Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

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Montag, 9. Mai 2016

'GLADies' - Deutsch sprechende Frauen in Abu Dhabi


Wenn man an einen fremden Ort umzieht, der dazu auch noch in einem anderen Land, gar auf einem anderen Kontinent und in fremdem Kulturkreis liegt - (das Ganze möglicherweise zum allerersten Mal!) - der fühlt sich sicher oft erst einmal ein wenig entwurzelt, ratlos, neugierig, verzweifelt, einsam, irritiert, dankbar für jegliche Unterstützung. Meist alles gleichzeitig.


So sieht sie aus: Die neu gestaltete Homepage der GLADies.

Während die Kinder, so vorhanden, schnell durch Schule oder Kindergarten einen neuen Alltag haben, Anschluss finden und auch der - zumeist entsendete - Partner voll an seinem neuen Arbeitsplatz beschäftigt ist, bleibt gerade in expatriierten Familien häufig ein Erwachsener daheim (oft die Frau/Mutter; aber es gibt natürlich auch "mitreisende" Ehegatten bzw. Väter, wenn die Frau beruflich entsendet wurde!). In manchen Arbeitsverträgen darf der mitreisende Partner im Neu-Land selbst arbeiten gehen, in manchen nicht.

Wobei: Daheim bleiben...?! Zuallererst ist das ja gar nicht vorhanden! Vom Hotel aus besichtigt der daheim-abernichtdaheim-Gebliebene zunächst potentielle Wohnungen. Die danach bewohnbar gemacht / eingerichtet werden müssen. Oft dauert es Wochen oder sogar Monate, bis der Container mit den vom Heimatland mitgebrachten Möbeln und persönlichen Dingen ankommt...

Doch auch noch nach Wochen des Schaffens eines neuen Zuhauses ist der "nicht arbeitende" Partner häufig damit beschäftigt, Alltag im Sinne von "Wo bekomme ich Brot her, das keine Fladenform hat", "Wo finde ich einen vertrauenswürdigen Zahnarzt" oder "Wo zum Geier ich treibe ich jemanden auf, der Internet im Haus installiert" etc. herbeizuzaubern. Manchmal hilft das Internet (sofern schon angeschlossen), manchmal auch nicht.
Der eine oder die andere verzagt dann gelegenlich: Wenn nichts funktionieren will und eventuell durch fremde Sprache und kulturelle Prägungen auch oft erst einmal nicht wirklich kann. Verzweifelte Momente, Expat-Blues...


GLADies - ein "Heimathafen" in der Fremde


In solchen Fällen Gold wert sind: andere Expats! Leute, die schon länger da sind und die gleichen Informationen einst selbst verzweifelt suchten, nun aber gern an Neuankömmlinge weiterzugeben bereit sind! Am besten sogar die eigene Sprache sprechen; durchaus auch übertragen gemeint.

In Abu Dhabi sind für alle Deutschsprachigen die GLADies ein erster "Hafen" und Quell von Wissenswertem, Tipps, aber auch einem "heimatlichen" Gefühl. Die "German speaking LADIES of Abu Dhabi" nehmen seit  20 Jahren neu hinzukommende Frauen mit offenen Armen auf. Eine andere Lesart ist "Glad Ladies" (Glückliche Frauen). Antje Al-Sayed Ali war zusammen mit Gisella Salem eine Frau "der ersten Stunde", leitete die Vereinigung viele Jahre lang und ist nach wie vor aktives Mitglied.


Beliebt: Die monatliche Frühstücksrunde der GLADies im Beach Rotana Hotel.

Nein, das ist beiliebe kein heimattümelnder Verein engstirniger Hausfrauen, die ständig beisammen glucken, weil sie sich womöglich nicht "hinaus ins Leben" trauten. Jenes ist eine beliebte Phantasie oft jugendlicher, rucksackreisender Leute, welche eher locker im Ausland zu reisen denn längerfristig dort zu leben (vor)haben - und die es "schrecklich" finden, wenn man in der Fremde auch nur einmal mit Landsleuten spricht, anstatt sich voll der Gastfreundschaft der freundlichen Inländer hinzugeben. 
Der Expat hingegen kapiert schnell: Zwischen ein paar Monate des ungebunden Herumreisens und irgendwo (zumal vielleicht mit Kindern) dauerhaft einen Alltag zu meistern besteht ein nicht gerade kleiner Unterschied... Der Appetit auf Schwarzbrot wird nach einigen Monaten ab und an genauso groß wie der Wunsch nach Menschen mit ähnlicher kultureller "Stamm"-Identität. 

