Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Dienstag, 13. Juni 2017

Aus dem Nähkästchen: Ein Wort an potentielle Expats und "mitreisende Partner"


Da ich ja mein Leben als Expat nächste Woche beenden werde (wobei: Man denke an James Bond: "Never say never" ...), möchte ich noch ein paar Zeilen darüber verlieren.

Also ein Wort an alle diejenigen, welche vielleicht mit dem Gedanken spielen - oder bereits einen Termin haben - erstmals als Expat für längere Zeit fern der Heimat zu leben und zu arbeiten. Zumeist ist es ja so, dass bei Paaren und Familien einer die Entsendung ins Gastland erhält - und der Partner als "trailing spouse" mitzieht. Das ist immer noch in den meisten Fällen die Frau.

Und viele dieser "mitreisenden Ehefrauen" in spe haben, stellte ich häufig fest, EINE große Angst: 'Kann ich dort meine berufliche Karriere fortsetzen?' Viele wünschen sich quasi den gleichen Arbeitsplatz wie daheim, mit gleichem Gehalt (gut, vor einem besseren schreckten sicher wenige zurück) und den gleichen "Aufstiegschancen".

"Mitreisende Ehefrau"


Die Gegenfrage müsste lauten: Ist das wirklich immer wünschenswert? Es gibt einige Berufe, wo dies sicher durchaus im Gastland möglich ist. Und wo das Schulsystem (so man auch an Kinder zu denken hat) ganztägig ausgelegt ist oder man nachmittags eine Nanny engagieren kann. Nur: Nicht überall gehen alle Auslandsschulen bis spät in den Nachmittag, und nicht jeder kann sich mit einer Nanny anfreunden, die dann mit in der Familie wohnt. Oft wird dem "mitreisenden Ehepartner" jedoch auch gar kein Visum mit Arbeitserlaubnis ausgestellt.

Ich möchte diesen zweifelnden "mitreisenden Ehepartnern" Mut zusprechen, und dies durchaus ganz aus meiner eigenen Erfahrung heraus. Ich hatte in Deutschland einen prima Beruf. Doch in jedem  meiner bisher vier Gastländer habe ich einen oder mehrere, oft völlig "artfremde" Tätigkeiten ausgeübt. Und ich muss sagen: Ich würde es heute gar nicht mehr anders haben wollen! Die Einblicke in ganz andere Berufsfelder und Arbeitswelten haben mich, nach einiger Einarbeitungszeit, ungemein bereichert. Ich habe Dinge kennengelernt, von denen ich sonst sicher heute keine Ahnung hätte!

Auch durfte ich immer wieder feststellen, dass gerade jungen Müttern im Ausland viel mehr Familienfreundlichkeit entgegengebracht wird, als es in Europa denkbar wäre. Ich habe es mehr als einmal erlebt, dass ich eine angebotene Vollzeitstelle schon, leise bedauernd, ablehnen wollte, weil der Kindergarten, die Schule mittags schloss. Und was sagte der künftige Chef dann an dieser Stelle: "Oh, na wenn das so ist? Wenn die Schule nun mal mittags zumacht, dann versuchen wir mal, ob wir das nicht auch mit einer Halbtagsstelle hinbekommen!" Und - inklusive etwas Heimarbeit am PC - haben wir es dann auch immer hinbekommen.


"Was machst du denn dort den ganzen Tag, immer zu Hause?"


Selbst für den Fall, dass man im Gastland nicht so leicht eine bezahlte und dazu auch noch familienkompatible berufliche Tätigkeit finden sollte: Es gibt so viel mehr Möglichkeiten! Normalerweise reicht bei einer Entsendung dieses Gehalt für zwei oder mehr Personen durchaus aus. Ich habe in den vergangenen fast 20 Jahren Reiselebens viele bemerkenswerte Frauen kennengelernt, die sich auch - oder sogar gerade? - ohne Erwerbstätigkeit hervorragend selbst entwickelt haben! 

Frauen, welche zu interessanten, anregenden Gesprächspartnern (und auch: klugen Müttern!) geworden sind, weil sie "etwas aus sich gemacht" haben. Seien es wichtige ehrenamtliche Bereiche im Entsendungsort, die oft ohne solche engagierten Frauen brach lägen. Sei es das Eintauchen in die neue Sprache, das auch wiederum neue soziale Kontakte und damit Horizonterweiterungen mit sich brachte. Seien es Fernstudienabschlüsse, die gemacht oder bestimmte Kurse am Gastort, welche absolviert wurden und hie oder da auch künftig neue berufliche Möglichkeiten (sogar im Herkunftsland?) mit sich bringen. 
Seien es Frauen (bzw. mitreisende Männer, auch die gibt es ja), welche sich auf ihre Stärken besonnen haben und in die Selbstständigkeit gestartet sind - im ehemals gelernten oder auch im neu entdeckten Arbeitsfeld, im kleinen oder auch großen Rahmen. Nicht unterbewerten sollte man sicher auch die Zeit, die viele durch die "Freiheit vom Geldverdienenmüssen" bekamen, um sich in neuen Hobbies, Wissensbereichen oder auch Sport, Kultur und Literatur auszuprobieren, sich ständig weiterzuentwickeln, den Geist wie bei einem guten "Stretching" nach dem Sport zu dehnen und zu erweitern.

