Es gibt die Goldmarie und die Pechmarie. Zumindest in Grimms Märchen.
Und dann gibt es noch die SandMarie. Die sitzt manchmal auf einer emiratischen Düne und lässt den Sand durch ihre Finger rinnen. So wie die Sandkörner herab, fließen dann gelegentlich Buchstaben durch ihren Sinn, welche sich zu Worten und Sätzen fügen: Über das Leben allgemein, das Leben als Expat in den Emiraten, über Menschen, Bücher (z.B. mein eigenes, s.o.), Erlebnisse....

Freitag, 11. April 2014

Perlenhändler rasteten im alten Kloster auf der Wüsteninsel

Plan der Klosterruinen auf Sir Bani Yas Island
Nicht das, was man per se in einem islamischen Land erwartet: Auf Sir Bani Yas Island befinden sich die Überreste eines Klosters, das hier von Anfang des 6. Jahrhunderts bis 750 n.Chr. bestanden hat! Erst vor gut vier Jahren wurde es wiederentdeckt.
Einst hatten Mönche aus dem Zweistromland (Nestorianische Kirche) das Kloster hier an diesem strategisch sehr günstigen Platz gegründet. Händler von Europa nach Fernost und umgekehrt machten an diesem exponierten Platz per Schiff oft Halt, um zu rasten und ihre Waren gegen die Perlen einzutauschen, oder Waren untereinander zu handeln. Die Perlen, welche am Strand wenige Meter weiter ertaucht wurden...

Kloster auf Sir Bani Yas

Die Wissenschaftler haben die Ausgrabungsstätte überdacht, um sie vor Witterungseinflüssen zu schützen.
 Ich sehe mir die Reste der Grundmauern an.... und stelle mir vor, wie dieses kleine Kloster wohl vor 1500 Jahren ausgesehen haben mag: Karg, dicke Mauern gegen Sand und Hitze, niedrig, schlicht. Keine Fenster; Helligkeit kam nur durch die Türöffnungen oder von aufgestelltern Lampen. Alles ziemlich klein für heutige Verhältnisse; nicht zu vergleichen mit Klosterkirchen zu jener Zeit und etwas später auf Europäischem Festland.

Die Mönche: Entbehrungen gewöhnte, asketische Männer, die von den fruchtbaren Gefilden zwischen Euphrat und Tigris hierher gekommen waren, um ihrem Gotte zu dienen....
Und die Besucher, ob nun Christen oder nicht? Raue Seeleute oder Händler, mit staubigen Gesichtern und Füßen, von langen Ritten durch die arabische Wüstenei ausgedörrt oder vom salzigen Seewind gegerbt, der sie auf ihren langen Schiffsreisen umtost hatte. Ihre Pferde, Maultiere oder Kamele vor der kleinen Koster unter Palmen an einer Wasserstelle angebunden. Die müden Glieder neben ihnen ausgestreckt, Fladenbrote und ein paar Happen Fleisch im offenen Feuer röstend.

Wie mögen sich diese Männer aus vieler Herren Länder wohl verständigt haben? War Latein noch geläufig, wurde untereinander übersetzt in die vielen vorderasiatischen Idiome oder gar in die Sprachen Indiens und Chinas? Oder gab es da eine Art Lingua franca, ähnlich dem rudimentären Englisch, mit dem man sich heute rund um den Globus verständlich machen kann?

Beim Herumgehen auf dem Gelände finden wir alte Scherben, halb in der Erde noch eingegraben. Ich nehme eine in die Hand. Sie mag zu einer schlichten Schüssel aus Ton gehört haben - verziert mit gleichmäßig herumlaufenden Rillenmustern.
Ich halte also eine Scherbe in der Hand, die zu einerm Gefäß gehörte, aus dem vor 1500 Jahren ein hiesiger Mönch oder Pilger gegessen haben mag. Welch ein Gefühl.....


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