Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Montag, 3. April 2017

Mars-Menschen made in UAE

Ich würde es nicht als Luftschloss bezeichnen. Es wird nämlich ein ... Mars-Schloss! 

Hat jemand vergangenes Jahr den Film "Der Marsianer" mit Matt Damon als allein auf dem Mars vergessenen Angehörigen einer Mars-Expedition gesehen? Wirkte jetzt nicht direkt einladend, die karge, beeindruckende, für Wüstenbewohner aber eher "gewohnte" Szenerie mit der lebensfeindlichen Atmosphäre da.

Im Inneren der geplanten Mars-Kolonie

Wenn man den Bildern glaubt, welche jüngst anlässlich der Einweihung des "Mars 2117 Project" der Vereinigten Arabischen Emirate gezeigt wurden, soll es ja in hundert Jahren dort ganz gemütlich für Erdlinge werden, welche den Mars besiedeln wollen.

Die hochfliegenden Pläne wurden vor kurzem bei einem Gipfeltreffen der Regierungen dieser Welt vor Vertretern aus 138 Ländern enthüllt.

Vorausgehen soll der Besiedelung eine Reihe von Forschungen, die sich hauptsächlich um Transport, Energiegewinnung und Nahrungsmittelerzeugung auf dem Mars drehen - warum kommt mir jetzt automatisch eine bestimmte Stelle aus o.g. Film in den Sinn? (Wer ihn kennt, weiß, welche ich meine ... :-)  )

Sheikh Mohammed Bin Zayed Al Nahyan, Premierminister und Kronprinz von Abu Dhabi, erklärte, dass das kurzfristige Ziel der Initiative sei, die Kapazitäten und Fähigkeiten junger Emiraties zu entwickeln: "Das 'Mars 2117 Projekt' ist ein langfristiges, das anfangs helfen soll, unsere Bildung, die Universitäten und Forschungszentren weiterzuentwickeln und junge Emiraties zu befähigen, alle Disziplinen wisssenschaftlicher Forschung zu besetzen."

Mars-Siedlung



Es ist ein gewaltiger technischer Unterschied, ob der Mensch eine (immer noch bemerkenswerte) mehrtägige Expedition zum Mond hinbekommt - oder aber eine dauerhafte Besiedelung eines fremden Planeten anstrebt!

Der Mann mit dem möglicherweise umfassendsten Wissen zum Thema Mars-Kolonisation ist Elon Musk. Der Erfinder des Tesla-Elektroautos, Initiator von PayPal und Gründer von SpaceX entwickelt gerade eine Rakete, um eine große Anzahl von Menschen gleichzeitig zum Mars bringen zu können - mit dem Ziel, diesen zu besiedeln. Auch er war auf  genanntem Kongress, um zu den Abgesandten zu sprechen.

SpaceX plant, unterstützt von der NASA, bereits in ca. zwei Jahren unbemannt zum roten Planeten zu starten, wenn Erde und Mars eine günstige Position zueinander haben. Musk erklärte, er würde die erste Crew dann gern 2024 ins All bringen. Ehrlicherweise gab er auch zu bedenken, dass es zur Zeit noch keine Garantie gäbe, solch ein Wagnis mit Sicherheit zu überleben; das würde auch allen Enthusiasten klargemacht, welche sich dafür melden.


Stadt auf dem Mars, Konzept emiratischer Ingenieure


Die VAE verkündeten 2015 eine Mars-Probemission, welche das erste Raumschiff der arabischen Welt zu einer Erkundungsmission des roten Planeten senden will - geplant ist dafür das nicht mehr so ferne Jahr 2021.

Die Pläne für die erste Mars-Kolonie jedenfalls wurden von einem emiratischen Ingenieur-Team gemeinsam mit Wissenschaftlern und Forschern entworfen. Es ist das Konzept für eine Mars-Stadt, welche von Robotern erbaut werden soll. Es umfasst Energiegewinnung, Transport, Nahrungsmittelerzeugung sowie infrastrukturelle Aufgaben.

Wie auch immer - sehen wir das gewaltige Projekt als das, als was es Sheikh Mohammed Bin Zayed ausführte: Einen großartiger Anstoß zur Entwicklung von Forschung auf allen die Raumfahrt berührenden Feldern.


Bilder: Dubai Media Office
 

Montag, 9. Januar 2017

2017 - "Jahr des Gebens"


Das neue Jahr kommt langsam in die Gänge - in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde es vom Präsidenten, Sheikh Khalifa, als "Year of the Giving" deklariert, als Jahr des Gebens. 2016 war das "Jahr des Lesens" in den VAE (s.a. hier).

Dabei soll 2017 der Fokus auf drei Hauptthemen gelegt werden: Die soziale Verantwortung der Bürger untereinander, das ehrenamtliche Engagement sowie die nationale Sicherung und Erhaltung der Zukunft für kommende Generationen.

"Wahre Staatsbürgerschaft bedeutet nicht, immer nur zu nehmen, sondern sie bedeutet auch, wertvolle Opfer für das Heimatland zu erbringen", heißt es in Sheikh Khalifas Rede, der auf das humanistische Konzept der VAE hinweist. "Dem Heimatland und seiner Bevölkerung zu dienen bedeutet auch gleichzeitig eine Verbindung von Regierung, jedem einzelnen sowie dem privaten Sektor."

