Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Sonntag, 15. Januar 2017

Ausflug in den Regenwald - mitten in Dubai


In den Wipfeln des Dubaier Regenwaldes "The Green Planet"
 
Papageienart
Tukan
Wir vermissen ja nicht vieles (an Gewohntem) hier in den VAE. Nur eben immer mal den mitteleuropäischen  Wald. Wer in Dubai plötzliches Verlangen nach dem "Kosmos Wald" hat, nach saftigem Grün, das durcheinander wuchert und Lebensraum für diverse Tierarten bietet, kann seit August 2016 "The Green Planet" besuchen - das ist nicht nur einfach "irgendein Wald", sondern sogar ein tropischer REGENwald, welcher in einer riesigen Glaskuppel dem trockenen Wüstenklima ringsum trotzt.

Grüner Baumleguan

Regenwaldboden: voller Kanäle mit Tropenfischen

Man betritt das Ökosystem quasi durch den immerfeuchten "Boden" mit zahlreichen Wasserläufen hindurch, mehrere Aquarien mit tropischen Fischen öffen sich über einen Unterwassertunnel zu einem Lift, der die Besucher hinauf in die 4. Etage bringt: In die Baumwipfel des Regenwalds (30 - 45 m über dem Boden). Dort steht oder besser hockt das Begrüßungspersonal bereits: Äußerst muntere und kommunikative Papageien.

Baumblatt? Nein! Dieses hier ist eine täuschend echte Nachahmung!

Die mit 1,5 kg schwersten Papagien sind die Hyazinth-Aras aus Südamerika.

Langsam kann man dann an der Außenhaut der gläsernen Kuppel auf einem abfallenden Weg hinunter in die mittlere Etage wandeln - oder aber auch über eine schwankende Hängebrücke aus Seilen zum dicken Baumstamm gelangen. Spätestens dort, wenn man die Hand auf die Rinde legt, wird klar: Das ist kein Urwaldriese, sondern eine täuschend echte Beton-Nachbildung eines Urwaldbaumes! Selbst Blätter an den Zweigen dieses Baumpatrichars stellen sich beim Anfassen als künstlich heraus; mit bloßem Auge ist dieses handwerkliche Meisterwerk nicht identifizierbar.

Dennoch wuchert es auf, an und unter diesem künstlichen Baum über und über voller echter Tropenpflanzen, welche sich hängend an den Beton-Ästen herabschlingen, darauf thronen oder aber von den Seiten und besonders dem feuchten Boden her hinaufwachsen. Von überall her sprühen Düsen feinen Wasserdampf in die 25 - 28° C warme Luft im Inneren der Glaskapsel und schaffen damit genau das Klima, welches die hier inzwischen beheimateten ca. 3000 Tiere und Pflanzen mögen.

Überwucherte Aussichtskanzel mitten in der Kuppel

Stachelschwein
Papagei
Gut integriert in das Ensemble ist eine Aussichtsplattform, welche mitten in diesen "Regenwald" hineinragt und großartige Ansichten in alle Richtungen bietet. Hier muss man fast aufpassen, nicht von Exemplaren der hier lebenden Vögel "umgeflogen" zu werden, welche sich sehr selbstbewusst durch ihren zwar künstlichen, doch dennoch perfekt abgestimmten Lebensraum bewegen.

Klug eingebaut auf den einzelnen vier Etagen sind an der Rückwand des Konstrukts kleine Ausstellungen, welche sowohl über den Aufbau des Regenwalds sowie seine akute Bedrohung durch Abholzung aufklären, als auch in Terrarien verschiedenste Tierarten der jeweiligen "Etage" zeigen und erklären. Um das Erlebnis lebendiger zu gestalten und jederzeit auf Fragen der Besucher eingehen zu können, stehen überall sehr aussagekräftige Mitarbeiter des "Green Planet" bereit, um  vieles zu demonstrieren und zu erklären. So kann man beispielsweise in einer langen Reihe die unterschiedlichen Stadien der Schmetterlingsmetamorphose betrachten - als Höhepunkt ist es sehr klug so eingerichtet, dass der Besucher fast immer einem erst seit wenigen Minuten entpuppten Schmetterling beim Enfalten der anfangs noch arg zerknitterten Flügel zusehen kann!

Kleine Mutprobe? Madagassische Riesenkakerlake als Streicheltier.
Auch wenn ich im Laufe vieler Jahre meine "Angst" vor so ziemlich allem, insbesondere aber vor Spinnen abgelegt habe, kann ich mich einfach nicht an die (in warmen Ländern fast allgegenwärtigen) Kakerlaken "gewöhnen" - es schüttelt mich nach wie vor, wenn ich irgendwo im Haus einer begegne. Doch der freundliche Mitarbeiter im "Green Planet" hat es geschafft, mich dazu zu animieren, eine Madagassische Riesenschabe zu streicheln. Diese Exemplare sind zwar groß, doch hockten sie ausgesprochen ruhig und friedlich auf seinem Finger - ganz anders als die wildgewordenen, mit rasselnden Beinen herumrennenden, welche ich kenne. Aber immerhin ...


Die unterschiedlichen Lebensbereiche ...
Ebenso interessant war der Aufbau eines Lebensraums von Blattschneideameisen - ja, die, welche sich über lange Strecken bewegen, mit Blattstückchen auf dem Rücken, welche ihre eigene Größe um ein Vielfaches übersteigen. In diversen gläsernen Kästen kann man gut die einzelnen "Arbeitsbereiche" wie z.B. die Kinderstube dieser Tiere beobachten.
... der Blattschneideameise (Zweig Mitte).


Dem Bildungsauftrag, der solchen Stätten ja neben dem Freizeitaspekt auch mit obliegt, kommt "The Green Planet" u.a. mit Klassenführungen für Schüler nach; diese sind nach den Altersklassen 3-6 Jahre, 7-11 Jahre sowie 12-14 Jahre an den jeweiligen Vorkenntnisstand der Kinder angepasst. Sogar Geburtstagspartys können ambitionierte Eltern hier für ihre Kinder ausrichten lassen.
 

Mein absolutes Lieblingstier ist ja das Faultier. Auch von diesem wird der "Green Planet" in Dubai mit bewohnt. Eigentlich verbringen dieses entspannten Tiere ja den Großteil ihres Lebens hoch droben in den Wipfeln. Doch dieses Exemplar hier lag, zu einem Knäuel zusammengeringelt, auf dem Regenwald"boden" inmitten herumwuchernder Pflanzen aller Art. Hätte nicht eine nette Mitarbeiterin des Projekts sich direkt dort auf dem Weg postiert und die Spaziergänger darauf hingewiesen, wäre ich so wie alle anderen wohl einfach an dem im Kraut pennenden Faultier blicklos vorübergegangen!

"Nicht Ausrutschen"-Warnung, in Form einer... Bananenschale!


Da sich je nach Tageszeit die Aktivitäten der Tiere unterscheiden und die Mitarbeiter für Abwechslung bei den Exponaten sorgen, können wir einen Besuch im Ökosystem Regenwald - mitten in Dubai, Nähe Dubai Dity Walk - jederzeit empfehlen. Geöffent ist täglich von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends, donnerstags und freitags jeweils sogar bis Mitternacht!

"The Green Planet", der Regenwald von Dubai, von außen gesehen.

Fotos: Antje, Tina & Tanja Döhring

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