Wer immer noch Bedenken hat, wie sich solch eine "Lücke" im Lebenslauf bei Bewerbungen in der Zukunft wohl ausnehmen mag: Es sei nicht verschwiegen, dass beim Organisieren des Lebens am neuen Einsatzort in einer fremden Kultur das meiste nun mal am "trailing spouse" hängenbleibt. Einfach, weil der Entsendete oft happige Arbeitszeiten und oft dazu noch Dienstreisen zu bewältigen hat und dadurch fürs "Alltägliche" gar nicht bereitsteht. 
Sich in einer fremden Umgebung überhaupt erst einmal zurechtzufinden, sodass der Kühlschrank stets annehmbar gefüllt ist (wo kann ich was kaufen?), bei technischen Problemen im Haus Hilfe kommt (die Suche nach geeigneten Handwerkern bzw. das Prozedere, bis das Problem dann auch tatsächlich behoben ist, kann in manchen Weltgegenden durchaus ein Tage füllendes Programm werden!), man einen kundigen Arzt gefunden hat und auch ein paar Sozialkontakte geknüpft - all das sind Dinge, für die man zwar nachher keinen Orden und auch keine Gehaltserhöhung bekommt. Die aber essentiell sind, damit das Leben im fremden Land gelingt. 
Wer also später einmal so eine "Lücke" in der CV erklären muss: Es ist oft ein "Job an und für sich" mit vielseitigen Managererfordernissen unter erschwerten Bedingungen! Wer das hinbekommt, können Sie ihrem Chef in spe sagen, der ist wohl auch handelsüblichen, zentraleuropäischen Problemchen auf Arbeit gewachsen.

WAS MICH IN DER ZEIT IN DEN EMIRATEN BEREICHERT HAT:


  •    Ich habe ein Buch veröffentlicht (Näheres siehe Reiter in der Leiste oben), vieles über Publikation, PR, Drucklegung gelernt. Die  Übersetzung des ersten Buchs ins Englische angeschoben, ein weiteres Manuskript fertiggestellt und Ideen für weitere im Kopf. Außerdem konnte ich meine ersten Autorenlesungen halten.
  •    Habe einen postgradualen Abschluss als Sprachlehrerin für Erwachsene absolviert und so im Unterricht meine eigene Muttersprache mal mit den Augen von Deutsch-Schülern betrachtet.
  •    Ich habe wieder einmal meinen Horizont erweitert und u.a. festgestellt: 'Monarchie' ist nicht unbedingt und per se muffig-gestrig und ausbeuterisch. Genauso, wie 'Demokratie' nicht zwingend progressiv und zukunftsweisend sein muss. Das sind alles nur Begriffe. Entscheidend ist nicht der "-ismus", sondern das, was er mit seinen Einwohnern macht. Nicht die "Aufschrift" auf dem Kästchen zählt - man muss es schon aufmachen und hineinsehen, um festzustellen, was sich wirklich dahinter verbirgt.
  •    Ich habe Spaß - und gehörig schweißtreibendes Fitnesstraining! - gehabt, indem ich Zumba- und Bauchtanzkurse mitgemacht habe. Und zwar "kann" ich sicher nun nicht wirklich Klavierspielen, aber nach gut vier Jahren Unterricht hier zumindest einiges erkennbar musizieren. Außerdem habe ich endlich mal "richtig" tanzen gelernt - Standard und Latein querbeet (wobei: fertig ist man ja nie). Außerdem wieder unzählige Bücher gelesen....
  •    Und nicht zuletzt habe ich so viele großartige Menschen kennengelernt - und mit ihnen wieder viele kleine Stückchen mehr von der "Welt" im Großen und Kleinen kennenlernen und begreifen dürfen. 

 

Gewinn, der sich nicht mit Geld bezahlen lässt


Sicher ist kein Leben mit dem anderen vergleichbar. Noch viel weniger eines, das sich teilweise vielleicht auf einem oder gar mehreren anderen Kontinent abgespielt hat. Ich kann also am Ende nur für mich sprechen. 
Auch wenn dieses Leben als "Expat" nicht immer einfach ist, einen sehr fordert, anstrengt, ... : Ich bin froh und dankbar, dass ich diese Erfahrungen 'einsacken' durfte; ich würde es immer wieder genauso machen! 

Eines nämlich habe ich lernen dürfen - und weiß, dass dies auch unsere Kinder ganz automatisch so mitbekommen haben -: Dass es NIEMALS nur eine Art und Weise gibt, jegliche Sache zu betrachten, anzugehen, zu behandeln. Die Welt ist vielfältig und hat für alle möglichen Probleme und Erscheinungen eben auch unterschiedliche Arten, damit umzugehen. Und das ohne, dass die eine oder andere Weise "besser" wäre (höchstens auf die jeweilige Umwelt bezogen und abgestimmt). Genauso, wie Menschen viele Hautfarben, Sprachen, Kulturen haben, genauso variantenreiche sind ihre Essgewohnheiten, ihre religiösen Gebräuche, ihre Kindererziehung, die Gestaltung der Arbeitswert, das soziale Miteinander, ...

Dies alles existiert nebeneinander und könnte mehr oder minder auch harmonisch nebeneinander existieren, wenn nicht immer wieder Menschen sich dazu aufschwingen würden, "ihren" schmalen Ausschnitt an Weltsicht allen anderen als "einzig wahr und richtig" überstülpen zu wollen. 

Dass es jedenfalls MÖGLICH ist, die Vielfalt der Menschen friedlich zu vereinen, habe ich in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit seiner "Schmelztiegel"-Zusammensetzung erleben dürfen und werde es stets als Beispiel im Herzen bewahren.


Die Farben sind verschieden, auch ihr "Charakter" - Äpfel sind und bleiben sie. Das ist bei Menschen nicht anders.
Weitere Gedanken zum Thema "mitreisender Ehepartner" gibt's in diesem Blogbeitrag!


Quelle Bild top: http://www.gbpicsonline.com,
 Bild "Vielfalt statt Einfalt": http://www.aidshilfe-rlp.de/wp-content/uploads/2016/02/Aktionsb%C3%BCndnis-Vielfalt-statt-Einfalt.png

Donnerstag, 8. Juni 2017

Auf Safari in Al Ain


Der Zoo von Al Ain ist schon länger nicht nur ein beliebtes Ausflugsziel für die Emiraties und ihre Gäste, sondern auch eine renommierte Bildungs- und eine moderne Forschungs-und Zuchtinstitution.

Seit einigen Monaten nun hat sich das Angebot des Zoos für die Besucher noch einmal beträchtlich um eine weitere Attraktion vermehrt: Sieben Jahre lang wurde am neuen, direkt anschließenden Safari-Park gebaut. Entstanden ist ein großes Gelände mit afrikanischen Tieren, das man im Großraumgefährten für max. 26 Personen oder auch im klimatisierten SUV durchqueren kann.Täglich werden diverse Touren angeboten.




