Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Montag, 13. April 2015

Fleisch vom Schwein - darf sein! (Oder: dezenter Konsum)


Ich brauche es nicht ständig. Andere dafür um so öfter.
Die Rede ist.....nein, nicht vom Alkohol, das Thema hatten wir schon. :-)
Sondern von Fleisch - und zwar dem vom Schwein.


Vielen Moslems mag ganz natürlich die Begründung für das Schweinefleischverbot genügen, dass Allah so einst für die Gläubigen bestimmt hat:

„Verboten hat Er euch nur (den Genuss von) natürlich Verendetem, Blut, Schweinefleisch und dem, worüber etwas anderes als Allah angerufen worden ist. Wenn aber jemand (dazu) gezwungen ist, ohne (es) zu begehren und ohne das Maß zu überschreiten, so trifft ihn keine Schuld; wahrlich, Allah ist allverzeihend, barmherzig.“
Koran 2, 173

Hinter dieser verspiegelten Schiebetür eröffnet sich das Reich des Schweinefleischs... für Nicht-Moslems only.


Nicht-Moslems jedoch fragen an dieser Stelle doch gern noch einmal: "Ja, aber warum denn nun wirklich?"

Abgesehen davon, dass es dieses Verbot ja auch im Judentum und Teilen des Christentums gibt (Siebenten-Tag-Adventisten), kann man dazu zwei Erklärungen anbieten. Die eine lautet, dass Schweine oft als Abfallfresser als "unrein" angesehen wurden und daher eher Abscheu erregten. Auch die im heißen Klima leichte Übertragung von Trichinose auf den Menschen durch den Verzehr von nicht komplett durchgegartem Schweinefleisch wird oft zitiert.
Darüber hinaus führt eine weitere Theorie ins Feld, dass das Schwein, welches bis vor ca. 4000 Jahren in den später moslemischen Regionen lebte, durch den damaligen Klimawandel ein Nahrungskonkurrent für den Menschen wurde. Bei - durch steigende Hitze und Dürre - zurückgehender Vegetation setzten sich in der Haltung Wiederkäuer durch, welche sich in diesem Klima besser hielten und ohnehin für den Menschen unverwertbare Pflanzen fraßen.

Wie dem auch sei - ein gläubiger Moslem isst keinerlei Schweinefleischerzeugnisse. In Ländern wie Saudi-Arabien oder Libyen haben wir auch tatsächlich strikt niemals welches zu kaufen gefunden.
Doch in den Vereinigten Arabischen Emirate mit ihrer kosmopolitischen Bevölkerung, von der rund ein gutes Drittel gar nicht muslimisch ist (die Angaben hierzu schwanken etwas), kann man so etwas schwierig durchsetzen.

Wie so oft, wurde also für die vielen Schweinefleisch-Esser im Land eine Regelung installiert, welche allen gerecht wird. In der hiesigen Supermarkt-Kette Spinneys (und ein paar weiteren) gibt es diese undurchsichtige Tür. Spinneys Supermarkt - der mit "Extras".
Auf der Tür befindet sich der Hinweis, dass diese Abteilung nur für Nicht-Moslems gedacht ist, weil dahinter Schwein in allen denklichen Variationen die Auslagen füllt.


Die "Fleisch- und Wurstprodukte mit Schweinefleischbestandteilen"-Abteilung von innen.

Im Eldorado des Schweinfleisch-Connaisseurs dann kann man alles kaufen, was das Herz begehrt: Von frischem Filet und Steak über Schinken, Salami bis zu Erzeugnissen anderer Fleischarten, welche jedoch mit Schweinebestandteilen angereichert sind (Entenleberpastete durch Schweineschmalz, Wiener Würstchen aus Rind mit Schwein gemischt etc.) sowie Fertiggerichte, wie z.B. Englische Pasteten á la "Lamb and Kidney Pie" oder auch Pizza mit Salamibelag.

.... und auch Deutsche Salami in der Packung.
Pizza mit Schweinesalami gibt's nur hier.....






Würstchen der deutschen Firma Hochwald.

Und so ist es mal wieder allen recht gemacht: Die nicht-moslemischen Bewohner der VAE können  ihr Schweinesteak genießen. Und Moslems, welche sich vielleicht schon allein durch den Anblick von Schweinefleisch unangenehm berührt fühlen mögen, wird dieser erspart.


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