Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Montag, 29. Februar 2016

Shopping mit Bildungseffekt: Ibn Battuta Mall

Kleiner Abstecher ins Nachbar-Emirat Dubai mit der gleichnamigen Hauptstadt.
Shopping Malls gibt es hierzulande wie Sand am Meer, die einen mehr, die anderen weniger langweilig und austauschbar wie überall. In den VAE natürlich oft aufgepeppt mit Attraktionen wie Riesenaquarium (Dubai Mall), Ski- und Rodelparadies (Mall of the Emirates), einer "Piazza" wie in Europa (Yas Mall) usw.

Die Passage in einer maurischen Stadt? Nein - alles "Fake" und mitten IN einer Mall gelegen!

Wirklich herausstechend und daher besuchenswert aber ist die Ibn Batutta Mall in Dubai. Benannt ist sie nach dem orientalischen Forschungsreisenden Abu Abdullah Muhammad Ibn Battuta, welcher 1307 in Tanger (Marokko) geboren wurde und dort 1368 oder 1377 starb (genauer weiß man es nicht).
Dazwischen lagen Jahrzehnte eines unglaublich reichen Lebens mit ausgedehnten Reisen, die einem heute um so bemerkenswerter vorkommen, wenn man sich einmal vorstellt, dass der Mann dies alles ohne Flugzeug und ICE, dafür auf dem Rücken von Mauleseln, Kamelen, auf Schiffen oder gleich ganz zu Fuß absolviert hat! Nach Berechnugen sollen es in den 29 Reisejahren stolze 120.000 km gewesen sein.

Seine Reisen führten den "arabischen Marco Polo" u.a. nach Mesopotamien, er wanderte entlang der Seidenstraße, kam nach Spanien und nach Mekka, nach Indien und China, durch die Sahara nach Timbuktu, gelangte auch auf die Malediven.

Kein Abenddämmerungs-Himmel, sondern Lüftel-Malerei an der Decke der Ibn Battuta-Mall!


Die Ibn Battuta Mall, eröffnet 2005, ist auf 25.000 m² entsprechend den Kulturräumen seiner Reisen dekoriert: Die "Themenwelten" umfassen China, Indien, Persien, Ägypten, Tunesien und Andalusien. Das hat den eigenartigen, aber faszinierenden Effekt, dass man beim Spazieren von H&M zum nächsten China-Restaurant, vom Geschäft mit den ultra-neusten Sportschuhen zum Spielzeugparadies usw. sich durch alte persische Gassen wandelnd wähnen kann (nur ohne die Strapazen, denen Ibn Battuta ausgesetzt gewesen sein mag!) Oder man bewundert die Wasserspiele um die "gesunkene" chinesische Dschunke, bevor man sich in "Ägypten" ein großes Eis kauft und nach "Andalusien" weiterschlendert. Alles prachtvoll und farbenfreudig, voller Liebe zum Detail. So kann man leicht in zwei Stunden fast den ganzen Orient und halb Afrika "erwandern"!

Immer wieder trifft man auf lebensgroße Darstellungen, z.B. von Forschern, die ein Astrolabium bedienen; in "Indien" findet sich die bemerkenswerte Elefantenuhr des al-Dschazarī, ein mittelalterlichen Originalen nachgebauter Automat, der mittels Wasseruhr exakt die Zeit anzeigt. Eine ständige Ausstellung unter der dem persischen Isfahan nachempfundenen Kuppelmalereien gibt nähere Einblicke. Sie führt mittels Landkarten, kurzen Texten und vielen typischen Gegenständen des jeweiligen Ortes im 14. Jh. durch das Leben von Ibn Battuta und vermittelt Wissenswertes über jene Zeit, das wir den Aufzeichnungen jenes mittelalterlichen Gelehrten und Abenteures zu verdanken haben.

Hier noch einmal der "falsche" Himmel...

Unlängst wurde in Abu Dhabi dem bedeutenden Manne sogar ein musikalisches Denkmal gesetzt: Grammy-Gewinner Jordi Savall komponierte unter Einbeziehung historischer Klänge und Instrumente “Voyager of Islam”.  Einen kleinen Eindruck kann man optisch und akustisch hier gewinnen.

Noch ein paar Bilder aus dieser einmaligen Shopping Mall gefällig? Bitte Hier entlang!

Montag, 28. September 2015

Ruhe und Natürlichkeit auf Dalma Island


Fischerhafen von Dalma Island

 
Den Abzweig zur Fähre vom Festland bei Ruwais kann man kaum verfehlen.

