Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Dienstag, 20. Juni 2017

Abschied von Abu Dhabi - Ma'a salama



Bei TRIPADVISOR wurde die Sheikh Zayed Moschee Abu Dhabi 2017 zur zweitbedeutendsten Sehenswürdigkeit der Welt gewählt, gleich nach Angkor Wat. 



Das hier ist mein Abschieds-Beitrag.

Abschied zumindest von den wahrlich zur Zweitheimat gewordenen Vereinigten Arabischen Emiraten und Abu Dhabi. Abschied auch von diesem Blog, das mit unserer Rückkehr nach Deutschland nun endet.
Ich werde die Texte jedoch stehenlassen - in der Vergangenheit scheinen sie manchem aus nah und fern zur Information oder auch Unterhaltung gedient zu haben. Das sollen sie gern auch weiterhin.

 
Leeres Haus, voller Terminplan.
                                                    Abschiede, Abschiede, Abschiede.
                                                                                                              Expat-Leben eben.


Abschied vom Haus, vom Compound, vom Auto. Von der Schule, vom Fitnessstudio, vom warmen Meer, von der endlosen Dünenlandschaft der Rub Al-Khali. Vom Blick aus dem Fenster vor meinem Schreibtisch auf die Bougainvillea gegenüber. Vom Lieblingssupermarkt, der Lieblings-Mall, dem Lieblingspark, der Lieblings-Bar, den Lieblingsgebäuden, dem Lieblingsstrand. 
Viele "Noch ein letztes Mal ..."-Wege wurden gegangen: "Fotos" machen - mit den Augen und allen anderen Sinnen.

Abschied von guten Freunden. Doch auch anderen liebgewordenen Menschen, von denen man manchmal kaum den Namen kennt, mit denen man aber regelmäßig im Vorbeigehen ein Lächeln tauscht. Da steht man dann - auf der eigenen Farewell-Party, in der Schule zwischen Tür und Angel oder im Supermarkt - man verabschiedet sich diesmal "für immer", und denkt: 'Wie gern hätte ich sie, hätte ich ihn näher kennengelernt; mehr Zeit verbracht." Aber ach ...
Allerdings, man weiß ja nie! Wie oft schon haben wir jemanden in dem einen Land zurückgelassen (oder die Person uns) - nur um sich dann in einem ganz anderen wiederzutreffen?! Dass moderne soziale Kommunikationstechniken es heute leichtmachen, die anderen nicht ganz aus den Augen zu verlieren, manchmal auch Kontakte wieder zu intensivieren, sich zu besuchen - das macht den sich ausbreitenden Abschiedsschmerz zumindest etwas leichter.

"Was ist es, was für dich einen Ort wohnlich macht, dass du dich heimisch fühlst?", könnte man  fragen. Die Antwort ist einfach. Es gibt viele Gründe, aber am Ende ist es immer nur einer, der wichtigste, der Hauptgrund: die Menschen! Ich bin oft beglückt, was für unterschiedliche, jeder auf seine Art mich bereichernde Menschen ich mit den Jahren kennenlernen durfte. Durch viele habe ich etwas Neues erfahren, manchmal auch, ja, sagen wir es ruhig: Vorurteile abgebaut. Die Menschen sind das wichtigste Gut an jedem Lebensort.


Abschiednehmen - wo ist "Zuhause"?


Abschied nehmen muss ich auch vom wohligen Gefühl, dass keiner hier verlorengeht: Abu Dhabi wurde vor Kurzem in einer Studie zur sichersten (Groß-)Stadt der Welt erklärt. Hier bekommt man, wenn man Kreditkarte und Bargeld verschusselt hat, diese noch hinterhergetragen; Autos kann man unverschlossen herumstehen lassen, vergessene Taschen, Smartphones oder andere Dinge erhält man normalerweise verlässlich zurück; auch Gewaltkriminalität kommt kaum vor.