Sheikh Mohammed, Vizepräsident und Herrscher des Emirats Dubai, unterstrich das Motto des Jahres - es soll humanitäre Arbeit fördern, welche wiederum das Ansehen seines Landes als eines der global größten Spender für diverse Zwecke stärken wird.


Ebenfalls mit dem Beginn des neuen Jahres wurden im Ministerium für Personalangelegenheiten und Emiratisierung (MOHRE) neue Dekrete erlassen. So müssen Firmen mit über 1000 Angestellten mindestens zwei Emiratis einstellen, welche für die Datenerfassung ausgebildet wurden. 
Überdies erhalten künftig Bau- und Industriebetriebe mit über 500 Angestellten nur noch dann eine Arbeitserlaubnis, wenn sie vollzeit mindestens einen emiratischen Sicherheits- und Gesundheitsbeauftragten beschäftigen.

"Saudisierung" einst vs. "Emiratisierung" heute


Das weckt in mir persönliche Erinnerungen und Assoziationen. Als wir um die Jahrtausendwende herum in Saudi-Arabien lebten, wurde dort damals eine staatliche Initiative vorangetrieben, genannt "Saudisation". Ganz ähnlich zu hier, heute, sollte die saudische (männliche) Bevölkerung mehr in den täglichen Arbeitsprozess in Betrieben und Behörden eingebunden werden - auch dort waren und viele Expats beschäftigt. Vor allem an die "Liaison officers" ("Verbindungsbeauftragter", zuständig v.a. für Zusammenarbeit mit Behörden) kann ich mich erinnern. Sicher stehen die wenigen, die ich dort mehr zu Gesicht bekam als mit ihnen zu tun hatte, nicht für alle (man erinnere sich: in Saudi-Arabien gelten im Alltag wesentlich traditionellere Gepflogenheiten auch im Umgang zwischen den Geschlechtern, als in den sehr liberalen VAE). 
Doch in meinem Kopf haben sich vor allem freundliche Saudis abgespeichert, die stets höflich und umgänglich waren, jedoch nicht oft an ihrem Arbeitsplatz anzutreffen ... In diesem Land, in welchem z.B. Frauen immer noch nicht Auto fahren dürfen, geht eben oft "privat vor Katastrophe", denn aufgrund dieser Restriktionen wird auchvon den Männern ein vergleichsweise extrem hoher Familienbeitrag gefordert, und sei es allein als "Fahrer" für die vielen weiblichen Familienangehörigen! (Einkaufen, Frisör, Arzt, Schule, Besuche,....und zurück.)

In den VAE allerdings ticken die Uhren doch ein wenig anders. Insofern glaube ich, dass der Emiratisierungs-Initiative größerer Erfolg beschieden sein sollte. Vor allem jedoch aus einem Grund: das Land bereitet sich auf vielfältige Weise auf eine Ära in nicht allzulanger Zukunft vor, wenn die natürlichen Ressourcen an Erdöl, welche dem Land zu seinem oft als "märchenhaft" beschriebenen Reichtum verhalf, zur Neige gegangen sein werden. 
Den gegenwärtigen Standart auf fast allen Gebieten auch nur zu halten, geschweige noch zu vermehren, bedarf es großer Veränderungen und Anstrengungen. In diesem Zusammenhang sehe ich die neuen Erlasse und Initivativen der emiratischen Regierung zum neuen Jahr.



Dienstag, 13. Dezember 2016

Hyperloop One - in 12 min von Dubai nach Abu Dhabi!


Manchmal habe ich das Gefühl, ich befinde mich hier mitten in einem Science-Fiction-Film. Nur, dass das meiste daran dann gar keine "fiction" mehr ist, sondern zur Realität wird.
Wenn man in einem Land lebt, welches das höchste Gebäude der Welt besitzt, die größten von Menschen geschaffenen Luxusinseln, bald die größte Shopping-Mall und das größte Riesenrad (um nur einige Superlative zu nennen), dann ist nur die Frage, welchem Rekord man sich wohl als nächstes zuwenden sollte.
Montage der ersten Segmente vor wenigen Wochen
Die Antwort? Geschwindigkeit! Eine Revolution des Transportwesens. Genauer: Die Strecke Dubai - Abu Dhabi, ca. 120 km lang (je nachdem, wo man jeweils startet und ankommt), in 12 Minuten zurücklegen zu können! Und das nicht etwa durch die Luft, sondern in einer Röhre. Das neue Zauberwort heißt HYPERLOOP ONE. Ziel ist es, das neue System anlässlich der Expo 2020 in Dubai / Abu Dhabi nutzen zu können. 

Mal sehen, ob ich mich dann auch in so einer Passagierkapsel durch die Röhre "schießen" lasse? Die dazu nötige Geschwindigkeit von etwa 1200 km/h jagt mir durchaus ein wenig Respekt ein. Diese Höchstgeschwindigkeit wird auf der Gerade zwischen den beiden Großstädten erzielt werden; Schleifen zu Beginn und Ende der "Reise" sollen selbstverstädlich den sicheren Start und auch die sichere Landung bei geringeren Geschwindigkeiten garantieren.

