Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Sonntag, 29. Januar 2017

Wenn der rosa Drache tanzt und Hähne ihn umkreisen

Show-Bühne vor der Galleria Mall
Buntes Vielvölkergedränge zum Chinesischen Neujahr in Abu Dhabi

HALT - bleiben Sie da, Sie sind hier schon richtig!

Wer das Bild darüber sieht, wähnt sich jetzt vielleicht gerade im falschen Blog. Ist das nicht der aus der Wüste? Doch, ist er. Aber da die Vereinigten Arabischen Emirate ein Vielvölkerstaat per excellence ist, geht es eben auch im täglichen Leben seiner Städte eben "bunt" zu. Hier leben über 9 Mio Menschen aus mehr als 200 Nationen zusammen. Immerhin über 80 % der Bewohner des Landes sind dabei Ausländer!

Der Chinesische Neujahrstag fiel dieses Jahr 2017 auf den Neumond am 28. Januar. Nun befinden wir uns also - im zwölfjährigen Zyklus des chinesischen Tierkreiszeichens - im Jahr des Hahnes, genauer gesagt: des Feuer-Hahns, den es nur aller 60 Jahre gibt.

Gefeiert wird das Neujahrsfest vor allem in Ostasien (chinesischer Kulturkreis, Korea, Mongolei, Okinawa, Vietnam, bis 1873 in Japan) zusätzlich jedoch auch weltweit in Gebieten mit großen Anteilen an Auslandschinesen (Thailand, Singapur, Malaysia, Indonesien, Philippinen oder Übersee).
Auch andere ethnische Gruppen wie Mongolen, Koreaner, Miao, Vietnamesen, Bhutaner und einige Volksgruppen in Nepal, welche durch China in kultureller, religiöser oder sprachlicher Hinsicht beeinflusst wurden, haben bestimmte Elemente bzw. den Termin des chinesischen Neujahrsfestes übernommen.

Ein Baum voller elektrische "Blüten" zauberte Frühlingsstimmung 
Und hier schließt sich der Kreis, warum das Chinesische Neujahr auch in den VAE allerorten, vor allem in den Shopping Malls und Restaurants, mit besonderen Dekorationen und Preisaktionen, aber auch kulturellen und kulinarischen Veranstaltungen gefeiert wird: Da so viele Menschen fremder Herkunft in Abu Dhabi, Dubai, Sharjah und den anderen Emiraten der VAE zusammenleben, kommen auch Hundertausende ursprünglich aus fernöstlichen Ländern - über die Hälfte aller Expats hier stammt aus Asien.
Und genauso, wie für die Christen hierzulande im Dezember alles weihnachtlich geschmückt ist und entsprechende öffentliche Veranstaltungen stattfinden, werden den Menschen aus Fernost im Januar Feiern zu "ihren" Neujahr gewidmet.
 
Handy stets griffbereit...
Kärtchen am "Wunschbaum"























Wir haben dieses Mal die Promenade vor der "Galleria Mall" besucht, auf Marya Island mit den vielen Hochhäusern. Dort erhellten abends tausende orangeroter Neujahrs-Lampions das emsige Treiben unter ihnen. Menschen aller Herren Ländern schoben sich an den Ständen mit fernöstlichen Spezialitäten vorbei und kosten natürlich auch alles.

Uns hatten es besonders die unglaublich fluffigen, in vielen Farben und Geschmacksrichtungen erhältlichen Moon cakes, die Mond-Kuchen, angetan. Außerdem hat sich mein persönlicher kulinarischer Horizont noch um "Shave Ice" erweitert: Ein bisschen skeptisch war ich schon, ob "gefrorenes Wasser vom Block" mit etwas Kompott darüber mich umwerfen würde. Aber ich probiere ja gern Unbekanntes. Fazit: Unglaublich! Die Leckerei, die vom alten japanischen Adel stammen soll (allerdings ist das Dessert so ähnlich auch vom römischne Kaiser Nero überliefert) besteht aus Eiskristallen, welche mit einer speziellen Maschine von einem runden Eisblock "rasiert" werden. Sie sind so fein, dass sie wie Schneeflocken auf der Zunge zergehen und längst nicht den Kälteschock dort produzieren, den ich erwartet hatte. Als Topping gibt es mehrere Lagen Früchte der Wahl sowie Sirup. Schmeckt herrlich frisch! 

Eisblock für "Shave Ice" - bald schon sind es süße "Schneeflocken"!

Wer wollte, konnte seinen persönlichen Wunsch für das neue Jahr auf ein rotes Kärtchen schreiben und an den aus rotem Papier bestehenden "Wunschbaum" heften; leider waren die Kärtchen bereits alle, als wir kamen.
Höhepunkt der Veranstaltung an der "Galleria" waren jedoch die aller halben Stunden auf der großen Bühne stattfindenden Shows - natürlich ohne Eintritt. Tanzende Drachen, putzig plüschig und mit riesigen Kulleraugen. Aber auch Karate-Kämpfer (bei dieser eleganten asiatischen Kampfkunst verschwimmen die Grenzen zwischen Kampfsport und Tanz ohnehin fast), eine Ballettreihe stolzer Hühner - äh, Hähne, Reispflückerinnen in traditionellen Gewändern. Oder die eindrucksvollen chinesischen Trommler, deren Show nicht nur akustisch, sondern auch optisch bemerkenswert war.