Ich muss mich verabschieden vom Blick in meinen Garten mit den hohen Bäumen, von Straßen und Plätzen, von Oud-Beduftung in Geschäften und typischen Geräuschen. Vom ganzen Alltag hier. Lokaltypischen Gewohnheiten wie: Ramadan-Schulbuszeiten; der Freitag ist der Samstag; ein Brunch beginnt mittags um eins, Schulen geben kein hitzefrei  ;-)

Wieder einmal ist ein Lebensabschnitt deutlich sichtbar abgeschlossen. Die ältere Tochter hat nach dem Abitur hier nun ihr eigenes Leben in Deutschland begonnen. Für die restliche Familie wird es bald ebenfalls ein "Sich-neu-Erfinden" am neuen Ort geben, geben müssen.

Und, da man diesen Satz ja oft zu hören bekommt: "Na IHR seid das ja gewöhnt - umziehen, Abschied nehmen; das ist ja für euch nicht so schlimm" ...
Doch. Es wächst einem als Expat nicht etwa automatisch so eine Art "Seelen-Hornhaut"! Nein, man gewöhnt sich nie wirklich dran. An die ganzen Verabschiedungen - oft für immer - schon gar nicht. Man nimmt es eher als Teil des Ganzen mit in Kauf.

Tränen. Die gehören wohl mit dazu ...


So karg. Und vielleicht gerade daher: so spirituell! Der Anblick der Wüste streichelt die Seele.


Heimkehr: Man badet nie zweimal im selben Fluss


Das unsichtbare Problem mit der Heimkehr ist: In der alten Heimat glauben die meisten ja, dass wir nun endlich "nach Hause kommen". Diese Fraktion ist witzigerweise quasi identisch mit der, welche uns bei jedem Urlaub fragt, ob man "sich denn schon eingelebt" habe. (Nein, deshalb bin ich ja dort auf Urlaub: Weil ich eben NICHT da lebe!)
Der Widerspruch, sich bei jedem Urlaub für ein paar Tage einleben zu müssen, jedoch nach 20 Jahren Abwesenheit - mit kurzen Unterbrechungen -  quasi durch Zauberhand einfach so wieder "heimkommen" zu können, fällt dabei wohl nicht weiter auf.

Also bitte, liebe Daheimgebliebenen: Wenn ihr demnächst die Feststellung trefft, die wohl alle Expats nach einigen Auslandsjahren zu hören bekommen, nämlich: 'Du musst ja SO froh sein, endlich wieder zu Hause zu sein?!" - wird meine Antwort wohl eher ein "Muss ich erst einmal rausfinden. In Wirklichkeit habe ich nämlich mein gefühltes Zuhause soeben erst eingebüßt."

Ein weises Sprichwort besagt, man könne nicht zweimal im selben Fluss baden, denn der Fluss verändere sich ständig. Nicht nur meine alte Heimat hat sich optisch, vor allem aber auch politisch verändert, auch die alten Bekannten haben derweil ihr eigenes Leben weitergelebt.
Doch auch ich selbst werde mich wohl in zwanzig Jahren irgendwie ein wenig entwickelt haben (hoffe ich zumindest); und dies durch die internationalen Erfahrungen möglicherweise noch einschneidender als ohnehin mit wachsender Erfahrung und Lebenszeit.

Ich komme also nicht einfach so heim. Es ist möglich, dass es sich zuweilen wie ein weiteres fremdes "Gastland" anfühlen wird. Auch damit werde ich, werden wir uns zu arrangieren lernen müssen. Fachleute für internationale Umzüge wissen, dass heftiger als der erwartbare Kulturschock beim Umzug in eine völlig fremde Umgebung die vergleichsweise vermutete 'leichte' Rückkehr ins Heimatland ist. "Reverse culture shock" heißt das Phänomen, umgekehrter Kulturschock.


WAS ICH    N*I*C*H*T   VERMISSEN WERDE:


* Kakerlaken!!! Durch alle unsere Gastländer haben sie uns "begleitet", aber ich will fortan keine einzige mehr sehen müssen. Noch nicht einmal in künftigen Urlauben.