Guter Rat muss eben nicht teuer sein, wenn eine Organisation wie die GLADies zur Hand ist! Die GLADies bieten auf ihrer gerade komplett neu gestalteten Homepage viele Tipps und Links gerade für Neuankömmlinge, aber auch vielfältige Angebote kultureller, geselliger und sportlicher Art. Eine wichtige Starthilfe in den Abu-Dhabi-Alltag stellt die Link-Sammlung dar (Institutionen, Ärzte, kulturelle Angebote, Landeskunde VAE,...) 

Ausflüge ins Umland und Besichtigungen oder gemeinsame Frühstücksrunden laden regelmäßig ein. Manche Mitglieder dieser losen Vereinigung beteiligen sich sehr rege und sind bei vielen GLADies-Veranstaltungen dabei. Andere sieht man ein-, zwei Mal im Jahr dort (vielleicht, weil sie selbst eine Berufsarbeit aufgenommen haben) - und auch das ist völlig in Ordnung. Freundschaften sind auf solchen Zusammentreffen wohl allein in Abu Dhabi bereits unzählige entstanden!

Zu den Aktivitäten können natürlich gern auch Gäste mitgebracht werden; Abu Dhabi erfreut sich ja unter Verwandten und Bekannten in Übersee steigender Beliebtheit für Besuche. Auch für die Ehemänner gibt es mit der "GLADiesNight" ein (dann nicht rein deutschsprachiges!) Angebot. Dort können sich abends berufstätige wie nicht berufstätige GLADies und ihre Partner treffen und in lockerer Atmosphäre austauschen.


Liebevoll dekoriertes Buffet anlässlich des Muttertags

Viele Talente werden unter den Mitgliedern offenbar: Manche der GLADies bieten Kurse an (momentan Bowling, Literaturkreis, Mamas, Aquafitness und Wassersport, Quilten u.a.). Oder aber sie kümmern sich darum, dass diese Vereinigung überhaupt existieren kann! 
210 Frauen stehen im E-Mail-Verteiler, 90 davon sind (wenig!-) zahlende Mitglieder. Derzeit neun Damen lenken und leiten mit unterschiedlichen Aufgaben die Gruppe Denn  selbstverständlich gibt es bei der Organisation und Verwaltung aller Aktivitäten auch vieles im Hintergrund zu regeln. Alle regelmäßigen wie zeitweiligen Mitarbeiterinnen kümmern sich natürlich rein ehrenamtlich.

Toll, dass immer wieder Frauen bereit sind, sich zum Wohle der Gemeinschaft den berühmten "Hut" aufzusetzen. Bei einer so starken Fluktuation der Mitglieder, wie es für Expat-Gemeinschaften nun einmal normal ist, müssen sich nach dem Weggang der einen ja immer wieder neue finden! Gerade wurde die bisherige "Chefin" verabschiedet, da sie in ein anderes Land umzieht. Doch glücklicherweise hat sich bereits eine Nachfolgerin bereit erklärt. Auch nach der Sommerpause wird es also hoffentlich wieder zahlreiche interessante und verbindende Stunden von und mit den GLADies geben.


* GLADies-Homepage Neugestaltung: Philipp Los

Montag, 12. Oktober 2015

Brücke ins Nirgendwo




Sieht so ein bisschen wie die Golden Gate Bridge in Amerika aus, stimmt's? Ist aber die Hodariyat Bridge in Abu Dhabi. Schicke Architektur-Zeugen gibt es in den VAE ja so einige.

Das Besondere an dieser Brücke ist jedoch weniger ihr elegantes Aussehen. Sondern ihre "Funktion" bzw. der Platz, wo sie vom Stadtteil Al Bateen (dem mit den ganzen Scheich-Palästen....) aus hinführt!


Nämlich: (in's) Nichts!
Die 1,3 km lange und 29 m hohe Brücke, die 2012 fertiggestellt wurde, schwingt sich über einen der vielen seichten Meeresarme, welche zwischen den einzelnen Inseln dahinziehen, aus denen Abu Dhabi eigentlich besteht. Um dann auf einem langgestreckten Eiland (Al Hodariyat) zu landen - wo nichts ist. Zumindest bislang...
Flach wie eine Tischtennisplatte, nur ein paar Zentimeter über Normal Null - bestehend aus Sand, ein paar Muscheln und gelegentlichen, wasserspeichernden Pflanzenbüscheln. Angler und Wassersportler machen dort gern einmal Halt. Bis dato konnte man die Brücke nur per pedes überqueren.




