Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Montag, 9. Mai 2016

'GLADies' - Deutsch sprechende Frauen in Abu Dhabi


Wenn man an einen fremden Ort umzieht, der dazu auch noch in einem anderen Land, gar auf einem anderen Kontinent und in fremdem Kulturkreis liegt - (das Ganze möglicherweise zum allerersten Mal!) - der fühlt sich sicher oft erst einmal ein wenig entwurzelt, ratlos, neugierig, verzweifelt, einsam, irritiert, dankbar für jegliche Unterstützung. Meist alles gleichzeitig.


So sieht sie aus: Die neu gestaltete Homepage der GLADies.

Während die Kinder, so vorhanden, schnell durch Schule oder Kindergarten einen neuen Alltag haben, Anschluss finden und auch der - zumeist entsendete - Partner voll an seinem neuen Arbeitsplatz beschäftigt ist, bleibt gerade in expatriierten Familien häufig ein Erwachsener daheim (oft die Frau/Mutter; aber es gibt natürlich auch "mitreisende" Ehegatten bzw. Väter, wenn die Frau beruflich entsendet wurde!). In manchen Arbeitsverträgen darf der mitreisende Partner im Neu-Land selbst arbeiten gehen, in manchen nicht.

Wobei: Daheim bleiben...?! Zuallererst ist das ja gar nicht vorhanden! Vom Hotel aus besichtigt der daheim-abernichtdaheim-Gebliebene zunächst potentielle Wohnungen. Die danach bewohnbar gemacht / eingerichtet werden müssen. Oft dauert es Wochen oder sogar Monate, bis der Container mit den vom Heimatland mitgebrachten Möbeln und persönlichen Dingen ankommt...

Doch auch noch nach Wochen des Schaffens eines neuen Zuhauses ist der "nicht arbeitende" Partner häufig damit beschäftigt, Alltag im Sinne von "Wo bekomme ich Brot her, das keine Fladenform hat", "Wo finde ich einen vertrauenswürdigen Zahnarzt" oder "Wo zum Geier ich treibe ich jemanden auf, der Internet im Haus installiert" etc. herbeizuzaubern. Manchmal hilft das Internet (sofern schon angeschlossen), manchmal auch nicht.
Der eine oder die andere verzagt dann gelegenlich: Wenn nichts funktionieren will und eventuell durch fremde Sprache und kulturelle Prägungen auch oft erst einmal nicht wirklich kann. Verzweifelte Momente, Expat-Blues...


GLADies - ein "Heimathafen" in der Fremde


In solchen Fällen Gold wert sind: andere Expats! Leute, die schon länger da sind und die gleichen Informationen einst selbst verzweifelt suchten, nun aber gern an Neuankömmlinge weiterzugeben bereit sind! Am besten sogar die eigene Sprache sprechen; durchaus auch übertragen gemeint.

In Abu Dhabi sind für alle Deutschsprachigen die GLADies ein erster "Hafen" und Quell von Wissenswertem, Tipps, aber auch einem "heimatlichen" Gefühl. Die "German speaking LADIES of Abu Dhabi" nehmen seit  20 Jahren neu hinzukommende Frauen mit offenen Armen auf. Eine andere Lesart ist "Glad Ladies" (Glückliche Frauen). Antje Al-Sayed Ali war zusammen mit Gisella Salem eine Frau "der ersten Stunde", leitete die Vereinigung viele Jahre lang und ist nach wie vor aktives Mitglied.


Beliebt: Die monatliche Frühstücksrunde der GLADies im Beach Rotana Hotel.