* bei 45 Grad im Schatten in ein Auto einsteigen zu müssen, das jedoch bereits längere Zeit nicht im Schatten gestanden hat (und damit gut und gern 70 Grad Innentemperatur hat)

* dass es hier im Wüstenland so gut wie nie nach "Natur" riecht

* Familienleben, das sich an einer hier branchenüblichen 6-Tage- à 12- Stunden-Arbeitswoche des Verdieners orientieren muss

* bei jedem Flug nach Deutschland (oft für ganze zwei Monate Sommer) und bei jedem Flug zurück hierher zu grübeln, wie man nur alles in 23 kg Fluggepäck unterbringen soll?...


Emirates Palace, Abu Dhabis großartigstes Hotel und Fotokulisse


 WAS ICH AN ABU DHABI VERMISSEN WERDE:



* Niemals Kälte, kein eisiger Wind bei nasskalten 3°C und Matsch an den Füßen. Niemals mehr anziehen zu müssen als ein T-Shirt oder Sommerkleidchen und Schlappen.

* Fast immer heiter und entspannt wirkende Menschen - egal wo, die einen anlächeln - einfach so!
Diese Freundlichkeit äußert sich auch in netten Gesten weniger Begüterten gegenüber, ich verweise als Beispiel auf die aktuelle "Sharing Fridge"-Kampagne, mit welcher Ehrenamtliche dafür sorgen, dass Arbeiter schnell und kostenlos erfrischende und hochwertige Lebensmittel "für zwischendurch" finden. Auch Weiterbildungsmaßnahmen für Arbeiter kommen gut bei diesen an.

* Die erstaunliche Vielfalt an Akzenten um einen herum, die das Englische annehmen kann

* Die freundlichen Security Guards an der Schranke zu unserem Wohncompound, die immer lächelnd winken, als freuten sie sich tatsächlich über meine Rückkehr

* Toleranz verschiedenster Art. Seien es die Nicht-Moslems, die hier z.B. recht selbstverständlich während des Ramadan nicht vor den Augen fastender Moslems essen und trinken. Seien es wiederum jene, welche in ihrem Land die Andersgläubigen in den Bars problemlos Alkohol trinken lassen. Seien es die Weihnachts- und Oster-, die Ramadan- und die Diwali-Dekorationen in den Läden.

Sei es in der Stadt Al Ain die St. George Jacobite Syrian Orthodox Simhasana Cathedral, welche unlängst moslemischen Arbeitern zum Fastenbrechen Iftar ihre Türen öffnete und Essen bereithielt.  
In Dubai hingegen öffnete eine Gurudwara (Tempel der indischen Sikhs) für ein Iftar allen ihre Pforte. Neben Sikhs und Moslems nahmen an dem religionsübergreifenden Essen auch zahlreiche Christen und Hindus teil. Anderes Beispiel: Die bisherige 'Mohammad Bin Zayed'-Moschee in Abu Dhabi wurde in einer großen Geste der Toleranz allgemein und gegenüber den Christen im Besonderen in 'Mary, Jesus' Mother'-Moschee am 14.6.2017 umbenannt, dem Welthumanitätstag.

* Ich schätzte es sehr, problemlos und zügig von A nach B zu kommen: Auf den mehrspurigen Stadtautobahnen gibt es (fast) nie Stau!

Radio 1 und Radio 2

* Chai Karak und Lemon Mint

* Weihnachtsmarkt an der Deutschen Schule: Jedes Jahr an einem Nachmittag im Dezember, sobald es dunkelt, duftet es auf dem Schulhof von Ständen nach frischen Waffeln, gebrannten Mandeln und Apfelpunsch. Zu weihnachtlichen Klängen von der Schulband gibt es passende Deko und kleine Geschenke zu kaufen, Bratwurst und Sauerkraut usw. gegen den Hunger sowie Spiele für die Jüngeren. Diese Tradition ist bei Abu Dhabi-anern jeglicher Herkunft ein sehr beliebtes Ereignis. Das Beste: es ist lau, keiner friert sich die Finger oder Zehen ab auf diesen Weihnachtsbasar!