Ich hatte ja so meine Zweifel. Es war nämlich beschlossen, dass wir einmal Dalma Island erkunden (Link), manchmal auch "Delma Island" geschrieben. Denn die "Delma Mall" in Abu Dhabi kennt jeder; die namensgebende Insel vor der Küste des Emirats, nahe der saudischen Grenze, hingegen kaum jemand. Informationen, welche ich im Vorfeld über das Eiland aufzutreiben versuchte, nahmen sich jedoch bedenklich spärlich aus: Ca. 6000 Einwohner, 1 Museum, 1 Airport, 1 Tankstelle, 1 Motel, einige Schulen, 1 Hospital. Also, um es einmal euphemistisch auszudrücken: Nicht viel.
Entsprechend "begeistert" zeigten sich natürlich unsere Töchter: Auf einen Trip nach "Nirgendwo" waren sie nicht gerade begierig... Doch die Eid-Al-Adha-Feiertage boten sich geradezu dafür an. Und immerhin nährten die Neugier zumindest eine Reihe prähistorischer Ausgrabungsstätten auf Dalma Island, die über 6000 Jahre alt und damit die ältesten Siedlungsnachweise der VAE sind.

Um es vorweg zu nehmen: Im Großen und Ganzen stimmen die Angaben schon. "Viel" an Unterhaltung und Erlebnisangeboten gibt es auf Dalma Island in der Tat nicht. Dennoch möchte ich Ihnen diesen Ausflug gern ans Herz legen. Aus einem Grunde: Es ist dort ursprünlicher als das meiste, was man in den Emiraten sonst so zu sehen bekommt. Es gibt herrlich einsame Sandstrände. Stille, Fischerboote, Weite fürs Auge. Und außerdem kann doch jeder, der aufmerksam ist, selbst in Details Witziges oder Reizvolles entdecken!

Diese schicken Autofähren verkehren wochentags drei Mal täglich zwischen Festand und Insel und zurück.

Die Autobahn von Abu Dhabi nach Jebel Dhanna, wo die Fähre übersetzt, dauert ca. 2 Stunden und verläuft normalerweise ereignisarm fürs Auge. Die Autofähre bietet unten Platz für ca. 40 Wagen, oberhalb kann man in einem klimatisierten, und noch darüber auf einem herrlich windigen Oberdeck komfortabel sitzen und die rd. zwei Stunden Fahrt nach Dalma Island genießen, verschlafen oder mit Tom&Jerry & Co. auf dem Flachbildschirm verleben....

.... im Hintergrund
Motel-Lobby
Das "Dalma Motel" ist die einzige Touristenunterkunft auf der Insel. Nach den wenigen Informationen, welche sich vorab finden ließen, erwarteten wir eigentlich schon das Schlimmste... (eingedenk z.B. eines Rucksacktrips durch Mittelamerika vor vielen Jahren - und der dort erlebten "Unterkünfte" inklusive Schimmel, fehlender Fenster und Türen etc.).





Doch die Herberge hier stellte sich als völlig akzeptabel heraus - selbst wenn der Zimmerpreis mangels Konkurrenz bisschen übertrieben erscheint.Auch wenn Emirats-Reisende gewöhnlich von 5-Sterne-Luxus verwöhnt sind, bietet das kleine Hotel doch recht große, saubere Zimmer (teils mit Meerblick), welche jeweils mit zwei Doppelbetten, AC, Bad, Kühlschrank, Wasserkocher, Flatscreen-TV (mit einigen hundert Sendern) sowie W-Lan ausgestattet sind. Im Haus befindet sich ein kleines Restaurant.
 
 Die Insel ist mit dem Auto in ca. 45 Minuten umrundet. In der kühleren Jahreszeit macht das sicherlich auch mit dem Fahrrad oder sogar als Langstreckenlauf Spaß, könnte ich mir vorstellen!


Auf der einen Seite hat man dabei lange, gelbe Strände, die zum Campen einladen, auf der anderen wild getürmtes, mondmäßig karg anmutendes Gestein vulkanischen Ursprungs. Die Hauptsiedlung, einst von Perlenfischern begründet, zieht sich um den südlich gelegenen Hafen herum, im Inselinneren gibt es eine weitere kleine.
Unwegsames Inselinneres aus vulkanischem Gestein

Siedlung im "Landesinneren" - das Meer kann man jedoch von überall her sehen
Das "Zentrum" des sozio-kulturellen Lebens, wenn man so will, stellt eine kleine, recht heruntergekommene Shoppingmall dar, in welcher eigentlich nur noch der große Supermarkt geöffnet ist. Zu gern hätte ich ja im "Delma Bucks Café" einen großen Milchkaffee getrunken - aber auch das schien dauerhaft geschlossen. Mit Abstand das größte Gebäude (neben der neuen Moschee) auf Dalma Island ist das Gericht! - was mich zu Mutmaßungen hinriss, wozu eine so kleine Gemeinde wohl ein so großes Justizgebäude benötigt?!