Safari-Park des Zoos Al Ain mit derzeit afrikanischen Wildtieren
Wir hatten, mitten im heißen Juni und dazu noch Ramadan, eine Sonnenuntergangstour im SUV gebucht. Zwar mit 1000 Dhs nicht gerade billig, doch wenn man mit bis zu 6 Personen kommt, ist es dann doch relativ moderat.
Der junge emiratische Fahrer brachte uns zu den einzeln und in Gruppen herumstreifenden Tieren: Gazellen aller Art, Vögel, Zebras. Auch die Giraffen sind meist unterwegs, erwarteten uns jedoch bei unserem Ausflug lieber - die Füße im Teich nahe der Besucherplattform kühlend - in Erwartung ihrer abendlichen Karottensticks. Diese hatte unser Guide praktisch in Streifen geschnitten in der Tupperdose extra für uns dabei.
Die Löwengruppe befindet sich zur Sicherheit auf einem mittels Graben abgetrennten Gelände.

Die kleine Giraffenherde erwartete ihre abendlichen Karotten aus unserer Hand an der Besucherterrasse


Sonnenuntergangsstimmung bei den Gazellen















Bemerkenswert fand ich, dass diese Wildtiere im Laufe ihres bisherigen Safaripark-Aufenthalts dermaßen an Mensch und Auto gewöhnt worden sind, dass sie nicht nur die Köpfe in den Wagen stecken, sondern der Fahrer oft regelrecht Mühe hatte, nach einem weiteren Fotostopp wieder anzufahren, weil sie mit ihrer Flanke gemütlich schon fast am Auto lehnten ...

In den kommenden Jahren, so erfuhren wir, soll das Safari-Gelände, dem architektonisch hübsch angepasste Versorgungs- Souvernir- und Gastronomie-Gebäude vorgelagert sind, noch einmal um etwa die gleiche Ausdehnung mit einem "Asien"-Park erweitert werden soll. Zudem sind ringsherum Hotels mit Blick auf die Anlagen vorgesehen.


Das Sheikh Zayed Desert Learning Center, ein Museum über das Leben in der Wüste - mitten im Zoo Al Ain -, ist nicht nur thematisch, sondern auch architektonisch interessant

Der neue Zoo-Teil beherbergt überdies neue, weitläufig-moderne Gehege, einen anregenden "Garten der Sinne" mit vielen Probier-und Mitmachmöglichkeiten für die ganze Familie. Und das hat ganz besonders abends etwas sehr Spannendes; ein nächtlicher Zoo-Besuch während des Ramadans ist also so eine Art Geheimtipp.

Als Juwel kann man wohl auch das Sheikh Zayed Desert Learning Center bezeichnen. Dieses Museum bietet einen Überblick über alles, was mit dem Thema "Wüste" verbunden ist - geografisch, Tierwelt, aber auch Mensch und Wüste. Abends wirkt dieses architektonisch außergewöhnliche Gebäude mit seiner Beleuchtung wie ein von einem fremden Stern mitten im Zoo gelandetes Riesenobjekt!

"Garten der Sinne" mit u.a. täuschend echt nachgebauten Termitenhügeln im neuen Teil des Al Ain Zoo


Neues Hotel in Al Ain: das Aloft


Übenachtet haben wir im noch ganz neuen ALoft Hotel Al Ain. Direkt neben dem ebenfalls neuen Hazza Bin Zayed Stadium und dem anschließenden Wohnviertel gelegen, hat man vom Pool auf dem Dach einen schönen Rundumblick über diese grüne Stadt, u.a. auf den höchsten Berg der VAE, den Jebel Hafeet, an der Grenze zum Oman. 
Das Restaurant und die Poolbar bieten übrigens sehr innovative, moderne Fusionsküche - unbedingt empfehlenswert. 

Die Zimmer sind modern und angenehm günstig. Es gibt mehrere Restaurants bzw. Bars im Haus. Sehr angetan waren wir vom Iftar-Buffet im "Olive Tree" - Service und Speisenangebot waren auch hier sehr erfreulich.

Einfallsreiche Desserts beim Abendbuffet

Typische arabische Gewürze als Deko-Elemente im neuen Hotel der Oasenstadt Al Ain
  
Blick über den Infinity-Pool auf dem Dach des Aloft-Hotels Al Ain hinweg

Montag, 13. Juni 2016

Schule während des Ramadan



Während des Fastenmonats Ramadan ist ja alles etwas anders. Natürlich kann man von den muslimischen Schülern kaum verlangen, von Sonnenauf- bis -untergang weder zu essen noch zu trinken (ca. ab Pubertät). Vor allem Letzteres ist hart, wenn der Ramadan so wie jetzt auf die heißen Sommermonate fällt! Und dann trotz des Fastens doch ganz normal zumeist volle acht Stunden dem Unterricht zu folgen, Tests zu schreiben, im Sport Höchstleistung zu bringen, später daheim Präsentationen vorzubereiten usw.

Das Bild deutet es ja schon an: Viel Arbeits- oder Lernkraft kann man von Fastenden sicher nicht erwarten.....

Also gibt es in diesem Monat Veränderungen: Der Unterricht beginnt früh eine halbe Stunde später, die einzelnen "Stunden" sind dann auf jeweils gut 30 Minuten verkürzt. Auch besser so, denn in vielen muslimischen Familien ist man ja derzeit eher nachts auf - da gibt es dann am nächsten Tag schon mal müde Augen. Folglich endet der Unterricht auch entsprechend eher. Ein schönes Beispiel von "Wer später kommt, kann eher gehen".

Alle Tests sind geschrieben, am Sportunterricht nimmt nur teil, wer dafür fit ist. Und hier kommen sie ins Spiel - die nicht-muslimischen Schüler -, wie z.B. die an der Deutschen Schule Abu Dhabi, aber natürlich auch alle ähnlichen internationalen Einrichtungen in den VAE.
Es wäre selbstredend schwierig, alle oben genannten Einschränkungen nur für die fastenden Schüler einzuhalten, aber für den "Rest" der anders- oder nichtkonfessionellen Kinder und Jugendlichen "business as usual" durchzuziehen.