Tanzende "Hähne"
Tänzerin in chinesischem Gewand























Dem Jahr des "Feuer-Hahns" wird prophezeit, dass es international sehr "hitzig" und kämpferisch wird. Wenn man sich die aktuelle Politiklage ansieht, könnten die 2000 Jahre alten Weissagungen da durchaus zutreffen.
Und auch im Jahr des Hahns Geborene sollten sich lieber "wappnen", habe ich gelesen. Nun denn, ich selbst wie auch eine unserer Töchter ist "Hahn" (oder: Henne?). Wenn man uns fortan dieses Jahr immer mit etwas Rotem im Outfit antriffen sollte, dann ist klar - das ist lediglich unser persönlicher "Abwehrzauber" gegen Anfeindungen des Lebens aller Art. So zumindest behaupten es die Chinesen. Ich hoffe doch, es bleibt alles im Rahmen.  ;-)

Chinesische Tierkreiszeichen, hier in "niedlich"

Dienstag, 24. Januar 2017

Unterhaltsame Episode über Ehrlichkeit und Anstand

Oder: "Hier in den Emiraten kommt nichts weg!" (Dafür sorgen viele ehrliche Menschen.)


Gestern war ich im Supermarkt, Wocheneinkauf machen. Eigentlich nichts Besonderes. Zuvor stoppte ich an einem der vielen Geldautomaten; doch die Summe, die ich eintippte, wollte meine Kreditkarte nicht herausrücken. Januar ist eben ein kostenintensiver Monat, auch hier - da kann das schon mal passieren. Enttäuscht manövrierte ich meinen Einkaufswagen rückwärts. 

Die Autorin, glücklich wegen zurückerhaltener Kreditkarte, neben Mariam vom Kundendienst des Carrefour-Supermarktes
 
Ein emiratischer Vater näherte sich in seinem edlen weißen Gewand. Er schob einen Kinderwagen samt Baby vor sich her. Mit freundlicher Geste machte ich Platz, er dankte lächend. Aus den Augenwinkeln sah ich seine Frau in Abahja mit einem kleinen Mädchen an der Hand sich hinzugesellen. 

Ich ging meiner Wege und begann, nach und nach die Posten meines Einkaufszettels abzuhaken. Als ich bereits auf dem Weg zur Kasse war und vor dem Kühlregal mit den französischen Käsesorten nur noch schnell entschied, ob es der übliche Camembert oder doch Ziegenrolle oder aber Roquefort sein solle - sprach mich einer der Wachmänner an, die in den Einkaufstempeln hierzulande überall Dienst tun. 
"Excuse me, Ma'm, did you lose your credit card?" Erschrocken warf ich einen Blick in mein Portemonnaie: Genau - die Kreditkarte war weg! Er erklärte, dass jemand eine gefunden habe. Und da er, der Wachmann, mich vorhin vom Geldautomaten weggehen sah, habe er einfach vermutet, dass das ja ich sein könnte ... So hatte er mich akribisch auf den zwei Etagen des Supermarktes gesucht und schließlich, gerade noch rechtzeitg, gefunden!

... "doch wem gehört das Geld?"


Halb benommen vom Schreck folgte ich ihm zum Verwaltungstrakt. Dort stellte die Sicherheitsmitarbeiterin, Mariam von den Philippinen, anhand meiner ID-Card (mein emiratischer Personalausweis, so lange wir hier leben) schnell fest, dass es sich tatsächlich  um meine Kreditkarte handelte. Ich musste nur unterschreiben, und schon händigte mir  Faysal Said Hassan meine Karte aus: gebürtiger Somalier und der Kundenservice-Manager des Carrefour. Nur ein Rätsel war noch offen: Der Finder der Karte hatte zusätzlich noch eine Geldsumme im Automatenschlitz entdeckt. Ich war jedoch überzeugt: Diese unrunde Zahl da hatte ich niemals angefordert! "Keine Ahnung, wie das dahin gekommen ist, aber es ist sicher nicht mein Geld", sagte ich.

Inzwischen hatte man auf meinen Wunsch hin Mohammed Abdallah per Handy hinzugerufen - den ehrlichen Finder. Und siehe da - es war der vorhin noch Kinderwagen schiebende Emirati, der nun mit seiner etwa dreijährigen Tochter herbeieilte. Die Kleine habe er zwischendurch zwar glatt einmal kurz verloren, als er sich um meine Kreditkarte kümmerte, erzählte er schmunzelnd. Aber zum Glück habe einer der Wachleute das schnell geklärt und sie zu Papa zurückgebracht.
Ich sprach dem Emirati meinen herzlichen Dank aus, er schüttelte mir die Hand und erklärte freundlich, das sei doch alles völlig selbstverständlich. Er versuchte, auch die kleine Hala dazu zu überreden, mir Guten Tag zu sagen. Doch die kicherte nur und betrachtete mich neugierig.

