvölkerstaat per excellence ist, geht es eben auch im täglichen Leben seiner Städte eben "bunt" zu. Hier leben über 9 Mio Menschen aus mehr als 200 Nationen zusammen. Immerhin über 80 % der Bewohner des Landes sind dabei Ausländer!

Der Chinesische Neujahrstag fiel dieses Jahr 2017 auf den Neumond am 28. Januar. Nun befinden wir uns also - im zwölfjährigen Zyklus des chinesischen Tierkreiszeichens - im Jahr des Hahnes, genauer gesagt: des Feuer-Hahns, den es nur aller 60 Jahre gibt.

Gefeiert wird das Neujahrsfest vor allem in Ostasien (chinesischer Kulturkreis, Korea, Mongolei, Okinawa, Vietnam, bis 1873 in Japan) zusätzlich jedoch auch weltweit in Gebieten mit großen Anteilen an Auslandschinesen (Thailand, Singapur, Malaysia, Indonesien, Philippinen oder Übersee).
Auch andere ethnische Gruppen wie Mongolen, Koreaner, Miao, Vietnamesen, Bhutaner und einige Volksgruppen in Nepal, welche durch China in kultureller, religiöser oder sprachlicher Hinsicht beeinflusst wurden, haben bestimmte Elemente bzw. den Termin des chinesischen Neujahrsfestes übernommen.

Ein Baum voller elektrische "Blüten" zauberte Frühlingsstimmung 
Und hier schließt sich der Kreis, warum das Chinesische Neujahr auch in den VAE allerorten, vor allem in den Shopping Malls und Restaurants, mit besonderen Dekorationen und Preisaktionen, aber auch kulturellen und kulinarischen Veranstaltungen gefeiert wird: Da so viele Menschen fremder Herkunft in Abu Dhabi, Dubai, Sharjah und den anderen Emiraten der VAE zusammenleben, kommen auch Hundertausende ursprünglich aus fernöstlichen Ländern - über die Hälfte aller Expats hier stammt aus Asien.
Und genauso, wie für die Christen hierzulande im Dezember alles weihnachtlich geschmückt ist und entsprechende öffentliche Veranstaltungen stattfinden, werden den Menschen aus Fernost im Januar Feiern zu "ihren" Neujahr gewidmet.
 
Handy stets griffbereit...
Kärtchen am "Wunschbaum"























Wir haben dieses Mal die Promenade vor der "Galleria Mall" besucht, auf Marya Island mit den vielen Hochhäusern. Dort erhellten abends tausende orangeroter Neujahrs-Lampions das emsige Treiben unter ihnen. Menschen aller Herren Ländern schoben sich an den Ständen mit fernöstlichen Spezialitäten vorbei und kosten natürlich auch alles.

Uns hatten es besonders die unglaublich fluffigen, in vielen Farben und Geschmacksrichtungen erhältlichen Moon cakes, die Mond-Kuchen, angetan. Außerdem hat sich mein persönlicher kulinarischer Horizont noch um "Shave Ice" erweitert: Ein bisschen skeptisch war ich schon, ob "gefrorenes Wasser vom Block" mit etwas Kompott darüber mich umwerfen würde. Aber ich probiere ja gern Unbekanntes. Fazit: Unglaublich! Die Leckerei, die vom alten japanischen Adel stammen soll (allerdings ist das Dessert so ähnlich auch vom römischne Kaiser Nero überliefert) besteht aus Eiskristallen, welche mit einer speziellen Maschine von einem runden Eisblock "rasiert" werden. Sie sind so fein, dass sie wie Schneeflocken auf der Zunge zergehen und längst nicht den Kälteschock dort produzieren, den ich erwartet hatte. Als Topping gibt es mehrere Lagen Früchte der Wahl sowie Sirup. Schmeckt herrlich frisch! 

Eisblock für "Shave Ice" - bald schon sind es süße "Schneeflocken"!

