Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Montag, 3. November 2014

Oktoberfest: Vom Deutsch-Sein im Ausland


Unlängst fanden hier einige OKTOBERFEST-Veranstaltungen statt. Wie ja rund um den Globus, das verbreitet sich offenbar epidemisch! Oktoberfest in Honkong, Mexico-City oder eben Abu Dhabi. Klingt reichlich schräg, stimmt's?
Hm. In Deutschland käme ich wohl im Traum nicht auf die Idee, auf ein Oktoberfest mit Schunkel-Schlagern, Bier, Haxn und lauten Massengesängen zu gehen. Ich bin ja keine Bayerin! Selbst an den Ursprungsort, nach München selbst, zieht es mich inzwischen nicht mehr. Dafür aber hole ich hier, in der Wüste, jeden Herbst mein eigens dazu angeschafftes Dirndl aus dem Schrank, hebe meine Maß Bier, tanze auf dem Tisch und singe mit 1500 anderen Leuten gemeinsam lauthals sowas wie "In München steht ein Hofbräuhaus / Aans, zwoa, g'suffa!"), "Das ist Wahnsinn! (Hölle-Hölle-Hölle)" von Wolfgang Petry oder neuerdings "Atemlos" von Helene Fischer mit. Und wundere mich dabei, woher ich denn bloß die Texte kann? (Wer mich kennt, weiß auch, warum.)

Was mich zu der Frage veranlasste: Wie "deutsch" ist, bleibt - oder wird? - der Deutsche im Ausland mit der Zeit? Oder auch nicht!

Die Dirndl-Dichte war auch auf emiratischen Oktoberfesten bermerkenswert hoch,
Und wird sogar von Nicht-Bayern oder gar Nicht-Deutschen fleißig auf der Höhe gehalten!
 

Verschiebungen


Seit ca. 15 Jahren nun lebe ich im Ausland, von einigen Unterbrechungen an der Heimatfront abgesehen. Natürlich verändert man sich während so einer langen Zeit als Mensch, so oder so. Mit wechselnd fremdem Umfeld vielleicht sogar noch ein bisschen mehr als üblich.
Deutsch zu sein hatte für mich früher keine besondere Bedeutung. Als ich dann im Ausland zu leben begann, veränderte sich natürlich auch das. Ich bin nicht "stolz", aber es gibt auch keinen Grund zur falschen Scham, denn überall schlägt einem heutzutage eigentlich große Sympathie entgegen, wenn man auf die Frage, wo man denn herstamme, "from Germany" sagt. 
In solchen Momenten wird mir aber auch bewusst, dass ich für das jeweilige Gegenüber, der oder die möglicherweise noch nicht oft Deutsche in persona kennengelernt hat, so eine Art "Botschafter" meines Landes bin: Je nachdem, wie ich bei demjenigen "ankomme", wird genau dies dessen Bild von "den Deutschen als solche" prägen; so unsinnig das auch sein mag. Also gebe ich mir Mühe, mein Heimatland möglichst positiv zu vertreten (heißt oft einfach: Freundlich zu sein und sich nicht danebenzubenehmen).

"Deutscher" als je zuvor bin ich im Ausland, wenn ich - siehe oben - mich auf Oktoberfesten verlustiere ... mich dabei allerdings auch frage, welches Deutschland-"Bild" da eigentlich zu den Menschen aus anderen Ländern transportiert wird? 
Deutscher als in Deutschland bin ich gewiss, wenn ich vor Weihnachten beginne, Dresdner Christstollen zu backen. In der Heimat ginge ich einfach zum Bäcker... Super deutsch habe ich jahrelang meinen Quark und das Schwarzbrot selbst gemacht. Und Ostereier wurden immer versteckt; je nach Klimazone vorzugsweise aber nicht aus Schokolade.... Deutsch bin ich auch in punkto Pünktlichkeit geblieben: Egal, wie vorhersehbar spät der Gesprächspartner nach mir kommen mag, egal wie spät die Veranstaltung vorhersehbar nach dem offiziellen Beginn startet.... nicht "punkt" da zu sein verursacht mir immer noch Unwohlsein und Herzrasen.

Aber in anderer Hinsicht hat man sich im Laufe der Jahre auch etwas angepasst. Da wurden "deutsche" Kanten wohl abgeschmirgelt. Wartezeiten, auf was auch immer (s.o. ausgemachte Zeiten, aber auch an Ladenkassen, auf Handwerker,.....) nehme ich nach langem, hartem "Training" mittlerweile mit der nötigen orientalischen Gelassenheit hin. Anders würde ich wohl ständig kurz vor dem Herzanfall stehen! 
Ich bemühe mich um einen freundlichen Gesichtsausdruck oder auch mal ein Lächeln "außer der Reihe" im täglichen Miteinander mit der Umwelt - einfach, weil man außerhalb Deutschlands eben auch oft wesentlich freundlicher mit mir umgeht. Mein Deutsch hat sich wahrscheinlich auch verändert - oft geht es Richtung "Denglisch" mit je nach Aufenthaltsland eingestreuten Brocken der dortigen Alltagssprache. Hat in unserem Falle nichts mit Angeberei zu tun, sondern ergibt sich manchmal einfach so, weil man immer das Wort benutzt, was einem gerade zuerst einfällt!
Bei vielen Aufregern und "Skandalen", welche durch die deutsche Presse gehen (z.B. Pestizide in Lebensmitteln, Weichmacher in was-weiß-ich, Streiks in einem Stadtteil) und überhaupt bei Regularien für alles und jeden zucke ich inzwischen oft nur noch mit der Schulter. Zu oft gesehen, dass nun mal vieles "geht" und man dennoch weiterlebt. 

Vergleiche


Permanent beginnt man auch automatisch Gegebenheiten zu vergleichen zwischen verschiedenen Ländern oder Kulturen: An einem Ort ist alles chaotischer, am anderen besonders hilfsbereit, wieder woanders brauchen Kinder nirgends Eintritt zu zahlen. Sie werden entweder extrem verwöhnt oder aber sollten am besten gar nicht durch zur Schau gestellte "Individualität" auffallen. Da scheint Bildung ein hohes Gut, woanders Gegenständliches Priorität zu haben. In manchen Weltgegenden rasten die Leute total wegen König Fußball aus und zentrieren geradezu ihr Leben darum - woanders aber wegen Cricket oder Baseball! Hie dreht sich alles um Berufsleben und Arbeit, da eher um die Familie. In einem Land sollte man keinen nackten Bauch zeigen, woanders hingegen ist das kein Problem, dafür aber nackte Schultern. Usw....
Dieses ständige Vergleichen bringt ielleicht diese relative Gelassenheit oder auch Abgebrühtheit (?) in vielen Dingen mit sich, nehme ich an. Ich sehe ja: Man kann es so oder so machen, oder ganz anders. Möglicherweise ist das auch das, was man gemeinhin Toleranz nennt.

Naja, und sicher ist es keinesfalls mehr "deutsch", dass ich - und auch unsere Kinder - sich nach Regen sehnen und 'wolkenverhangen' inzwischen eindeutig knalliger Sonne vorziehen!

Festzelt mit Festbier - aber nicht in München, sondern in Abu Dhabi!


Dienstag, 28. Oktober 2014

Arabische Küche - Teil II


Hier mal wieder ein Gruß aus der hiesigen Küche...

Wie kann man ein Land, eine Kultur sehr sinnlich erfahren? Genau, durch die Küche!
Deshalb dürfen in solch einem Blog natürlich auch einige kulinarische Verweise und Tipps nicht fehlen, die ich in loser Folge immer mal wieder einstreuen werde.

Der erste Rezept-Beitrag heute ist unser Familie liebstes Getränk und stets erste Wahl, wenn wir mal gemeinsam in einem Restaurant den Durst löschen wollen. Eiskalt ist es bei großer Hitze ein Genuss, doch kann man - die Eiswürfel weggelassen - auch während der Erkältungsperiode nur zuraten!