Ich suchte auch den Wachmann Djalal, der aus Sri Lanka stammt, noch einmal bei seinem Rundgang durch die Regalreihen auf und bedankte mich dafür, dass er so aufmerksam gewesen war. 
Kaum kam ich zufrieden daheim an und packte meine Einkaufstüten aus, als mein Telefon klingelte. Mariam war am anderen Ende der Leitung. "Ma'm, wir wissen es jetzt zweifelsfrei: Das Geld vorhin ist doch Ihres! Kommen Sie doch bitte und holen Sie es ab."

Die gewitzte kleine Tochter war "schuld"!


Neugierig machte ich mich nochmals auf den Weg zum Carrefour Supermarkt. Dort wurde ich freudig wiederbegrüßt. Ich erhielt die "unrunde Summe" ausgehändigt mit folgender Story dazu: Mohammed Abdallah hatte Hala, die Tochter, noch einmal befragt. Und da berichtete sie ihm folgendes: Während der Papa sich auf die Suche nach jemandem machte, der ihm mit meiner gefundenen Kreditkarte weiterhelfen könne, tat die Kleine gewitzt das, was sie bei den Erwachsenen abgeschaut hatte - ein paar Knöpfchen drücken ... und schwupps war da Geld 'rausgekommen! Offensichtlich hatte der Automat "gefragt", ob die Restsumme ausgegeben werden soll - und Hala "Yes" gedrückt.

Am Ende des Tages haben also Menschen aus vier Nationen mitgeholfen, dass diese einen Moment lang achtlose, verpeilte Frau Döhring aus Deutschland ihre Siebensachen wiederbekommt. Wohlgemerkt: Frau Döhring wäre auch ohne diese Hilfe nicht auf der Stelle verhungert. Während hingegen die anderen Beteiligten fast alle aus ärmeren Ländern stammten (- und selbst wenn es oft behauptet wird: auch nicht jeder Emirati ist per se "reich"!) 

Ich bin mir sicher: Nicht überall auf der Welt hätte ich Kreditkarte UND Bargeld so schnell zurückbekommen! Anderswo würde sich möglicherweise jemand auf Kosten meiner Schusseligkeit einen 'schönen Tag' gemacht haben. Man kann jetzt fabulieren, wie das wohl an einem deutschen Geldautomaten abgelaufen wäre ... Ich hoffe doch, so ähnlich wie hier. 

Jedenfalls - in den VAE kann man nach wie vor geradezu davon ausgehen, dass die vielvölker-bunten Bewohner ehrlich sind und nichts "mitgehen lassen"! Davon zeugen auch beispielsweise Caféhaustische, auf welchen man oft mehrere teure Smartphones herumliegen sieht, während die Besitzer gemütlich an der Kuchentheke auswählen: Worum  sollten sie sich hier auch Gedanken machen?
 

Sonntag, 22. Januar 2017

Wolkenkratzer im Dunst


Heute mal bisschen Touristisches. Gerade in den Wintermonaten, welche hier klimatisch einem mittleren Sommer in Deutschland gleichen, kommen gern Leute von "drüben" her, um Wärme und Sonne zu genießen. Was dann jedoch auch nicht immer klappt. So wie heute.
Ein ungewöhnlich diesiger Tag in Abu Dhabi, in manchen Teilen der VAE ist sogar leichter Regen gefallen. Für Einheimische (also Emiraties und Expats) jedenfalls ein "schöner Tag zum Rausgehen" - denn knallende Sonne und Wärme hat man ja stattdessen ungefähr 355 Tage im Jahr hier!

Diesige Tage sind hierzulande selten! Blick auf ADNOC-Gebäude (Mitte), auch "Flaschenöffner" genannt, sowie das Ensemble der Etihad-Towers (rechts)

Und darum einige Ansichten rings um Corniche und Marina Mall - dort ist Haupthaltestelle des doppelstöckigen, roten BigBus, der Touristen täglich von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit quer durch Abu Dhabi fährt. (Hop On Hop Off - man kann überall aus- und beim nächsten Bus auch wieder einsteigen, mit demselben Ticket.)

Manche starten oder beenden diese Rundfahrt mit einer Runde auf dem Riesenrad:

Schöne Aussicht gibt's vom Riesenrad an der Marina Mall

Von dort aus hat man einen schönen Blick auf den Hafen an der Corniche und natürlich die großartigen modernen Wolkenkratzer.


Noch nicht ganz fertig ist das neue 39-stöckige Hotel "Fairmont Marina Resort & Residences" mit 563 Luxuszimmern - es wird wie ein "Tor" für diejenigen unter den Reisenden sein, welche sich Abu Dhabi von der Seeseite her nähern: Ein Tor zur Stadt. Nicht zufällig erinnert die Architektur stark an die (von einigen als zu rosa-Zuckerbäcker-artig geschmähten) Außenansicht des gewaltigen Hotels "Atlantis" auf der "Palme" in Dubai.