Keine Frage: Infrastruktur wird in den Vereinigten Arabischen Emiraten groß geschrieben. Eine angenehme Erfahrung, wenn man auch schon in Ländern gelebt hat, wo zwar Wohnhäuser gebaut werden... jedoch öfters bar jeglicher Strom- und Wasserleitungen, und kein Gedanke an eine vorüberführende Straße!
So groß geschrieben, dass hier die Infrastruktur oft schon vor den Wohn- und Geschäftsgebäuden da ist! Man kann also davon ausgehen, dass dies langgestreckte Eiland, auf welches die Al Bateen-Brücke führt, gemäß dem Stadtentwicklungsplan für 2030 dereinst gut besiedelt sein wird. Dann werden dort auch Autos rollen.

Selbst wenn es jenseits der tollen Brücke jetzt noch nichts besonderes zu sehen gibt: Wenn man sich umdreht, hat man zumindest auf einige der hoch ragenden Tower von Abu Dhabi mal eine ganz neue Perspektive!

Die Etihad-Towers aus einem unüblichen Blickwinkel

Montag, 21. September 2015

Verloren beim Adressensuchen. Noch.


Auf den ersten Blick erscheint Abu Dhabi - zumindest der Hauptteil der Stadt, welcher sich auf der größten Insel befindet - sehr übersichtlich gebaut: Wie in altrömischen oder auch amerikanischen Städten sind die Straßen schachbrettartig angeordnet. Kein Straßengewirr, keine engen Kurven und Sackgassen. Ist man eine Kreuzung mal zu weit gefahren, dreht man einfach am nächsten Kreisverkehr oder der Ampel um. So weit, so gut.

Bisheriges Straßenschild. Momentan änder sich viele Namen und Nummern im Sinne eines vereinheitlichten Systems.


Etwas komplizierter wird das Ganze bereits, wenn man eine bestimmte Adresse finden will. Sei es, um einen neuen Bekannten zu besuchen, sein Kind von einem seiner Freunde daheim abzuholen oder zum Kindergeburtstag zu fahren, oder aber, eine Behörde, einen Arzt, ein bestimmtes Geschäft oder Restaurant zu finden... Das kann zu sehr absurden Blüten zu führen, darüber habe ich früher schon einmal berichtet.

Neulich erst wieder war ich absolut verloren.... weil ich nicht gut genug auf die umständliche Beschreibung der Abfolge á la "rechts, links, wieder links, 200 m geradeaus und dann zweimal rechts" einer Bekannten gehört hatte, um die 62. Straße zu finden. Sondern nonchalant die Straßennummer auf meinem Mobiltelefon bei Maps eingegeben hatte und der Straßenkarte nach gefahren war. Blöde Idee, denn leider-leider war ich so in einer ANDEREN 62. Straße gelandet, ca. 3 km Luftlinie von der eigentlich avisierten...
Doch selbst wenn man brav den Beschreibungen folgt, ist es oft nicht ganz einfach: "Firma X. Auf der A-Straße, Nähe Ecke B-Straße, gegenüber dem "Name"-Hochhaus, das früher "Z" hieß"  -  so ähnlich sehen hierzulande Adressangaben oft aus.

Dem Abhilfe schaffen soll ein neues, alles umfassendes Adress-System namens ONWANI = "meine Adresse" (hier zur Webseite!) das im Emirat Abu Dhabi eingeführt wird. (d.h. die emiratische Hauptstadt selbst wie auch andere Städte der zugehörigen Region).







Die City selbst wurde schon seit vergangenem Jahr mit neuen Straßenschildern versehen - was für teils nicht geringe Verwirrung sorgte, denn oft haben sich nicht nur Namen geändert, sondern auch die den "älteren" Einwohnern von Abu Dhabi geläufigen Straßennummern waren nun "verschoben": Die allen noch als "Mussaffah Road" oder "30. Straße" geläufige, lange Hauptstraße heißt inzwischen "Khaleej Al-Arabi Street" bzw. "8. Straße". Die ehemalige 8. Straße (heute "Al Salam Street") jedoch befindet sich ganz woanders, nämlich im City Center!
Kann sich jemand vorstellen, welche Kuddelmuddel das unter Umständen erzeugt? Taxifahrer, welche sich schon früher hier oft nicht gut auskannten, stehen nun vollends vor einem Rätsel, wohin der Fahrgast denn möchte? Es ist also angeraten, sowohl die alte als auch neue Straßenbezeichnung zu nennen, und am besten dazu gleich noch ein "landmark", wie ein großes Hotel, ein wichtiges Krankenhaus, einen bekannten Park in der Nähe.