LEMON-MINT-LEMONADE (Minze-Zitronen-Limonade)

 
http://www.cookandeat-lebanese.com/lemon-and-mint-juice
  • 1 l stilles Wasser
  • 5-6 Zitronen, ausgepresst
  • 1 Bund frische Minze
  • ca. 5 gehäufte EL Zucker
  • Eiswürfel

Man gebe den Zitronensaft zusammen mit den gewaschenen und von den Stielen befreiten Minzblättern in den Mixer, bis die Minze sehr fein püriert sind, ergänze den Zucker, bis er sich löst, und fülle mit dem Wasser auf.
Strohhalm, Eiswürfel ins Glas - fertig ist die erfrischende Vitaminbombe! In arabischen Gaststätten kommt meist noch ein Kännchen Zuckersirup auf den Tisch, damit jeder Gast die Süße in seinem Glas selbst nach Geschmack festlegen kann.


COUSCOUS-SALAT


  • 250 g mittlerer oder grober Couscous
  • 250 g Gemüsebrühe
  • ca. 8 Kirschtomaten, gewürfelt
  • 1/2 Salatzwiebel, grob gehackt
  • 1/2 Paprika, gewürfelt
  • 1/4 Salatgurke, entkernt und gewürfelt
  • 1/2 Handvoll frische Minzblätter, gezupft
  • glatte Petersilie und/oder frischer Koriander, gezupfte Blättchen von einigen Stengeln
  • 1 Handvoll Korinthen, getrocknete Cranberries oder auch fein gewürfelte Datteln
  • 1-2 EL Olivenöl
  • etwas Zitronensaft; Salz + Pfeffer aus der Mühle

Den Couscous mit der heißen Brühe übergießen, umrühren, abdecken und quellen lassen (notfalls noch mal etwas heißes Wasser nachgießen). Derweile das Gemüse würfeln, die Kräuter vorbereiten und alles in einer Salatschüssel mischen. Der Salat sieht sehr trocken aus, schmeckt aber dennoch vorzüglich, vor allem zu Gegrilltem.



Sonntag, 26. Oktober 2014

Hinter den Kulissen des Internationalen Abu Dhabi Film Festivals 2014

Gerade findet es wieder statt, ein einwöchiges Internationales Abu Dhabi Film Festival.
Fast 200 Filme unterschiedlichster Genre werden an verschiedenen Spielorten vorgeführt, die Auswahl für Cineasten ist also riesig! Höhepunkte, wie die Preisverleihungen in diversen Kategorien, machen die Veranstaltung zu einem Ereignis mit Ausstrahlung, denn auch der junge emiratische Film wird u.a. gewürdigt.

mein oranges "Freiwilligen"-Shirt und ich im Saal des Emirates Palaces...


Da ich selbst großer Kino-Fan bin und mich gern mal ein wenig hinter den Kulissen herumtreiben wollte, meldete ich mich als "Volunteer" (Freiwillige) für die Betreuung von Vorstellungen.
Schon zur Einführungsveranstaltung wurde klar: Ich hebe den Altersschnitt der Interessenten beträchtlich: Etwa achzig Prozent dieser Freiwilligen waren nämlich eindeutig College- oder Hochschulstudenten, darunter ein sehr hoher Anteil wiederum emiratische junge Mädchen in schwarzer Abahja und schwarzem Kopftuch, dafür aber hervorragend geschminkt. Und auch so fast alle unglaublich hübsch, das muss man den emiratischen Frauen einfach lassen.

Klassischer "Stundentenjob", könnte man also sagen. Aber andererseits: Man stelle sich vor, jemand fordere in Deutschland Studenten zu solch einem Job auf - zusammen mit der fröhlichen Mitteilung, dass das natürlich völlig freiwillig sei und allein der Kunst zuliebe sei und es keinen einzigen Cent dabei zu verdienen gibt! Den "Andrang" daraufhin möchte man daraufhin mal sehen.... Anders hier; ich hatte den Eindruck, es gab weit mehr Freiwillige als tatsächlich zu besetzende Jobs! Vermutlich ist das Filmfestival eine der hier recht überschaubaren Möglichkeiten, als Student "Arbeitspraxis" in irgend einer Form erwerben oder auch später vorweisen zu können.....

"Auf Schicht": Üben in orientalischer Gelassenheit


Als Deutsche ist "man" ja pünktlich, sogar noch nach vielen Auslandsjahren. Wobei ich es langsam wirklich besser wissen müsste: Schichtbeginn war für mich 16 Uhr. Man sollte eine halbe Stunde zuvor da sein. Sich einschreiben, das Namensschild sowie das orangene Festival-Mitarbeiter-T-Shirt in Empfang nehmen (nicht für Emiraties, diese durften im "National Dress" erscheinen, also Frauen in ihrer schwarzen Robe, Männer in der weißen Dischdascha). Natürlich war ich also pünktlich um 15.30 Uhr am Treffpunkt im "Emirates Palace Hotel", mit seinem großen Veranstaltungssaal einer der Spieorte.
Die letzten Ankömmlinge, die sich für diese Schicht einzutragen hatten, erschienen 16.30 Uhr. Dann hieß es warten - an unterschiedlichen Plätzen quer durch das Hotel, durch das wir geführt wurden. Das ging so bis ca. 18 Uhr..... - zwar habe ich mir mit der Zeit doch ein bisschen orientalische Gelassenheit beim Warten angewöhnt. Aber ehrlich: Ohne mein Smartphone wäre ich vor Langeweile bestimmt gestorben, denn mit jemandem ins Gespräch zu kommen scheiterte daran, dass alle jungen Leute.... auf ihren Smartphones herumtippten.

Dann ging es doch noch los. Wir wurden per Fingerzeig in Vierergruppen eingeteilt und erfuhren endlich, was wir denn zu tun hatten.... Jeder bekam die Hotelzimmernummer eines Jury-Mitglieds mitgeteilt. Dort sollten wir zu einer bestimmten Zeit anklopfen und zu einem Treffpunkt eskortieren, von wo sie den Roten Teppich des Eröffnungsabends betreten würden (und wir Freiwilligen durften paar Mal dahinter herumwieseln auf dem Weg zu unseren Jobs).

Ich hatte Glück, und so "lohnte" sich für mich denn doch noch. Ich holte die australische Regisseurin Cate Shortland ab, welche mit dem in Deutschland gedrehten Film "Lore" um ein Mädchen in den Endwirren des 2. Weltkriegs eine Nominierung für den Oscar 2013 erhielt.
Kaum hatte ich geklopft, wurde mir von Ms. Shortland die Tür geöffnet und ich zu meinem großen Erstaunen sofort hereingebeten. In dem Hotelzimmer sah es sympathisch chaotisch aus, wie es bei allen Familien zu sein pflegt, wenn man noch nicht lange angekommen ist. Denn Ruby, ihre sechsjährige Tochter, sollte mit zur Auftaktveranstaltung, aber erst einmal musste noch die Schleife an ihrem pinken Tüllkleidchen gebunden werden, und auch die Regisseurin selbst bat mich, ihr beim Anlegen ihres Halscolliers zu helfen. Auf bemerkenswerte Weise fühlte ich mich jedoch in der Gegenwart dieser natürlichen Frau nicht wie eine untergeordnete Hilfskraft, sondern eher wie eine Freundin, die man um einen kleinen Handgriff bittet.
Sie hatte natürlich meinen deutschen Akzent bemerkt und so entspann sich schnell ein Gespräch, während sie sich durch Koffer und Schubladen wühlte, um noch dies und das zu finden. Schließlich waren dann aber alle soweit, und ich konnte Cate Shortland und ihre Tochter am vereinbarten Platz abliefern.
Ich muss zugeben - ich bin nun wirklich niemand, der gleich in die Knie geht, weil jemand bekannt oder auch "berühmt" ist. Doch dieses kurze Zusammentreffen mit dieser so völlig normal, warm und ungekünstelt erscheinenden Regisseurin hat mir gefallen.