"Großer" Name, kleines Gebäude: "Ministry of Culture, Youth & Community Development Centre Delma"

Wie gern wäre ich in bei diesem "Bruder" mit dem originell einer recht großen, internationalen Kaffeegetränke-Kette nachempfundenen Namen eigekehrt! Leider scheint das Café schon wieder geschlossen worden zu sein....


Im Fischerhafen kann man den (zumeist indischen Gastarbeiter-)Fischern dabei zusehen, wie sie ihre Reusen flicken, mit Ködern für die nächste Fahrt bestücken oder das Boot reinigen; auch einige Dhaus waren darunter. Leider (für mich) oder zum Glück (für die Gesundheit der Taucher) ist die altehrwürdige Perlenfischerei wohl längst gänzlich eingestellt...

Die Fischerei wird überwiegend von Arbeitern aus Indien und Bangladesh betrieben. Hier: Netzeflicken und Schwatzen.

So kommt der Köder in die Fischreuse.
Den geistigen Höhepunkt eines Inselbesuchs stellt sicherlich das Museum dar. Um hineinzukommen, haben wir einfach am Hafen irgend jemanden angesprochen, der jemanden kannte, der wiederum die Telefonnummer von jemandem hat, welcher den ägyptischen Archäologen und Tourguide Mr. Abdullah kennt. Jener war zwar leider gerade selbst in die Eid-Ferien gefahren. Doch entsandte man einen freundlichen Inder acht Uhr abends mit dem Schlüssel zum Museum.
Als wir clock acht ankamen, erwartete er uns bereits. Das Museum, 1931 vom Perlenhändler Muhammad Bin Jasim Al-Muraykhi als sein Wohnhaus erbaut, ist für heutige Verhältnisse klein; allerdings die Ausstellung doch recht liebevoll und umfassend zusammengetragen: Alte Haushaltgeräte, geologische Proben, historische Münzen, Schmuck, Waffen, Fischereizubehör, hier beheimatete Tiere,... Ganz in der Nähe des Heimatmuseums befinden sich auch drei alte, kleine Moscheen in der Bautradition der Golfanrainer: Flach, rechteckig, ohne Kuppel und Minarett!

Museum von Delma Island von außen....

... und innen. Ein kurzer und kurzweiliger "Rundgang" über das Eiland und seine jahrtausendealte Geschichte.

Schade, dass die Exponate nicht etwas ausführlicher beschriftet sind. Anstatt des Schildchens "Töpferei-Bruchstücke" (was man auch selbst unschwer erkennen kann...) hätte ich mir Epochen- oder Altersangaben gewünscht. Etwa dazu, wie viele Jahrhunderte oder gar Jahrtausende solch eine ausgestellte Scherbe wohl auf dem "Buckel" hat, aus welcher Himmelsrichtung, welcher alten Kultur das gute Stück über Handelswege einst dann auf Dalma Island landete... Hier wurden nämlich  Feuersteinwerkzeuge sowie Töpferwaren aus der mesopotamischen Ubaid-Periode gefunden - und die ist über 6.000 Jahre her!

Romantik ist da, wo man sie selbst sucht und... findet! Da das "Lebanon Palace Restaurant" (in der Shoppingmall) nicht so wahnsinnig einladend aussah wie es vielleicht klingt, haben wir uns dort zum Abendessen solch "übliche Verdächtige" wie Hommos, Tabbouleh, Fattoush, Kebab, Burger und Fladenbrot nur abgeholt und sind zum Sonnenuntergang an den menschenleeren Strand gegangen.
So war denn schließlich die ganze Familie Döhring wieder friedlich vereint: Im orange-rosa-gelb-roten Schein der letzten Strahlen, an der Wasserlinie des spiegelglatten Arabischen Golfs.

Endlos lange, menschenleere Strände...

... hie und da findet sich sogar die fürs Foto obligatorische Südseeromantik-Palme!

Ein anschließendes Bad im flachen Wasser bewies: So Badewannen-warm im offenen Meer baden kann man wohl nur hierzulande! Ich gebe ja zu, dass viele Jahre in tropischen Gefilden mich dauerhaft für einen normalen mitteleuropäischen "Badespaß" (à la 20 Grad kaltes Ostseewasser.... brrrr!) verdorben haben. Ich dümpelte also vor Delma im ca. 38 Grad warmen Meereswasser unterm Sternenhimmel vor mich hin und fand es einfach nur: herrlich!