Der Vorteil der ganzen Verwirrung momentan ist allerdings, dass in ein paar Jahren, wenn das neue System vollständig implementiert ist, endlich jede Person, jede Firma, jedes Amt eine "richtige" Adresse hat, wie sie in anderen Weltgegenden längst üblich ist: Name, Straßenname bzw. -nummer, Hausnummer. Schließlich sollen 19.000 Straßen und über 180.000 Gebäude unverwechselbare Koordinaten bekommen.
Und da die Emiraties technik- und Smartphone-verliebt sind, kann man bald natürlich auch jegliche Adresse mit seinem Mobiltelefon einscannen und sich Lage und Weg dahin anzeigen lassen, denn jedes Straßenschild und jedes Gebäude wird künftig einen QR-Code haben, den man einlesen kann. Nur für den unwahrscheinlichen Fall beispielsweise, dass man irgendwo in der Stadt ohne Erinnerung aufwacht... Einfach das kleine Viereck auf der nächsten Hausnummer mit dem Smartphone aufnehmen - und schwupps weiß man schon, wo man sich befindet! ;-)

Ende des Jahres 2015 soll ganz Abu Dhabi Stadt und Land mit ONWANI versehen sein; bis Ende 2016 dann das gesamte Emirat.



Sonntag, 22. März 2015

"Heimatkunde"-Festival auf emiratisch


Jedes Jahr lädt Abu Dhabi seine Bevölkerung - die einheimische wie die ausländische - sowie deren zahlreiche Gäste zu einer lebhaften Art von "Landesschau": Dem zehntägigen Qasr al-Hosn-Festival.

Blick aufs Festivalgelände des Forts: künstlicher See, extra angelegt zur Illustration des Themas "Meer"!
 
Die Stadt mit ihrer, historisch gesehen, unwahrscheinlich kurzen Geschichte präsentiert sich dann im Herzen der City: Auf dem Gelände des "Weißen Forts" der Stadt, dem Qasr al-Hosn (das arabische Wort "Kasr" steht für Palast, "Hosn" für Burg). Im ersten aus Stein errichteten Gebäude der heutigen Haupstadt der VAE, das seit den 30er Jahren des 20. Jh. seine jetzige Form hat, residierten seit 1793 die Scheichs der Familie Al Nahyan. Heute dient das Fort als Museum aber nur noch kulturell-historischen und touristischen Zwecken.

"Oase" mit extra angepflanzten Dattelpalmen für die Festivalbesucher. Hat richtig Flair!

An dieser Stelle möchte ich darunter einmal mein absolutes Lieblingsbild von Abu Dhabi einflechten. Es zeigt die Festung vor rd. 50 Jahren - inmitten von Abu Dhabi.
Sie sehen ringsum nur Sand und Palmen, aber keine Stadt? Richtig. Die gab es noch nicht. Es ist fast unglaublich, wenn man heute durch diese hypermoderne Großstadt an genau diese Stelle fährt oder geht. Zu Zeiten, als ich noch nicht ganz geboren war, (was nun auch wieder noch nicht soooooo lange her ist), gab es exakt an gleicher Stelle noch gar nichts, was - bis auf ein paar Palmblatthütten und eben dieses Fort  - mit menschlicher Besiedelung in Verbindung hätte gebracht werden können!

Das Fort vor ca. 50 Jahren. Vergleiche bitte mit meinem aktuellen Foto von oben!                                http://archive.qasralhosnfestival.ae/about-qasr-al-hosn/about-qasr-al-hosn/

Das Festivalgelände in den Mauern des Qasr al Hosn wird jeweils in einzelne Abschnitte unterteilt, welche das Leben der Emiratis hier im Gestern und Heute widerspiegeln sollen. Da gibt es, selbstredend, die "Wüsten"-Zone mit Falkenvorführungen und Kamelgehege. Daran an schließt sich das "Oasen"-Areal mit hohen Dattelpalmen, durch welche sogar ein Stückchen extra angelegter Bewässerungsgraben führt, wie er typisch für die Oasen in der umgebenden Wüste Rub al-Khali sind.
Es gibt das ("alte") "Abu Dhabi" mit nachgebauten Bazaren, an deren Ständen man historisch inspirierte Handwerks- und Alltagsgegenstände kaufen kann.


"Oasen"-Zone
Einer der vielen traditionellen Verkaufsstände
Festivalgelände vor dem Qasr al-Hosn, dem "Weißen Fort" von Abu Dhabi

"Dünen"-Zone mit gähnender Kamelmama und ihrem Baby
Bühnen für kulturelle Vorführungen sind aufgebaut, eine kleine Einheit von emiratischen Soldaten in historischer Uniform marschiert unermüdlich durch die Besuchermassen. Es gibt viele provisorische Cafés und Raststätten, in denen man typisch emiratische Speisen probieren kann.




