Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Sonntag, 7. Februar 2016

Kleine Alltagsnervereien, die kein Mensch braucht

Meist versuche ich ja, hier die Information in den Vordergrund zu stellen in der Hoffnung, dass dies dem einen oder der anderen bei irgendeiner Frage zu Abu Dhabi oder den Emiraten weiterhelfen kann.


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Aber heute ist mal ein Tag, an welchem ich mich über die vielen kleinen, albernen Alltagsvorkommnisse "auslassen" möchte, die einem hierzulande das Leben nerviger -  ääähhh, unterhaltsamer gestalten (also im Vergleich zum Heimatland). Ich zähle jetzt mal querbeet so ein paar Sachen auf, die mich immer wieder Ganz tief durchatmen! Bis zehn zählen!!! lassen


° Wenn die Töchter mal den Pizzaboten bestellt haben sollten, kommt dieser so gut wie immer ohne Wechselgeld an. Wie blöd, wenn man aber gerade keine 5 oder 10 Dirham-Note oder Münzen zur Hand hat, weil der Geldautomat vorhin wieder so ungünstig gestückelt hat.
Doch dergleichen passiert einem auch laufend in Geschäften: Dass der Verkäufer erst einmal nach nebenan gehen muss, um eine Handvoll Wechselgeld für den Kunden zu besorgen. Man arbeitet im Kundenverkehr im Verkauf - wozu sollte man da um alles in der Welt denn Wechselgeld in der Kasse haben?!


° Ob Pizza oder Flachbildschirm, ob Wäscheservice oder Schrankwand: Wenn man in den Emiraten etwas nach Hause geliefert bekommt (an und für sich verführerisch praktisch, aaaaaaber!....), kann das eine komplizierte Angelegenheit werden. Oft kommt die Ware sowieso nicht am vereinbarten Termin. Und wenn dann doch, gehen mannigfaltige Telefonate voraus.
Lieferant ruft an: "Wo wohnen Sie?" "In XY, wie in der Bestellung angegeben." "Hm, ist das nahe Z?" Man ist eine Weile verwirrt, bis man bemerkt, dass der gute Mann von Dubai anstatt von Abu Dhabi redet. Na, nicht weiter schlimm, das ist ja nur eine gute Stunde Autobahnfahrt entfernt...

Falls der Lieferant sich dann nähert, stellt er telefonisch in der Regel klar, sich in Abu "gut auszukennen. Aber wo ist das bei Ihnen? An der Cornishe?" (die bekannteste Straße in wohl jeder irgendwie am Meer gelegenen Stadt im Mittleren Osten....) Einen Stadtplan darf man niemals erwarten, und auch GoogleMaps oder wie all die modernen elektronischen Helferlein heißen mögen, werden nicht eingesetzt (und ja!, natürlich haben hierzulande alle ein Smartphone, auch "kleine" Transportangestellte....) Wenn man dann die grobe Richtung beschrieben hat, kann es sein, dass nach vielen weiteren Telefonaten die Ware glücklich eintrifft.
Mir ist aber auch schon mal passiert, dass mein freudig mit tropfendem Zahn erwarteter "German Döner" nicht ausgeliefert wurde und die Bestellung statt dessen gecancelt, weil man sich außerstande sah, meinen Wohnort zu finden (was - da es ein recht bekanntes Compound ist - nicht allzu schwierig sein sollte).


° Taxifahren. Das "Problem" ist nicht etwa, wie man vielleicht erwarten mag, dass man um den Preis feilschen müsste - emiratische Taxis sind generell mit Taxameter ausgestattet und zeigen die Fahrpreis bis auf den Fil hinterm Komma genau an. 
Nein, etwas anderes. Taxifahrer kennen "ihre" Stadt? - das dachte ich zumindest, bis ich aus Deutschland fortzog (lang-lang ist's her....) Und doch, auch in den Emiraten kennen sich einige Fahrer gut aus. Was nicht bedeutet, dass es nicht dennoch ratsam ist, seinen Zielort und den Weg dahin vorab genau zu kennen! Denn gelegentlich gerät man auch mal an einen Neuzugang, der vielleicht vorige Woche gerade erst aus seinem fernen Land hier landete und mit Taxifahren angefangen hat. Natürlich ohne vorherige Schulung.
Falls er dann auch noch unbelehrbar ist (Ich: "Bitte fahren Sie da vorne die zweite links!" - und er umgehend die nächste Abbiegung rechts nimmt, z.B.....) oder aber man selbst Neuankömmling ist und daher keine Ahnung hat, wohin.... Tja, dann wird es arg abenteuerlich. Denn siehe oben: Stadtpläne oder Landkarten lesen können sie durch die Bank weg alle nicht, und ein Navigationsgerät ist entweder nicht vorhanden, wird nicht benutzt oder aber ist aufgrund der manchmal noch merkwürdigen Straßen"namen" bzw. -nummern ohnehin nicht brauchbar.
 

° Handwerker. Nach zumeist mehreren hoffnungsvoll-höflichen - über den Tag verteilten, von Wartepausen getrennten Anrufen - bei der Instandhaltsungsfirma, die sich um unsere Wohnanlage kümmert, erscheint dann oft doch ein Handwerker.
Meist jedoch nur, um einen Blick auf das Problem zu werfen und mit den Worten: "Da muss ich erst mal Material holen" wieder zu verschwinden. Je nachdem kann das fünf Minuten, fünf Stunden oder auch bis nach dem genervten Anruf am Folgetag dauern. Damit es spannend bleibt, kriegt man aber entweder eine im Nachhinein falsche oder aber lieber gar keine Zeitangabe genannt.