Zusammenfassend kann man sagen: Gerade wer als Emirate-Expat einmal genug hat vom Millionenstadt-Hype, und wer darüber hinaus auch für das eigene Empfinden auf der Suche nach Ruhe und Abgeschiedenheit vielleicht schon einmal zu oft in der Wüste war - dem sei die bescheidene Natürlichkeit der Dalma-Island-Strände ans Herz gelegt!

Das Straßenschild warf für mich einige Fragen auf: In der Richtung, wo "Exit" dransteht, ist nämlich nur offenes Meer!...

Sonntag, 22. März 2015

"Heimatkunde"-Festival auf emiratisch


Jedes Jahr lädt Abu Dhabi seine Bevölkerung - die einheimische wie die ausländische - sowie deren zahlreiche Gäste zu einer lebhaften Art von "Landesschau": Dem zehntägigen Qasr al-Hosn-Festival.

Blick aufs Festivalgelände des Forts: künstlicher See, extra angelegt zur Illustration des Themas "Meer"!
 
Die Stadt mit ihrer, historisch gesehen, unwahrscheinlich kurzen Geschichte präsentiert sich dann im Herzen der City: Auf dem Gelände des "Weißen Forts" der Stadt, dem Qasr al-Hosn (das arabische Wort "Kasr" steht für Palast, "Hosn" für Burg). Im ersten aus Stein errichteten Gebäude der heutigen Haupstadt der VAE, das seit den 30er Jahren des 20. Jh. seine jetzige Form hat, residierten seit 1793 die Scheichs der Familie Al Nahyan. Heute dient das Fort als Museum aber nur noch kulturell-historischen und touristischen Zwecken.

"Oase" mit extra angepflanzten Dattelpalmen für die Festivalbesucher. Hat richtig Flair!

An dieser Stelle möchte ich darunter einmal mein absolutes Lieblingsbild von Abu Dhabi einflechten. Es zeigt die Festung vor rd. 50 Jahren - inmitten von Abu Dhabi.
Sie sehen ringsum nur Sand und Palmen, aber keine Stadt? Richtig. Die gab es noch nicht. Es ist fast unglaublich, wenn man heute durch diese hypermoderne Großstadt an genau diese Stelle fährt oder geht. Zu Zeiten, als ich noch nicht ganz geboren war, (was nun auch wieder noch nicht soooooo lange her ist), gab es exakt an gleicher Stelle noch gar nichts, was - bis auf ein paar Palmblatthütten und eben dieses Fort  - mit menschlicher Besiedelung in Verbindung hätte gebracht werden können!

Das Fort vor ca. 50 Jahren. Vergleiche bitte mit meinem aktuellen Foto von oben!                                http://archive.qasralhosnfestival.ae/about-qasr-al-hosn/about-qasr-al-hosn/

Das Festivalgelände in den Mauern des Qasr al Hosn wird jeweils in einzelne Abschnitte unterteilt, welche das Leben der Emiratis hier im Gestern und Heute widerspiegeln sollen. Da gibt es, selbstredend, die "Wüsten"-Zone mit Falkenvorführungen und Kamelgehege. Daran an schließt sich das "Oasen"-Areal mit hohen Dattelpalmen, durch welche sogar ein Stückchen extra angelegter Bewässerungsgraben führt, wie er typisch für die Oasen in der umgebenden Wüste Rub al-Khali sind.
Es gibt das ("alte") "Abu Dhabi" mit nachgebauten Bazaren, an deren Ständen man historisch inspirierte Handwerks- und Alltagsgegenstände kaufen kann.


"Oasen"-Zone
Einer der vielen traditionellen Verkaufsstände
Festivalgelände vor dem Qasr al-Hosn, dem "Weißen Fort" von Abu Dhabi

"Dünen"-Zone mit gähnender Kamelmama und ihrem Baby
Bühnen für kulturelle Vorführungen sind aufgebaut, eine kleine Einheit von emiratischen Soldaten in historischer Uniform marschiert unermüdlich durch die Besuchermassen. Es gibt viele provisorische Cafés und Raststätten, in denen man typisch emiratische Speisen probieren kann.




Mein Lieblingsabschnitt beim Qasr al-Hosn-Festival aber ist jedes Jahr der "Meer"-Bereich, welcher die enge Verwobenheit der alten Einwohner von Abu Dhabi mit dem maritimen Leben zeigt: Alte Männer hocken auf dem Boden, flicken Fischernetze, bessern Reusen aus, arbeiten an der kärglichen Ausstattung, mit welcher noch Anfang des vorigen Jahrhunderts hier nach Perlen getaucht wurde.