Noch wird gebaut: Hotel "Fairmont Marina Resort and Residences" als "Tor zur Stadt"

Blick auf die Skyline von Abu Dhabi mit dem kleinen Hafen für private Boote

Sonntag, 15. Januar 2017

Ausflug in den Regenwald - mitten in Dubai


In den Wipfeln des Dubaier Regenwaldes "The Green Planet"
 
Papageienart
Tukan
Wir vermissen ja nicht vieles (an Gewohntem) hier in den VAE. Nur eben immer mal den mitteleuropäischen  Wald. Wer in Dubai plötzliches Verlangen nach dem "Kosmos Wald" hat, nach saftigem Grün, das durcheinander wuchert und Lebensraum für diverse Tierarten bietet, kann seit August 2016 "The Green Planet" besuchen - das ist nicht nur einfach "irgendein Wald", sondern sogar ein tropischer REGENwald, welcher in einer riesigen Glaskuppel dem trockenen Wüstenklima ringsum trotzt.

Grüner Baumleguan

Regenwaldboden: voller Kanäle mit Tropenfischen

Man betritt das Ökosystem quasi durch den immerfeuchten "Boden" mit zahlreichen Wasserläufen hindurch, mehrere Aquarien mit tropischen Fischen öffen sich über einen Unterwassertunnel zu einem Lift, der die Besucher hinauf in die 4. Etage bringt: In die Baumwipfel des Regenwalds (30 - 45 m über dem Boden). Dort steht oder besser hockt das Begrüßungspersonal bereits: Äußerst muntere und kommunikative Papageien.

Baumblatt? Nein! Dieses hier ist eine täuschend echte Nachahmung!

Die mit 1,5 kg schwersten Papagien sind die Hyazinth-Aras aus Südamerika.

Langsam kann man dann an der Außenhaut der gläsernen Kuppel auf einem abfallenden Weg hinunter in die mittlere Etage wandeln - oder aber auch über eine schwankende Hängebrücke aus Seilen zum dicken Baumstamm gelangen. Spätestens dort, wenn man die Hand auf die Rinde legt, wird klar: Das ist kein Urwaldriese, sondern eine täuschend echte Beton-Nachbildung eines Urwaldbaumes! Selbst Blätter an den Zweigen dieses Baumpatrichars stellen sich beim Anfassen als künstlich heraus; mit bloßem Auge ist dieses handwerkliche Meisterwerk nicht identifizierbar.

Dennoch wuchert es auf, an und unter diesem künstlichen Baum über und über voller echter Tropenpflanzen, welche sich hängend an den Beton-Ästen herabschlingen, darauf thronen oder aber von den Seiten und besonders dem feuchten Boden her hinaufwachsen. Von überall her sprühen Düsen feinen Wasserdampf in die 25 - 28° C warme Luft im Inneren der Glaskapsel und schaffen damit genau das Klima, welches die hier inzwischen beheimateten ca. 3000 Tiere und Pflanzen mögen.

Überwucherte Aussichtskanzel mitten in der Kuppel

Stachelschwein
Papagei
Gut integriert in das Ensemble ist eine Aussichtsplattform, welche mitten in diesen "Regenwald" hineinragt und großartige Ansichten in alle Richtungen bietet. Hier muss man fast aufpassen, nicht von Exemplaren der hier lebenden Vögel "umgeflogen" zu werden, welche sich sehr selbstbewusst durch ihren zwar künstlichen, doch dennoch perfekt abgestimmten Lebensraum bewegen.

Klug eingebaut auf den einzelnen vier Etagen sind an der Rückwand des Konstrukts kleine Ausstellungen, welche sowohl über den Aufbau des Regenwalds sowie seine akute Bedrohung durch Abholzung aufklären, als auch in Terrarien verschiedenste Tierarten der jeweiligen "Etage" zeigen und erklären. Um das Erlebnis lebendiger zu gestalten und jederzeit auf Fragen der Besucher eingehen zu können, stehen überall sehr aussagekräftige Mitarbeiter des "Green Planet" bereit, um  vieles zu demonstrieren und zu erklären. So kann man beispielsweise in einer langen Reihe die unterschiedlichen Stadien der Schmetterlingsmetamorphose betrachten - als Höhepunkt ist es sehr klug so eingerichtet, dass der Besucher fast immer einem erst seit wenigen Minuten entpuppten Schmetterling beim Enfalten der anfangs noch arg zerknitterten Flügel zusehen kann!

Kleine Mutprobe? Madagassische Riesenkakerlake als Streicheltier.
Auch wenn ich im Laufe vieler Jahre meine "Angst" vor so ziemlich allem, insbesondere aber vor Spinnen abgelegt habe, kann ich mich einfach nicht an die (in warmen Ländern fast allgegenwärtigen) Kakerlaken "gewöhnen" - es schüttelt mich nach wie vor, wenn ich irgendwo im Haus einer begegne. Doch der freundliche Mitarbeiter im "Green Planet" hat es geschafft, mich dazu zu animieren, eine Madagassische Riesenschabe zu streicheln. Diese Exemplare sind zwar groß, doch hockten sie ausgesprochen ruhig und friedlich auf seinem Finger - ganz anders als die wildgewordenen, mit rasselnden Beinen herumrennenden, welche ich kenne. Aber immerhin ...