Wer wollte, konnte seinen persönlichen Wunsch für das neue Jahr auf ein rotes Kärtchen schreiben und an den aus rotem Papier bestehenden "Wunschbaum" heften; leider waren die Kärtchen bereits alle, als wir kamen.
Höhepunkt der Veranstaltung an der "Galleria" waren jedoch die aller halben Stunden auf der großen Bühne stattfindenden Shows - natürlich ohne Eintritt. Tanzende Drachen, putzig plüschig und mit riesigen Kulleraugen. Aber auch Karate-Kämpfer (bei dieser eleganten asiatischen Kampfkunst verschwimmen die Grenzen zwischen Kampfsport und Tanz ohnehin fast), eine Ballettreihe stolzer Hühner - äh, Hähne, Reispflückerinnen in traditionellen Gewändern. Oder die eindrucksvollen chinesischen Trommler, deren Show nicht nur akustisch, sondern auch optisch bemerkenswert war.

Tanzende "Hähne"
Tänzerin in chinesischem Gewand























Dem Jahr des "Feuer-Hahns" wird prophezeit, dass es international sehr "hitzig" und kämpferisch wird. Wenn man sich die aktuelle Politiklage ansieht, könnten die 2000 Jahre alten Weissagungen da durchaus zutreffen.
Und auch im Jahr des Hahns Geborene sollten sich lieber "wappnen", habe ich gelesen. Nun denn, ich selbst wie auch eine unserer Töchter ist "Hahn" (oder: Henne?). Wenn man uns fortan dieses Jahr immer mit etwas Rotem im Outfit antriffen sollte, dann ist klar - das ist lediglich unser persönlicher "Abwehrzauber" gegen Anfeindungen des Lebens aller Art. So zumindest behaupten es die Chinesen. Ich hoffe doch, es bleibt alles im Rahmen.  ;-)

Chinesische Tierkreiszeichen, hier in "niedlich"

Sonntag, 30. Oktober 2016

Halloween im Anmarsch

Grinsende Kürbisse auch in der Gemüseabteilung eines "Spinneys"-Supermarkts in Abu Dhabi


Bald treiben wieder finstere Gestalten ihr Unwesen und verbreiten ein wenig wohlkalkulierten Grusel (klar - ursprünglich zu Abschreckung weit schaurigerer, weil "echter" Geister!). Klopften einst die verkleideten Gespenster nur in Irland in der Halloween-Nacht am 31. Oktober an die Türen und forderten mit "Trick or treat!" eine milde Gabe, nahmen die Auswanderer diesen Brauch dann mit nach Amerika, wo er riesengroß wurde. Und von da aus begann Halloween dann seinen Siegeszug um die Welt.

Heute rufen auch deutsche Kinder, mehr oder minder gruselig verkleidet, an den Türen unbescholtener Haushalte "Süßes oder (ihr kriegt) Saures!" und fordern damit ein Süßigkeitenkontingent ein, das jeden Zahnarzt erblassen lässt (ob aus Entsetzen wegen der Kariesgefahr oder aber Freude ob neuer Patienten, sei mal dahingestellt ...)


Pünktlich vor Halloween gibt's im Supermarkt Grusel-Kram jeglicher Art zu kaufen.


Auch in den Emiraten ist der heidnische Mummenschanz längst "angekommen". Die anglo-amerikanisch sozialisierten kleinen und großen Ungeister feiern dann ausgelassen und mit Hang zur optischen Über-Opulenz. Die anderen machen nur zu gern mit. Vor allem für die europäischen Expat-Kinder ist Halloween in der emiratischen Gastheimat auch ein Stück Ersatz für Karneval, Mardi Gras, Fasching,... einfach die "tollen Tage", welche hier leider keinen Einzug gefunden haben.


Wo Licht an ist, darf "gebettelt" werden


Zum "Zentrum" der Halloween-Parties hat sich in Abu Dhabi mit der Zeit das vorwiegend von Expats bewohnte Compound Mangrove Village entwickelt. Dort werden nicht nur teils ganze Häuser aufwändigst dekoriert und schön schaurig hergerichtet. Vor allem Kinder und Jugendliche aus der ganzen Stand kommen dann dort zusammen und schweifen nach Anbruch der Dunkelheit in zumeist Horden nicht unter zehn wild kostümierter Gestalten herum, um an den Türen nach Süßem zu betteln.  Man glaubt ja gar nicht, wie schnell ungefähr 4 Kilo Süßigkeiten alle werden können! (vor Halloween werden diese in den Supermärkten zu Discount-Preisen angeboten ....)