Zentrum dieser Zone ist ein See, der extra jedes Jahr nur für dieses Festival auf dem Gelände des Forts künstlich eingerichtet wird! Dhaus, die traditionellen Schiffe in der Region, liegen auf diesem "Meer". Aus Lautsprechern abgespieltes Meeresrauschen simuliert etwas mehr Naturnähe inmitten der umliegenden Wolkenkratzer außerhalb der Fort-Mauern.... Über Laufplanken kann man der neugierige Besucher sogar auf diese Schiffe drauf und sich alles anschauen.
Jedes Mal bin ich davon fasziniert, wie viele Emiratis sich neben den vielen interessierten "Fremden" immer einfinden (am Einlass zum Festivalgelände muss man zu vielen Tageszeiten Schlange stehen; der Parkplatzmisere werden die Veranstalter mittels eines gut funkionierenden Shuttle-Bus-Systems Herr.)



Es scheint, als ob alle, die einen Bekannten oder Verwandten haben, welcher auf der Bühne, an einem der Stände oder Handwerkervorführungen beteiligt ist, ihn oder sie besuchen kommen! 
Ganze Schulklassen wandern als "Heimatkunde-Unterricht" von Station zu Station, alle restlichen Emiratis des Landes kommen einfach aus Neugier, Stolz und, um die eine oder andere Leckerei zu kosten und vermutlich "Das schmeckt ja wie bei Oma!" auszurufen..... Stelle ich mir zumindest vor. Ich habe eine Süßspeise aus gekochtem Sago mit Safran probiert; die war ungewohnt glibberig. Doch würde mir dort jemand rote und grüne Götterspeise serviert haben, hätte ich bestimmt so nostalgisch lächelnd geseufzt, wie die Emiatis vor mir in der Schlange, welche ihre Sago-Schälchen zu einem der Sitzpolster trugen.

Handtrommeln und Reihen von weiß gekleideten Männern, welche sich mit Kamelstöcken im Takt ihres Gesangs wiegen: Traditioneller Tanz, wie er auf Hochzeiten und anderen festlichen Gelegenheiten bis heute hier überall ausgeführt wird.
"Kahwa", der arabische Kaffee aus frisch gemörserten halbgrünen Kaffeebohnen mit viel Kardamom, wird in einer aufwändigen Zeremonie herstellt - natürlich auch für Touristen. Wichtig dabei heutzutage: Nie ohne die Handy-Kamera!!! :-)

So, und wem so viel emiratisches Lokalkolorit noch längst nicht reicht, der kann sich nun zum Schluss dieses winzige Filmschnipsel von den tanzenden und singenden Männern ansehen. Aufgenommen, wie solltes es anders sein..... mit meiner Handy-Kamera!

Montag, 9. Februar 2015

Seekuh-Rippchen vom Grill. Archäologie in den VAE


Alle Fotos in diesem Beitrag: Präsentation von Dr. Beech am 3.2.2015


Ur- und Frühgeschichte in den Arabischen Emiraten. Hmmm. Gab es da denn hier irgend etwas - außer Sand und Muscheln vielleicht?

Dass z.B. solch eine Vorstellung komplett falsch ist, kann man u.a. auf Vorträgen, Ortsbegehungen und Treffen der Emirates Natural History Group (ENHG) erfahren, einer Non-Profit-Organisation, welche Interessenten auf den Feldern der Geschichte und Natur der Emirate vereint.

Unlängst besuchte ich einen Vortrag von Dr. Mark Jonathan Beech, dem "Head of Coastal Heritage and Palaeontology, in the Historic Environment Department at the Abu Dhabi Tourism and Culture Authority".
Fast auf den Tag genau 21 Jahre war es an diesem Abend her, erzählte er, dass er für archäologische Untersuchungen auf die Insel Sir Bani Yas gekommen war, die zu Abu Dhabi gehört. Für ganze zwei Monate!.... Man kann sicher behaupten, dass jemand, der einen ursprünglichen Arbeitsauftrag um fast 21 Jahre (bisher!) "überzogen" hat, von seiner Sache begeistert ist und hinlänglich Ahnung hat.
Diese teilte er denn auch lebhaft und informativ mit ca. 60 Interessenten, welche sich zu seinem Vortrag eingefunden hatten.

