Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Montag, 2. Mai 2016

Alsaqla - ein Kinderspiel


 
Emiratische Kinder spielen "Tuh" - das emiratische "Himmel und Hölle"!  - Foto: https://sites.google.com/site/walamohameduae/home/uae-traditional-games


Kinder spielen. Mit Puppen und Murmeln, mit Stöcken und Steinen, in der freien Natur: Immer weniger. Mit Spielkonsolen, Smartphones oder allgemein der Fernbedienung, daheim auf dem Sofa: Immer häufiger. 

Dieser Trend ist in der digitalisierten Welt - zum Leidwesen vor allem vieler Erwachsener - immer häufiger anzutreffen. Dabei ist wohl weniger das Land oder die Herkunftskultur entscheidend (und auch nicht unbedingt das Geld - billige Smartphones und Fernseher findet man inzwischen als häusliche "Grundausstattung" selbst in Slums!), sondern vor allem das Umfeld. Während Kinder auf dem Land, wo auch immer, heute immer noch häufiger mit Gleichaltrigen draußen spielen, werden es zunehmend weniger, je urbaner und verkehrsdurchzogener ihr Viertel ist. Höhepunkt: anonyme Apartments in riesigen Hochhäusern...

Manches deutsche Kind kann schon kaum noch etwas mit "Himmel und Hölle", Murmeln, "Räuber und Gendarm" oder Baumhäuserbauen anfangen. 
Hoffentlich vergessen die emiratischen Kinder ihre Spieltraditonen nicht! Etwa 180 solche Spiele sind nämlich einst während der Ferien, bei religiösen Anlässen oder einfach in der Freizeit gespielt worden. 

Viele emiratische Schulen entwickeln jährlich in Vorbereitung des Nationalfeiertags Projekte zu traditionellen einheimischen Spielen, damit sie nicht ganz in Vergessenheit geraten oder gar gänzlich aussterben.


Hier eine kleine Auswahl. Man begreift: Kinderspiele sehen überall auf der Welt ähnlich aus.

ALSAQLA: Fünf Steine werden in vier nebeneinander liegende Mulden gelegt. Ziel ist es, alle Steine von einem zum nächsten zu bewegen, während ein größerer Stein derweile in die Luft geworfen und wieder aufgefangen wird. Die Spieler wechseln sich ab.

ELKARRABI: Zwei Gruppen stellen sich hinter parallelen Linien einander zugewandt auf - sie repräsentieren dabei eine Burg und das Wasser. Alle Kinder springen auf einem Bein in die Mitte und versuchen dabei, einander über die Begrenzung zu schubsen. 
 
TUH: Himmel und Hölle! Die Kinder malen Quadrate auf den Boden, dann wirft eines ein Steinchen in eins der Felder. Anschließend springen sie erst bis zum Stein, dann bis zum Ende der Quadrate.


HABIL ALZABIL: In einen Kreis, der in den Sand gezogen wurde, legen alle Jungen ihre Guthra (das emiratische Männer-Kopftuch). Auf Kommando versuchen sie nun, ihr Tuch wiederzuerlangen, wobei sie daran jedoch ein Junge im Kreis zu hindern versucht. Dabei werden alte Sprüche aufgesagt.

KUK: Verstecken! Eines der Kinder schließt seine Augen, während die anderen aus der Gruppe wegrennen und sich verstecken, bis sie vom ersteren Kind alle wieder gefunden sind.

AZAIM ASSIRRA: Die Jungen werfen einen Knochen weit in die offene Wüste, danach schwärmen alle aus, um ihn wiederzufinden. Jeder will den Knochen als erster in einen Zielkreis bringen!

KHUSSA BOSSA: Die Mädchen sitzen in einem Kreis. Während eine von ihnen ein Lied singt, tippt sie reihum die Hände der anderen Mädchen an. Diejenige, deren Hand sie beim letzten Ton des Liedes berührt, ist "raus".


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