Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Dienstag, 10. Juni 2014

Halligalli - Expat-Leben in Saus und Braus, Teil II

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Die Sache mit meinem (nicht vorhandenen) Chauffeur und Koch habe ich nun schon im letzten Posting geklärt. Dennoch ist die Vorstellung vom zahlreichen "Personal" des gemeinen Expats - ob nun mit oder ohne Neid - in Europa weit verbreitet. Als ob nicht eine Vielzahl (zumindest west-) deutscher Haushalte ebenfalls eine Zugehfrau beschäftigte...
Mit dem Unterschied, dass deutsche Wohnungen i.d.R. so gebaut sind, dass nicht der ganze Smog sich durch undichte Türen und Fenster täglich mindestens einmal schön schwärzlich überall in feinem Smog-Film festsetzt; oder in anderen Gegenden alternierend der Wüstensand... Die deutsche Familienmutter möchte ich sehen, die neben ihren anderen Tätigkeiten auch noch täglich (mehrfach) wischen mag!
Was den Gärtner angeht... nicht jeder im Ausland Lebende verfügt überhaupt über einen Garten, der versorgt sein müsste. Das Kindermädchen ist bei nicht-deutschen Expats durchaus üblich - Deutsche erziehen allerdings offenbar lieber selbst -, aber Ansichtssache. Für manche ist es eine große Erleichterung, für andere ein (künftiges) Erziehungsproblem... für sie selbst; Stichwort "kleiner Prinz". Jedoch für die meisten einfach überflüssig.

Damit hätten wir gleich noch ein anderes Stichwort beim Wickel. Sind alle Expat-Kinder verzogene Blagen? Ich denke, genauso viel oder wenig wie andere auch. Mit der Anzahl der Hausangestellten, die sich überwiegend ums Kind kümmern (anstatt der Eltern), mag dieses Risiko zwar steigen. Da wir ja aber inzwischen festgestellt haben, dass der Großteil der Expats ohne nennenswertes "Personal" auskommt, nivelliert sich dies. Ausnahmen bestätigen immer die Regel, aber die meisten Kinder an Auslandsschulen, die ich über die Jahre kennenlernte,  sind erstaunlich wenig materiell gierig (wenn auch oft gut ausgestattet), dafür aber mit einer beneidenswerten Offenheit und Toleranz ausgestattet. Und falls nicht von den Eltern anderes vorgelebt wird (Ausnahmen bestätigen usw....), erscheinen sie überdies oft auch mit einem gut ausgeprägten Sinn für soziale Ungerechtigkeit und mit tiefer Verwunderung gegenüber Leuten, welche andere Menschen nach Hautfarbe, Religion oder gar Sprache bewerten.

Pool, oder nicht Pool......


Ganz oben auf der Hitliste der Vorstellungen vom Expat-Leben (bei denen, die keines führen), ist....... tatatataaaaa! - darauf haben einige schon gewartet - der: Eigene Swimmingpool!
Hier in den Emiraten wohnen viele meiner Bekannten im wahlweise 27., 32. oder gar 64. Stockwerk. Pools sind in deren Wohnungen nicht vorgesehen. Und selbst die, welche in einem Haus leben, haben manchmal einen, jedoch längst nicht immer. Um es für Neugierige noch genauer zu benennen: Nein, ich habe hier KEINEN Pool im Garten. Wir haben im Ausland in überwiegend Wohnungen, einigen Häusern, aber nur ein einziges Mal in einem Haus mit Pool gewohnt. Wobei die Freude darüber nicht ungetrübt war, sondern dieses Wasserloch vor der Haustür eher ein Grund ständiger Albträume und Sorgen.
Wenn man ein Kleinkind hat, das zwar schon mal allein im Garten spielen dürfte, aber noch nicht schwimmen kann, peinigen einen permanent Schreckenszenarien... Da hilft nur großräumiges Absperren des Teils. Und selbst wenn dieses Problem entfällt - so ein Swimmingpool enfaltet schnell ein Eigenleben. Entweder vermeidet man die hemmungslose Vermehrung gesundheitsschädigender Einzeller, indem man rund um die Uhr das Wasser im Auge behält (nee, nicht wirklich....) Oder aber man wirft zur Abtötung derselben ordentlich Chlor in Mengen hinein, so dass man beim Baden z.B. die Schwimmbekleidung oder die Haare gleich mit desinfiziert und einer Bleiche unterzieht (die nicht erwünscht ist). Tja, also ich persönlich ziehe das Leben ohne eigenen Swimmingpool bei weitem vor.

Der Unterschied zwischen "Urlaub" und "Wohnen"

 

Witzig finde ich immer wieder, wenn Leute, die unser Gastland als Touristen bereist haben, sich höchstlich verwundern, was wir im Gegensatz zu ihnen dort alles NICHT besichtigt haben. Ja, es ist schon ein Unterschied, ob man ein paar Wochen nur zum Angucken hat. Oder bei sechs Tagen die Woche 12 Stunden auf Arbeit  - und dem Jahresurlaub fix bei der deutschen Ursprungsfamilie verbracht - nicht ständig zwischen 400 und 700 km einfache Strecke auf sich nehmen kann, um zur nächstgelegenen Sehenswürdigkeit zu gelangen! Womöglich noch mit kleinen Kindern... Denn nicht überall liegen die besichtigenswerten Orte so rasend dicht beisammen wie in Mitteleuropa, und nicht umsonst nennt man beispielsweise Indien einen Sub-KONTINENT...
Gegenprobe: Wie oft pro Jahr (!) besichtigt der in Deutschland lebende Deutsche denn den Berliner Reichstag, den Englischen Garten in München, den Hamburger Fischmarkt zuzüglich des Eiffelturms in Paris, Big Ben in London sowie einigen Kirchen in Italien, Almen in Österreich und dem Stockholmer Königspalast? Na bitte.

