Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Sonntag, 29. Januar 2017

Wenn der rosa Drache tanzt und Hähne ihn umkreisen

Show-Bühne vor der Galleria Mall
Buntes Vielvölkergedränge zum Chinesischen Neujahr in Abu Dhabi

HALT - bleiben Sie da, Sie sind hier schon richtig!

Wer das Bild darüber sieht, wähnt sich jetzt vielleicht gerade im falschen Blog. Ist das nicht der aus der Wüste? Doch, ist er. Aber da die Vereinigten Arabischen Emirate ein Vielvölkerstaat per excellence ist, geht es eben auch im täglichen Leben seiner Städte eben "bunt" zu. Hier leben über 9 Mio Menschen aus mehr als 200 Nationen zusammen. Immerhin über 80 % der Bewohner des Landes sind dabei Ausländer!

Der Chinesische Neujahrstag fiel dieses Jahr 2017 auf den Neumond am 28. Januar. Nun befinden wir uns also - im zwölfjährigen Zyklus des chinesischen Tierkreiszeichens - im Jahr des Hahnes, genauer gesagt: des Feuer-Hahns, den es nur aller 60 Jahre gibt.

Gefeiert wird das Neujahrsfest vor allem in Ostasien (chinesischer Kulturkreis, Korea, Mongolei, Okinawa, Vietnam, bis 1873 in Japan) zusätzlich jedoch auch weltweit in Gebieten mit großen Anteilen an Auslandschinesen (Thailand, Singapur, Malaysia, Indonesien, Philippinen oder Übersee).
Auch andere ethnische Gruppen wie Mongolen, Koreaner, Miao, Vietnamesen, Bhutaner und einige Volksgruppen in Nepal, welche durch China in kultureller, religiöser oder sprachlicher Hinsicht beeinflusst wurden, haben bestimmte Elemente bzw. den Termin des chinesischen Neujahrsfestes übernommen.

Ein Baum voller elektrische "Blüten" zauberte Frühlingsstimmung 
Und hier schließt sich der Kreis, warum das Chinesische Neujahr auch in den VAE allerorten, vor allem in den Shopping Malls und Restaurants, mit besonderen Dekorationen und Preisaktionen, aber auch kulturellen und kulinarischen Veranstaltungen gefeiert wird: Da so viele Menschen fremder Herkunft in Abu Dhabi, Dubai, Sharjah und den anderen Emiraten der VAE zusammenleben, kommen auch Hundertausende ursprünglich aus fernöstlichen Ländern - über die Hälfte aller Expats hier stammt aus Asien.
Und genauso, wie für die Christen hierzulande im Dezember alles weihnachtlich geschmückt ist und entsprechende öffentliche Veranstaltungen stattfinden, werden den Menschen aus Fernost im Januar Feiern zu "ihren" Neujahr gewidmet.
 
Handy stets griffbereit...
Kärtchen am "Wunschbaum"























Wir haben dieses Mal die Promenade vor der "Galleria Mall" besucht, auf Marya Island mit den vielen Hochhäusern. Dort erhellten abends tausende orangeroter Neujahrs-Lampions das emsige Treiben unter ihnen. Menschen aller Herren Ländern schoben sich an den Ständen mit fernöstlichen Spezialitäten vorbei und kosten natürlich auch alles.

Uns hatten es besonders die unglaublich fluffigen, in vielen Farben und Geschmacksrichtungen erhältlichen Moon cakes, die Mond-Kuchen, angetan. Außerdem hat sich mein persönlicher kulinarischer Horizont noch um "Shave Ice" erweitert: Ein bisschen skeptisch war ich schon, ob "gefrorenes Wasser vom Block" mit etwas Kompott darüber mich umwerfen würde. Aber ich probiere ja gern Unbekanntes. Fazit: Unglaublich! Die Leckerei, die vom alten japanischen Adel stammen soll (allerdings ist das Dessert so ähnlich auch vom römischne Kaiser Nero überliefert) besteht aus Eiskristallen, welche mit einer speziellen Maschine von einem runden Eisblock "rasiert" werden. Sie sind so fein, dass sie wie Schneeflocken auf der Zunge zergehen und längst nicht den Kälteschock dort produzieren, den ich erwartet hatte. Als Topping gibt es mehrere Lagen Früchte der Wahl sowie Sirup. Schmeckt herrlich frisch! 

Eisblock für "Shave Ice" - bald schon sind es süße "Schneeflocken"!

Wer wollte, konnte seinen persönlichen Wunsch für das neue Jahr auf ein rotes Kärtchen schreiben und an den aus rotem Papier bestehenden "Wunschbaum" heften; leider waren die Kärtchen bereits alle, als wir kamen.
Höhepunkt der Veranstaltung an der "Galleria" waren jedoch die aller halben Stunden auf der großen Bühne stattfindenden Shows - natürlich ohne Eintritt. Tanzende Drachen, putzig plüschig und mit riesigen Kulleraugen. Aber auch Karate-Kämpfer (bei dieser eleganten asiatischen Kampfkunst verschwimmen die Grenzen zwischen Kampfsport und Tanz ohnehin fast), eine Ballettreihe stolzer Hühner - äh, Hähne, Reispflückerinnen in traditionellen Gewändern. Oder die eindrucksvollen chinesischen Trommler, deren Show nicht nur akustisch, sondern auch optisch bemerkenswert war.

Tanzende "Hähne"
Tänzerin in chinesischem Gewand























Dem Jahr des "Feuer-Hahns" wird prophezeit, dass es international sehr "hitzig" und kämpferisch wird. Wenn man sich die aktuelle Politiklage ansieht, könnten die 2000 Jahre alten Weissagungen da durchaus zutreffen.
Und auch im Jahr des Hahns Geborene sollten sich lieber "wappnen", habe ich gelesen. Nun denn, ich selbst wie auch eine unserer Töchter ist "Hahn" (oder: Henne?). Wenn man uns fortan dieses Jahr immer mit etwas Rotem im Outfit antriffen sollte, dann ist klar - das ist lediglich unser persönlicher "Abwehrzauber" gegen Anfeindungen des Lebens aller Art. So zumindest behaupten es die Chinesen. Ich hoffe doch, es bleibt alles im Rahmen.  ;-)

Chinesische Tierkreiszeichen, hier in "niedlich"

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