Mein Lieblingsabschnitt beim Qasr al-Hosn-Festival aber ist jedes Jahr der "Meer"-Bereich, welcher die enge Verwobenheit der alten Einwohner von Abu Dhabi mit dem maritimen Leben zeigt: Alte Männer hocken auf dem Boden, flicken Fischernetze, bessern Reusen aus, arbeiten an der kärglichen Ausstattung, mit welcher noch Anfang des vorigen Jahrhunderts hier nach Perlen getaucht wurde.

Zentrum dieser Zone ist ein See, der extra jedes Jahr nur für dieses Festival auf dem Gelände des Forts künstlich eingerichtet wird! Dhaus, die traditionellen Schiffe in der Region, liegen auf diesem "Meer". Aus Lautsprechern abgespieltes Meeresrauschen simuliert etwas mehr Naturnähe inmitten der umliegenden Wolkenkratzer außerhalb der Fort-Mauern.... Über Laufplanken kann man der neugierige Besucher sogar auf diese Schiffe drauf und sich alles anschauen.
Jedes Mal bin ich davon fasziniert, wie viele Emiratis sich neben den vielen interessierten "Fremden" immer einfinden (am Einlass zum Festivalgelände muss man zu vielen Tageszeiten Schlange stehen; der Parkplatzmisere werden die Veranstalter mittels eines gut funkionierenden Shuttle-Bus-Systems Herr.)



Es scheint, als ob alle, die einen Bekannten oder Verwandten haben, welcher auf der Bühne, an einem der Stände oder Handwerkervorführungen beteiligt ist, ihn oder sie besuchen kommen! 
Ganze Schulklassen wandern als "Heimatkunde-Unterricht" von Station zu Station, alle restlichen Emiratis des Landes kommen einfach aus Neugier, Stolz und, um die eine oder andere Leckerei zu kosten und vermutlich "Das schmeckt ja wie bei Oma!" auszurufen..... Stelle ich mir zumindest vor. Ich habe eine Süßspeise aus gekochtem Sago mit Safran probiert; die war ungewohnt glibberig. Doch würde mir dort jemand rote und grüne Götterspeise serviert haben, hätte ich bestimmt so nostalgisch lächelnd geseufzt, wie die Emiatis vor mir in der Schlange, welche ihre Sago-Schälchen zu einem der Sitzpolster trugen.

Handtrommeln und Reihen von weiß gekleideten Männern, welche sich mit Kamelstöcken im Takt ihres Gesangs wiegen: Traditioneller Tanz, wie er auf Hochzeiten und anderen festlichen Gelegenheiten bis heute hier überall ausgeführt wird.
"Kahwa", der arabische Kaffee aus frisch gemörserten halbgrünen Kaffeebohnen mit viel Kardamom, wird in einer aufwändigen Zeremonie herstellt - natürlich auch für Touristen. Wichtig dabei heutzutage: Nie ohne die Handy-Kamera!!! :-)

So, und wem so viel emiratisches Lokalkolorit noch längst nicht reicht, der kann sich nun zum Schluss dieses winzige Filmschnipsel von den tanzenden und singenden Männern ansehen. Aufgenommen, wie solltes es anders sein..... mit meiner Handy-Kamera!

Montag, 2. März 2015

"Flüssig Brot" - wie man an Getränke kommt, wenn man mal kein Wasser will


Manchmal lebt der Mensch (vulgo der Deutsche Expat) auch nicht nur vom Brot allein.
In vielen muslimischen Ländern stellt einen das vor Probleme; Alkohol ist nun einmal nicht so recht Islam-konform. "Flüssig Brot" (Bier), Wein oder andere geistige Getränke gehören jedoch für Leute aus westlichen Herkunftsländern oft zur Geselligkeit oder Kulinarik schlichtweg dazu. Auch für mich gehört zu einem "runden" Essen ein gutes Glas Wein.

Einkauf im Alkohol-Geschäft namens "High Spirits"

Das Alkoholverbot wird in einzelnen Staaten ganz unterschiedlich gehandhabt. In Saudi-Arabien z.B. saßen wir wirklich auf dem "Trockenen" - merke: Es ist nicht immer von aridem Klima die Rede, wenn auswärts Lebende von einem "dry country" berichten, sondern möglicherweise auch von einem Land mit striktem Alkoholverbot! Das wurde dort weiland für uns nur unzulänglich verbessert durch diverse, vor sich hinblubbernde Kanister im Badezimmer. Eingeweihten muss ich jetzt nur den Begriff "Rauch-Säfte" zumurmeln....