Deshalb kommen auch diese während es Ramadan morgens später... und gehen nachmittags eher! Da der Unterrichtsstoff für dieses Schuljahr weitgehend "durch" ist, versuchen die Schüler natürlich, die Lehrer zum Ansehen von (mehr oder minder) "unterrichtsrelevanten" Spielfilmen zu überreden; Hausaufgaben gibt es momentan auch keine. Also nicht nur unseren Töchtern gefällt in dieser Hinsicht der Ramadan sehr gut!

Dafür nehmen die Schüler auch gern inkauf, dass nun im Klassenzimmer oder auf dem Pausenhof nicht gegessen oder getrunken wird, um es den fastenden Mitschüler nicht allzu schwer zu machen. Natürlich beteuern die weitaus meisten Moslems, dass es für sie "no problem" sei, wenn Nicht-Moslems in ihrer Anwesenheit genüsslich ihr Pausenbrot kauen oder eine halbe Flasche Limonade in sich hineingluckern lassen, denn: "Fasten ist privat".

Blick durch halbgeschlossene Türen: An der GISAD dient momentan auch ein Vorbereitungsraum als Frühstücks-Oase für Nicht-Moslems. Wen der Hunger oder Durst packt, stört sich dann sicherlich nicht am eher etwas drögen Ambiente...

Es dann aufgrund dieser Erklärung jedoch tatsächlich zu machen, wäre wohl trotzdem nicht sehr rücksichtsvoll, finden die meisten der anderen - und lassen es daher aus Respekt bleiben. Damit nicht mit-fasten muss, wer gar nicht will, gibt es derzeit an der Schule - neben der üblichen, weiterhin geöffneten Cafeteria - extra ausgewiesene Räume, wo man ebenfalls in Ruhe sein Frühstück oder Mittagsbrot verzehren kann.

Und so "haben" alle Schüler etwas vom Ramadan: Die einen, weil ohnehin der heilige Monat ein Höhepunkt im Jahreslauf für sie ist. Die anderen, weil sie von den damit verbundenen Annehmlichkeiten partizipieren. Auch abends lassen sich viele nicht-moslemische Familien derzeit in den Hotels und Restaurants bei vielfältigen Iftar-Buffets nach Sonnenuntergang die einheimischen wie auch internationalen Köstlichkeiten munden. Feiern und essen sind wohl in allen Kulturen dieser Welt eng miteinander verzahnt!

... nachts wird im heiligen Monat dann die Nacht zum Tag gemacht. Allerdings sollte auch noch karitativer als sonst gelebt werden!


Grafiken: http://fumano.com/blog/1218/ramadan-alles-%C3%BCber-das-fromme-fasten/

Montag, 6. Juni 2016

Schnäppchenjagd im Ramadan 2016


Ramadan karim - alles Gute zum Ramadan!

Ramadan - der heilige Monat der Moslems nach dem Mondkalender - hat heute begonnen. Hervorstechendste Kennzeichen vor allem für Außenstehende: Zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang darf der Gläubige weder essen noch trinken. Heute Aufgang: 5.32 Uhr , Untergang: 19.10 Uhr.  Dieses Jahr keine leichte Herausforderung, da der Ramadan in "unserem" Juni beginnt (kommendes Jahr dann wiederum 10 Tage früher....) und die Temperaturen nun tags konstant über 40°C bleiben. Aber darum geht es ja: Disziplin und Willensstärke trainieren und beweisen...

Im Ramadan laufen die "Uhren" in den muslimischen Ländern in mancherlei Hinsicht anders. Nicht nur, dass Unterrichts- und Arbeitszeiten verkürzt und manchmal auch verlegt sind. Dies gilt in besonderem Maße für Arbeiter, die im Freien arbeiten müssen; deren Zeiten sind vom Minstry of Labour sowohl um zwei Stunden pro Tag verkürzt als auch oft von den Firmen in die erträglicheren Nachtstunden verlegt. Inspektoren überwachen unangekündigt die Einhaltung dieser Schutzzeiten.

Das öffentliche Leben kommt auch in anderen Sphären unter der heißen Tagessonne weitgehend zum Erliegen und dafür nachts erst richtig in Gang. Geschäfte sind zwar oft tags und bis tief in die Nacht hinein geöffnet, doch die Restaurants (bis auf einige wenige für westliche Expats) geschlossen. Gefeiert wird in diesem Monat jede Menge (wenn auch nicht gerade mit Musik und Tanz, aber mit festlichen Essen, Verwandtenbesuchen etc.). Straßen und Geschäfte sind festlich dekoriert und allerorten gibt es "Ramadan discounts" (Preissenkungen). Ein bisschen erinnert mich die Stimmung immer an unsere westliche Adventszeit.

Eine Art Brennglas stellt für mich der gewöhnliche Supermarkt dar. Vielleicht, weil jeder und jede dort regelmäßig hinkommt, unabhängig von Alter, Nationalität, Religion,... Gestern war ja noch kein Ramadan und ich vermeinte, meine Wocheneinkäufe noch in relativer vormittäglicher "Ruhe" abwickeln zu können.
Welch ein Irrtum! Schon der Zufahrts-Verkehrskreisel war ungewöhnlich verstopft. Ich vermutete einen Unfall und umfuhr die Stelle - nur um dann ebenfalls im Stau zu landen! Denn alle Welt schien zur gleichen Zeit zum Einkaufen zu streben, das Parkhaus war schon 11 Uhr überfüllt. 

Verabredungen zum Frühstück, morgens um vier im Café...


Und erst im Supermarkt selbst!... Überproportional viele emiratische Familien stürzten sich auf die zahllosen Sonderangebote. Während Mutter Schnäppchen bei den Haushaltreinigern jagte, stapelte Vater verbilligten Reis in 10-kg-Paketen in den Wagen; und die Kinder waren selbstredend in den Süßigkeitenregalen "eingetaucht", um den Großpack Snickers und Mars zum Ramadan-Preis zu ergattern. 