"Mit dem Clicker in der Hand..."


Patreshia aus Minnesota, Mit-Freiwillige beim "klickern" (Besucher zählen)
Die andere Schicht bestand für mich in direktem "Saaldienst". Patreshia aus Minnesota, in Abu Dhabi mit einem Lehrauftrag, und ich bekamen "Clicker" in die Hand. Postiert auf den gegenüberliegenden Seiten des Kinoeingangs hatten wir die "komplizierte" Aufgabe, jeden Eintretenden mit einem "klick" auf den Drücker des Geräts zu zählen. Zumindest bot dieser Abend die Gelegenheit, im Kinosaal stehend einen Großteil von "Bären" und "The Homesman" zu sehen.

Und so war ich um einige Erfahrungen, Kulissenblicke und auch Filmschnipsel (sowie veritable Fuß- und Rückenschmerzen....) reicher nach meiner Arbeit als Filmfestivals-Volunteer! Na, und die Gutscheine für Festivalsvorstellungen, die ich als "Lohn" erhielt, müssen auch noch umgesetzt werden...


Samstag, 18. Oktober 2014

Karriere im Schleier: Bekannte Emiratische Unternehmerinnen, Künstlerinnen u.v.a.

Im Alltag verhüllen sich emiratische Frauen traditionell ganz in schwarz - mit Kopftuch und Abahja, viele auch noch zusätzlich mit dem Gesichtsschleier. Ein Stück weit werden sie also damit "unsichtbar" für ihre Umgebung. Aber wie ist das in der Gesellschaft? Spielen emiratische Frauen da keinerlei Rolle?

Um diese Frage zu beantworten, habe ich mal ein bisschen intensivere Recherche betrieben. Ausgehend von einigen wenigen Beispielen, von denen ich wusste, habe ich nach Emiratinnen gesucht, welche in Wirtschaft, Kunst oder anderen Feldern hierzulande eine Rolle spielen und auch von der Gesellschaft beachtet "ihre Frau stehen".

Die erste emiratische Filmregisseurin überhaupt ist Nayla Al Khaja.
http://www.naylaalkhaja.com/category/about/
Nayla Al Khaja ist eine der bisher noch wenigen Frauen im jungen emiratischen Filmgeschäft. Neben ihren Regisseursarbeiten hat sie bereits eine Fernseh- und Spielfilm-Produktionsfirma gegründet. (Ihre Homepage)

Auf dem Foto darunter ist Dubais Kronprinz und Vorsitzender des Dubai Executive Council zu sehen, einer Regierungskörperschaft zur Einführung und Durchsetzung der strategischen Stadtentwickungspläne Dubais - während eines Gespräch mit einheimischen Frauen in Führungspositionen zum Thema "Marke Dubai", einer Initiative zur Vermarktung von öffentlichen Dubai-Großprojekten, wie Fuß- und Radwegen, Stränden und Plätzen. Scheich Hamdan bin Mohammed bin Rashid Al Maktoum ("Fazza" ist sein poetisches 'Alter Ego') traf sich hier u.a. mit der Generaldirektorin des Dubai Medien-Büros, Mona Ghanim Al Marri und der Direktorin für Kommunikation und Innovation, Noora Al Abbar.
Foto: http://www.emirates247.com/news/government/implement-brand-dubai-hamdan-2014-10-14-1.566270

Warum gehen Emiratinnen einer Berufsarbeit nach, und was machen sie? In einem Beitrag der GulfNews findet sich dies:

"Frauen arbeiten, ob nun für ihr eigenes Geschäft oder im öffentlichen oder privaten Sektor, aus zwei Hauptgründen: Entweder sie müssen arbeiten, oder sie wollen arbeiten.
Die Studie zeigt, dass der Wunsch nach höherem Einkommen nicht die Hauptmotivation für emiratische Frauen ist, künftige Unternehmerinnen zu werden. Der Lebensstandard in den VAE reduziert die ökonomischen Gründe beträchtlich; dies lässt nur einen Hauptgrund gelten: Weil sie arbeiten wollen. (...)
Frauen-geleitete Unternehmen repräsentieren eines der am schnellsten wachsenden Segmente neuer Firmengründungen weltweit. In den USA gehören etwa 10 % der neuen Unternehmen Frauen, während in Thailand diese Zahl auf über 45 % schießt.

'13.000 Frauen besitzen hier etwa 20.000 Firmen', sagte unlängst Fatima Al Jaber, die Vorstandsvorsitzende des Emirates Business Women Council, auf einem Forum für Wirtschaftstreibende des Privatsektors, welches von der Vereinigung der Industrie- und Handelskammer der VAE veranstaltet worden war.
Die Hauptfelder, in welchen emiratische Frauen operieren, sind Gründungen im Einzelhandel (43%) und dem Servicesektor (56%). Weibliche Enterpreneure in den Emiraten investieren in Felder wie Handel, Industriefinanzierung, Immobilienhandel, Tourismus, Messen und Ausstellungen sowie Bau und Serviceunternehmen.
Das lässt emiratische Frauen gut dastehen, zumal eine Statistik enthüllt, dass 77 % der Mädchen in den VAE einen höheren Bildungsweg abschließen, was tatsächlich 24 % mehr sind als proportional die männlichen Studenten, welche in höheren Bildungseinrichtungen eingeschrieben sind.
'Mein Vater war Geschäftsmann; er gab mir den Anstoß, erfolgreich zu werden. Er glaubte an meine Fähigkeiten, ermutigte mich, mein eigenes Unternehmen zu gründen. Später hat mich dann auch mein Ehemann sehr unterstützt", sagt Amani Al Omran.
'Ich besitzte jetzt zwei erfolgreiche Unternehmen: Einen Laden für Marken-Schals sowie eine Beratungsfirma für Management-Training. Ich hätte das ohne meines Vaters Unterstützung bestimmt nicht geschafft', setzt sie hinzu.
Aisha Yousef sagt ebenfalls, dass sie von ihrer Familie Hilfe bekam, um ihr 'Photographya Studio' zu gründen. 'Meine Familie hat stets unterstützt und glaubte an mein Wissen und meine Fähigkeiten, solche ein Unternehmen erfolgreich zu gründen, besonders meine Mutter, mein Bruder und meine Schwester. Sie haben meine Projekte, die Entwicklungen und meine Ideen regelmäßig verfolgt", sagt Aisha.
Azza Al Qubaisi, eine berühmte Schmuckdesignerin, hebt ebenfalls ihre Familie hervor. 'Sie haben mir genug vertraut, mir ohne Forderungen die Zeit zu geben, mit meinem eigenes Business Fuß zu fassen, und entließen mich aus einigen gewissen Familienverpflichtungen', sagt sie.
Da Frauen die traditionelle Rolle beibehalten haben, sich um ihre Kinder zu kümmern, bleibt die Unterstützung von Familienmitgliedern (Schwestern, Mutter usw.) ein wichtiges Element für eine Unternehmerin, um beiden Anforderungen, im Beruf und bei ihren Kindern, gerecht werden zu können.
'Nach der Heirat teilte mein Mann sich die häuslichen Verpflichtunge mit mir, besonders während meiner Schwangerschaft. Ohne das wäre es schwierig geworden, mein Unternehmen erfolgreich weiterzuführen', sagt Azza."

Einen interessanten Aspekt zur Arbeitsteilung bringt dieser Beitrag ein (Artikel):

"Eine andere Sprecherin, Scheichin Hend Faisal Al Qasimi, CEO der Al Qassemi Al Thani Holding in Katar, diskutierte ebenfalls den Anstieg weiblicher Unternehmer. 'Unser Land und die GCC (Gulf Cooperation Council) Staaten haben Frauen immer unterstützt. In früheren Zeiten waren die Männer für gewöhnlich monatelang auf dem Meer, und die Frauen führten dann üblicherweise ihre Geschäfte. Dann, mit dem Erdöl-Boom, mussten die Frauen nicht mehr arbeiten, und ihre Produktivität ging zurück. 'Das hat sich nun wieder geändert. Die Idee des Unternehmerinnentums ist wie eine Fieber, das jeden erreicht', sagt sie."

