Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Montag, 21. September 2015

Verloren beim Adressensuchen. Noch.


Auf den ersten Blick erscheint Abu Dhabi - zumindest der Hauptteil der Stadt, welcher sich auf der größten Insel befindet - sehr übersichtlich gebaut: Wie in altrömischen oder auch amerikanischen Städten sind die Straßen schachbrettartig angeordnet. Kein Straßengewirr, keine engen Kurven und Sackgassen. Ist man eine Kreuzung mal zu weit gefahren, dreht man einfach am nächsten Kreisverkehr oder der Ampel um. So weit, so gut.

Bisheriges Straßenschild. Momentan änder sich viele Namen und Nummern im Sinne eines vereinheitlichten Systems.


Etwas komplizierter wird das Ganze bereits, wenn man eine bestimmte Adresse finden will. Sei es, um einen neuen Bekannten zu besuchen, sein Kind von einem seiner Freunde daheim abzuholen oder zum Kindergeburtstag zu fahren, oder aber, eine Behörde, einen Arzt, ein bestimmtes Geschäft oder Restaurant zu finden... Das kann zu sehr absurden Blüten zu führen, darüber habe ich früher schon einmal berichtet.

Neulich erst wieder war ich absolut verloren.... weil ich nicht gut genug auf die umständliche Beschreibung der Abfolge á la "rechts, links, wieder links, 200 m geradeaus und dann zweimal rechts" einer Bekannten gehört hatte, um die 62. Straße zu finden. Sondern nonchalant die Straßennummer auf meinem Mobiltelefon bei Maps eingegeben hatte und der Straßenkarte nach gefahren war. Blöde Idee, denn leider-leider war ich so in einer ANDEREN 62. Straße gelandet, ca. 3 km Luftlinie von der eigentlich avisierten...
Doch selbst wenn man brav den Beschreibungen folgt, ist es oft nicht ganz einfach: "Firma X. Auf der A-Straße, Nähe Ecke B-Straße, gegenüber dem "Name"-Hochhaus, das früher "Z" hieß"  -  so ähnlich sehen hierzulande Adressangaben oft aus.

Dem Abhilfe schaffen soll ein neues, alles umfassendes Adress-System namens ONWANI = "meine Adresse" (hier zur Webseite!) das im Emirat Abu Dhabi eingeführt wird. (d.h. die emiratische Hauptstadt selbst wie auch andere Städte der zugehörigen Region).







Die City selbst wurde schon seit vergangenem Jahr mit neuen Straßenschildern versehen - was für teils nicht geringe Verwirrung sorgte, denn oft haben sich nicht nur Namen geändert, sondern auch die den "älteren" Einwohnern von Abu Dhabi geläufigen Straßennummern waren nun "verschoben": Die allen noch als "Mussaffah Road" oder "30. Straße" geläufige, lange Hauptstraße heißt inzwischen "Khaleej Al-Arabi Street" bzw. "8. Straße". Die ehemalige 8. Straße (heute "Al Salam Street") jedoch befindet sich ganz woanders, nämlich im City Center!
Kann sich jemand vorstellen, welche Kuddelmuddel das unter Umständen erzeugt? Taxifahrer, welche sich schon früher hier oft nicht gut auskannten, stehen nun vollends vor einem Rätsel, wohin der Fahrgast denn möchte? Es ist also angeraten, sowohl die alte als auch neue Straßenbezeichnung zu nennen, und am besten dazu gleich noch ein "landmark", wie ein großes Hotel, ein wichtiges Krankenhaus, einen bekannten Park in der Nähe.

Der Vorteil der ganzen Verwirrung momentan ist allerdings, dass in ein paar Jahren, wenn das neue System vollständig implementiert ist, endlich jede Person, jede Firma, jedes Amt eine "richtige" Adresse hat, wie sie in anderen Weltgegenden längst üblich ist: Name, Straßenname bzw. -nummer, Hausnummer. Schließlich sollen 19.000 Straßen und über 180.000 Gebäude unverwechselbare Koordinaten bekommen.
Und da die Emiraties technik- und Smartphone-verliebt sind, kann man bald natürlich auch jegliche Adresse mit seinem Mobiltelefon einscannen und sich Lage und Weg dahin anzeigen lassen, denn jedes Straßenschild und jedes Gebäude wird künftig einen QR-Code haben, den man einlesen kann. Nur für den unwahrscheinlichen Fall beispielsweise, dass man irgendwo in der Stadt ohne Erinnerung aufwacht... Einfach das kleine Viereck auf der nächsten Hausnummer mit dem Smartphone aufnehmen - und schwupps weiß man schon, wo man sich befindet! ;-)

Ende des Jahres 2015 soll ganz Abu Dhabi Stadt und Land mit ONWANI versehen sein; bis Ende 2016 dann das gesamte Emirat.



Sonntag, 15. Juni 2014

Metro Dubai - ein Stück öffentlicher Nahverkehr

Auf der Sheik-Zayed-Road, DER Hauptader von Dubai, welche die Zentren der Stadt verbindet und gleichzeitig die Ausfahrt zur Autobahn nach Abu Dhabi bildet, meldet der Verkehrsfunk spätnachmittags eigentlich täglich lange Staus  -  eine Erscheinung, von welcher man zum Glück in der Hauptstadt bisher noch weitgehend verschont ist.
Um diesem Missstand Herr zu werden, haben sich die Stadtplaner ihre Gedanken gemacht - heraus gekommen ist dabei die 2011 mit dem ersten Teilstück eingeweihte Dubai Metro.