In Delhi in Indien arbeitete ich intelligenterweise (zufällig) gleich bei DER - damals fast einzigen - Importfirma für Käse und Wein. Dort habe ich gelernt: Man kann sich sein Gehalt ja auch teils in "Naturalien" auszahlen lassen! So mussten wir nicht extra für ein Bier in eines der 5-Stern-Hotels gehen - denn nur dort wird in Delhi ausgeschenkt. In Libyen - ebenfalls "dry" - wiederum wusste uns meine arbeitsmäßige und freundschaftliche Nähe zu Diplomatenkreisen entsprechende zu Ware verschaffen.

Wie so einiges andere, ist auch dieses Thema in den Emiraten einmal wieder vergleichsweise einfach geregelt. Die Landesherren der VAE fanden für die vielen Ausländer, welche immerhin rund 85% der Gesamtbevölkerung darstellen, eine pragmatische Lösung. Motto: Zufriedenheit für alle, egal welcher Konfession.
In einem älteren Beitrag bin ich z.B. schon auf die in den VAE besonders eindrucksvoll beheimatete Einrichtung der "Ladies' Nights" eingegangen. Wenn man so will, eine - gemessen am muslimischen Umfeld - herausragend paradoxe Erfindung, die gerade darum großen Anklang findet.

Doch auch für den ganz unprätentiösen, heimischen Genuss sind Alkoholika hier im Laden erhältlich. Jedoch - um der Sensibilität des Themas Rechnung zu tragen - nicht im gewöhnlichen Supermarktregal, sondern in speziellen Geschäften. Theoretisch kann man da "einfach" so einkaufen gehen, sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass es in Abu Dhabi durchaus klare gesetzliche Regelungen gibt: Wer Alkohol ohne Lizenz dazu erwirbt oder konsumiert, macht sich strafbar!

So sieht die Homepage aus, auf welcher man diese Lizenz beantragen muss. Angabe des Visums, des Arbeitgebers und ein Beleg, dass man kein Muslim ist, sind Pflicht.


Das ist die Homepage https://www.auhsl.ae/Consumers/Pages/Home.aspx für die Beantragung der Lizenz

Die "Liquor Shops" der in Abu Dhabi einzigen Kette mit dem großartig gewählten Namen "High Spirits" selbst sind bemerkenswert gut sortiert und umfangreich ausgestattet. Unter Weinen, Bieren und Hochprozentigem aus aller Welt kann man z.B. chilenische Rotweine erwerben, österreichische Veltliner, natürlich superteure französische Champagnermarken, und sogar Rebengebräu aus dem anhaltinischen Saale-Unstrutkreis ("Rotkäppchen")!
Der Einkauf wird in stabile, schwarze Tüten verpackt, so dass man nach Verlassen des Geschäfts auch streng gläubige Moslems nicht einmal mit dem schieren Anblick von Alkohol belästigt. Erinnert ein bisschen an die Packpapiertüten im Amerika der Prohibition - ist aber doch hier eine für alle Beteiligten respektvolle Lösung, finde ich.

Erhältlich: Weine aus aller Welt, so auch aus Mitteleuropa

Die Preise sind so gehalten, dass man nicht gleich in Ohnmacht fällt. Jedoch auch so, dass man sich jedes Glas doch genauer überlegt - dies trifft in besonderem Maße auf Alkoholika in den Lokalen / Hotels mit Schanklizenz zu. Was zur Folge hat, dass in Abu Dhabi oder Dubai niemand auf ein Feierabendbierchen oder das Glas Rotwein zum Abendessen verzichten muss. Man allerdings auch nirgends betrunkene Menschen erlebt (hierfür sorgen wohl auch die dezent agierenden Sicherheitskräfte in den Restaurants).

Aber Achtung: Die Emirate haben unabhängig voneinander bestehende Gesetzgebungen. So ist z.B. Sharjah generell "trocken", d.h. es gibt auch in Hotels keinerlei Alkohol. Auf der Seite des Auswärtigen Amtes steht hierzu:
"Die VAE sind ein islamisches Land. Alkohol wird zwar in einigen Hotels angeboten, jedoch ist der Konsum ohne Lizenz verboten. Bei Zuwiderhandlung und Anzeige muss mit der Abnahme des Reisepasses, einer längeren Gerichtsverhandlung und einer Geldstrafe gerechnet werden. Im Emirat Sharjah wird das Alkoholverbot besonders streng gehandhabt. Alkohol wird in keinem Hotel angeboten."