Nein, das ist beiliebe kein heimattümelnder Verein engstirniger Hausfrauen, die ständig beisammen glucken, weil sie sich womöglich nicht "hinaus ins Leben" trauten. Jenes ist eine beliebte Phantasie oft jugendlicher, rucksackreisender Leute, welche eher locker im Ausland zu reisen denn längerfristig dort zu leben (vor)haben - und die es "schrecklich" finden, wenn man in der Fremde auch nur einmal mit Landsleuten spricht, anstatt sich voll der Gastfreundschaft der freundlichen Inländer hinzugeben. 
Der Expat hingegen kapiert schnell: Zwischen ein paar Monate des ungebunden Herumreisens und irgendwo (zumal vielleicht mit Kindern) dauerhaft einen Alltag zu meistern besteht ein nicht gerade kleiner Unterschied... Der Appetit auf Schwarzbrot wird nach einigen Monaten ab und an genauso groß wie der Wunsch nach Menschen mit ähnlicher kultureller "Stamm"-Identität. 

Guter Rat muss eben nicht teuer sein, wenn eine Organisation wie die GLADies zur Hand ist! Die GLADies bieten auf ihrer gerade komplett neu gestalteten Homepage* viele Tipps und Links gerade für Neuankömmlinge, aber auch vielfältige Angebote kultureller, geselliger und sportlicher Art. Eine wichtige Starthilfe in den Abu-Dhabi-Alltag stellt die Link-Sammlung dar (Institutionen, Ärzte, kulturelle Angebote, Landeskunde VAE,...) 

Ausflüge ins Umland und Besichtigungen oder gemeinsame Frühstücksrunden laden regelmäßig ein. Manche Mitglieder dieser losen Vereinigung beteiligen sich sehr rege und sind bei vielen GLADies-Veranstaltungen dabei. Andere sieht man ein-, zwei Mal im Jahr dort (vielleicht, weil sie selbst eine Berufsarbeit aufgenommen haben) - und auch das ist völlig in Ordnung. Freundschaften sind auf solchen Zusammentreffen wohl allein in Abu Dhabi bereits unzählige entstanden!

Zu den Aktivitäten können natürlich gern auch Gäste mitgebracht werden; Abu Dhabi erfreut sich ja unter Verwandten und Bekannten in Übersee steigender Beliebtheit für Besuche. Auch für die Ehemänner gibt es mit der "GLADiesNight" ein (dann nicht rein deutschsprachiges!) Angebot. Dort können sich abends berufstätige wie nicht berufstätige GLADies und ihre Partner treffen und in lockerer Atmosphäre austauschen.


Liebevoll dekoriertes Buffet anlässlich des Muttertags

Viele Talente werden unter den Mitgliedern offenbar: Manche der GLADies bieten Kurse an (momentan Bowling, Literaturkreis, Mamas, Aquafitness und Wassersport, Quilten u.a.). Oder aber sie kümmern sich darum, dass diese Vereinigung überhaupt existieren kann! 
210 Frauen stehen im E-Mail-Verteiler, 90 davon sind (wenig!-) zahlende Mitglieder. Derzeit neun Damen lenken und leiten mit unterschiedlichen Aufgaben die Gruppe Denn  selbstverständlich gibt es bei der Organisation und Verwaltung aller Aktivitäten auch vieles im Hintergrund zu regeln. Alle regelmäßigen wie zeitweiligen Mitarbeiterinnen kümmern sich natürlich rein ehrenamtlich.

Toll, dass immer wieder Frauen bereit sind, sich zum Wohle der Gemeinschaft den berühmten "Hut" aufzusetzen. Bei einer so starken Fluktuation der Mitglieder, wie es für Expat-Gemeinschaften nun einmal normal ist, müssen sich nach dem Weggang der einen ja immer wieder neue finden! Gerade wurde die bisherige "Chefin" verabschiedet, da sie in ein anderes Land umzieht. Doch glücklicherweise hat sich bereits eine Nachfolgerin bereit erklärt. Auch nach der Sommerpause wird es also hoffentlich wieder zahlreiche interessante und verbindende Stunden von und mit den GLADies geben.


* GLADies-Homepage Neugestaltung: Philipp Los

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