Momentan existieren zwei Linien, die rote und die grüne. Die Rote Linie ist 52,1 km lang und verläuft zwischen dem Hafen der Freihandelszone Djebel Ali ein paar Kilometer westlich von Dubai und dem Stadtteil Raschidiyya, etwas südöstlich vom Flughafen Dubai gelegen. Dabei ist "Metro" wirklich im Sinne von "Stadtbahn" und nicht etwa "Untergrundbahn" zu verstehen, denn gerade mal knapp 5 km der genannten Strecke verlaufen unterirdisch.
In Betrieb ist die Metro von 5.30 Uhr bis 24 Uhr, donnerstags und freitags bis 01.00 Uhr. Die gesamte Fahrtdauer von Endhaltestelle zu Endhaltestelle beträgt 66 Minuten.
Geplant sind noch weitere Linien inklusive einer "Expresslinie" für besonders Eilige; genaue Termine gibt es für diese aber noch nicht. Im Gespräch ist auch, Dubai mittels einer solchen Stadtbahn mit der Hauptstadt Abu Dhabi zu verbinden - ein Gedanke, der besonders mit der Vergabe der Expo 2020 an die Emirate Aufwind bekam.


Streckenplan der Roten Metro-Linie

Ein durchaus touristisches Vergnügen kann es sein, außerhalb der Stoßzeiten mit der Dubai Metro zu fahren.Während selbiger sollte man es eher vermeiden, da das Konzept "Dubai Metro" - wie man so schön sagt - "sehr gut von der Bevölkerung angenommen wird"....
Wenn man im vordersten Wagen einsteigt, kann man durch die komplett verglaste Vorderfront quasi eine (fast) kostenlose Stadtrundfahrt machen, da die Linie einige bekannte touristische Hotspots miteinander verbindet.
Ich mag besonders die Haltepunkte - die modernen Stahl-Glas-Bahnhöfe erinnern mich an gewaltige Wale, die mitten im geschäftigen Treiben der Metropole dösen..... Drinnen glänzt der Marmorboden vor Sauberkeit, Rolltreppen und Lifte sorgen für Bequemlichkeit.

So sehen die Bahnhöfe der Dubai Metro aus

Eingefahrene Metro hinter Glaswand
Vollverglast ist die Front der Züge deshalb, weil die Flotte komplett fahrerlos vekehrt; die vollautomatische Zugsteuerung SelTrac stammt von der Firma Thales Rail Signalling Solutions. Eingesetzt wird eine zentral programmgesteuerte  Kontrolltechnik.

Und da Sicherheit in den Emiraten großgeschrieben wird, kann man als risikofreudiger Passagier nicht etwa einfach auf den lebensgefährlichen Gleisen mit Hochspannung herumturnen (wie in älteren Metros in Europa möglich). Oder, schlimmer noch, in Suizidabsicht hinunterspringen....
Die Trasse ist von den Bahnsteigen per Vollverglasung getrennt; die Türen der Waggons öffenen sich deckungsgleich mit denen, welche in diese Glaswand eingelassen sind und erst beim Halt des Zuges vollautomatisch öffnen. Bei Abfahrt verschließen sie den Zugang zum Gleiskörper sogleich wieder.

Das in drei Entfernungszonen unterteilte Tarifsystem beginnt bei 2 Dirham (etwa 0,35 €) pro Einzelfahrt auf Papierticket bzw. 1,80 Dirham über die Mehrfachkarte, die weiteste Einzelfahrt (3 Zonen) kostet 6,50 Dirham bzw. 5,80 Dirham in der Economy Class, in der Gold Class jeweils das Doppelte.
Die auch für Touristen geeignete 24-Stunden-Verbundkarte kostet 14 Dirham (etwa 2,55 €). Für einheimische Dauerbenutzer gibt es ein vorausbezahltes elektronisch abbuchbares Ticket, das einen Rabatt beinhaltet und das kostenlose Parken an einigen P&R-Metrostationen einschließt.

Regelmäßige Nutzer können sich auf der Webseite der DubaiMetro einloggen und dort aktuelle Informationen bekommen, den Streckenplan und die Park-&Ride-Stationen abfragen usw.

 
Klimatisierte Bushaltestelle für Sommertage mit um die 50°C Außentemperatur

Auch wenn in den Emiraten das Auto nahtlos das Kamel aus Transportmittel abgelöst hat und das Metrosystem vorerst noch nur in Dubai arbeitet - langsam entwickelt sich hier allgemein ein Interesse am öffentlichen Nahverkehr. So gibt es in Abu Dhabi und Dubai seit einiger Zeit (sehr gute) Nahverkehrsbusse, welche zwar nicht das gesamte Stadtnetz durchziehen, doch zumindest wichtige Knotenpunkte verbinden und aufgrund ihres sehr günstigen Tarifsystems auch von vielen der Gastarbeiter benutzt werden.

Da auch nur kurzes Warten draußen hier im Sommer zur Qual werden kann, gibt es an einigen Stellen sogar klimatisierte Bushaltestellen. Was erst einmal dekadent klingt, erweist sich bei Temperaturen um die 50°C im Schatten dann als durchaus menschenfreundlich.