Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Dienstag, 5. April 2016

"Kater"-Blitzkur in Dubai


Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein islamisches Land, so viel weiß jeder. Kein superstrenges, wie der Nachbar Saudi-Arabien, schon gar kein fanatisches. Doch teilt der Ruf des Muezzins den Tag ein, Minarette leuchten überall, der Fastenmonat Ramadan ist ein großes Fest für alle Gläubigen auch in den VAE.


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Doch wie viel Toleranz, manchmal sicher auch Konzession an bzw. gegenüber andersartige Kulturkreise - aus denen die große Überzahl der "Gastarbeiter" stammt - im Alltag der VAE sichtbar wird, ist schon erstaunlich. Während es hierzulande bei klassichen Drogen null Toleranz gibt (schon mancher Tourist, der vom Stopover in Goa noch ein, zwei Gramm Hasch im Rucksack stecken hatte, landete vom emiratischen Flughafen direkt im Gefängnis und wurde dann retour geschickt), sieht es beim Konsum von Alkohol doch anders aus. 
Das Emirat Sharjah ist durch und durch "trocken". In den anderen ist das Trinken in lizenzierten Restaurants und Bars erlaubt, überdies gibt es separate Läden, in welchen man gegen eine vorher notwendigerweise erworbene Alkohol-Lizenz Geistiges aller Art für daheim kaufen kann. Zu sich nehmen darf man diese Getränke jedoch nicht an öffentlichen Orten, wie in Parks, auf Veranstaltungen etc.

Über fast schon groteske Paradoxa - gemessen am der islamischen Grundkonstitution des Landes - wie die "Ladies Nights" habe ich ja schon früher berichtet.
Ein wenig alarmierend klingt, dass der Alkoholkonsum pro Kopf und Jahr in den VAE laut einer Erhebung von 2014 bei 32,8 l reinen Alks lag, während der globale Durchschnitt mit 17 l gerade einmal die Hälfte beträgt! Betrunken in der Öffentlichkeit sehen lassen sollte man sich allerdings keinesfalls - auch dann landet man u.U. schneller in einer Zelle, als man "Taxi!" lallen kann. Seinen "Hangover" ( - wer denkt dabei nicht an den Klamauk-Film? - ) sollte der Trinker in den Emiraten also gepflegt für sich behalten.

Kampf dem "Kater" (anstatt dem Alkohol)...

 

Einen neuen Service für Leute, die am Vorabend etwas zu heftig gebechert haben, finden die Kater-Opfer jetzt in Dubai. Ich hatte schon von diesem "Doktor Gnadenreich" in Las Vegas gehört, welcher mittels einer speziellen Kater-Therapie aus Alkoholleichen binnen einer Stunde wieder für den kapitalistischen Markt fitte Arbeitstiere zaubert. "Erfunden" wurde die Methode wohl in Australien.

Dass dieses Konzept nun ausgerechnet in Dubai Fuß fasst, fand ich aber schon ziemlich originell. Anstatt übermäßigem Alkoholgenuss den Kampf anzusagen.... bekämpft man  lieber seinen jüngeren Bruder, den "Kater" Die sogenannte "IV Therapy" wird seit Februar in "Health Call" angeboten, einer Klinik in Dubais Jumeirah Lakes Towers. Ousama Alnazzal, Sprecher der Klinik, sagt: "Wir können eine Krankenschwester zu Ihnen nach Hause oder an den Arbeitsplatz schicken, oder Sie können zu uns in die Klinik kommen."
Es gibt drei unterschiedliche Packages, vom billigsten mit inatravenös verabreichtem Vitamin B und C über die für heftigere Katersymptome (und mehr Geld), bei denen zusätzlich noch Kopfschmerz- und Anti-Übelkeitsmedikamente in die Vene tropfen. Nach der Behandlung soll man sich wieder frisch und munter fühlen wie ein Fisch im Wasser...

Alnazzal meint: "Gemessen daran, dass vor allem Dubai eine Kultur des hart Arbeitens, aber auch des hart-spätnachts Feierns hat, erwarten wir eine signifikante Nachfrage." Auch wenn dieser Service wohl vornehmlich auf die rund 85% Expat-Bevölkerung der VAE abzielt...

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