Die unterschiedlichen Lebensbereiche ...
Ebenso interessant war der Aufbau eines Lebensraums von Blattschneideameisen - ja, die, welche sich über lange Strecken bewegen, mit Blattstückchen auf dem Rücken, welche ihre eigene Größe um ein Vielfaches übersteigen. In diversen gläsernen Kästen kann man gut die einzelnen "Arbeitsbereiche" wie z.B. die Kinderstube dieser Tiere beobachten.
... der Blattschneideameise (Zweig Mitte).


Dem Bildungsauftrag, der solchen Stätten ja neben dem Freizeitaspekt auch mit obliegt, kommt "The Green Planet" u.a. mit Klassenführungen für Schüler nach; diese sind nach den Altersklassen 3-6 Jahre, 7-11 Jahre sowie 12-14 Jahre an den jeweiligen Vorkenntnisstand der Kinder angepasst. Sogar Geburtstagspartys können ambitionierte Eltern hier für ihre Kinder ausrichten lassen.
 

Mein absolutes Lieblingstier ist ja das Faultier. Auch von diesem wird der "Green Planet" in Dubai mit bewohnt. Eigentlich verbringen dieses entspannten Tiere ja den Großteil ihres Lebens hoch droben in den Wipfeln. Doch dieses Exemplar hier lag, zu einem Knäuel zusammengeringelt, auf dem Regenwald"boden" inmitten herumwuchernder Pflanzen aller Art. Hätte nicht eine nette Mitarbeiterin des Projekts sich direkt dort auf dem Weg postiert und die Spaziergänger darauf hingewiesen, wäre ich so wie alle anderen wohl einfach an dem im Kraut pennenden Faultier blicklos vorübergegangen!

"Nicht Ausrutschen"-Warnung, in Form einer... Bananenschale!


Da sich je nach Tageszeit die Aktivitäten der Tiere unterscheiden und die Mitarbeiter für Abwechslung bei den Exponaten sorgen, können wir einen Besuch im Ökosystem Regenwald - mitten in Dubai, Nähe Dubai Dity Walk - jederzeit empfehlen. Geöffent ist täglich von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends, donnerstags und freitags jeweils sogar bis Mitternacht!

"The Green Planet", der Regenwald von Dubai, von außen gesehen.

Fotos: Antje, Tina & Tanja Döhring

Montag, 9. Januar 2017

2017 - "Jahr des Gebens"


Das neue Jahr kommt langsam in die Gänge - in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde es vom Präsidenten, Sheikh Khalifa, als "Year of the Giving" deklariert, als Jahr des Gebens. 2016 war das "Jahr des Lesens" in den VAE (s.a. hier).

Dabei soll 2017 der Fokus auf drei Hauptthemen gelegt werden: Die soziale Verantwortung der Bürger untereinander, das ehrenamtliche Engagement sowie die nationale Sicherung und Erhaltung der Zukunft für kommende Generationen.

"Wahre Staatsbürgerschaft bedeutet nicht, immer nur zu nehmen, sondern sie bedeutet auch, wertvolle Opfer für das Heimatland zu erbringen", heißt es in Sheikh Khalifas Rede, der auf das humanistische Konzept der VAE hinweist. "Dem Heimatland und seiner Bevölkerung zu dienen bedeutet auch gleichzeitig eine Verbindung von Regierung, jedem einzelnen sowie dem privaten Sektor."

Sheikh Mohammed, Vizepräsident und Herrscher des Emirats Dubai, unterstrich das Motto des Jahres - es soll humanitäre Arbeit fördern, welche wiederum das Ansehen seines Landes als eines der global größten Spender für diverse Zwecke stärken wird.


Ebenfalls mit dem Beginn des neuen Jahres wurden im Ministerium für Personalangelegenheiten und Emiratisierung (MOHRE) neue Dekrete erlassen. So müssen Firmen mit über 1000 Angestellten mindestens zwei Emiratis einstellen, welche für die Datenerfassung ausgebildet wurden. 
Überdies erhalten künftig Bau- und Industriebetriebe mit über 500 Angestellten nur noch dann eine Arbeitserlaubnis, wenn sie vollzeit mindestens einen emiratischen Sicherheits- und Gesundheitsbeauftragten beschäftigen.

