Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Sonntag, 3. Mai 2015

Konferenz über die religiöse Erneuerung des Islam




Outdated religious laws must be changed, UAE forum hears
Sheikh Abdullah Bin Bayyah, President des Forums                                                                                     http://www.thenational.ae/storyimage/AB/20150428/ARTICLE/150428895/AR/0/&MaxW=640&imageVersion=default&AR-150428895.jpg: 


Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein modernes Land, keine Frage. Ein hochmodernes sogar, was Technik und Urbanisierung angeht. Für viele Probleme, welche ein Staat mit so zusammengewürfelter Einwohnerschaft aus der ganzen Welt mit sich bringt, werden pragmatische Lösungen gefunden.

Dennoch sind die VAE eben auch ein Land, das als Basis den Islam gewählt hat und damit grundsätzlich auch Sharia-Rechtsgebung. Natürlich kollidieren viele Anweisungen bzw. Rechtsauskünfte an die Glaubensangehörigen im Alltag auf der Grundlage des Korantextes (die sogenanntne Fatwas) mit vielen Anforderungen des modernen Lebens.

Das Problem vieler solcher Fatwas ist, dass die Islamgelehrten, welche sie postulieren, sich auf Texte beziehen, welche die Lebenswirklichkeit hiesiger, nomadischer Völker im 7. Jahrhundert abbilden...

Sicher kein Zufall, dass eine Konferenz mit rund 60 Teilnehmern unter dem Titel "Global Forum for Promoting Peace in Muslim Societies" ("Weltforum zu Wahrung des Friedens in muslimischen Gesellschaften") ausgerechnet in Abu Dhabi stattfand. Die aktuellen Staatslenker der VAE sind eindeutig bestrebt, nicht den inneren Frieden in ihrem Einflussbereich durch religiöse Auseinandersetzungen gefährden zu lassen - die Probleme durch Extremismus und religiös gewandeten Terrorismus allgemein werden hierzulande sehr ernst genommen.

Auf dieser Tagung sagte Grand Sheikh Ahmed Al Tayyeb von der berühmten Al Azhar University (Kairo), dass  "die Fiqh Prinzipien überarbeitet werden müssen, um extremistische Gruppen zu stoppen, welche diese nur als Ausrede benutzen, um jeden zu töten, welcher mit ihrer Gruppierung nicht einverstanden ist. Sie benutzen dafür eine Fatwa, welche vor vielen Jahrhunderten einst von Gelehrten Ibn Taymiya ausgestellt wurde, welcher jedoch damals konkret die Grausamkeit und das gewalttätige Blutvergießen zwischen Muslims und den Tartarengruppen vor Augen hatte."

Erneuerung, so Sheikh Abdullah bin Bayyah, der Präsident des Forums, ist in der Islamischen Religion ganz fundamental wichtig - basierend auf "ständigem Vergleich der religiösen Texte, des ursprünglichen Zwecks dieser Texte und der modernen Lebensrealität. "

Koranauslegung muss mit der heutigen Lebensrealität abgeglichen werden


Weiter erklärte er, dass Befehle, welche aus religiösen Offenbarungen stammen, immer in ihrem Kontext gesehen werden müssten sowie unter dem Gesichtspunkt des universellen Grunds und Zwecks ihrer Auswirkungen. Der Sheikh rief dazu auf, die Grundlagen der Islam-Wissenschaft neu zu überprüfen, da viele der Auslegungen in der heutigen, modernen Gesellschaft nicht länger anwendbar seien.



Um noch einmal zurückzukommen auf den Fakt, dass sich Gruppierungen, wie die IS-Milizen und ähnliche Terrororganisationen, auf den Koran und seine Auslegungen berufen: Als wichtiges Beispiel wurde das Apostasie-Gesetz genannt (Abfall vom islamischen Glauben wird u.U. mit dem Tode bestraft).  
Sheikh Hamza Youssef führt dazu aus: "Das galt einst als universelles Gesetz, es entsprach damals der generellen Mentalität der Menschen zu dieser Zeit, dass das Abkehren von seiner Religion ein Generalvergehen war, das mit dem Tode bestraft werden sollte - es existierte damals übrigens ebenso im Christentum. So wurde zu jener Zeit verfahren, um die Religion zu schützen....
Doch das ist eben nicht mehr die Mentalität unseres Zeitalters! Und wenn wir uns das Grundprinzip des Islam genauer ansehen, so gilt es doch, Menschen von dieser Religion zu überzeugen." Wer heutzutage die alte Apostasie-Gesetz im 21. Jahrhundert anwende, würde allerdings Leute von dieser Religion eher wegtreiben, anstatt sie anzuziehen - was also den gegenteiligen als den gewünschten Effekt bringe!

Auseinandersetzung mit Publikationen der Terrorgruppen geplant



Auf der Konferenz wurde unter den Mitgliedern dazu aufgerufen, schriftliche sowie andere Medienpublikationen zu sammeln, welche von terroristischen Gruppen unter dem Deckmantel des Islam herausgegeben werden, um sich ganz gezielt mit deren Argumenten auseinandersetzen zu können und ihnen künftig besser etwas entgegehalten zu können.

In einer der Arbeitgruppen mit dem Namen "Beitrag muslimischer Frauen zum Festigen von Friedenwerten" ging es überdies erstmals um Frauenfragen im Zusammenhang mit muslimischen Gesellschaften.



Wer den ganzen Artikel in "The National" im Original lesen möchte: Hier entlang! 



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