Oft nicht nur ein, sondern gleich zwei oder gar drei Einkaufswagen wurden bis über den Rad beladen. In den Gängen zwischen den hohen Regalwänden kaum ein Durchkommen: Menschenmengen, im Wege stehende Einkaufswagen, dazwischen immer wieder temporäre Regale mit Ramadan-Sonderrabattware. Die Regale selbst, sonst immer bestens gewartet, wo kaum mal eine Dose oder eine Tüte fehlt, waren teilweise leergeräumt. Supermarkt-Angestellte mit großen Palletten-Transportern versuchten sich in dem Trubel durchzukämpfen und die Lücken bei den extra verbilligten Keksen, Datteln, Waschmittel, Nudeln, Antifaltencreme oder Toastbrot zügig aufzufüllen.

Ich musste schmunzeln - was blieb mir in der ungewohnt langen Schlage an der Kasse auch anders übrigt: Während ich es ja auch aus Deutschland kenne, dass die Leute sich kurz vor den Weihnachtsfeiertagen mit Lebensmitteln eindecken, als bräche im ganzen kommenden Jahr eine Hungersnot aus.... - hält diese Phase hier in den VAE während es Monats Ramadan viel länger an. Selbst Mercedes & Co. gibt es momentan in den VAE viel billiger, wenn man z.B. der Radiowerbung glauben will.

Doch nicht nur zu Hause tafeln die Emiratis nun jeden Abend nach Sonnenuntergang kräftig. Auch unzählige Restaurants locken mit "Iftar"-Buffets zum abendlichen Fastenbrechen. Viel interessanter noch finde ich persönlich allerdings die fast genauso zahlreichen Restaurant-Offerten zum "Sahur": dem Morgenmahl, das bis zum Sonnenaufgang dauern darf! Wäre ich nicht so ein Morgenmuffel, würde ich am liebsten einmal selbst erleben, wie muslimische Familien sich putzmunter, füh um zwei (!), mit Freunden und Verwandten in die Gaststätte begeben. 
Ob es strafende Blicke gibt, wenn jemand beim ersten Ton des Rufs zum Morgengebet noch schnell mit vollen Backen gierig etwas hinterkaut? :-)


Bild: https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEh-q_oC20bIjN1_j5KiZ4jQ6UQ0GzS37U1pETRhjI5KQ8iTuNypyBbCdslXVQZX1-olLLD8er_CyR2a8rqEq94sV7zYNCCYHPctQkgq3qpik05CL9VG_hca0ypjerrM0mEcVvRhrs7qkRhJ/s1600/ramadan_kareem_wallpaper_by_gabriel_3x-d56amfu.jpg


Samstag, 27. Juni 2015

"Notfallpaket" zum Fastenbrechen für Autofahrer


Wir sind mitten drin im Ramadan. Selbst, wenn wir gar nicht am Fasten beteiligt sind, denn natürlich  wirkt sich der veränderte Rhythmus auch am Rande auf den Alltag der hier lebenden Ausländer aus. (s. vorige Posts).

"Iftar"-Paket für Autofahrer, die nicht rechtzeitig daheim sein werden

Der Ramadan ist ja eine Zeit, in welcher Moslems besonders viel und gern Zeit mit Familie und Freunden verbringen; auch die Restaurants sind abends zur Zeit des Fastenbrechens (Iftar) ungewöhnlich voll. In Lokalen mit á la carte-Menü wird bereits eine Weile zuvor bestellt, so dass dann das Essen schon kurz vor Sonnenuntergang auf dem Tisch steht. Mit Beginn des Gebetsrufs kann der bis dahin nur mit Blicken 'verschlungene' Teller dann in Angriff genommen werden.

Wir haben unlängst abends in einem Hotal an einem der unzähligen Iftar-Buffets teilgenommen; da bietet es sich für Nicht-Moslems natürlich an, etwas später zu erscheinen, damit der Ansturm zu Iftar sich bereits etwas gelegt hat.

Eine rührende Geste erlebten wir gestern Abend an einer roten Ampel. Es war kurz vor Iftar - die Sonne stand schon rot und ganz tief im Westen. Einige Männer, Frauen und Kinder - bekleidet mit neongelben Warnwesten - verteilten an die dort wartenden Autofahrer, welche es nicht mehr pünktlich bis zum Fastenbrechen nach Hause oder in ein Restaurant schaffen würden, "Iftar"-Pakete! Darin befindlich: labendes Wasser, Datteln und kleinen Erdbeer-Kuchen.

Eine großzügige Aktion der Freiwilligen, welche da - sicher auch nicht gänzlich ungefährdet - in der immer noch drückenden Spätnachmittagshitze von Fahrerfenster zu Fahrerfenster eilten, so lange die Ampel auf Rot stand. Immerhin hatten sie ja selbst den ganzen Tag schon nichts gegessen oder getrunken...



Donnerstag, 18. Juni 2015

Ramadan karim!


Es ist soweit: Die neue Monsichel wurde gesichtet - in der muslimischen Welt hat der heilige Monat Ramadan begonnen.

Allen, welche die Regeln für diese vier Wochen befolgen, wünsche ich eine Zeit innerer Einkehr und freudvoller Abende mit Familie und Freunden zu Iftar!

                      Unsere Wohnanlage: Dort, wo im Dezember ein riesiger, künstlicher Weihnachtsbaum steht,                                                     schmückt momentan die Ramdan-Dekoration.

Auch die Nicht-Moslems sind darum gebeten, in dieser islamisch geprägten Umgebung hier -  mit Rücksicht auf die Fastenden - ihr Verhalten in der Öffentlichkeit anzupassen. Dass man beispielsweise vor jemandem, der gerade weder isst, noch trinkt, nicht genüsslich sein Pausenbrot verzehrt oder aus der Wasserflasche etwas vorgluckert... ist sicher ein Gebot ganz normalen, menschlichen Anstands.