Damit Leute, welche mit Halloween nix am Hexenhut haben oder aber einfach ihre abendliche Ruhe haben wollen, nicht von den marodierenden kleinen Ungeistern gestört werden, gilt die Regel: Licht auf der Vortreppe an, Grinse-Kürbis steht auf der Schwelle, bisschen Halloween-Deko ist sichtbar - hier darf man klingeln und wird auch "belohnt". An extra dunkel gehaltenen Eingängen ohne Deko hingegen darf nicht geläutet werden. So sind dann alle zufrieden.

Tja, und wie man oben sieht, sind auch die Supermärkte natürlich allerbestens mit Süßigkeiten und Grusel-Dekomaterial vorbereitet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bilder von Halloween 2015 in Mangrove Village, Abu Dhabi



Feiern verbindet über Kulturgrenzen hinweg - warum nicht auch Halloween?


Wenn man bedenkt, dass wir hier in einem islamischen Land leben, in welchem pro forma nur die drei Buchreligionen anerkannt werden und dennoch "heidnische" Feste wie eben dieses fröhlich begangen werden dürfen (ja, auch emiratische Jugendliche sind beim "Betteln" mit ihren internationalen Freunden unterwegs), fasse ich mir vorsichtig an den Kopf, wenn ich höre: In Deutschland gibt es inzwischen schon Einrichtungen, welche in vorauseilendem Gehorsam (wem gegenüber?) für Kinder solche Feste wie St. Martin, Nikolaus oder Ostern "abschaffen". Damit neu Hinzugekommene - also demnach ebenfalls Expats - aus anderen Kulturkreisen sich nicht verstört fühlen mögen.

Welch ein Unfug! Gerade im gemeinsam feiern, essen und Spaß haben entsteht gegenseitiges Interesse, Toleranz und Offenheit gegenüber anderen Kulturen, Bräuchen und Eigenarten! An der deutschen Schule in Abu Dhabi (GISAD) z.B. findet nach wie vor ein St. Martins-Umzug statt. Und an dem nehmen selbstredend Schüler aller Nationen und Religionen teil: Das Martinslied singend, Lampions schwenkend und gemeinsam Betmännchen essend.





Bilder vom Halloween 2016 (wurde aus Kinderfreundlichkeit am WE bereits vorgezogen gefeiert ....)

Mittwoch, 6. Juli 2016

Von Bauchtanz über Tango bis Rumba! Tanzen lernen in den VAE.


Tanz und Musik sind "Sprachen", die auf der ganzen Welt ganz ohne Vorkenntnisse verstanden und geliebt werden.

Nehmen wir einfach einmal die Begriffe "Arabische Emirate" und "Tanz" her.  Assoziationskette! Na?
Vermutlich in etwa so: 1001 Nacht, Sharazade, wehende Schleier, orientalische Trommelmusik, verführerische Hüftkreise - kurz gesagt "Bauchtanz".
 
Bauchtanzvorführung für Touristen auf einer Safari


Nun ist es aber so, dass diese Tanzform gerade in Dubai und Co. so gar keine Tradition hat; diese orientalische Variante, die gerade im Westen so populär ist, basieren zumeist auf der Ägyptischen Ausdrucksform. Die teils sehr erotische Anmutung des "al raqs", wie er auf Arabisch meist genannt wird, sieht man in den eher strengeren Alltagstraditonen der Golfstaaten nicht gern - zumal, wenn außerhalb des ehelichen Gemachs und sogar vor Publikum aufgeführt..

Und so verwundert es dann auch nicht, dass auf Touristen-Bauchtanzshows (z.B. auf Wüsten-Safaris geboten, eigentlich der einzige Ort, wo in den VAE Bellydance vor Publikum gezeigt wird) auf gar keinen Fall junge Emiratinnen die Hüften schwingen. Es sind sehr oft junge Frauen aus Ost-Europa und auch Brasilien, wo es eine überraschend vitale Bauchtanz-Szene gibt.