Doch nicht nur in der Wirschaft treten mehr und mehr emiratische Frauen ins Licht der Öffentlichkeit. Auf einem völlig anderen Gebiet hat sich in der Region Khulood Atiq einen Namen gemacht: Sie ist die erste bekannte Küchenchefin hierzulande! (Beitrag in The National)
'Chef Khulood' - unter dem Titel ist sie bekannt - begann 2008 ihren ersten professionellen Job in einer Küche, als sie in einer TV-Show als Küchenassistentin anfing. Kurz darauf wurde sie als Spezialitäten-Chef im renommierten Mina A'Salam-Hotel in Dubai eingestellt, wo sie Menüs kreierte, die um emiratische Gerichten kreisten, und wo sie andere Chefs die lokale Küche lehrte.
Momentan ist sie die Spezialistin für Arabische und Emiratische Küche für die Abu Dhabi Tourimsmusentwicklungs- und Investitionsfirma, wo sie dabei hilft, die regionale Kultur zu bewahren und zu entwickeln, indem sie typische Regionalgerichte mehr in der hiesigen Restaurantszene etabliert.

http://mariamali90.wordpress.com/2012/05/27/khulood-atiq-the-first-female-emirati-master-chef-2-2/
 Der nächste Schritt in ihrer Karriere war, als sie 2012 ihr erstes Kochbuch, "Sarareed", als Teil der "Gourmet Abu Dhabi" veröffentlichte. In diesem Rahmen wurde ihr der begehrte "Abu Dhabi Gourmet"-Preis verliehen. Diese Facebookseite hält über ihre Aktivitäten und Pläne auf dem Laufenden: Khulood Atiq 


Unter Freunden moderner Malerei, Fotografie und Kunst-Installationen ist sie hier längst kein Geheimtipp mehr: Karima Al Shomely. Gebürtig aus dem Emirat Sharjah, stellt die Künstlerin längst in internationalen Galerien aus (u.a. in Frankreich, Deutschland, Iran, Spanien). 
Auf ihrem Besuch vor zwei Jahren in Düsseldorf entstand dieses Bild:
http://www.rheinische-art.de/cms/topics/interkultureller-dialog.-die-lepsien-art-foundation-bringt-kuenstler-aus-europa-und-dem-mittleren-osten-zusammen.php - Auf dem Foto: Karima Al Shomely
Und zum Schluss - was wäre die Welt ohne Ärztinnen? Dr. Maryam Matar ist eine hochangesehene emiratische Medizinerin. Die 36-jährige sagt, sie habe in einer einzigen Woche bis zu elf "Hüte" auf: Beispielsweise als Vorsitzende und Gründerin der Assoziation zu Erbkrankheiten in den VAE. Momentan verteilt sie ihre Zeit gleichmäßig zwischen Dubai und Japan. Jeweils sechs Wochen am Stück verbringt sie am einen oder anderen Ort, weil sie gegenwärtig ihre Forschungsarbeit für ihre Professur über Bluterkrankungen in den Emiraten an der Yamaguchi Universität fertigstellt.

http://www.thenational.ae/business/industry-insights/the-life/day-in-the-life-emirati-doctor-maryam-matar
Die hochdekorierte Medizinerin hat in einigen öffentlichen Positionen im Gesundheitswesen gearbeitet und einige Initiativen ins Leben gerufen, so 2012 eine zur Bekämpfung von erblicher Sichelzellen-Anämie. Sie rief 2005 die Down-Syndrom-Vereinigung der VAE ins Leben und ist die erste emiratische Frau, welche zur Generaldirektorin der Dubaier Regierung erhoben wurde.

Also einige durchaus bemerkenswerte Karrieren, aus denen ich hier eine kleine Auswahl getroffen habe. Doch wer nun feststellt: Gut, es gibt emiratische Vorzeigefrauen, die wirklich was leisten. Aber so viele sind es nun auch wieder nicht...
Gegenfrage: Wie viele Damen in Deutschland sitzen denn in Firmenvorständen, leiten Unternehmen, haben Regierungsämter? So sehr viele sind es ja am Ende hier wie da nicht. Wobei man natürlich davon ausgehen kann, dass aus historischen Gründen in Europa die breite Masse der Frauen schon lange ganz natürlich einer Berufsarbeit außer Haus nachgehen muss oder möchte.



Samstag, 11. Oktober 2014

"And it is Ladies' Night...."

Den Disko-Hit "Ladies' Night" von "Kool & The Gang" aus dem Jahre 1979 hat wohl fast jeder sofort im Ohr.

Zwar waren mir solche Promotions-Aktionen in Bars und Diskotheken - wo an bestimmten Tagen weibliche Gäste die Getränke billiger oder ganz kostenlos erhalten - aus Europa nicht unbekannt. Doch ein wahres Eldorado für Frauen, welche ihre Drinks nicht gern selbst bezahlen mögen  ;-), aber auch nicht auf mehr oder minder hintersinnige "Angebote" von umlagenden Herren warten wollen, tat sich in dieser Hinsicht meinen Augen in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf!

Auch hier wieder einmal: Das Land, in welchem alle Arten von Lebensstilen und -ansichten im Rahmen der Gesetze gelebt werden können und friedlich nebeneinander existieren.
Wer praktizierender Moslem ist oder aus anderen Gründen an Barbesuchen keine Freunde findet, wird diese Veranstaltungen nicht besuchen und daher auch vom Kontakt mit Alkohol und lauter Musik "verschont" bleiben. Für alle anderen gilt: Wenn Damen zahlreich aufgrund der "Ladies' Night"-Aktion in einen Club strömen, sind auch die vielen (für sich selbst zahlen müssenden) Herren nicht weit. Ergo: Der Laden brummt, und das sieht wiederum jeder Geschäftsführer gern!

Um die Gefühle von Moslems nicht zu verletzen, werden in Zeitungsanzeigen etc. die Dinge aber nie ganz exakt beim Namen genannt; doch mit dem Umschreibung "Grape, Hops and Bubbly" ("Trauben- und Hopfenerzeugnisse sowie Prickelndes") weiß man ja auch so Bescheid und allen ist Genüge getan...

Klar, das Geld macht in den VAE die Musik; dennoch lasse man es sich auf der Zunge zergehen: Ein ISLAMISCHES Land, in welchem FRAUEN ganz LEGAL kostenlos ALKOHOLISCHE Getränke gereicht bekommen (Männer hingegen nicht)! Also eine Art "umgekehrter" Diskriminierung. Trotzdem sieht man bei den unzähligen Veranstaltungen dieser Art jeden Tag in Abu Dhabi keine unerfreulich "abgefüllten" Frauen herumwanken. Da wirken dann wohl gegenseitige soziale Kontrolle genauso, wie - ganz dezent agierende - Angestellte, welche ein Auge darauf haben, dass die Atmosphäre für alle Anwesenden angenehm bleibt.


 Typische 'Ladies' Night'-Atmosphäre in einem der hiesigen Clubs

Selbstredend: An all diesen Orten ist die "Selfie"-Quote enorm hoch!

In anderen, nicht-moslemischen Teilen der Welt sieht das ganz anders aus: In den US-Staaten Californien, Maryland, Pennsylvania und Wisconsin beispielsweise haben Gerichte befunden, dass "Ladies' Nights"-Preisfestlegungen "ungesetzlich", weil tatsächlich "Geschlechter-Diskriminierung", sind und daher verboten.
Und während man in Deutschland - vom 'Diskriminierungs'-Standpunkt aus - meist relativ gelassen mit "Ladies' Night"-Aktionen umgeht, wurde in einer Wiener Diskothek im Jahr 2008 ein Urteil gesprochen: Demnach erfüllten dort Ladies-Night-Angebote den Tatbestand einer Diskriminierung – und zwar von Männern! (Artikel)

Hier noch ein "Auflug" mit dem "Paddyman", dem Haus-Sänger und Comedien des beliebten Irish Pubs "PJ O'Reilly's" in Abu Dhabi; jener im Video auf "Abwegen" in Dubai.