Auch für die Schüler der Deutschen Schule Abu Dhabi z.B. - ob Muslime oder nicht - verändert sich nun manches. Morgens geht der Unterricht eine halbe Stunde später los, mittags bzw. nachmittags ist eine halbe Stunde früher Schluss. Wer von den muslimischen Schülern gegenwärtig nicht aktiv am Sportunterricht teilnehmen möchte, kann sich auch an den Rand setzen; außerdem gibt es im schuleigenen Moschee-Raum eine Ruhezone. Alle Nicht-Fastenden jedoch können ihr Frühstück in der Cafeteria einnehmen (nicht jedoch im Klassenzimmer).
http://techuloid.com/wp-content/uploads/2015/06/4.jpg

Für die meisten Kinder und Jugendlichen sind das - im Hinblick auf ihre arabischen Mitschüler - leicht zu verkraftende Einschränkungen. Die Christen unter ihnen möchten ja wiederum auch, dass sie an den Weihnachtstagen hier frei bekommen und "ihr" Fest feiern können! Rücksichtnahme und Toleranz ist wieder einmal das Zauberwort.


Montag, 15. Juni 2015

Ramadan kommt!


Der Kaffee, der Diwan, die Lupe und Brille, die Arithmetik, die Al-gebra, der Al-kohol, die Chirurgie, die Gitarre, die Zahnbürste, die (Al-)Chemie und auch unser Zahlensystem u.a. ... hat die europäische Kultur aus Arabien übernommen.
Im Gegenzug sind - wie das im Handel und Wandel der Völker und Kulturen über Jahrhunderte hinweg ganz normal ist - natürlich auch viele europäische Erfindungen in den arabisch-/islamischen Kulturkreis geflossen.

Ich habe unlängst eine reizende kleine Entdeckung gemacht, von der ich mal behaupte: Das haben sich die Muslime hier "bei uns" (Abendländern) abgeguckt! Als ich in einem der riesigen Supermärkte einkaufte, der - genau wie die Straßen und Shopping Malls inzwischen -  großartig dekoriert für den heiligen Monat Ramadan ist (ein Pendant zur westlich-/christlichen Advents-Deko), sah ich doch den hier:

"Ramadan-Kalender" 

Je nachdem, wann die Gelehrten am nun kommenden Mittwoch oder Donnerstag den allerersten winzigen Streif der neuen Mondsichel erkennen können, ist das gewissermaßen der "Startschuss" zum Beginn des im islamischen Kalender 9. Monat, dem Ramadan, in welchem u.a. von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang gefastet wird.

Traditionell erfolgt das abendliche Fastenbrechen nach Sonnenuntergang mit einer Dattel, dieser sehr nahrhaften Frucht der Dattelpalme.

In diesem hübschen Kalender, welcher doch erstaunlich unseren Adventskalendern ähnlich sieht, findet das Kind (oder der Erwachsene?) denn auch nicht etwa vorweihnachtliche Lebkuchen oder Marzipan und Schokolade - sondern eben eine Dattel: Mal mit Pistazie, mal mit Mandeln oder Rosenwasser-Zuckerguss gefüllt und verziert! So soll die Wartezeit auf das dreitägige Fest zum Fastenbrechen; Id al-Fitr, versüßt werden.

Mir gefällt diese Adaption unseres Adventskalenders. Anstatt Christbaumbild mit Geschenken sieht man hier passenderweise eine Moschee und die tägliche, aktuelle Mondphase angezeigt.
Auch wenn ich nicht faste, so werden wir ab dieser Woche nun mit Einbruch der Dunkelheit jeden Tag eine Dattel aus dem Ramadan-Kalender holen.

Hier noch ein Blick in eine der vielen Shopping Malls - sogar die Ramadan-Dekoration mit den vielen Sternen und dem Glitzer haben für mich etwas vor-weihnachtliches. Was allerdings dann mit  Außentemperaturen von über 40°C doch gefühlsmäßig ziemlich kollidiert...


Ramadan-Schmuck in der Delma Mall

Mittwoch, 30. Juli 2014

EID MUBARAK! Feiertage in der islamischen Welt


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http://muslimvillage.com/2012/08/18/26300/eid-el-fitr-2012-follow-us-for-eid-location-prayer-times-info/

Ein herzliches EID MUBARAK allen unseren moslemischen Freunden!

Momentan feiern alle Moslems, welche in den vergangenen 28 Tagen gefastet haben, das Fest des Fastenbrechens, Eid al-Fitr (gesprochen: Iid al-Fitr). Da während dieses Höhepunkts im islamischen Jahr große Mengen an Süßigkeiten zubereitet, gekauft, verschenkt und natürlich auch gegessen werden, heißt es auch "Zuckerfest".

Nach dem morgendlichen Gebet beglückwünscht man Familie, Verwandte, Freunde. Festliche Kleidung wird getragen, die Frauen verzieren ihre Hände mit Henna-Bemalung. Während Eid al-Fitr sind öffentliche Einrichtungen, Schulen, Banken, Behörden und viele Läden geschlossen. Außerdem entrichten die Gläubigen ein spezielles Eid-Almosen für Bedürftige.

Die fröhliche Feierlaune wird auch dieses Jahr überschattet von den teils sehr blutigen Unruhen in Teilen der islamischen Welt. Ich wünsche allen Menschen, unabhängig von Religion und Kultur, dass Frieden werden möge.

Montag, 14. Juli 2014

Dattelpalmen und "Wüstenbrot"


Eine alte Legende im Orient besagt: "Als Allah den Menschen erschaffen hatte, blieben ihm zwei Tonklumpen übrig. Aus diesen formte er die Dattelpalme und das Kamel."


Die Dattelpalme ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Erde. Kaum vorstellbar - doch je heißer die Sonne brennt, je trockener das Klima ist, desto höher werden die Stämme (bis zu 30 m!) und desto schmackhafter die Früchte! Die Wurzeln des Baumes können widerum bis zu 30 Meter in die Tiefe vordringen. Diese Reichweite genügt meistens, um an die Grundwasser führenden Schichten zu gelangen. Dattelpalmen müssen in solchen Fällen gar nicht bewässert werden.



