Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Dienstag, 13. Mai 2014

"Frag Ali"....!


Ali ist in den Emiraten eine "Institution". Der "selbsternannte kulturelle Botschafter" der VAE - Medienstar, Buchautor, Vortragsredner für interkulturelle Verständigung - ist international aufgewachsen und fühlt sich doch tief der arabischen Halbinsel verbunden. Daraus hat er seine Passion gemacht.
Wer immer Fragen zu emiratischer Geschichte, Sehenswürdigkeiten, Tourismus, Traditionen, Festen, islamischen Besonderheiten oder einfach dem Alltagsleben in den VAE hat, kann Ali Abdulkarim Al Saloom fragen -  daher heißt seine Webseite auch gleich so ('Frag Ali'):

"Ask Ali"

Ali Abdulkarim Al Saloom will kulturelle Brücken bauen zwischen östlicher und westlicher Welt


Ich habe es einmal ausprobiert - und siehe da, es dauerte keine 2 Tage, und Ali hatte mir persönlich per E-Mail geantwortet! Freundlich, ausführlich, informativ.

In meiner Frage ging es um "tanzende Mädchen". Vor einiger Zeit waren wir in Familie auf einem Kamel-Festival inklusive "Schönheitswettbewerb" für Kamele (!) gewesen. Als kulturelle Umrahmung waren junge arabische Mädchen aufgetreten, welche ihre über-taillenlangen, offenen Haare im Takt der Musik schwenkten (so eine Art elegantes Head-Banging :-)  )
Nun sahen diese jungen Frauen aber alle eher wie über als unter 17, 18 Jahren aus. Und dies hatte mich verwundert, gehören doch die Emirate mit zu den islamischen Ländern, in welchen alle "erwachsenen" Frauen nicht nur das Haar, sondern zumeist auch ihr Gesicht (teil-)verschleiern! Wie passt das denn zusammen, wollte ich wissen?

Damit auch alle deutschen Leser Alis Antwort leicht lesen können, übersetze ich seine E-Mail an mich hier einmal:

Hallo liebe Antje,

Danke für deine Frage.  "Na'ashaat" werden diese Mädchen genannt, die auf diese Art tanzen; eine sehr emiratische Tradition, die nichts mit dem Islam zu tun hat - das sind also zwei verschiedene Dinge, meine Liebe.

Der Islam ist eine Religion, Traditionen allerdings gehören zu jedem einzelnen arabischen Stamm bzw. jeder Personengruppe, die alle entsprechend ihren Regionen, in den sie wohnen, auch unterschiedlich leben.

Nicht alle Emiratis würden diesen Tanz ausführen oder gutheißen, doch btetrachten auch nicht alle Leute diesen Tanz als unislamisch, weil diese tanzenden Mädchen gewöhnlich jünger als 9 Jahre alt sind; ein Alter, in welchem die Kinder tanzen, spielen und Spaß haben mögen auf die Art und Weise, wie es ihnen bzw. auch ihren Familien gefällt. Deshalb ist das an dieser Stelle kein Problem.

Wenn du ältere Mädchen erlebt hast, welche diesen Tanz aufführten, dann waren diese zu 100 Prozent nicht aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, sondern eher Models, welche diesen  traditionellen Tanz repräsentativ für Besucher vorführten; so, wie wir das auch von unseren Musik-TV-Kanälen kennen. Diese Mädchen, welche da tanzen, stammen aus Osteuropa oder anderen arabischen Ländern, aber so gut wie keine von ihnen wird eine Emirati sein.

Doch generell - wenn dieser Tanz von kleinen emiratischen Mädchen aufgeführt wird, ist das immer ein freudiger Moment und eine niedliche Szene, und wir feiern dann alle gemeinsam - Männer UND Frauen, wie es all die Jahre war, als wir noch nur einige tausend Emiratis zählten und alle in irgend einer Form miteinander verwandt waren. Während wir heute eine Million sind - und zusammen mit den Ausländern aus 200 Nationen kommen wir sogar auf über 9 Millionen Menschen, welche mit uns hier leben! 
Allerdings ist es nicht mehr das gleiche wie damals, deshalb wirst du jetzt mehr Segregation sehen als damals in den alten Tagen.... (Segregation ist die Geschlechtertrennung außerhalb der Familie - Anmerkung A. Döhring)


Danke für deine tolle Frage,
Gott schütze dich,
@li


Wer noch mehr über Ali Al Saloom wissen oder ihn kontaktieren möchte, hier noch seine andere Webseite:  Webseite Ali Al Saloom  oder folge ihm auf Facebook, wo er sogar einen winzigen, dafür fast täglichen "Arabischkurs" (oft nur 1 Wort) für Anfänger eingebaut hat:  Ali-Facebook.

Falls mir mal wieder etwas hier im Alltagsleben begegenen sollte, das ich mir nicht erklären kann, gibt es von nun ab eine prima Geheimwaffe: Ask Ali!

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wirklich informativ, interessant, warmherzig und in der tiefen Absicht, etwas über das Land zu erfahren - und auch preiszugeben... Unwillkürlich erinnert es mich aber auch daran, dass ich kürzlich hörte, dass es nur einen öffentlichen, legitimen Gästeführer in Transnistrien gibt....

Antje Döhring hat gesagt…

Transnistrien ist ja nun völlig abgefahren! ;-) Wollte ich auch schon hin... aber ich häng ja hier im Scheichtum ab und fest.... Ich glaube, das ist so klein, da braucht's nur einen Gästeführer! Das ist hier natürlich was anderes...