"Saudisierung" einst vs. "Emiratisierung" heute


Das weckt in mir persönliche Erinnerungen und Assoziationen. Als wir um die Jahrtausendwende herum in Saudi-Arabien lebten, wurde dort damals eine staatliche Initiative vorangetrieben, genannt "Saudisation". Ganz ähnlich zu hier, heute, sollte die saudische (männliche) Bevölkerung mehr in den täglichen Arbeitsprozess in Betrieben und Behörden eingebunden werden - auch dort waren und viele Expats beschäftigt. Vor allem an die "Liaison officers" ("Verbindungsbeauftragter", zuständig v.a. für Zusammenarbeit mit Behörden) kann ich mich erinnern. Sicher stehen die wenigen, die ich dort mehr zu Gesicht bekam als mit ihnen zu tun hatte, nicht für alle (man erinnere sich: in Saudi-Arabien gelten im Alltag wesentlich traditionellere Gepflogenheiten auch im Umgang zwischen den Geschlechtern, als in den sehr liberalen VAE). 
Doch in meinem Kopf haben sich vor allem freundliche Saudis abgespeichert, die stets höflich und umgänglich waren, jedoch nicht oft an ihrem Arbeitsplatz anzutreffen ... In diesem Land, in welchem z.B. Frauen immer noch nicht Auto fahren dürfen, geht eben oft "privat vor Katastrophe", denn aufgrund dieser Restriktionen wird auchvon den Männern ein vergleichsweise extrem hoher Familienbeitrag gefordert, und sei es allein als "Fahrer" für die vielen weiblichen Familienangehörigen! (Einkaufen, Frisör, Arzt, Schule, Besuche,....und zurück.)

In den VAE allerdings ticken die Uhren doch ein wenig anders. Insofern glaube ich, dass der Emiratisierungs-Initiative größerer Erfolg beschieden sein sollte. Vor allem jedoch aus einem Grund: das Land bereitet sich auf vielfältige Weise auf eine Ära in nicht allzulanger Zukunft vor, wenn die natürlichen Ressourcen an Erdöl, welche dem Land zu seinem oft als "märchenhaft" beschriebenen Reichtum verhalf, zur Neige gegangen sein werden. 
Den gegenwärtigen Standart auf fast allen Gebieten auch nur zu halten, geschweige noch zu vermehren, bedarf es großer Veränderungen und Anstrengungen. In diesem Zusammenhang sehe ich die neuen Erlasse und Initivativen der emiratischen Regierung zum neuen Jahr.



Samstag, 31. Dezember 2016

Silvester 2016/17



An dieser Stelle - mit einem wunderschönen Silvester-Foto aus meiner Heimatstadt Dresden - allen treuen, gelegentlichen und rein zufällig rein-gegoogelten Lesern dieses Blogs alles Gute für das neue Jahr!


                                                   Silvester in Dresden                                                                                      Foto: ddpix



Samstag, 24. Dezember 2016

Weihnachtsgruß aus Weihnachtsland



Weihnachtsgruß mit der festlich geschmückten (Kunst-)Tanne im Foyer der GISAD. Bilder der Herrscherfamilie lächeln in allen öffentlichen Gebäuden von der Wand.

Räuchermännchen lassen Tannen- und Sandelduft in die Wohnzimmerluft kringeln. Daneben ein Teller mit Dresdner Christstollen und Pulsnitzer Lebkuchen. Kaffee, Glühwein, Adventskranz mit vier Kerzen. Der Adventskalender voller weit geöffneten Türchen an der Wand, daneben der Adventsstrauß, mit Strohsternen geschmückt. Am Fenster der Schwibbogen mit seinen Kerzen, welche das Spätnachmittagsdunkel wie Samt wirken lassen.Und natürlich auf dem Tisch die hölzerne, mehrstöckige Weihnachtspyramide, welche sich fröhlich dreht.
Ich glaube, nirgends ist die Weihnachtszeit so anheimelnd, geheimnisvoll und prächtig zugleich, wie im Erzgebirge in Sachsen.

Die ganze Familie der Abu Dhabi-Döhrings ist nun da eingetroffen und wird sich zu Heilig Abend mit den anderen Familienangehörigen unterm geschmückten Baum versammeln. Eine wundervolle Tradition, welche wir nun zum Glück schon seit vielen Jahren pflegen können. Unsere Töchter bestehen darauf, dass Weihnachten jedes Jahr "wie immer!" sein muss - egal, auf welchem Kontinent unser Hauptwohnsitz auch gerade liegen mag. Zu gern kommen wir diesem Wunsch nach.

Ich wünsche Ihnen und Euch allen eine glückliche, zufriedene und vor allem friedvolle Festtagszeit im Kreise lieber Menschen!

Frieden überall! Überall?


Überschattet sind diese Tage diesmal wieder ein wenig von Krieg und Kummer in anderen Ländern, aber auch mitten in Europa, in Deutschland. Es wäre schön, wenn die meisten - mitten in oder auch trotz der "Geschenkeschlacht" demnächst - ein paar stille Momente dieser Menschen gedenken, die diese Weihnacht nicht so glücklich feiern können.

Ohnehin ist gemeinsam feiern ein gutes Mittel, einander näherzubringen. Immer wieder erstaunt sehe ich in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wie omnipräsent in diesem moslemischen Land im Dezember nicht nur in den Geschäften, sondern in Hotels, auf Winterbasaren und der Deko doch das - eigentlich christliche - Weihnachtsfest ist.
Natürlich kann man nun sagen: Ja, klar, um des Kommerzes Willen machen die Emiraties eben sogar das ganze Brimborium mit.