Bevor man also in die VAE einreist, sollte man sich die jeweiligen Bestimmungen genau zu Gemüte führen, um vor unliebsamen Überraschungen gefeit zu sein!

Im übrigen: Ein Prosit auf diese Toleranz, die auf gegenseitigem Respekt fußt und somit sowohl für als auch gegen die Trinkgewohnheiten diverser Kulturen (fast) alles ermöglicht!












Samstag, 31. Januar 2015

Das Lichtwunder der Sheikh Zayed Moschee



Ich gebe zu: Als ich die "Große Sheikh Zayed Moschee" Abu Dhabi eines Morgens, nach einem anstrengenden Nachtflug, erstmals erblickte, war ich eigentlich nicht wirklich beeindruckt. Ein schönes Ensemble, gewiss: Riesig und ganz in Weiß. Aber ich hatte ja in anderen Teilen der islamischen Welt auch schon viele andere, oft farbigere Moscheen mit Intarsien auf den Kuppeln gesehen.

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Der Zauber dieses weitläufigen Komplexes erschließt sich möglicherweise auch gar nicht unbedingt auf den ersten Blick. Inzwischen vergeht kein einziges Mal, wenn ich dort vorbeifahre (und das ist fast täglich, da die Moschee am Wege zwischen unserem Haus und der Innenstadt liegt), bei welchem ich nicht einen langen Blick darauf werfe.
 
Bild
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Das Faszinierende: Im Zentrum überragt die mit einem Durchmesser von 32,2 m und einer Höhe von 75 m momentan größte zentrale Moscheekuppel der Welt samt der vier Minarette den restlichen gewaltigen Bau in Reinweiß. Durch die geschickte Anordung der 40 kleineren um dir große Zentralkuppel erscheint - je nach Sonnenstand oder Wolkendurchzug - das ganze Bauwerk immer anders und scheint stets neue Perspektiven, andere Licht-und Schattenspiele, neue Sichtachsen aufzuweisen! Fast wie eine "Landschaft" wirkt das, wie gleißende Sanddünen im Wind... Oft habe ich den Eindruck, jedes Mal eine "andere" Moschee vor mir zu sehen. In der Tat Architektur in höchster Vollendung!

Das Sakralbauwerk befindet sich auf einem rund 56 Hektar großen Grundstück. Es wurde vom ersten Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate geplant, Scheich Zayid bin Sultan Al Nahyan. Die offizielle Einweihung im Oktober 2007 erlebte der 2004 Verstorbene nicht mehr mit; das Grab des immer noch hoch verehrten Staatsgründers befindet sich jedoch auf dem Gelände.

Die Große Moschee von Abu Dhabi weist selbsterständlich - wie könnte es für die Hauptstadt der Emirate anders sein - eine Anzahl von Rekorden auf: Nicht nur die weiteste Kuppel, sondern auch der mit 5627 m² größte handgeknüpfte Teppich (in EINEM Stück!) aus dem Iran sowie der mit einem  Durchmesser von zehn Metern und einer Höhe von 15 Metern größte Kronleuchter der Welt - übrigens hergestellt von der Firma Faustig in München.

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Das in meinen Augen wahrlich Märchenhafte dieser Moschee spielt sich jedoch nach Sonnenuntergang ab. Traditionell sind die Minarette und sonstigen Beleuchtungen von Moscheen in der arabischen Welt ja in Grün gehalten (der Farbe des Propheten Mohammed und allgemein des Islam). Doch auch dies ist bei dieser Moschee anders. Ein einzigartiges Lichtsystem, extra dafür entworfen, spiegelt die Phasen des Mondes wider! 

Weiche, fließende Wolken in zartem Blaugrau werden nachts auf die gesamte weiße Außenfassaden aus Marmor projiziert. Jeden Tag erscheinen diese ein wenig anders - wirken sie nämlich an den Tagen nach Neumond dunkler und mit mehr Blauanteilen, hellen sich dann mit dem Zunehmen des Mondes auf, so dass der Licheffekt immer brillianter wird und zu Vollmond strahlend weiß erscheint! Zudem sind auch die Lichtquellen an den Minaretten und um die Kuppeln herum in einem tiefem, aber warm wirkenden Blau gehalten, das ebenfalls variiert wird. Tausend-und-eine-Nacht...
Um die Licheffekte adäquat zu den Mondphasen projizieren zu können, sind rings um das Gebäude 22 Lichttürme errichtet worden. Entworfen hat diese maßgeschneiderte Beleuchtung das britische Lichtplanungsbüros Speirs and Major Associates.