Falls dann endlich ein Handwerker eintrifft, ist nicht gesagt, dass es der für das vorliegende Problem richtige ist. In der Telefonzentrale bedienen den Kundenhörer manchmal Leute, die des Englischen nun auch nicht so gut mächtig sind. Da kann es schon passieren, dass ich erklärte, es müsse dringend jemand kommen, weil wir gehört hatten, dass sich in unserem Lüftungskanal der Klimaanlage ("AC") mindestens eine Ratte offenbar auf einen Marathon vorbereitet und wir das nicht so gern haben... Um dann nach zwei, drei weiteren, zunehmend verzweifelten Anrufen einen enthusiastisch lächelnden Trupp Elektriker vor der Tür zu haben, der die "kaputte AC" reparieren will. In der Telefonzentrale hatte man gerade eben so das Wort "AC" verstanden; nicht jedoch das Problem mit den Ratten!

° "Verkäufer und Verkäuferinnen" in Malls, Boutiquen etc. Ich schreibe bewusst in Anführungszeichen. Mag sein, dass ich eine verwöhnte, westliche Ziege mit völlig übertriebenen, antiquierten Vorstellungen bin. Aber ich habe immer noch dieses Bild vor mir: Jemand, der in einem Laden eine bestimmte Art von Waren fach-verkauft (Hosen, Pralinen oder Schuhe...), habe einen Überblick über besagte Ware und kann sogar Auskunft bei aufkommenden Kundenfragen geben (Herkunft? Material? andere Größe?,...)
Hierzulande winke ich generell gleich heftig ab, wenn ich einen Laden betrete und sich mir in der Regel umgehend ein Pulk von zwei bis vier philippinischen, zumeist gerade unterbeschäftigten Verkaufsangestellten auf Tuchfühlung an die Fersen heftet. Denn wehe, man stellt auf das allfällige "Ma'mSir, how can I help you?" tatsächlich eine Frage! Z.B. "Guten Tag - sagen Sie, haben Sie eine grüne Hose in Größe 38 da?" Sofort beginnt dann die Verkäuferin sich eifrig umzusehen, in welcher Ecke ihres Ladens denn die Hosen hängen könnten. 


Wenn sie diese schließlich lokalisiert hat, streift sie genauso hilflos mit dem Finger hindurch, wie ich es auch täte - und mit etwas Glück findet sie dann irgendwann die gewünschte Farbe. "Größe?" "Oh. Welche Größe haben Sie denn?" "Wie ich gerade sagte: Immer noch 38." "Aha, aha... - - - haben wir aber gar nicht dabei." Es kann allerdings auch sein, man bekommt statt dessen einfach einen grünen Rock in der 46 oder eine knallrote Hose in 38 in die Hand gedrückt. 

Da gedenke ich dann tränenden Auges der guten alten deutschen Berufs-Fachausbildung. Versteht irgend jemand, wieso ich aufs beliebte Shopping gar nicht besonders erpicht bin?

° Werbe-SMS von irgendwelchen Boutiquen und Läden, in denen ich noch nie war! Auf die an jeder verdammten Kasse beim Bezahlen gestellten Frage nach meiner Mobiltelefonnummer wehre ich stets zwischen höflich und vehement ab, je nachdem. Ich will ja nicht, dass ich dann ständig mit "SALE! 50% on everything!"-SMS bombardiert werde. Wie kommen dann jedoch diese ganzen blöden Werbe-SMS dennoch andauernd auf mein Telefon?
Immer guckt man nach dem "Bling" aufs Display in der Hoffnung, es sei die Meldung eines lieben Freundes. Oder auch besorgt - könnte ja die Schulkrankenschwester mit einer "Kommen Sie sofort ihr Kind mit Loch im Kopf abholen"-Nachricht sein....
Aber nein, schon wieder will mir jemand etwas andrehen, das ich gar nicht kaufen mag?! Ich bestelle diese SMS-Dinger laufend ab. Aber sie wachsen auf wundersame Weise aus anderen "Ecken" dann doch immer nach, wie die abgeschlagenen Köpfe beim Märchendrachen... 


° Lieblingseissorte, Lieblingsknäckebrot, bevorzugte Tiefkühlerbsenmarke? Man sollte dergleichen immer in Mengen "hamstern", wenn einem (bzw. den Kindern daheim) das wirklich wichtig ist. Wirkt zwar grotesk angesichts der endlosen Warenberge schieren Überflusses in den Supermarktregalen - das ist ja hier kein limitiertes Entwicklungsland! Aber die Chance, dass genau diese geliebte Speiseeis-Sorte einmal und nie wieder nach Abverkauf im Supermarkt deines Vertrauens auftaucht, liegt ziemlich hoch. Regelmäßige Order-Listen vom Großhändler scheint es eher nicht zu geben. 
Dafür entdeckt man aber immer mal wieder was Neues! Mit dieser optimistischen Note endige ich hier erst mal. Aber...


Wer hat Ergänzungen zu bieten?




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