Der Expat als Umweltsünder?!


Als "böse" wird häufig der umweltunfreundliche Einsatz der Aircondition bei sommers Temperaturen über 40 Grad betrachtet, und im Sommer gekühlte Swimmingpools sind des Teufels. Nun frage ich Euch: Heizt in Europa denn winters niemand mehr seine Wohnung, oder gar die Schwimmhalle? Ich denke, da wären wir alle miteinander ziemlich quitt...

Was die Fliegerei angeht: Viele Expats - so auch wir - haben in den Herkunftsländern noch Familie und möchte diese Beziehungen gern pflegen. Auch und gerade wegen der eigenen Kinder, die Oma und Opa, Onkel und Tante, Cousin und Cousine, aber auch das normale deutsche Alltagsleben nicht nur von Fotos und Erzählungen kennen sollen. Ist es verwerflich, die Familie einmal im Jahr zusammenzubringen? Immerhin begeben wir uns per Flugzeug im Urlaub schon seit fast 15 Jahren dorthin, woher sich andere jedes Jahr (per Flugzeug...) wegbewegen: die ostdeutsche Provinz. Wir lieben unseren heimatlichen "Hafen" einfach zu sehr. Und per Kamel dauert es definitiv zu lange dort hin....Während ja Deutsche ihren Jahresurlaub öfters auch ganz gern per Flieger antreten - man besichtige einmal die Massen auf deutschen Flughäfen zur Urlaubszeit....

Paaaaaarty!?!

 

 "Ihr macht wohl auch ständig Party?" heißt es schnell, wenn man daheim Fotos vom Leben in der Fremde zeigt. Ja, der Eindruck kann sich einstellen. Denn wie andere auch, fotografieren wir vor allem das Besondere; nicht den täglichen Abwasch, die Mülltüten oder den Kühlschrank. "Besonders" sind kulturelle Erlebnisse, Ausflüge, und ja - auch Feiern mit Freunden. Während es in Deutschland gar nicht so wenige Leute gibt, welche jedes zweite Wochenende neben dem Grill auf dem Geburtstag von Tante Heidi, Patenonkel Richard, der Silbernen Hochzeit von Rudi und Gerlinde oder dem Jahrestag des Volleyballvereins verbringen, fallen für den Expat familiäre Feiern in der Regel naturgemäß weg (bis auf die Kindergeburtstage natürlich!).  Dafür kommt man dann eben gelegentlich mit der "Ersatz-Familie" zusammen, welche sich aus aktuell am gleichen Ort lebenden Freunden und Bekannten zusammensetzt. Dass sich bei der Gestaltung von gemeinsamen Essen, Mottopartys oder Ausflügen durchaus einiges an Kreativpotential vereinigt, ist selbstverständlich ein erfreulicher Nebeneffekt.

Der Preis des Luxus...... 

 

Der Preis, den man für den - oft vermeintlichen - "Luxus" des Expatlebens bezahlt: Alle und alles zu verlassen, was man liebt, kennt, ja - auch nur gewöhnt ist! Einmal, zweimal.... immer wieder: Abschiede. Ich bin bisher rd. 15 Mal im In- und Ausland umgezogen; gezählt wird nicht mehr. Mancher Neider des "Expat-Luxus" findet es hingegen schon unerhört, wenn er wegen des Jobs EIN Mal in die Nachbarstadt umziehen sollte!
Man darf dabei nie vergessen: Es geht hier meistens nicht um den Wunsch nach einem besonders aufregenden oder tollen Leben, sondern i.d.R. oft einfach darum, einen bestimmten Beruf und die eigene Familie in Einklang zu bringen - und wenn das daheim nicht geht, dann eben im Ausland.

Die Begeisterung dafür, in die Fremde zu ziehen, scheint beim deutschen Arbeitnehmer eher rückläufig zu sein, siehe diesen Beitrag: Deutschen wollen ungern Expats werden

Eins steht fest: Man "bewegt" sich in einem solchen Leben konstant drei Schritte zurück.... und dann maximal fünf vorwärts. So kommt man ebenfalls voran im Leben, klar! Aber es ist anstrengend... Dennoch muss ich für mich ganz klar sagen, dass ich die Horizonterweiterung, welche mir unser Leben "woanders" beschert hat, nicht mehr missen möchte!


Wer unter mitlesenden Expats an dieser Stelle selbst Anekdoten, Erinnerungen, Sprüche auf Lager hat, welche zu diesem Thema passen: Nur her damit! Ob als Kommentar hier darunter oder als Nachricht an mich - ich sammle sie!



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