Übrigens: Bauchtanz wird ja in Europa oft (nicht immer zu Unrecht) belächelt als Selbstverwirklichung mittelalter Damen... Wenn man aber tatsächlich einmal ein paar Monate oder Jahre an Bauchtanztraining teilgenommen hat (wie auch ich in Abu Dhabi; diverse Sportstudios bieten Kurse an), der erfährt: Es wirklich gut zu erlernen verlangt Jahre intensiven Übens! Eine Stunde Belly Dance ist überdies genauso schweißtreibend wie ein hartes Workout im Fitnesstudio.


Cha-Cha und Walzer im Wüstenstaat


Wesentlich überraschender mag den meisten wohl erscheinen, dass man mitten in Dubai oder Abu Dhabi Tango, Walzer, Rumba, Foxtrott, Rock 'n' Roll, Bachata oder Samba erlernen kann! Die amerikanische Tanzschul-Franchise-Kette "Arthur Murray" macht's möglich...
Es hat etwas durchaus Bizarres, wenn von der Moschee unten gerade der Muezzin in diesem typisch klagenden Sang über's Minarett zum Gebet ruft, während im Tanzstudio in einem Hochhaus die Schüler oben zur gleichen Zeit ihre Beine zu mitreißenden Cha-Cha-Rhythmen möglichst stimming und elegant zu sortieren versuchen...


Standardtanz-Show von Schülern und Trainern auf dem halbjährlichen Ball in Dubai

Wer mag, kann hier vom Anfängerkurs über alle Zwischenstufen aufsteigen bis hin zum Goldenen Tanzabzeichen. Zum Üben gibt es regelmäßige Gruppenstunden, doch das wahrhaft Effektive (wenn auch nicht ganz Billige) am Unterricht bei Arthur Murray Abu Dhabi sind die Einzelstunden mit dem Lehrer oder der Lehrerin, welche man als Paar oder auch ganz allein absolviert. 1:1 entgeht dem Trainer-Adlerauge dann natürlich kein falsch gesetzter Fuß, kein krummes Knie, keine verkrampft gehaltene Hand... und umso schneller kann man korrigieren.

Was auch hier wieder das Ungewöhnliche, Reizvolle neben der Sache an sich ist: Die bunt gemischte Internationalität! Ein Wiener Walzer wird - mitten im Mittleren Osten - dann beispielsweise von einer polnischen Lehrerin an ein libanesisches Ehepaar oder eine junge Dame aus Südafrika vermittelt...


Bunt wie die Welt sind die Crew und ihre Schülerschaft in der Tat: Der syrische Tanzstudio-Chef Anas beschäftigt ein hochprofessionelles Team aus der Ukraine und Polen; die Schüler verschiedenster Alters- und Fähigkeitsstufen stammen u.a. aus Kanada,  Thailand, Deutschland, dem Libanon, Südafrika und Sri Lanka und den USA... Wie in jeder Expat-Gemeinschaft herrscht natürlich auch da keine Konstanz: Manche ziehen wieder weg, neue Tanzeleven kommen hinzu...


Riesigen Spaß machen die geselligen Motto-Tanzabende; hier einer unter dem Thema "Gangster"

Zwei Mal im Jahr veranstalten die emiratischen Arthur-Murray-Studios in Dubai einen großen Ball, wo sowohl Schüler als auch Lehrer die gesamte Bandbreite ihres Könnens zeigen. Ebenfalls im Frühjahr und Herbst gibt es rund um die Welt in allen Franchise-Schulen sechswöchige Sonderveranstaltungen, bei denen alle beteiligten Studios um regionale Rankings wetteifern und mit "Motto"-Abenden noch mehr gute Laune und Stimmung als sonst schon üblich unter den Tanzschülern und ihren Trainern einzieht.

Um zu sehen, welchen Show-Wert die kleinen Showauftritte bei den regelmäßigen Tanzabenden haben, sollte man keinesfalls verpassen, darunter stehenden Link zu diesem Video in den Browser zu kopieren und anzuklicken! Hier seht Ihr zwei der Instruktoren bei einem sehr Gangster-mäßigen Tango, den sie zu einem Mottoabend präsentierten:


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https://drive.google.com/file/d/0Bzou07yK2bCsNEFralpTMXRCdXc/view?usp=drivesdk


Auch Hochzeits-Tanzkurse werden gern und häufig in Abu Dhabi vor ihrem"großen Tag" von jungen Paaren belegt. Diese wie auch andere Neugierige sind bei Arthur Murray immer gern willkommen.