Der singt sonst auch gern mal auf die Melodie der altbekannten Weise "Take me home.... Sheikh Zayed Road / to the place / I belong: Abu Dhabi /with all it's money...." 
 (Sheikh Zayed Road heißt die Autobahn, welche Dubai mit Abu Dhabi verbindet, und das Ganze ist  ein ironischer Seitenhieb auf das "große" Dubai, welches ja allein mit Abu Dhabischem Geld aus der üblen Krise vor einigen Jahren gehievt werden konnte!)

Paddyman-Video

In diesem Sinne: Party on!





Samstag, 4. Oktober 2014

"Sind nächste Woche Ferien?" "Mal sehen!"


Gegenwärtig (heute bis Montag) sind dreitägige Feiertage in der islamischen Welt: Eid al-Adha, das Opfer-Fest anlässlich der Beendigung der alljährlichen großen Pilgerfahrt nach Mekka, der Haddsch, die eine der fünf "Säulen" des Islam darstellt. Diese drei Tage sind jeweils in öffentlichen Einrichtungen, Firmen und Schulen Ferientage. Und auch wir genießen in Familie und mit Freunden diese Zeit.


prosociallab.com

Wundersame Ferienregelungs-Welt Abu Dhabi


Nicht ganz so eindeutig ist das hierzulande aber ansonsten mit den freien Tagen, insbesondere den Schulferien. Allzu langes Vorplanen oder gar Vorbuchen von Hotels oder Flüge sollte man dementsprechend lieber vermeiden (sicher wäre das vielen Leuten in Deutschland ein Graus....) "Spontanität" ist das Motto in den VAE!

Beispiel 1: Zur großen Freude der Schulkinder einen "Ferientag gratis" gab es im vergangenen November. Abends gegen 22 Uhr war die internationale Entscheidung verkündet worden, dass Dubai die Ausrichtung zur Weltausstellung EXPO 2020 gewonnen hatte. (nähere Infos hier: expo2020dubai.ae/en) Die Freude bewog darüber bewog die Staatslenker, direkt für den darauf folgenden Tag in den Emiraten schulfrei zu geben!

Die kommende Nacht verbrachte damals die Direktion der Deutschen Schule Abu Dhabi (und nicht nur die....) damit, an die Eltern Rundmails, SMS und Facebooknachrichten zu versenden mit der Botschaft, "die Kinder bitte morgen früh NICHT in die Schule zu schicken!" Besonders kompliziert wurde es dadurch, dass just für genau diesen Tag an der Deutschen Schule das Festprogramm zum Nationalfeiertag der UAE in der Aula veranstaltet werden sollte - also mussten auch noch das gesamte Catering, der Falkner, die emiratischen Damen, welche mit den Kindern traditionelle Flechtarbeiten ausführen oder ihnen Henna-Muster auf die Hände malen sollten, schnell wieder abbestellt werden!

http://lcqd-infos.jimdo.com/unterricht-info-ausfall-%C3%A4nderung/


Beispiel 2: Vor den Sommerferien wurde vom Bildungsministerium (das übrigens eine informative Homepage besitzt: UAE Bildungsministerium) mitgeteilt, dass im aktuellen Schuljahr die Weihnachts- = Winterferien für alle Schulen hier erst eine Woche später beginnen werden, als bisher üblich. Mit gerade mal zwei Wochen waren diese dann - speziell für Leute, die in ihre Heimatländer reisen wollen - recht knapp bemessen. Vor einigen Tagen gab es wieder eine neue Regelung: Nun werden die Ferien um die Woche, die man "vorn" beschnitten hatte, "hinten" (d.h. in den Januar hinein), verlängert.

Beispiel 3: Momentan... Hieß es zu Beginn des Schuljahres noch, dass die Ferientage anlässlich des aktuellen Eid al-Adha sich über die anschließende (also kommende....) Woche mit erstrecken werden, kam Anfang voriger Woche nun der Rückpfiff vom Ministerium: Nein, es gibt nur Sonntag und Montag schulfrei; am Dienstag bis Donnerstag soll jetzt doch unterrichtet werden! Die Anwesenheit der Kinder in ihren Klassen werde vom Ministerium auch stichprobenartig kontrolliert....

Die "Begeisterung" derjenigen, welche bereits Ausflüge geplant und teils Auslandsflüge gebucht hatten, kann man sich gut vorstellen! (Wir hatten glücklicherweise nichts dergleichen vor.)
Nun machen unsere Kinder also kommende Woche nicht Ferien, sondern Schule. So richtig böse sind sie aber darüber gar nicht mal, denn wie durchsickerte, wird es zwar Unterricht gemäß Stundenplan geben, aber nicht durchgängig exakt den jeweiligen dort verzeichneten Fächern folgend. Wahrscheinlich wird es eher einen "weichen" Unterricht geben - und etwas allgemeine Bildung, die auch mal Themen umfasst, welche sonst im Curriculum oft zu kurz kommen, ist ja gar nicht so verkehrt!

Deshalb: Nächste Woche sind zwar hier keine Ferien. Aber auch damit lässt es sich gut leben, wenn man das beste draus macht! Sponan eben....



Montag, 29. September 2014

Europäisches Filmfestival in den Emiraten

Ich gebe es ja mittlerweile offen zu: Bevor ich nach Abu Dhabi kam, habe ich mich mit leichter Verzweiflung gefragt 'Was mach ich da? Gibt es dort auch noch etwas anderes außer Beton und riesigen Shopping Malls?'

Wie kurzsichtig, wie ahnungslos, ja, auch: Wie voreingenommen! Das mit der Shopping-Wut mag stimmen, aber wer da nicht so ein großer Fan 'von ist, hat hunderterlei Möglichkeiten, sich sportlich, kulturell oder bildungsmäßig zu verausgaben.

Ein Beispiel unter unzähligen soll heute vorgestellt werden. Das "European Film Screenings", welches in Abu Dhabi und Dubai vorige Woche stattfand. Vor dem jeweiligen Hauptfilm wurde ein emiratischer Kurzfilm gezeigt - dieses Programm unterschied sich in Abu Dhabi und Dubai; wohl, um regional möglichst vielen jungen, einheimischen Filmemachern eine Chance zu geben.


Blick ins restlos besetzte Auditorium in der MARINA MALL Abu Dhabi beim letzten Festivalbeitrag, dem deutschen Film "Good Bye, Lenin"
https://www.facebook.com/EuropeanFilmScreenings/photos/pb.287351218133756.-2207520000.1411977279./292524174283127/?type=1&theater


Für die Cineasten unter uns hier die Liste der gezeigten europäischen Streifen -  einige davon Preisträger diverser Wettbewerbe der vergangenen Jahre, wie der Berlinnale.

  • A Morte De Carlos Gardel (Portugal) von Solveig Nordlund
  • Doudege Wénkel (Luxemburg, Belgien) von Christophe Wagnerm
  • Carmina o revienta (Spanien) von Paco León
  • Der stille Berg (Österreich, Italien) von Ernst Grossner
  • Vratné Lahve (Tschechische Republik, Großbritannien) von Jan Sverák
  • Good Bye, Lenin (Deutschland) von Wolfgang Becker
  • La Grande Bellezza (Italien, Frankreich) von Paolo Sorrentino
  • London: The modern Babylon (Großbritannien) von Julien Temple
  • Once (Irland) von John Carney
  • Paris, je t'aime (Frankreich, Schweiz, Deutschland, Luxemburg) von diversen Regisseuren
  • Soof (Niederlande) von Antoinette Beumer
  • Isdraken (Schweden) von Martin Högdahl
  • Walesa. Czlowiek z nadziei (Polen) von Andrzej Wajda


Da wir mit Kind unterwegs waren, sahen wir uns "Isdraken" ("Der Eisdrache"), den schwedischen Beitrag an - ein in skandinavischer Manier liebevoller Kinder- und Jugendfilm mit viel Herz, der dennoch kein bisschen süßlich oder kindtümelnd daherkommt.
Erfreulicherweise ist auch unsere Neunjährige inzwischen an originalsprachiges Kino gewöhnt (selbst englische Filme versteht sie ja von der Sprache her noch eher nur rudimentär); dass die Schauspieler sich auf Schwedisch unterhielten und Englisch untertitelt waren, rang ihr kein Nörgeln ab, sondern höchstens verstärkte Konzentration auf Handlung, Mimik und Gestik.
Im Anschluss an die Filmvorführung stand der Produzent des Films dem rege fragenden Publikum mit Antwgorten zur Verfügung, was das Kinoerlebnis noch einmal vertiefte und bereicherte.