* Selbst mit größerem Auto immer ausreichende und geräumige Parklücken zu finden

* Gecko "Günther", der auf fast schon magische Weise immer nur morgens zu dem Zeitpunkt hinter dem Elektrokasten vor der Haustür draußen sichtbar wurde, wenn unsere Töchter das Haus zum Bus verließen. Als wolle er "Guten Morgen" sagen! Ebenso mochten wir seine vielen kleinen Verwandten, die uns oft durchs Haus oder über die Wände und Decken huschend begegneten.
Außerdem die kleinen, rosa Tauben hier, die gewitzten Spatzen, die Weißwangenbülbüls (erinnern an Kohlmeisen mit Häubchen). Und natürlich die Mynas, eine Art auf Miniaturformat geschrumpfte Krähenpapageien in Graubraun mit gelben Beinen, die immer paarweise wichtig herumhüpfen und in der Lage sind, alle möglichen Laute und Geräusche zu imitieren

* Frischer Hummus und Tabbouleh zu jeder erdenklichen Tageszeit, für Minibeträge erhältlich!

* Schulbusse. Früh - Haustür auf, Kinder in den Bus. Nachmittags - Bus hält, Kinder wieder daheim

* Ich habe hier selbst tagtäglich erleben dürfen, dass das friedliche Zusammenleben keine schöne, aber ach leider-leider unerreichbare Utopie ist - sondern normaler Alltag in den VAE. Hat was von Garten Eden, wenn dieser erstaunliche Menschen-Mix auf die unspektakulärste, "normale" Art und Weise miteinander auskommt, die man sich nur denken kann. Eben, weil das "Fremde" hier das Normale ist. Selbst, wenn auch hier nicht alle gleich sind: Abfällige Blicke oder gar Worte (geschweige denn Tätlichkeiten) gegenüber "Anderen" wird man vergeblich suchen.

* "Ladies' Nights"! Mehr sage ich nicht   :-)

* Valet Parking: Autoschlüssel abgeben und gut.

* Der Gipfel der Genderisierung - aber so nennt das hier ja keiner: Nämlich, wenn einen die philippinischen Verkäufer und Verkäuferinnen im Laden mit "Hello, MamSir, how can I help you?" begrüßen

* Wie blöd vor die Tür rennen, dort wild herumhopsen vor Begeisterung und hoffen, dass NOCH ein paar mehr Regentropfen gleichzeitig fallen, damit das Instagram-Live-Video auch ansprechend wird

* Die eeeeeeeeendlos erscheinende runde Rechtskurve des Highways zwischen Großer Moschee und Officers Club

* Der weite Blick über die einzigartigen, riesigen Mangroven-Wälder mitten in der Stadt, wenn man die Salam-Street entlangfährt, mit etwas Glück sieht man diverse Wasservögel (u.a. Flamingos) am Ufer.

* Den sakralen Anblick der Großen Moschee selbst - der Sheikh Zayed Grand Mosque - und das ganz besonders zu Neumond, wenn sie (s.o.) in geheimnisvoll irisierendes Blau getaucht ist.

* Spontane Staatserlasse à la: "Morgen fällt für alle die Schule wegen Unwetter / zur Feier der gewonnenen Expo 2020 (o.ä.) aus".

* Unsere vielen, quasi legendären Kostüm- und anderen abgefahrenen Partys, die wir gefeiert haben ("Mangrovianer" und ihre Freunde wissen, wovon ich rede)

* Instrumental-, Sprach- und andere Lehrer, die ins Haus kommen

* "Raus-in-die-Natur-Gehen" auf Arabisch: Wüstenpicknick in den Dünen, und dann Off-road fahren  =  wie Achterbahn, nur kostenlos. Natürlich inklusive Steckenbleiben!