Dr. Beech beim Vortrag

Vor 8 Millionen Jahren, im Miozän, war die Küste von Ruwais kein öder Haufen Sand wie heute. Hatten Sie schon einmal die Gelegenheit, eine ostafrikanische Savanne zu besuchen - oder haben Sie Dokumentarfilme über diese Landschaften gesehen? Genau so sah es zu jener Zeit hier aus, in den VAE! Stellen Sie sich vor, wie im Schatten Akazien-artiger Bäume - entlang der damals vorhandenen Flüsse und Bäche - urzeitliche Elefanten, Nashörner und Flusspferde einherstampften und sich einen Weg bahnten zwischen Gazellenherden, Gruppen von Giraffen, Affen, Hyänen und Pferden, aber auch Säbelzahntigern und Krokodilen!

Bis vor ca. 12.000 war diese von zahlreichen Tierarten vielbewohnte Küste aber auch noch gar keine Küste! Der Persische Golf entstand erst aufgrund des Abschmelzens der Eismassen in Anschluss an die Eiszeit - bis dahin war er eine von Flüssen durchzogene, fruchtbare Tiefebene gewesen. Man konnte zu jener Zeit also trockenen Fußes vom heutigen Abu Dhabi nach dem Iran hinüberwandern...
Und solche Wanderungen sind nicht nur ein Gedankenspiel. Man kann man sich gut vorstellen, dass auch davor bereits steinzeitliche Jäger und Sammler durch diese grüne Ebene schweiften.

Allererste Spuren menschlicher Besiedelung fand man immerhin bei Jebel Barakah: 150.000 Jahre alte Steinwerkzeuge aus der mittleren Steinzeit, mit welcher unsere Vorfahren ihre Alltagsarbeiten verrichteten. Wie Funde bezeugen, aßen die damaligen Bewohner sehr gern gegrillte "Rippchen" von der Seekuh...

Allzweckwerkzeug aus der Steinzeit, gefunden am Jebel Barakah

Einen Aufschwung fand die Bevölkerung offenbar im 4. Jahrtausend v. Chr., während der Kupfer- bzw. Bronzezeit. In einer Periode, als es auf der Arabischen Halbinsel noch gar keine Kamele gab, sondern der Transport des Kupfers und der schon damals von Perlentauchern heraufgeholten, in den angrenzenden Gebieten sehr begehrten Perlen mittels Maultieren vonstatten ging! Kamele wurden nämlich hier erst etwa 2000 Jahre später heimisch...

In zahlreiche damalige Siedlungen auf dem Gebiet der heutigen Emirate fanden sich Keramikwaren der mesopotamischen Obeid-Periode -  die Krüge und Schalen mit den typischen schwarz-braunen Mustern müssen zu jener Zeit in etwa so beliebt und chic gewesen sein, wie heute das gute Meißner Porzellan! Und das zeigt wiederum, wie mobil diese Menschen bereits waren - ganz ohne Auto, ja noch nicht einmal Wagen hatten sie.
Doch auch die einheimische Bevölkerung aus jener Periode war Zierrat nicht abhold: Schmuck aus Steinen wurde sowohl als Grabbeigabe von Männern wie Frauen gefunden. Und auch Piercing ist mitnichten etwas Neues: Mr. Beech zeigte das Foto eines Mädchenschädels, an welchem die Perle als Nasenpiercing noch nach Jahrtausenden intakt ist!

Bauten aus der Bronzezeit (Abu Dhabi)

"Ichthyophagen" - Fisch(fr)esser - wurde die antike Bevölkerung der heute Emiratischen Küsten von zeitgenössischen (Herodot, Plinius u.a.) wie auch späteren Historikern etwas abschätzig genannt, weil sie sich kärglich von Fischfang, dem Sammeln von Meerestieren und der Perlentaucherei ernährte und in Hütten aus Wal-Skeletten, Seetang und Muschelschalen lebte. Um Jahr Null herum war das Klima auf der Arabischen Halbinsel eben schon wesentlich trockener und unwirtlicher geworden, als das während der frühgeschichtlichen Perioden der Fall war. Eben das Bild, welches sich in den Köpfen eingenistet hat (s.o.)... - aber eben nicht immer so stimmte und natürlich vor allem heute nicht mehr stimmt.

Eine hübsche Anekdote soll den Kreis zum Beginn des Vortrags schließen. Als Dr. Mark Beech 1992 erstmals emiratischen Boden betrat und mit einem Archäologen-Team bei Ausgrabungen auf Sir Bani Yas Island begann, gruben die Forscher einen ehemaligen Gebäudekomplex aus. Erst ganz zum Schluss jedoch hatten sie sich zu den zentralen Mauern vorgearbeitet.... die sich als Kirche entpuppten!
Man hatte den Platz gefunden, der in frühchristlichen Aufzeichnungen von einem nestorianischen Kloster irgendwo an den Gestaden dieser Golf-Küste berichtet worden war - seefahrenden Handelsleuten im 6. Jh. auf dem Wege von Europa nach Indien und China bot es einst eine Raststätte für Leib und Seele.

