Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Sonntag, 22. November 2015

Essen wie bei der emiratischen Oma - "Meylas Restaurant"


Gut zu speisen hält Leib und Seele zusammen. Typische Küche reflektiert die Kultur eines Landes, eines Volkes auf seine ganz eigene Weise. Essen ist eine Art Lebensphilosophie.

"Meylas Restaurant" in Abu Dhabi ist auf traditionelle emiratische Küche spezialisiert - mit Erfolg beim Publikum!

An diese Leitsprüche halte auch ich mich oft und gern. Eingedenk der Tatsache, dass auf diesem Blog u.a. die Beiträge zu arabischer - speziell emiratischer - Küche sehr gefragt und nachgelesen sind, habe ich mich wieder einmal in die Spur begeben, um herauszufinden, was "wirklich emiratische" Speisen sind und wo man sie in der hiesigen Gastronomie denn findet.

Wer in die Emirate kommt, kann sich quer durch das gesamte Vokabular internationaler Küchen schlemmen - von "A" wie äthiopisch bis "U" wie usbekisch! Eigenartigerweise findet man aber ausgerechnet die lokale, unverfälschte Küche so gut wie gar nicht. Dem wollte eine junge Emirati Abhilfe schaffen.


Jungunternehmerin Shaikha Al Kaabi vor "Meylas Food Truck", mit dem sie alles begann.  Foto: http://www.thenational.ae/arts-lifestyle/food/meylas-food-truck-offers-emirati-cuisine-to-abu-dhabis-residents
Vermutlich nirgends kann man das in ganz Abu Dhabi derzeit besser als in "Meylas Restaurant", das seit Juni 2015 an der Strandpromenade im neu erbauten Stadteil Muneera seine Gäste empfängt! Vorweg: Mit der oft beschworenen, "arabischen" Essens-Dreifaltigkeit von Hummus, Tabbouleh und und gefüllten Weinblättern hat genuin emiratische Küche etwa so viel zu tun wie Borschtsch und Pizza Quattro Stagioni mit althergebrachter deutscher Hausmannskost.

Auf der Speisekarte von "Meylas Restaurant" stehen nämlich so fremd klingende Gerichte wie Shorbat Abas (emiratische Linsensuppe), Balaleet (süße, mit Safran und Kardamom gewürzte Fadennudeln, gekrönt von einem dünnen Omelett), Semach Mashway ( gegrillter Fisch mit weißem Reis und Ghee) oder Harairoaa (traditionelles emiratisches Getränk, das mit gerösteten Amarant-Samen gesüßt ist).


Die Speisekarte auf Arabisch und Englisch wurde auf Ökopapier gedruckt.
Ein Blick auf die Gästeschar, die sich an diesem Abend rings um die Tische im Gastraum und auf der Terrasse mit Blick auf einen Meeresarm versammelt hatte, bezeugt: Ja, es sieht ganz danach aus, als kochten die junge Restaurantbesitzerin, Shaikha Al Kaabi, und ihre Küchencrew tatsächlich nach "Omas" Rezepten, denn der Anteil an Emiraties um die Tische ist auffällig hoch. "Meylas" ist der emiratische, mundartliche Ausdruck für "Majlis" - den typische Raum in arabischen Häusern mit umlaufenden, gestreiften Polstern, in welchem Gäste empfangen werden und wo man gemeinsam isst und trinkt.

Emiraties werden bei diesem Anblick nostalgisch: Rückwand mit alten Haushaltsgegenständen...

Seit 2012 war Shaikha Al Kaabi bereits mit ihrem gleichnamigen Food Truck in Abu Dhabi unterwegs: Auf verschiedenen Veranstaltungen oder auch im Alltag taucht dieser fahrbare Kiosk an unterschiedlichen Plätzen auf und bietet "Fast Food" auf der Basis alter emiratischer Rezepte. Das Restaurant ist nun eine Erweiterung dieses Angebots an festem Platze.



Die Inneneinrichtung des Restaurants orientiert sich weg von den vielen anderen, auf Hochglanz und Luxus gestylten Gaststätten und Bars der Stadt. Al Kaabi arbeitete extra mit einheimische Designern, um ihre Idee von einem "nostalgischen" Interior wahr werden zu lassen: Eine alte Eisentür, rot gestrichene Schulklassenstühle, alte Grießdosen als Besteck- und Serviettenhalter, Emaillekannen und  rustikales Geschirr versetzen Einheimische zurück in die 80-er.

Ein stimmungsvoller Filmclip über das neue Lokal inklusive eines Kurzinterviews mit der jungen Besitzerin findet sich hier.


Mit sichtbarerer Freude daran Gäste zu bewirten war Kellner Rida allzeit für uns zur Stelle, gab Hinweise und sah jederzeit dezent nach dem rechten. Wir bestellten die genannte Linsensuppe, Süßkartoffel-Pommes Frites sowie mit Schmelzkäse gefülltes Rgaag-Brot als ersten Gang. Und danach Tahta Rubyan (Shrimps in gewürztem Reis) und Fareed (Gemüseeintopf mit Lamm, dazu zerbröseltes, getrocknetes Fladenbrot, welches man in die Brühe gibt).
Während ich anschließend sehr glücklich mit meinem Chai Haleeb war (mit Milch und Zucker aufgekochter Tee), balgte sich der Rest der Familie geradezu um Legeimat-Teigbällchen, die an kleine Krapfen erinnern, serviert mit Sesam und Dattelsirup - eine Leckerei, die offenbar in allen Altersgruppen hier der "Hit" ist! Auch wenn einige der Gerichte vielleicht gewöhnungsbedürftig klingen, so waren sie doch erstaunlich aromareich und wohlschmeckend.

In der Küche wird gerade mein Rgaag-Brot zubereitet...
Shaikha Al Kaabi ist weiterhin voller Pläne. "Demnächst haben wir vor, dass Leute uns Großmutters emiratische Rezepte mitbringen können, welche unsere Köche dann hier ausprobieren und testen. Was überzeugt, wird man anschließend für gewisse Zeit auf einem Spezialmenü wiederfinden können", hatte sie unlängst erklärt (in: http://sailemagazine.com/).
Doch auch jetzt schon lohnt es sich für Neugierige, ihre Speisekarte und damit alte emiratische Kochtraditionen essend in "Meylas Restaurant" zu erkunden.

Der Ägypter Rida bediente uns kenntnisreich, schnell und freundlich.

Bei "Legeimat" reicht eine Portion nicht aus! :-)




















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