Wer nun gern im heimischen Sessel ganz bequem einen kleinen "Rundgang" durch die Moschee machen möchte: Hier der Link zu einem informativen, wirklich sehenswerten Film von GulfNews TV über die Sheikh Zayed Moschee: 

http://youtu.be/WToTxs9zU8A

Wem das immer noch nicht beeindrucken genug ist: Die Lichtinstallationen, welche zum 40-jährigen Bestehen der VAE auf dem Sakralgebäude für tausende Zuschauer sichtbar gemacht wurden, bringen wohl sogar hartgesottene Realistiker zum Träumen! Zum Video geht es hier:

http://youtu.be/5UZ7W4iwX48



Samstag, 16. August 2014

Emiratische Studenten in Dresden


Dass man in den Cities der deutschen Großstädte häufig schwarz verhüllte Damen mit ihren Familien vor den jeweiligen Fünf-Sterne-Sehenswürdigkeiten oder beim (nicht nur) Window-Shopping sieht, ist nichts neues: Bewohner der Golfstaaten auf Reisen.

Ungewöhnlicher - noch - dass neun emiratische Studenten und zehn Studentinnen auf Austauschprogramm in u.a. Dresden waren! In einem Beitrag der Sächsischen Zeitung wurde kürzlich davon berichtet.
Eine von drei Wochen in Deutschland verbrachten 20 Studenten aus Abu Dhabi in Dresden. Elite-Studenten, welche ein hartes Auswahlverfahren hinter sich haben und die vom Kronprinz von Abu Dhabi als „Youth Ambassadors Program“ nach Mitteleuropa entsendet wurden. Die angehenden Wirtschaftslenker, Diplomaten und Naturwissenschaftler werden dementsprechend umhegt: Anstatt in Pensionen oder Jugendherbergen sind sie in Fünfsternehotels untergebracht.Vormittags wird Deutsch am hiesigen Goethe-Institut gelernt, nachmittags und abends gibt es Führungen zu den historischen, künstlerischen und wirtschaftlichen Höhepunkten der Elbestadt.

So gehoben die Tagesordnungspunkte der jungen Emiraties auch sein mögen - der feste Rahmen ist vom Kronprinz dennoch vorgezeichnet: Alle tragen blassgelbe Polohemden! "Die Kleiderordnung ist vom Kronprinzen gewünscht; die Gastgeber sollen sofort wissen, mit wem sie es zu tun haben. „Future Leaders in Germany“ steht auf dem Rücken geschrieben – künftige Führungspersonen in Deutschland. Auf der Brust ist das Wappen der Vereinigten Arabischen Emirate aufgestickt. Die Studenten sind dazu angehalten, das Hemd ständig zu tragen. Jeder hat mehrere Exemplare bekommen; im Taschenbergpalais können sie auch den Wäsche-Service nutzen. Am Dienstag, so erzählt eine Begleiterin vom Goethe-Institut, gab es eine Diskussionsrunde in der Staatskanzlei. Eine der Studentinnen fragte ein bisschen verzweifelt: „Und was ist mit den T-Shirts?“ Gern hätten sie sich für den Anlass etwas aufgebrezelt. Keine Chance, sie mussten das Hemd anlassen. Seitdem versuchen manche, es zu kaschieren, indem sie ihre Jeansjacke darüber anlassen oder das Kopftuch entsprechend drapieren" (Zitat Sächsische Zeitung)

Globalfoundries, ein US-Amerikanischer Halbleiterhersteller und einer der Veranstalter, hatte 2008 in Dresden den dortigen Halbleiterhersteller AMD übernommen.  Und der Halbleiter-Riese gehört wiederum zu 100 Prozent der Investmentfirma Mubadala Technology aus Abu Dhabi gehört.  (siehe hier)

Gut möglich also, dass künftig engere Wirtschaftsbeziehungen zwischen Dresden und Abu Dhabi enstehen werden, falls die jungen Entscheider aus Politik und Wirtschaft, welche die Stätten von Globalfoundries und all die anderen Highlights von Dresden besucht haben, auch in Zukunft gute Erinnerungen an ihre Reise nach "Elbflorenz" bewahren!
Und das wäre dann wieder ein Fakt, der mich als Dresdnerin freuen würde.....



Freitag, 28. März 2014

Am Anfang

Irgendwann muss man ja mal anfangen.... Und so ist der Anfang vom neuen Blog: HIER!
Für alle die, welche immer mal wieder gern wissen möchten, wie sich mein Leben in den Vereinigten Arabischen Emiraten und speziell in seiner Hauptstadt Abu Dhabi gestaltet, bekommt ab sofort hin und wieder updates zu lesen und zu sehen. Also dann.....!