* Supermarkt an sieben Tagen die Woche, von früh um sieben bis Mitternacht

* Dass die Mondsichel hierzulande gemütlich im Nachthimmel zu liegen bzw. schweben scheint -  anstatt, wie in nördlicheren Gefilden, hochkant "Hab-acht" zu stehen.

* Dass alles um mich rum aufspringt (o.k.: aufspringen sollte ...), wenn ich "Yalla!" rufe. Und alles vorbei ist, wenn ich "Khallas!" sage. Ganz ohne Simultanübersetzer.

* richtig gute, frische Datteln und die vielen Fässer am Gewürzstand im Carrefour oder Lulu-Supermarket, wo man nicht nur alle Düfte, sondern auch Gewürze Arabiens genießen, sondern auch lose kaufen kann


* und selbstverständlich auch: Ideen für dieses Blog hier zu sammeln und aufzuschreiben



Blick auf das Ensemble der Etihad-Towers an der Corniche von Abu Dhabi. "Etihad" heißt so viel wie "Union" (der Emirate), so ist auch die einheimische Fluggesellschaft benannt.


Nach fünf Jahren: Gedanken über die Emirate


Ein Wort noch zu unserem ein großes Stück weit "Zuhause" gewordenen und so im Herzen bewahrten Gastland, den VAE.

Das Leben überrascht einen immer dort am meisten, wo man es am wenigsten erwartet, logischerweise. Nie hätte ich früher glauben wollen, dass dieses Wüstenland mit seinen vielen Extremen, ein "Königreich" gar, mir die Vorstellung eines "Modellstaats" in vielerlei (natürlich nicht jeglicher) Hinsicht werden könnte.
Ich möchte es so erklären: Das Idealbild menschlichen Zusammenlebens stellt oft die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel dar. Bis dahin hatten die Menschen, unbesehen ihrer Herkunft und Rasse, friedlich zusammengelebt; selbst eine gemeinsame Sprache hatte sie geeint. Doch der Hochmut, einen Turm bis hinauf in den Himmel bauen zu wollen, hatte Gott erzürnt. Als Strafe verwirrte er u.a. die eine Sprache der Menschen zu unzähligen verschieden, die sie fortan trennten.

In den Emiraten habe ich einen Lebensraum kennengelernt, der diesem Idealbild des Zusammenlebens vor dem Turmbau zu Babel zu ähneln scheint. Mit dem Unterschied, dass der Burj Khalifa mit 830 m momentan noch das höchste Bauwerk der Erde ist - momentan bauen die Emiratis allerdings schon am noch höheren Dubai Creek Tower, um die Saudis mit aktuell angepeilten 1007 m auszustechen ..., ohne dass Gott mit einem Blitzstrahl darauf niederzufahren scheint.

Denn obwohl - das muss man natürlich anmerken - hier zwar nicht alle Menschen "gleich" sind und es große Unterschiede in ihrem materiellen Reichtum gibt, so sieht man doch Menschen aller Farben, Kulturen, Sprachen, Religionen außerordentlich friedlich und tolerant tagtäglich miteinander leben. Selbst wenn sich nicht alle nahekommen, so wird doch jeder vom anderen mit einem Mindestmaß an Akzeptanz und Höflichkeit, zumeist auch Freundlichkeit behandelt.

Außerdem: Mit welcher Art von Skala misst man eigentlich Lebenszufriedenheit? Ist derjenige, der gemütlich auf seiner kleinen Yacht mit einem Champagnerkübel neben sich vor der Küste von Dubai auf den Wellen schaukelt (aus westlicher Sicht = reich) zwangsläufig glücklicher als der hier jätende Gärtner aus Bangladesch (aus westlicher Sicht = arm), welcher mit seinem kleinen Gehalt nicht nur sich, sondern auch noch seiner ganzen Großfamilie daheim, sprich ein halbes Dorf, ein relativ angenehmes Leben verschaffen kann? Das geht problemlos, da er für die Zeit seines Arbeitsvisums in den VAE Kost, Logis und medizinische Versorgung über seinen Sponsor gestellt bekommt.