Datteln reifen in großen Büscheln an der Palme


Die Dattelpalme, lateinisch Phoenix, ist eine in der Alten Welt heimische Gattung; es gibt insgesamt 14 unterschiedliche Arten. Kennzeichnend sind die zu Dornen umgewandelten unteren Blättchen der Fiederblätter. Die Gattung ist von den atlantischen Inseln vor Afrika über ganz Afrika einschließlich Madagaskar, im Norden Kretas, von der Süd-Türkei über den Nahen und Mittleren Osten, Indien bis nach Hongkon, Taiwan, die Philippinen, im Südosten bis zur Malaiischen Halbinsel und Sumatra verbreitet.

Nicht nur die Früchte, sondern auch alle anderen Teile der Palme werden von den Menschen genutzt:

Palmwedel
Zäune, Matten, Körbe, Besen

Datteln
Nahrung, Export

Dattelkern
zerkleinert als Viehfutter

Stamm
Bauholz,Brennholz

Fasern
Säcke und Seile

junge Palmblätter
können als Salat gegessen werden

Saft aus dem Stamm alter Bäme
Palmwein



Datteln... "Brot der Wüste" und Leckerei zugleich


http://www.digicube.de/gallery,pic37,verschiedene-dattel-sorten.html
Ein einzelner Dattelbaum kann bis zu 100 Kilogramm Früchte liefern, trägt aber nur alle zwei Jahre. Es gibt einige hundert verschiedene Sorten, die alle ihre Namen haben! (auf dem Bild rechts eine Auswahl)

Angebaut werden die Bäume in Palmengärten. Ihre Laubblätter sind zu Wedeln umgebildet. Nach einer Fruchtreife von fünf bis sechs Monaten erscheinen die einsamigen Früchte, die botanisch zu den Beeren gehören. Es sättigt gut und schmeckt honigsüß. Im Inneren sitzt ein harter, walzenförmiger Samenkern. Von außen schützt eine ledrige Schale.





 
Was also uns Deutschen unsere Apfelsorten, sind den Arabern ihre Datteln. Vielfältig in Größe und Farbe, ist auch der Geschmack völlig unterschiedlich - von Konsistenz und Aroma getrockneter Rosinen bis hin zum butterweichen Schmelz, der an Karamell oder Toffee erinnert. 


Datteln sind reich an Zucker und haben einen entsprechend hohen Kaloriengehalt (100 g frische Datteln haben ca. 280 kcal). Das brachte ihnen den Namen „Brot der Wüste“ ein. Ballaststoffe, Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium und Magnesium sowie B-Vitamine machen sie zu einer gesunden Nascherei. Der Gehalt der Aminosäure Tryptophan ist besonders interessant. Aus Tryptophan entsteht im Körper das Hormon Melatonin, das eine Bedeutung für den Schlaf-Wach-Rhythmus hat.

Datteln - die Iftar-Speise: Zum Fastenbrechen bei Sonnenuntergang während des Fastenmonats Ramadan trinken die Moslems das erste Wasser seit dem frühen Morgen und essen ein paar Datteln, bevor sie sich in die Moschee zum Gebet aufmachen. Die "trocken gespeicherte" Energie in den Datteln reicht aus dafür, bis es anschließend dann das große abendliche Festmahl gibt.

Momentan wird die Dattelpalme und ihre Frucht gerade in Liwa, der für ihre hochwertigen Datteln berühmte Oase im Süden des Emirats Abu Dhabi gefeiert: Das Liwa-Dattelfestival

Datteln - Exportschlager aus den Vereinigten Arabischen Emiraten


Doch auch rund ums Jahr sind Datteln beliebt - als Souvenier von Orienreisende genauso wie für die Einheimischen als Knabberei zwischendurch oder sogar als elaborierte Süßigkeit. Traditionell gefüllt mit Nüssen, Pistazien oder Mandeln und kandierten Früchten, oder aber modern mit weißer -, Milch- oder Zartbitterschokolade umhüllt und wie Pralinés verpackt sind emiratische Datteln eine Augenweide und Gaumenfreude der Extraklasse.

Elegant verpackt, mit Mandeln gefüllt und Schokolade umhüllt, zergehen diese Datteln als Konfekt auf der Zunge!

 




Sonntag, 6. Juli 2014

Ramadan: Vom Fasten und Feiern

Es ist wieder Ramadan, der islamische Fastenmonat. Nicht, wie jedes Jahr zu dieser Zeit, denn da das islamische Jahr sich nach dem Mondkalender richtet und damit ca. 11 Tage kürzer ist als unseres, "wandern" die islamischen Feiertage quasi rückwärts durch unseren Kalender hindurch. Etwa aller 33 Jahre fällt demnach der Ramadan wieder auf die gleiche Anfangszeit.

Die momentanen Jahre hindurch ist das Ramadan-Fasten besonders anstrengend, da im Sommer die Tage ja besonders lang (ca. 13 Std. zwischen Sonnenauf- und -untergang) und heiß (bis zu 50°C im Schatten!) sind. Fällt der Ramadan dann wieder auf den Winter, erleichtert das die Sache für die Moslems natürlich erheblich.

Da unter Nicht-Moslems doch häufig einige Verwirrung herrscht, was den heiligen Fastenmonat für Anhänger des Islams betrifft, möchte ich daher hier einmal einige Fakten zusammenfassen.

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Was heißt es, den Ramadan einzuhalten?


