Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Donnerstag, 24. Juli 2014

Adresse: "Zwischen der 15. und der 15. Straße"!





In Abu Dhabi ist alles ganz einfach: Es gibt Straßen, die meist auch noch schachbrettartig angelegt sind. Leider ersetzt man die Nummerierung, die so schön einprägsam war, seit kurzem immer mehr durch die Namen ehemaliger Scheichs.

Nun ist es auf einmal nicht mehr "Straße Nr. 23", sondern die "Sheikh Mohammed Bin (es folgen drei bis fünf weitere Namen).... Road". Für den Ausländer, der sich in der Genealogie des hiesigen Königshauses nicht so gut auskennt, duchaus schwieriger zu merken als die Zahlenversion.


 Aber natürlich gibt es auch in einem so geordneten Land wie den Emiraten gewisse Tücken. Unlängst wollte ich meine Tochter bei einer Freundin abholen. Ich hatte eine Wegebeschreibung erhalten, die da hieß, von der Soundso-Straße solle ich kurz hinter der 15. Straße, die rechts abgeht, nach einem gelblichen Haus Ausschau halten. Das tat ich.

Nach mehrfachem Klingeln öffnete ein asiatisches Hausmädchen; da sie kein Englisch verstand, versuchte ich mit Gebärden zu erklären, dass ich ein kleines Mädchen, "etwa so hoch" (Hand in Brusthöhe) abholen wollte. Die junge Frau rief darauf etwas ins Haus, und zwei kleine - ganz offensichtlich emiratische - Mädchen kamen heraus. Mir wurde freundlich bedeutet, ob ich die eine oder die andere meine. Doch obwohl die niedlich aussahen, wollte ich doch eigentlich gern meine eigene Tochter wiederhaben...
Also rief ich die Mutter der Spielfreundin nochmals an und schilderte mein Problem. Sie meinte, ich solle einfach ganz langsam die Straße entlangfahren; sie würde sich an den Rand stellen und mir winken. So fand ich das Haus und mein Kind dann doch wohlbehalten.
Wie sich herausstellte, war die Adressangabe mit der 15. Straße durchaus richtig gewesen! Nur, dass es dort im Abstand von ca. 1,5 km eben ZWEI Straßen mit der Nr. Fünfzehn gibt, die rechs abgehen.....



Solche Erlebnisse sind uns natürlich nicht ganz neu. An jedem neuen Wohnort geht es wieder los: Sich orientieren, wichtige Adressen merken, den Ort kennenlernen. Was in Europa oder Amerika ein Kinderspiel ist - man hat ja Adressen mit Straßennamen und Hausnummer zur Verfügung, und dazu Stadtpläne und in letzter Zeit auch GPS und Navi - gestaltet sich in anderen Weltregionen weit spannender.

Besonders aufregend fand ich es an neuen Orten immer, anfangs die Kinder zu Geburtstagsfeiern zu fahren oder nach Spielnachmittagen bei neuen Freunden wieder einzusammeln. Wo es kaum Straßennamen und schon gar keine Hausnummern gab..... Wo man teils über Feldwege zum Ziel holperte, und Hausnummern gab's es erst recht keine! Dafür war es dann halt anfangs aufregender sich zurechtzufinden ;-)
So sah die selbstgebastelte kartografische Skizze für Freunde und Bekannte zu unserer Wohnung in Tripolis / Libyen aus.  (alle Angaben nicht mehr aktuell!)


"Da fährst du ganz einfach die Hauptstraße immer weiter, bis du ca. eineinhalb Kilometer hinter so einem Flyover auf der rechten Seite ein größeres Haus siehst, das hat an den Seiten und oben blaue Steine. Direkt dahinter biegst du rein, auch wenn es NICHT so aussieht, als könne man da fahren. Das ist schon ein bisschen eng zu der Mauer links hin, und die Bodenwellen sind arg tief - ich hoffe, du hast ein höhergebautes Auto?! Aber fahr da trotzdem weiter, dann kommst du auf einen Sandweg, da stehen Häuser. Links eine Moschee, an der du aber so halbrechts vorbeifährst. Dann bis zum übernächsten Weg. Auf der rechten Seite das letzte Haus. Das kannst du hinter der Mauer nicht sehen - aber dort bist du dann da!"
So lautete z.B. meine Wegebeschreibung für Freunde zu unserem Haus in Tripolis.

"Hinter (alternativ: vor) der Tankstelle", "schräg gegenüber ist so ein kleiner Gemüseladen", "am Trafohäuschen", "das sieht so aus, als könne man da nicht weiter, geh aber trotzdem dort rein!"..... so klangen häufig wiederkehrende Adressangaben. Aber das Schöne daran ist ja - es trainierte das Hirn. Und beim zweiten, spätestens dritten Mal zum selben Haus hatte man sich den Weg dann gemerkt.

Mein neues Hirntraining wird bald wieder sein, von der Nummern- auf die Scheich-Namens-Beschilderung der Straßen in Abu Dhabi umzulernen...

Da lobt man sich doch die - vergleichsweise - (meist) eindeutige Beschilderung in den Emiraten!


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