Andererseits - auch im Nachbarland Saudi-Arabien ist guter Umsatz sicher ebenfalls nicht unwillkommen; dennoch durfte (als wir dort lebten) bzw. darf auch heute dort selbst in den Läden nichts an dieses Fest erinnern! In den VAE hingegen feiern fast alle großen Hotels mit jedem, der teilnehmen mag, Anfang Dezember eine eindrucksvolle "Christmas Tree Lightening Ceremony" (feierliches Entzünden der Kerzen an den prachtvoll geschmückten, viele Meter hohen Weihnachtsbäumen im Foyer). Es gibt weihnachtliche Konzerte, Weihnachtsmärkte (teils sollen sie an Schulen jedoch "Winterbasar" genannt werden), Christbaumkugel-Deko in so ziemlich jedem Laden. 

All das "müsste" man sicher nicht veranstalten, damit noch mehr Käufer etwas kaufen ... Es hat schlicht etwas mit Toleranz und Respekt zu tun: Den vielen Menschen christlichen Ursprungs, welche in den Emiraten arbeiten und wohnen, ihre aktuelle "Wahlheimat" so offen und freundlich gesinnt wie möglich zu gestalten. Zu zeigen: Menschliche Vielfalt, egal ob druch Hautfarbe, Glauben oder Sprache, ist vereinbar und sogar bereichernd.
Weihnachtsbaum in einem Wohngebiet in Abu Dhabi             Foto: Ullmann

 Mein Wunsch für 2017


Nun leben in den VAE über 80 % Nicht-Emiraties. Während in Deutschland in vielen Regionen der Ausländeranteil kaum über 5 % beträgt ... Dennoch eher noch eine eigenartige Vorstellung: Wie wäre das, wenn man für die anderen, also eher sporadisch vertretenen Herkunftsgebiete, auch in den deutschen Läden z.B. zu Ramadan (der Moslems) oder zu Diwali (Lichterfest der Hindus) passend dekorieren würde? Einfach als Zeichen der Gastfreundschaft und geistigen Offenheit?
 
  Für das kommende Jahr wünsche ich mir ja eine Welt, in welcher es überall gleichermaßen natürlich ist, dass man verfährt wie in diesem einem Land, dessen Staatsform untrennnbar mit dem Islam verbunden ist (VAE). Dort wird nämlich in den wichtigsten Tageszeitungen großformatig der Terminplan für die Weihnachtsmessen der christlichen Kirchen abgedruckt. Man stelle sich vor, mit eben dieser Selbstverständlichkeit gäbe es genauso natürlich in europäischen /deutschen Zeitungen neben den Terminen zur Christmette eine Rubrik mit Veranstaltungen in Moscheen. Etwas kleiner sicher, denn in Deutschland ist eben nur ein Bruchteil der Bevölkerung moslemisch, während im islamischen VAE ein Großteil der Bevölkerung dem christlichen Glauben angehört. Über die weit über 50 Kirchen in den Emiraten hatte ich ja bereits berichtet.

Ein arg frommer Wunsch, fürchte ich, vor allem im Hinblick auf die realen Chancen momentan in einer vom Hass aufgeputschten Welt. Doch die Hoffnung aufzugeben hieße, jede Möglichkeit auf Verbesserung mit aufzugeben. 

Auf ein in vielerlei Hinsicht freundlicheres kommendes Jahr!



Dienstag, 13. Dezember 2016

Hyperloop One - in 12 min von Dubai nach Abu Dhabi!


Manchmal habe ich das Gefühl, ich befinde mich hier mitten in einem Science-Fiction-Film. Nur, dass das meiste daran dann gar keine "fiction" mehr ist, sondern zur Realität wird.
Wenn man in einem Land lebt, welches das höchste Gebäude der Welt besitzt, die größten von Menschen geschaffenen Luxusinseln, bald die größte Shopping-Mall und das größte Riesenrad (um nur einige Superlative zu nennen), dann ist nur die Frage, welchem Rekord man sich wohl als nächstes zuwenden sollte.
Montage der ersten Segmente vor wenigen Wochen
Die Antwort? Geschwindigkeit! Eine Revolution des Transportwesens. Genauer: Die Strecke Dubai - Abu Dhabi, ca. 120 km lang (je nachdem, wo man jeweils startet und ankommt), in 12 Minuten zurücklegen zu können! Und das nicht etwa durch die Luft, sondern in einer Röhre. Das neue Zauberwort heißt HYPERLOOP ONE. Ziel ist es, das neue System anlässlich der Expo 2020 in Dubai / Abu Dhabi nutzen zu können. 

Mal sehen, ob ich mich dann auch in so einer Passagierkapsel durch die Röhre "schießen" lasse? Die dazu nötige Geschwindigkeit von etwa 1200 km/h jagt mir durchaus ein wenig Respekt ein. Diese Höchstgeschwindigkeit wird auf der Gerade zwischen den beiden Großstädten erzielt werden; Schleifen zu Beginn und Ende der "Reise" sollen selbstverstädlich den sicheren Start und auch die sichere Landung bei geringeren Geschwindigkeiten garantieren.

