Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Sonntag, 10. Januar 2016

Zahra Lari - junge Emiratin eifert Kati Witt nach


Emiratische Eiskunstläuferin Zahra Lari trainiert für Olympia 2018. Foto: http://abudhabiweek.ae/breaking-the-ice/

Mit elf Jahren sah Zahra Lari den Film "Die Eisprinzessin". Sie war fasziniert von dieser so  engen Verbindung zwischen Sport und Kunst. Und überdies wie verzaubert von der Vorstellung, Teil so einer "Märchenwelt" zu sein. Fortan ging sie drei, vier Jahre lang jeden Donnerstag - während der für die Öffentlichkeit zugänglichen Stunden - auf den Eisring in der Eissporthalle in der Sheikh Zayed Sports City Abu Dhabi. Dort kann man einheimischen Jugendlichen bei ihrer durchaus bemerkenswerter Geschicklichkeit auf Kufen zusehen. Anfangs musste sie feststellen, dass es im Film tausendmal leichter aussieht als es ist, wenn man sich selbst auf die schmalen Kufen stellt. Doch das Mädchen gab nicht auf: Zahra - eine Eisprinzessin der Wüste...

Wenn man bedenkt, dass europäische und amerikanische Eltern künftigen Eiskunstlaufstars oft schon mit gerade einmal zwei, drei Jahren Schlittschuhe anziehen und sie ins Training schicken, klingt es allein schon wie ein Märchen, dass Zahra als Teenager erstmals überhaupt begann, Eiskunstlauftraining zu nehmen und professionell ausgebildet zu werden! Das ist wirklich bemerkenswert und spricht für Talent und Disziplin der emiratischen Eisprinzessin.

Noch märchenhafter allerdings ist, dass die mittlerweile 19-jährige - als allererste Emirati in dieser Sportart - an den Olympischen Winterspielen 2018 in Südkorea teilnehmen will! Nachdem sie mittlerweile sechs Mal die Woche jeweils sechs Stunden bei internationalen Trainern arbeitet, hat die Spütstarterin aus dem Wüstenland mit einem 12. Platz auf einem Wettkampf der International Skating Union (ISU) in der Slowakei Ende vergangenen Jahres auch Skeptikern bewiesen, dass sie inzwischen internationales Niveau erreicht hat. Wer Videos (siehe unten) mit Beiträgen von ihr gesehen hat, bezweifelt das angesichts der Pirouetten und vierfachen Sprünge auch nicht. 


Zahra "taut" traditionelle Normen für eine bislang eher fremde Sportart


Dass die ersten internationalen Schlagzeilen ihretwegen jedoch weniger ihren sportlichen Leistungen galten als dem Umstand, dass sie die erste Eiskunstläuferin weltweit ist, welche mit Kopftuch an den Start geht, beschwert sie nicht weiter. Viel wichtiger ist ihr, jeden Tag ihr Maximum zu geben - sei es im Training, in der Schule oder in ihrer Familie.

Ihr Vater war anfangs von ihren Ambitionen nicht so sehr erbaut - kein Wunder, denn dieser Sport war in den Emiraten nun einmal eher fremd, und die Leute hatten, so Zahra, "seltsame Vorstellungen darüber". Doch als ihre Familie sah, dass Eiskunstlaufen nicht gegen die lokalen Traditionen verstößt und das Mädchen es sehr ernst damit meinte, erhielt sie deren Unterstützung - auch darin, an internationalen Wettbewerben teilzunehmen.

Zahra Lari sagt, es sei ein "kulturelles Ding", dass Mädchen in den Golfstaaten traditionell nicht viel mit Sport am Hut haben. "Daher macht es mich stolz, hierbei den Weg  für die kommende Generation zu ebnen. Ich habe bisher dafür gekämpft, dass es passiert, und das ist es wert! Es ist wirklich für mich wichtig zu zeigen, dass der Hijab (das Kopftuch) mich keinesfalls einschränkt in dem, was ich machen will!"

Auf Ausschlafen, Partys oder Schokolade muss die emiratische Eisprinzessin verzichten. Doch das tut sie ihrer Passion, dem Sport, zuliebe gern, versichert sie. "Nur ein Kilo mehr auf der Waage - und schon gehen das ganze Timing und die Landung meiner Sprünge  nicht mehr auf!"

Momentan konzentriert sie sich auf die Vorbereitung der nächsten internationalen Herausforderung. In ihrem ISU-Wettkampfkalender ist die "Sportland Trophy Competition" vom 4. bis 9. März 2016 in Budapest rot angestrichen.

Dennoch reichen die Pläne der emiratischen Sportlerin über diesen Wettkampf und auch das hohe Ziel Olympia bereits hinaus. Unlängst wurde sie zur UNICEF-Jugendbotschafterin berufen. Künftig möchte Zahra junge einheimische Eissportler an ihren Sport heranführen und junge, neue Kufenstars trainieren.


Hier kann man Zahra bei Eislaufen zusehen:

https://youtu.be/2AWbmQX-qRs
 


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