Ich kann nicht in die Köpfe sehen. Aber was ich im Alltag auf den Gesichtern der Menschen und aus ihren Reaktionen entnehme: Sie wirken eigentlich queerbeet nicht etwa gestresst, genervt, voll passiver Aggression. Sondern freundlich, höflich, entspannt, ja: zufrieden.

Das ist etwas, was ich in anderen Weltgegenden momentan nicht überall erkennen kann. Selbst die "einende Sprache" (Englisch, für viele auch Arabisch) findet man hier wieder, wie in der biblischen Geschichte.

Natürlich gibt es noch mehr solche Schmelztiegel der Kulturen auf der Welt: Hongkong, London, New York, ... Die habe ich aber nicht kennengelernt, deshalb halte ich mich bei meinem Vergleich an die Emirate.

Vielleicht klingen meine Gedanken für manchen zu idealisiert. Ich weiß aber, dass zumindest fast alle meine in fünf Jahren des Expat-Lebens in den Emiraten gewonnenen Freunde und Bekannten verstehen und bejahen, was ich damit meine.
Überdies weiß ich von einer ganzen Reihe an Leuten, die teils schon seit Jahren nicht mehr in den VAE wohnen - und es dennoch weiter als ihr eigentliches Zuhause betrachten.

Irgendwas muss also "dran" sein :-)



Der Wüstenwind wird uns sicher irgendwann einmal 
für einige Tage wieder hierher wirbeln.
Bis dahin sage ich:





Foto Große Moschee: https://s-media-cache-ak0.pinimg.com/736x/d7/30/0b/d7300b8845dd91c4b996834ccab109bf.jpg




Montag, 16. Mai 2016

Burger-Manie

"Emiratisch" gekocht wird in den hiesigen Restaurantküchen vergleichsweise eher selten. Einen Überblick über emiratische Restaurants gibt es hier und einen Beitrag über eines der bemerkenswertesten hier.

Angus-Rind-Burger mit Bacon beim "burger joint" in der National Galleria


Entsprechend den rund 85 % der Bevölkerung in Abu Dhabi, die aus (fast) aller Herren Länder stammen, ist auch die Kochkunst global und "bunt". Logisch, dass selbstredend der amerikanische BURGER fest Fuß gefasst hat. Welcher durchaus ein schmackhaft und abwechslungsreich hergerichtetes Weichbrötchen sein kann - wenn er nicht gerade von der Kette mit dem goldenen M und Konsorten kommt, durch welche Burger allgemein in Deutschland eher in Verruf geraten sind.

In fast jeder Tagesgaststätte "internationaler" Küche findet man hierzulande bei den Sandwiches auch diverse Burger auf der Karte - immer mit Pommes Frites zusammen serviert! Dabei ist jeweils mindestens einer mit (Hack-)Steak vom begehrten Angus-Rind fast schon Standard. Auch an Dressings und Soßen, welche den Zutatenstapel begleiten, findet sich oft weit mehr und besseres als Ketchup.

Während meine große Tochter im Zuge ihres persönlichen Burger-"Tests" der zahlreichen Ketten "ShakeShack" zum absoluten Gesamtsieger erklärte, möchte ich heute ein kleines Burger-Lokal vorstellen - einfach aufgrund seines ungewöhnlichen Interiors.


(Künstlich) bekritzelte Wände und nette Bedienung im "burger joint"

Meist sehen solche Fastfood-Ketten ja relativ beliebig und austauschbar aus. Wenn man hingegen unvorbereitet ins "burger joint new york" in der Nation Galleria Abu Dhabi eintritt, hält man doch einen Augenblick den Schritt inne und sieht sich überrascht um.
Die Holz- und Backsteinwände sind nämlich von oben bis unten, über und über kunterbunt bekritzelt, als hätten jahrelang hunderte durchziehender (nicht nur) Jugendlicher ihrer heimlichen Leidenschaft (dem Bekritzeln von Schulbänken, Wartehäuschenwänden etc....) gefrönt! "Upps, Bronx?!", denkt man und fühlt sich sofort entspannt und zum unprätentiösen Verweilen eingeladen.
Natürlich sind die vollgemalten Wände und Tische ein gewolltes, designtes Kunst-Werk; zwischen all den normalerweise cleanen und oft todschicken Restaurants in den VAE jedenfalls ein gekonnter Stilbruch und Kontrast zum Üblichen.