Zur Errichtung des Rekordbauwerks werden die amerikanischen Entwicklerfirma "Hyperloop One", McKinsey & Co. sowie die Bjarke Ingels Group (BIG) mit der Dubai Road and Transport Authority zusammenarbeiten. Die Unterdruck-Röhre soll sich auf Stelzen parallel zur Sheikh-Mohammed-Bin-Zayed-Road durch die Wüste ziehen, welche Abu Dhabi mit Dubai verbindet. Hier ein Clip über das geplante Bauwerk; da sieht das Flugzeug dagegen aber "alt" aus!

Passagierkapsel des Hyperloop One von innen

Energieverbrauch eines Fahrrads pro Passagier


Zum Vergleich: Mit dem Reisebus legt man die Strecke in 2 Stunden zurück. Mit dem Auto in etwa 1 Stunde und 30 min, mit einer Schnelleisenbahn ungefähr 1 Stunde und zähe 1 Stunde und 20 min per Flieger. Mit dem Bruchteil davon, nämlich gerade mal 12 Minuten, erscheint der Hyperloop One da zumindest in Sachen Zeitersparnis konkorrenzlos. Und es geht weiter, Folge-Loops sind bereits geplant: Dubai nach Riyadh in 48 min, Dubai nach Doha in 23 min, Dubai nach Muscat in 27 min ...

Als weitere  Vorteile - neben der unschlagbaren Geschwindigkeit - gegenüber herkömmlichen Transportvarianten nennen die Entwickler: höhere Sicherheitsstandards als für ein Passagierflugzeug, geringere Bau- und Instandhaltungskosten als jede Hochgeschwindigkeitsbahn, sowie - tataaa! - ein Energieverbrauch pro Person, der jener eines Fahrrads vergleichbar sein soll!

Die Kapazitäten hingegen sind phantastisch. Der Hyperloop One kann aller 10 Sekunden eine neue Passagierkapsel starten. So könnte man stündlich 15.000 Menschen sowohl in die eine, als auch 15.000 andere zugleich in die Gegenrichtung befördern! Das wäre dann in etwa das Doppelte dessen, was an Passagieraufkommen pro Stunde während des Menschenandrangs anlässlich der Expo 2020 zu erwarten ist!

Rekorde über Rekorde also wieder einmal. Und was ist nun mit der "Reise"geschwindigkeit, die einem etwas mulmig im Magen werden lässt, wenn man auch nur daran denkt? Klingt ja eher nach Raketenstart, oder?!
Ich beruhige mich mit einem historischen Beispiel. Als 8. April 1839 zwischen Dresden und Leipzig die erste deutsche Ferneisenbahn ihren Betrieb für Reisende aufnahm, fuhr der sächsische Ingenieur Andreas Schubert mit der ersten funktionstüchtigen, in Deutschland entwickelten und gebauten Dampflokomotive „Saxonia“, hinter dem offiziellen Zug her – dieser wurde von zwei englischen Loks angetrieben.50 km/h waren damals absolute Spitzengeschwindigkeiten, die im Alltag kaum erreicht wurden.



Lok "Saxonia" 1937 in Dresden - damals "rasendes Ungetüm". Und heute? Was ist dann der Hyperloop?

Zu jener Zeit kursierte wohl eine ärztliche Warnung unter der Bevölkerung: Bahnfahrten schneller als 30 Kilometer pro Stunde würden bei den Reisenden wie bei den Zuschauern unfehlbar schwere Gehirnerkrankungen, eine Art Delirium furiosum, erzeugen. Heute ist relativ sicher, dass diese Meldung erfunden ist und einzig einer Polemik des nationalen Historikers Heinreich v. Treitschke diente. 

Wenn die "Gefahren" durch Geschwindigkeiten über 30 km erfunden waren - was der Mensch des 21. Jahrhunderts ohnehin tagtäglich am eigenen Leibe überprüfen kann - dann kommt er vielleicht auch mit 1200 km/h klar? Der Mensch ist ja ein anpassungsfähiges Wesen. Also, wir werden sehen! Spätestens zur Expo 2020.

Der Film zum Hyperloop One Abu Dhabi - Dubai ist sehenswert. Sehr beeindruckend die Zukunftstechnik, allemal. Doch am tollsten finde ich ja die kleine Botschaft: 'Egal wer du bist, wo du bist und wie wichtig dein Job - Mamas Geburtstag ist allemal wichiger!' Im diesem Sinne, Film ab! (klick Link)


Foto1: http://s3.amazonaws.com/digitaltrends-uploads-prod/2016/05/Hyperloop-One-Event-12.jpg
Foto2: http://fm.cnbc.com/applications/cnbc.com/resources/img/editorial/2016/05/24/103661371-101701181-hyperloop2.530x298.jpg?v=1464099638
Foto3: https://de.wikipedia.org/wiki/LDE_%E2%80%93_Saxonia#/media/File:Die_Lokomotive_SAXONIA_03.jpg