Wer sich noch mehr in das Thema Ur- und Frühgschichte in den VAE vertiefen möchte, findet auf der Seite des Geoportals Abu Dhabi Material dazu.

Dienstag, 9. Dezember 2014

Neuer Weltrekord: Die längste Graffiti-Strecke der Welt ist seit voriger Woche in Dubai zu sehen



"Pforte" zum Guiness-Weltrekord-Graffito

Heute mal wieder ein Blick ins Nachbar-Emirat, nach Dubai. Wie bereits im letzten Posting berichtet, feierten die VAE am 02.12.2014 ihren 43. Nationalfeiertag.
Natürlich wurde dieser "standesgemäß" mit riesen Parade, riesen Feuerwerken und extra lange arbeitsfrei für die Bevölkerung begangen.
Doch dabei wollten es die Landesfürsten wohl dennoch nicht belassen - etwas noch Größeres, noch Spektakuläreres musste her. Warum denn nicht mal wieder ein Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde?!

"Rehlatna" ("Unser Weg") heißt die Weltrekord-Idee: Das längste zusammenhängende Graffito überhaupt, das je erstellt wurde und mit seinen Einzelbeiträgen die Geschichte und Kultur der Emirate widerspiegeln soll. Zur Teilnahme aufgerufen waren sowohl emiratische als auch internationale Meister-Sprayer aus der Graffiti-Szene.

Den bisherigen Rekord auf diesem Gebiet hielt Argentinien: Eine am 30. September 2013 in Bariloche fertiggestellte, über 1.981 m gehende Graffiti-Wand.

Seit dem 01.12.2014 scheint festzustehen, dass das unter der Patronage des Dubaier Kronprinzen Sheikh Hamdan stehende Projekt seine Wette gewonnen hat: Mit 2245,4 Metern, welche eine Freifläche in Dubai umschließen, ist es ein ganzes Stückchen länger als der argentinische Vorgänger.

Faszinierend bei einem Rundgang zu sehen, wie viele verschiedene Themen und Stile die internationale Graffitikünstler-Schar auf die Wand sprayte! Ein paar besonders sehenswerte Beispiele finden sich hier darunter.

Bis zum Jahresende kann dieses "Freilichtmuseum" noch besichtigt werden, natürlich kostenfrei.

 













    Ein Teil des über 2 km langen Bilderfrieses, im Hintergrund die Dubai Skyline                                                                  mit dem höchsten Gebäude der Welt, dem Burj Khalifa.



Montag, 1. Dezember 2014

Emiratischer Nationalfeiertag 2014 - Party für alle


Liebevoll gestalteter Gemüsestand im Carrefour-Supermarkt im Vorjahr, kurz vor dem 2.12.


Jeweils kurz vor dem 2. Dezember jedes Jahres "erblühen" die Vereinigten Arabischen Emirate geradezu: Weiß-Grün-Rot-Schwarz, wohin das Auge auch blickt. An Fahnenmasten, hinweg über Firmenfassaden, blinkend auf Straßendekorationen und Supermarktständen, in den Tüllkleidchen kleiner Mädchen, an Autos sowieso. Sehr viele Wohnhäuser sind mit einer riesigen Flagge in den emiratischen Farben verhüllt, wie einst der Deutsche Reichstag 1995 vom Verpackungskünstler Christo.

Das meiste davon ist rein privat - man bekommt den Eindruck: Die Emiratis lieben ihr Land von ganzem Herzen und sind ihrem Staatsgründer und dessen heute herrschenden Erben wirklich dankbar für das Leben, das sie hier führen können.

Privathaus in Abu Dhabi, Nähe Deutsche Schule


Dieses Jahr leuchtet über den Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag überall die große "43". Ein Blick zurück in die Geschichte des Landes (s. Wikipedia):
"Von 1952 an hatte sich eine engere Zusammenarbeit der Emirate entwickelt, verstärkt nach dem Einsetzen der Erdölförderung. Im Laufe der 1960er Jahre verloren britische Ölfirmen zunehmend an Einfluss zugunsten von US-amerikanischen Unternehmen. Das bereits bestehende britische Büro für Entwicklung wurde vom Trucial States Council abgelöst, einem von den Herrschern der Emirate gegründeten Koordinierungsrat, zu dessen Generalsekretär und Rechtsbeistand Adi Bitar ernannt wurde, der Rechtsberater von Scheich Raschid bin Said Al Makthoum. Großbritannien verkündete 1967 die „East of Suez“-Politik, wonach es sich bis Ende 1971 von seinen Militärbasen und anderen Verpflichtungen östlich des Suezkanals zurückziehen würde. Damit würden zum 31. Dezember 1971 auch die Schutzverträge mit den Gebieten am Persischen Golf – außer den Trucial States auch Bahrain und Katar – enden.

