Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Montag, 2. März 2015

"Flüssig Brot" - wie man an Getränke kommt, wenn man mal kein Wasser will


Manchmal lebt der Mensch (vulgo der Deutsche Expat) auch nicht nur vom Brot allein.
In vielen muslimischen Ländern stellt einen das vor Probleme; Alkohol ist nun einmal nicht so recht Islam-konform. "Flüssig Brot" (Bier), Wein oder andere geistige Getränke gehören jedoch für Leute aus westlichen Herkunftsländern oft zur Geselligkeit oder Kulinarik schlichtweg dazu. Auch für mich gehört zu einem "runden" Essen ein gutes Glas Wein.

Einkauf im Alkohol-Geschäft namens "High Spirits"

Das Alkoholverbot wird in einzelnen Staaten ganz unterschiedlich gehandhabt. In Saudi-Arabien z.B. saßen wir wirklich auf dem "Trockenen" - merke: Es ist nicht immer von aridem Klima die Rede, wenn auswärts Lebende von einem "dry country" berichten, sondern möglicherweise auch von einem Land mit striktem Alkoholverbot! Das wurde dort weiland für uns nur unzulänglich verbessert durch diverse, vor sich hinblubbernde Kanister im Badezimmer. Eingeweihten muss ich jetzt nur den Begriff "Rauch-Säfte" zumurmeln....

In Delhi in Indien arbeitete ich intelligenterweise (zufällig) gleich bei DER - damals fast einzigen - Importfirma für Käse und Wein. Dort habe ich gelernt: Man kann sich sein Gehalt ja auch teils in "Naturalien" auszahlen lassen! So mussten wir nicht extra für ein Bier in eines der 5-Stern-Hotels gehen - denn nur dort wird in Delhi ausgeschenkt. In Libyen - ebenfalls "dry" - wiederum wusste uns meine arbeitsmäßige und freundschaftliche Nähe zu Diplomatenkreisen entsprechende zu Ware verschaffen.

Wie so einiges andere, ist auch dieses Thema in den Emiraten einmal wieder vergleichsweise einfach geregelt. Die Landesherren der VAE fanden für die vielen Ausländer, welche immerhin rund 85% der Gesamtbevölkerung darstellen, eine pragmatische Lösung. Motto: Zufriedenheit für alle, egal welcher Konfession.
In einem älteren Beitrag bin ich z.B. schon auf die in den VAE besonders eindrucksvoll beheimatete Einrichtung der "Ladies' Nights" eingegangen. Wenn man so will, eine - gemessen am muslimischen Umfeld - herausragend paradoxe Erfindung, die gerade darum großen Anklang findet.

Doch auch für den ganz unprätentiösen, heimischen Genuss sind Alkoholika hier im Laden erhältlich. Jedoch - um der Sensibilität des Themas Rechnung zu tragen - nicht im gewöhnlichen Supermarktregal, sondern in speziellen Geschäften. Theoretisch kann man da "einfach" so einkaufen gehen, sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass es in Abu Dhabi durchaus klare gesetzliche Regelungen gibt: Wer Alkohol ohne Lizenz dazu erwirbt oder konsumiert, macht sich strafbar!

So sieht die Homepage aus, auf welcher man diese Lizenz beantragen muss. Angabe des Visums, des Arbeitgebers und ein Beleg, dass man kein Muslim ist, sind Pflicht.


Das ist die Homepage https://www.auhsl.ae/Consumers/Pages/Home.aspx für die Beantragung der Lizenz

Die "Liquor Shops" der in Abu Dhabi einzigen Kette mit dem großartig gewählten Namen "High Spirits" selbst sind bemerkenswert gut sortiert und umfangreich ausgestattet. Unter Weinen, Bieren und Hochprozentigem aus aller Welt kann man z.B. chilenische Rotweine erwerben, österreichische Veltliner, natürlich superteure französische Champagnermarken, und sogar Rebengebräu aus dem anhaltinischen Saale-Unstrutkreis ("Rotkäppchen")!
Der Einkauf wird in stabile, schwarze Tüten verpackt, so dass man nach Verlassen des Geschäfts auch streng gläubige Moslems nicht einmal mit dem schieren Anblick von Alkohol belästigt. Erinnert ein bisschen an die Packpapiertüten im Amerika der Prohibition - ist aber doch hier eine für alle Beteiligten respektvolle Lösung, finde ich.

Erhältlich: Weine aus aller Welt, so auch aus Mitteleuropa

Die Preise sind so gehalten, dass man nicht gleich in Ohnmacht fällt. Jedoch auch so, dass man sich jedes Glas doch genauer überlegt - dies trifft in besonderem Maße auf Alkoholika in den Lokalen / Hotels mit Schanklizenz zu. Was zur Folge hat, dass in Abu Dhabi oder Dubai niemand auf ein Feierabendbierchen oder das Glas Rotwein zum Abendessen verzichten muss. Man allerdings auch nirgends betrunkene Menschen erlebt (hierfür sorgen wohl auch die dezent agierenden Sicherheitskräfte in den Restaurants).

Aber Achtung: Die Emirate haben unabhängig voneinander bestehende Gesetzgebungen. So ist z.B. Sharjah generell "trocken", d.h. es gibt auch in Hotels keinerlei Alkohol. Auf der Seite des Auswärtigen Amtes steht hierzu:
"Die VAE sind ein islamisches Land. Alkohol wird zwar in einigen Hotels angeboten, jedoch ist der Konsum ohne Lizenz verboten. Bei Zuwiderhandlung und Anzeige muss mit der Abnahme des Reisepasses, einer längeren Gerichtsverhandlung und einer Geldstrafe gerechnet werden. Im Emirat Sharjah wird das Alkoholverbot besonders streng gehandhabt. Alkohol wird in keinem Hotel angeboten."

Bevor man also in die VAE einreist, sollte man sich die jeweiligen Bestimmungen genau zu Gemüte führen, um vor unliebsamen Überraschungen gefeit zu sein!

Im übrigen: Ein Prosit auf diese Toleranz, die auf gegenseitigem Respekt fußt und somit sowohl für als auch gegen die Trinkgewohnheiten diverser Kulturen (fast) alles ermöglicht!












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