Telefon: +971-2-645-7372  oder E-Mail   info@arthurmurrayabudhabi.com


Arthur Murray Abu Dhabi: Das Team bildet einen syrisch-polnisch-ukrainischen Nationalitätenmix, der Schülern aus u.a. Sri Lanka oder dem Libanon z.B. lateinamerikanische Tänze wie Cha-Cha oder Samba beibringt



Montag, 9. Mai 2016

'GLADies' - Deutsch sprechende Frauen in Abu Dhabi


Wenn man an einen fremden Ort umzieht, der dazu auch noch in einem anderen Land, gar auf einem anderen Kontinent und in fremdem Kulturkreis liegt - (das Ganze möglicherweise zum allerersten Mal!) - der fühlt sich sicher oft erst einmal ein wenig entwurzelt, ratlos, neugierig, verzweifelt, einsam, irritiert, dankbar für jegliche Unterstützung. Meist alles gleichzeitig.


So sieht sie aus: Die neu gestaltete Homepage der GLADies.

Während die Kinder, so vorhanden, schnell durch Schule oder Kindergarten einen neuen Alltag haben, Anschluss finden und auch der - zumeist entsendete - Partner voll an seinem neuen Arbeitsplatz beschäftigt ist, bleibt gerade in expatriierten Familien häufig ein Erwachsener daheim (oft die Frau/Mutter; aber es gibt natürlich auch "mitreisende" Ehegatten bzw. Väter, wenn die Frau beruflich entsendet wurde!). In manchen Arbeitsverträgen darf der mitreisende Partner im Neu-Land selbst arbeiten gehen, in manchen nicht.

Wobei: Daheim bleiben...?! Zuallererst ist das ja gar nicht vorhanden! Vom Hotel aus besichtigt der daheim-abernichtdaheim-Gebliebene zunächst potentielle Wohnungen. Die danach bewohnbar gemacht / eingerichtet werden müssen. Oft dauert es Wochen oder sogar Monate, bis der Container mit den vom Heimatland mitgebrachten Möbeln und persönlichen Dingen ankommt...

Doch auch noch nach Wochen des Schaffens eines neuen Zuhauses ist der "nicht arbeitende" Partner häufig damit beschäftigt, Alltag im Sinne von "Wo bekomme ich Brot her, das keine Fladenform hat", "Wo finde ich einen vertrauenswürdigen Zahnarzt" oder "Wo zum Geier ich treibe ich jemanden auf, der Internet im Haus installiert" etc. herbeizuzaubern. Manchmal hilft das Internet (sofern schon angeschlossen), manchmal auch nicht.
Der eine oder die andere verzagt dann gelegenlich: Wenn nichts funktionieren will und eventuell durch fremde Sprache und kulturelle Prägungen auch oft erst einmal nicht wirklich kann. Verzweifelte Momente, Expat-Blues...


GLADies - ein "Heimathafen" in der Fremde


In solchen Fällen Gold wert sind: andere Expats! Leute, die schon länger da sind und die gleichen Informationen einst selbst verzweifelt suchten, nun aber gern an Neuankömmlinge weiterzugeben bereit sind! Am besten sogar die eigene Sprache sprechen; durchaus auch übertragen gemeint.

In Abu Dhabi sind für alle Deutschsprachigen die GLADies ein erster "Hafen" und Quell von Wissenswertem, Tipps, aber auch einem "heimatlichen" Gefühl. Die "German speaking LADIES of Abu Dhabi" nehmen seit  20 Jahren neu hinzukommende Frauen mit offenen Armen auf. Eine andere Lesart ist "Glad Ladies" (Glückliche Frauen). Antje Al-Sayed Ali war zusammen mit Gisella Salem eine Frau "der ersten Stunde", leitete die Vereinigung viele Jahre lang und ist nach wie vor aktives Mitglied.


Beliebt: Die monatliche Frühstücksrunde der GLADies im Beach Rotana Hotel.