Die Herrscher von Abu Dhabi und Dubai beschlossen, ihre Emirate zu einer Union zusammenzuschließen, eine Verfassung ausarbeiten zu lassen (von Adi Bitar), und dann die Herrscher der anderen fünf Emirate einzuladen, der Union beizutreten.
Am 2. Dezember 1971 entließ Großbritannien die Trucial States in die Unabhängigkeit. Am selben Tag trafen sich die Herrscher von Abu Dhabi, Adschman, Fudschaira, Schardscha, Dubai und Umm al-Qaiwain. Sie gründeten unter der Leitung und Vermittlung von Scheich Zayid bin Sultan Al Najyan (dem Vater des aktuellen Präsidenten der VAE und Herrscher des Emirats Abu Dhabi) die Vereinigten Arabischen Emirate, mit Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan selbst als Präsident, die eine Woche später, am 9. Dezember, den Vereinten Nationen beitraten. Am 11. Februar 1972 trat Ra’s al-Chaima als siebtes und letztes Emirat der ehemaligen Trucial States den VAE bei."


Wohnterrasse, z.Z ohne Aussicht, wegen Nationalfeiertags....

Straßenwimpel
  
Viele kulturelle und sonstige Veranstaltungen vor und um den Nationalfeiertag werden jedes Jahr initiiert; Höhepunkt sind jedes Mal die Parade und das Höhenfeuerwerk. Während der 2. 12. für (fast) alle arbeitsfrei ist, haben dieses Jahr auch die Schulen und Behörden wiederum noch den 3. und 4. 12. frei - die Kinder freut's.



Leucht-Deko in Wohngebiet
in der Nachbarschaft



















Ein Wort noch zur Parade an der Corniche. Schon tagelang zuvor sieht man im Straßenbild zunehmend mehr phantasievoll geschmückte Privatautos herumfahren. Da die arabische Begeisterung fürs Dekorative mit dem Landespatriotismus zusammen wohl oft allzu üppige "Blüten" hervorbrachte und die in der Vergangenheit leider auch in toten und verletzten Personen resultiert haben muss, gibt es nun fürs Anbringen von Auto-Deko genaue Verordnungen durch das Innenministerium.


Darin heißt es: "Dekorationen und Verhalten, welche verboten sind":

  • Bemalung oder Beklebung der Windschutzscheibe oder Abdeckung des Rückfensters
  • Überschreiten der Anzahl der erlaubten Insasses im Auto
  • Personen, welche sich aus den Autofenstern lehnen oder auf dem Fenster, dem Autodach, dem Sonnendeck, der Motorhaube oder dem Kofferraum stehen (sitzen, liegen).
  • Das Ministerium warnt auch davor, akrobatische Kunststückchen aufzuführen, den Verkehr zu unterbrechen, auf verbotenen Stellen zu parken, Straßen zu blockieren oder sein Fahrzeug außen mit Lautsprechern auszurüsten. 
  • Überdies darf man nicht Modifikationen am Motor oder der Farbe des Fahrzeugs vornehmen, die Nummernschilder abdecken, Poster auf für die Fahrersicht nötigen Stellen aufbringen oder Deko-Schaum durch Fahrer oder Mitfahrer aus dem Wagen zu sprühen.
Zuwiderhandlung kann Strafen zwischen 500 bis 3000 Dhs zur Folge haben, oder auch 12-24 "Punkte" im (nicht Flensburg, sondern) VAE-Verkehrssünder-Register bzw. einmonatiges Kassieren des Führerscheins.

Hier beweisen ein emiratischer Autobesitzer und sein rosa Teddy viel Liebe zum Heimatland!  (Foto: Laila Stumpf)
 
                                       (Foto: Laila Stumpf)
Ich bin mir jedoch sicher: Auch dieses Jahr wird man am 2.12. wieder komplett zugeparkte Stadtautobahnen nahe der Parade erleben. Genauso, wie über und über mit Scheich-Konterfeis zugeklebte Autos oder aus den Autofenstern hängende, Fahnen schwenkende Jugendliche, die enthusiastisch gegen die auf dem Fahrzeugdach angebrachten Lautsprecherboxen anschreien, welche die Umgebung kräftig mit orientalischen Rhythmen beschallen.

Vor so viel Freude über den Nationalfeiertag bewahren offenbar nicht einmal angedrohte Strafen.... :-)

                                                                                                                                                       (Foto: Laila Stumpf)