Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Samstag, 24. Dezember 2016

Weihnachtsgruß aus Weihnachtsland



Weihnachtsgruß mit der festlich geschmückten (Kunst-)Tanne im Foyer der GISAD. Bilder der Herrscherfamilie lächeln in allen öffentlichen Gebäuden von der Wand.

Räuchermännchen lassen Tannen- und Sandelduft in die Wohnzimmerluft kringeln. Daneben ein Teller mit Dresdner Christstollen und Pulsnitzer Lebkuchen. Kaffee, Glühwein, Adventskranz mit vier Kerzen. Der Adventskalender voller weit geöffneten Türchen an der Wand, daneben der Adventsstrauß, mit Strohsternen geschmückt. Am Fenster der Schwibbogen mit seinen Kerzen, welche das Spätnachmittagsdunkel wie Samt wirken lassen.Und natürlich auf dem Tisch die hölzerne, mehrstöckige Weihnachtspyramide, welche sich fröhlich dreht.
Ich glaube, nirgends ist die Weihnachtszeit so anheimelnd, geheimnisvoll und prächtig zugleich, wie im Erzgebirge in Sachsen.

Die ganze Familie der Abu Dhabi-Döhrings ist nun da eingetroffen und wird sich zu Heilig Abend mit den anderen Familienangehörigen unterm geschmückten Baum versammeln. Eine wundervolle Tradition, welche wir nun zum Glück schon seit vielen Jahren pflegen können. Unsere Töchter bestehen darauf, dass Weihnachten jedes Jahr "wie immer!" sein muss - egal, auf welchem Kontinent unser Hauptwohnsitz auch gerade liegen mag. Zu gern kommen wir diesem Wunsch nach.

Ich wünsche Ihnen und Euch allen eine glückliche, zufriedene und vor allem friedvolle Festtagszeit im Kreise lieber Menschen!

Frieden überall! Überall?


Überschattet sind diese Tage diesmal wieder ein wenig von Krieg und Kummer in anderen Ländern, aber auch mitten in Europa, in Deutschland. Es wäre schön, wenn die meisten - mitten in oder auch trotz der "Geschenkeschlacht" demnächst - ein paar stille Momente dieser Menschen gedenken, die diese Weihnacht nicht so glücklich feiern können.

Ohnehin ist gemeinsam feiern ein gutes Mittel, einander näherzubringen. Immer wieder erstaunt sehe ich in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wie omnipräsent in diesem moslemischen Land im Dezember nicht nur in den Geschäften, sondern in Hotels, auf Winterbasaren und der Deko doch das - eigentlich christliche - Weihnachtsfest ist.
Natürlich kann man nun sagen: Ja, klar, um des Kommerzes Willen machen die Emiraties eben sogar das ganze Brimborium mit.

Andererseits - auch im Nachbarland Saudi-Arabien ist guter Umsatz sicher ebenfalls nicht unwillkommen; dennoch durfte (als wir dort lebten) bzw. darf auch heute dort selbst in den Läden nichts an dieses Fest erinnern! In den VAE hingegen feiern fast alle großen Hotels mit jedem, der teilnehmen mag, Anfang Dezember eine eindrucksvolle "Christmas Tree Lightening Ceremony" (feierliches Entzünden der Kerzen an den prachtvoll geschmückten, viele Meter hohen Weihnachtsbäumen im Foyer). Es gibt weihnachtliche Konzerte, Weihnachtsmärkte (teils sollen sie an Schulen jedoch "Winterbasar" genannt werden), Christbaumkugel-Deko in so ziemlich jedem Laden. 

All das "müsste" man sicher nicht veranstalten, damit noch mehr Käufer etwas kaufen ... Es hat schlicht etwas mit Toleranz und Respekt zu tun: Den vielen Menschen christlichen Ursprungs, welche in den Emiraten arbeiten und wohnen, ihre aktuelle "Wahlheimat" so offen und freundlich gesinnt wie möglich zu gestalten. Zu zeigen: Menschliche Vielfalt, egal ob druch Hautfarbe, Glauben oder Sprache, ist vereinbar und sogar bereichernd.
Weihnachtsbaum in einem Wohngebiet in Abu Dhabi             Foto: Ullmann

 Mein Wunsch für 2017


Nun leben in den VAE über 80 % Nicht-Emiraties. Während in Deutschland in vielen Regionen der Ausländeranteil kaum über 5 % beträgt ... Dennoch eher noch eine eigenartige Vorstellung: Wie wäre das, wenn man für die anderen, also eher sporadisch vertretenen Herkunftsgebiete, auch in den deutschen Läden z.B. zu Ramadan (der Moslems) oder zu Diwali (Lichterfest der Hindus) passend dekorieren würde? Einfach als Zeichen der Gastfreundschaft und geistigen Offenheit?
 
  Für das kommende Jahr wünsche ich mir ja eine Welt, in welcher es überall gleichermaßen natürlich ist, dass man verfährt wie in diesem einem Land, dessen Staatsform untrennnbar mit dem Islam verbunden ist (VAE). Dort wird nämlich in den wichtigsten Tageszeitungen großformatig der Terminplan für die Weihnachtsmessen der christlichen Kirchen abgedruckt. Man stelle sich vor, mit eben dieser Selbstverständlichkeit gäbe es genauso natürlich in europäischen /deutschen Zeitungen neben den Terminen zur Christmette eine Rubrik mit Veranstaltungen in Moscheen. Etwas kleiner sicher, denn in Deutschland ist eben nur ein Bruchteil der Bevölkerung moslemisch, während im islamischen VAE ein Großteil der Bevölkerung dem christlichen Glauben angehört. Über die weit über 50 Kirchen in den Emiraten hatte ich ja bereits berichtet.

Ein arg frommer Wunsch, fürchte ich, vor allem im Hinblick auf die realen Chancen momentan in einer vom Hass aufgeputschten Welt. Doch die Hoffnung aufzugeben hieße, jede Möglichkeit auf Verbesserung mit aufzugeben. 

Auf ein in vielerlei Hinsicht freundlicheres kommendes Jahr!



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