Nein, das ist beiliebe kein heimattümelnder Verein engstirniger Hausfrauen, die ständig beisammen glucken, weil sie sich womöglich nicht "hinaus ins Leben" trauten. Jenes ist eine beliebte Phantasie oft jugendlicher, rucksackreisender Leute, welche eher locker im Ausland zu reisen denn längerfristig dort zu leben (vor)haben - und die es "schrecklich" finden, wenn man in der Fremde auch nur einmal mit Landsleuten spricht, anstatt sich voll der Gastfreundschaft der freundlichen Inländer hinzugeben. 
Der Expat hingegen kapiert schnell: Zwischen ein paar Monate des ungebunden Herumreisens und irgendwo (zumal vielleicht mit Kindern) dauerhaft einen Alltag zu meistern besteht ein nicht gerade kleiner Unterschied... Der Appetit auf Schwarzbrot wird nach einigen Monaten ab und an genauso groß wie der Wunsch nach Menschen mit ähnlicher kultureller "Stamm"-Identität. 

Guter Rat muss eben nicht teuer sein, wenn eine Organisation wie die GLADies zur Hand ist! Die GLADies bieten auf ihrer gerade komplett neu gestalteten Homepage viele Tipps und Links gerade für Neuankömmlinge, aber auch vielfältige Angebote kultureller, geselliger und sportlicher Art. Eine wichtige Starthilfe in den Abu-Dhabi-Alltag stellt die Link-Sammlung dar (Institutionen, Ärzte, kulturelle Angebote, Landeskunde VAE,...) 

Ausflüge ins Umland und Besichtigungen oder gemeinsame Frühstücksrunden laden regelmäßig ein. Manche Mitglieder dieser losen Vereinigung beteiligen sich sehr rege und sind bei vielen GLADies-Veranstaltungen dabei. Andere sieht man ein-, zwei Mal im Jahr dort (vielleicht, weil sie selbst eine Berufsarbeit aufgenommen haben) - und auch das ist völlig in Ordnung. Freundschaften sind auf solchen Zusammentreffen wohl allein in Abu Dhabi bereits unzählige entstanden!

Zu den Aktivitäten können natürlich gern auch Gäste mitgebracht werden; Abu Dhabi erfreut sich ja unter Verwandten und Bekannten in Übersee steigender Beliebtheit für Besuche. Auch für die Ehemänner gibt es mit der "GLADiesNight" ein (dann nicht rein deutschsprachiges!) Angebot. Dort können sich abends berufstätige wie nicht berufstätige GLADies und ihre Partner treffen und in lockerer Atmosphäre austauschen.


Liebevoll dekoriertes Buffet anlässlich des Muttertags

Viele Talente werden unter den Mitgliedern offenbar: Manche der GLADies bieten Kurse an (momentan Bowling, Literaturkreis, Mamas, Aquafitness und Wassersport, Quilten u.a.). Oder aber sie kümmern sich darum, dass diese Vereinigung überhaupt existieren kann! 
210 Frauen stehen im E-Mail-Verteiler, 90 davon sind (wenig!-) zahlende Mitglieder. Derzeit neun Damen lenken und leiten mit unterschiedlichen Aufgaben die Gruppe Denn  selbstverständlich gibt es bei der Organisation und Verwaltung aller Aktivitäten auch vieles im Hintergrund zu regeln. Alle regelmäßigen wie zeitweiligen Mitarbeiterinnen kümmern sich natürlich rein ehrenamtlich.

Toll, dass immer wieder Frauen bereit sind, sich zum Wohle der Gemeinschaft den berühmten "Hut" aufzusetzen. Bei einer so starken Fluktuation der Mitglieder, wie es für Expat-Gemeinschaften nun einmal normal ist, müssen sich nach dem Weggang der einen ja immer wieder neue finden! Gerade wurde die bisherige "Chefin" verabschiedet, da sie in ein anderes Land umzieht. Doch glücklicherweise hat sich bereits eine Nachfolgerin bereit erklärt. Auch nach der Sommerpause wird es also hoffentlich wieder zahlreiche interessante und verbindende Stunden von und mit den GLADies geben.


* GLADies-Homepage Neugestaltung: Philipp Los