Zur Errichtung des Rekordbauwerks werden die amerikanischen Entwicklerfirma "Hyperloop One", McKinsey & Co. sowie die Bjarke Ingels Group (BIG) mit der Dubai Road and Transport Authority zusammenarbeiten. Die Unterdruck-Röhre soll sich auf Stelzen parallel zur Sheikh-Mohammed-Bin-Zayed-Road durch die Wüste ziehen, welche Abu Dhabi mit Dubai verbindet. Hier ein Clip über das geplante Bauwerk; da sieht das Flugzeug dagegen aber "alt" aus!

Passagierkapsel des Hyperloop One von innen

Energieverbrauch eines Fahrrads pro Passagier


Zum Vergleich: Mit dem Reisebus legt man die Strecke in 2 Stunden zurück. Mit dem Auto in etwa 1 Stunde und 30 min, mit einer Schnelleisenbahn ungefähr 1 Stunde und zähe 1 Stunde und 20 min per Flieger. Mit dem Bruchteil davon, nämlich gerade mal 12 Minuten, erscheint der Hyperloop One da zumindest in Sachen Zeitersparnis konkorrenzlos. Und es geht weiter, Folge-Loops sind bereits geplant: Dubai nach Riyadh in 48 min, Dubai nach Doha in 23 min, Dubai nach Muscat in 27 min ...

Als weitere  Vorteile - neben der unschlagbaren Geschwindigkeit - gegenüber herkömmlichen Transportvarianten nennen die Entwickler: höhere Sicherheitsstandards als für ein Passagierflugzeug, geringere Bau- und Instandhaltungskosten als jede Hochgeschwindigkeitsbahn, sowie - tataaa! - ein Energieverbrauch pro Person, der jener eines Fahrrads vergleichbar sein soll!

Die Kapazitäten hingegen sind phantastisch. Der Hyperloop One kann aller 10 Sekunden eine neue Passagierkapsel starten. So könnte man stündlich 15.000 Menschen sowohl in die eine, als auch 15.000 andere zugleich in die Gegenrichtung befördern! Das wäre dann in etwa das Doppelte dessen, was an Passagieraufkommen pro Stunde während des Menschenandrangs anlässlich der Expo 2020 zu erwarten ist!

Rekorde über Rekorde also wieder einmal. Und was ist nun mit der "Reise"geschwindigkeit, die einem etwas mulmig im Magen werden lässt, wenn man auch nur daran denkt? Klingt ja eher nach Raketenstart, oder?!
Ich beruhige mich mit einem historischen Beispiel. Als 8. April 1839 zwischen Dresden und Leipzig die erste deutsche Ferneisenbahn ihren Betrieb für Reisende aufnahm, fuhr der sächsische Ingenieur Andreas Schubert mit der ersten funktionstüchtigen, in Deutschland entwickelten und gebauten Dampflokomotive „Saxonia“, hinter dem offiziellen Zug her – dieser wurde von zwei englischen Loks angetrieben.50 km/h waren damals absolute Spitzengeschwindigkeiten, die im Alltag kaum erreicht wurden.



Lok "Saxonia" 1937 in Dresden - damals "rasendes Ungetüm". Und heute? Was ist dann der Hyperloop?

Zu jener Zeit kursierte wohl eine ärztliche Warnung unter der Bevölkerung: Bahnfahrten schneller als 30 Kilometer pro Stunde würden bei den Reisenden wie bei den Zuschauern unfehlbar schwere Gehirnerkrankungen, eine Art Delirium furiosum, erzeugen. Heute ist relativ sicher, dass diese Meldung erfunden ist und einzig einer Polemik des nationalen Historikers Heinreich v. Treitschke diente. 

Wenn die "Gefahren" durch Geschwindigkeiten über 30 km erfunden waren - was der Mensch des 21. Jahrhunderts ohnehin tagtäglich am eigenen Leibe überprüfen kann - dann kommt er vielleicht auch mit 1200 km/h klar? Der Mensch ist ja ein anpassungsfähiges Wesen. Also, wir werden sehen! Spätestens zur Expo 2020.

Der Film zum Hyperloop One Abu Dhabi - Dubai ist sehenswert. Sehr beeindruckend die Zukunftstechnik, allemal. Doch am tollsten finde ich ja die kleine Botschaft: 'Egal wer du bist, wo du bist und wie wichtig dein Job - Mamas Geburtstag ist allemal wichiger!' Im diesem Sinne, Film ab! (klick Link)


Foto1: http://s3.amazonaws.com/digitaltrends-uploads-prod/2016/05/Hyperloop-One-Event-12.jpg
Foto2: http://fm.cnbc.com/applications/cnbc.com/resources/img/editorial/2016/05/24/103661371-101701181-hyperloop2.530x298.jpg?v=1464099638
Foto3: https://de.wikipedia.org/wiki/LDE_%E2%80%93_Saxonia#/media/File:Die_Lokomotive_SAXONIA_03.jpg