Selbstgemachte Limonaden....
... in kultigem "Gemäuer"
Was auch angenehm absticht - bei "burger joint" muss man seine Wünsche nicht an einer Theke loswerden und selbst abholen; hier wird man sehr freundlich bedient. Zwar ist die Karte  - auf Ökopapier und ebenfalls "simpel" gehalten sehr übersichtlich. Doch da alles gut kombiniert ist, muss das kein Nachteil sein.
 Die Fleischeinlagen bei der Rinds-Variante sind ebenfalls aus Angus Beef und werden über Holzkohle gegrillt, bevor sie zwischen die leichten Soja-Burgerbrötchen-Hälften wandern.




Wem das aber nicht ausreicht - wie alle wissen, muss in den VAE, speziell aber in Dubai, alles stets größer, höher, außergewöhnlicher,.... sein als in der restlichen Welt. Es ist sicher nicht unbedingt etwas für den "kleinen Hunger zwischendurch", aber für manch' einen möglicherweise den Kick wert (und das Selfie mit Burger davon.....)! Der ultimative "Hamburger" aller Zeiten ist wohl der hier: 

Burj Khalifa....
"BurgerKhalifa" - ein Monsterburger mit viel Innenleben...















Passend zum höchsten Gebäude der Welt, dem Burj Khalifa, gab es vor einem Monat (anlässlich des "International Burger Days" am 28.5.) unweit davon im FirebirdDiner des Four Seasons Hotels den "BurgerKhalifa" zu bestellen. Sicher ein Rekord

Zum Verzehr sollte man sicherlich drei bis xy gute Freunde mitnehmen; ich kann mir nicht vorstellen, dass einer diese Portion allein wegputzen konnte. Für 500 Dhs (ca. 120 EUR) stapelten sich darauf nebst den unvermeidlichen Hackteigrundlinge auch so elaborierten Dinge wie u.a. Hummerschwanz, französische Gänseleberpastete, Creme vom schwarzen Trüffel sowie Spiegelei.



Foto BurgerKhalifa: http://www.timeoutdubai.com/restaurants/news/70974-firebird-diner-launches-dhs500-burger-in-dubai


Dienstag, 22. März 2016

Lachshäppchen mit Höhenaussicht - Burj Khalifa

High Tea, auf der Étagère serviert im Restaurant AT.MOSPHERE, mit Blick auf Dubai

Der Sekt im Glas perlt im AT.MOSPHERE auch nicht anders als anderswo. Dafür aber höher! Exakt 442 m über Normalnull befindet man sich dort im "höchst gelegenen Restaurant der Welt" (Guiness Weltrekord) - in der 122. Etage des Burj Khalifa (sprich: Burdsch Kalifa), dem momentan mit 828 m noch höchsten Gebäude auf diesem Planeten. 

Auf der 125. Etage befindet sich "The Top", die Besucheraussichtsplattform, für welche ein sehr striktes Vorbestellsystem besteht, um den vielen Touristen aus aller Herren Länder gerecht zu werden. Wer sich jenen um den besten Fotoausschnitt drängelnden Besucherströmen entziehen will und die Aussicht in dezentem Ambiente genießen möchte (allerdings  belegt mit einer ebenfalls "hohen" Verzehrpauschale...), ist mit einem Aufenthalt im AT.MOSPHERE gut beraten. (Vorbestellen!)


Kriegt man eigentlich nie komplett aufs Foto: Den Burj Khalifa, das höchste Gebäude der Welt

Burj Khalifa - ein Turmbau der Superlative. Wie ein äußerst schlanker Eisberg strebt der Wolkenkratzer gleißend und die Sonne reflektierend, scheinbar unaufhaltsam, in den meist leicht dunstigen Himmel über dem heißen Wüstenstaat Dubai in den VAE. 