Muss ich noch erwähnen, dass auch für diese Kulturveranstaltung in den Emiraten, welche wir besuchten, wie für so viele andere keinerlei Eintrittsgeld erhoben wurde?

(Wer bei Facebook ist, kann das Programm des Festival auch hier nachverfolgen.)

Freitag, 26. September 2014

Emiratische KampfpilotIN fliegt Angriffe gegen IS-Milizen


Aus aktuellen Anlass verzichten ich heute mal aufs Selberschreiben. Der verlinkte Artikel über eine Emiati aus Abu Dhabi - bestens ausgebildet UND Kopftuchträgerin, die eben gegen die islamischen Terroristen in Syrien Angriffe flog - ist es mir wert, an dieser Stelle veröffentlicht zu werden.

Gern können wir in den Kommentaren hier mal beginnen, das weite Thema "Rolle der Frau im Islam" anzureißen....

"Lady Liberty“ fliegt Luftangriffe auf Dschihadisten

Eine 35 Jahre alte Pilotin aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ist an den Luftangriffen auf die Dschihadisten in Syrien beteiligt. Für die Kämpfer der IS-Terrormiliz sei „Lady Liberty“ sicher „der schlimmste Albtraum“, heißt es in Kommentaren."

Den gesamten FAZ-Beitrag können Sie hier lesen:


Emiratische Kampfpilotin gegen ISIS

Ergänzend dieser hier, mit noch einigen Hintergrundinformationen:

WELT-Beitrag

.

Freitag, 19. September 2014

ADIHEX - Outdoor und Jagdmesse

Blick auf die Jagd-, Reiterei- und Outdoormesse ADIHEX

 Die diesjährige Abu Dhabi International Hunting Exhibition (ADIHEX), die Jagd-, Reiterei- und Outdoor-Messe, ist vergangene Woche zu Ende gegangen. Eine der vielen Consumer-Messen auf dem Ausstellungsgelände der emiratischen Hauptstadt, aber auch eine mit einer besonders großen Breitenwirkung. Nicht nur viele Emiraties und Expats reisen dafür alljährlich an, sondern auch Besucher aus den angrenzenden Staaten.
Erwachsene zahlen umgerechnet 2 EUR Eintritt inklusive Parkhaus; Kinder selbstverständlich nichts.

Wüsten-Buggy
Jugendliche Messebesucher
In deutschen Zeitungen, z.B. im "Handelsblatt" (ADIHEX im Handelsblatt) klingt es so, als sei es eine mit etwas Folklore verbrämte Waffen-Fetischisten-Messe gewesen.

Die Waffenschau

Ob Tarnfleckanzüge zur Camouflage in den Wüstendünen wirklich sinnvoll sind?
Als Besucher sage ich: Es war eher andersherum - ca. 20 % Jagdzubehör, der (weit größere) Rest Campingartikel nicht nur für die Wüste, Outdoorsportequipment inklusive Wassersport, emiratische Handwerkskunst, Natur- und Umweltschutz, Tierheime, Reiterausrüstungen sowie emiratische Gastlichkeit. Und daher versuche ich, mit meinen laienhaften Schnappschüssen auch und speziell diese Atmosphäre zu übermitteln.

Salukis - des Arabers Lieblinge.....


Grund für die Massenwirksamkeit dieser Messe ist sicher die Bandbreite der Exhibition, welche wirklich weit über das Thema "Jagd" hinausgeht und so ziemlich alles, was Camping, Freizeitsport in der Region, aber auch Wildlife-Conservation (Bewahrung einheimischer Flora und Fauna) umfasst.
Großer Anziehungspunkt ist darüber hinaus vor allem für die arabischen Interessenten die Saluki-Show   -  jener einheimische Windhund, der hierzulande von den Einheimischen liebevoll gehegt wird. Obwohl traditionell ja der Hund ebenso wie das Schwein in den moslemischen Ländern als "unrein" gilt! Für den edlen Saluki wird eine Ausnahme gemacht.

... genauso wie Jagdfalken....

... und Reitpferde (hier eine Mini-Version)

Noch einmal zurück zu den Waffen. Für den Außenstehenden sieht es möglicherweise so aus, als gehe der gewöhnliche Emirati halt auf solch eine Exposition und kehrte dann fröhlich und ahnungslos mit einem Einkaufsbeutel voller Uzis, MPs und Kalaschnikows nach Hause zu seinen Lieben heim (... und schieße sich oder einem seiner Kinder beim Ausprobieren gleich mal aus Versehen in den Fuß...).

Ganz so einfach ist es jedoch nicht. Einkaufen kann man diese Waffen auf der ADIHEX durchaus. Allerdings wandern sie nach der Bezahlung zurück ins Depot. Erst, wenn der neue Besitzer sich mit seinem Waffenschein bei den zuständigen emiratischen Behörden als berechtigt und ausgebildet zum Waffenbesitz ausgewiesen hat, darf er sie dann abholen...


Traditionelle Korbmacherei wurde u.a. auch gezeigt
Deutscher Sportbogen-Stand



















Die Gestaltung der Messehallen ist großzügig und vermittelt trotz aller Künstlichkeit so etwas wie Flair....

Mittwoch, 10. September 2014

Schlechtes Wetter


Unter "schlechtem Wetter" assoziiert man ja in mittleren Breiten für gewöhnlich "kalt und regnerisch". Wenn es hier in den Emiraten mal regnet - so an zwei oder drei Tagen im Jahr -  ist das aber kein "schlechtes" Wetter, sondern eher ein Grund, fröhlich barfuß rauszurennen! (Selbst, wenn die Straßen dann wegen teils mangelnder Kanalisation überlaufen.) Kalt wird es sowieso nie wirklich.....

Unlängst hatten wir hier aber tatsächlich schlechtes Wetter! Nachmittags erbleichte die Sonne zu einer matt weißlichen Scheibe am dunkel werdenden Himmel - aber nicht von Regenwolken, sondern von Sandmassen. Die umliegenden Hochhäuser und Villen verschwanden fast in dem Schleier. Das sah dann so aus:


Wenig später musste ich die Scheinwerfer am Auto anstellen und ganz langsam fahren, weil man - wie in Deutschland bei dichtem novemberlichen Frühnebel - keine zwanzig Meter weit mehr sehen konnte. In Nordafrika kannten wir solche Sandstürme unter dem Namen "Ghibli", hier auf der Arabischen Halbinsel heißt er Schamal.

Dieser sandhaltige Wüstenwind ist auch daran schuld, dass durch die damit verbundene Erosion die Sandstrände in Dubai regelmäßig künstlich erneuert und wieder aufgeschüttet werden müssen. Und auf den Straßen und Autobahnen müssen nach solchen Sandstürmen dann oft Arbeiter die frisch gebildeten "Dünen" vom Asphalt schippen, damit der Autoverkehr gefahrlos wieder rollen kann.

Doch in jedem Falle hat man nach auch nur wenigen Sekunden Aufenthalts im Freien bei solchen Sandstürmen eins: Sand in den Haaren, Sand auf der Haut, Sand in den Ohren, Sand zwischen den Zähnen.....




Der aufziehende Sandsturm hat fast etwas gespenstisches an sich.