Ramadan wird der 9. Monat des arabischen Kalenders genannt. Während dieser 30 Tage fasten die Gläubigen exakt von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang (der Ruf des Muezzins von der nächstgelegenen Moschee gibt den Zeitpunkt vor). "Fasten" im Islam heißt - anders als in anderen Religionen, z.B. auch der katholischen Fastenzeit von Aschermittwoch bis Ostersonntag -, dass jegliche Nahrungsaufnahme inklusive des Trinkens nicht erlaubt ist.
Außerdem umfasst das Gebot auch rauchen, Sex und andere "weltliche" Vergnügungen. So sind die Fernseh- und Radioprogramme in dieser Zeit darauf ausgerichtet: Die Musik etwas traditioneller, dazu zahlreiche exklusiv religiöse aber auch kulturelle oder andere Bildungsinhalte stehen im Vordergrund. Ramdadan soll für alle Gläubigen eine Phase besonderen Willenstrainings und spiritueller Beschäftigung sein.
Nicht zuletzt soll es auch Verständnis für Menschen wecken, welche wegen ihrer Armut leider außerhalb des Fastenmonats zu oft von Hunger geplagt werden - Spendenaktionen für Arme und Bedürftige im In- und Ausland erreichen nun ihren Höhepunkt. (Die "Zakat" - die obligatorische Spende an Notleidende - gehört ja ohnehin für jeden Moslem als einer der "Fünf Säulen des Islam" zum Alltag.)

Von den strengen Fastenregeln ausgenommen sind Kinder, Alte, Kranke, Schwangere, Stillende, menstruieren Frauen und auch Reisende. Allerdings sollte man diese "entfallenen" Fastentage dann  zu einem anderen Zeitpunkt nachholen.
Eine Arbeitsbefreiuung gibt es für die Fastenden nicht! Allerdings sind die Arbeitsstunden verkürzt; vor allem für Arbeiter, die unter den teils heftigen klimatischen Bedingungen draußen tätig sind, gelten strenge Vorschriften.
Während des Ramadans steht das ganze soziale Leben mehr oder minder kopf. Man ist die ganze Nacht über auf. Wenn es für die meisten islamischen Ländern ohnehin üblich ist, dass man bis spät abends z.B einkaufen geht, so kann es einem während des Ramadans durchaus passieren, dass man auch mal einen Behörden- oder Arzttermin gegen Mitternacht erhält!

Festliche Zeit


Wer nun glaubt, dass dieser Fastenmonat für die Moslems eine traurige Angelegenheit sei, der irrt. Meist wird der Ramadan als Höhepunkt des Jahres erlebt. Mit den Kindern wird in der Zeit oft gebastelt. Ich habe sogar für die Kinder besondere Kalender gesehen, welche für jeden Tag dieses Monats ein Türchen oder Säckchen mit einer kleinen Leckerei bereit halten.....
Die Straßen und Läden sind über und über mit festlichen "Ramadan Karim"-Dekorationen und Lichterketten geschmückt, allerorten gibt es "Ramadan"-Preisnachlässe und Spezialangebote. Iftar, das Fastenbrechen zum Sonnenuntergang, wird Abend für Abend im Kreise der Familie und oft auch mit Freunden feierlich zelebriert (dafür kochen die Frauen schon Stunden zuvor....)  Es gibt ganze Kochbücher, welche sich ausschließlich besonderen Ramadan-Gerichten widmen, die es traditionell nur während dieses heiligen Monats zu essen gibt.
Auf den Straßen sollten man kurz vor Iftar möglichst nicht unterwegs sein - nicht nur mag beim einen oder anderen nach einem heißen Tag ohne Essen und vor allem Trinken die Reaktionsfähigkeit im Straßenverkehr etwas gemindert sein. Vor allem versuchen natürlich alle, pünktlich zum Fastenbrechen wieder daheim zu sein - also: Hupen, Rasen und Drängeln....

Höhepunkt des einmonatigen Tages-Fastens ist das Fest "Id-al Fitr" ("Zuckerfest"). Drei Tage lang wird das erfolgreiche Bestehen des Ramadans gefeiert. Jeder Moslem trägt neue Kleidung, die Kinder erhalten Süßigkeiten und Geschenke, vor allem aber besucht man sich untereinander.
Bis auf das Fasten im Tageslicht erinneren mich die Bräuche während es religiösen muslimischen Monats in vielerlei Hinsicht an unsere westliche "Advents"-Zeit...

Wenn das Umfeld nicht recht zum Inhalt des religiösen Fests passt....


Ortsschwenk von den Emiraten - etwa 5000 km Luftlinie weiter westlich. Eine Kleinstadt im Sächsischen. Der lokale Döner-Dealer füllt routiniert unsere Brottaschen. Mein Blick fällt auf ein Faltblättchen mit der Überschrift "Ramadan", das neben seiner Glastheke zum Mitnehmen ausliegt. Ich frage den türkischen Gastronomen, ob er denn auch fastet - dabei schweifen meine Augen über die so einladend aussehenden wie vor allem duftenden Zutaten. "Ja, natürlich, ich faste", gibt er freundlich zurück. Ich mache ihm ein Kompliment für seine Willensstärken. Denn während in den muslimischen Ländern ja tagsüber keine Gaststätten oder Imbisse geöffnet haben - ist hier in Deutschland die "Versuchung" natürlich wesentlich stärker. Und auch: Der Tag länger, denn unter nördlicheren Breiten geht die Sonne ja nicht nur früher auf als im Orient, sondern auch noch später unter!

Ein besonderes Dilemma tut sich für Moslems auf, welche nahe den Polgebieten wohnen, wenn der Ramadan auf die Sommermonate (Südhalbkugel: Wintermonate) fällt. Zwar ist es dort nicht so brütend heiß, dafür der helle Anteil des Tages überproportional lang - im Extremfall wird es gar nicht dunkel! Das stellt Moslems, die es in diese Weltregionen verschlagen hat, vor erhebliche Probleme, denn im Extremfall müssten sie dann alle Mahlzeiten und Gebete in weniger als einer Stunde unterbringen!
Die Islam-Gelehrten sind sich uneins: Während einige Imame verlangen, dass dies buchstabengetreu genauso (absurd) gehandhabt werden müsse wie vorgeschrieben, lassen etwas liberalere und realistischere muslimische Theologen verlauten, dass man sich nach den Sonnenzeiten in Mekka richten dürfe, wenn der "eigene" Tag länger als 18 Stunden Tageslicht nonstop mit sich bringt.
Wer sich für diese Besonderheit interessiert: Ich habe hier zwei Beiträge hinzugefügt.

Fasten in den weißen Nächten

Wenn die Sonne nie untergeht