Für das am 4. Januar 2010 eingeweihte Kunstwerk der Statik wurden seit September 2004 insgesamt 330.000 Kubikmeter Beton sowie Stahl und andere Materialien verbaut. Benannt wurde es nach dem Herrscher von Abu Dhabi und Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Scheich Khalifa bin Zayid Al Nahyan, welcher nach der Finanzkrise 2009 seinem "Kollegen" Scheich Muhammad bin Rashid al Maktoum von Dubai mit einer Finanzspritze unter die königlichen Arme griff, um dieses sein "Familien"-Projekt fertigstellen zu können.

Rund 200 große und 650 kleine Betonpfähle wurden für den Bau des Dubaier Wahrzeichens in den Boden getrieben; sie reichen bis in eine Tiefe von etwa 70 Metern unter dem Meeresspiegel, um die nötige Stabilität zu gewährleisten. Einige tausend Tonnen Stahl in den oberen Geschossen übrigens sind alte DDR-"Genossen"! - nämlich Recycling-Stahl aus dem abgerissenen Palast der Republik in Berlin!

Offiziell gibt es 163 nutzbare Etagen, auf welchen Büros, Fitness- und Wellnessbereiche, das Armani-Hotel, 1044 Apartments sowie die Privaträume der Projektgesellschaft sowie technische Wartungsareale untergebracht sind.
Um den gesamten Weg vom Erdgeschoss bis hinauf in die Spitze des Burj Khalifa zu Fuß zurückzulegen, wären insgesamt rund 11.300 Stufen zu steigen. Ich habe noch nicht gehört, dass das schon einmal jemand ausprobiert hätte...
 
Was man andernorts ans Wolkenkratzer bestaunen würde...


... wirkt vom Burj Khalifa aus gesehen wie Spielzeug! Blick auf die Wasserspiele (die grö0ten der Welt... natürlich!) zwischen diesem und der Dubai Mall.
 
Der Ausblick aus dem Restaurant jedenfalls ist atemberaubend. Direkt zu Füßen - somit in diesem Falle 442 m tiefer - das intensive Blau der Becken für die Wasserspielanlagen rings um den Burj Khalifa und die angeschlossene Dubai Mall. Daneben viele kleine, mannigfaltig geformte und von oben wie Spielzeug anmutende Hochbauten (von denen man weiß, dass jeder für sich mit vierzig oder auch siebzig Stockwerken eigentlich anderswo schon eine Höhensensation wäre...). Und überall immer noch neue, weitere Hochhäuser mitten im Bau...
Zarte "Ameisenwege" auf oft mehreren, einander kreuzenden Levels mit winzigen Fahrzeugen darauf durchschneiden die Hochhausansammlungen - und man erinnert sich, dass man noch vor wenigen Minuten selbst auf der Sheikh Zayed Road (der Hauptader Dubais) sein Auto lenkte, die sich da allerdings mit 12 Spuren und dicht befahren so gar nicht miniatürlich ausnahm! 

Tja, alles eine Frage der Perspektive.

Dubai von oben

Davor liegt der Golf von Arabien flach wie eine polierte Stahlplatte in der Sonne; das berühmte "7 Sterne"-Luxushotel Burj Al Arab in Form eines geblähten Segels kann man erkennen und die künstlich aufgeschütteten Inseln vor Dubai, wie die "Palme" sowie den Wolkenkratzerwald des neuen Stadtteils Jumeirah. Manchmal treiben kleine Wölkchen in halber Höhe vorbei; ein Anblick, den man sonst nur aus dem Flugzeugfenster kennt. Ein Besucher-Helikopter umkreist weit unter meinen Füßen in respektvollem Abstand den Burj Khalifa. Ein Erlebnis, das man wahrlich nicht alle Tage hat...

Kräne, wohin das Auge reicht- rings um den Burj Khalifa

Fotos: T. Hilscher, A. Döhring