Donnerstag, 4. September 2014

Arabische Küche - Teil I

Wie kann man ein Land, eine Kultur sehr sinnlich erfahren? Genau, durch die Küche!
Deshalb dürfen in solch einem Blog natürlich auch einige kulinarische Verweise und Tipps nicht fehlen.

Wenn auch die Geschmäcker verschieden sein mögen - in einem Punkt sind sich die vier Döhrings einig: Bei Gaumenfreuden aus dem Nahen und Mittleren Osten sind wir alle gern dabei! Total lecker (und auch noch absolut gesund).

Da unsere deutschen Freunde vielleicht an einem der nächsten Wochenenden noch einmal die Chance haben (rein wettermäßig), den Grill anzuwerfen oder ein Picknick zu veranstalten, will ich hier zwei orientalische, allgemein bekannte und oft verwendete Rezepte beisteuern, die wir sehr mögen und welche sich auch auf jedem Gartenbuffett hervorragend machen.
Das eine ist der unheimlich saftige und frische Petersilien-Salat "Tabbouleh", das andere "Hummus", ein Kichererbsenpaste. Dazu wird traditionell frisches Fladenbrot gereicht (kann man beim lokalen Dönerimbiss besorgen) sowie evtl. gegrilltes Fleisch. Schnell gemacht sind beide Gerichte übrigens.

TABBOULEH (Petersilien-Salat):


„Flickr - cyclonebill - Tabbouleh“ von cyclonebill - Tabbouleh. Lizenziert unter Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Flickr_-_cyclonebill_-_Tabbouleh.jpg#mediaviewer/Datei:Flickr_-_cyclonebill_-_Tabbouleh.jpg


  • 2 Bund GLATTE Petersilie (nur diese hat das Aroma und ist nicht so trocken wie die krause Variante!)
  • 1 Bund frische Minze
  • ca. 200 g Bulgur (gibts im Asia-Geschäft; man kann aber auch groben Couscous nehmen)
  • 1 mittlere Zwiebel
  • 300 ml Wasser
  • 2 große, enthäutete Tomaten
  • 1 Knoblauchzehe (nach Geschmack auch mehr)+
  • Saft von 2 mittleren Zitronen
  • Olivenöl
  • Pfeffer, Salz
Zwiebeln ganz fein würfeln, Knoblauch pressen, mit dem Bulgur ca. 10 min in das Wasser einweichen, bis er weich ist. Petersilie und Minze fein hacken, mit den gewürfelten Tomaten mischen. Zitronensaft hinzugeben. Alles untereinanderheben, mit Olivenöl, Pfeffer und Salz abschmecken. Fertig!


HUMMUS (Kichererbsen-Paste)



„Noura Restaurant (3385997679)“ von Serge Melki from Indianapolis, USA - Noura RestaurantUploaded by russavia. Lizenziert unter Creative Commons Attribution 2.0 über Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Noura_Restaurant_(3385997679).jpg#mediaviewer/Datei:Noura_Restaurant_(3385997679).jpg

  • 2 Dosen Kichererbsen (alternativ getrocknete, welche am Vortag eingeweicht, am nächsten gekocht und püriert werden)
  • 4 EL Tahini (Sesampaste, aus dem Asia-Markt)
  • 2 gepresste Knoblauchzehen (nach Geschmack)
  • ca. 2 EL Olivenöl
  • 4 EL Zitronensaft
  • Pfeffer, evtl. Cuminpulver
  • Paprikapulver
Alle Zutaten bis auf das Paprikapulver - und evtl. ein paar ganze Kichererbsen zur Deko - pürieren. Wenn die Paste zu fest wird, etwas Wasser zugeben, bis sie dickflüssig-streichfähig ist.
In einer Schale anrichten, mit der Gabel eine Spirale hineinziehen, Olivenöl und Paprikapulver darüberstreuen, evtl. mit einigen Kichererbsen bestreuen.
Kann man zu frischen Gemüsensticks als Dip oder zu den anderen Bufettgerichten dazu essen -  im Falle des dünnen Fladenbrots wie eine Tasche oder ein Wrap befüllt.

Guten Appetit


Sonntag, 31. August 2014

Tschüss Heimat! Hallo "andere" Heimat!

Es ist soweit: Die langen Sommerferien in Deutschland sind zu Ende gegangen, wir haben einen Tag in Fliegern verbracht und hier in Abu Dhabi unsere Koffer wieder ausgepackt. Adé kühle, waldduftende Regenluft. Hello, backofenheißer, vibrierender Wüstenwind.

Der Alltag hat uns wieder, aber das ist ganz okay. Alle Schulmaterialien sind vorbereitet  - heute ist ja der erste Schultag. Die freudige Aufregung, die alten Freunde nun wiederzusehen und die Neugier, neue Klassenkameraden im Kreis aufnehmen zu können, war bei unseren Töchtern stetig angewachsen.
Bei den Teenagern sind "die Neuen" (vier) aber zur Auftaktveranstaltung in der Schulaula dann schon gar keine wirklich neuen Gesichter mehr, denn dank moderner sozialer Netzwerke im Internet ist meine ältere Tochter sowie fast ihre ganze Klasse mit den Neuankömmlingen bereits bekanntgemacht und teils fast schon befreundet! Welch ein schönes Willkommen in einer neuen Klasse, wenn man sich schon beim ersten Treffen lässig abklatschen und in ein - irgendwie - bekanntes Gesicht schauen kann. Wenn ich da so an unsere Schulzeit denke und wie blöd es war, am ersten Tag der oder die "Neue" zu sein.....

Leben im Ausland, verbunden mit langen Sommerpausen in der alten Heimat, ist für mich ein bisschen, als lebte ich zwei parallele Leben. Zwar zeitlich natürlich nicht ganz kongruent, aber insgesamt fühlt es sich so an. Was ich durchaus als Bereicherung empfinde.
Als ich gestern mit meiner Jüngeren im Carrefour einkaufen war (einer der vielen hiesigen Filialen des großen französischen Supermarktanbieters), waren es weniger die vielen verschleierten Frauen und überhaupt Menschen aus aller Welt um mich herum, welche mir bewusst machten, dass wir nun wieder HIER sind. Sondern andere Kleinigkeiten; speziell die Gelassenheit und die vielen lächelnden Gesichter.
Als ich am Eingang keine Münze für den Einkaufswagen fand und hilflos mit einem Dirham-Schein herumfummelte, den ich hätte irgendwie hätte wechseln müssen, beobachtete dies ein indischer Angestellter des Supermarkts. Im gelben Overall kenntlich als einer, der für das Rangieren der Einkaufskorbschlangen und für die schnelle Verpackung am Ende des Kassenlaufbands zuständig ist. Er hakte mir flugs und mit freundlichem Lächeln mittels seines Spezialschlüssels einen Korb ab, deren Schlange er vor sich herschob. Problem gelöst.
Später dann, selbst in der Kassenschlange, krabbelte vorn bei der Kassiererin ein schwarzlockiges Kleinkind auf dem Kassenband herum. Die arabischen Eltern schienen das normal zu finden, die philippinische Kassiererin offenbar auch -  alle ringsum lächelten dem Kind zwischen Salat, Joghurt, Nudelpackungen und Breigläschen zu. Ich stellte mir vor, das hätte ich vor Jahren mit meinen Kindern in einem deutschen Supermarkt zugelassen.... - HA!

Als ich meine Kleine fragte, wo denn nun eigentlich "zu Hause" sei - in Deutschland, wo wir vorgestern noch waren, oder hier, wo wir jetzt wieder gelandet sind, kam ihre Antwort sofort: "Na hier. Und in Deutschland. Eben da, wo wir gerade sind."

Ein lieber Gruß noch einmal an alle Verwandten und Freunde in der "anderen" Heimat in Europa! Danke, dass ihr euch immer wieder Zeit für uns nehmt und uns dazugehören lasst. Eine kleine Entschuldigung an alle, welche wir beim jährlichen "Besuchsmarathon" nicht mehr oder nicht noch einmal sehen konnten. Aber wir kommen ja wieder!

Samstag, 16. August 2014

Emiratische Studenten in Dresden


Dass man in den Cities der deutschen Großstädte häufig schwarz verhüllte Damen mit ihren Familien vor den jeweiligen Fünf-Sterne-Sehenswürdigkeiten oder beim (nicht nur) Window-Shopping sieht, ist nichts neues: Bewohner der Golfstaaten auf Reisen.

Ungewöhnlicher - noch - dass neun emiratische Studenten und zehn Studentinnen auf Austauschprogramm in u.a. Dresden waren! In einem Beitrag der Sächsischen Zeitung wurde kürzlich davon berichtet.
Eine von drei Wochen in Deutschland verbrachten 20 Studenten aus Abu Dhabi in Dresden. Elite-Studenten, welche ein hartes Auswahlverfahren hinter sich haben und die vom Kronprinz von Abu Dhabi als „Youth Ambassadors Program“ nach Mitteleuropa entsendet wurden. Die angehenden Wirtschaftslenker, Diplomaten und Naturwissenschaftler werden dementsprechend umhegt: Anstatt in Pensionen oder Jugendherbergen sind sie in Fünfsternehotels untergebracht.Vormittags wird Deutsch am hiesigen Goethe-Institut gelernt, nachmittags und abends gibt es Führungen zu den historischen, künstlerischen und wirtschaftlichen Höhepunkten der Elbestadt.

So gehoben die Tagesordnungspunkte der jungen Emiraties auch sein mögen - der feste Rahmen ist vom Kronprinz dennoch vorgezeichnet: Alle tragen blassgelbe Polohemden! "Die Kleiderordnung ist vom Kronprinzen gewünscht; die Gastgeber sollen sofort wissen, mit wem sie es zu tun haben. „Future Leaders in Germany“ steht auf dem Rücken geschrieben – künftige Führungspersonen in Deutschland. Auf der Brust ist das Wappen der Vereinigten Arabischen Emirate aufgestickt. Die Studenten sind dazu angehalten, das Hemd ständig zu tragen. Jeder hat mehrere Exemplare bekommen; im Taschenbergpalais können sie auch den Wäsche-Service nutzen. Am Dienstag, so erzählt eine Begleiterin vom Goethe-Institut, gab es eine Diskussionsrunde in der Staatskanzlei. Eine der Studentinnen fragte ein bisschen verzweifelt: „Und was ist mit den T-Shirts?“ Gern hätten sie sich für den Anlass etwas aufgebrezelt. Keine Chance, sie mussten das Hemd anlassen. Seitdem versuchen manche, es zu kaschieren, indem sie ihre Jeansjacke darüber anlassen oder das Kopftuch entsprechend drapieren" (Zitat Sächsische Zeitung)

Globalfoundries, ein US-Amerikanischer Halbleiterhersteller und einer der Veranstalter, hatte 2008 in Dresden den dortigen Halbleiterhersteller AMD übernommen.  Und der Halbleiter-Riese gehört wiederum zu 100 Prozent der Investmentfirma Mubadala Technology aus Abu Dhabi gehört.  (siehe hier)

Gut möglich also, dass künftig engere Wirtschaftsbeziehungen zwischen Dresden und Abu Dhabi enstehen werden, falls die jungen Entscheider aus Politik und Wirtschaft, welche die Stätten von Globalfoundries und all die anderen Highlights von Dresden besucht haben, auch in Zukunft gute Erinnerungen an ihre Reise nach "Elbflorenz" bewahren!
Und das wäre dann wieder ein Fakt, der mich als Dresdnerin freuen würde.....



Samstag, 9. August 2014

Kunst, Kommerz und zugleich Museum: Etihad Gallery Abu Dhabi


Im Herzen Abu Dhabis, etwas versteckt in einem Wohngebiet, liegt die "Etihad Gallery".
Wer sie besucht, wird in eine orientalische Kunstoase quer durch Jahrhunderte, Regionen und Stile entführt. Intarsien-Tische aus Syrien, marokkanische Vasen, Gemälde mit ägyptischen Marktszenen aus dem 18. Jahrhundert, Damaszener Krummschwerter, Miniatur-bebilderter Pilgerhemden, Wandteppiche und sogar ein Koran aus dem Kashmir des 8. Jahrhunderts und vieles andere mehr kann man hier bestaunen und teils sogar in die Hand nehmen!

Galerist Mohammed Al-Homsi, ein Deutsch-Syrer, welcher jahrelang im Kunst- und Antiquitätenhandel in Damaskus arbeitete, bevor er in die Emirate kam, führt gern durch die Räume und hat zu allen Austellungsstücken Spezial-Infos und manchmal auch erstaunliche Details oder gar Geschichten zu erzählen.


Mohammed erläutert Besuchern gern die Exponate



 





















Manchmal stehen Kunst und Kitsch eng beeinander, aber auch das trägt zum prächtigen, "orientalischen" Gepränge der Ausstellung bei. Und wer ausreichend Bares in der Portokasse hat, kann theoretisch jedes Stück, das man zu sehen bekommt, auch kaufen!
Gerade einige der prachtvollen, reich verzierten Koranausgaben aus früheren Jahrhunderten und entfernten Ecken Arabiens hätten mich schon sehr gereizt.....






Originale Koranausgaben aus unterschiedlichen Jahrhunderten und Regionen der islamischen Welt

Moderne Kunstausstellung

Im Nachbargebäude, das zum Areal gehört, findet sich dann eine Galerie mit zeitgenössischer Kunst - sowohl Malerei als auch Skulpturen und Fotografie. Junge Künstler aus arabischen Ländern stellen hier ebenso aus wie "Kollegen" aus der westlichen Hemisphäre.

Die Ausstellungen wechseln regelmäßig. Auch hier können Kunstliebhaber die Exponate erwerben. Überdies beherbergen die Räumlichkeiten einen Ausstellungs-und Verkaufsraum für Merchandising-Artikel des Emirates Red Crescent (Pendant zum "Roten Kreuz"), welches zahlreiche Hilfsaktionen für Menschen in Not initiiert.





Beeindruckt haben mich die Gemälde eines gerade mal 21-jährigen Malers aus Syrien, der sowohl photorealistisch als auch surrealistisch abbildet.









Sein "Markenzeichen" ist ein winziges Barcode-Schildchen, welches er auf jedem der Gemäde ganz klein und teils versteckt irgendwo unterbringt.
Nur beim Abbild des momentan herrschenden Scheichs hat er darauf verzichtet.....


Wer sich für die antike oder die moderne Abteilung der Etihad-Gallery interessiert, findet nähere Infos hier:

Homepage der Etihad Gallery

Facebook-Seite der Etihad Gallery

Das Galerie-Café ist eröffnet!


Pünktlich zum unlängst zu Ende gegangenen Ramadan 2014 wurde nun auch das sehnlich erwartete Galerie-Café, das sich auf dem Ausstellungsareal befindet, endlich fertiggestellt. Angenehm "unperfekt" inmitten der unzähligen "Hochglanz"-Restaurants und -Cafés in Abu Dhabi kommt es daher: Alle Einrichtungsgegenstände sind anderswo ausrangierte Teile, welche bemalt, mit Graffittis besprüht und "zweckentfremdet" wurden und so eine phantasievolle, inspirierende Umgebung für ein paar Häppchen und Getränke bildet.

Eimer und Badewannen als "Lampenschirme", Sitzsäcke, auf leere Propangasflaschen montierte Sitzflächen, aus aufgeblasenen Poolkissen gebastelte Sessel, ja selbst ein ehemaliger Flugzeugsitz bilden hier das Mobilar!
Sogar ein lebendiger Baum wächst hier mitten im Gastraum und durch ein Loch im Dach in den Himmel.... Wenn das kein Symbol für hochfliegende, phantasievolle Ideen ist!


Galerie-Café kurz vor der Inbetriebnahme